Ryanair
Als ich davon erfuhr, wie Michael O’Leary, Chef des Billigfliegers Ryanair, ohne mit der Wimper zu zucken ankündigte, er wolle in Zukunft seine Flotte ohne Co-Piloten fliegen lassen, lief es mir eiskalt über den Rücken. Nicht, dass bei einem meiner Flüge jemals ein Pilot eine Herzattacke erlitten oder die Maschine wegen eines ähnlichen Umstandes durch den zweiten Mann auf die Erde gebracht hätte werden müssen. Vielmehr sind mir sofort die Flugkatastrophen-Filme aus den 70er Jahren durch den Kopf geschossen, wo der Co-Pilot einspringen musste, weil der Kapitän kurzfristig ausgefallen war.
Doch jetzt zur rationalen Seite: Die meisten Menschen tendieren bekanntlich dazu, kleine Wahrscheinlichkeiten – im Guten wie im Schlechten – zu stark zu bewerten. Eine Neigung, von der Lotteriegesellschaften und Versicherungen tagtäglich profitieren. Vermutlich schätze auch ich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pilot ausgerechnet bei einem meiner einstündigen Inlandsflüge ein Herzkasperl erleidet, zu hoch ein. So gesehen mag es irrational erscheinen, sich über Herrn O’Leary aufzuregen, während ich den lieben langen Tag über Dinge tue, die statistisch für meine Gesundheit viel gefährlicher sein mögen. Mir ist auch bewusst, dass sich die Streichung des Co-Piloten wie einen persönlichen Verlust verbuche. Hätte ich andererseits auch auf die Einführung eines Co-Piloten ähnlich stark reagiert, wenn es seit Beginn der Luftfahrt immer nur einen Piloten gegeben hätte? Vermutlich nicht.
Vieles spricht also dafür, dass ich und viele andere auf Herrn Learys Ankündigung überreagiert haben. Und genau das könnte der Ryanair-Chef umgehend zu seinem Vorteil ummünzen. Denn der Billigflieger ist für seine Aufpreise ohnehin schon berüchtigt. Angefangen bei der Aufgabe von Reisegepäck bis hin zur Extragebühr bei Zahlung per Kreditkarte. Warum nicht noch eine Co-Pilotenabgabe erheben?