Starkes Stück
Starkes Stück, dachte ich, als ich heute Nachmittag vom Rücktritt des Chef-Volkswirts der EZB hörte. Und meine erste Reaktion mag der vieler anderer Marktteilnehmer geähnelt haben. So schoss mir sofort durch den Kopf, dass mit Jürgen Stark bereits der zweite Falke innerhalb nicht einmal eines Jahres die europäische Zentralbank verlässt. Und das auch noch zur Unzeit, mitten in der Krise. Ich möchte aber an dieser Stelle ganz bewusst nicht darüber spekulieren, ob es tatsächlich persönliche Gründe waren, die den Chef-Volkswirt zu diesem Schritt bewogen haben, oder doch Dissonanzen innerhalb der Zentralbank, weil Stark aus seiner kritischen Haltung gegenüber den Staatsanleihekäufen nie einen Hehl gemacht hatte.
Vielmehr hat mich der Zeitpunkt aufgeregt, zu dem der Rücktritt bekannt wurde: Nämlich ebenfalls zur Unzeit, an einem Freitagnachmittag, wenn die Liquidität an den Finanzmärkten meist schwach ist, so dass eine Meldung von solcher Tragweite in einem ohnehin stark verunsicherten Markt durchaus zu einer Panik führen kann. Hätte man – ohne diese Personalie jetzt zu hoch hängen zu wollen – nicht mit dieser Nachricht bis zum Börsenschluss oder Samstagvormittag warten können? Damit man Zeit gehabt hätte, die Botschaft bis zur Eröffnung des Handels am Montag in Ruhe zu verarbeiten.