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	<title>Segregation Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Die schwarze Null (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2014 08:44:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In der Eurozone herrschen Wachstumssorgen und Deflationsgefahren. Dabei bemüht sich die Europäische Zentralbank redlich, zumindest den Eindruck zu erwecken, sie werde im kommenden Jahr mit einem echten quantitativen Lockerungsprogramm (QE) in Form von Staatsanleihekäufen beginnen. Doch ist es dem EZB-Präsidenten bislang offenbar aber nicht gelungen, alle Mitglieder des EZB-Rats und offenbar auch nicht die Mehrheit [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-schwarze-null-2/">Die schwarze Null (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Eurozone herrschen Wachstumssorgen und Deflationsgefahren. Dabei bemüht sich die Europäische Zentralbank redlich, zumindest den Eindruck zu erwecken, sie werde im kommenden Jahr mit einem echten quantitativen Lockerungsprogramm (QE) in Form von Staatsanleihekäufen beginnen. Doch ist es dem EZB-Präsidenten bislang offenbar aber nicht gelungen, alle Mitglieder des EZB-Rats und offenbar auch nicht die Mehrheit des Direktoriums die Mehrheit des Direktoriums von seiner Mission zu überzeugen. Die größten Gegner eines derartigen Programms kommen aus Deutschland in Gestalt des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann und des EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger daher. Ihr Dauervotum zu einem Ankauf von Staatsanleihen lautet klar und deutlich: Nein. Aber auch andere EZB-Verantwortliche wollen erst einmal abwarten, ob die jüngst begonnenen Maßnahmen (Ankauf von Covered Bonds und ABS) nicht doch noch erfolgreich sein werden.</p>
<p>Man mag natürlich berechtigte Zweifel daran hegen, dass ein quantitatives Lockerungsprogramm à la QE zum gewünschten Erfolg führen wird. Aber ich vermisse bei den Gegnern dieser Programme eine konkrete Alternative, wie man der derzeitigen Probleme Herr werden kann. Auch behaupten die meisten QE-Gegner, es drohe derzeit gar keine Deflationsgefahr. Gleichzeitig ist ein Signal aus der EZB klar und deutlich zu vernehmen: Leute, hört auf zu sparen, sonst gibt es Strafzinsen!</p>
<p>Natürlich kann man es nur begrüßen, wenn Finanzminister Schäuble für das Jahr 2015 einen Haushalt mit einer schwarzen Null (vergleiche meinen Blogbeitrag <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/falsche-ehrfurcht-vor-der-schwarzen-null/">HIER</a></strong></span>) zum ersten Mal seit Jahrzehnten vorweisen kann. Und für das Erreichen dieses Ziels werden anscheinend alle Hebel in Bewegung gesetzt. Auch indirekte Steuererhöhungen (für echte hätte man vielerorts und auch in Deutschland selbst angesichts der Probleme in der Eurozone nur wenig Verständnis) sind kein Tabu.</p>
<p>So habe ich dann doch über Zeitungsberichte gestaunt, denen zufolge man im Finanzministerium offensichtlich zumindest im Kleinen ausgesprochen kreativ geworden zu sein scheint. Ich kann nicht beurteilen, wie viel Geld bei diesen kleinen Nadelstichen, die auch nicht jedem Steuerzahler zugemutet werden, herausspringen wird. Eines ist indes sicher: Es wird alles komplizierter und die Vorschläge sind unpopulär. Ich rege mich nicht darüber auf, wenn einige betriebliche Weihnachtsfeiern nicht mehr stattfinden können, weil künftig die Voraussetzung für das Ausschöpfen der Freibeträge seitens der Arbeitgeber an bestimmte Bedingungen (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/jahressteuergesetz-das-aus-fuer-die-weihnachtsfeiern-13280285.html">HIER</a></strong></span>) geknüpft sein soll. Vielerorts sind solche Feiern sowieso schon dem Rotstift des Costcutters zum Opfer gefallen.</p>
<p>Eine Klarstellung des Bundesfinanzministeriums, einen im Flugzeug angebotenen Snack (vgl. <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.focus.de/finanzen/videos/teure-regel-chipstuete-im-flieger-zaehlt-steuerlich-als-mittagessen_id_4278167.html">HIER</a> </span>und <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.huffingtonpost.de/2014/11/18/chipstuete-flugzeuge_n_6175788.html">HIER</a></span></strong>) auf die ohnehin mickrige Verpflegungspauschale für Geschäftsreisende mit mehr als neun Euro anzurechnen, selbst wenn es sich nur um eine Chipstüte handelt, erinnert schon ein wenig an einen Schildbürgerstreich. Aber wer fliegt heute noch innerdeutsch in der Business-Class?</p>
<p>Als ich gestern außerdem erfuhr, dass die Steuergutschrift für Handwerkerrechnungen „wackelt“ – zumindest solange ein Mindestbetrag von 300 Euro bei einer Rechnung nicht überschritten wird (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.welt.de/finanzen/steuern-recht/article134891956/Steuerbonus-fuer-Handwerkerrechnungen-wackelt.html">HIER</a></strong></span>) – verschlug es mir die Sprache.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kleine Verluste sind besonders ärgerlich</strong></p>
<p>Es geht mir nicht um die paar Euro Mehrbelastung. Viel eher geht es um die psychologische Signalwirkung und den Verlust kleiner Freuden wie ein betriebliches Weihnachtsessen, den die Bürger erleiden werden. Es sind nämlich gerade die kleinen Verluste, und seien sie noch so klein, die besonders schwer wiegen. Und je mehr man davon präsentiert bekommt, desto schlechter wird die Stimmung. Dabei hat doch die Regierung Merkel erst vor einigen Monaten Stellen für Verhaltensökonomen ausgeschrieben. Damit wir die Regierung besser verstehen.</p>
<p>Ob die wohl mit ihrer Arbeit schon begonnen haben?</p>
<p>Dann wäre zumindest der Unsinn solcher Mini-Maßnahmen, mit dem Zwecke, das Steuersäckel überdies mit viel Anstrengung aller Beteiligten etwas zu füllen, möglicherweise verhindert worden. Denn Verluste sollten den Betroffenen möglichst am Stück, d. h. aggregiert, präsentiert werden.</p>
<p>Nein, die deutsche Regierung bewirkt mit dem starren Festhalten an der schwarzen Null keine Lösung der Probleme in der Eurozone. Nein, sie möchte nicht wirklich für etwas Konjunkturbelebung sorgen. Aber zum Glück haben wir, so wird mir manch einer entgegenhalten, noch die angekündigten Strukturmaßnahmen, die in den kommenden Jahren, also in der ferneren Zukunft, am besten erst vor den kommenden Bundestagswahlen greifen sollen.</p>
<p>Manchmal kommt es mir so vor, die Bundesregierung handelt nach dem Motto vieler Anleger: „Wir sind gern bereit, etwas zu riskieren, aber es darf nichts kosten“. Erfahrungsgemäß führt diese ängstliche Haltung zur Untätigkeit. Ein Festhalten am Status quo, das, so fürchte ich, uns am Ende viel mehr kosten wird, als wir uns das alle heute vorstellen können.</p>
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		<title>Monteur &#038; Marketing</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 08:46:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Da war er nun, jener Augenblick, wie er hoffentlich nur einmal im Leben einer jeden Geschirrspülmaschine vorkommt: Das Waschprogramm blieb eine Minute vor Schluss stehen, das Geschirr in der Maschine wegen der ausgefallen Heizung feucht, weswegen ich den Kundendienst vom Hersteller der Maschine anrufen musste. Gott sei Dank ist die Hotline von Siemens rund um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Da war er nun, jener Augenblick, wie er hoffentlich nur einmal im Leben einer jeden Geschirrspülmaschine vorkommt: Das Waschprogramm blieb eine Minute vor Schluss stehen, das Geschirr in der Maschine wegen der ausgefallen Heizung feucht,<span id="more-5745"></span> weswegen ich den Kundendienst vom Hersteller der Maschine anrufen musste. Gott sei Dank ist die Hotline von Siemens rund um die Uhr besetzt und nimmt selbst samstagabends Aufträge an. Allerdings, so beschied mir die nette Dame am Telefon, müsste ich gut eine Woche warten, denn der Reparaturservice sei derzeit völlig überlastet. Im Geiste hatte ich mir schon einmal ausgerechnet, was so eine Reparatur kosten könne. Wahrscheinlich 200 bis 250 Euro. Dachte ich.</p>
<p>Eine Woche später klingelt es überraschend pünktlich um 8:00 Uhr an der Tür: Der Mann von Siemens war da! Flott öffnete er den Geschirrspüler und zeigte mir mit mitleidiger Miene das durchsichtige Abflusssystem, die so genannte Wassertasche, die allerdings hier und da hässliche Verstopfungen aufwies, verursacht durch Reste von Stärke (feinste Rückstände aus Kartoffeln, Reis, etc.), die sich über die Jahre ansammeln. Das nenne ich Transparenz. Dann kam für mich der mentale kurze, aber heftige Schmerz, als mir der Monteur  eröffnete, dass das ganze Reparatur-Vergnügen mich 320 Euro kosten würde. Das war viel mehr, als ich gedacht hatte, und schnell machte ich einen internen Faktencheck: Eine neue Maschine würde mich vermutlich mindestens 700 Euro, wenn nicht mehr, kosten, überschlug ich blitzschnell im Kopf und spürte, dass ich bereits in der Falle saß. Denn die 320 Euro befanden sich ziemlich genau an der Grenze dessen, was ich gerade noch zu investieren bereit gewesen wäre, bevor ich mich für die Anschaffung eines neuen Gerätes entschieden hätte. Vielleicht hatte Siemens das vorher berechnet. „In dem Preis sind auch alle Kosten enthalten, also Anfahrt, Arbeitszeit, Mehrwertsteuer“, fügte der Monteur, der meinem Gesichtsausdruck offenbar verschiedene Schattierungen des Schreckens entnommen hatte, beflissen hinzu. Als ob er nicht nur Fachmann für Wasserschläuche, sondern auch für Behavioral Economics wäre, eröffnete er für jede einzelne seiner Leistungen bei mir ein separates mentales Gewinnkonto.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Allround-Verkäufer</b></p>
<p>Aber er hatte meine Entscheidung sowieso schon in der Tasche, denn ich konnte mir absolut nicht vorstellen, dass ich den Servicemitarbeiter unverrichteter Dinge nach Hause schicken würde, nachdem ich doch bereits seit einer guten Woche auf den Reparaturtermin gewartet hatte. Die baldige Lösung aller Geschirrspül-Probleme vor Augen, bemerkte ich, wie ich in der Commitment-Falle saß. Wenn ich jetzt Nein gesagt hätte, hätte ich überdies die Anfahrt des Monteurs bezahlen, mir einen neuen Geschirrspüler bestellen und womöglich noch einmal eine Woche auf die Installation der Maschine warten müssen – nein, das war zu viel für mich. Und so entschloss ich mich zur Reparatur, an deren Ende mir der smarte Monteur auch noch einen möglicherweise überteuerten Reiniger nach allen Regeln der Verhaltensökonomie (vier Päckchen zum Preis von drei) für 15 Euro verkaufte, den es angeblich nur bei Siemens gäbe.  </p>
<p>„Jetzt haben Sie zwei Jahre Garantie – und hoffentlich Ruhe“, strahlte mich der Monteur an und hielt mir einen laminierten Prospekt zum Abschluss einer Reparaturversicherung für ein paar ausgewählte Haushaltsgeräte, auch wenn sie nicht von Siemens stammten, unter die Nase: „Nur 16 Euro pro Monat“, hob er an, aber ich ließ ihn gar nicht erst weiterreden, weil ich ahnte, dass schon die nächste Falle auf mich lauerte. Und bei der nächsten Reparatur, schwor ich mir, werde ich mich besser auf das Verkaufsgespräch vorbereiten.</p>
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		<title>Anstrengende Sitzungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Aug 2012 06:18:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>War heute gerade wieder einmal beim Zahnarzt. Bohren war angesagt. Und da ich eine lang anhaltende Betäubungsspritze überhaupt nicht gebrauchen konnte, entschied ich mich für die schmerzhafte Prozedur. Ich könne ja eine Pause machen, wenn es zu anstrengend würde, bot mir der Doktor an. Drei Mal bat ich um Unterbrechung. Die Sprechstundehilfe fragte mich jedes Mal [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>War heute gerade wieder einmal beim Zahnarzt. Bohren war angesagt. Und da ich eine lang anhaltende Betäubungsspritze überhaupt nicht gebrauchen konnte, entschied ich mich für die schmerzhafte Prozedur. Ich könne ja eine Pause machen, wenn es zu anstrengend würde, bot mir der Doktor an. Drei Mal bat ich um Unterbrechung. Die Sprechstundehilfe fragte mich jedes Mal mit mitfühlender Miene: „Wollen Sie spülen?“, was ich natürlich gerne bejahte.</p>
<p>Am Ende war ich fix und fertig. Und mein Zahnnerv vermutlich auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nach dem Zahnarzt: Ab auf die Massagebank</strong></p>
<p>Ich rief – quasi als Belohnung der heldenhaft erlittenen Qual – meine Physiotherapeutin zwecks Massage an und bekam auch sogleich einen Termin. Auf der Massagebank angelangt, fragte sie mich, ob es mir recht sei, wenn sie zwei Handyanrufe zwischendurch annähme oder ob sie doch lieber die Telefonate verschieben solle…</p>
<p>Beide Erlebnisse haben gemeinsam, dass man durch Unterbrechungen sein Wohlbefinden beeinflussen kann. Im Zahnarztbeispiel sollen die Pausen einen Augenblick Schmerzfreiheit gewähren, während Unterbrechungen eines angenehmen Erlebnisses als störend empfunden werden – man möchte so viel Schönes wie möglich erleben. Beide Verhaltensweisen scheinen auf den ersten Blick intuitiv optimal. Doch es gibt Hinweise, dass das ein Trugschluss ist. Warum? – das erfahren Sie am Montag.</p>
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		<title>Kein Taschengeld</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 05:58:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich neulich erfuhr, dass Bundesanleihen mit zweijähriger Laufzeit nur noch eine negative Rendite erbringen, fragte ich mich, was meine Schwiegermutter, wenn sie denn noch am Leben wäre, wohl dazu sagen würde. In ihren letzten Lebensjahren hatte sie sich nämlich häufig bei mir darüber beklagt, dass sie angesichts der niedrigen Zinsen immer weniger Taschengeld zur [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich neulich erfuhr, dass Bundesanleihen mit zweijähriger Laufzeit nur noch eine negative Rendite erbringen, fragte ich mich, was meine Schwiegermutter, wenn sie denn noch am Leben wäre, wohl dazu sagen würde. In ihren letzten Lebensjahren hatte sie sich nämlich häufig bei mir darüber beklagt, <span id="more-4739"></span>dass sie angesichts der niedrigen Zinsen immer weniger Taschengeld zur Verfügung habe. Damals hatte sie immerhin noch Anleihen mit einem Kupon von 4 Prozent p. a. in ihrem Wertpapierdepot und konnte sich so zumindest die eine oder andere Ausgabe leisten, die sie sich ansonsten nicht gestattet hätte. Mit dieser Strategie, nicht nur fürs gesamte Kapital,  sondern auch für jede einzelne Zinszahlung im Geiste ein eigenes Konto (bekannt unter dem Begriff mentale Konten) zu eröffnen, stand die alte Dame für mich stellvertretend für viele andere Sparer in Deutschland. Egal, wie gering die Zinseinnahmen sind, sie werden stets als Gewinn erlebt. Und diese Gewinne zu verbrauchen, verursacht selbst bei konservativ eingestellten Menschen nicht sogleich ein schlechtes Gewissen. Leider hatte nicht nur meine Schwiegermutter dabei übersehen, dass die Inflation, für die der Zins zumindest teilweise einen Ausgleich darstellen soll, klammheimlich zu einer Entwertung des Kapitalkontos führte. Doch wenn dieses sowieso nie angerührt wird, kann man auch nicht bemerken, dass man sich für dasselbe Geld über die Jahre immer weniger hätte kaufen können.</p>
<p>Heute hätte sich indes für meine Schwiegermutter die Situation ganz anders dargestellt. Ihr monatliches Taschengeld wäre, nachdem die letzte relativ gut verzinsliche Bundesanleihe zur Rückzahlung fällig gewesen wäre, praktisch auf null gesunken. Denn angesichts der Eurokrise hätte sie sich wahrscheinlich sowieso nicht getraut, ihr frei gewordenes Geld in fünf- oder gar zehnjährige Schuldtitel des Bundes anzulegen. Aber kein Taschengeld für zwei Jahre? Und das bei jährlich knapp zwei Prozent Inflation? „Und bei einer Neuanschaffung müsste ich sogar an mein Kapital herangehen“, hätte sie bestimmt gejammert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anlagenotstand</strong></p>
<p>„Hast du mir nicht gesagt, mein Geld sei sicher?“ Noch jetzt spüre ich ihren vorwurfsvollen Blick auf mir ruhen. Und wie viele andere Sparer wäre sie vermutlich längst zu dem Schluss kommen, schuld an allem sei allein der Euro. Heute würde ich meine Schwiegermutter gerne in den Arm nehmen und gemeinsam könnten wir dann überlegen, wo mehr Zinsen zu holen seien. Aktien? Die wären gerade in diesem Jahr viel zu volatil gewesen. Gold? Das hatte sie schon. Sogar physisch. Immobilien? Ja, aber der Ärger mit den Mietern! Dann hätte ich ihr womöglich erzählt, dass es für die Anleihe einer Bäckereikette in Frankfurt 7,5 % Prozent p. a. gäbe. Darauf wäre meine Schwiegermutter womöglich eingestiegen, weil Handwerk ja immer schon goldenen Boden hatte. Aber ich hätte dann doch lieber den Mund gehalten, denn Extra-Rendite ohne Risiko gibt es nicht und ein Unternehmen kann theoretisch auch nach 100 Jahren Pleite gehen. Auch wenn die lange Überlebenszeit eine gewisse (vermeintliche) Sicherheit suggeriert.</p>
<p>Vermutlich hätte ich am Ende allein schon aus Rücksicht auf den Familienfrieden lieber darauf verzichtet, ihr einen Anlagetipp zu geben, und stattdessen verkündet: „Wenn Du keine Zinsen bekommst, musst du auch keine Zinsabschlagsteuer zahlen!“ Meine Erklärung, dass damit ein mentales Verlustkonto wegfallen würde, hätte ihr wahrscheinlich wenig eingeleuchtet. Aber dem Staat ein Schnippchen schlagen? Ich bin sicher, sie hätte mich vielsagend angegrinst. Und für einen Augenblick hätten wir uns prima und ohne viele Worte verstanden.</p>
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		<title>Gut verkauftes Defizit</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 05:49:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dass sich Spanien am Samstag dem Druck der Euro-Staaten gebeugt hat und nun anscheinend Hilfskredite aus dem EFSF-Krisenfonds beantragen möchte, um seine Banken zu retten, dürfte wohl nur wenige Marktteilnehmer überrascht haben. Mich eingeschlossen. Denn im Grunde hatte sich dieser Schritt bereits am vergangenen Freitag angebahnt. Allein die Höhe des angekündigten Gesamtbedarfs von 100 Mrd. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass sich Spanien am Samstag dem Druck der Euro-Staaten gebeugt hat und nun anscheinend Hilfskredite aus dem EFSF-Krisenfonds beantragen möchte, <span id="more-4349"></span>um seine Banken zu retten, dürfte wohl nur wenige Marktteilnehmer überrascht haben. Mich eingeschlossen. Denn im Grunde hatte sich dieser Schritt bereits am vergangenen Freitag angebahnt. Allein die Höhe des angekündigten Gesamtbedarfs von 100 Mrd. EUR, der angeblich zur Rettung der taumelnden spanischen Banken benötigt wird, hat die bisherigen Schätzungen noch einmal an der Oberseite deutlich übertroffen. Ja, er scheint fast etwas übertrieben, wenn man etwa den bisherigen Schätzungen des IWF glaubt. Nein, es waren keine 40, keine 80 Mrd. EUR, sondern noch mehr. Und ganz unverblümt verkündet man auf offizieller Seite, mit der Summe von 100 Mrd. wolle man alle denkbaren Risiken abdecken. Das ist lobenswert. Wollen wir hoffen, dass da nicht noch ein paar schwarze Schwäne über die Biskaya fliegen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Abnehmende Sensitivität bei höherem Kreditbedarf</strong></p>
<p>Gleichwohl scheint man bei den Krisenländern, zumindest was die Außendarstellung betrifft, etwas aus der verhaltensorientierten Ökonomie gelernt zu haben. Denn statt wie sonst bei Verkündung hoher Verluste, vielleicht aus Angst vor einem drohenden Sturm der Entrüstung, eher tiefzustapeln und das Ausmaß des Defizits herunterzuspielen, statt zu knapp bemessene Rettungsschirme aufzuspannen, an die dann immer noch hier und da ein Kredit angeflickt werden muss, damit er ausreichend Schutz bietet, hat Spanien gleich richtig zugelangt und möglicherweise einen zu hohen Kreditbedarf angegeben. Denn es hätte für die öffentliche Wahrnehmung vermutlich sowieso keine Rolle mehr gespielt, ob man nun 80 oder 100 Mrd. EUR beantragt. Dazu haben wir uns alle schon viel zu sehr an diese astronomisch hohen Summen gewöhnt. Vielleicht wollte man sich auch das lästige Procedere ersparen, durch später notwendige „Korrekturen“ und neue Stresstests der Banken um mehr Geld bitten zu müssen, als man ursprünglich für erforderlich gehalten hatte. Denn jedes Nachbessern wäre in der Außenwirkung als weiterer Verlust empfunden worden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ende gut, alles gut à la Behavioral Finance</strong></p>
<p>Und wenn das Land am Ende für die Rettung seiner Banken weniger Geld benötigen sollte, folgt diesem ersten und einzigen Verlust sogar noch ein relativer Gewinn, entstanden durch den geringer als erwartet ausgefallenen Kreditbedarf.</p>
<p>Übrigens gilt diese Regel für alle Lebensbereiche. Denn die Neigung der Menschen, für jede Entscheidung ein separates mentales Konto zu eröffnen, legt nahe, Verluste (die ohnehin schwerer als Gewinne wiegen) möglichst zu aggregieren und Profite zu segregieren, d.h. einzeln auszuweisen. Und wem es dann noch gelingt, die Episode eines anfänglich horrend erscheinenden Verlustes mit einem kleinen Gewinn etwas versöhnlicher ausklingen zu lassen, der hat zumindest trotz Krise noch etwas gut gemacht. Und das wahrscheinlich auch noch kostenlos.</p>
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		<title>Teure Düfte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 07:39:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für orientalisch anmutende Parfums. Vor allen Dingen, wenn sie noch manuell hergestellt werden, können sie ziemlich kostspielig sein. Als ich aber kürzlich im Internet stöberte und über eine Google-Anzeige zu easyCOSMETIC geführt wurde, sah ich, dass mein Objekt der Begierde im Vergleich zum Fachhandel mit einem Preisnachlass von 18 Prozent [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für orientalisch anmutende Parfums. Vor allen Dingen, wenn sie noch manuell hergestellt werden, können sie ziemlich kostspielig sein. Als ich aber kürzlich im Internet stöberte und über eine Google-Anzeige zu easyCOSMETIC geführt wurde, sah ich, dass mein Objekt der Begierde <span id="more-3157"></span>im Vergleich zum Fachhandel mit einem Preisnachlass von 18 Prozent angeboten wurde! Ja, selbst gegenüber dem zweitgünstigsten Inserenten im Internet war der Preis immer noch um fast neun Prozent günstiger. Was nicht ganz stimmt, denn easyCOSMETIC erhebt eine Versandgebühr von drei Euro – der Mitbewerber versendet hingegen kostenlos. Nachdem ich mehrere Tage mit mir gerungen hatte, ob ich mir diesen Luxus wirklich gönnen sollte, gab ich mir schließlich einen Ruck und bestellte.</p>
<p>Dann aber kam es doch anders. Denn als ich meine Order per Kreditkarte ausführen wollte, öffnete sich ein Fenster, in welchem mir angekündigt wurde, dass eine Transaktionsgebühr von 3 Prozent des Kaufpreises anfallen würde. Das seien die Gebühren, mit denen das Kreditkarteninstitut den Parfum-Shop belasten würde und die man – mir lag schon ein „leider“ auf der Zunge – daher auch von den Kunden einziehen müsse. Da kam ich mir schon vor wie bei der Lufthansa, denn auch diese erhebt neuerdings beim Ticketkauf per Kreditkartenzahlung eine saftige Transaktionsgebühr. So weit, so ungut. Denn die Alternativen, die easyCOSMETIC anbietet, sind ebenfalls kostspielig. So wird im Falle einer Zahlung per Paypal eine zusätzliche („Weiter“)-Belastung von drei Prozent des Kaufpreises fällig. Ach, Sie denken jetzt an eine Bestellung per Nachnahme? Auch das kostet einiges, nämlich sechs Euro (wobei DHL angeblich bei Nachnahme „nicht beeinflussbare“ zwei Euro Übermittlungsentgelt von den sechs Euro kassiert). Billiger wird es nur bei „Sofortüberweisung“, für die der Kosmetikversender lediglich 1,5 Prozent auf den Einkauf draufschlägt, sprich: weiterberechnet. Wagen Sie es aber ja nicht, per Rechnung zu bezahlen! Denn in diesem Falle sähe sich das Unternehmen gezwungen, sechs Prozent des Kaufpreises als Transaktionsgebühr zu berechnen. Gott sei Dank, gibt es noch die Möglichkeit der Vorkasse, für die der willige Kaufinteressent keine Gebühren berappen muss, dafür aber natürlich (das haben wir aus der Lehman-Pleite gelernt) ein Kontrahentenrisiko eingeht, das easyCOSMETIC leider nicht honoriert.</p>
<p>&#8222;Bist du nun ein homo oeconomicus oder nicht?&#8220;, fragte mich mein Kompagnon gespannt, als ich ihm den Sachverhalt schilderte. Ich rechnete alles zusammen und fand heraus, dass easyCOSMETIC gegenüber dem zweitgünstigsten Konkurrenten immer noch einen rechnerischen Vorteil bot. Ja, ein homo oeconomicus hätte ohne großes Murren gekauft. Aber leider bin ich nur ein Mensch aus Fleisch und Blut und hatte im Geiste drei mentale Verlustkonten eröffnet: der Preis des Parfums, die Versandkosten und die Transaktionskosten. Drei einzelne Verluste, die psychisch in der Summe schwerer wogen als der eine Verlust (= der höhere Preis)  des teureren Produkts der Konkurrenz. Mir jedenfalls hat der edle Duft mittlerweile ziemlich gestunken.</p>
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		<title>Rabatt und Spiele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 07:49:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Rabattmarken]]></category>
		<category><![CDATA[Rendite]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, als es beim Lebensmittelhändler um die Ecke, aber auch bei vielen größeren Märkten Rabattmarken für den Einkauf gab – &#8222;…und noch 3 Prozent Rabatt&#8220; war ein gängiger Werbespruch, den ich nicht vergessen habe. Zu Hause durften wir Kinder manchmal die Märkchen anfeuchten und in ein kleines [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, als es beim Lebensmittelhändler um die Ecke, aber auch bei vielen größeren Märkten Rabattmarken für den Einkauf gab – &#8222;…und noch 3 Prozent Rabatt&#8220; war ein gängiger Werbespruch, den ich nicht vergessen habe. Zu Hause durften wir Kinder <span id="more-3072"></span>manchmal die Märkchen anfeuchten und in ein kleines Heft kleben. Wenn alle Rechtecke in dem vorgedruckten Raster mit einer Marke bedeckt waren, was einem Einkauf in Höhe von 50 Mark entsprach, konnten wir zum Laden gehen, um das Heft gegen 1,50 DM Bares einzutauschen. Das ist Jahrzehnte her.</p>
<p>Heute gibt es stattdessen Pay-back-Karten, die einen ähnlichen Zweck erfüllen: erhöhte Kundenbindung. Aber auch das alte Rabattmarkensystem hat unlängst beim Penny-Markt um die Ecke ein Revival erlebt. Da gibt es für eine voll geklebte Rabattkarte immerhin zwei Gläser (für Sekt, Wein oder Wasser) im Wert von etwa 12 bis 15 Euro. Ein ordentliches Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass man dafür nur 50 Rabattmarken (pro Umsatz von fünf Euro bei den meisten Lebensmitteln gibt es jeweils eine Marke) benötigt. Das entspricht einem Rabattwert von mehr als 5 Prozent, vorausgesetzt, dass man solche Gläser überhaupt benötigt oder haben möchte.</p>
<p>Richtig clever arrangiert hat das Ganze ein Edeka-Markt in Norddeutschland, wo ich mit meiner Familie die Weihnachtsferien verbrachte. An stürmischen und regnerischen Abenden ist so ein gemeinsamer Spieleabend ja besonders gemütlich, und auch an Sylvester vergeht die Zeit bis Mitternacht mit „Trivial Pursuit“ oder „Risiko“ im Nu. Und nun bot das Rabattsystem im Edeka bereits für einen Umsatz von 125 Euro eines dieser beliebten  Gesellschaftsspiele an. Allerdings nur gegen eine Zuzahlung von 20 Euro.</p>
<p>So musste ich trotz aller Erkenntnisse der Behavioral-Economics mitansehen, wie sich die Commitment-Schlinge bei jedem Einkauf immer enger um meine Familie zuzog. Nicht nur die Kinder nahmen die Rabattmarken jedes Mal von neuem wie einen separaten Gewinn wahr. Nein, es wurde auch noch mehr als sonst eingekauft, um schneller ans Ziel zu gelangen. Und als das Kärtchen schließlich vollgeklebt war, hatte ich mich trotz aller Bedenken geschlagen zu geben, weil meine älteste Tochter herausfand, dass das Spiel normalerweise an die 40 Euro kosten würde, so dass die ganze Sammelei nicht umsonst gewesen sein sollte. Was will man da sagen? Gut 15 Prozent Rendite, gemessen am Umsatz? Das war ein schlagendes Argument. Auch wollte ich einer 13-jährigen nichts über „sunk cost“ (versunkene Kosten) erzählen oder im Urlaub als Spielverderber dastehen. Ganz zu schweigen vom hohen Nutzwert des Spieles, das unser aller Allgemeinbildung nicht schaden würde, wie meine Frau befand. Damit nicht genug. Es gab natürlich auch noch billigere Spiele. Das günstigste für knapp zehn Euro, also für die Hälfte von „Trivial Pursuit“, ein wahres Schnäppchen! Bezogen auf den erforderlichen Mindestumsatz von 125 Euro entsprach dies allerdings nur einer Rendite von 8 Prozent, mit der ich mich wiederum, trotz Bankenkrise, nicht zufrieden geben wollte. Wenn wir schon Behavioral-Dummheiten machen, dann richtig, beruhigte ich mich.</p>
<p>Am Ende des Urlaubs hatten wir schließlich 60 Euro in drei Spiele investiert, von denen wir normalerweise bestenfalls eines gekauft hätten. Und sie alle liegen seit dem siebten Tag, an dem erstmals wieder die Sonne schien, sauber aufeinander gestapelt hoch oben auf dem Bücherschrank.</p>
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		<title>Sparbrötchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 06:52:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zugegeben, während meiner Geschäftsreisen übernachte ich gerne in guten Hotels. Wenn man große Teile des Jahres unterwegs ist, weiß man die Annehmlichkeiten des gehobenen Komforts und einen gewissen Grad an Luxus zu schätzen. In Düsseldorf steige ich daher gerne in einem erst vor drei Jahren eröffneten, ausgezeichneten Hotel ab, zumal die Übernachtungspreise dort, zumindest außerhalb [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben, während meiner Geschäftsreisen übernachte ich gerne in guten Hotels. Wenn man große Teile des Jahres unterwegs ist, weiß man die Annehmlichkeiten des gehobenen Komforts und einen gewissen Grad an Luxus zu schätzen. In Düsseldorf steige ich daher gerne in einem erst vor drei Jahren eröffneten, ausgezeichneten Hotel ab, zumal die Übernachtungspreise<span id="more-2819"></span> dort, zumindest außerhalb der Messezeit, im Vergleich zu anderen Fünf-Sterne-Häusern eher moderat ausfallen. Und so buchte ich unlängst eine Übernachtung inklusive kontinentalem Frühstück für 216 Euro. Im Preis inbegriffen waren alle alkoholfreien Getränke aus der Minibar sowie ein kleiner Obstteller zur Begrüßung bei der Ankunft. Selbst für den W-Lan-Anschluss wurden keine Extra-Gebühren berechnet, wie es in etlichen anderen Häusern dieser Preisklasse üblich ist.</p>
<p>Am nächsten Morgen betrat ich den Frühstücksraum. Gleich neben dem Eingang war ein prächtiges Buffet aufgebaut, mit Lachs und Krabbensalat, Roastbeef und Trüffelsalami, so dass mir regelrecht das Wasser im Munde zusammenlief. Voller Vorfreude auf ein ausgiebiges und wohlschmeckendes Frühstück nahm ich Platz. Der Kellner ließ nicht lange auf sich warten. &#8222;Darf es etwas Kaffee sein? Vielleicht auch ein Glas Orangensaft?&#8220; – Ich nickte. Nach kurzer Zeit kam der junge Mann zurück und platzierte direkt vor meinen Augen eine Etagère, deren unterste Ebene mit allerlei Marmeladengläschen gefüllt war. Ein Stockwerk höher waren hauchdünn geschnittene, matte Scheiben von rohem und gekochtem Schinken aneinandergereiht, während die oberste Platte mit knallgelben Schnittkäsescheiben verziert war. Sofort fühlte ich mich an das Schonkostmenü in einem Krankenhaus erinnert. Mit den Köstlichkeiten des opulenten Buffets gleich nebenan konnte dieses Arrangement jedenfalls nicht konkurrieren. &#8222;Was ist denn das Schönes?&#8220;, fragte ich mit leicht sarkastischem Unterton. &#8222;Ihr kontinentales Frühstück!&#8220;, erwiderte der Kellner. &#8222;Darf es noch eine Eierspeise sein?&#8220; Mir schwante nichts Gutes: &#8222;Das Ei ist aber nicht kontinental?“, fragte ich vorsichtig.&#8220; – „Nein, das gehört zum Buffet und kostet daher 16 Euro extra.“ „Ich soll also für ein Ei 16 Euro bezahlen?&#8220; Leicht genervt entgegnete der Kellner, ich könne doch Champagner trinken, das jedenfalls sei im Preis inbegriffen.</p>
<p>Sie können sich meine Gefühlslage vorstellen. Denn mein Referenzpunkt &#8222;Köstliches Frühstücks-Buffet&#8220; war in weite Ferne gerückt. Mit anderen Worten: Ich war hin- und hergerissen, wobei ich diese Dissonanz natürlich spielend leicht für einen Obolus von zusätzlichen und daher schmerzhaften 16 Euro sofort hätte beseitigen können. (Sie kennen mich: Natürlich habe ich es nicht ausgehalten und mir den Zugang zu Krabbensalat und Trüffelsalami erkauft.)</p>
<p><span style="font-size: small;">Und während ich es mir schmecken ließ, entwarf ich einen Brief an das Hotelmanagement, in dem ich erläuterte, dass ich sicher kein Problem damit gehabt hätte, wenn die Übernachtungsrate des Hotels zehn oder 20 Euro teurer gewesen wäre, vermutlich hätte ich es noch nicht einmal bemerkt. So aber hatte ich nach dem teuren Übernachtungspreis noch einen weiteren Verlust hinterhergeschoben bekommen, was mich nachhaltig verstimmte<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_edn1">[i]</a>. So sehr, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte, ob ich nicht beim nächsten Besuch in Düsseldorf dieses Hotel von Vornherein meiden sollte.       </span></p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ednref1">[i]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Tatsächlich werden zwei mentale Verlustkonten („Übernachtungskonto“ plus „Aufpreis-Konto) eröffnet, während ein höherer Übernachtungspreis incl. Büffet beim Gast auf einem einzigen mentalen Konnte verbucht würde, dessen höherer „Verlust“ längst nicht so schwer wie die beiden einzelnen in der Summe wiegen würde. </span></span></p>
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		<title>Ausgelöffelt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Aug 2011 06:10:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer (wie ich vor wenigen Wochen) mit Kindern in Italien Sommerurlaub macht, wird natürlich auch Eis essen gehen. Hierzulande ist das ein relativ einfaches Rechenexempel: Eine Kugel kostet 90 Cent oder einen Euro, mehrere Kugeln ein Mehrfaches davon. In Venedig sieht die Preisgestaltung indes ganz anders aus. Die haben sich wirklich etwas einfallen lassen, stellte [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small;">Wer (wie ich vor wenigen Wochen) mit Kindern in Italien Sommerurlaub macht, wird natürlich auch Eis essen gehen. Hierzulande ist das ein relativ einfaches Rechenexempel: Eine Kugel kostet 90 Cent oder einen Euro, mehrere Kugeln ein Mehrfaches davon. In Venedig sieht die Preisgestaltung indes ganz anders aus. Die haben sich wirklich etwas einfallen lassen, <span id="more-2276"></span>stellte ich schon bei meinem ersten Spaziergang auf dem Lido fest. Da blieb ich also mit meinen drei Kindern im Gefolge an einem Eisstand stehen, bei dem die erste Kugel 1,30, zwei Kugeln 2,00, drei 2,80 und vier Bällchen für 3,50 Euro angeboten wurden. In Anbetracht des Umstands, dass der Urlaub gerade erst begonnen und dies sicher nicht das letzte Eis, das wir verspeisen würden, bleiben sollte, hätte ich normalerweise für jeden von uns eine Kugel in der Waffel geordert. Doch mein Sohn rechnete blitzschnell nach und kam auf den stattlichen Betrag von 5,20 Euro für vier Personen. Sofort war mir klar, dass ich mich wieder einmal in einer Falle befand.</span></p>
<p><span style="font-size: small;">Die Preisstrategie der venezianischen Eisdiele erinnerte mich an meine Zeit als Devisenhändler, als ich immer wieder beobachten konnte, wie Kollegen bereit waren, zu einer Verlustposition weitere Engagements zu günstigeren Preisen hinzu zu mischen. Eine Strategie, die man landläufig auch als &#8222;verbilligen &#8220; bezeichnet und von der ich nichts halte, vor allem nicht, wenn man dann bei Erreichen des durchschnittlichen Einstandspreises die komplette Position glatt stellt, um ohne Verlust wieder aus der Geschichte herauszukommen. Deshalb wollte ich auch auf dem Lido meinen Prinzipien treu bleiben. Aber vier einzelne Eisportionen hörte sich für mich wie vier Verluste à 1,30 €, also richtig brutal an. Und so überwand ich meine üblichen Bedenken und entschied mich für eine Strategie, die mir eigentlich durch die Preisgestaltung der Eisdiele suggeriert worden war: Ich entschied mich, vier Kugeln in einem Becher für uns alle zusammen zu bestellen, womit ich mir den Effekt des Verbilligens auf meine Weise zunutze machte: Statt der 5,20 musste ich nur noch 3,50 Euro bezahlen. Das war günstiger als die 3,60 Euro, die ich in Frankfurt mindestens für vier Kugeln hätte bezahlen müssen.  Allerdings hatte dieser Trade einen gravierenden Nachteil, den wir wenige Schritte nach Verlassen der Eisdiele unmittelbar zu spüren bekamen: Wir vier hatten zwar dem Eisverkäufer ein Schnippchen geschlagen, besaßen aber nur einen Löffel, um das Eis gemeinsam zu verzehren. </span></p>
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		<title>Kinderreich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 08:57:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Waaas, mit drei Kindern zwei Wochen nach Venedig? Ist das nicht viel zu lang? Und das im Hochsommer? Ferien in einer Stadt? Ist das denn überhaupt Urlaub?“ Das war der Kommentar nicht nur eines Bekannten, den ich zu hören bekam, als ich mich mit meiner Familie vor ein paar Wochen in  die Sommerpause verabschiedete. Aber [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kinderreich/">Kinderreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">„Waaas, mit drei Kindern zwei Wochen nach Venedig? Ist das nicht viel zu lang? Und das im Hochsommer? Ferien in einer Stadt? Ist das denn überhaupt Urlaub?“ Das war der Kommentar nicht nur eines Bekannten, den ich zu hören bekam, als ich mich mit meiner Familie vor ein paar Wochen in  die Sommerpause verabschiedete. <span id="more-2090"></span>Aber ich möchte heute gar nicht über mein Lieblingsthema Neid schreiben. Sicher: Das kulturelle Vormittagsprogramm stellte für den sieben- bis zwölfjährigen Nachwuchs eine gewisse Herausforderung dar. Ansonsten war Venedig im Juni phantastisch, nicht zu heiß, wie unsere besorgten Freunde befürchtet hatten. Und auch ihre Sorge, der faulige Gestank der Lagune könne sich wie ein Pesthauch auf unsere Urlaubsstimmung legen, erwies sich als unbegründetes Vorurteil. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Eigentlich also ein perfekter Aufenthalt, wenn ich mich nicht an einem Tag so fürchterlich aufgeregt hätte. Es war unser erster Besuch bei der Biennale, Venedigs weltberühmter Kunstausstellung. Nicht dass ich mich über die langen Warteschlangen vor den wenigen Kassenhäuschen aufgeregt hätte. Vielmehr wunderte ich mich über die Preisgestaltung der Veranstalter. Nachdem mir die Dame am Ticketschalter klar gemacht hatte, dass heute so etwas wie mein ganz persönlicher Glückstag sei und mir eine Familienkarte zu 40 Euro anbot, war ich eigentlich gut gelaunt, da dies der Preis war, den normalerweise zwei Erwachsene alleine zu berappen gehabt hätten. Doch dann kam die kalte Dusche. Denn die Familienkarte galt nur für Familien mit bis zu zwei Kindern. Ich bedeutete der Kassiererin, dass ich aber drei Sprösslinge hätte. Daraufhin machte sie mir zwar in gebrochenem Englisch, aber dennoch unmissverständlich klar, dass wir leider ein Kind zu viel hätten und deshalb ein Extra-Eintritt von weiteren 12 Euro zu entrichten wäre. Vermutlich hätte sich jeder über diese nicht gerade kinderfreundliche Politik des Veranstalters geärgert. Doch auf meinen  verhaltensökonomisch aufgeklärten Verstand wirkte die nachträgliche Berechnung des dritten Kindes  wie ein separater (vgl. mentale Kontoführung), zusätzlicher Verlust, der den Preisvorteil der Familienkarte nicht nur wegen seiner großfamilienfeindlichen Komponente mental zunichtemachte. Sicherlich hätte ich nichts dagegen gehabt (vermutlich nicht einmal etwas davon gemerkt), wenn die Familienkarte stattdessen etwas teurer gewesen wäre. Dann hätte ich nur einen Verlust wahrgenommen und vor allem nicht dieses blöde Gefühl gehabt, ein Kind zu viel in die Welt gesetzt zu haben. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">P.S. „Hello Venice“, das familienfreundliche Wochenticket, das  Besuchern ermäßigten und schnelleren Eintritt in viele Museen, Sehenswürdigkeiten und Kunstsammlungen der Lagunenstadt ermöglicht, wird auf der Biennale natürlich ebenfalls nicht akzeptiert…</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kinderreich/">Kinderreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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