Notenbanken auf dem Rückzug
Das jüngst veröffentlichte Protokoll des Offenmarktausschusses der vergangenen Fed–Sitzung hat den Anlegern an den Finanzmärkten einmal mehr vor Augen geführt, dass die Notenbank ihren im Dezember 2013 eingeschlagenen Weg fortsetzen wird: Die extrem großzügige Versorgung der Märkte mit Liquidität durch Anleihekäufe wird peu à peu zurückgefahren (tapering). Aber aus dem Protokoll wird auch ersichtlich, wie weit die Diskussionen tatsächlich gediehen sind. Denn längst ist nicht mehr nur von Tapering die Rede, sondern man denkt in Fed-Kreisen auch über eine Veränderung der geldpolitischen Leitlinie (forward guidance) nach. Weil sich die ökonomische Situation in den USA gemessen am Arbeitsmarkt besser als ursprünglich gedacht entwickelt hat, wird nun von einigen Mitgliedern des Ofenmarktausschusses auch eine Beendigung der ultraniedrigen Zinsen ins Spiel gebracht.
Die Bank von England hat es bereits vorgemacht und denkt bei gleichbleibenden ökonomischen Rahmendaten für das Frühjahr 2015 an ein Ende der Niedrigzinspolitik. Auch wenn die Zinsen in Großbritannien danach nur ganz langsam nach oben gehen sollen, werden sich die Anleger wahrscheinlich schon bald Gedanken machen, was dies für die Aktienmärkte hierzulande bedeuten wird. Wird die US-Notenbank dem britischen Beispiel folgen? Kann die EZB angesichts dieser Entwicklung überhaupt noch weiter die Zinsen senken? Ist mit dem Ende der großzügigen Geldpolitik der Notenbanken auch ein Ende der Aktien-Hausse verbunden? Droht womöglich Crash-Gefahr? Oder vertrauen die Investoren dies- und jenseits des Atlantiks auf eine sich selbst tragende globale Wirtschaft, bei der die Hilfe von den Notenbanken keine wesentliche Rolle mehr spielt?
Mit den möglichen Szenarien, die sich aus einer veränderten Notenbankpolitik ergeben können, beschäftigt sich mein jüngster WebTV-Beitrag (hier), den ich gestern für die WGZ Bank erstellt habe.