Der verschobene Crash
Ja, ich war schon erstaunt, heute aus dem Fernsehen zu erfahren, dass der Starökonom Nouriel Roubini den Aktiencrash wohl in die Zukunft verschoben hat. Jetzt kann es entgegen früheren Befürchtungen in den kommenden beiden Jahren mit dem Aktienmarkt sogar nach oben gehen. Auch sieht Roubini derzeit keine Blasenbildung. Ich dachte schon, das gelte für den DAX – aber nein! Gemeint war natürlich der US-Aktienmarkt. Ich bin gespannt ob noch andere Crashpropheten ihre Meinung ändern werden oder ob sie ganz stark bleiben und gegen die Hausse halten.
Immerhin haben es Analysten ohne eigene Position leichter, selbst am Allzeithoch ihre Meinung zu ändern: Nach dem Motto „Der Crash kommt, aber später“. Ein Händler hat es da viel schwerer, denn wer bislang gegen die Hausse gehalten hat oder auch nur nicht mitgemacht hat auf dem Weg nach oben, sieht sich nicht nur einer Verlustaversion (die Aversion einen mit einer Entscheidung einhergehenden Verlust realisieren zu müssen) gegenüber. Hinzu kommt, gegebenenfalls eine neue Entscheidung, etwa einen Einstieg in den Markt, am Extrempunkt einer Kursentwicklung treffen zu müssen, um dann womöglich mitanzusehen, wie der Markt anschließend gegen einen läuft. Psychologisch der „worst case“ – ein Bedauern (regret), das die meisten Menschen, wenn irgend möglich, vermeiden wollen. Deswegen tendiert man in einer solchen Situation eher zum Abwarten bzw. Nichtstun.
Dies ist auch der Grund, warum hierzulande keine rechte Freude am Allzeithoch des DAX aufkommen will. Was die mittelfristigen Anleger, deren Stimmung allwöchentlich die Börse Frankfurt erhebt, derzeit umtreibt, können Sie in meinem heutigen Kommentar dazu (hier) nachlesen. Gianni Hirschmüller hat sich um die Analysedetails hier gekümmert.