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	<title>Positionsgüter Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Wed, 08 Jun 2016 07:12:13 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Nicht auf der faulen Haut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jun 2016 07:09:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nun haben also die Schweizer am vergangenen Wochenende in einem Referendum über ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt. Aber nur 22 Prozent der Wählerinnen und Wähler votierten  für diesen Vorschlag, dessen Umsetzung bedeutet hätte, dass künftig jede dauerhaft in der Schweiz ansässige volljährige Person bis zu 2.500 Franken im Monat bekommen würde. Dabei hat es mich gewundert, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/nicht-auf-der-faulen-haut/">Nicht auf der faulen Haut</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun haben also die Schweiz<img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8885 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S-300x200.jpg" alt="altes wohnhaus detail" width="300" height="200" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S-300x200.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S-768x512.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S.jpg 849w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />er am vergangenen Wochenende in einem Referendum über ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt. Aber nur 22 Prozent der Wählerinnen und Wähler votierten  für diesen Vorschlag, dessen Umsetzung bedeutet hätte, dass künftig jede dauerhaft in der Schweiz ansässige volljährige Person bis zu 2.500 Franken im Monat bekommen würde. Dabei hat es mich gewundert, wie wenig Interesse hierzulande diese doch brisante Abstimmung  hervorgerufen hat. Zumal im Vorfeld des Referendums teilweise heftig diskutiert wurde. Zu teuer sei das Ganze, hieß es oft, und das bedingungslose Grundeinkommen setze falsche Anreize, war zu hören.</p>
<p>Anfang des Jahres gab es vom schweizerischen Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE eine erste repräsentative Umfrage, die zu dem Ergebnis kam, dass nach Einführung des bedingungslosen Einkommens nur 2 Prozent der Befragten zu arbeiten aufgehört hätten. Mehr als die Hälfte der Befragten gab stattdessen an, das Einkommen dafür zu nutzen, mehr Zeit für Familie und Weiterbildung aufzubringen. Fast hörten sich die Antworten an, als habe man die Frage: „Wie würde ein Lottogewinn Ihr Leben verändern?“ gestellt. Doch offensichtlich wollten die Schweizer keinen Lottogewinn.</p>
<p>Dennoch bezweifle ich, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten einfach blind der Empfehlung der Regierung gefolgt ist, die sich bereits vor der Abstimmung deutlich gegen das bedingungslose Grundeinkommen gestellt hatte. Oder hatten die Bürgerinnen und Bürger gar Angst, das Grundeinkommen könne die öffentliche Moral untergraben und, wie es in der Internetausgabe des Economist vom 5. Juni hieß, die braven Schweizer in eine „Gesellschaft von unmotivierten sozialen Trittbrettfahrern“ verwandeln? Immerhin zeigte sich an der Umfrage von DemoSCOPE , dass rund ein Drittel der Befragten dachte, die <em>Anderen</em> würden mit Einführung eines Grundeinkommens die Arbeit niederlegen. Nach dem Motto: Ich selbst würde natürlich genauso fleißig weiterarbeiten wie zuvor, aber meinem Nachbar traue ich diese Haltung nicht zu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Grundübel sozialer Vergleich</strong></p>
<p>Und damit wären wir bei einem menschlichen Grundübel angelangt: dem sozialen Vergleich. Ein Gewinn von einer Million Euro wäre zwar ganz nett, aber wenn die Nachbarn auch jeweils eine Million Euro gewinnen würden, dann fänden das viele Menschen nicht so lustig. Ähnlich mag es sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen verhalten.</p>
<p>Denn viele Menschen haben den Drang, ihre Stufe auf der sozialen Leiter ständig mit der anderer Leute abzugleichen, um den eigenen Rang gegenüber Dritten zu manifestieren. Dies geschieht normalerweise über Positionsgüter, über die ich <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://joachim-goldberg.com/2013/10/11/wer-hat-das-groesste-geweih/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a></span> und <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://joachim-goldberg.com/2013/10/16/positionsgueter-sind-kein-nullsummenspiel-teil-2/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a> </span>vor längerer Zeit ausführlich geschrieben habe. Und der Wert dieser Positionsgüter bemisst sich eben an der Exklusivität, mit der man ihren Besitz für sich reklamieren kann. Was für alle und für jeden erschwinglich ist, taugt nun einmal nicht zum Positionsgut.</p>
<p>Obwohl Positionsgüter eine Gesellschaft nicht glücklich machen, weil der Blick nach oben unzufriedener macht als die Genugtuung, von der eigenen Höhe auf andere, niedriger Gestellte herabzusehen. Und weil es meist nur einen Gewinner geben kann, dafür aber umso mehr Verlierer, denn eine Villa muss die größte in der Straße sein und nur einer darf auf dem Chefsessel Platz nehmen. Am Ende eines Wettrennens kommt Einer als Erster ins Ziel, und die Anderen laufen frustriert hinter ihm her.</p>
<p>Das bedingungslose Grundeinkommen wäre möglicherweise sozial gerecht gewesen und hätte gerade in den unteren Einkommensschichten für eine gewisse monetäre Sicherheit gesorgt. Aber möglicherweise haben bei der Abstimmung am vergangenen Sonntag viele Menschen die Abhängigkeit von einem bedingungslosen Grundeinkommen als Makel empfunden. Als Stillstand und Hemmnis für die eigene  Weiterentwicklung. Denn die Hoffnung und der Wille, es in Zukunft auf jeden Fall besser als heute und besser als andere haben zu wollen, ist eine wichtige Triebfeder für das wirtschaftliche Wachstum einer Gesellschaft. Um den Preis einer steigenden Ungleichheit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/nicht-auf-der-faulen-haut/">Nicht auf der faulen Haut</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Fluch des ewigen Vergleichens (Positionsgüter Teil 5)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Oct 2013 05:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den vergangenen vier Beiträgen zu Positionsgütern dürfte bei manchem Leser der Eindruck entstanden sein, dass diesen Dingen eigentlich nicht allzu viel Positives abzugewinnen ist. Wozu der ganze Stress, mag mancher denken, wozu dieses ewige Wettrennen um den besseren gesellschaftlichen Status, dieses permanente  Vergleichen, diese dauernde Frustration, weil es immer andere geben wird, die mehr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/fluch-des-ewigen-vergleichens-positionsgueter-teil-5/">Fluch des ewigen Vergleichens (Positionsgüter Teil 5)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen vier Beiträgen zu Positionsgütern dürfte bei manchem Leser der Eindruck entstanden sein, dass diesen Dingen eigentlich nicht allzu viel Positives abzugewinnen ist. Wozu der ganze Stress, mag mancher denken, wozu dieses ewige Wettrennen um den besseren gesellschaftlichen Status, dieses permanente  Vergleichen, diese dauernde Frustration, <span id="more-6663"></span>weil es immer andere geben wird, die mehr haben oder mehr können. Aber auch der teilweise hemmungslose Tausch von positionsunabhängigen Gütern wie Freizeit, Familienleben, Arbeitsplatzsicherheit, Schlaf etc. gegen das Positionsgut Geld hinterlässt bei vielen Menschen Spuren. Und glücklicher wird die Gesellschaft als Ganzes dadurch auch nicht: Nicht zufällig ist der Burnout die Modekrankheit unserer Epoche. Nicht umsonst befassen sich zwei der zehn biblischen Gebote mit dem Problem, dass sich zu allen Zeiten Menschen der Positionsgüter anderer bemächtigen oder mit deren Eigentümern mindestens gleichziehen wollen. „Du sollst nicht stehlen!“, heißt es im 2. Buch Mose, und weiter: „Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Hab und Gut sowie Deines Nächsten Weib“. Woraus auch abzulesen wäre, dass eine Ehefrau damals ebenfalls als Positionsgut angesehen wurde.</p>
<p>Allein schon die Tatsache, dass den Menschen schon vor Jahrtausenden solche Gebote gegeben wurden, um ihrem unentwegten Streben nach Mehr, ihrem Wachstumstrieb, ihrer Gier Einhalt zu gebieten, zeigt: Die Frage, welchen Rang bekleide ich innerhalb meiner sozialen Gruppe und wie kann ich ihn gegebenenfalls verbessern, treibt den Einzelnen seit Menschheitsgedenken um. Das zeigt sich auch indirekt darin, dass sich gleich drei der sieben Todsünden, auf die ich (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/die-borse-und-das-bose-ii/">hier</a></span>) und<span style="text-decoration: underline;"> (</span><a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/die-borse-und-das-bose/">hier</a>) eingegangen bin, mit negativen Charaktereigenschaften beschäftigen, die allesamt im Zusammenhang mit der dauernden Konkurrenz um den höheren Status stehen.  Gemeint sind Gier, Neid und Stolz – alle gelten sie als schwere Verfehlungen, die der christlichen Lehre zufolge zur ewigen Verdammnis in der Hölle führen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wider den „bösen Trieb“</b></p>
<p>Warum also Positionsgüter nicht einfach abschaffen oder zumindest weniger attraktiv machen? Der Kommunismus hat genau das versucht, wenn auch ohne Erfolg. Es gibt nicht wenige, die am liebsten sogar Geld als fungibelstes aller Positionsgüter oder zumindest Zins und Zinseszins als Ursache gesellschaftlichen Übels abschaffen würden und sich dann paradoxerweise für Gold oder gar Bitcoins stark machen. Wo doch gerade seine relative Knappheit Gold zum Positionsgut par excellence gemacht hat.</p>
<p>Auch haben sich schon viele Menschen seit Jahrtausenden den Kopf darüber zerbrochen, wie man diesen „bösen Trieb“ des Menschen nach Mehr in den Griff bekommen könnte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Vor allem, wenn Menschen wegen sozialer Vergleiche Gesetze brechen oder Dinge tun, die sie normalerweise nie begehen würden, zu denen sie sich aber im Wettbewerb um den besten Rang in der Gesellschaft genötigt sehen. Oder sie geraten unter Zugzwang, weil alle anderen an einem Trend partizipieren. So könnte allein  aus Gründen der Sicherheit die Anschaffung eines Positionsgutes geradezu zwingend angezeigt sein. Wer sich beispielsweise als Einziger mit einem alten Austin Mini zwischen lauter gepanzerten SUVs im Straßenverkehr fortbewegt, droht zerquetscht zu werden. Schon weil sein niedriges Chassis vor ihrem mächtigen Kühlergrill verschwindet.</p>
<p>Bieten denn also Regeln und Reglementierungen die einzige Lösung des Problems? Soll man den „bösen Trieb“ per Gesetz unterdrücken? Das würde allerdings auch bedeuten, dass damit jedes  gesellschaftliche Wachstum, jede Weiterentwicklung genauso im Keim erstickt würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Interne statt externe Bezugspunkte</b></p>
<p>Immerhin gelingt es vielen Menschen immer wieder, ihren Selbstwert nicht allein aus dem Vergleich mit anderen zu beziehen, sondern diesen vielmehr an internen Bezugspunkten festmachen. Vielleicht sollte man sich einfach viel häufiger fragen, ob man diese oder jene Anschaffung auch tätigen würde, wenn der Bekannte oder Freund nicht neulich damit voller Besitzerstolz bei einem aufgetaucht wäre, so dass unsere Begehrlichkeit geweckt wurde. In einer Straße, die nicht vollgeparkt mit den teuren Schlitten der Nachbarn wäre, würde man vielleicht auch eher aufs Fahrrad umsatteln.  </p>
<p>Aus gesellschaftlicher Sicht bestünde daher ein erster Schritt gegen Positionsgüter darin, diese weniger attraktiv erscheinen zu lassen. Möglicherweise durch eine (be)steuernde Gesetzgebung. Aber wer möchte das tatsächlich und wie effektiv wären entsprechende Maßnahmen, wenn sich die Führenden auf der Positionsleiter diese Güter trotz einer massiven Verteuerung immer noch leisten könnten?  Ein anderer Weg bestünde darin, die Wertschätzung von positionsunabhängigen Gütern zu erhöhen und diese zu schützen.</p>
<p>Der wichtigste Schritt, sich von der Fessel der Statussymbole und Positionsgüter zu befreien, muss aus der Gesellschaft selbst heraus gemacht werden, denn Gesetze können – wenn überhaupt – immer nur einen Entscheidungsrahmen bilden, und Sündenregister und Moralkeulen funktionieren nur als Drohung oder Appell. Vielmehr sollte man daher das Bewusstsein für die negativen Mechanismen des sozialen Vergleichs schärfen. Mehr aber noch ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Menschen tatsächlich wahrnehmen, bewerten und entscheiden. Dazu kann die Behavioral Economics einen wichtigen Beitrag leisten. Wer die Mechanismen des ewigen sozialen Vergleichens durchschaut und wer andererseits begreift, was Menschen langfristig wirklich glücklich macht, wird vielleicht eher zu dem Schluss kommen, nicht bei jedem Gerangel ums Sozialprestige mehr mitmachen zu müssen.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Stellvertretend seien hier die „Fabel des bösen Triebs“ aus dem Babylonischen Talmud („The Fable of the Evil Impulse“, zitiert aus Ohrenstein, Roman A. und Gordon, Barry L. J. (2009): <i>Economic Analysis in Talmudic Literature</i>, 3rd revised Ed., Brill NV, Leiden, pp. 48 ff.) oder die von mir häufig erwähnte <i>Bienenfabel </i>von Bernard Mandeville erwähnt. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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		<title>Das große Rennen (Positionsgüter Teil 4)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Oct 2013 06:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zuletzt habe ich mich an dieser Stelle mit dem Unterschied zwischen Positionsgütern und ihrem Gegenteil, also mit jenen Gütern, deren Wert im sozialen Vergleich neutral und unverändert bleibt, beschäftigt. Daran anschließend muss noch ergänzt werden, dass häufig die Tendenz besteht, ein positionsunabhängiges Gut gegen ein Positionsgut zu tauschen. So wird zum Beispiel eine Ausgabe, die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/das-grosse-rennen-positionsgueter-teil-4/">Das große Rennen (Positionsgüter Teil 4)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zuletzt habe ich mich an dieser Stelle mit dem Unterschied zwischen Positionsgütern und ihrem Gegenteil, also mit jenen Gütern, deren Wert im sozialen Vergleich neutral und unverändert bleibt, beschäftigt. Daran anschließend muss noch ergänzt werden, dass häufig die Tendenz besteht, ein positionsunabhängiges Gut gegen ein Positionsgut zu tauschen.<span id="more-6662"></span> So wird zum Beispiel eine Ausgabe, die den gesellschaftlichen Rang nicht verändert, zugunsten der Anschaffung eines Positionsgutes aufgeschoben, wenn nicht ganz geopfert. Beispielsweise, wenn Freizeit oder Familienleben zugunsten von Überstunden aufgegeben werden. Das hat oft zur Folge, dass zwar vorübergehend gegenüber den Konkurrenten im sozialen Vergleich ein Vorteil erzielt wird, doch ist dieser in dem Moment wieder verloren, in dem andere Menschen in puncto Status gleichziehen oder gar überholen. Der eine kauft sich ein teures PS-starkes Auto, daraufhin legt sich sein Nachbar womöglich ein noch größeres imposanteres Vehikel zu. Obwohl beide jetzt, absolut gesehen, über einen hohen Auto-Standard verfügen mögen, fühlt sich derjenige mit dem kleineren Gefährt benachteiligt und unzufrieden.</p>
<p>In diesem Zusammenhang spielen auch gesellschaftliche Normen eine große Rolle. Denn ein Produkt,  das „in“ ist, wie zurzeit zum Beispiel das I-Phone oder I-Pad, wird in seiner Bedeutung als Positionsgut noch zusätzlich aufgewertet. Vor allem wenn es aufgrund von Lieferknappheit, also wegen unzureichender Verfügbarkeit oder auf Grund seines hohen Preises  nicht von jedermann erworben werden kann. Deswegen können manchmal auch unscheinbare Dinge, wenn sie plötzlich zur gesellschaftlichen Norm, zur Mode, zum &#8222;must have“ werden, zu Positionsgütern mutieren. Flauen diese Moden und Trends indes ab, weil sie mittlerweile vielen Menschen zugänglich geworden sind, verlieren sie schnell ihre Bedeutung als Positionsgut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Positionsgüter nicht nur für Reiche</b></p>
<p>Am Ende kann ein richtiggehender Wettlauf beim Konsum von Positionsgütern entstehen. So werden immer größere und schnellere Autos gekauft, weil jeder versucht, seine Position zu verbessern. Selbst wenn der Kauf eines solchen Autos völlig unsinnig erscheinen mag, wenn man allein bedenkt, dass auf den meisten Straßen Tempolimits herrschen, die einem jedes Fahrvergnügen verderben und es verhindern, den schnellen Sportwagen einmal richtig auszuprobieren. Aber der Kauf eines noch teureren, noch leistungsfähigeren Vehikels fängt bei den Spitzenverdienern an und verschiebt damit den Referenzpunkt für die darunter liegende Einkommens- bzw. Vermögensklasse nach oben. Wer nicht mithalten kann, fällt hinten runter. Ein Effekt, der sich bei weniger teuren Gütern auch bis in niedrigere Einkommensgruppen fortpflanzen kann. Womit der relative Anteil von Positionsgütern am gesamten Verbrauch eines Haushalts mit sinkenden Einkommen steigen wird. Mit der Konsequenz, dass Einkommensschwache vermehrt positionsunabhängige Güter, etwa eine Stunde Schlaf, aufgeben müssen, um sich den Wohlstand durch Mehrarbeit noch leisten zu können.</p>
<p>Den Wettbewerb um Positionsgüter kennt auch die Geschichte der Finanzmärkte. Etwa zu Zeiten der so genannten Dotcom-Blase am Aktienmarkt zur Jahrtausendwende, als plötzlich jeder über Nacht reich werden wollte und sogar als durch und durch rational geltende Wissenschaftler plötzlich beim „Rattenrennen“ mitten im Rudel mitrannten. Selbst Menschen mit niedrigem Einkommen, die normalerweise ihr Geld aufs Sparbuch trugen, wurden vom Rausch erfasst. Schon träumten sie davon, einen großen Satz auf der sozialen Leiter nach oben machen zu können. Alle geeint in der Hoffnung, das fungibelste aller Positionsgüter in großem Ausmaß und extrem schnell bekommen zu können. Und weil ringsum in der Nachbarschaft plötzlich Millionäre lebten, die tags zuvor noch zu den Durchschnittsverdienern zählten, haben viele am Aktienmarkt mitgemischt, die normalerweise dort nie etwas verloren hatten. Das Ende des Wettlaufs ist bekannt. Nur ganz wenige sind wirklich reich geworden, die meisten waren am Ende (viel) ärmer als zuvor. Aber zum Glück hatte es ja den Nachbarn bei dieser Gelegenheit gleich mit erwischt – die Abstände auf der sozialen Leiter waren tröstlicherweise wieder genauso groß wie vor der spekulativen Blase.</p>
<p>Stellt sich nun die Frage, ob es dem gesellschaftlichen Frieden nicht dienen würde, wenn man der Jagd nach Positionsgütern Einhalt gebieten würde. Doch ist das wirklich sinnvoll und überhaupt möglich? Darauf werde ich in meinem nächsten, abschließenden Blog in dieser Reihe eingehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/das-grosse-rennen-positionsgueter-teil-4/">Das große Rennen (Positionsgüter Teil 4)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Häuserkauf mit Ökonomen (Positionsgüter Teil 3)</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/haeuserkauf-mit-oekonomen-positionsgueter-teil-3/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Oct 2013 04:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vorangegangenen Blog-Beitrag zum Thema Positionsgüter hatte ich es bereits angedeutet: Nicht alle Güter sind gleichermaßen positionswirksam. Man muss nur einmal das Gut Einkommen mit dem Gut Freizeit vergleichen. Freizeit unterliegt nicht der gleichen Maßeinheit wie Einkommen (Geld) und ist auch nicht immer direkt messbar oder erkennbar. Im Zweifel ist das Positionsgut Geld leichter zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/haeuserkauf-mit-oekonomen-positionsgueter-teil-3/">Häuserkauf mit Ökonomen (Positionsgüter Teil 3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im vorangegangenen Blog-Beitrag zum Thema Positionsgüter hatte ich es bereits angedeutet: Nicht alle Güter sind gleichermaßen positionswirksam. Man muss nur einmal das Gut <i>Einkommen </i>mit dem Gut <i>Freizeit</i> vergleichen. Freizeit unterliegt nicht der gleichen Maßeinheit wie Einkommen (Geld) und ist auch nicht immer direkt messbar oder erkennbar. Im Zweifel <span id="more-6661"></span>ist das Positionsgut Geld leichter zu erkennen, vor allen Dingen, wenn für Geld andere Positionsgüter erworben werden. Tatsächlich ist es genau diese Sichtbarkeit, die eine notwendige, aber nicht die alleinige Bedingung für ein Positionsgut darstellt<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>Der Ökonom Robert H. Frank hebt hervor, dass die Sichtbarkeit beim Verbrauch eines Gutes von dessen Natur abhängt. So kann man sich ohne weiteres Autos oder Häuser kaufen, Güter, die also jeder sehen kann, um seine gesellschaftliche Position zu verbessern. Eine teure Versicherung indes verändert den Status nur dann, wenn sie fällig wird, weil sie nur dann möglicherweise von anderen wahrgenommen werden kann<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. </p>
<p>Anders ausgedrückt: Ein Gut, dass man nicht mit einem anderen vergleichen kann, weil es nicht sogleich messbar oder auch nur schwer oder überhaupt nicht erkennbar ist, eignet sich nicht zum Positionsgut. Deswegen bezeichnet man solche Güter als <i>positionsunabhängig</i>. Man nehme nur Beispiele wie Ruhezeiten, Urlaub, Gefahren am Arbeitsplatz, das tägliche Pendeln zur Arbeitsstätte, eine gesunde Umwelt oder gar Glück – positionsunabhängige Güter verändern demzufolge nicht die Rangfolge im sozialen Vergleich.</p>
<p>Und so kommt es immer wieder zu Situationen, bei denen Anhänger der Standard-Ökonomie im Sinne eines Adam Smith  den Kopf schütteln mögen. Aber vielleicht hat es selbst ein durch und durch rational argumentierender Wirtschaftswissenschaftler schon einmal am eigenen Leib erlebt, wenn er sich zwischen zwei Welten entscheiden musste. Vielleicht wird er wie die meisten Menschen nicht gerne in einem Umfeld wohnen, in dem er sich zwar stolzer Besitzer eines 1000 m² großen Anwesens nennen darf, alle anderen um ihn herum aber stattlichere Häuser mit 1200 m² großen Grundstücken besitzen. Vielleicht wird er stattdessen – wie übrigens die Mehrheit der Menschen – lieber in einer Straße leben, in der er selbst zwar ein Haus mit einem Grundstück von nur 800 m² bewohnt, die Nachbarn aber allesamt nur 600 m² große Grundstücke ihr Eigen nennen.</p>
<p>Nicht die absolute Größe des Grundstücks ist demnach entscheidend, sondern dessen Größe im Vergleich zu einem Bezugspunkt, also zu den Arealen in der Nachbarschaft. Dabei zieht sich so ein Hauskauf ja meistens in die Länge. Kaum einer greift bei der Haussuche sofort zu. Vielmehr wird wohl in den meisten Fällen lange hin und her überlegt, werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen angebotenen Immobilien sorgfältig abgewogen, bevor man den Notar aufsucht. Schließlich bedeutet der Erwerb eines Eigenheims häufig eine Entscheidung fürs ganze Leben, und das möchte man nicht zerfressen von Neid- und Minderwertigkeitsgefühlen als bescheidener Hausherr inmitten von Großgrundbesitzern verbringen.</p>
<p>Gegenbeispiel: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden am Tag durchschnittlich eine Stunde Fahrtzeit zwischen Wohnung und Arbeitsplatz benötigen, Ihre besten Freunde müssten sogar anderthalb Stunden täglich pendeln. Wäre Ihnen das lieber als eine andere Konstellation, bei der Ihr täglicher  Arbeitsweg 40 Minuten, der Ihrer Freunde aber nur 20 Minuten dauert? Vergleichbare Untersuchungen<a title="" href="#_ftn3">[3]</a> gezeigt, dass die meisten Testpersonen sich in diesem Fall für die zweite Variante entscheiden würden, obwohl sie eine doppelt so lange Fahrtzeit hätten wie ihr Freund. Offenbar spielt in diesem Fall der Vergleich mit anderen nur eine untergeordnete Rolle. Denn Pendeln ist ein positionsunabhängiges Gut, unter anderem schon weil es dafür keine Zuschauer gibt. Folglich wird hier der <b>absoluten </b>Bewertung  gegenüber einer relativen der Vorrang eingeräumt.</p>
<p>Mehr dazu im nächsten Beitrag.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Ich würde den Begriff der Sichtbarkeit auf „Wahrnehmung“ ausdehnen wollen. So erkennt man ein teures Parfum nicht notwendigerweise an seinem Flacon, wenn dieser herumgezeigt wird, sondern man kann dieses Positionsgut auch riechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Vgl. Frank, Robert (2011): <i>The Darwin Economy: Liberty, Competition, and the Common Good</i>, Princeton University Press, S. 71</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Vgl. ebenda S. 69</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/haeuserkauf-mit-oekonomen-positionsgueter-teil-3/">Häuserkauf mit Ökonomen (Positionsgüter Teil 3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Positionsgüter sind kein Nullsummenspiel (Positionsgüter Teil 2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Oct 2013 07:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Knappheit]]></category>
		<category><![CDATA[Neid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Blog-Beitrag  erwähnte ich Fred Hirsch und seine Ökonomie der Positionsgüter. Seiner Ansicht nach bestimmt sich der Nutzen eines solchen Gutes nicht nach dessen absoluten, sondern relativen Wert, also im Vergleich zu einem Bezugspunkt. Dieser ergibt sich naturgemäß meist aus dem sozialen Umfeld, im Abgleich mit Leuten, die höher oder niedriger als wir selbst [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im vergangenen Blog-Beitrag  erwähnte ich Fred Hirsch und seine Ökonomie der Positionsgüter. Seiner Ansicht nach<b> </b>bestimmt sich der Nutzen eines solchen Gutes nicht nach dessen absoluten, sondern relativen Wert, also im Vergleich zu einem Bezugspunkt. Dieser ergibt sich naturgemäß meist aus dem sozialen Umfeld, im Abgleich mit Leuten, die höher oder niedriger als wir selbst auf der sozialen Leiter rangieren. <span id="more-6660"></span>Demzufolge ist ein Positionsgut dazu geeignet, den eigenen Rang auf dieser Leiter gegenüber Dritten zu manifestieren. Mehr noch bemisst sich dessen Wert an der Exklusivität, mit der man seinen Besitz für sich reklamieren kann. Und wenn schon andere diesen Gegenstand ebenfalls ihr eigen nennen dürfen, dann ist es ganz entscheidend, um wen es sich dabei handelt, wobei natürlich gilt, dass mehr hier in jedem Fall weniger bedeutet. Was für alle und jeden  erschwinglich ist, taugt nun mal nicht zum Positionsgut. Anders ausgedrückt: Positionsgüter sind Ressourcen, die knapp und nicht ohne weiteres vermehrbar sind und ihren Wert im Zuge „sozialer Prozesse“ dadurch verlieren, dass sie von anderen Menschen ebenfalls genutzt werden.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>Dazu gehört nicht nur eine natürliche Knappheit, sondern auch eine Knappheit, die sich aus der Einzigartigkeit bestimmter Dinge ergeben kann, an der sich sein Nutzer erfreut. Man denke nur an seltene Kunstwerke, Antiquitäten oder alte Weine. Am Ende könnte man auch von einem physischen Engpass sprechen. Fred Hirsch verweist aber auch auf gesellschaftliche Beschränkungen von Positionsgütern, die sich aus psychologischen Motiven wie Neid, Nachahmung oder Stolz herleiten lassen. Also wenn die Befriedigung aus einem Positionsgut von dessen symbolischer Bedeutung herrührt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Soziale Vergleiche schon bei Kindern</b></p>
<p>So können wir bereits bei kleinen Kindern beobachten, dass der absolute Wert eines zur Verfügung stehen Gutes nicht alleine ausschlaggebend ist. Meine drei jüngeren Kinder mögen vielleicht ein wenig nörgeln, wenn sie an einem Tag ein großes Stück Kuchen und an einem anderen Tag ein kleines Stück bekommen. Solange jedes von ihnen ein gleich großes Stück erhält, scheinen sie dennoch zufrieden zu sein. Richtig laut wird es erst, wenn die Plagen unterschiedlich große Stücke bekommen: Automatisch entsteht eine interne Rangfolge. Dabei hat das einzelne Kind das Gefühl, die Größe des Kuchenstücks entscheide über die Position innerhalb der Familie. Etwa nach dem Motto: „Wenn ich das größte Kuchenstück bekomme, haben mich meine Eltern am liebsten.“ Daran ändert auch nichts, wenn ich den Kindern versuche beizubringen, dass das etwas üppiger zugeteilte Stück für die Schwester nicht zwangsläufig die Größe der eigenen Portion verringert. Trotzdem ist der Kuchen in diesem Moment wie ein knappes Positionsgut, da er zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt: Seine Größe ist messbar, und die anderen können sehen, wie viel jeder davon erhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Positionsgüter machen Gesellschaft nicht glücklich</b></p>
<p>Das gilt auch für viele andere Güter wie Autos, Handys oder ähnliche Statussymbole: Nicht deren absolute, sondern die relative Größe im Kontext ist entscheidend. Denn immer handelt es sich um Güter, deren Wertschätzung in besonders hohem Maße vom sozialen Umfeld abhängt. Typischerweise sind die stärksten Positionsgüter diejenigen, deren Produktion sich nicht einfach steigern lässt. Denn nicht jeder kann das größte Haus, das Zimmer mit der schönsten Aussicht, nicht jeder den bestbezahlten Job oder den Chefsessel bekommen. Und wenn die einen in einer so genannten „besseren Gegend“ wohnen, folgt daraus zwangsläufig, dass andere Wohnquartiere weniger „gut“ sein müssen.</p>
<p>De facto ist die so genannte Positions-Ökonomie <i>auf den ersten Blick</i> ein Null-Summen-Spiel in Sachen gesellschaftlichen Wohlbefindens, bei dem die einen gewinnen können und die anderen verlieren müssen. Im Extremfall gewinnt sogar nur einer, und alle anderen verlieren. Aber nur auf dem Papier. Denn die Behavioral Economics lehrt uns, dass Menschen mit Gewinnen und Verlusten unterschiedlich umgehen. Der Blick nach oben auf der sozialen Leiter macht unzufriedener als die Genugtuung, von weiter oben auf andere, die scheinbar auf einer niedrigeren Stufe stehen, herabzusehen.  </p>
<p>Ein Umstand, den der berühmte Ökonom Adam Smith übersehen haben mag, als er annahm, dass die Gesellschaft als Ganzes besser dran wäre, würde jeder nur seine eigenen Interessen verfolgen. Denn ein Gut, das einer einzelnen Person einen bestimmten Nutzen bringt, wird für die Gesellschaft als Ganzes nicht automatisch wertvoller, wenn man es einfach nur vervielfältigt und mehreren Menschen zur Verfügung stellt. Weil man nicht einfach den Nutzen eines Gutes mit der Zahl derer multiplizieren kann, die dieses erhalten. Vielmehr hat gerade der Nutzen, den ein Individuum aus einem reinen Positionsgut zieht, nachteilige Auswirkung auf die anderen Menschen, die dasselbe erstreben. Wenn der andere aufholt, verringert sich der Vorsprung der Position und somit der eigene Nutzen. Ganz davon abgesehen, dass die Zufriedenheit, die ein einziger oder wenige aus ihrem Vorsprung gegenüber dem Rest der Gesellschaft beziehen, in summa auch noch viel geringer ausfällt als die gesamte Unzufriedenheit derer, die auf der sozialen Leiter von weiter unten nach oben hinauf schauen.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> </p>
<p>Glücklicherweise orientieren sich nicht alle Menschen ausschließlich an ihrer sozialen Position, sonst hätten wir es mit einer Gesellschaft von Unglücklichen zu tun. Auch sind nicht alle Güter gleichermaßen positionswirksam. Worin sie sich im Einzelnen unterscheiden, erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.  </p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Esser, Hartmut (2000), <i>Soziologie, Spezielle Grundlagen, Band 3: Soziales Handeln</i>, Campus</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Mein Kollege Herman Brodie hat sich unlängst <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/genug-ist-nicht-genug/">(hier)</a> dazu geäußert: Je häufiger man soziale Vergleiche zieht, desto größer das Risiko, Unzufriedenheit anzuhäufen. Außerdem vergleicht sich natürlich nicht jeder mit jedem in der Gesellschaft. Vielmehr konzentrieren sich die sozialen Vergleiche auf diejenigen, die auf der Leiter am nächsten stehen und diejenigen, mit denen wir am meisten verkehren.</p>
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		<title>Wer hat das größte Geweih?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Oct 2013 06:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Hirsch]]></category>
		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich mir vor einiger Zeit das Buch The Darwin Economy von Robert H. Frank zulegte, musste ich fast ein wenig schmunzeln: Der Autor, den ich sehr schätze, trifft darin in der Tat eine gewagte Vorhersage, für die er, so vermutet er selbst, nicht mehr belangt werden kann. Denn als Ökonom zu prognostizieren, dass seine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich mir vor einiger Zeit das Buch <i>The Darwin Economy</i> von Robert H. Frank zulegte, musste ich fast ein wenig schmunzeln: Der Autor, den ich sehr schätze, trifft darin in der Tat eine gewagte Vorhersage, für die er, so vermutet er selbst, nicht mehr belangt werden kann. Denn als Ökonom zu prognostizieren, dass seine Fachkollegen in 100 Jahren mehrheitlich Charles Darwin als den geistigen Vater ihrer Disziplin benennen könnten,<span id="more-6616"></span> erscheint auf den ersten Blick ziemlich kühn und verwegen zu sein. Bei genauerem Hinsehen erweist sich diese steile These jedoch als nicht ganz ungerechtfertigt. Würde man dieselbe Frage heute an Wirtschaftswissenschaftler stellen, so dürften die meisten wohl eher einen berühmten Ökonomen wie Adam Smith als ihren geistigen Vater nennen.</p>
<p>Frank begründet seine Vorhersage mit einem kleinen, aber dennoch äußerst gewichtigen Unterschied zwischen Darwins und Smiths Definition von Wettbewerb. Adam Smith ist ja vor allem durch seine Theorie der unsichtbaren Hand berühmt geworden, der zufolge unpersönliche Marktkräfte, also eine unsichtbare Hand, das Verhalten eigennütziger, selbstsüchtiger Akteure so  dirigiert, dass ihre Produkte zum größten Nutzen für die Gesellschaft führen. Dabei geht Adam Smith davon aus, dass Menschen die Vor- und Nachteile sämtlicher in Betracht kommender Handlungsoptionen sorgfältig und rational abwägen. Mehr noch: Sofern materielle Ressourcen für das Wohlbefinden der Menschen maßgeblich sind, zählt allein deren absolutes Einkommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Adam Smith vs. Charles Darwin</b></p>
<p>Im Gegensatz dazu war Charles Darwins Sichtweise von Wettbewerb eine andere. Seine Beobachtungen hatten ihn davon überzeugt, dass die Interessen einzelner Tiere häufig im Widerspruch zu den weitergehenden Belangen ihrer jeweiligen Gattung stehen können.</p>
<p>Tatsächlich ist die Eignung zur Fortpflanzung eine Fähigkeit, die zu überleben und zu prosperieren hilft. Doch muss ein Individuum dabei nicht das stärkste, schnellste oder geschickteste Exemplar der  ganzen Gattung sein. Am Ende zählt, wie es sich gegen die Mitglieder seines sozialen Umfelds durchsetzt, die sich alle um die gleichen Ressourcen streiten. Um es im Sinne Darwins auszudrücken: Je besser die Durchsetzungsfähigkeit in diesem Wettstreit, desto größer sind nicht nur die Überlebenschancen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, gut zu leben. Allerdings hat diese relative Durchsetzungsfähigkeit Grenzen. Und zwar in dem Augenblick, wenn man aus seinem sozialen Umfeld in einen größeren, wenn nicht gar globalen Kontext heraustritt. </p>
<p>Derartiges kann man, wie es Robert Frank so schön beschreibt, bereits in der Tierwelt finden. So konnten sich die männlichen Elche mit dem größten Geweih von jeher den Zugang zu den schönsten und vitalsten Elchkühen verschaffen, was zur Folge hatte, dass die Elchgeweihe im Laufe der Evolution immer größer geworden waren. Was jedoch innerhalb des Rudels einen relativen Vorteil bot, konnte für das Rudel als Ganzes im „Außenverhältnis“ hinderlich sein. Denn die Elche mit den prächtigen Schaufeln auf ihrem Kopf liefen eines Tages Gefahr, in einem dichtbewachsenen Wald ständig an den Ästen und Zweigen hängenzubleiben, so dass sie nicht schnell genug vor einem Feind fliehen konnten und außerdem häufig Verletzungen an ihrem Geweih davontrugen.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Absolutes vs. relatives Bewerten</b></p>
<p>Auch Menschen neigen dazu, in ihrem sozialen Umfeld (also in der Konkurrenz mit anderen Menschen, mit denen sie sich in etwa vergleichen können) einen bestimmten Rang zu erarbeiten, um so etwa bei  der Partnerwahl oder für die eigenen Kinder eine möglichst gute gesellschaftliche Ausgangsposition zu belegen – auch wenn es mir immer noch schwerfällt, dies als legitimes, weil naturgegebenes Streben zu akzeptieren. Daraus ergibt sich, dass es ein universelles menschliches Bedürfnis sein muss, sich permanent mit anderen zu vergleichen, um den eigenen Status in der Gesellschaft festzustellen. Insofern könnte man den sozialen Vergleich als evolutionsgeschichtlich in hunderttausenden von Jahren dem menschlichen Gehirn eingeschriebene Verhaltensweise sehen.  </p>
<p>Das bedeutet aber auch, dass die Motive der Menschen im Gegensatz zu dem, was uns die Standardökonomie lehrt, weit vielschichtiger sind. Anscheinend geht es um mehr als immer nur darum, Gewinne zu maximieren. Ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen: Wer nicht begreift, was Menschen tatsächlich bewegt und antreibt, kann auch nicht verstehen, wie Märkte funktionieren. Die Ökonomen haben versucht, Märkte zu modellieren, um sie zu entschlüsseln. Dabei waren sie naturgemäß zu starken Vereinfachungen gezwungen. Eine bestand darin zu unterstellen, dass Menschen stets nur auf ihren eigenen Vorteil aus seien und beim Sichern dieses Vorteils absolut rational vorgehen. Kein Wunder also, wenn Ökonomen davon ausgehen, dass der Grad der Befriedigung, den Menschen aus dem Verbrauch eines Gutes beziehen, allein von dessen absoluten Wert abhängt.</p>
<p>Doch die Realität sieht anders aus. Menschen bewerten relativ, also im Vergleich zu einem Umfeld, einem Referenzpunkt. So ist es unter anderem dem Ökonomen Fred Hirsch zu verdanken<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, wenn man mittlerweile zumindest ansatzweise anerkennt, dass es nicht nur eine Ökonomie der materiellen Güter wie Waschmaschinen,  Autos, Häuser etc. gibt, die im Grunde einfach nur produziert werden müssen, um die Nachfrage nach ihnen zu befriedigen. Vielmehr bestehen neben diesen materiellen Dingen, mit denen sich die Standardökonomie beschäftigt, auch noch Güter, die außer ihrem unmittelbaren praktischen Nutzen einen zusätzlichen Wert besitzen. Denn sie verraten etwas über die Position, die jemand innerhalb der Gesellschaft einnimmt oder gerne einnehmen möchte. Man nennt sie daher auch Positionsgüter. Es ist daher das große Verdienst von Hirsch, als Erster eine Ökonomie der Position begründet und beschrieben zu haben. Was es damit genauer auf sich hat, erfahren Sie im nächsten Blog.</p>
<div><br clear="all" /></p>
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<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Frank, Robert (2011): <i>The Darwin Economy: Liberty, Competition, and the Common Good</i>, Princeton University Press</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Vgl. Hirsch, Fred (1991): <i>Die sozialen Grenzen des Wachstums. Eine ökonomische Analyse zur Wachstumskrise</i> Verlag Rowohlt</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ertappt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Nov 2012 08:53:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal können einem Kinder in Sachen Behavioral Economics eine Lehrstunde erteilen. Auch ich erhielt vor ein paar Wochen kostenlose Nachhilfe in diesem Fach, als es um die Wunschliste eines meiner Kinder ging. „Meine Freundin hat ein iPad zum Geburtstag bekommen, das will ich auch haben, Papa!“, forderte meine neunjährige Tochter. Ihre Freundin Paula, die am [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal können einem Kinder in Sachen Behavioral Economics eine Lehrstunde erteilen. Auch ich erhielt vor ein paar Wochen kostenlose Nachhilfe in diesem Fach,<span id="more-5428"></span> als es um die Wunschliste eines meiner Kinder ging. „Meine Freundin hat ein iPad zum Geburtstag bekommen, das will ich auch haben, Papa!“, forderte meine neunjährige Tochter. Ihre Freundin Paula, die am selben Tag wie sie geboren ist, kann gerade einmal lesen, mit dem Schreiben hapert es hingegen immer noch ein wenig. Und als selbst Paulas vierjähriger Bruder, der noch in den Kindergarten geht, auch noch ein iPad bekam, war für meine Tochter klar, was sie sich zu Weihnachten wünschen würde. Natürlich gibt es auch unter kleinen Kindern jede Menge Positionsgüter (<a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/hirsch-mit-marken-geweih/" target="_blank">mehr dazu hier</a>). Manchmal kopieren sie in ihren Wünschen dabei aber auch nur die Erwachsenen. Schließlich waren etliche durchaus volljährige Menschen bereit, mehrere Tage und Nächte lang vor dem Apple-Store auszuharren, nur um als Erster ein iPad in Händen zu halten. Ich aber hatte ja bereits gelernt, dass der ewige Wettbewerb um Positionsgüter nur unglücklich macht. Deshalb würgte ich das Ansinnen meiner Tochter frühzeitig mit dem Hinweis ab, dass für mich Geschenke, die es in anderen Familien gäbe, kein Maßstab wären.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Referenzpunkt von Rechten und Pflichten</strong></p>
<p>Nur Stunden später, es war Zeit zum Abendessen, forderte ich meine Tochter auf, den Tisch zu decken. Und weil ihr Bruder gerade nutz- und tatenlos in der Gegend herumstand, war klar, dass sie versuchen würde, diese „Verpflichtung“ auf ihn abzuwälzen. Weshalb ein paar Minuten später ein lautes Wortgefecht der beiden in vollem Gange war, während der Tisch immer noch genauso leer dastand wie zuvor. Der Streit zwischen den beiden eskalierte, so dass ich schließlich dazwischen ging und meiner kleinen Tochter das erklärte, was wohl in fast allen Familien in solch einer Situation gesagt wird: „Im Zusammenleben hat jeder Pflichten…“, holte ich aus. Und ich rechnete vor, dass bei drei Kindern und drei Mahlzeiten am Tag jedes von ihnen einmal mit Tischdecken und einmal mit Abräumen an der Reihe wäre. „Ich bin überzeugt, dass die Kinder in anderen Familien noch viel mehr im Haushalt helfen müssen“, wollte ich das Thema beenden. „Aber Papa, bei den Geschenken waren Dir die anderen Familien doch völlig egal. Warum bringst Du sie dann jetzt beim Tischdecken ins Spiel?“, warf meine Älteste, die gerade zur Tür hineingekommen war, lässig ein. Da wurde mir schlagartig klar, wie gerne wir die Normen von Nachbarn, Freunde und Verwandten im sozialen Vergleich als Referenzpunkt heranziehen. Aber nur wenn es um Rechte geht und nicht um Pflichten.</p>
<p>Und wieder wurde mir einmal bewusst, dass auch ich nach all den Jahren Verluste und Gewinne immer noch ganz unterschiedlich erlebe und bewerte.</p>
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		<title>Goldmans Gehorsam</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2012 08:39:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der gestrige Blog beschäftigte sich mit der Arte-Dokumentation &#8222;Goldman Sachs – eine Bank lenkt die  Welt&#8222;. Was der Film über das Netzwerk dieses Geldinstituts aussagte, könnte stellvertretend auch für viele andere Unternehmen, Organisationen und Verbände, von der Harvard-Universität bis zu den Freimaurern,  gelten. Aber ich mag keine Verschwörungstheorien. Interessanter fand ich daher die in dieser [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/goldmans-gehorsam/">Goldmans Gehorsam</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der gestrige Blog beschäftigte sich mit der Arte-Dokumentation &#8222;<a href="http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt--6894428.html">Goldman Sachs – eine Bank lenkt die  Welt</a>&#8222;. Was der Film über das Netzwerk dieses Geldinstituts aussagte, könnte stellvertretend auch für viele andere Unternehmen, Organisationen und Verbände, von der Harvard-Universität bis zu den Freimaurern,  gelten. <span id="more-5085"></span>Aber ich mag keine Verschwörungstheorien. Interessanter fand ich daher die in dieser Dokumentation beleuchtete Wertewelt, die sicher typisch für das Denken in vielen Investmentbanken sein dürfte. Wenn etwa eine ehemalige Angestellte von Goldman Sachs erklärt, es käme nicht darauf an, wie viel man <em>absolut</em> verdient, sondern wie viele Dollars man <em>mehr</em> als der Kollege bekommt – ausschlaggebend für den Erfolg sei demnach die relative Position in der Hierarchie – werde ich ganz stark an einen Positionsgüterwettbewerb erinnert, über den ich <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/die-grose-pleite/"><em>hier</em></a> und <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform/"><em>hier</em></a><em> </em>bereits geschrieben habe. Kein Wunder, wenn in dieser Konkurrenz ethische Grundsätze außer Acht gelassen werden und wenn nicht wenige dazu bereit sind, sämtliche Regeln der Fairness zu vernachlässigen, um sich einen vorderen Platz innerhalb der Rangordnung zu sichern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Warten auf Godot</strong></p>
<p>Dazu passt auch die im Film geschilderte Situation, als ein Seniorpartner die Mitarbeiter seiner Handelsabteilung vor dem langen Wochenende des Memorial Days und nach Handelsschluss zu einer Konferenz um 16 Uhr bittet und dann das Personal stundenlang warten lässt. Wer da irgendwann die Geduld  verliert und sich mit Recht fragt, was das Ganze soll, um dann gegen 20 Uhr schließlich nach Hause aufzubrechen, braucht sich nach Goldman-Logik  nicht zu wundern, wenn er am Dienstag keinen Job mehr hat. Das nennt man neudeutsch „total dedication“, den totalen Einsatz, die uneingeschränkte Hingabe, „Tugenden“, die vor allem Soldaten abverlangt werden, die blind gehorchen sollen. Zwar bezahlt die Finanzwelt  (im Gegensatz zum Militär) ihren Einsatztruppen einen hohen Sold, damit sie nicht zum Gegner, also zu einer anderen Bank, überlaufen. Aber das hat den Effekt, dass sich konformes Verhalten und gegenseitige Bestätigung nur noch verstärken. </p>
<p>Aufschlussreich fand ich auch die Bemerkung einer Ex-Goldman-Mitarbeiterin und heutigen Journalistin beim US-Magazin „Vanity Fair“, die im Interview mit den Filmemachern sagte, Korruption entstünde in ihren Augen schon dann, wenn alle das Gleiche dächten, weil alle den gleichen gemeinsamen Hintergrund hätten. Das mag zunächst nach einer neuen Verschwörungstheorie klingen. Doch Menschen, die nicht selbständig denken, sondern vor allem immer gehorchen, können gar nicht in einen Interessenskonflikt geraten, wie der Film dem Zuschauer nahelegen will. Denn sie haben nur ein Interesse. Sie sind davon überzeugt, dass das, was sie tun, richtig ist – und sei es noch so sinnlos oder gar unethisch. Aber solche Mitarbeiter findet man eben nicht nur bei Goldman, sie gibt es überall.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Total dedication</strong></p>
<p>Natürlich ist die Gefahr einer Gleichschaltung im Denken bei homogenen Gruppen größer. Und in vielen Unternehmen ist Homogenität des Personals bereits das Ergebnis des Einstellungsverfahrens. Dieses wirkt wie ein Filter, der nur die Bewerber durchkommen lässt, die zu den übrigen Mitarbeitern passen. Goldman scheint jedoch noch einen Schritt weiter zu gehen. Da werden sogar noch einige Zeit später erneut bei einem Meeting Angestellte aussortiert, die durch das erste Raster durchgerutscht sein müssen. Und so bleibt am Ende ein Stamm von Mitarbeitern übrig, die alle willens sind, sich für die Firma aufzuopfern, wie der Film es am Beispiel eines Mathe-Genies aus dem Goldman-Team bei seiner Vernehmung vor dem US-Kongress zeigt.</p>
<p>Im Grunde hätte man doch gerade diejenigen Mitarbeiter, die Rückgrat bewiesen und sich eben nicht gruppenkonform verhalten haben, indem sie irgendwann nach Hause gingen, statt auf Godot in Gestalt ihres Chefs zu warten, belohnen müssen. Aber das macht man eben nur dann, wenn man selbstständig denkende und handelnde Mitarbeiter haben möchte. Aber genau das ist nicht gewollt. Und so bekommt man stattdessen gefügiges Personal, das sich konform zur internen Wertewelt des einzelnen Unternehmens oder einer ganzen Branche verhält. Die Gefahr scheint mir nur, dass sich dieses Wertesystem mittlerweile von den grundsätzlichen ethischen Vorstellungen in unserer Gesellschaft gänzlich abgekoppelt hat. Und deshalb frage ich mich, ob ein „<em>Wir bereuen</em>“ ausreichen kann, um diese Diskrepanz wieder zu überbrücken.</p>
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		<item>
		<title>Gekaufte Position</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/gekaufte-position/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Jul 2012 05:58:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Effiziente Allokation]]></category>
		<category><![CDATA[Lobbyisten]]></category>
		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie fühlen Sie sich, wenn Sie in einer Schlange an der Kasse beim Supermarkt bereits seit 15 Minuten anstehen und sich plötzlich jemand vordrängelt? Vielleicht haben Sie heute einen guten Tag und lassen den Vorpreschenden gewähren. Aber an einem normalen Tag würden Sie sich vermutlich wie viele andere Menschen auch über das unfaire Verhalten aufregen. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/gekaufte-position/">Gekaufte Position</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie fühlen Sie sich, wenn Sie in einer Schlange an der Kasse beim Supermarkt bereits seit 15 Minuten anstehen und sich plötzlich jemand vordrängelt? Vielleicht haben Sie heute einen guten Tag und lassen den Vorpreschenden gewähren. Aber an einem normalen Tag würden Sie <span id="more-4726"></span>sich vermutlich wie viele andere Menschen auch über das unfaire Verhalten aufregen. Mir geht es nicht anders. Eine leichte Verstimmung überkommt mich außerdem, wenn ich beobachten muss, dass  vor mir in der Warteschlange eine Frau  steht  und den Platz in der Reihe sichert, während ihr Mann fleißig mit der Einkaufsliste in der Hand die Regalgänge abläuft und eine Ware nach der anderen  in den Wagen wirft. Manche gehen sogar so weit, dass sie ihre Kinder an verschiedenen Kassen positionieren, um ein Ende dort bezahlen zu können, wo es am schnellsten voran gegangen ist. Hier geht es aber nur um wenige Minuten, und der auf diesem Weg errungene  Vorteil ist vor allem sportlich zu sehen.</p>
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<p><strong>Bezahltes Schlangestehen</strong></p>
<p>Wie sieht es jedoch aus, wenn morgens um 8 Uhr der Vorverkauf für ein heiß begehrtes Konzert mit einer überschaubaren Anzahl an Plätzen begänne? Da gibt es so manchen Freak, der sich bereits am Vorabend vor dem Kassenhäuschen aufstellt, um bei der Eröffnung am nächsten Morgen die beste Ausgangsposition und eine reelle Chance auf eine Konzertkarte zu haben. Natürlich mag nicht jeder so viel Enthusiasmus aufbringen, bei Regenwetter stundenlang wartend zu verharren oder bei Kälte im Freien zu übernachten, um an eine Karte zu kommen. Aber wer zuerst kommt, mahlt bekanntlich zuerst und vor dem Kassenhäuschen sind alle gleich. Dachte ich zumindest. Bis ich jüngst in einem neuen Buch von Michael J. Sandel<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> las, dass es in den USA möglich ist, andere Menschen fürs Schlangestehen anzuheuern. Ja, es gibt sogar Gesellschaften wie etwa LineStanding.com, die Anstehen professionell organisieren und  ähnlich einem Arbeitsvermittlungsunternehmen etwa bei Kongressanhörungen für einen Stundensatz von 36 bis 60 USD für Lobbyisten einen Platz in der Warteschlange reservieren. Die Ansteher selbst, oftmals Menschen, die normalerweise arbeits- oder gar obdachlos wären, erhalten immerhin von diesem Salär zehn bis 20 USD pro Stunde.</p>
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<p><strong>Effiziente Allokation</strong></p>
<p>Anhänger freier Märkte dürften bei solch einem Modell ins Schwärmen geraten. Denn allen scheint geholfen, wenn Angebot und Nachfrage sich frei entfalten können. Und wer wird schon etwas dagegen haben können, wenn Menschen, die ansonsten womöglich obdachlos wären, endlich einer ehrbaren Arbeit nachgehen können. Und derjenige, der bereit ist, dem Schlangesteher womöglich mehrere 100 USD zu bezahlen, würde dies nicht tun, wenn er keinen Nutzen davon hätte. Trotzdem dürfte ich nicht der Einzige sein, der sich bei dieser Idee unwohl fühlt. Nicht nur, weil die zumindest noch in einigen Lebensbereichen bestehende „Gleichheit“, auf die zumindest der Mittelstand noch eine Chance hatte, für die „effiziente Allokation“ von Konzertkarten und anderen Wirtschaftsgütern aufgegeben würde. </p>
<p>Vielmehr ist das libertäre Argument, Menschen sollten kaufen und verkaufen dürfen, was immer sie möchten, nur so lange gültig, wie diese Freiheit nicht das Recht anderer Menschen verletzt. Und zu diesem Recht gehören auch gesellschaftliche Normen, auf die sich die Menschen verlassen. Etwa die Norm, sich in der Schlange nicht vorzudrängeln. Noch störender ist für mich, dass mit solchen Modellen neue Positionsgüter (mit allen damit verbundenen negativen Effekten, die ich <em><a href="http://www.blognition.de/blog/politik/die-grose-pleite/">hier</a></em> beschrieben habe) in Lebensbereichen geschaffen werden, wo dies bislang nicht der Fall gewesen ist.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Sandel, Michael J., <em>What Money Can’t Buy, The Moral Limits of Markets, </em>New York 2012</p>
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		<title>Hirsch mit Marken-Geweih</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Mar 2012 10:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
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		<category><![CDATA[Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentativitätsirrtum]]></category>
		<category><![CDATA[Statuts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Tierreich ist der Status des Einzelnen ganz klar geregelt. Der Hirsch im Rudel mit dem größten Geweih hat die besten Chancen bei den Hirschkühen. Man könnte sogar behaupten, dass die Größe des Hirschgeweihs über die Position innerhalb des Rudels entscheidet. Oder um es mit Darwin auszudrücken: Je besser die Durchsetzungsfähigkeit im Positionswettstreit, desto größer [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Tierreich ist der Status des Einzelnen ganz klar geregelt. Der Hirsch im Rudel mit dem größten Geweih hat die besten Chancen bei den Hirschkühen. Man könnte sogar behaupten, dass die Größe des Hirschgeweihs über die Position innerhalb <span id="more-3470"></span>des Rudels entscheidet. Oder um es mit Darwin auszudrücken: Je besser die Durchsetzungsfähigkeit im Positionswettstreit, desto größer die Überlebenschancen. Ähnliches gilt auch für das menschliche Miteinander. Auch hier streitet man sich um Güter, von denen man sich eine Verbesserung des eigenen Status innerhalb eines sozialen Umfeldes erhofft.</p>
<p>In diesem Zusammenhang stieß ich vor kurzem auf eine Studie<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn1">[1]</a>, bei der Wissenschaftler eine junge Assistentin auf die Straße schickten, um eine Umfrage durchzuführen. An einem Tag trug sie ein Sweatshirt mit dem deutlich sichtbaren Logo der Marke Tommy Hilfiger, am nächsten Tag hatte sie zwar das gleiche Bekleidungsstück an, aber dieses Mal ohne Markenzeichen. Während 52 Prozent der Befragten bereit waren, der jungen Dame für die Umfrage am ersten Tag Rede und Antwort zu stehen, sank dieser Anteil auf 13 Prozent, als dieselbe Assistentin ein Shirt ohne Designer-Logo trug.</p>
<p>Bei einem anderen Test beobachteten Probanden zwei Videos mit ein und demselben Mann, der sich in einem Bewerbungsgespräch befand. Einmal trug er ein Hemd mit Markenzeichen, einmal ohne Branding. Nicht nur, dass die Probanden anschließend mehrheitlich erklärten, sie hielten den Bewerber mit Markenzeichen geeigneter für den Job als denselben Menschen im No-Name-Hemd. Vielmehr zeigten sie sich auch bereit, dem erfolgreichen Bewerber einen höheren Lohn (durchschnittlich 9 Prozent mehr) als seinem „Konkurrenten“ zu bezahlen.</p>
<p>Die beiden Tests haben eines übereinstimmend gezeigt: Menschen nehmen Designer-Marken offenbar als Statussymbol, als Positionsgut, wahr. Nach dem Motto, solche Kleidungsstücke kann nur derjenige tragen, der sie sich leisten kann. Mit der Folge, dass der Träger von Positionsgütern nicht nur erfolgreicher erscheint, sondern auch automatisch mehr Geld und damit weitere Statussymbole erhält. Und weil eben viele Menschen irrtümlicherweise Statussymbole als repräsentativ für Leistung wahrnehmen, kann es durchaus immer wieder geschehen, dass ein Beta-Mensch lange Zeit für ein Alpha-Tier gehalten wird, nur weil er sich mit dessen Statussymbolen schmückt – eine Hochstapelei, die in der Tierwelt wahrscheinlich nicht möglich wäre.</p>
<p>Die Studie zeigte allerdings auch etwas anderes: Als nämlich in einer weiteren Versuchsvariante den Probanden erklärt wurde, dass das Statussymbol seinem Träger nicht zustand, weil letzterer sich vom Übungsleiter lediglich ein Markenshirt geborgt habe, reagierte das soziale Umfeld direkt und unmittelbar: Der Status wurde praktisch aberkannt. Wie im richtigen Leben, und das kann mitunter durchaus erbarmungslos sein, wie uns nicht zuletzt die Geschichte eines Bernie Madoff lehrt.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Nelissen, Rob M. A., Meijers, Marijn H.C. <em>Social benefits of luxury brands as costly signals of wealth and status, </em>Evolution and Human Behavior, Vol 32, Issue 5, September 2011, </span></span></p>
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