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	<title>Neid Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Zwischen Selbstlosigkeit und bestrafter Gier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2017 08:26:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9410 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit einem anderen Spieler teilt. Dabei darf er bestimmen, wie viel er selbst und wie viel der Andere erhält. Stimmt dieser der Aufteilung zu, bekommen beide ihr Geld. Lehnt der Mitspieler indes die vorgeschlagene Aufteilung ab, gehen beide leer aus.</p>
<p>Im Laufe der Jahre habe ich dieses Spiel bestimmt hunderte Male gespielt, aber niemals ist es vorgekommen, dass ein Zuhörer gemäß der ökonomischen Standardtheorie 9999,99 € für sich behalten und seinem Mitspieler nur die kleinstmögliche Geldeinheit von einem Cent angeboten hätte. Stattdessen entscheiden sich die meisten für eine Fifty-Fifty-Lösung, weil diese als besonders fair empfunden wird. Obwohl von vornherein klar ist, dass es sich nur um einen hypothetischen Betrag von 10.000 € handelt, gehen nur wenige so weit, mehr als die Hälfte des Spielgeldes für sich zu beanspruchen. Möglicherweise weil sie vor den anderen Zuhörern nicht als habgierig oder egoistisch dastehen wollen.</p>
<p>In den Fällen, in denen ein Entscheider mehr als die Hälfte des Geldes für sich in Anspruch nehmen wollte, waren die Mitspieler meist nicht bereit, der vorgeschlagenen Verteilung zuzustimmen, sofern ihr Anteil nur ein Drittel des Geldes oder sogar weniger betrug.</p>
<p>Doch ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass Menschen bei der Verteilung des Geldes ihren Mitspielern mehr als die Hälfte zugedacht haben. Um sich der Zustimmung des anderen völlig sicher zu sein – eine Verhaltensweise, die vom Publikum meist belächelt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Risikoaversion bis zur Selbstlosigkeit</strong></p>
<p>Nun hatte ich unlängst das Vergnügen, dieses Spiel im Rahmen eines Vortrages bei Vertretern einer Non-Profit-Organisation mit karitativem Charakter durchzuführen. Und ich war tatsächlich überrascht, dass der Verteiler des Geldes vorschlug, alles seinem Gegenüber zu überlassen und nichts für sich zu behalten. Obgleich ich zunächst den Verdacht hatte, das Spiel sei möglicherweise nicht verstanden worden, wurde mir spätestens bei der Antwort des Verteilenden, er wolle kein Risiko eingehen [das Risiko, dass sein Gegenüber ablehnen könnte] klar, dass es also keineswegs die reine Selbstlosigkeit war, die zu einem derartigen Verhalten führte.</p>
<p>Kritiker werden ohnehin einwenden, dass es sich ja nur um ein Spiel mit hypothetischen Einsätzen handelt und die Realität mit echtem Geld wahrscheinlich ganz anders aussehen würde. Eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span> zeigt jedoch, dass dieses Verhalten keineswegs auf Spiele ohne echtes Geld beschränkt bleibt. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Verhalten der Verteilenden sich selbst bei steigenden monetären Einsätzen tatsächlich ändern würde. Allerdings gilt das nicht für deren Gegenspieler, die sich bei steigenden Einsätzen auch mit geringeren zugedachten Geldbeträgen zufriedengaben. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch bei den Teilnehmern dieser Studie gab es immer wieder vereinzelt Fälle, bei denen ein Verteiler komplett auf seinen möglichen, manchmal nicht unbeträchtlichen Geldanteil verzichtete.</p>
<p>Es scheint also tatsächlich noch Menschen zu geben, denen Geld wirklich nichts bedeutet. Aber andererseits gibt es selbst in karitativen Kreisen nicht nur selbstlose Menschen. Das wurde mir spätestens klar, als ich bei einem zweiten Spiel die Erfahrung machen musste, dass eine fair anmutende Fifty-Fifty-Verteilung vom Mitspieler schlichtweg abgelehnt wurde. Die Hälfte war ihm nicht genug. Also verzichtete er durch die Verweigerung seiner Zustimmung lieber gleich auf alles und bestrafte so auch noch seinen Mitspieler. Anders ausgedrückt: Es gibt Menschen, die bereits sind, etwas zu bezahlen, damit Andere Geld verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Cameron, Lisa A. (1999): <em>Raising the Stakes in the Ultimatum Game: Experimental Evidence from Indonesia</em>, Economic Inquiry, Vol. 37, No, 1, January 1999, pp. 47-59</p>
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		<title>Deutschlands schönste Frau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2015 17:36:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Entscheidung unter Unsicherheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man kann nicht immer nur bedeutend sein. Und anspruchsvoll. Manchmal braucht man einfach seichte Berieselung, um sich zu entspannen. Gestern war so ein Tag, an dem ich mich ziemlich ausgelaugt fühlte. Also zappte ich mich abends durchs Fernsehprogramm und blieb dann bei einer Sendung, die wohl eigentlich eher für ein weibliches Publikum gedacht ist, hängen. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Man kann nicht immer nur bedeutend sein. Und anspruchsvoll. Manchmal braucht man einfach seichte Berieselung, um sich zu entspannen. Gestern war so ein Tag, an dem ich mich ziemlich ausgelaugt fühlte. Also zappte ich mich abends durchs Fernsehprogramm und blieb dann bei einer Sendung, die wohl eigentlich eher für ein weibliches Publikum gedacht ist, hängen. Aber ich gebe zu, dass ich mir schon einige Male auch „Germanys next Topmodel“, ein Muss für die drei Frauen in unserem Haushalt, mitangeschaut habe. Natürlich nicht aus Voyeurismus oder Neugier, sondern nur, um mir als verantwortungsbewusster Vater einen Eindruck davon zu verschaffen, welchem Schönheitsideal meine sechzehnjährige Tochter frönt. Gestern Abend aber lief so etwas wie eine Cover-Version von Heidi Klums Casting-Show, bei der die weiblichen Modelle allerdings nicht mehr ganz so jung aussehen – die älteste Kandidatin ist bereits 66 Jahre alt. Ich meine die RTL-Sendung „Deutschlands schönste Frau“ unter der Leitung von Guido Maria Kretschmer.</p>
<p>Schnell fand ich heraus, dass es bei dieser Serie offensichtlich nicht um das bestaussehende Model Deutschlands ging, sondern vor allem um innere Werte und nur ein wenig um äußerliche Schönheit. Kurzum, um Frauen, die wir auch in unserer Nachbarschaft finden könnten. Frauen mit Charakter, Emotionen und Schicksalen, die, so erfuhr ich von einer Bekannten, von der ungewollten Schwangerschaft mit 15 bis zur Mutter mit Alkoholproblemen reichen. Endlich eine menschliche TV-Sendung, kein gnadenloser Wettbewerb, sondern ein Casting mit Herz? Zumindest wurde viel geschluchzt und geweint. Aber das wird es bei Heidis Mädchen ja auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Magische Altersgrenze</strong></p>
<p>Und damit alles halbwegs fair verläuft, haben sich die Macher etwas ganz Besonderes ausgedacht, indem sie die Kandidatinnen für „Deutschlands schönste Frau“ in zwei Gruppen aufteilten – die eine bestand aus den Unter-30-Jährigen und die anderen aus allen, die diese angeblich magische Altersgrenze im Leben einer Frau bereits überschritten hatten. Auch gibt es hier keine Jury, deren Sprecher am Ende mit schrillschneidender Stimme verkündet, man habe dieses Mal leider „kein Foto“ für die Kandidatin, die Metapher für deren sofortiges Ausscheiden aus dem Wettbewerb. Nein, in Kretschmers Format müssen die Kandidatinnen den Rausschmiss der lästigen Konkurrenz schon selbst besorgen.</p>
<p>Natürlich erhält auch bei Kretschmer jede Frau ausreichend Gelegenheit, sich auf die eine oder andere Weise und nach verschiedenen Vorgaben zu präsentieren. Manchmal auch nackt. Aber der eigentliche Höhepunkt eines jeden Mittwochabends ist dann die „Ladies‘ Night“, in deren Verlauf die Kandidatinnen einander gegenseitig für den endgültigen Abschied bestimmen müssen – jeder soll dabei zwei Frauen – je eine aus jeder Gruppe – „nominieren“, was wiederum eine schöne Umschreibung dafür ist, dass man sich auf diese Weise einer gefährlichen Nebenbuhlerin um den Sieg elegant entledigen kann. Nein, da gibt es kein Pardon. Jetzt sind jede Menge niedrige Beweggründe wie Neid, Rivalität, Missgunst und andere Todsünden gefragt. Abgewählt wird natürlich die schärfste Konkurrenz. Und damit die Sendung nicht völlig aus dem Ruder läuft, greift Guido M. Kretschmer mitunter wie ein rettender Gott aus der Kulisse heraus ein und wählt schon einmal zwei Damen aus, die er unbedingt auch in der nächsten Runde noch dabeihaben möchte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kontrollverlust in der &#8222;Ladies&#8216; Night&#8220;<br />
</strong></p>
<p>Dass es tatsächlich noch so etwas wie innere Schönheit, Edelmut und Verzichtsbereitschaft gibt – bis gestern Abend hätte mir der Glaube an solche Werte nicht mehr als ein halb mitleidiges, halb zynisches Grinsen entlockt. So befürchtete ich das Schlimmste, als Kretschmer die Damen einzeln zum Nominieren bat.</p>
<p>Aber ich wurde eines Besseren belehrt.</p>
<p>Nicht weil mich Tränen, Verzweiflung und Ratlosigkeit der unfreiwilligen Schicksalsgöttinen – immerhin ging es um einsame Entscheidungen unter Unsicherheit – besonders mitgenommen hätten. „Ich kann doch meine beste Freundin jetzt hier nicht verraten“, diesen Satz konnte man unter Schluchzen und Tränen-Tremolo mehrfach vernehmen. Doch dann setzte ich mich überrascht auf meinem Sofa auf: Eine Kandidatin hatte doch tatsächlich aus lauter Menschlichkeit sich selbst für den Rausschmiss bestimmt! Aber die Welt war noch viel besser, als ich alter Pessimist zu glauben gewagt hatte: Es waren sogar drei (alle übrigens aus der Gruppe der Unter-30-Jährigen), die bereit waren, die eigenen Überlebenschancen im Kampf um den Titel als „Deutschlands schönste Frau“ durch Selbstnominierung erheblich zu verschlechtern.</p>
<p>Oder war es doch keine reine Fairness, die die Entscheidung dieser edlen Seelen beeinflusste? Die verhaltensorientierte Ökonomie kennt nämlich das stark verbreitete und mächtige Bedürfnis nach Kontrolle, das unser aller Handeln stärker bestimmt, als wir uns alle bewusst sind. So möchte sich jeder Mensch lieber als Verursacher von Veränderungen seiner Umwelt wahrnehmen denn als passives Objekt, das diese Veränderungen nicht beeinflussen kann, sondern nur erleidet. Wir möchten unsere Realität verstehen, vorhersagen und beeinflussen können, und das ist ein Wunsch, der seit Jahrtausenden biologisch fest in uns verankert ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Abgang mit erhobenem Haupt </strong></p>
<p>Aber wenn einem andere durch den Rauswurf aus dem Wettbewerb um „Deutschlands schönste Frau“ quasi zu verstehen geben, „Du bist nicht schön genug“, dann hat das schon etwas von einem Kontrollverlust. Weil diese Situation außerhalb des eigenen Handlungsspielraums liegt. Ob die Selbstnominierung womöglich auch ein Versuch ist, sich einen Teil dieser verloren geglaubten Kontrolle zurückzuerobern? Wer freiwillig und aus Freundschaft und Mitgefühl mit den anderen Bewerberinnen auf seine Chance, zu „Deutschlands schönster Frau“ gekürt zu werden, verzichtet, kann erhobenen Hauptes die Bühne verlassen. Wer indes sich selbst aufzuwerten versucht, indem er Andere in ihrem Aussehen und Benehmen verunglimpft, der legt ein hässliches Verhalten an den Tag und hat sich beinahe selbst schon disqualifiziert. Vor allem nach dieser jüngsten Sendung.</p>
<p>Wie einfach habe ich es dagegen, ich muss keine Entscheidung unter Unsicherheit treffen. Denn für mich sitzt Deutschlands schönste Frau sowieso seit 20 Jahren neben mir, auf dem Sofa, in unserem Wohnzimmer.</p>
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		<title>Schöne Grüße aus Beverly Hills</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Feb 2015 08:47:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich passiert es mir nur im Sportstudio, dass ich „n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht“ als Format meiner Wahl unter den vielen anderen langweiligen TV-Angeboten heraussuche. Nicht dass diese Sendung besonders geistvoll wäre, aber um sich ein wenig vom eintönigen, aber notwendigen Ausdauertraining abzulenken, eignet sich Jennifer Knäbles Einladung: „Hallo, liebe Milliardäre!“ schon. Und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich passiert es mir nur im Sportstudio, dass ich „n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht“ als Format meiner Wahl unter den vielen anderen langweiligen TV-Angeboten heraussuche. Nicht dass diese Sendung besonders geistvoll wäre, aber um sich ein wenig vom eintönigen, aber notwendigen Ausdauertraining abzulenken, eignet sich Jennifer Knäbles Einladung: „Hallo, liebe Milliardäre!“ schon. Und für gesellschaftliche Studien.</p>
<p>Der erste Beitrag führte uns zum x-ten Mal (n-tv Deluxe scheinen wohl langsam die Milliardäre auszugehen) Richtung Los Angeles zu den Reichen und Superreichen von Beverly Hills. Und weil sich dort mit Grundstücken und Immobilien besonders viel Geld verdienen lässt, wird uns eine Immobilienmaklerin vorgestellt, die sich natürlich nur mit den Allerreichsten befasst. Denn in Beverly, so scheint es, kann man über Nacht zum Millionär werden. Man muss nur das Richtige tun: Sechs Prozent Maklerprovision können einen im Erfolgsfall so richtig reich machen. „Sechs Prozent auf 50 Millionen Dollar“, rechnet uns die Stimme aus dem Off beflissen vor, „macht drei Millionen.“ Leicht zu rechnen, aber dennoch schwer zu bekommen. Hm, so richtig Neidstimmung will bei mir dennoch nicht aufkommen, auch nicht beim 500 Quadratmeter großen Haus aus dem Portfolio für Interessenten. Wahrscheinlich auch bei den meisten anderen Fernsehzuschauern nicht, weil als Grundvoraussetzung für das Entstehen von Neid soziale Vergleichbarkeit mit dem zu Beneidenden gegeben sein muss. Und die Reichen und Schönen von Beverly spielen einfach in einer anderen Liga als unsereins.</p>
<p>Dennoch: Ein Satz aus dem TV-Beitrag will mir nicht aus dem Kopf gehen: „Wer es hier geschafft hat, der zeigt das auch.“ Wo doch, so könnte man meinen, in diesen Vermögensregionen und bei so viel Reichtum der Status keine große Rolle mehr spielen sollte.</p>
<p>Und bei diesem grenzenlosen Wohlstand und ewigem Sonnenschein klang es fast schon ein bisschen scheinheilig, als uns die Stimme aus dem Off auch auf die Armen dieser Welt hinwies und darauf, dass Los Angeles eigentlich eine Stadt der Gegensätze sei. Nur wenige Kilometer von Beverly Hills, quasi um die Ecke, fristen anscheinend Hunderte von Heimatlosen ihr Dasein. Was für ein Gegensatz! Ja, das Thema Ungleichheit ist momentan derart präsent, dass es sich das n-tv Team nicht nehmen ließ, einen Blick auf das Elend in Downtown L. A. zu riskieren. Natürlich wurde nur mit Polizeischutz und aus dem fahrenden Auto heraus gefilmt. Gott sei Dank gebe es nur 42 Heimatlose in Beverly Hills, konnte die Immobilienmaklerin sofort etwaige Kaufinteressenten am Bildschirm beschwichtigen, wo immer sie diese Statistik auch herhaben mag. Alles unter Kontrolle also, oder?</p>
<p>Schnell wechselte ich das Programm, denn ich wollte mir nicht vorstellen, wie eines Tages die Armen von Downtown den Hügel nach Beverly erklimmen.</p>
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		<title>Bitcoins, bitte!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2014 16:22:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich hatte ich sie schon längst vergessen. Ich meine die Bitcoins. Aber am Montag fiel mir die ganze Geschichte wieder ein, als ich las, dass die virtuelle Währung die 300-Dollar-Linie unterschritten habe. Das wirkt schon ernüchternd, wenn man bedenkt, dass Ende November 2013 ein Bitcoin sogar einmal teurer als eine Unze Feingold war. Aber nur [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich hatte ich sie schon längst vergessen. Ich meine die Bitcoins. Aber am Montag fiel mir die ganze Geschichte wieder ein, als ich las, dass die virtuelle Währung die 300-Dollar-Linie unterschritten habe. Das wirkt schon ernüchternd, wenn man bedenkt, dass Ende November 2013 ein Bitcoin sogar einmal teurer als eine Unze Feingold war. Aber nur einen Tag lang. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie mir damals Experten in schönsten Farben ausmalten, dass der Wert eines Bitcoin mit Leichtigkeit auf fünf oder 10.000 US-Dollar ansteigen könne. Da sah ein Einstiegskurs von rund 1.200 USD, damals auf dem Allzeithoch, gegenüber dem vollmundigen Versprechen einer möglichen Verachtfachung des Wertes der Bitcoins immer noch günstig aus.</p>
<p>Aber ich fühlte mich damals gewissermaßen wie ein gebranntes Kind, denn ich hatte vier Wochen zuvor die Gelegenheit verpasst, für sage und schreibe 220 USD pro BTC einzusteigen. Auch höre ich noch die Stimme meines Kollegen und Freundes Herman in meinen Ohren: „Ich hab‘ Dir doch gesagt, dass man Bitcoins haben muss.“ Das tat richtig weh, auch wenn es sich um das Resultat eines Hindsight-Bias vom Feinsten handelte. Aber da Herman damals seiner eigenen Prognose nicht wirklich traute, hatte auch er (aus meiner Sicht glücklicherweise) keine Reichtümer mit der virtuellen Währung verdient. Anders ausgedrückt: Mir fehlte bei einem Kurs von 1.200 USD ein triftiger Grund, bei diesem Wahnsinn mitzumachen, weil es niemanden in meinem Umfeld gab, mit dem ich um den Titel „Reichster Mann durch cleveren Bitcoin-Deal“ konkurrieren musste.</p>
<p>Dass ich damals schon mutmaßte, es könne sich beim Bitcoin-Markt um eine Spekulationsblase handeln (vgl. <strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/muenzen-manie/">HIER</a></strong>), die den Charakter der Tulipmania annehme, ist eine Geschichte. Aber ich habe auch gelernt, dass der Vergleich mit Nachbarn, Freunden und Verwandten in finanziellen Angelegenheiten vermieden werden sollte. Denn deren Erfolg oder Misserfolg führt zu Referenzpunkten, die auf Entscheidungen der Vergangenheit beruhen. Über künftige Gewinne sagen diese Geschichten zwar nichts aus, aber solche Referenzpunkte wirken manchmal wie Anker. Vor allem wenn Andere Gewinne gemacht haben, die wir als fast so deprimierend wie einen eigenen Verlust wahrnehmen, den man glaubt wettmachen zu müssen. Das führt manchmal zu einem Aktionismus, der ohne diesen Vergleich nicht stattgefunden hätte.</p>
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		<title>Warum man aus eigenen Fehlern nicht gut lernt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 11:59:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Volksmund heißt es, aus Fehlern werde man klug. Auch ich habe immer gedacht, es wäre etwas dran am typischen Spruch eines Börsianers, wenn er behauptet: „Heute habe ich gewonnen – (aber nur) an Erfahrung“. Womit man eigentlich die Tatsache umschreiben möchte, dass man normalerweise eher aus Verlusten denn aus Gewinnen lernt. Ich war mir [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Volksmund heißt es, aus Fehlern werde man klug. Auch ich habe immer gedacht, es wäre etwas dran am typischen Spruch eines Börsianers, wenn er behauptet: „Heute habe ich gewonnen – (aber nur) an Erfahrung“. Womit man eigentlich die Tatsache umschreiben möchte, dass man normalerweise eher aus Verlusten denn aus Gewinnen lernt. Ich war mir allerdings nie ganz sicher, ob Menschen überhaupt lernfähig sind.</p>
<p>Nun ist mir vor ein paar Tagen eine Studie in die Finger gekommen, die, wenn es ums Lernen geht, zu überraschenden Schlüssen kommt<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. So haben Wissenschaftler die Daten von 71 Herzchirurgen über einen Zeitraum von zehn Jahren analysiert und den Verlauf von 6500 Eingriffen der minimal-invasiven Herzchirurgie untersucht. Eine Studie in diesem Bereich hat sich anscheinend deswegen angeboten, weil sich schwerwiegende Fehler von Herzchirurgen besonders dramatisch auswirken und häufig zum Tod des Patienten führen. Außerdem wurden in den betroffenen Krankenhäusern Risiken und Erfolg dieses Ende der 1990er Jahren neu eingeführten operativen Eingriffs genau dokumentiert. Deswegen konnte nicht nur die Lernkurve der Ärzte in der Anwendung dieser Technik verfolgt werden. Noch interessanter war es für die Wissenschaftler, herauszufinden, ob Chirurgen aus ihren Fehlern lernten oder ob ihnen sogar noch weitere unterliefen.</p>
<p>Das Ergebnis war frappierend, denn es stellte sich heraus, dass Individuen mehr aus ihren Erfolgen als aus den von ihnen begangenen Fehlern lernten. Dabei bezieht sich die Studie auf die so genannte Attributionstheorie aus der Psychologie. Danach versuchen Menschen, sich ihre Welt so zurechtzulegen, dass sie von sich ein möglichst positives Selbstbild aufrechterhalten können. Mit anderen Worten: Erfolge und Misserfolge werden Umständen zugeschrieben, die das eigene Tun in einem günstigen Licht erscheinen lassen.</p>
<p>Während Erfolge gerne den eigenen Fähigkeiten – Intelligenz, Kompetenz und besonderem Einsatz – zugeschrieben werden, neigen Menschen häufig dazu, Fehler nicht bei sich selbst zu suchen, sondern auf externe Einflussfaktoren zu schieben, die sich ihrer Kontrolle entziehen – für eigenes Versagen werden also ungünstige Umstände, andere Menschen oder einfach nur eine Pechsträhne verantwortlich gemacht. Wer so den wahren Ursachen seiner Fehler nicht auf den Grund geht, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit an seiner falsche Strategie festhalten. Ein Phänomen, das wir aus den Finanzmärkten kennen, wo derart uneinsichtiges Verhalten nicht nur zu einer dauerhaft schlechten Performance, sondern häufig sogar auch noch zu einer Erhöhung der Einsätze, des Commitments, führt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Paradox des Versagens</strong></p>
<p>Die Attributionstheorie geht aber noch weiter. Individuen lernen nicht nur aus ihren eigenen Erfahrungen, sondern auch aus den Verhaltensweisen anderer. Da sieht die Welt schon wieder ganz anders, nämlich um 180 Grad verkehr, aus. Denn die Fehler anderer werden oftmals diesen direkt zugeschrieben: Mangelnde Ausbildung, Inkompetenz, Dummheit, grobe Fahrlässigkeit et cetera. Sind andere hingegen erfolgreich, ist das meist nicht deren besonderen Fähigkeiten, sondern äußeren Umständen geschuldet. Schnell sagt man sich: „Der hat doch einfach nur Glück gehabt“.</p>
<p>Diese Sichtweise, die bei neidischen Menschen besonders stark ausgeprägt sein mag, hat in Sachen Lernen immerhin einen wesentlichen Vorteil. So konnten die Forscher zeigen, dass Individuen viel eher aus den Fehlern der anderen als aus deren Erfolg lernen. Glück und günstige Umstände gelten als externe Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. Aber aus den Fehlern der anderen, für die man diese vollumfänglich verantwortlich macht, lernt man gerne, damit einem nicht das Gleiche passiert.</p>
<p>Kein Wunder, wenn die Wissenschaftler von einem <em>Paradox des Versagens</em> („paradox of failure“) sprechen, nachdem sie aus der Praxis belegten, dass die Menschen besser von den Fehlern der anderen als von ihren eigenen lernen. Im Gegensatz zum eigenen Erfolg, aus dem man offenbar noch mehr als aus eigenen Fehlern lernen kann.</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Diwas KC, Bradley R. Staats, Francesca Gino (2013): <em>Learning from My Success and from Others‘ Failure: Evidence from Minimally Invasive Cardiac Surgery</em>, Management Science 59(11): 2435-2449.</p>
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		<title>Neues von den Superreichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2014 07:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meistens komme ich während meines Trainings im Sportstudio zum Fernsehen. So auch am letzten Wochenende geschehen, als ich, sozusagen „alternativlos“, wieder einmal beim Magazin „n-tv Deluxe – Alles was Spaß macht“ hängenblieb. Fast ist es schon ein running gag, wenn die Moderatorin des Magazins, Jennifer Knäble, ihre, sagen wir diskret, handverlesene Zielgruppe mit „Hallo, liebe [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Meistens komme ich während meines Trainings im Sportstudio zum Fernsehen. So auch am letzten Wochenende geschehen, als ich, sozusagen „alternativlos“, wieder einmal beim Magazin „n-tv Deluxe – Alles was Spaß macht“ hängenblieb. Fast ist es schon ein running gag, wenn die Moderatorin des Magazins, Jennifer Knäble, ihre, sagen wir diskret, handverlesene Zielgruppe mit „Hallo, liebe Milliardäre“ begrüßt. Nachdem ich erst vor kurzem eine ähnliche Sendung gesehen hatte, wurde mir jetzt klar: Das neuste Statussymbol ist eine eigene Insel. Vorgestellt wurde dem unbefangenen Zuschauer der Luxus-Concierge Doug Turner, der den Superreichen der Welt so ziemlich alles besorgt. Ja, Doug hat natürlich beste Verbindungen zu einem Aerotoys Store, bei dem man einen Mega-Privatjet für 6000 US-Dollar die Stunde mieten kann. Oder darf‘s die private Insel sein, natürlich mit dem „Rundum-sorglos-Paket“?</p>
<p>Und Doug selbst? Der guckt sich mal ganz schnell ein neues Eigenheim an und entscheidet dann („Ich nehm‘ die Hütte“) ganz spontan, die Immobilie im Vorbeigehen zu erwerben, weil er selbst mittlerweile zum Multimillionär mutiert ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sozialer Vergleich</strong></p>
<p>Muss man da neidisch werden? Ich selbst habe mich schon oft mit diesem wenig sympathischen Gefühl beschäftigt. Denn es handelt sich ja immerhin um eine ziemlich schmerzhafte Regung, die einen Menschen überkommt, wenn er erkennen muss, dass ein anderer etwas hat – eine Sache, eine Eigenschaft oder einen Status –, was er selbst für erstrebenswert hält, aber eben nicht besitzt. Immerhin zählt Neid zu den sieben Todsünden. Aber im Verlauf dieser Fernsehsendung wollte bei mir ein solches Gefühl nicht aufkommen. Ob es daran lag, dass ich mich bereits eine Dreiviertelstunde auf meinem Sportgerät derart verausgabt hatte, dass die Glücksgefühle woanders her kamen?</p>
<p>Dann fiel mir aber wieder ein, dass eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen von Neid der soziale Vergleich (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/neidgesellschaft-und-schwarzgeldgauner/"><strong>hier</strong></a></span>) ist. Je näher sich Menschen stehen, desto größer wird die Gefahr von Neid. Und deswegen beneidet man viel eher Nachbarn, Bekannte, Freunde oder Verwandte oder vielleicht sogar die eigenen Geschwister als den Superreichen, der in einer ganz anderen Liga spielt. Und dann sah ich ihn wieder, diesen Doug, wie er dieses Mal auf einer Yacht an den Prachtvillen vorbeifuhr. Hier die Behausung von Nick Nolte, die immerhin 12 Millionen US-Dollar gekostet haben soll. „Aber es geht noch fetter“, verkündete die Stimme aus dem Off verheißungsvoll. Und dann kam es, das Herrenhaus auf 3000 Quadratmetern, das für 40 Millionen Dollar zum Verkauf angeboten wurde. Mit dem eigentlich unwichtigen Hinweis, der Besitzer sei blind. Oder sollte da dem TV-Zuseher vermittelt werden, dass Geld eben doch nicht alles ist? Mir ging sofort durch den Kopf, dass wer nicht neidisch ist, glücklicherweise auch nicht schadenfroh sein kann. Und deswegen fand ich das nicht nach echtem Mitgefühl klingende „Ja, das ist natürlich traurig“, ebenfalls aus dem Off gesprochen, unsensibel und so deplatziert, dass ich die Fernbedienung ergriff, den Off-Schalter drückte und mich fortan, ohne TV-Berieselung, ganz und gar auf mein Training konzentrierte.</p>
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		<title>Peinlicher Patzer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Nov 2013 09:00:03 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA["Wer wird Millionär?"]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst widerfuhr mir ein Missgeschick. Ich stand morgens in aller Frühe vor dem Garderobenspiegel und sah mich außerstande, etwas zu tun, was ich normalerweise jeden Morgen automatisch erledige: Plötzlich war es mir unmöglich, meine Krawatte zu binden. Es ging einfach nicht. Ich überlegte und überlegte. Ohne Erfolg. Alles schien vergessen – ich hatte schlichtweg einen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst widerfuhr mir ein Missgeschick. Ich stand morgens in aller Frühe vor dem Garderobenspiegel und sah mich außerstande, etwas zu tun, was ich normalerweise jeden Morgen automatisch erledige: Plötzlich war es mir unmöglich, meine Krawatte zu binden. Es ging einfach nicht. <span id="more-6718"></span>Ich überlegte und überlegte. Ohne Erfolg. Alles schien vergessen – ich hatte schlichtweg einen Blackout. Schließlich nahm ich eine kalte Dusche, und mit einem Male funktionierte die Routine wieder. Zum Glück hat das niemand gesehen, dachte ich mir. Außerdem gelte ich ja auch nicht als Experte im Krawattenbinden. Und peinlich wird so etwas sowieso erst, wenn andere einem bei einem solchen Aussetzer zusehen.</p>
<p>So oder so ähnlich muss es dem Sportmoderator und Fußball-Experten Waldemar Hartmann gegangen sein, als er als Telefonjoker bei der TV-Fernsehsendung „Wer wird Millionär?“ die falsche Antwort gab. Ganz Fußball-Deutschland wusste, welches von vier Ländern noch nie eine Weltmeisterschaft im eigenen Lande gewonnen hatte. Nur er, der Experte, wusste es nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Fairness ist nicht gleich Fairness</b></p>
<p>Bei „Wer wird Millionär?“ haben aber auch schon andere selbst bei leichten Fragen einen Blackout gehabt. So wurde zum Beispiel vor einigen Jahren im französischen Fernsehen gefragt, welcher der vier Himmelskörper Venus, Mars, Mond oder Sonne um die Erde kreisen würde. Und weil der Kandidat damals nicht weiter wusste, sollte das fachkundige Publikum per Knopfdruck die richtige Antwort geben. Aber wie eine Aufzeichnung der TV-Sendung<a href="http://www.myvideo.de/watch/2077020/In_Frankreich_dreht_sich_die_Sonne_um_die_Erde"><span style="text-decoration: underline;"> (hier)</span> </a>zeigt, müsste man eigentlich bei erstem Hinsehen am Verstand des Publikums zweifeln, das sich mit großer Mehrheit für „Sonne“ entschied. Oder hatten einige womöglich absichtlich auf den falschen Knopf gedrückt hat, nach dem Motto: „Wenn der noch nicht einmal eine so leichte Frage beantworten kann, hat er es im Zweifel auch nicht verdient, eine Million Euro mit nach Hause zu nehmen.“ Das nennt man dann Sinn für Gerechtigkeit.</p>
<p>Aber bei Waldemar Hartmann scheint es nicht um Fairness zu gehen, war mein Eindruck, als ich die vielen hämischen Kommentare im Internet zu seinem Lapsus las. Von Mitgefühl kaum eine Spur. Nein, einem Experten darf so etwas nicht passieren, war der Tenor. Vor allem unter dem Deckmantel der Anonymität im Internet ist offenbar alles erlaubt: Hohn, Verachtung und vor allem Schadenfreude. Schadenfreude, die als „Schwester“ des Neids normalerweise dort entsteht, wo man sich mit anderen Menschen vergleichen kann. Also unter Nachbarn, Freunden und Verwandten. Und Waldemar Hartmann? Der mag den meisten vielleicht volkstümlich nah vorkommen, aber als Experte und Sportkommentator wird er mehr bewundert als beneidet und steht, auch was sein Einkommen betrifft, seinen meisten Zuschauern doch eher fern.</p>
<p>Günther Jauch, der Moderator von „Wer wird Millionär?“ sprach bezeichnenderweise davon er [schaden]freue sich über die Fallhöhe, die Waldi jetzt bei diesem Telefonanruf habe. Ja, nicht nur in Jauchs Wahrnehmung fiel da jemand von ganz oben nach ganz unten und wird für uns zumindest für ein paar Tage auf diesem Sturzflug vergleichbar. Begleitet von dem fragwürdigen Wohlgefühl, an diesem Abend für einen Moment lang sogar mehr als der Experte gewusst zu haben, der aber auch nur ein Mensch ist.</p>
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		<title>Münzen-Manie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Nov 2013 09:14:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Um ein Haar hätte es auch mich erwischt. So wollte ich am vergangenen Donnerstag tatsächlich mein Konto bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox aktivieren, um mir endlich selbst ein paar Bitcoins zu kaufen. Dummerweise hatte ich jedoch meinen Personalausweis nicht zur Hand, den ich dafür einscannen und an Mt. Gox hätte schicken müssen. Zu jener Zeit wurde [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Um ein Haar hätte es auch mich erwischt. So wollte ich am vergangenen Donnerstag tatsächlich mein Konto bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox aktivieren, um mir endlich selbst ein paar Bitcoins zu kaufen. Dummerweise hatte ich jedoch meinen Personalausweis nicht zur Hand, den ich dafür einscannen und an Mt. Gox hätte schicken müssen. Zu jener Zeit<span id="more-6699"></span> wurde die virtuelle Währung bei 220 US-Dollar  gehandelt und jetzt, während ich dies hier schreibe, liegt deren Wert bereits bei knapp 400 Dollar! Nein, ich schwöre, dass ich mich nicht darüber geärgert habe, diese Aufwärtsbewegung verpasst zu haben. Vielleicht war es sogar ganz gut, dass ich meinem ersten Kaufdrang nicht nachgegeben, sondern mich stattdessen an meine mir vor vielen Jahren selbst auferlegte Regel gehalten habe, die da lautet: „Schlafe mindestens eine Nacht darüber, bevor Du Dich für ein Investment in einer Anlageklasse, in der Du Dich nicht wirklich auskennst, entscheidest!“</p>
<p>Dann deutete auch mein Freund und Kompagnon Herman an, dass es für einen Einstieg noch längst nicht zu spät sei. Und ein Bekannter, den ich während der Gold-Haussezeiten von 2010 und 2011 ins Herz geschlossen hatte, raunte mir verschwörerisch ins Ohr, dass man bei den Bitcoins einfach dabei sein müsse. Da seien möglicherweise Preise von zwischen fünf und 10.000 Dollar pro „BTC“ drin, meint er, vor allen Dingen wenn die US-Notenbank weiter so viel Geld drucken würde, wie sie dies zurzeit täte. Schon rechnete ich mich reich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Bitcoins erreichen „Marktreife“</b></p>
<p>Dann fielen mir aber wieder meine beiden Blogbeiträge vom April (<a href="http://www.blognition.de/blog/markte/wenn-goldbarren-zu-bitcoins-werden/">hier</a> und <a href="http://www.blognition.de/blog/marketing/flucht-von-bitcoins-ins-gold/">hier</a>) ein, in denen ich die Kursentwicklung bei den Bitcoins mit der berüchtigten Tulipmania des 17. Jahrhundert verglich. So hatte sich am 4. April dieses Jahres die virtuelle Währung in weniger als zwei Wochen in ihrem Wert  verdoppelt, um dann allerdings innerhalb von sechs Stunden von 266 auf 105 Dollar herunter zu krachen. So schnell waren noch nicht einmal die Tulpenträume von vor über 300 Jahren verwelkt.</p>
<p>Heute, ein gutes halbes Jahr später, erklärte mir ein Experte, der jüngste Kursanstieg sei doch ein klarer Beweis dafür, dass Bitcoins nun endlich Marktreife erreicht hätten. „Aber nun stell dir einmal vor, wenn erst einmal PayPal Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert, wie ich gerüchteweise gehört habe…“, fuhr der Experte fort, „dann wirst du eine wahre Kursrakete sehen.“ Klarer Fall, wenn die breite Masse Bitcoins akzeptiert. Und PayPal könnte dafür ein Indikator sein. Aber, Vorsicht! Dieses Unternehmen wird sich vermutlich keinen unnötigen Risiken aussetzen. Sofern angediente Bitcoins nicht zur Begleichung einer Rechnung im Internet akzeptiert werden, könnte PayPal aber bei Bedarf den Part eines Geldwechslers von Euro in BTC und umgekehrt spielen. Natürlich gegen stattliche Provisionen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wieder einmal schneller Reichtum für alle?</b></p>
<p>Daraufhin habe ich mir für meinen Teil im Internet die Charts diverser Spekulationsblasen angeschaut. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir erst am Anfang eines neuen Trends stehen, der gerade größeres Medieninteresse zu wecken scheint. Das sieht nach einem wunderbaren Eldorado für alle aus, könnte man meinen. Ich höre sie schon jetzt in meinem Ohr, all‘ die sagen- und märchenhaften Erzählungen davon, wie viel einige Leute mit Bitcoins verdient haben, obwohl ich die Funktionsweise und den Sinn dieser virtuellen Währung bis heute nicht richtig durchschaue.</p>
<p>Woher rührt die Faszination für dieses unsichtbare Geld, wo doch die meisten Menschen keine abstrakten Dinge mögen? Aber Bitcoin, das klingt nach harter Währung, das hat etwas von „in eine Münze  beißen“ (to bit[e in a ]coin) – hat man früher nicht so auch Goldmünzen geprüft? Da kommt einiges an psychologischen Momenten und Fallen zusammen. Die vermeintlich leichte Vorstellbarkeit einer abstrakten Währung. Oder geht es darum, im Trend zu liegen, weil Bitcoins so zukunftsweisend wirken und womöglich noch zum Statussymbol werden? Auch Neid mag dabei eine Rolle spielen, die Angst, mit dem Nachbarn nicht mithalten zu können, wenn der in großer Runde mit seinen Bitcoin-Gewinnen prahlt. Oder ist es wieder einmal der alte, nie ausgeträumte Traum, innerhalb kürzester Zeit steinreich zu werden? Das alles sind nur allzu menschliche Motive.</p>
<p>Aber erst hinterher werden wir wissen, ob wir tatsächlich reicher geworden sind. Und sei es nur um eine weitere Erfahrung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.: Gerade erfuhr ich, dass eine chinesische Bitcoin-Plattform, die 1.000 Kundenkonten im Gegenwert von 4,1 Millionen US-Dollar unterhielt, sang- und klanglos „offline“ gegangen sein soll.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Positionsgüter sind kein Nullsummenspiel (Positionsgüter Teil 2)</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/positionsgueter-sind-kein-nullsummenspiel-teil-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Oct 2013 07:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Blog-Beitrag  erwähnte ich Fred Hirsch und seine Ökonomie der Positionsgüter. Seiner Ansicht nach bestimmt sich der Nutzen eines solchen Gutes nicht nach dessen absoluten, sondern relativen Wert, also im Vergleich zu einem Bezugspunkt. Dieser ergibt sich naturgemäß meist aus dem sozialen Umfeld, im Abgleich mit Leuten, die höher oder niedriger als wir selbst [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/positionsgueter-sind-kein-nullsummenspiel-teil-2/">Positionsgüter sind kein Nullsummenspiel (Positionsgüter Teil 2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im vergangenen Blog-Beitrag  erwähnte ich Fred Hirsch und seine Ökonomie der Positionsgüter. Seiner Ansicht nach<b> </b>bestimmt sich der Nutzen eines solchen Gutes nicht nach dessen absoluten, sondern relativen Wert, also im Vergleich zu einem Bezugspunkt. Dieser ergibt sich naturgemäß meist aus dem sozialen Umfeld, im Abgleich mit Leuten, die höher oder niedriger als wir selbst auf der sozialen Leiter rangieren. <span id="more-6660"></span>Demzufolge ist ein Positionsgut dazu geeignet, den eigenen Rang auf dieser Leiter gegenüber Dritten zu manifestieren. Mehr noch bemisst sich dessen Wert an der Exklusivität, mit der man seinen Besitz für sich reklamieren kann. Und wenn schon andere diesen Gegenstand ebenfalls ihr eigen nennen dürfen, dann ist es ganz entscheidend, um wen es sich dabei handelt, wobei natürlich gilt, dass mehr hier in jedem Fall weniger bedeutet. Was für alle und jeden  erschwinglich ist, taugt nun mal nicht zum Positionsgut. Anders ausgedrückt: Positionsgüter sind Ressourcen, die knapp und nicht ohne weiteres vermehrbar sind und ihren Wert im Zuge „sozialer Prozesse“ dadurch verlieren, dass sie von anderen Menschen ebenfalls genutzt werden.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>Dazu gehört nicht nur eine natürliche Knappheit, sondern auch eine Knappheit, die sich aus der Einzigartigkeit bestimmter Dinge ergeben kann, an der sich sein Nutzer erfreut. Man denke nur an seltene Kunstwerke, Antiquitäten oder alte Weine. Am Ende könnte man auch von einem physischen Engpass sprechen. Fred Hirsch verweist aber auch auf gesellschaftliche Beschränkungen von Positionsgütern, die sich aus psychologischen Motiven wie Neid, Nachahmung oder Stolz herleiten lassen. Also wenn die Befriedigung aus einem Positionsgut von dessen symbolischer Bedeutung herrührt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Soziale Vergleiche schon bei Kindern</b></p>
<p>So können wir bereits bei kleinen Kindern beobachten, dass der absolute Wert eines zur Verfügung stehen Gutes nicht alleine ausschlaggebend ist. Meine drei jüngeren Kinder mögen vielleicht ein wenig nörgeln, wenn sie an einem Tag ein großes Stück Kuchen und an einem anderen Tag ein kleines Stück bekommen. Solange jedes von ihnen ein gleich großes Stück erhält, scheinen sie dennoch zufrieden zu sein. Richtig laut wird es erst, wenn die Plagen unterschiedlich große Stücke bekommen: Automatisch entsteht eine interne Rangfolge. Dabei hat das einzelne Kind das Gefühl, die Größe des Kuchenstücks entscheide über die Position innerhalb der Familie. Etwa nach dem Motto: „Wenn ich das größte Kuchenstück bekomme, haben mich meine Eltern am liebsten.“ Daran ändert auch nichts, wenn ich den Kindern versuche beizubringen, dass das etwas üppiger zugeteilte Stück für die Schwester nicht zwangsläufig die Größe der eigenen Portion verringert. Trotzdem ist der Kuchen in diesem Moment wie ein knappes Positionsgut, da er zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt: Seine Größe ist messbar, und die anderen können sehen, wie viel jeder davon erhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Positionsgüter machen Gesellschaft nicht glücklich</b></p>
<p>Das gilt auch für viele andere Güter wie Autos, Handys oder ähnliche Statussymbole: Nicht deren absolute, sondern die relative Größe im Kontext ist entscheidend. Denn immer handelt es sich um Güter, deren Wertschätzung in besonders hohem Maße vom sozialen Umfeld abhängt. Typischerweise sind die stärksten Positionsgüter diejenigen, deren Produktion sich nicht einfach steigern lässt. Denn nicht jeder kann das größte Haus, das Zimmer mit der schönsten Aussicht, nicht jeder den bestbezahlten Job oder den Chefsessel bekommen. Und wenn die einen in einer so genannten „besseren Gegend“ wohnen, folgt daraus zwangsläufig, dass andere Wohnquartiere weniger „gut“ sein müssen.</p>
<p>De facto ist die so genannte Positions-Ökonomie <i>auf den ersten Blick</i> ein Null-Summen-Spiel in Sachen gesellschaftlichen Wohlbefindens, bei dem die einen gewinnen können und die anderen verlieren müssen. Im Extremfall gewinnt sogar nur einer, und alle anderen verlieren. Aber nur auf dem Papier. Denn die Behavioral Economics lehrt uns, dass Menschen mit Gewinnen und Verlusten unterschiedlich umgehen. Der Blick nach oben auf der sozialen Leiter macht unzufriedener als die Genugtuung, von weiter oben auf andere, die scheinbar auf einer niedrigeren Stufe stehen, herabzusehen.  </p>
<p>Ein Umstand, den der berühmte Ökonom Adam Smith übersehen haben mag, als er annahm, dass die Gesellschaft als Ganzes besser dran wäre, würde jeder nur seine eigenen Interessen verfolgen. Denn ein Gut, das einer einzelnen Person einen bestimmten Nutzen bringt, wird für die Gesellschaft als Ganzes nicht automatisch wertvoller, wenn man es einfach nur vervielfältigt und mehreren Menschen zur Verfügung stellt. Weil man nicht einfach den Nutzen eines Gutes mit der Zahl derer multiplizieren kann, die dieses erhalten. Vielmehr hat gerade der Nutzen, den ein Individuum aus einem reinen Positionsgut zieht, nachteilige Auswirkung auf die anderen Menschen, die dasselbe erstreben. Wenn der andere aufholt, verringert sich der Vorsprung der Position und somit der eigene Nutzen. Ganz davon abgesehen, dass die Zufriedenheit, die ein einziger oder wenige aus ihrem Vorsprung gegenüber dem Rest der Gesellschaft beziehen, in summa auch noch viel geringer ausfällt als die gesamte Unzufriedenheit derer, die auf der sozialen Leiter von weiter unten nach oben hinauf schauen.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> </p>
<p>Glücklicherweise orientieren sich nicht alle Menschen ausschließlich an ihrer sozialen Position, sonst hätten wir es mit einer Gesellschaft von Unglücklichen zu tun. Auch sind nicht alle Güter gleichermaßen positionswirksam. Worin sie sich im Einzelnen unterscheiden, erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Esser, Hartmut (2000), <i>Soziologie, Spezielle Grundlagen, Band 3: Soziales Handeln</i>, Campus</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Mein Kollege Herman Brodie hat sich unlängst <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/genug-ist-nicht-genug/">(hier)</a> dazu geäußert: Je häufiger man soziale Vergleiche zieht, desto größer das Risiko, Unzufriedenheit anzuhäufen. Außerdem vergleicht sich natürlich nicht jeder mit jedem in der Gesellschaft. Vielmehr konzentrieren sich die sozialen Vergleiche auf diejenigen, die auf der Leiter am nächsten stehen und diejenigen, mit denen wir am meisten verkehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/positionsgueter-sind-kein-nullsummenspiel-teil-2/">Positionsgüter sind kein Nullsummenspiel (Positionsgüter Teil 2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Die Börse und das Böse II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 May 2013 07:36:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Todsünden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdem ich Anfang März den dreiteiligen Zyklus zu den Todsünden Gier, Maßlosigkeit und Genusssucht begonnen habe, möchte ich nun mit den Sünden Neid und Stolz fortfahren. Neid ist deshalb ein so spannendes Thema, weil es sich dabei um die Todsünde handelt, die aus meiner Sicht den stärksten Bezug zur Behavioral Finance aufweist. Daher habe ich [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-borse-und-das-bose-ii/">Die Börse und das Böse II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem ich Anfang März den dreiteiligen Zyklus zu den Todsünden Gier, Maßlosigkeit und Genusssucht begonnen habe, möchte ich nun mit den Sünden Neid und Stolz fortfahren. Neid ist deshalb ein so spannendes Thema, weil es sich dabei um die Todsünde handelt, die aus meiner Sicht den stärksten Bezug zur Behavioral Finance aufweist. Daher habe ich dieses Thema in diversen Blogbeiträgen (<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/neidgesellschaft-und-schwarzgeldgauner/"><span style="text-decoration: underline;">zuletzt hier</span></a>) und ausführlich in meinem jüngsten Beitrag für <a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/cognitrend-tv/anlegerfehler/index.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">WGZ cognitrend TV</span></a>abgehandelt. Stolz spielt indes eine weniger prominente Rolle, tritt aber häufig im Zusammenhang oder als Folge von Neid auf.</p>
<p>Neid wird generell als ein überaus schmerzhaftes Gefühl erlebt, das einen Menschen befällt, wenn er erfährt, dass jemand etwas hat – sei es ein Gegenstand, eine Eigenschaft oder ein bestimmter Status –,  was man selbst für erstrebenswert hält, aber eben nicht besitzt<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Neid resultiert aus dem permanenten und universalen Wunsch der Menschen, sich mit anderen zu vergleichen, um den eigenen Status in der Gesellschaft zu ermitteln. Dieser so genannte soziale Vergleich ist eine wichtige Voraussetzung für Neid. Denn man ist nur neidisch auf Menschen, mit denen man sich vergleichen kann, und er ist dort am größten, wo wir uns mit nahezu Gleichgesinnten und Gleichgestellten vergleichen. Also mit unseren Bekannten, Kollegen, Nachbarn, Freunden und Verwandten, die auf diesem Wege zu unseren natürlichen Feinden werden können.</p>
<p>Obwohl die Standardökonomie ganz auf Rationalität und auf das Eigeninteresse im Sinne ökonomischer Nutzenmaximierung abzielt, verzichten tatsächlich viele Menschen auf Gewinne, nur um anderen zu schaden – manchmal sind sie dabei sogar bereit, dafür auch noch eigenes Geld aufzuwenden<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. Was die klassische Ökonomie verkennt, ist die Tatsache, dass sich Menschen mit anderen vergleichen und sich dabei weniger um ihr eigenes Endvermögen scheren. Es ist schön, eine Million Euro zu besitzen, aber noch schöner und wichtiger ist es für viele, dass der Nachbar diese eine Million Euro nicht auf seinem Bankkonto hat.</p>
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<p><b>Neid, Schadenfreude und Stolz</b></p>
<p>Ein Händler beneidet seinen Kollegen wegen dessen Gewinn an der Börse, den er selbst wie einen eigenen Verlust wahrnimmt. Im gleichen Zuge wird auch verständlich, warum man Schadenfreude als die Schwester des Neids bezeichnen könnte: Schadenfreude entsteht dann, wenn derjenige, mit dem man sich vergleicht, beispielsweise einen Vorsprung einbüßt, also einen Verlust erleidet. In diesem Fall wird umgekehrt der Verlust des anderen wie ein eigener Gewinn erlebt.</p>
<p>An den Finanzmärkten kann dies so weit gehen, dass Händler, die gegenüber Kollegen mit ihrer Performance ins Hintertreffen geraten sind, risikofreudiger werden, weil sie den Gewinn des Mitstreiters wie einen eigenen Verlust empfinden<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>. Das passt auch sehr gut zu den Erkenntnissen der Behavioral Finance, wonach Menschen im Verlustbereich zur Risikofreude neigen, angetrieben von dem leidenschaftlichen Wunsch, mit dem Kollegen endlich wieder gleichzuziehen.</p>
<p>Ein Händler, der indes seinen Mitstreitern gegenüber die Nase vorne hat, würde mit ziemlicher Sicherheit eher zurückhaltend agieren und versuchen, &#8222;den Ball möglichst flach zu halten&#8220;, um die Gewinne, seinen Vorsprung, nicht mehr hergeben zu müssen. Mit anderen Worten: Er tendiert zur Risikoaversion.</p>
<p>Dabei mag es nicht nur um ökonomische Gewinne gehen, sondern auch um den psychischen Mehrwert, etwa den Stolz, Recht gehabt zu haben und besser und erfolgreicher als andere agiert zu haben. Dieser Stolz ist letztlich auch dafür verantwortlich, dass Gewinne in den Finanzmärkten, also auch am Aktienmarkt, viel zu früh mitgenommen werden. Vielen Menschen geht es gar nicht darum, möglichst <i>viel</i> zu gewinnen, sondern <i>oft</i> zu gewinnen, was gleichbedeutend ist mit möglichst häufig recht gehabt zu haben, so dass sie mehrfach Grund dazu hatten, stolz auf sich zu sein. Das geht mitunter so weit, dass man sich mit kleinen Gewinnen zufrieden gibt, während man Verluste laufen lässt, was, wie sie in meinem zweiten <a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/cognitrend-tv/anlegerfehler/index.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">Web-TV-Beitrag</span></a> sehen können, zu merkwürdigen Anlageergebnissen führen kann.</p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Parrott, G. (1991): <i>The Emotional Experience of Envy and Jealousy</i>. In: The Psychology of Jealousy and Envy, edited by Perter Salovey, New York:Guilford Press</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Zizzo, D. J. &amp; Oswald, A. (2001): <em>Are People Willing to Pay to Reduce Others’ Incomes?</em> Annales d’Economie et de Statistique, No. 63-34, S. 39-65</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> In machen Unternehmen werden zur Motivation der Mitarbeiter regelrechte Rennlisten geführt</p>
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