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	<title>Windfall-Profit Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Auf der Suche nach mehr positiven Meldungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2020 05:47:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[abnehmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist immer schön, wenn sich die Akteure an den Finanzmärkten weitgehend einig sind wie am gestrigen Handelstag. Denn dieser kann getrost als „Versuch einer Verarbeitung“ der heftigen Ereignisse an den globalen Aktienmärkten verbucht werden, die im November bislang etwa 10 Prozent an Wert gewonnen hatten. Etwa die Hälfte davon entstand allein am vergangenen Montag, als die BioNTech/Pfizer-Meldung und der damit verbundene Impfstoff-Optimismus vor allem die Aktienmärkte...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1</strong><strong>805)</strong>             Es ist immer schön, wenn sich die Akteure an den Finanzmärkten weitgehend einig sind wie am gestrigen Handelstag. Denn dieser kann getrost als „Versuch einer Verarbeitung“ der heftigen Ereignisse an den globalen Aktienmärkten verbucht werden, die im November bislang etwa 10 Prozent an Wert gewonnen hatten. Etwa die Hälfte davon entstand allein am vergangenen Montag, als die BioNTech/Pfizer-Meldung und der damit verbundene Impfstoff-Optimismus vor allem die Aktienmärkte mit einer Welle der Euphorie überrollte.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-12731" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/11/13112020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/11/13112020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/11/13112020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Abnehmende Sensitivität bei positiven Nachrichten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun wäre es wirklich vermessen gewesen, weitere starke Aufwärtsbewegungen zu erwarten. Denn hierfür hätte es höchstwahrscheinlich zusätzlicher Super-Meldungen bedurft, die wohl kaum das Zeug dazu gehabt hätten, die Impfstoff-Nachrichten vom Montag deutlich zu toppen. Das aber wäre die Bedingung gewesen, um der Aktienrallye einen weiteren Impuls zu verleihen. Stattdessen waren die Akteure vermutlich halbwegs froh, dass sie die Zeit hatten, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Und so mussten etwa die allerersten vorsichtigen Anzeichen einer Verbesserung bei der Corona-Infektionssituation in Europa im Tagesgeschäft untergehen – sie wurden einfach nicht gebührend wahrgenommen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Große Gewinnmitnahmen bleiben bislang aus</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Allerdings sollte es nicht erstaunen, dass etwa der DAX-Rücksetzer hierzulande nicht gerade riesig ausgefallen ist. Gerne werden dafür Gewinnmitnahmen verantwortlich gemacht, aber ich habe den Eindruck, dass sich die Profite infolge der Montags-Euphorie vielerorts in Grenzen gehalten haben. Und wenn sie entstanden sind, dann möglicherweise sogar eher zufällig. Man könnte auch von sogenannten Windfall-Profits sprechen. Mit diesen gehen die Akteure naturgemäß etwas risikofreudiger um als mit „normalen“ Gewinnen, die man normalerweise gerne schnell realisiert. Kurzum: Gemessen am Kursanstieg seit Anfang November verdient der vorsichtige Rücksetzer von Dienstag bis zum gestrigen Handelsschluss nicht einmal das Prädikat einer technischen Korrektur.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Der Euro versuchte unterdessen gestern, gegenüber dem US-Dollar etwas Boden gutzumachen, was auch zeitweise gelang. Aber die Handelsspanne von 0,6 Prozent und der übersichtliche Tagesgewinn von rd. 30 Stellen waren nicht dazu geeignet, von einem positiven Impuls für die Gemeinschaftswährung zu sprechen. Denn diese befindet sich immer noch innerhalb einer Seitwärtsentwicklung. An dieser relativ ausgewogenen Situation dürfte sich auch nichts ändern, solange sich der Euro oberhalb von <strong>1,1735</strong> bewegt. Darunter würden die Bären allerdings zunehmend die Oberhand gewinnen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Windfall-Gewinne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Oct 2015 15:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[Risikoaversion]]></category>
		<category><![CDATA[Risikofreude]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Normalerweise tendieren Menschen dazu, Gewinne eher zu früh als zu spät mitzunehmen, während sie im Gegenzug Verluste zu lange laufen lassen. Deswegen zeigen sie sich bei Kursgewinnen risikoavers, und wenn sie zuvor einen Verlust ausgesessen haben, stellen sie ihr Engagement normalerweise bei Erreichen des (wahrgenommenen) Einstandspreises glatt. Genau eine solche Phase dürften viele Börsianer hierzulande [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Normalerweise tendieren Menschen dazu, Gewinne eher zu früh als zu spät mitzunehmen, während sie im Gegenzug Verluste zu lange laufen lassen. Deswegen zeigen sie sich bei Kursgewinnen risikoavers, und wenn sie zuvor einen Verlust ausgesessen haben, stellen sie ihr Engagement normalerweise bei Erreichen des (wahrgenommenen) Einstandspreises glatt. Genau eine solche Phase dürften viele Börsianer hierzulande durchlebt haben, als sich der DAX im Oktober von seinen Septembertiefs von unter 9.400 Zählern eindrucksvoll erholte.</p>
<p>Gerade als es den Anschein hatte, als würde es mit dem DAX nicht länger mehr kraftvoll aufwärts gehen, überraschte EZB-Präsident Mario Draghi am vergangenen Donnerstag die Finanzmärkte, indem er weitere geldpolitische Maßnahmen in Aussicht stellte: Der DAX schoss geradezu nach oben, und Anleger, die nach der langen Durststrecke der Monate August und September dieses Jahres endlich wieder aufatmen konnten, mussten sich wie im siebten Himmel vorgekommen sein, nachdem es plötzlich Börsengewinne zu regnen begonnen hatte.</p>
<p>Bei solch unerwarteten Gewinnen handelt es sich um so genannte Windfall-Profits. Und weil jene außer der Reihe entstehen, besagen die Erkenntnisse der Behavioral Finance, dass man mit ihnen anders verfährt, als man es normalerweise täte. Mit anderen Worten: Der Durchschnittsbörsianer verhält sich in solchen Fällen nicht risikoavers, sondern tendiert eher zur Risikofreude und lässt Gewinne demzufolge tatsächlich laufen. Dies zeigt auch die jüngste Sentiment-Umfrage der Börse Frankfurt, die ich dieses Mal <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+freudenspruenge+und+sorglosigkeit+90408">HIER</a> </strong></span>kommentiert habe.</p>
<p>Selbst die heute endende Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses der US-Notenbank (FOMC) konnte der Sorglosigkeit der mittelfristig orientierten Anleger keinen Abbruch tun. Natürlich erwartet kaum jemand derzeit Gegenwind für die Börse. Aber ob die US-Notenbank, wie von den Märkten bereits eingepreist, in diesem Jahr tatsächlich keine Zinserhöhung mehr vornimmt, ist keineswegs so sicher, wie dies vielerorts vermutet wird. Einerseits dürfte es der Fed zwar schwer fallen, nach der EZB-Sitzung Anfang Dezember, bei der Mario Draghi den Worten der vergangenen Woche Taten folgen lassen dürfte, ihrerseits eine Woche vor Weihnachten mit einem Zinsschritt in die entgegengesetzte Richtung aufzuwarten. Andererseits könnte sich jedoch angesichts möglicher neuer Höchststände im US-Aktienmarkt doch noch eine dadurch ermutigte Mehrheit im Offenmarktausschuss für eine Zinserhöhung zusammenfinden.</p>
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		<title>Vergoldete Versicherung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2013 06:48:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Gold]]></category>
		<category><![CDATA[Spekulation]]></category>
		<category><![CDATA[Versicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als der Goldpreis in der vergangenen Woche gegenüber dem Euro seit mehr als zwei Jahren erstmals wieder unter 1000 Euro rutschte, blieb die Reaktion auf dieses Ereignis erstaunlich leise und unaufgeregt. Kaum jemand sprach vom Versagen einer psychologisch wichtigen Marke, wie dies sonst in anderen Märkten häufig der Fall ist, wenn runde Niveaus überquert werden. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als der Goldpreis in der vergangenen Woche gegenüber dem Euro seit mehr als zwei Jahren erstmals wieder unter 1000 Euro rutschte, blieb die Reaktion auf dieses Ereignis erstaunlich leise und unaufgeregt.<span id="more-6255"></span> Kaum jemand sprach vom Versagen einer psychologisch wichtigen Marke, wie dies sonst in anderen Märkten häufig der Fall ist, wenn runde Niveaus überquert werden. Vielleicht lag es aber auch an der Richtung, die der Goldpreis eingeschlagen hatte, nämlich die von oben nach unten. Vielleicht wollte man deswegen darum kein Aufheben machen – gefallen haben wird diese Entwicklung den Goldbugs allerdings wohl kaum. Oder interessiert der Goldpreis gegenüber dem Euro europäische Anleger etwa nicht? Die meisten von ihnen dürften sich hierzulande tatsächlich nur am Rande dafür interessieren, dass es neben dem Goldpreis auch noch ein Wechselkursrisiko gibt.</p>
<p>Dennoch überrascht mich immer wieder, mit welcher gespannten Aufmerksamkeit mancher Investor den Goldkurs insbesondere in den vergangenen Monaten verfolgt hat. Das wäre ja auch verständlich, sofern man das gelbe Metall aus spekulativen Gründen gekauft hätte. Aber ich habe hingegen immer noch ganz andere Beweggründe im Ohr. So hieß es damals, dass sich gerade die Privatanleger hierzulande bereits zu Beginn der Finanzkrise mit physischem Gold eingedeckt hätten, weil die Angst umging, der Euro könne zerbrechen, dass womöglich eine Hyperinflation drohe oder gar der Zusammenbruch des Papiergeldsystems. Man kaufte Gold, um gegen den so genannten worst case abgesichert zu sein, um im Ernstfall vielleicht sogar Lebensmittel dafür eintauschen zu können. Im Prinzip handelte es sich bei dieser Anlage um ein langfristiges Investment, um eine Versicherung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Hat es sich gerechnet?</b></p>
<p>Jetzt scheint es so auszusehen, als ob sich die befürchteten Horrorszenarien nicht einstellen wollten. Der Euro ist noch da, auch das Papiergeld zirkuliert noch, und Inflation gibt es offenbar auch nicht. Bei einer Feuerversicherung würde man beruhigt feststellen: Es brennt nicht. Gott sei Dank! Und wenn weniger Schadensfälle eintreten, sinkt sogar die Versicherungsprämie. Wenn ich jedoch manchen Inhaber einer Krisenversicherung, ausgestellt in Gold, höre, vernehme ich Jammern, Wehklagen und Wut über den Kursverfall des gelben Metalls. Als ob man den ursprünglichen Zweck dieser Anlageform vergessen und insgeheim doch auf Windfall-Gewinne geschielt hätte.</p>
<p>Ich besitze eine Feuerversicherung gegen den Ernstfall, den ich mir doch nicht wünsche, nur um hinterher sagen zu können: „Das hat sich gerechnet.“ Außerdem: Die Krise ist längst nicht ausgestanden. Oder würden Sie ihre Feuerversicherung kündigen, nur weil es ein paar Monate lang in Ihrer Nachbarschaft nicht gebrannt hat?   </p>
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		<title>Freifahrt mit mentalen Hindernissen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jan 2013 07:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Bonuspunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Präsentation von Verusten und Gewinnen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die meisten Reisen lege ich mit der Bahn zurück. Und als Vielfahrer habe ich natürlich auch ein bahn.bonus-Konto, auf dem man für jeden bezahlten Euro Punkte sammeln kann. Da die Bonuspunkte mit jeder Reise automatisch verbucht werden, kümmere ich mich eigentlich nicht weiter um sie. Selbst, wenn mir allmonatlich per E-Mail der Stand des Bonuskontos [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Reisen lege ich mit der Bahn zurück. Und als Vielfahrer habe ich natürlich auch ein bahn.bonus-Konto, auf dem man für jeden bezahlten Euro Punkte sammeln kann. Da die Bonuspunkte mit jeder Reise automatisch verbucht werden,<span id="more-5629"></span> kümmere ich mich eigentlich nicht weiter um sie. Selbst, wenn mir allmonatlich per E-Mail der Stand des Bonuskontos übermittelt wird, nehme ich diesen allenfalls beiläufig wahr. Bis mich ein Kollege wieder einmal darauf aufmerksam machte, dass auch die Bonuspunkte der Bahn, wie Geld mit der Zeit durch Inflation – vermutlich schneller als auf einem zinslosen Girokonto – an Kaufkraft verlieren würden. Denn man braucht mit der Zeit immer mehr Punkte, um eine attraktive Prämie zu erhalten. Zu langes Sammeln wirkt sich also eher negativ aus.</p>
<p>Und so beschloss ich, den Stand meines Prämienkontos möglichst rasch zu reduzieren. 1000 Punkte für eine Bahnfahrt hier, 2000 für eine Reise erster Klasse da – so schnell fährt kein ICE wie mein jahrelang angesparter Punktesaldo dahinschmolz. Und wie wenig ich für das mühsam auf Tausenden von Bahnkilometern ersessene Guthaben bekam. Nein, ich möchte mich jetzt nicht darüber auslassen, dass ich für den Erwerb meiner Gratisfahrkarte auch noch den Frankfurter Hauptbahnhof aufsuchen musste, um einen Gutschein in eine Fahrkarte einzutauschen; ein Akt, der mich zudem 20 Minuten Wartezeit am Erste-Klasse-Schalter kostete, bis ich endlich an der Reihe war. Aber ich sollte doch immerhin dankbar sein, dass ich von den limitierten Sitzplätzen trotz Ferienzeit tatsächlich noch einen abbekommen hatte, sagte ich mir zur Beruhigung. Sogar auch für meinen Sohn, der aufgrund seines Alters ohnehin kostenlos mitfahren durfte. Weitere Prämienpunkte löste ich schließlich für Verzehrgutscheine im Speisewagen ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wunderwaffe Fünf-Euro-Bonusgutscheine</b></p>
<p>Normalerweise vermeide ich es, überteuerten, schlechten Kaffee oder Mineralwasser im ICE zu bestellen oder mich gar in den Speisewagen zu setzen, um dort ein Mahl einzunehmen. Aber bewaffnet mit Fünf-Euro-Bonusgutscheinen konnte ich die Angelegenheit schon lockerer angehen lassen. Schnell waren ein paar Getränke für meinen Sohn und mich bestellt, als mir die nette ICE-Zugbegleiterin eine Rechnung von knapp sieben Euro aufmachte. Ich zückte zwei meiner Gutscheine im Wert von jeweils fünf Euro und rundete den Verzehrbetrag auch noch großzügig mit den Worten: &#8222;Machen Sie acht [Euro]!“ – &#8222;Ich darf Ihnen leider auf die Gutscheine kein Bargeld herausgeben&#8220;, beschied mich die Zugbegleiterin mit fast mitleidigem Blick. &#8222;Aber Sie dürfen mir gerne einen Gutschein geben und den Rest in bar&#8220;, schlug sie mir zur Güte vor. Ich tat mich ausgesprochen schwer. Sollte ich der Zugbegleiterin beide Gutscheine überlassen und auf das Rückgeld verzichten, weil es sich für mich ohnehin um einen Windfall-Profit handelte? Das wäre aber dann doch zu viel des Guten gewesen, sagte ich mir, zückte mit vermutlich leicht angesäuerter Miene mein Portemonnaie und bezahlte meine Bestellung mit einem Gutschein und drei Euro Stücken. Ja, ich fühlte mich nicht gut, weil ich für drei fiese Euro auch noch ein weiteres mentales Konto eröffnen musste.</p>
<p>&#8222;Es tut mir wahnsinnig leid, aber ich habe die Vorschriften nicht gemacht&#8220;, flötete mir die mitfühlende Zugbegleiterin ins Ohr. &#8222;Aber sehen Sie es so: Immerhin haben Sie einen Gutschein gespart, den Sie beim nächsten Mal einsetzen können&#8220;, fügte sie mit optimistischem Lächeln hinzu. Und hätte ich von Behavioral Economics keine Ahnung gehabt, wäre mein Seelenfrieden spätestens jetzt, mit diesem zusätzlich präsentierten Gewinn, wieder hergestellt gewesen.</p>
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		<title>Die Rechnung mit den Messern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jan 2013 07:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[mentale Verluste]]></category>
		<category><![CDATA[Rabattmarken]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
		<category><![CDATA[Treuepunkte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einige meiner Einkäufe tätige ich mittlerweile bei Penny. Nicht nur weil sich der nächste erreichbare Markt direkt um die Ecke befindet, sondern weil man dort mitunter recht preisgünstig einkaufen kann. Und so ist mir natürlich auch die jüngste Treuepunkt-Aktion nicht entgangen, bei der man diverse Küchenmesser erwerben kann. Nein, nicht zum Preis von 33,99 oder [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einige meiner Einkäufe tätige ich mittlerweile bei Penny. Nicht nur weil sich der nächste erreichbare Markt direkt um die Ecke befindet, sondern weil man dort mitunter recht preisgünstig einkaufen kann. Und so ist mir natürlich auch die jüngste <span id="more-5621"></span>Treuepunkt-Aktion nicht entgangen, bei der man diverse Küchenmesser erwerben kann. Nein, nicht zum Preis von 33,99 oder 39,99 pro Messer, sondern für sage und schreibe 2,99 Euro und 45 Penny-Treuepunkte. Letztere muss man natürlich erst einmal sammeln, und zwar nach der einfachen Regel, nach der es für jede fünf Euro Einkauf einen Punkt gibt. Das wirkt wie früher eine Rabattmarke, die allerdings auf fünf Pfennig genau abgerechnet wurde, ganz im Gegensatz zu heute. Und so kann ich mir vorstellen, dass mach einer an der Kasse bei einer Zwischensumme von 14,99 Euro beim Einkauf schnell noch etwas drauflegt, um einen Treuepunkt mehr zu bekommen, den man ansonsten wegen eines einzigen fehlenden Cent nicht bekommen hätte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Windfall-Gewinne und Kundenbindung</b></p>
<p>Treuepunkte erhöhen bekanntlich die Kundenbindung, vor allen Dingen wenn damit so schöne Windfall-Gewinne verbunden sind. Da gibt man gerne einmal schnell 2,99 € für ein Messer aus, wenn man die fehlenden 30 Euro (und mehr) über die Punkte quasi nebenher im Schlaf verdienen kann. Und einkaufen muss ohnehin jeder. Also ein Riesengewinn, gegenüber den von Penny mit jeweils 33,99 oder 39,99 Euro bewerteten Schulte-Ufer Messern. Egal, ob es sich um das Santokumesser (Klinge 13 cm) ein Brotmesser mit einer 20er oder ein Schälmesser mit einer 8 Zentimeter langen Klinge handelt. Aber auf Genauigkeit kommt es ja nicht an, denn einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich nicht ins Maul. Wer sich einmal die Mühe macht, wird beim Suchen im Internet sehr schnell herausfinden, dass es all diese schönen Messer anderswo bedeutend preisgünstiger gibt. „Aber selbst dann ist das doch ein Schnäppchen!“ wandte ein Nachbar-Kunde beim zehnminütigen Schlange stehen an der Kasse ein, dem ich von meinen Eindrücken einfach drauflos erzählte. Und er rechnete mir vor, dass selbst bei einer Ersparnis von nur 20 Euro pro Messer der Wert eines Treuepunkts über den Daumen bei 45 Cents, mithin also einem Rabatt von fast 10 Prozent entspräche.</p>
<p>Jetzt war ich fast so weit und hätte mir angesichts dieses Superrabattes und des niedrigen Kaufpreises von 2,99 Euro fast ein Sammelheftchen besorgt, nur um mir etwas zu kaufen, das ich eigentlich überhaupt nicht gebraucht hätte. Wenn da nicht der Holzblock für das Einstecken der der Messer gewesen wäre, für den Penny sage und schreibe 9,99 Euro haben wollte. Ohne Treuepunkte. Ein mentaler Verlust, der schwerer wog als all die schönen mentalen Einzelgewinne zusammen. Erst viel später erfuhr ich, was so ein Block tatsächlich kosten kann. Schade, dass Penny das seinen Kunden verschwiegen hat.</p>
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		<title>In der Sammelfalle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 08:55:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Kundenbindung]]></category>
		<category><![CDATA[Lufthansa]]></category>
		<category><![CDATA[Miles & More]]></category>
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		<category><![CDATA[versteckte Inflation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich mich vor etlichen Jahren dazu entschlossen hatte, an einem Bonusprogramm meiner Kreditkartengesellschaft teilzunehmen, wurde einem (sofern mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt) für eine Million Punkte als Prämie eine Weltreise mit dem Flugzeug versprochen. Damals fing ich an, auf diesem Kreditkartenkonto so viele Umsätze wie möglich zu tätigen, um möglichst bald meinen [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich mich vor etlichen Jahren dazu entschlossen hatte, an einem Bonusprogramm meiner Kreditkartengesellschaft teilzunehmen, wurde einem (sofern mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt) für eine Million Punkte als Prämie eine Weltreise mit dem Flugzeug versprochen. Damals fing ich an, auf diesem Kreditkartenkonto <span id="more-3503"></span>so viele Umsätze wie möglich zu tätigen, um möglichst bald meinen Traum verwirklichen zu können. Sie werden es erahnen: Ich habe es bis heute nicht geschafft. Denn längst gab es Punkte-Reformen, Umtauschaktionen und neue Höchstpreise. Heute bekommt man für 11,2 Millionen Punkte immerhin einen BMW 1er M Coupé als Top-Prämie angeboten. Das sieht auf den ersten Blick nach einer dramatischen Punkte-Inflation aus.</p>
<p>Leider konnte ich deren tatsächliche Geschwindigkeit niemals berechnen, da ich auf meinem langen Weg zum Höchstpreis immer wieder abgelenkt wurde. Denn nach einigen Jahren des Sammelns wies mich ein Freund darauf hin, dass die Sachprämien von Jahr zu Jahr immer teurer würden. Und so beschloss ich, einen großen Teil meiner Punkte in eine wunderbare Küchenmaschine, eine Flasche superteuren Cognacs und diverse andere Dinge, die ich mir von meinem normalen Geld niemals geleistet hätte, zu investieren. Denn bei den so genannten <em>Windfall-Profits</em> überlegt man weit weniger als bei erarbeitetem Geld, wofür man sie ausgibt. Zumal wenn die Inflation droht, einem diese hart verdienten Rabattpunkte wegzufressen.</p>
<p>Umso hellhöriger wurde ich, als ich unlängst einen Gerichtsbericht über den so genannten „Vielflieger-Prozess“ las, den ein Mann gegen die Lufthansa gewonnen hat. So urteilte das Kölner Landgericht<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn1">[1]</a>, dass der Kläger, der immerhin 887.000 Bonusmeilen im Rahmen seines &#8222;Miles &amp; More&#8220;-Programms gesammelt hatte, durch die Änderung des Prämienkataloges eindeutig benachteiligt worden sei. Denn die Lufthansa hatte Anfang 2011 die Prämienbedingungen derart verändert, dass seitdem durchschnittlich 15-20 Prozent mehr Meilen für das Eintauschen in interkontinentale Flüge notwendig sind. Unter anderem bemängelten die Richter, dass die Lufthansa diese Änderung erst einen Monat vor Inkrafttreten publik gemacht habe – das sei zu kurzfristig, so die Einschätzung der Juristen.</p>
<p>Schön für den Kläger, dass er nun seine Meilen, die er bis Anfang 2011 gesammelt hatte, zu den alten Bedingungen eintauschen darf. Wenn man allerdings argumentiert, dass der Flugprämienkatalog zuvor acht Jahre lang unverändert geblieben war und sich dadurch &#8222;ein gewisser Vertrauensbestand&#8220; entwickelt habe, sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass die Lufthansa über Jahre hinweg eine Leistung trotz gestiegener Kosten ohne Inflationsausgleich angeboten hat. Aber das dürfte von den meisten Vielfliegern ohnehin nicht bemerkt worden sein. Auch scheint es mir nicht übertrieben, während dieses Zeitraums eine Inflationsrate von 2,5 Prozent p. a. anzunehmen.</p>
<p>Es ist allein die Art und Weise, wie diese Angleichung vorgenommen wurde, nämlich die Meilen auf einen Schlag und auch noch im Nachhinein abzuwerten, die Punktesammler und Richter so richtig erschreckt haben mag. Zumal als besonders schlimm gilt, jemandem etwas, das er bereits mit Mühen erworben hat, wieder wegzunehmen, und sei es nur teilweise. Denn Verluste wiegen bekanntlich nun einmal schwerer als Gewinne. Noch gravierender dürfte sein, dass dem Kunden mit diesem Schritt – so gerechtfertigt er formal auch sein mag – wieder einmal klar geworden ist: Wer am Bonus-Programm teilnimmt, soll als Kunde gebunden werden. Wer dabei allerdings eine  Sammelleidenschaft entwickelt, der sitzt so richtig in der Falle, weil man sich als Dienstleister nicht mehr um ihn bemühen muss. </p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Vgl. Welt am Sonntag online vom 15.3.2012</span></span></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/inflation-in-der-sammelfalle/">In der Sammelfalle</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Steuersenkung? – Nein, Danke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 09:14:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stromsteuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und die Geschichte wiederholt sich doch, zumindest was die Steuerpolitik in Deutschland betrifft. Wieder einmal, wie bereits vor zwei Jahren, denkt die Bundesregierung über eine Steuersenkung nach. Damals war man dann aber bald zu der Einsicht gelangt, dass das Geld dafür gar nicht reiche. Jetzt scheint der Staat indes mit 16 Milliarden mehr Steuereinkünften zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Und die Geschichte wiederholt sich doch, zumindest was die Steuerpolitik in Deutschland betrifft. Wieder einmal, wie bereits vor zwei Jahren, denkt die Bundesregierung über eine Steuersenkung nach. Damals war man dann aber bald zu der Einsicht gelangt, dass das Geld <span id="more-2781"></span>dafür gar nicht reiche. Jetzt scheint der Staat indes mit 16 Milliarden mehr Steuereinkünften zu rechnen. Überhaupt sieht die ökonomische Situation hierzulande insgesamt noch recht positiv aus. Allein die Ängste der Bürger sind gegenüber dem Januar 2010 sicherlich noch größer. Damals hatte eine große Mehrheit deutscher Bundesbürger (vgl. ARD -&#8222;Deutschlandtrend&#8220;) wegen der sich abzeichnenden europäischen Schuldenkrise nichts von Steuersenkungsplänen gehalten.</p>
<p>Trotz aller Unsicherheiten kann man zurzeit den Eindruck gewinnen, die Bundesregierung zerbreche sich vor allem darüber den Kopf, wie sie denn nur den Geldsegen unter die Bevölkerung bringen könne. Eine Option wäre dabei die „Glättung“ im Steuertarif, um die „kalte Progression“ zu mildern. Viel beliebter scheint unter den Bürgern hingegen die Senkung des Solidaritätszuschlags zu sein, was psychologisch auch verständlich ist. Schließlich war bei dessen Einführung nach der deutschen Wiedervereinigung vollmundig versprochen worden, dass er nach wenigen Jahren wieder abgeschafft würde. Außerdem empfindet der Steuerzahler diesen Zuschlag als separates mentales Verlustkonto, das zur Steuerlast noch zusätzlich hinzukommt. Aber der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder sinnt auf anderes. So hat er sich unlängst für eine Halbierung der Stromsteuer ausgesprochen. Da kann man fast sicher sein, dass das Geld vermutlich gar nicht erst bei den Verbrauchern ankommt. Abgesehen davon, dass die Versuchung für die Stromkonzerne groß sein dürfte, im Gegenzug die Preise zu erhöhen, um selbst diesen Bonus zu kassieren, würde diese Vergünstigung schlichtweg ein falsches Signal setzen. Denn Energie ist auch im Sinne der Nachhaltigkeit immer noch zu billig.</p>
<p>Oder glaubt man in der Politik etwa, man könne die Bürger mit einem kleinen Gewinn besänftigen, damit ihn seine Ängste vor einer drohenden Zuspitzung der Schuldenkrise und der damit einhergehenden möglichen Inanspruchnahme von EFSF-Garantien nicht überwältigen? Das wäre doch, so hofft man anscheinend, ein stärker wirkendes Beruhigungsmittel als die Reduktion des gigantischen Schuldenbergs um läppische fünf bis sechs Milliarden Euro. Doch die „schwäbische Hausfrau“, als die sich die amtierende Kanzlerin so gerne sieht, würde sicherlich anders handeln. Stattdessen fühlt man sich an einen hoch verschuldeten Verbraucher erinnert, der, wenn er zufällig von irgendwoher eine kleine Summe Bargeld bekäme, auch im Leben nicht daran dächte, damit einen Teil seines Kredites zu tilgen. Die deutsche Politik hat sich fraktionsübergreifend und über Jahrzehnte hinweg immer wieder zu diesen kleinen Geschenken ans Wahlvolk hinreißen zu lassen, was letztlich dazu geführt hat, dass der Schuldenberg diese gewaltigen Ausmaße annehmen konnte. Vielleicht sollte man es mit Albert Einstein halten, der einmal gesagt hat: <em>„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“.<strong> </strong></em></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p>P.S: Die Bundesregierung hat am Sonntagabend nach Fertigstellung dieses Beitrags eine Entlastung der deutschen Bürger um 6 Mrd. Euro ab 2013 bzw. 2014 beschlossen.</p>
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		<title>Mentale Fehlbuchung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 06:30:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Fehlbuchung]]></category>
		<category><![CDATA[HRE]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun sind also kurz vor Wochenschluss plötzlich 55,5 Milliarden Euro aufgetaucht, eine Fehlbuchung, wie es heißt, und das ausgerechnet in der eher für hohe Verluste berüchtigten Hypo Real Estate (HRE) bzw. der von ihr abgespaltenen Bad Bank. Man könnte auch sagen, die Steuerzahler hätten aus dem Nichts einen Gewinn von 55,5 Milliarden Euro erhalten – [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun sind also kurz vor Wochenschluss plötzlich 55,5 Milliarden Euro aufgetaucht, eine Fehlbuchung, wie es heißt, und das ausgerechnet in der eher für hohe Verluste berüchtigten Hypo Real Estate (HRE) bzw. der von ihr abgespaltenen Bad Bank. <span id="more-2732"></span> Man könnte auch sagen, die Steuerzahler hätten aus dem Nichts einen Gewinn von 55,5 Milliarden Euro erhalten – ein Betrag, der die Schuldenquote Deutschlands deutlich schrumpfen lässt. Nun möchte ich nicht darüber rätseln, wie es zu einer derartigen Schlamperei kommen konnte oder wer dafür verantwortlich sein mag. Auch nicht über das seltsame Gefühl, das mich befiel, weil derartige Fehlbuchungen ja auch in Gestalt eines riesigen Verlustes auftauchen könnten.</p>
<p>Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, wie ich kurz nach Abschluss der Bankgehilfenprüfung ein paar Wochen als Kassierer in einer Zweigstelle aushelfen musste. Das erste, was ich damals über Kassendifferenzen lernte, war der Spruch meines Chefs, dass positive Differenzen beim Abschluss genauso schlimm seien wie negative. Diese Erkenntnis scheint sich auch bei den meisten Kommentatoren im Falle der HRE durchgesetzt zu haben. Allerdings ist diese gleichartige Bewertung von Gewinnen und Verlusten reine Theorie – die Praxis ist eine andere. So sehr wir uns auch bemühen, dennoch bleiben diese 55,5 Milliarden Euro ein so genannter Windfall Profit, ein Gewinn, mit dem man nicht rechnen konnte und mit dem man zudem risikofreudiger als mit „normalen“ Gewinnen umgeht.<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a> Und so wundert es auch nicht, dass ich gestern in dem von mir sehr geschätzten Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Kasten fand, in dem bereits Überlegungen darüber angestellt wurden, was man denn mit einem so schönen Betrag alles anstellen könnte. Das erinnert mich an eine Freundin, deren Konto bis aufs Äußerste überzogen war. Als sie eines Tages in den Tiefen ihrer Schreibtischschubladen zufällig längst vergessene 500 Euro fand, schwor sie sich, diese sofort zur Schuldentilgung zu verwenden. Sie können sich vorstellen, dass meiner Freundin dieses Vorhaben nicht ganz gelungen ist. Denn angesichts des Glücksgefühls, etwas wiedergefunden zu haben, von dem sie gar nicht mehr wusste, dass sie es besaß, musste sie sich einfach ein neues Paar Schuhe gönnen.</p>
<p><span style="font-size: small;">Ich fürchte, auch im Falle der 55,5 Milliarden Euro der HRE, die ja einst mit vielen Milliarden aus Steuermitteln gestützt und letztlich verstaatlicht werden musste, könnte sich bei den Entscheidern eine ähnliche mentale Kontoführung wie bei meiner Freundin durchsetzen und damit Begehrlichkeiten entstehen, die allerdings wohl kaum in eine Subvention des Schuhhandels münden dürften. Auch wenn fast schon scheinheilig behauptet wird, der Finanzminister bekomme von dem seltsamen Fund keinen einzigen Cent ab, zumal die Finanzierung der Bad Bank der HRE über einen Sonderhaushalt geführt werde, bleibt dennoch die Tatsache bestehen, dass das deutsche Staatsdefizit um diesen Betrag abnimmt. Kein Wunder, wenn die Rückführung der Schulden womöglich trotzdem nicht ganz so wie geplant ausfallen .</span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"> Tatsächlich verhalten sich die meisten Menschen im Gewinnbereich tendenziell risikoavers und versuchen, Gewinne möglichst schnell zu realisieren. Bei einem Windfall-Profit neigen indes viele Menschen zu Risikofreude.</span></p>
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		<title>Windfall-Profit II: Fluch und Segen der      20 Milliarden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 07:23:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Sparpaket]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Da hatte doch die Bundsregierung mit Ach und Krach ein 80 Mrd. Euro schweres Sparpaket geschnürt – angeblich sozial ausgewogen und nicht jedem gleichermaßen vermittelbar. Mancher Bundesbürger fragte sich ob der geringen Belastungen sogar, was er denn am Ende zum Sparpaket beitragen dürfe. Kaum ist die Geschichte unter Dach und Fach, stellt sich heraus, dass die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Da hatte doch die Bundsregierung mit Ach und Krach ein 80 Mrd. Euro schweres Sparpaket geschnürt – angeblich sozial ausgewogen und nicht jedem gleichermaßen vermittelbar. Mancher Bundesbürger fragte sich ob der geringen Belastungen sogar, was er denn am Ende zum Sparpaket beitragen dürfe. Kaum ist die Geschichte unter Dach und Fach,<span id="more-796"></span> stellt sich heraus, dass die Neuverschuldung des Staates in diesem Jahr durch unerwartete Steuereinnahmen und Minderausgaben um bis zu 20 Mrd. Euro gesenkt werden kann. Und schon kommen die einen, die angesichts des unerwarteten Segens das große Sparpaket wieder aufdröseln wollen und unter dem Gerechtigkeitsvorwand Nachbesserungen vornehmen möchten. Die anderen sagen angesichts drohender Disziplinlosigkeit radikal nein und möchten das Sparpaket nicht mehr anrühren.</p>
<p>Mit der zweiten Variante stünden die unerwarteten 20 Mrd. Euro jedoch als Windfall-Profit einfach so im Raum. Man könnte auch sagen, sie würden von den Politikern auf einem separaten mentalen Konto verbucht. Mit der Gefahr, dass das schöne Extrageld, mit dem man ja nicht rechnen konnte, irgendwo zum Fenster herausgeworfen wird. Extrageld? – Geld, das wir uns doch eigentlich nicht nehmen sollten, weil die Neuverschuldung auch mit der Ersparnis immer noch viel zu hoch ist.</p>
<p>Nun steht ja am kommenden Wochenende der G20-Gipfel in Toronto ins Haus. Dort werden die Amerikaner den Deutschen wieder einmal vorhalten, sie würden mit ihrem Sparpaket und das globale Wachstum gefährden. Ein Sparpaket, das womöglich bis zur Hälfte aus Streichungen besteht, von denen man nicht so genau weiß, wo sie herkommen sollen. Warum die jüngst gewonnen 20 Mrd. nicht einfach ins Sparpaket integrieren? So dass man beim Gipfel nicht mit leeren Händen dasteht, wo der Referenzpunkt der anderen doch bei 80 Mrd. liegt. Mit 60 Mrd. hätte man immer noch gespart und Barack Obama würde am Ende Frau Merkel womöglich noch loben.</p>
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		<title>Windfall-Profit: Wie man den Konsum mit unverhofften Gewinnen ankurbelt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jun 2010 12:52:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Erbschaftssteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Sparen]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch wenn Deutschland nicht so stark unter Druck steht wie andere Länder Europas, hat es sich selbst ein Sparpaket verordnet. Sehr zum Missfallen einiger US-Ökonomen, allen voran Paul Krugman, der diese Sparsamkeit als großen Fehler geißelt. Aber selbst wenn Deutschland diesem Zwischenruf folgen sollte, wären Steuersenkungen hierzulande zur Ankurbelung der Konjunktur zurzeit nicht nur schwer [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/windfall-profit-wie-man-den-konsum-mit-unverhofften-gewinnen-ankurbelt/">Windfall-Profit: Wie man den Konsum mit unverhofften Gewinnen ankurbelt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn Deutschland nicht so stark unter Druck steht wie andere Länder Europas, hat es sich selbst ein Sparpaket verordnet. Sehr zum Missfallen einiger US-Ökonomen, allen voran Paul Krugman, der diese Sparsamkeit als großen Fehler geißelt.<span id="more-795"></span> Aber selbst wenn Deutschland diesem Zwischenruf folgen sollte, wären Steuersenkungen hierzulande zur Ankurbelung der Konjunktur zurzeit nicht nur schwer durchsetzbar, sondern auch unsinnig. Denn die Deutschen würden dieses höhere verfügbare Einkommen ohnehin nicht verkonsumieren. Geld, von dem sie wüssten, dass sie es möglicherweise schon bald wieder zurückzahlen müssten.. Bleibt also die Frage, wie eine Regierung die Konsumenten anderweitig dazu bringen könnte, ihre Ersparnisse anzugreifen, ohne selbst dafür allzu viel Geld einsetzen zu müssen.</p>
<p>In der Standardökonomie ist ein Euro ein Euro, egal wo er herkommt und wofür er ausgegeben wird. Die psychologische Realität ist indes eine andere. Weil die Menschen diese Euros auf so genannten <em>mentalen Konten</em> verbuchen, streng sortiert nach Herkunft, Betrag und Zweck. Mit hart erarbeitetem Geld verfährt man naturgemäß umsichtiger, als mit einem überraschenden Lotteriegewinn. Und so fühlen sich die meisten Menschen verpflichtet, wenigstens einen kleinen Teil ihres monatlichen Einkommens zu sparen, während eine unerwartet höher ausgefallene Steuerrückzahlung, schnell einmal bei einem Abendessen auf den Kopf gehauen wird.</p>
<p>Mit Blick auf Deutschland lässt sich sagen, dass die jüngeren Menschen generell mehr zum Konsum tendieren, während der ältere, immer größer werdende Teil der Bevölkerung mit den Jahren immer weniger Geld ausgibt. Diesem Trend könnte man jedoch mit einer Erbschaftssteuer von 100 Prozent entgegentreten, während man Schenkungen zu Lebzeiten steuerfrei hält. Natürlich würden die so vielerorts vorzeitig begünstigten Deutschen der nächsten Generation nicht sinnlos das von den Eltern hart erarbeitete Erbe verprassen. Aber mit einem kleinen Teil dieses unverhofften Segens würde man sich vielleicht doch die eine oder andere Anschaffung leisten, die bislang nicht drin war. Weil man mit dem Geld eigentlich nicht rechnen konnte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/windfall-profit-wie-man-den-konsum-mit-unverhofften-gewinnen-ankurbelt/">Windfall-Profit: Wie man den Konsum mit unverhofften Gewinnen ankurbelt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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