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	<title>Hindsight Bias Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>„Noch einmal gut gegangen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jan 2021 05:50:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Twin-Deficit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts der Ereignisse in Washington in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gab es gestern früh zwei typische Reaktionen. Die eine lautete: „Das ist ja noch mal gut gegangen.“ Und eine andere Gruppe von Akteuren und Beobachtern hatte dieses Ereignis, dass Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump ins Kapitol in Washington eindringen würden, ohnehin kommen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Angesichts der Ereignisse in Washington in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gab es gestern früh zwei typische Reaktionen. Die eine lautete: „Das ist ja noch mal gut gegangen.“ Und eine andere Gruppe von Akteuren und Beobachtern hatte dieses Ereignis, dass Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump ins Kapitol in Washington eindringen würden, ohnehin kommen sehen. Man könnte in manchen Fällen auch von einem typischen Beispiel für einen sogenannten <em>Hindsight Bias</em> sprechen. Der &#8222;Anschlag auf die US-Demokratie&#8220; kam also offenbar bestenfalls für diejenigen, die selbige eigentlich in Washington DC aktiv verteidigen sollten, überraschend. Die Finanzmärkte machten indes weiter wie zuvor und zeigten sich unbeeindruckt und natürlich risikofreudig. Wie bereits am Vortag markierte der S&amp;P 500-Index ein neues Allzeithoch, und auch die hiesigen Daxianer handelten mit einem Börsenbarometer jenseits der 14.000er Marke auf einem neuen historischen Rekordniveau.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-12912" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/01/08012021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/01/08012021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/01/08012021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Die Party geht weiter</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Allein der Greenback wollte nicht so richtig mitspielen, wo doch alle Zeichen offenbar auf „Verkaufen“ stehen. Denn mit der neuen Zusammensetzung des US-Senats werden nicht nur weitere fiskalpolitische Stimuli, sondern auch eine deutliche Erhöhung der Staatsverschuldung erwartet. Ökonomen der alten Schule sprechen auch gerne wieder vom sogenannten Dollar-schädlichen „twin deficit“, der Kombination aus hoher Staatsverschuldung und Handelsbilanzdefiziten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch wenn gestern noch einmal alles gut gegangen ist, bleibt doch eine gewissen Beklemmung zurück. Natürlich gibt es vermutlich rund 80 Millionen US-Amerikaner, die, wenn man die Wahlergebnisse vom vergangenen November zugrunde legt, sich nach wie vor für die Demokratie stark machen. Aber es ist andererseits eben nicht nur eine kleine Minderheit, die eigentlich kein Problem mit einer zumindest milden Form einer autokratischen Herrschaft hätte. Ein Kommentator bezifferte deren Zahl, nach Abzug der Mittwochnacht in Richtung Demokratie bekehrten Überläufer, immer noch mit gut 50 Millionen US-Bürgern.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>US-Dollar legt Pause bei seinem Abwärtstrend ein</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Man kann sich kaum vorstellen, dass die nächsten Wochen und Monate in der derart gespaltenen US-Gesellschaft konfliktfrei verlaufen werden. Aber selbst unter dem Eindruck der Ereignisse von vorgestern Nacht haben wohl die allerwenigsten Marktteilnehmer den Status des Dollar als Welt-Reservewährung Nummer 1, und sei es auch nur in Gedanken, infrage gestellt.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und gestern konnte der Greenback sogar eine leichte Erholung produzieren, die Kommentatoren auf die weiter gestiegenen Renditen der langlaufenden US-Staatsanleihen und die daraus möglicherweise resultierende Nachfrage nach diesen Papieren zurückführten. Vielleicht waren es auch ökonomische Daten, wie der ISM-Einkaufsmanagerindex der Dienstleister oder die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die besser als erwartet ausgefallen waren und so dem Dollar möglicherweise geholfen haben könnten. Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass diese Zahlen – genauso wie der heutige US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Dezember – derzeit irgendjemanden interessieren. Tatsächlich musste der Euro gestern einen etwas stärkeren Rücksetzer als am Vortag in einer Größenordnung von rund 100 Stellen hinnehmen und scheint seinen Aufwärtstrend nicht fortsetzen zu wollen. Allerdings bleibt die Gemeinschaftswährung in stabilem Fahrwasser, solange <strong>1,2200/05</strong> an der Unterseite nicht verletzt wird.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Angesteckt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2020 05:49:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollverlust]]></category>
		<category><![CDATA[Panik]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsirrtum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht wenige Marktteilnehmer dürften mit Genugtuung festgestellt haben, dass sie die gestrige Korrektur an den Börsen dies- und jenseits des Atlantiks bereits hatten kommen sehen. Und man kann sich natürlich denken, warum diese Entwicklung für sie keine Überraschung darstellte. Vielleicht wird man später über diese heftige Korrektur nicht nur sagen, dass sie längst überfällig gewesen sei. Vielmehr könnte es gleichzeitig sein, dass sie als „Corona-Panik“ in die Annalen der Finanzmärkte eingeht. So schloss der breitgestreute US-Aktienindex S&#038;P 500 mit einem Tagesverlust von 3,4 Prozent. Und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ist nicht mehr weit von ihrem bisherigen historischen Rekordtief entfernt...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0850)</strong>             Nicht wenige Marktteilnehmer dürften mit Genugtuung festgestellt haben, dass sie die gestrige Korrektur an den Börsen dies- und jenseits des Atlantiks bereits hatten kommen sehen. Und man kann sich natürlich denken, warum diese Entwicklung für sie keine Überraschung darstellte. Vielleicht wird man später über diese heftige Korrektur nicht nur sagen, dass sie längst überfällig gewesen sei. Vielmehr könnte es gleichzeitig sein, dass sie als „Corona-Panik“ in die Annalen der Finanzmärkte eingeht. So schloss der breitgestreute US-Aktienindex S&amp;P 500 mit einem Tagesverlust von 3,4 Prozent. Und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ist nicht mehr weit von ihrem bisherigen historischen Rekordtief entfernt.<img decoding="async" class="alignright wp-image-11651" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/02/25022020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/02/25022020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/02/25022020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Allerdings scheint die Kennzeichnung als Panik unangemessen zu sein. Denn mit Panik wird ein kollektiver Kontrollverlust umschrieben, jener Zustand also, wenn sich die eintretenden Ereignisse nicht mehr richtig einordnen lassen und man sich nicht länger als Herr des Geschehens wähnt. So ganz auf dem falschen Fuß dürften manche Anleger nämlich nicht erwischt worden sein, zumindest, sofern man etwa die Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt vom vergangenen Mittwoch (<span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/930cfae3-03c9-4f6a-9d3e-dfb2c465b4e9" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a></span>) zurate zieht. Denn dort herrschte ohnehin mehrheitlich kein Optimismus unter den institutionellen Akteuren, und die Privatanleger waren zumindest in besagter Umfrage sogar überwiegend pessimistisch eingestellt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Näher gekommen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Was aber ist tatsächlich geschehen? Das COVIT-19 Virus ist geographisch deutlich näher und in Europa offenbar richtig angekommen. Aber war es denn realistisch, davon auszugehen, dass außerhalb Chinas die Welt von diesem Virus verschont bliebe? Tatsächlich berichten die Medien etwa seit dem 19. Januar über den Ausbruch des Virus. Aber das hat an den Aktienmärkten bis vor kurzem kaum enrsthaft interessiert. Aber jetzt plötzlich!</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es ist unserer Wahrnehmung geschuldet, dass wir dramatische Ereignisse in Ortsnähe stärker wahrnehmen als diejenigen, die weit weg liegen. Auch nehmen wir Farbiges und Drastisches besonders stark wahr. In der Behavioral Economics spricht man vom Verfügbarkeitsirrtum und meint damit die oftmals unangemessene Bevorzugung leicht verfügbarer Information.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber die Geschichte des COVIT-19 Virus hat auch gezeigt, wie schnell sich Menschen an Zahlen von Infizierten und Todesfällen gewöhnen, wenn diese nicht mehr exponentiell steigen. Stichwort: abnehmende Sensitivität. Und von dieser abnehmenden Sensitivität hatten die Aktienmärkte im Februar immerhin drei Wochen lang profitiert.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Kontrolldefizite</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun haben wir also gestern in Europa zumindest das Kontrolldefizit der Akteure zu spüren bekommen. Um die daraus resultierende Angst wieder in den Griff zu bekommen, orientiert man sich an Bezugspunkten, die in den Medien gerne präsentiert werden. Auch wenn diese Bezugspunkte manchmal ungeeignet oder gar irrelevant sein mögen. Das Virus ist nähergekommen, und man fängt neu an zu zählen. Die Infizierten und die Todesfälle in Italien. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in den vergangenen Jahren den Zahlen der Grippeinfizierten und -toten – und hierzulande lagen diese manchmal im fünfstelligen Bereich – ähnlich große Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Um es klarzustellen: Ich möchte die Epidemie nicht verharmlosen oder herunterspielen. Aber wenn Referenzpunkte als Orientierung hinzugezogen werden, dann sollte man sich nicht nur auf das verlassen, was medial präsentiert wird.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Rezessionsvorbote klopft stärker an</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun stehen also die Börsenbarometer auf Sturm, und die Vorboten einer (globalen) Rezession folgerichtig vor der Tür. Ja, es ist richtig, dass eines dieser Warnzeichen, die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen US-Treasuries und dreimonatigen T-Bills, nun ein Minus von 18 Basispunkten aufweist. Aber eine invertierte Zinsstrukturkurve in diesem Bereich gibt es nicht erst seit gestern. Doch ist es hilfreich, wenn etwa der frühere Chef der Fed von Minneapolis und Ökonom, Narayana Kocherlakota, die US-Notenbank in einer Bloomberg-Kolumne (<span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2020-02-24/coronavirus-gives-the-federal-reserve-reason-to-cut-rates-now" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a></span>) zu einer sofortigen Zinssenkung von mindestens 25, besser noch 50 Basispunkten aufruft? Sozusagen als günstige Versicherung („cheap insurance“) gegen einen Konjunktureinbruch? Solche Versicherungen kann sich die Fed nicht mehr allzu oft leisten.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Vielleicht hat sich der Euro gestern und auch bereits am vergangenen Freitag gegenüber dem Dollar erholt, weil es diese Zinssenkungsfantasien zurzeit gibt. Dabei gibt es durchaus nicht wenige Akteure, die sich im Krisenfall auch eine Leitzinssenkung durch die EZB vorstellen können. Vermutlich sollte man aber nicht versucht sein, das gestrige Aufbäumen der Gemeinschaftswährung – es handelt sich ohnehin um eine Dollarschwäche und weniger um eine intrinsische Eurostärke – überzubewerten. Denn es dürfte sich dabei um nicht viel mehr als eine technische Korrektur im kurzfristigen Abwärtstrend handeln. Für eine <em>erste </em>Stabilisierung des Euro wäre ohnehin nach wie vor ein Überschreiten von <strong>1,0895/00</strong> erforderlich.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Mit Durchblick handeln?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2020 05:49:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Corona-Virus]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gab gestern nicht nur einen Kommentator, der das Verhalten der Akteure an den Finanzmärkten, insbesondere den Aktienmärkten, auf den Punkt brachte: Viele Anleger sind sich ganz sicher, dass das Corona-Virus über kurz oder lang seinen Schrecken verlieren wird. Und eigentlich sei es ja klar, dass beim ersten Abebben der negativen Nachrichten die Aktienkurse dies- und jenseits des Atlantiks wieder anziehen würden, war zu vernehmen. Kurzfristig würde man gerne durch die Krise „hindurchschauen“, wenn da die Angst nicht wäre. Das mit dem...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1060)</strong>             Es gab gestern nicht nur einen Kommentator, der das Verhalten der Akteure an den Finanzmärkten, insbesondere den Aktienmärkten, auf den Punkt brachte: Viele Anleger sind sich ganz sicher, dass das Corona-Virus über kurz oder lang seinen Schrecken verlieren wird. Und eigentlich sei es ja klar, dass beim ersten Abebben der negativen Nachrichten die Aktienkurse dies- und jenseits des Atlantiks wieder anziehen würden, war zu vernehmen. Kurzfristig würde man gerne durch die Krise „hindurchschauen“, wenn da die Angst nicht wäre. Das mit dem „Hindurchsehen“ habe ich noch aus früheren Jahren im Ohr. Wenn es etwa mitunter von Ratsmitgliedern der EZB hieß, man müsse durch bestimmte konjunkturelle Entwicklungen „hindurchsehen“ [Wachstumsschwäche, schleppende Inflation in der Eurozone]. Entwicklungen, die sich dann doch langfristig als hartnäckiger als gedacht herausstellten.<img decoding="async" class="alignright wp-image-11573" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/02/04022020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/02/04022020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/02/04022020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>„Ja, aber seien Sie vorsichtig!“</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wenn ich „durch die Krise mit Angst hindurchschauen“ in eine Art Handelstaktik übersetze, heißt das so viel wie: „Kaufen Sie Aktien, aber seien Sie vorsichtig!“ Mit einem solchen Rat kann man nichts falsch machen, da man sich im Nachhinein, sofern sich die Kaufempfehlung doch noch als schlecht herausstellt, im Zuge des beliebten „Hindsight Bias“ immer noch darauf berufen kann, man habe doch gewarnt, vorsichtig zu sein.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">In diese gestrige Handelsstimmung, die sich in etwa mit: „Eigentlich will ich [Aktien] kaufen, am besten günstig“ umschreiben ließe, passt die Gleichgültigkeit hinein, mit der der fast achtprozentige Kursrückgang des chinesischen Aktienmarktes (Shanghai Composite) zur Wiedereröffnung des Handels nach dem Neujahrsfest von vielen hingenommen wurde. Der Markt dortzulande habe eben nach der 10-tägigen Pause etwas nachzuholen gehabt, so die gängige Logik.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Bitte um Nachsicht?</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ob es bei diesem Kurssturz bleibt? Man kann sich jetzt schon ausmalen, wie China aufgrund der Virusepidemie die USA womöglich um Nachsicht bitten wird, wenn es darum geht, die Versprechen aus dem US-chinesischen Teilabkommen („Phase-eins-Deal“) erfüllen zu müssen. Wir erinnern uns: China hatte sich verpflichtet, aus den USA in diesem und dem kommenden Jahr Waren und Dienstleistungen, Landwirtschafts- sowie Energieprodukte (Flüssiggas, Erdöl, Kohle etc.) in einem zusätzlichen Volumen von nicht weniger als 200 Mrd. USD (Basis 2017) zu importieren. Zumindest was die Energieprodukte angeht, dürfte dies in diesem Jahr nicht ganz einfach werden, denn Medienberichten aus der vergangenen Woche zufolge soll die Rohöl-Nachfrage Chinas infolge des Corona-Virus um 20 Prozent zurückgegangen sein.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Ermutigende Daten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wenn es um Normalisierung geht, muss man auch die Entwicklung des US-Dollar am gestrigen Handelstag erwähnen. Denn der Greenback machte gestern zeitweise seinen relativ deutlichen Verlust vom vergangenen Freitag wieder wett. Vielleicht auch, weil der ISM-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes im Januar wieder die 50er Linie, die Schwelle zwischen wirtschaftlicher Schrumpfung und Expansion, überschritten hat. Der Wert von 50,9 lag nicht nur am oberen Ende der Erwartungen der Ökonomen. Vielmehr hat sich im gleichen Zuge die irritierend weit klaffende Lücke, die während der vergangenen Monate zum Markit-Einkaufsmanagerindex (51,9) entstanden war, auf der positiven Seite deutlich verringert. In diesem Zuge hat auch der Euro zeitweise gegenüber dem Dollar in gerade noch akzeptabler Größenordnung nachgegeben. Denn im Rahmen der größer angelegten Seitwärtsbewegung zwischen <strong>1,0965/70</strong> und <strong>1,1180</strong> würde die Gemeinschaftswährung unterhalb von <strong>1,1030</strong> ihre frischgewonnene Stabilität wieder einbüßen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong> </strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/mit-durchblick-handeln/">Mit Durchblick handeln?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Gedanken unter dem Dach eines Allzeithochs</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/gedanken-unter-dem-dach-eines-allzeithochs/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 May 2017 13:24:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[langfristiges Kapital]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gefühlt ist es schon eine Ewigkeit her, dass der DAX ein neues Allzeithoch markiert hat. Tatsächlich sind seit dem letzten Gipfel etwas mehr als zwei Wochen verstrichen, ohne dass es in der Zwischenzeit zu einem massiven Einsturz der Börsenkurse gekommen wäre. Zwar ist in vielen Kommentaren von allerhand Ungemach die Rede: Italien-Sorgen, Griechenland-Sorgen (obwohl wir [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/gedanken-unter-dem-dach-eines-allzeithochs/">Gedanken unter dem Dach eines Allzeithochs</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9528 alignleft" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/05/Senti_310517-1-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" />Gefühlt ist es schon eine Ewigkeit her, dass der DAX ein neues Allzeithoch markiert hat. Tatsächlich sind seit dem letzten Gipfel etwas mehr als zwei Wochen verstrichen, ohne dass es in der Zwischenzeit zu einem massiven Einsturz der Börsenkurse gekommen wäre. Zwar ist in vielen Kommentaren von allerhand Ungemach die Rede: Italien-Sorgen, Griechenland-Sorgen (obwohl wir uns an diese ja schon längst gewöhnt haben), Wahl-Sorgen in Großbritannien, weil die einst satte Mehrheit der Premierministerin Theresa May laut jüngsten Umfragen mehr und mehr zu schrumpfen scheint. Dennoch hat der DAX im Rahmen seiner seit elf Handelstagen andauernden Abwärtskorrektur gerade einmal 2,7 Prozent an Wert verloren. Das ist weiß Gott nicht viel und hat in der Vorwoche so manchen Investor zum Zugreifen veranlasst.</p>
<p>Im Prinzip handelt es sich demnach um eine Wunsch-Korrektur. Sie ist nicht zu schnell und nicht zu scharf verlaufen. Und fast alle haben sie kommen gesehen. Diejenigen, die kaufen möchten, haben fast so etwas wie „alle Zeit der Welt“ gehabt, sich in Ruhe zu engagieren und auf einen weiteren Angriff auf die Allzeithochs zu hoffen. Ja, man weiß, man kann sich auf das ausländische Kapital, von dem die Aktienmärkte der Eurozone schon seit geraumer Zeit profitiert haben, verlassen. „Da kommt noch mehr“, glauben Insider zu wissen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kaufen leicht gemacht</strong></p>
<p>Mich stören an dieser Weltsicht zwei Dingen. Zum einen, dass sich die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland auf einem ohnehin schon sehr hohen Niveau befinden. Zum anderen halte ich Wunschkorrekturen in Finanzmärkten für nicht ungefährlich. Wenn das Gros der (einheimischen) Akteure zum Zuge kommt, sich in einem Markt nach einer durchschnittlichen Korrektur in aller Ruhe auf der Kaufseite zu positionieren, und die Kurse danach nicht steigen, muss man sich zwangsläufig fragen, wer eigentlich auf der anderen Seite dieser Käufe steht. Bestimmt keine kurzfristigen Händler.</p>
<p>Hoffentlich handelt es sich nicht um langfristige Kapitalabflüsse aus der Eurozone. Ein Indiz dafür wäre, wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar – wovon meiner Wahrnehmung zufolge derzeit nicht viele Marktteilnehmer auszugehen scheinen – deutlich an Wert verlieren und unter 1,0800 USD fallen würde.</p>
<p>Oder haben die Käufer der vergangenen Woche schon wieder die Geduld verloren und sich längst eines anderen besonnen? Ob und welche Warnzeichen es für den DAX derzeit gibt, werde ich in meiner heutigen Sentiment-Analyse erläutern, die ich wie immer für die Börse Frankfurt (<span style="color: #339966;"><strong><a style="color: #339966;" href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Geduld-verloren-2279048" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HIER</a></strong></span>) erstellt habe. Eine Video-Aufzeichnung dazu finden Sie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xlZb8s0_mCc&amp;feature=youtu.be" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="color: #ff0000;"><strong>HIER</strong></span></a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bitcoins, bitte!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2014 16:22:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich hatte ich sie schon längst vergessen. Ich meine die Bitcoins. Aber am Montag fiel mir die ganze Geschichte wieder ein, als ich las, dass die virtuelle Währung die 300-Dollar-Linie unterschritten habe. Das wirkt schon ernüchternd, wenn man bedenkt, dass Ende November 2013 ein Bitcoin sogar einmal teurer als eine Unze Feingold war. Aber nur [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich hatte ich sie schon längst vergessen. Ich meine die Bitcoins. Aber am Montag fiel mir die ganze Geschichte wieder ein, als ich las, dass die virtuelle Währung die 300-Dollar-Linie unterschritten habe. Das wirkt schon ernüchternd, wenn man bedenkt, dass Ende November 2013 ein Bitcoin sogar einmal teurer als eine Unze Feingold war. Aber nur einen Tag lang. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie mir damals Experten in schönsten Farben ausmalten, dass der Wert eines Bitcoin mit Leichtigkeit auf fünf oder 10.000 US-Dollar ansteigen könne. Da sah ein Einstiegskurs von rund 1.200 USD, damals auf dem Allzeithoch, gegenüber dem vollmundigen Versprechen einer möglichen Verachtfachung des Wertes der Bitcoins immer noch günstig aus.</p>
<p>Aber ich fühlte mich damals gewissermaßen wie ein gebranntes Kind, denn ich hatte vier Wochen zuvor die Gelegenheit verpasst, für sage und schreibe 220 USD pro BTC einzusteigen. Auch höre ich noch die Stimme meines Kollegen und Freundes Herman in meinen Ohren: „Ich hab‘ Dir doch gesagt, dass man Bitcoins haben muss.“ Das tat richtig weh, auch wenn es sich um das Resultat eines Hindsight-Bias vom Feinsten handelte. Aber da Herman damals seiner eigenen Prognose nicht wirklich traute, hatte auch er (aus meiner Sicht glücklicherweise) keine Reichtümer mit der virtuellen Währung verdient. Anders ausgedrückt: Mir fehlte bei einem Kurs von 1.200 USD ein triftiger Grund, bei diesem Wahnsinn mitzumachen, weil es niemanden in meinem Umfeld gab, mit dem ich um den Titel „Reichster Mann durch cleveren Bitcoin-Deal“ konkurrieren musste.</p>
<p>Dass ich damals schon mutmaßte, es könne sich beim Bitcoin-Markt um eine Spekulationsblase handeln (vgl. <strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/muenzen-manie/">HIER</a></strong>), die den Charakter der Tulipmania annehme, ist eine Geschichte. Aber ich habe auch gelernt, dass der Vergleich mit Nachbarn, Freunden und Verwandten in finanziellen Angelegenheiten vermieden werden sollte. Denn deren Erfolg oder Misserfolg führt zu Referenzpunkten, die auf Entscheidungen der Vergangenheit beruhen. Über künftige Gewinne sagen diese Geschichten zwar nichts aus, aber solche Referenzpunkte wirken manchmal wie Anker. Vor allem wenn Andere Gewinne gemacht haben, die wir als fast so deprimierend wie einen eigenen Verlust wahrnehmen, den man glaubt wettmachen zu müssen. Das führt manchmal zu einem Aktionismus, der ohne diesen Vergleich nicht stattgefunden hätte.</p>
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		<title>Sell in May bei DAX 10.000?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2014 16:04:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
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		<category><![CDATA[Sell-in-May-Regel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch dieses Jahr scheint es nicht so richtig zu klappen mit der Börsenregel „Sell in May and go away“. Aber ich habe von solchen Weisheiten eh‘ nie viel gehalten. Immerhin bleiben denjenigen, die sich bislang zurückgehalten und sich ihre geplanten Mai-Verkäufe bis zum Monatsende aufgespart haben, noch zwei Tage übrig, möglicherweise an Himmelfahrt, am Allzeithoch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch dieses Jahr scheint es nicht so richtig zu klappen mit der Börsenregel „Sell in May and go away“. Aber ich habe von solchen Weisheiten eh‘ nie viel gehalten. Immerhin bleiben denjenigen, die sich bislang zurückgehalten und sich ihre geplanten Mai-Verkäufe bis zum Monatsende aufgespart haben, noch zwei Tage übrig, möglicherweise an Himmelfahrt, am Allzeithoch und bei einem DAX-Stand von gleichzeitig 10.000 Zählern zu verkaufen. Das wäre doch genial, wenn das Börsenbarometer an dieser Stelle umkehren und danach für die nächsten Monate deutlich nach Süden ziehen würde.</p>
<p>Das wäre doch wie im Märchen!</p>
<p>Dann hätte die Mai-Regel immerhin doch noch gezogen!</p>
<p>Aber Schluss mit dem Quatsch! Wer nämlich in Sachen Mai-Verkauf ein ungünstiges Timing gehabt hat, der liegt jetzt schon einmal über fünf Prozent mit seiner Short-Position daneben und muss diesen Buchverlust erst einmal wieder wettmachen.</p>
<p>Ohnehin haben den Traum, in der Nähe eines Allzeithochs verkaufen, einige Akteure schon vor Tagen gehabt – und leider auf deutlich niedrigerem Niveau auch umgesetzt. Die geopolitische Lage und das europäische Wahltheater hätten es (aber nur bis zum vergangenen Wochenende) gerechtfertigt.</p>
<p>Und so habe ich die Befürchtung, dass sich nach einem Überschreiten dieses schönen runden 10.000er Niveaus die Jubelfeiern in Grenzen halten werden. Auch bezweifle ich, dass die einst zur Jahrtausendwende in Deutschland so oft beschworene und später (aufgrund der darauf folgenden massiven Baisse) schnell wieder eingemottete Idee der Börsenkultur deswegen wiederbelebt wird. Dazu bedarf es vor allen Dingen des berühmten Nachbarn, der vor Börsengewinnen kaum mehr laufen kann und zu dem andere dann neidvoll aufschauen müssen. Verbunden mit dem Drang, jetzt auch noch ganz schnell Aktien kaufen zu müssen.</p>
<p>Nein, von Sorglosigkeit oder gar Euphorie ist derzeit wenig zu spüren. Bevor das geschieht, müssen viele Marktteilnehmer für Ihre durchaus nachvollziehbare bisherige Zurückhaltung im Aktienmarkt in Form von Stop-Loss-Käufen bezahlen. Wahrscheinlich wird das sowieso erst jenseits der 10.000 geschehen. Wenn ich dann noch im Bankgewerbe beschäftigt wäre, würde mir mein Chef wahrscheinlich fast schon lustvoll eine Chart mit dem langfristigen Kursverlauf des DAX auf seinem Screen zeigen und mir schadenfroh mitteilen, selbst seine sechsjährige Tochter hätte diesen wunderbaren Aufwärtstrend gesehen. In der Behavioral Finance sprich man dann von einem Hindsight-Bias.</p>
<p>Dass es dann doch wieder nicht so einfach mit der Börseneinschätzung ist, zeigt indes die heutige Stimmungserhebung der Börse Frankfurt, die ich <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+im+angesicht+der+10+000+68470">hier</a></strong> für Sie kommentiert habe.</p>
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		<title>Ich weiß nichts, also bin ich – Experte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2014 06:28:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[DAX]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich traf kürzlich einen guten Bekannten, der gelegentlich Analysen zum Aktienmarkt erstellt. So auch zum DAX, wobei er sich darüber mokierte, dass so viele seiner Kollegen bearish in Hinblick auf deutsche Standardwerte eingestellt seien. Man könne die Crash-Angst im Aktienmarkt förmlich riechen, sagt er. Skepsis, wo immer man auch hinsehe. Und das, obwohl das Börsenbarometer [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich traf kürzlich einen guten Bekannten, der gelegentlich Analysen zum Aktienmarkt erstellt. So auch zum DAX, wobei er sich darüber mokierte, dass so viele seiner Kollegen bearish in Hinblick auf deutsche Standardwerte eingestellt seien. Man könne die Crash-Angst im Aktienmarkt förmlich riechen, sagt er. Skepsis, wo immer man auch hinsehe. Und das, obwohl das Börsenbarometer in der vergangenen Woche gar nicht einmal so weit weg von seinem Allzeithoch gewesen sei. Wie ich blickt auch mein Bekannter gerne auf Stimmungsindikatoren. Und diese zeugen derzeit nicht gerade von Optimismus unter den Anlegern. Ein Grund mehr also, deutsche Aktien vorsichtshalber nicht zu verteufeln. Ja, so fuhr mein Bekannter fort, man könne für den DAX zumindest neutral, höchstwahrscheinlich sogar bullish sein, wäre da nicht der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Wie das ausgehe, das könne ja momentan niemand vorhersagen, fügte er, der sich gerne als Politik-Experte bezeichnen lässt, mit sorgenvoller Miene hinzu. Wenn es da negative Überraschungen gäbe, könnte womöglich doch noch ein Crash kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Krise als Ausrede</strong></p>
<p>Mit anderen Worten: Normalerweise wäre mein Bekannter bullish, aber er ist einer von der vorsichtigen Sorte. Wie alle anderen Börsianer derzeit auch, die mittlerweile gelernt haben, dass man sich an den Finanzmärkten schnell an Krisengeschichten gewöhnt und neue Entwicklungen in der Ukraine daher nur dann Niederschlag in den Kursen finden, wenn sie sich deutlich von den vorherigen Nachrichten abheben. Aber ein gewisses Restrisiko bleibt zweifellos bestehen, weil niemand von uns in die Zukunft blicken kann. Eine beliebte Hilfskonstruktion ist daher der Blick zurück auf vergangene Krisen, Kriege und Konflikte. Aber die Geschichte kennt keine identischen Wiederholungen.</p>
<p>Und eigentlich sollten wir es doch auch gewohnt sein, an den Finanzmärkten Entscheidungen unter Unsicherheit treffen zu müssen. Egal, ob geopolitisches oder anderes Ungemach droht. Dennoch zeigen gerade im Fall der Ukraine viele Anleger und Analysten dafür Verständnis, wenn sich ein Experte oder Analyst momentan nicht festlegen möchte, weil sich die dortigen Ereignisse unserer Kontrolle entziehen. So wollen anscheinend die Meisten nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn ihre Börsenengagements und -empfehlungen aufgrund irgendwelcher bösen Überraschungen aus Kiew oder Moskau nicht so laufen, wie man es sich vorgestellt hatte. Genau genommen verschieben sie den <em>locus of control</em>, über den ich erst vor kurzem <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zum-kontrollbeduerfnis-2/">hier</a> geschrieben habe, auf externe Kräfte und Konstellationen, die man selber nicht beeinflussen kann. Und auf die sich im Zweifel auch persönliches Unvermögen schieben lässt.</p>
<p>Das Ganze erinnert mich an einen meiner früheren Chefs, der mir am Morgen eines Handelstages auf meine Frage, ob ich Dollars kaufen solle, entgegnete: „Ja, aber seien Sie vorsichtig!“ Um mir dann am Abend, nachdem mein Engagement schief gelaufen war, vorzuwerfen, er habe mir doch dringend angeraten, vorsichtig zu sein, und jetzt dieser Verlust. Warum ich denn, verdammt nochmal, nicht auf ihn gehört hätte.</p>
<p>Seit diesem Tag weiß ich, dass man an den Finanzmärkten immer vorsichtig sein muss.</p>
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		<title>Nichts für Kleinanleger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2014 11:42:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich gestern den Finanzteil der FAZ aufschlug, erschien mir die Welt der Finanzmärkte zumindest an diesem Tag als durch und durch schlecht. Denn die drei wichtigsten Überschriften handelten vom Debakel bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox, der Verurteilung des einstigen „Börsengurus“ Markus Frick und von Insider-Trading. Zu den Bitcoins hatte ich ja immer schon ein gespaltenes [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/nichts-fuer-kleinanleger/">Nichts für Kleinanleger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gestern den Finanzteil der FAZ aufschlug, erschien mir die Welt der Finanzmärkte zumindest an diesem Tag als durch und durch schlecht. Denn die drei wichtigsten Überschriften handelten vom Debakel bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox, der Verurteilung des einstigen „Börsengurus“ Markus Frick und von Insider-Trading. Zu den Bitcoins<span id="more-6962"></span> hatte ich ja immer schon ein gespaltenes Verhältnis gehabt und ich glaube auch nicht, dass die Ereignisse um die einst bedeutendste Bitcoin-Börse Mt.Gox vertrauensbildend für das Unternehmen Bitcoin gewesen sind. Denn was da geschehen ist, kann auch andernorts passieren. Gott sei Dank hat der Kurssturz an dieser Börse wahrscheinlich kein Heer von Kleinanlegern erwischt. Vielmehr dürften es erfahrenere Investoren gewesen sein, die hier ihr Glück versucht hatten. Und als regelmäßiger Leser meines Blogs werden Sie sich womöglich daran erinnern, dass auch ich im vergangenen Jahr kurz davor gestanden hatte (lesen Sie mehr dazu <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/muenzen-manie/">hier</a></span></strong> und <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/verpasste-gelegenheit/">hier</a>)</strong> </span>bei Mt.Gox Bitcoins, damals zum Stückpreis von 220 €, zu erwerben. Daraus ist glücklicherweise nie etwas geworden, aber ich kann mich noch gut erinnern, wie mir einer meiner Mitstreiter damals fast jeden Tag das von ihm für möglich gehaltene Kursziel von 5.000 bis 10.000 Euro pro Coin unter die Nase hielt. Als ob er mir immer wieder durch die Blume sagen wollte: „Hättest du doch nur auf mich gehört!“. Ja, ich gebe zu, das hat erhebliche kognitive Dissonanzen bei mir ausgelöst. Damit ist jetzt aber Schluss, denn ich weiß nicht, ob ich meine damals potenziell erworbenen zwei, drei Bitcoins tatsächlich jemals wieder gesehen hätte.</p>
<p>Markus Frick interessiert mich indes nicht so sehr, obgleich ich mich zu diesem Thema bereits im April 2011 (<strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/jenseits-von-gut-und-bose-todsichere-strategie/">hier</a></span></strong>) geäußert hatte und heute eigentlich erstaunt bin, wie viele Menschen Frick nach dem damaligen Gerichtsurteil offenbar dennoch wieder um sich scharen konnte. Offensichtlich unbelehrbare Jünger, die nicht nur seinen Worten gelauscht haben, sondern sicherlich auch das ein oder andere Engagement aufgrund der heißen Empfehlungen eingegangen sein dürften. Ja, Charisma gepaart mit hohem Gewinnversprechen lassen bei manchem Anleger anscheinend immer noch die Vernunft-Sicherungen durchbrennen.</p>
<p>Überlegter scheinen es indes die Anleger anzugehen, die die Börse Frankfurt allwöchentlich befragt und deren Stimmung mein Kollege Gianni Hirschmüller (<strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+verhaltener+dax+ruecksetzer+zieht+sofort+kaeufer+an+64369">hier</a></span></strong>) kommentiert hat. Denjenigen, die sich an dieser Stelle in der Vergangenheit über die Erkenntnisse der Detailanalyse informiert haben, muss ich leider mitteilen, dass diese Daten ab sofort nicht mehr erhoben werden. Dies ist umso bedauerlicher, da die Ergebnisse dieser zusätzlichen Befragung einen erheblichen Beitrag zur Qualität unserer Behavioral Finance orientierten Analysen geliefert haben.</p>
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		<title>Weichgespült</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/weichgespult/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 May 2013 07:43:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
		<category><![CDATA[Sunk Cost]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich vor knapp einem Vierteljahr den Kundendienst rufen musste, weil unsere Spülmaschine ihren Dienst versagte, dachte ich, es würde bei einem Besuch bleiben. Denn das zweifelhafte Reparatur-Vergnügen kostete immerhin 320 Euro, was ziemlich genau an der Grenze dessen lag, was ich als Alternative zur Anschaffung einer neuen Maschine zu bezahlen noch bereit gewesen war. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/weichgespult/">Weichgespült</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich vor knapp einem Vierteljahr den Kundendienst rufen musste, weil unsere Spülmaschine ihren Dienst versagte, dachte ich, es würde bei einem Besuch bleiben. Denn das zweifelhafte <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/monteur-marketing/">Reparatur-Vergnügen</a></span> kostete immerhin 320 Euro, was ziemlich genau an der Grenze dessen lag, <span id="more-6089"></span>was ich als Alternative zur Anschaffung einer neuen Maschine zu bezahlen noch bereit gewesen war. Damals wollte mir der beflissene Monteur – neben der überteuerten Reparatur – auch noch eine Versicherung für künftige Schäden an diversen anderen Maschinen in unserem Haushalt verkaufen. 16 Euro pro Monat sollte der Spaß kosten, aber nur für ausgewählte, nicht für alle unsere Elektrogeräte. Meine innere Behavioral-Economics-Stimme sagte mir seinerzeit: „Tu’s nicht, derlei Versicherungen sind immer zu teuer!“.</p>
<p>Und nun war es doch wieder geschehen. Ein neuer Schaden am erst acht Jahre alten Geschirrspüler. Eigentlich war „nur“ etwas Wasser ausgelaufen, eine kleine undichte Stelle an einem Schlauch, vermutete ich – aber, da ich kein Installateur oder Klempner bin, rief ich noch einmal den Kundendienst an und hoffte, ich würde angesichts der teuren Reparatur vom Januar bestenfalls noch einmal ein paar Euro im zweistelligen Bereich einsetzen müssen.</p>
<p>Das Prozedere verlief wie gewohnt. Eine Woche Wartezeit auf den Monteur von Siemens, wahrscheinlich, damit man schon einmal weichgekocht ist. Als er denn endlich bei uns in der Küche erschien, hatte ich die Kinder gerade so weit, dass sie sich nicht mehr nach jeder Mahlzeit erbittert stritten, wer an der Reihe mit Spülen und Abtrocknen sei, sondern bereitwillig mitzuhelfen begannen. Und damit ich gar nicht erst in Versuchung kommen würde, mich noch einmal auf eine größere Reparatur einzulassen und damit weitere (versunkene) Kosten produzieren zu müssen, bat ich dieses Mal meine Frau statt meiner das Reparatur-Stelldichein wahrzunehmen. Sozusagen, um nicht den Sirenengesängen des Monteurs lauschen zu müssen – entscheiden wollte ich bestenfalls aus der Ferne am Telefon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Ein Quell für Regret: Hätte, würde, könnte </b></p>
<p>Aber es gab nichts mehr zu entscheiden, denn der Geschirrspüler hatte einen irreparablen Schaden, der Motor war futsch. Zur Reparatur vom Januar kamen nun noch einmal knapp 70 Euro für Anfahrt und Schadensdiagnose des Servicecenters hinzu. Kurzum, in summa lag ich jetzt bei fast 400 Euro und einem Totalschaden. &#8222;Hätten Sie doch nur mein Versicherungs-Angebot von damals wahrgenommen“, konnte sich der Monteur meiner Frau gegenüber nicht verkneifen, &#8222;dann hätten Sie jetzt schon wieder etwas zurückbekommen!&#8220;. Ob dieses „Etwas“ auch den Kauf einer neuen Maschine abgedeckt hätte? – Ich ersparte mir weitere Nachforschungen, aus Rücksicht auf meinen Seelenfrieden, um mir weitere Reuegefühle (Regret) zu ersparen.</p>
<p>Zum Glück war ich nicht selbst anwesend, um unter dem Eindruck des Totalschadens wenigstens für künftige Fälle doch noch eine Reparatur-Versicherung abzuschließen. Und so bekam ich auch nicht mit, wie der Fachmann meine Frau noch mit den Worten und einem Brief des Herstellers in der Hand tröstete: &#8222;Wenn Sie das gleiche Fabrikat wieder kaufen, bekommen Sie eine Treueprämie in Höhe von 31 Euro, dann haben Sie meinen Besuch schon wieder zur Hälfte raus!&#8220; Ja, die Hersteller von Elektrogeräten sind auf alle Eventualitäten des Lebens eingerichtet und schaffen es, mit 5 Prozent Eventual-Rabatt am Ende des Montagebesuchs, dass die unangenehme Reparatur-Episode auch noch ein halbwegs versöhnliches Ende findet. Ich jedenfalls hatte genug von mentalen Konten, Sunk Cost und Regret und konnte mir allerdings ein bisschen Selbstbestrafung nicht verkneifen: Hätte ich doch nur gleich eine neue Maschine gekauft und mir wären allerhand psychische und materielle Kosten erspart geblieben!</p>
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		<title>Der Besserwisser-Konjunktiv</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 May 2012 05:57:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Regret]]></category>
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		<category><![CDATA[self-fulfilling prophecy]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Peinlich für Frankfurt&#8220;, „was für eine &#8222;Blamage&#8220; oder &#8222;eine völlig überzogene Aktion der Polizei&#8220; – so oder so ähnlich lauteten viele Reaktionen auf die Blockupy-Tage in Deutschlands Finanzmetropole. Nicht nur aus der politischen linken Szene, sondern auch von Menschen, die man dem bürgerlichen Lager zurechnen kann, hörte man nach vier Tagen Blockupy, dass die Demonstranten [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/der-besserwisser-konjunktiv/">Der Besserwisser-Konjunktiv</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Peinlich für Frankfurt&#8220;, „was für eine &#8222;Blamage&#8220; oder &#8222;eine völlig überzogene Aktion der Polizei&#8220; – so oder so ähnlich lauteten viele Reaktionen auf die Blockupy-Tage in Deutschlands Finanzmetropole. Nicht nur aus der politischen<span id="more-4019"></span> linken Szene, sondern auch von Menschen, die man dem bürgerlichen Lager zurechnen kann, hörte man nach vier Tagen Blockupy, dass die Demonstranten durch ihr friedliches, kreatives und buntes Treiben gewonnen und die Stadt Frankfurt verloren hätte. Ganz besonders schlecht soll dabei die Polizei ausgesehen haben, die Frankfurt in eine Festung verwandelt habe, wo doch weit und breit nichts von den Demonstranten wahrzunehmen war. Als ob sich 20.000 Menschen einfach so in Luft auflösen könnten und 5.000 Polizisten de facto umsonst aufgeboten worden wären, um die Stadt zu schützen.</p>
<p>Ich möchte mich an dieser Stelle nicht darüber auslassen, ob das Aufgebot an Polizisten als Reaktion auf die Gerichtsurteile und die damit verbundenen Demonstrationsverbote am Himmelfahrtstag und dem darauf folgenden Freitag für deren Durchsetzung angemessen waren oder nicht. Auch nicht, ob die Protestierenden durch ihr friedfertiges Verhalten Stadt und Polizei als übertrieben ängstlich und sicherheitsfanatisch blamiert haben oder nicht. Klar, dass sich jetzt alle kaputtlachen, allen voran die Kommentatoren, die sich ja gerne hinterher als die Schlaueren gerieren und sowieso immer alles schon gewusst haben. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Geschichte tatsächlich so friedvoll und glimpflich abgelaufen wäre, wenn es möglicherweise nur 2.000, 1.000 oder noch weniger Polizisten gegeben hätte, die am Samstag in den Seitenstraßen für alle Fälle bereitstanden, während sich der Demonstrationszug durch die Innenstadt bewegte. Denn man sollte nicht vergessen, dass die Veranstalter von Blockupy ursprünglich das geplant hatten, was nun durch die List der Vernunft die Polizei durch ihre Omnipräsenz bewerkstelligt hat: die Stadt für mehrere Tage zu blockieren.</p>
<p>Mich hat die ganze Angelegenheit an Situationen erinnert, wie man sie in den Finanzmärkten immer wieder erleben kann. Wir versuchen so oft, uns gegen den so genannten Worst-Case, den schlimmsten Fall, zu versichern. Zurzeit etwa für den Fall eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone oder auch gegen andere Unwägbarkeiten. Schlicht aus einem Kontrollbedürfnis heraus, das auch noch die schlechte Eigenschaft hat, äußerst ansteckend zu sein. Und da viele Akteure in solchen Fällen oftmals zu denselben Mitteln greifen, entsteht so etwas wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Und wenn das Ungemach dann schließlich eintritt, erlebt man häufig – weil bereits alle Marktteilnehmer positioniert sind – nach dem Motto „buy the rumour, sell the fact“ eine Marktentwicklung in die Richtung, mit der keiner gerechnet hatte. So verhielt es sich auch,  als beispielsweise die Rating-Agentur Standard &amp; Poor&#8217;s am 13. Januar dieses Jahres die Bonität mehrerer europäischer Staaten herabstufte und viele Händler deswegen mit einem Absturz des deutschen Aktienmarktes gerechnet hatten. Stattdessen legte der DAX in den kommenden Wochen um mehr als 1.000 Punkte zu. Mit anderen Worten: Aus der self-fulfilling prophecy wurde eine self-fulfilling destruction, eine sich selbst erfüllende Zerstörung der Absicherung. Und genau wie bei Blockupy Frankfurt fragte sich hinterher mancher Akteur, ob denn die ganze Hysterie nicht ein bisschen übertrieben gewesen sei.</p>
<p>Allerdings gibt es in beiden Fällen keine Garantie dafür, dass eine entgegengesetzte Strategie – also beim nächsten Mal kein Polizeiaufgebot bzw. beim nächsten Katastrophenszenario keine Absicherung – eher zum Erfolg führen würde. Denn die Frage nach dem &#8222;Was wäre, wenn&#8220; wird man nie beantworten können. Das sollten sich übrigens auch diejenigen sagen, die heute für die Abschaffung des Euro sind.</p>
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