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	<title>Kognitive Dissonanz Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Nachgeliefertes Argument</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jul 2021 04:58:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Inflationsziel]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist gestern weitergegangen mit der Rallye an den US-Anleihemärkten, so dass die Rendite der zehnjährigen Papiere mit einem Tagestief von 1,25 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem 16. Februar gefallen war; damals wie heute lag die Realverzinsung ca. bei -0,95 Prozent[1]. Nimmt man als Rendite-Referenzpunkt für jene Anleihen dagegen das diesjährige Jahreshoch vom [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es ist gestern weitergegangen mit der Rallye an den US-Anleihemärkten, so dass die Rendite der zehnjährigen Papiere mit einem Tagestief von 1,25 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem 16. Februar gefallen war; damals wie heute lag die Realverzinsung ca. bei -0,95 Prozent<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[<span style="color: #000000;"><strong>1</strong></span>]</a>. Nimmt man als Rendite-Referenzpunkt für jene Anleihen dagegen das diesjährige Jahreshoch vom 30. März, muss man von einem Rückgang von über 50 Basispunkten sprechen. <img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13664" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/07/09072021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/07/09072021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/07/09072021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /><br />
</span></p>
<h3></h3>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Eine kleine Kapitulation</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Tatsächlich geht vor allem der Teil der Bondmarkt-Rallye, die sich während der vergangenen beiden Wochen ereignet hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto von Positionsverschiebungen, Stopp-Loss-Käufen, die sich auch gestern noch einmal – möglicherweise in Form einer kleinen Kapitulationsbewegung – verstärkt hatten (vgl. die Hintergründe dazu in meinem Kommentar <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2021/07/08/mehr-angst-als-argumente/" target="_blank" rel="noopener">HIER</a></strong></span>). Wie ich bereits gestern andeutete, fiel es den Akteuren zumindest anfangs schwer, eine wirklich schlagkräftige Begründung für diese dramatische Kaufwelle am Anleihemarkt zu finden. Vor allem, weil es eigentlich keine triftigen neuen makroökonomischen Daten gab, die eine derartige Entwicklung gerechtfertigt hätten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Neues Narrativ als Rechtfertigung</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun wissen wir aus der Finanzmarktpsychologie, dass Marktteilnehmer nicht lange mit solchen (kognitiven) Dissonanzen leben können. Vor allem diejenigen, die also die Notbremse gezogen und Positionsumschichtungen vorgenommen haben, brauchen Rechtfertigungen für ihre Transaktionen. Glaubte man vor ein paar Wochen noch an die Gefahr einer möglicherweise nicht mehr kontrollierbaren Inflation – jetzt spricht man wieder mehr von Reflation – und an ein nicht enden wollendes Wachstum infolge der Wiedereröffnung nach den Lockdowns, hat sich diese Sichtweise offenbar geändert. Das Narrativ von Wachstumsängsten macht plötzlich die Runde und hat zumindest gestern auch die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks zeitweise mitgerissen. Nur wegen einer Short-Squeeze, die ökonomisch ex post begründet werden musste.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EZB formuliert Inflationsziel</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Bemerkenswerterweise hat sich der US-Dollar gestern trotzdem nicht weiter befestigen können. Im Gegenteil. Ich glaube allerdings nicht, dass für die spiegelbildliche Euro-Nachfrage zum Greenback die gestrige Entscheidung der EZB, künftig ein mittelfristiges Inflationsziel von genau 2 Prozent – bislang lag das Inflationsziel „unter, aber nahe 2 Prozent“ – anzustreben, den Ausschlag gab. Wobei sich dieses neue Ziel explizit symmetrisch versteht, Abweichungen also sowohl nach unten als auch nach oben unerwünscht sind. Eine Entscheidung, die als Resultat einer 18 Monate andauernden grundlegenden Strategieüberprüfung gestern publiziert wurde. Nun hat der EZB-Rat schon unter seinem früheren Präsidenten Mario Draghi seit dem Jahr 2016 zunehmend die Symmetrie des Inflationsziels betont, so dass es schwer fällt, mit der gestrigen Konkretisierung des Inflationsziels an eine Überraschung zu glauben. Indes: Die EZB verzichtet im Gegensatz zur Fed auf die Formulierung eines durchschnittlichen Inflationsziels (Average Inflation Targeting).</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch wenn die Euro-Händler gestern offenbar darauf verzichteten, das wichtige Niveau von <strong>1,1765/70</strong> an der Unterseite auch noch in Angriff zu nehmen, bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrem kurzfristigen Abwärtstrend zumindest so lange unter Druck, wie <strong>1,1895/00 </strong>nicht überwunden wird.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> </span><a href="https://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/interest-rates/Pages/TextView.aspx?data=realyieldYear&amp;year=2021" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #000000;">https://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/interest-rates/Pages/TextView.aspx?data=realyieldYear&amp;year=2021</span></a></span></p>
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		<title>Der erste Verlust ist der kleinste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Mar 2021 05:49:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun kann man über Angela Merkel denken, was man will, aber ihr gestriger Schritt war nicht nur aus verhaltensorientierter Sicht bemerkenswert. Denn das Eingeständnis der Bundeskanzlerin, sie habe mit dem radikalen Lockdown über die Ostertage einen Fehler gemacht, verdient Respekt. Vor allem, weil Frau Merkel im Gegensatz zu vielen anderen Entscheidern als Politikerin Nummer 1 [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun kann man über Angela Merkel denken, was man will, aber ihr gestriger Schritt war nicht nur aus verhaltensorientierter Sicht bemerkenswert. Denn das Eingeständnis der Bundeskanzlerin, sie habe mit dem radikalen Lockdown über die Ostertage einen Fehler gemacht, verdient Respekt. Vor allem, weil Frau Merkel im Gegensatz zu vielen anderen Entscheidern als Politikerin Nummer 1 naturgemäß Entscheidungen mit einem extrem hohen Commitment, mit einer extrem hohen Bindung eingehen muss. Entscheidungen, die, sofern sie sich als suboptimal oder gar falsch herausstellen sollten, abgesehen von den materiellen, nur mit hohen psychischen Kosten, sprich unter erheblichen kognitiven Dissonanzen revidiert werden können. <img decoding="async" class="alignright wp-image-13266" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/25032021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/25032021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/25032021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Wege aus der kognitiven Dissonanz</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Viele Entscheider, auch an den Finanzmärkten, gehen lieber einen anderen Weg, um die Dissonanz, die sich aus offenbar fehlerhaften Entscheidungen und schal gewordenen Positionen ergibt, zu verringern. Man hält an ihnen fest und versucht – statt zu handeln –, diese immer wieder vor sich und anderen zu rechtfertigen. Die selektive Wahrnehmung und Verarbeitung von neuen Informationen hilft dabei enorm. Denn negative Nachrichten werden im Lichte eines Verlustes oder einer nicht nach Wunsch verlaufenden Entscheidung stark verkleinert, manchmal bis zur vollständigen Ignoranz, während Positives dagegen hervorgehoben und vergrößert wird. Mit der Folge, dass Verluste und Fehlentscheidungen manchmal über Wochen, Monaten oder gar Jahre ausgesessen werden. Immer in der Hoffnung, es werde sich noch einmal alles zum Guten wenden.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Schnell den Stopp-Loss gezogen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun kann man Angela Merkel nicht nachsagen, sie habe während ihrer jahrelangen Amtszeit nicht Dissonanzen ausgehalten, die ihr in Folge ihrer Entscheidungen und die kritische Reaktion der öffentlichen Meinung darauf, oftmals geschürt durch die Medien, häufig entgegengeschlagen sind. Man denke nur etwa an die Einwanderungspolitik der Kanzlerin und ihren legendären Satz dazu: „Wir schaffen das!“ Vielmehr ist durch die gestrige Rücknahme der Osterruhe und dem damit verbundenen Eingeständnis eine Art früher Stopp-Loss gezogen worden, frei nach dem händlerischen Motto, wonach der erste Verlust der kleinste ist.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Vorteil USA</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die hiesigen Märkte hat dies alles nicht sonderlich beeindruckt. Aber auf der anderen Seite gab es auch kaum stärkere Reaktionen auf ökonomisch positive Nachrichten. Die Rede ist von der ersten Schätzung der Einkaufsmanagerindices (Markit), die für die Eurozone, aber vor allem in Deutschland, sowohl beim verarbeitenden Gewerbe – ein Rekordwert – als auch bei den Dienstleistern positiv überraschten. Allerdings werden diese guten Daten vielerorts durch die dritte Covid-19-Welle und die unkoordinierten Antworten darauf überschattet. Inklusive der schleppenden Verimpfung der Bevölkerung. Es ist der unterschiedliche Umgang mit der Pandemie, der die Akteure an den Finanzmärkten zunehmend zu dem Schluss kommen lässt, dass die USA konjunkturell der EU davonlaufen könnte.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so hat sich der Euro gestern abermals abgeschwächt und gegenüber dem Greenback sogar ein neues Jahrestief markiert. Dabei ist es weniger die Geschwindigkeit des Kursrückgangs, die zum Nachdenken Anlass geben sollte. Denn das Momentum der Bewegung ist überschaubar. Vielmehr irritiert, dass die Gemeinschaftswährung seit zwei Tagen keine stärkeren Erholungsphasen mehr produziert. Damit bleibt der Euro in seinem kurzfristigen Abwärtstrend mit weiterem Schwächepotenzial in Richtung 1,1650. Eine erste Stabilisierung ist auf der anderen Seite nunmehr nach Überschreiten von <strong>1,1920</strong> möglich.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Bullish wider Willen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2020 04:54:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[BofA Fondsmanager-Umfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[V-förmige Erholung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern war es wieder einmal so weit: Die Bank of America veröffentlichte ihre monatlich erscheinende Fondsmanager-Umfrage.  Wie immer bot dieses Stimmungsbild wertvolle Einblicke in die gerade aktuelle Befindlichkeit der Fondsmanager, die sich am besten mit dem Motto „Bullish wider Willen“ beschreiben ließe. Und wenn die Bank in ihrer Analyse von einem brüchigen, nahezu neurotischen, aber keinesfalls gefährlichen Optimismus spricht, zeigt dies, in welch komplizierter Seelenlage sich die Fondsmanager befunden haben müssen, als sie ausgerechnet am vermutlichen Höhepunkt der Aktienrallye der vergangenen drei Monate befragt wurden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bullish-wider-willen/">Bullish wider Willen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1270)</strong>             Gestern war es wieder einmal so weit: Die Bank of America veröffentlichte ihre monatlich erscheinende Fondsmanager-Umfrage. Wohl gemerkt, die Umfrageergebnisse sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon fast eine Woche alt, denn die Erhebung fand bereits zwischen dem 5. und 11. Juni statt. Wie immer bot dieses Stimmungsbild wertvolle Einblicke in die gerade aktuelle Befindlichkeit der Fondsmanager, die sich am besten mit dem Motto „Bullish wider Willen“ beschreiben ließe. Und wenn die Bank in ihrer Analyse von einem brüchigen, nahezu neurotischen, aber keinesfalls gefährlichen Optimismus spricht, zeigt dies, in welch komplizierter Seelenlage sich die Fondsmanager befunden haben müssen, als sie ausgerechnet am vermutlichen Höhepunkt der Aktienrallye der vergangenen drei Monate befragt wurden.<img decoding="async" class="alignright wp-image-12142" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/06/17062020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/06/17062020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/06/17062020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Aktienmärkte gelten als dramatisch überbewertet, …</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Denn 78 Prozent der Investoren halten die Aktienmärkte für überbewertet – das ist der höchste Prozentsatz seit dem Jahr 1998. Gleichzeitig ging allerdings die Kassenquote seit der Mai-Befragung von 5,7 auf 4,7 Prozent zurück. Das dabei freigesetzte Geld ist natürlich den Aktienmärkten zugutegekommen. Und wenn man bedenkt, dass die Aktienengagements der Hedgefonds-Manager im gleichen Zuge von netto 34 auf 52 Prozent angezogen und damit den höchsten Stand seit September 2018 erreicht haben, könnte man durchaus von Umständen sprechen, die bei den befragten Investoren für kognitive Dissonanzen gesorgt haben dürften. Zumal nach wie vor nur ein kleiner Teil (18 Prozent, im Vormonat waren es 10 Prozent der Befragten) an eine von Ökonomen verfasste Story glaubt, die die jüngste Aktienmarktrallye rechtfertigen würde: die Fiktion von der V-förmigen Erholung der US-Ökonomie. Mehr als die Hälfte beschreiben die massiven Kursgewinne an den Aktienmärkten immer noch als Rallye in einem Bärenmarkt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… internationale Investoren kauften trotzdem</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Dennoch waren die Investoren insgesamt zum ersten Mal seit Februar dieses Jahres in Aktien übergewichtet. Auch stellt die Gefahr einer zweiten COVID-19-Welle immer noch das größte Extrem-Risiko bei den Befragten dar. Die Umfrageergebnisse zusammengenommen legen eigentlich nur einen Schluss nahe: Diejenigen, die tatsächlich ihre Kassenbestände verringert und dieses Geld in die Aktienmärkte gesteckt haben, taten dies mehrheitlich wahrscheinlich nicht, weil sie aus freien Stücken und zutiefst überzeugt über Nacht bullish geworden wären. Sondern weil sie gezwungenermaßen bullish werden <em>mussten</em>. Denn eine bearishe Positionierung wurde – obwohl fundamental und rational durchaus vertretbar – aufgrund der immer weiter anziehenden Aktienkurse schlichtweg zu teuer.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">… <strong>aber nicht aus freien Stücken</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ganz nebenbei bemerkt haben sich diese Käufe nicht etwa primär im US-Aktienmarkt abgespielt. Denn der Prozentsatz derjenigen Fondsmanager, der nach eigenen Angaben dort übergewichtet ist, hat sich mit netto 22 Prozent sogar gegenüber dem Vormonat geringfügig verringert. Stattdessen waren Papiere der Eurozone gefragt – dabei hatten wir im Vormonat noch eine Untergewichtung bei per Saldo 17 Prozent der Fondsmanager notiert. Im Juni gaben nämlich netto 7 Prozent der Befragten an, nunmehr in der Eurozone übergewichtet zu sein. Eine Verschiebung, die ich übrigens bereits vor drei Wochen (<span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/b7556121-9b1d-4dfe-bf2c-433eadadc940" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a></span>) anlässlich einer Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt vermutet hatte.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Euro hält nicht mit</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Während die Aktienmärkte jenseits des Atlantiks zur Eröffnung mit einem satten Plus aufwarteten, konnte der Euro im weiteren Verlauf des gestrigen Handelstages überhaupt nicht mithalten und musste sogar eine deutliche Einbuße hinnehmen. Teilweise las ich von plötzlich gestiegener Risikoaversion (Nordkorea, gestiegene COVID-19-Zahlen in den USA und China etc.). Indes: Die Hauptbewegung zugunsten des US-Dollar ereignete sich zeitgleich mit den bedeutend besser als von den Ökonomen im Mittel erwartet ausgefallenen US-Einzelhandelsumsätzen. Oder war es das Humphrey Hawkins Testimony, die turnusmäßig halbjährlich stattfindende Anhörung von Fed-Chef Jerome Powell (gestern vor dem Bankenausschuss des US-Senat), die zur Stärkung des Greenback beitrug? Wie auch immer: Der Dollar machte seinen Schwächeanfall vom Vortag gestern vorübergehend fast wieder wett. Und der Euro verlor wertvolles Momentum in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend, den wir derzeit zwischen <strong>1,1110/15</strong> und <strong>1,1490</strong> verorten.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong> </strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweise</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bullish-wider-willen/">Bullish wider Willen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Welt ohne Risiken?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Nov 2019 05:45:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[implizite Volatilität]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsirrtum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spürbar ist der Devisenhandel im Euro gegenüber dem Dollar seit Wochen immer ruhiger geworden. Offenbar hat das laufende Jahr das Zeug dazu, mit der niedrigsten Bandbreite seit Einführung der Gemeinschaftswährung beschlossen zu werden. Und noch nie hat es seit Einführung des Euro zum Dollar eine so niedrige implizite Volatilität für Währungsoptionen mit ein- und dreimonatiger Fälligkeit gegeben. Plötzlich wird vielen Beobachtern klar: Die Händler sind es scheinbar leid geworden, auf immer ähnlich lautende Nachrichten...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/welt-ohne-risiken-2/">Welt ohne Risiken?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0995)</strong>             Spürbar ist der Devisenhandel im Euro gegenüber dem Dollar seit Wochen immer ruhiger geworden. Offenbar hat das laufende Jahr das Zeug dazu, mit der niedrigsten Bandbreite seit Einführung der Gemeinschaftswährung beschlossen zu werden. Und noch nie hat es seit Einführung des Euro zum Dollar eine so niedrige implizite Volatilität für Währungsoptionen mit ein- und dreimonatiger Fälligkeit gegeben. Plötzlich wird vielen Beobachtern klar: Die Händler sind es scheinbar leid geworden, auf immer ähnlich lautende Nachrichten zu reagieren und sich mal gegen Brexit-Risiken, mal gegen irgendwelche positiven oder negativen Nachrichten vom US-chinesischen Handelskonflikt oder eine Wachstumsschwäche in der Eurozone abzusichern. Schon gar nicht vor Thanksgiving oder Weihnachten, wie man gestern lesen konnte.<img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-11369" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/11/28112019.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/11/28112019.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/11/28112019-96x300.jpg 96w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Historisch niedrige Volatilität</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ein Kommentator schrieb gestern bereits davon, dass die niedrige Volatilität zur Norm werden könnte. Bei solchen Äußerungen klingeln bei mir stets die Alarmglocken, wenn über Jahre bestehende Wertmaßstäbe plötzlich geändert werden oder gar von einem Paradigmenwechsel die Rede ist. Nicht selten ist dann ein Extrempunkt im laufenden Trend erreicht. Das sagt einem zumindest die Intuition – oder die Erinnerung. </span><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber sich auf die Erinnerung zu verlassen ist gerade in Timing-Fragen nicht ganz unproblematisch. Natürlich ist es reizvoll, gegen den Trend eine Behauptung oder gar eine Position zu eröffnen. Bei den Positionen stellt sich schnell heraus, ob sie sinnvoll waren. Eine falsche Meinung gerät dagegen schnell in Vergessenheit, vor allen Dingen in der eigenen Erinnerung. Die Menschen sind – laut Dissonanztheorie – Meister im Verdrängen unpassender Inhalte und Informationen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Man braucht sich nur die Crashpropheten der Aktienmärkte der vergangenen Jahre anzusehen. Von dieser Spezies gibt es viele, und sicher wird jemand von ihnen eines Tages sogar Recht bekommen, wenn das von ihm vorhergesagte Szenario wirklich eintritt. Das ist die beste Voraussetzung, um zum Finanzmarktguru zu werden. Oder man geht als Kontraindikator in die Geschichte der Finanzmärkte ein, weil man als Boulevardblatt das Pech hatte, gerade am Höhepunkt eines Aktientrends mit „Börsenfieber“ zu titeln. Farbiges wird (vgl. zum Verfügbarkeitsirrtum <span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2016/06/22/die-wohlfuehl-wahl/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a></span>) eben besonders leicht erinnert.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Informations-Overkill</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Vielleicht sind die Händler gestern aber einfach nur einem Overkill an wichtigen ökonomischen Daten erlegen, wie sie etwa für die USA publiziert wurden. Da kam kurz vor Thanksgiving einiges zusammen. Sei es die erste Revision des US-Wirtschaftswachstums für das dritte Quartal, das mit einem Plus von 2,1 Prozent (annualisiert) stärker als ursprünglich geschätzt ausgefallen war. Die von der Fed vorzugsweise für die Beurteilung der Inflation hinzugezogene Kernrate des Index der privaten Konsumausgaben (PCE) enttäuschte mit +1,6 Prozent (ggü. Vorjahr) im Oktober geringfügig. Aber das Datum wird nicht zu einer Neubewertung der geldpolitischen Situation führen. </span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die Aufzählung der restlichen, gestern publizierten Daten können wir uns eigentlich sparen, zumal ein Blick auf das viel beachtete Modell der Fed von Atlanta, GDPNow, zeigt: In Summa wird nun annualisiert ein Wachstum von 1,7 Prozent für das vierte Quartal – das bedeutet einen deutlichen Sprung von 1,3 Prozent gegenüber der vorherigen Berechnung vom 19. November – vorhergesagt. Zumindest was dieses Modell angeht, gibt es noch genügend Volatilität. Und die US-Ökonomie scheint gesünder, als wir alle dachten.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Trotz dieser Erkenntnis blieb der Euro auch gestern tendenziell nur leicht angeschlagen, wäre aber erst nach Überschreiten von <strong>1,1060/65</strong> wirklich aus dem Schneider. Unterdessen hat sich die Nachfragesituation an der Unterseite oberhalb von <strong>1,0925</strong> (modifiziert) sogar wieder etwas verbessert.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweise</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wegen des Thanksgiving-Wochenendes in den USA gibt es den nächsten „Dollar am Morgen“ erst am kommenden Montag.</span></p>
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		<title>Warum ich nie auf meine Tipps handele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Sep 2016 07:36:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Weitergabe von Informationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht selten werde ich gefragt, ob ich denn auf Finanzmarkt-Empfehlungen, die ich anderen gebe, eigenes Geld setzen würde. Wenn ich dies dann rundweg verneine, reagieren viele Menschen darauf zumindest verdutzt, wenn nicht gar abfällig oder empört. Nach dem Motto: Wie will der mich überzeugen, wenn er selbst nicht seinen eigenen Tipps vertraut? Was ein richtiger Experte [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht selten werde ich gefragt, ob ich denn auf Finanzmarkt-Empfehlungen, die ich anderen gebe, eigenes Geld setzen würde. Wenn ich dies dann rundweg verneine, reagieren viele Menschen darauf zumindest verdutzt, wenn nicht gar abfällig oder empört. Nach dem Motto: Wie will der mich überzeugen, wenn er selbst nicht seinen eigenen Tipps vertraut? Was ein richtiger Experte ist…</p>
<p>Es mag ja durchaus beruhigend sein, wenn man weiß, dass andere Menschen die gleichen Aktienengagements wie man selbst haben. Vor allem fühlt man sich besser, wenn man das Gefühl hat, der eigene Kundenberater der Hausbank oder besser noch der Experte in den Medien unterstreicht sein Reden auch noch mit Handeln.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>„Am Gewinne mitnehmen ist noch niemand gestorben“</strong></p>
<p>Kein Problem, solange die Vorhersagen richtig sind. Falls Sie dann (wenn überhaupt) Ihren Kundenberater anrufen, der das gleiche Engagement wie Sie hat, wird er Sie möglicherweise mit den Worten bestätigen, am Gewinne mitnehmen sei noch niemand gestorben. Im Zweifel wird er Sie aufgrund seines eigenen Commitments beim Gewinne mitnehmen sogar gerne begleiten.</p>
<p>Schwierig wird’s jedoch, wenn der heiße Tipp – auch das soll vorkommen – statt fetter Gewinne herbe Verluste zeitigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man zur Rückversicherung jetzt seinen Berater kontaktiert, ist im Gegensatz zur Gewinnsituation ungleich höher. Und weil der im selben Boot sitzt, verspürt er vermutlich genauso wenig wie Sie die Neigung, ausgerechnet jetzt zu Handeln – Verluste zu realisieren, kommt nicht in Frage. Im Gegenteil: Weil das Commitment, die Bindung an die ursprüngliche Entscheidung, mit dem Verlust sogar noch gestiegen ist, wird man aufkommende Dissonanzen lieber anders lösen: Man betet sich die Position gesund. Womöglich bestätigen sich Kunde und Berater gegenseitig mit den gleichen, selektiv wahrgenommenen Informationen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Auch Profis beten sich gesund</strong></p>
<p>Vom Gesundbeten der eigenen Position ist leider auch ein Profi nicht gefeit – der Einsatz mit eigenem Geld muss bezogen auf das eigene Vermögen nur hoch genug sein, und schon melden sich die typischen „Dissonanzverringerer“, die man schon los geworden zu sein glaubte, ganz schnell zurück. Das fatale ist nämlich, dass man den Prozess der selektiven Wahrnehmung als solchen an sich selbst oft nicht bemerkt. Auch ein Profi, der sich etwa gerade mit Aktien eingedeckt hat, wird nicht sagen, dass diese in Zukunft im Wert fallen werden. Ansonsten müsste er ja zugeben, eine nicht gerade optimale oder gar falsche Entscheidung getroffen zu haben. Und das wird selbst ein disziplinierter Händler, der mit einem Stopp-Loss arbeitet, frühestens dann zugeben, wenn letzterer gezogen worden ist.</p>
<p>Ich möchte, ehrlich gesagt, gar nicht erst in eine derartige Bredouille geraten, aus der es oft keinen Ausweg mehr gibt. Meine Position: Als Berater ohne eigenes materielles Commitment habe ich zumindest den großen Vorteil, Informationen nicht selektiv wahrnehmen und weitergeben zu müssen. Anders ausgedrückt: Ohne materielles Commitment kann ich es mir leisten, gegen den Strom zu schwimmen.</p>
<p>In der Tat bedeutet diese Zurückhaltung Verzicht auf manche „Perle“. Letztere gibt es aber auch in Märkten, in denen ich nicht regelmäßig andere Menschen berate. Zumindest möchte ich mir nicht nachsagen lassen, ich hätte womöglich nur einen Tipp gegeben, weil ich ein bestimmtes Papier ein paar Tage zuvor selbst ins Depot gelegt habe. Übrigens: In den vollen Genuss der so genannten Perle kommt man ohnehin nur, wenn man nicht über sie spricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.: Einen ähnlichen Beitrag habe ich vor rund sechs Jahren schon einmal unter meinem früheren Blog &#8222;blognition.de&#8220; publiziert. Er hat nichts an Aktualität verloren</p>
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		<title>Ein Whistleblower lehnt ab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2016 10:54:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-8827 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro-Kopie-300x114.jpg" alt="Fotolia Mikro Kopie" width="300" height="114" />Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, nicht nur, weil er als Kronzeuge Bilanzmanipulationen aufgedeckt, sondern vor allem, weil er anschließend – abhängig von der Strafzahlung der Bank – eine Belohnung in Höhe von 8,25 Millionen US-Dollar<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span>, die ihm die US-Wertpapieraufsicht SEC für diese Informationen zahlen wollte, abgelehnt hatte. Nach Angaben einer Zeitung begründete Ben-Artzi seine Weigerung, den ihm zustehenden Anteil an der Belohnung<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span> zu akzeptieren, damit, dass die Strafzahlung der Deutschen Bank die Falschen treffe. So müssten nicht die verantwortlichen Manager, sondern stattdessen Aktionäre und Angestellte der Bank, von denen derzeit etliche ihren Arbeitsplatz verlören, ihren Kopf hinhalten.</p>
<p>Mit Hilfe dieser hohen Belohnungen versucht man vor allen Dingen diejenigen auf den Plan zu rufen, die aus Angst vor Verlust ihrer materiellen Existenz bislang nicht bereit waren, gesetzwidriges Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten anzuzeigen. Denn ein Whistleblower verliert meist nicht nur seinen Job. Vielmehr läuft man Gefahr, auch danach als Verräter und Nestbeschmutzer gebrandmarkt zu werden, und so jemanden will auch kein anderes Unternehmen mehr einstellen. Besonders empfindlich reagiert die Finanzwelt auf derartige „Indiskretionen“. Das musste auch Eric Ben-Artzi erfahren. Mittlerweile ist er – immerhin – für ein israelisches Fintech Startup-Unternehmen tätig, wenn auch vermutlich zu einem Bruchteil seines früheren Gehalts. Auf jeden Fall hat sein selbstloses Verhalten für einiges Aufsehen gesorgt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Andersdenkende Angestellte</strong></p>
<p>So hob etwa Michael Skapinker in einem Kommentar für die „Financial Times“ hervor, wie sehr Whistleblowing dem Ruf eines Unternehmens schaden könne. Und wenn es erst einmal so weit gekommen sei, dass sich ein Mitarbeiter an die Öffentlichkeit statt an seinen Vorgesetzten wende, sei dies als Anzeichen für eine chronisch dysfunktionale Unternehmenskultur zu werten. Denn gesunde Unternehmen würden sich den Bedenken besorgter Angestellter weit früher, bevor die Probleme an die Außenwelt gelangten, annehmen. Tatsächlich seien Mitarbeiter, die mit den Praktiken ihres Arbeitgebers nicht übereinstimmten, wichtig für das Unternehmen. In diesem Zusammenhang verweist Skapinker auch auf eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></span>, die zu dem Ergebnis kommt, dass andersdenkende Angestellte zwar oft als nervig angesehen werden, sich aber gewissermaßen um das Unternehmen „kümmerten“. Solche Angestellten förderten und erhielten den guten Ruf ihres Arbeitgebers.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Soziale Normen entscheiden</strong></p>
<p>Ob Angestellte widersprechen, hängt jedoch davon ab, wie weit sie von Kollegen und Vorgesetzten dazu ermutigt oder für ihre Kritik bestraft werden. Und an dieser Stelle kommen die vorherrschenden sozialen Normen zum Tragen, also die Frage, wie diese selbst ihr Verhalten moralisch bewerten. Sicherlich wird jemand seine Handlungen kaum als unethisch einstufen, wenn er stets nur macht, was alle anderen tun. Ganz zu schweigen davon, dass Menschen nicht immer in der Lage sind, sobald sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden, dieses tatsächlich auch zu erkennen.</p>
<p>Kurzschulungen in ethischem Verhalten, Ethik-Hotlines oder ein Verhaltenskodex für Mitarbeiter, der diesen vorgibt, wie man bestimmte Grundwerte in der Praxis umsetzt, reichen jedoch nicht aus. Vielmehr müssen Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, ihre Bedenken mit Kollegen und Vorgesetzten ohne Furcht vor Repressalien besprechen zu können. Solange sich aber die sozialen Normen in den Unternehmen nicht ändern, vor allem weil Fehlverhalten der Verantwortlichen nicht sanktioniert wird, besteht für die Entscheider kein Anlass, umzudenken oder grundsätzlich etwas an ihrem Verhalten zu ändern.</p>
<p>Vorerst verursachen also geäußerte Bedenken eines besorgten Angestellten vor allem Dissonanz bei Kollegen und Vorgesetzten, die nicht einsehen, ihre bedenklichen moralischen Wertvorstellungen, die Grundlage der sozialen Normen sind, zu überdenken oder gar zu ändern. Und es ist jener Zustand der (kognitiven) Dissonanz, den Menschen nicht lange ertragen und dessen Ursache sie deshalb möglichst schnell beseitigen möchten.</p>
<p>Daran dürfte auch der Verzicht von Eric Ben-Artzi nicht viel ändern, mag er noch so vorbildlich sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> </span>Dieser Betrag errechnet sich aus den 55 Millionen US-Dollar Strafe, die die Deutsche Bank im vergangenen Jahr zahlen musste, wovon drei Whistleblowern – einer von ihnen war Ben-Artzi – 16,5 Millionen Dollar (30 Prozent der verhängten Geldbuße) als Belohnung zustanden</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a></span> Vgl. Internetausgabe der Financial Times vom 19. August 2016</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3"></a></p>
<p><span style="color: #008000;">[3]</span> International Journal of Business Communication: <a href="https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation">https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Auf ein Eis, Frau Staatsanwältin!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Sep 2014 15:03:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Prokrastination]]></category>
		<category><![CDATA[Rationalität]]></category>
		<category><![CDATA[Regretaversion]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlbefinden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es sind manchmal ganz banale Dinge, die größere Diskussionen auslösen können. So auch bei meiner Frau und mir. So gönne ich mir von Zeit zu Zeit ein Eis in der Tüte, wobei mir als kalorienbewusstem Menschen klar ist: Für mich dürfte es eigentlich nicht mehr als eine Kugel Mango-Fruchteis geben. Eigentlich keine schwierige Entscheidungssituation, könnte [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es sind manchmal ganz banale Dinge, die größere Diskussionen auslösen können. So auch bei meiner Frau und mir. So gönne ich mir von Zeit zu Zeit ein Eis in der Tüte, wobei mir als kalorienbewusstem Menschen klar ist: Für mich dürfte es eigentlich nicht mehr als eine Kugel Mango-Fruchteis geben. Eigentlich keine schwierige Entscheidungssituation, könnte man meinen. Aber wer sich mit italienischen Eisdielen auskennt, weiß, dass es beim Kauf von nur einer Kugel Eis oft ein Hörnchen gibt, das wie eine Papierwaffel anmutet. Bei zwei Kugeln besteht die Tüte dagegen meist aus einer wesentlich schmackhafteren und dickeren Waffelvariante. Deswegen entscheide ich mich meist dafür, zwei Kugeln beim Italiener um die Ecke zu ordern: Mango und noch einmal Malaga obendrauf. Natürlich hat eine Malaga-Kugel aus Milcheis wesentlich mehr Kalorien, aber da ich mir jedes Mal vornehme, nur diese zu verzehren und die Mango-Kugel bestenfalls einmal anzutesten und den Rest zu entsorgen, habe ich meinem in Kalorien bemessenen Gewissen zumindest halbwegs Genüge getan.</p>
<p>Meine so zurechtgelegte Welt, vor allem darauf ausgerichtet, möglichst künftigen kognitiven Dissonanzen (sprich: Regret, Bedauern) aus dem Weg zu gehen, ist jedoch seit gestern ins Wanken geraten. Denn zum Abendessen war unter anderem eine pensionierte Staatsanwältin zugegen, der ich meine Strategie präsentierte. „Das ist ja seltsam!“, wandte sie ein. Um sogleich fortzufahren: „Sie kaufen also zwei Kugeln Eis, um eine bessere Waffel zu bekommen, brechen aber den Verzehr auf halbem Wege ab und werfen das Eis samt Waffel weg? Wenn Sie konsequent handeln, kommen Sie demnach gar nicht erst dazu, das Hörnchen, um dessentwillen Sie die größere Eisportion gekauft haben, jemals zu genießen!“ Ich musste zugeben: Ich war vorgeführt bzw. der Irrationalität überführt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Augenblick potenziellen Wohlbefindens</strong></p>
<p>Wie konnte ich nur in eine solch peinliche Situation geraten? Ich, der Befürworter eiserner Disziplin und Rationalität, hatte nun die Wahl, entweder als irrational dazustehen oder der Willensschwäche überführt worden zu sein. Natürlich hatte Frau Staatsanwältin Recht, dass meine Strategie nicht besonders sinnvoll ist. Auch die meisten Ökonomen hätten ihr zugestimmt: Meine Eis-Kauf-Strategie war ökonomisch suboptimal. Geld für etwas zu bezahlen, was man am Ende gar nicht zu verbrauchen beabsichtigt.</p>
<p>Zum Glück gibt es ja auch noch Psychologen. Und die hätten mich wahrscheinlich verstanden. Denn man stelle sich nur einmal vor, wenn ich statt der ersten Malaga-Kugel auch noch peu à peu die Mangokugel abgeschleckt hätte. Das hätte mir natürlich zumindest mentale Bauchschmerzen bereitet, weil ich mehr Kalorien als erlaubt verbraucht hätte. Aber: Genau dieses negative Erlebnis wäre mir immerhin durch eine gute Eiswaffel wieder versüßt worden. Fühlt sich doch viel besser an als eine wässrige kalorienarme Mango-Kugel alleine mit einer schlecht schmeckenden Industriewaffel. Zumindest in der Gegenwart[1]. Und in der lebe ich und nehme manchmal sogar ganz bewusst in Kauf, die Disziplin zugunsten eines kurzen Gefühls des Wohlbefindens schleifen zu lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>[1] Entscheidungspsychologen würden nämlich einwenden, ich hätte zugunsten eines schnellen Wohlbefindens (Völlerei) in der Gegenwart einen Schaden in der Zukunft (Übergewicht) in Kauf genommen</p>
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		<title>Nichts für Kleinanleger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2014 11:42:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoins]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[Gier]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich gestern den Finanzteil der FAZ aufschlug, erschien mir die Welt der Finanzmärkte zumindest an diesem Tag als durch und durch schlecht. Denn die drei wichtigsten Überschriften handelten vom Debakel bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox, der Verurteilung des einstigen „Börsengurus“ Markus Frick und von Insider-Trading. Zu den Bitcoins hatte ich ja immer schon ein gespaltenes [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gestern den Finanzteil der FAZ aufschlug, erschien mir die Welt der Finanzmärkte zumindest an diesem Tag als durch und durch schlecht. Denn die drei wichtigsten Überschriften handelten vom Debakel bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox, der Verurteilung des einstigen „Börsengurus“ Markus Frick und von Insider-Trading. Zu den Bitcoins<span id="more-6962"></span> hatte ich ja immer schon ein gespaltenes Verhältnis gehabt und ich glaube auch nicht, dass die Ereignisse um die einst bedeutendste Bitcoin-Börse Mt.Gox vertrauensbildend für das Unternehmen Bitcoin gewesen sind. Denn was da geschehen ist, kann auch andernorts passieren. Gott sei Dank hat der Kurssturz an dieser Börse wahrscheinlich kein Heer von Kleinanlegern erwischt. Vielmehr dürften es erfahrenere Investoren gewesen sein, die hier ihr Glück versucht hatten. Und als regelmäßiger Leser meines Blogs werden Sie sich womöglich daran erinnern, dass auch ich im vergangenen Jahr kurz davor gestanden hatte (lesen Sie mehr dazu <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/muenzen-manie/">hier</a></span></strong> und <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/verpasste-gelegenheit/">hier</a>)</strong> </span>bei Mt.Gox Bitcoins, damals zum Stückpreis von 220 €, zu erwerben. Daraus ist glücklicherweise nie etwas geworden, aber ich kann mich noch gut erinnern, wie mir einer meiner Mitstreiter damals fast jeden Tag das von ihm für möglich gehaltene Kursziel von 5.000 bis 10.000 Euro pro Coin unter die Nase hielt. Als ob er mir immer wieder durch die Blume sagen wollte: „Hättest du doch nur auf mich gehört!“. Ja, ich gebe zu, das hat erhebliche kognitive Dissonanzen bei mir ausgelöst. Damit ist jetzt aber Schluss, denn ich weiß nicht, ob ich meine damals potenziell erworbenen zwei, drei Bitcoins tatsächlich jemals wieder gesehen hätte.</p>
<p>Markus Frick interessiert mich indes nicht so sehr, obgleich ich mich zu diesem Thema bereits im April 2011 (<strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/jenseits-von-gut-und-bose-todsichere-strategie/">hier</a></span></strong>) geäußert hatte und heute eigentlich erstaunt bin, wie viele Menschen Frick nach dem damaligen Gerichtsurteil offenbar dennoch wieder um sich scharen konnte. Offensichtlich unbelehrbare Jünger, die nicht nur seinen Worten gelauscht haben, sondern sicherlich auch das ein oder andere Engagement aufgrund der heißen Empfehlungen eingegangen sein dürften. Ja, Charisma gepaart mit hohem Gewinnversprechen lassen bei manchem Anleger anscheinend immer noch die Vernunft-Sicherungen durchbrennen.</p>
<p>Überlegter scheinen es indes die Anleger anzugehen, die die Börse Frankfurt allwöchentlich befragt und deren Stimmung mein Kollege Gianni Hirschmüller (<strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+verhaltener+dax+ruecksetzer+zieht+sofort+kaeufer+an+64369">hier</a></span></strong>) kommentiert hat. Denjenigen, die sich an dieser Stelle in der Vergangenheit über die Erkenntnisse der Detailanalyse informiert haben, muss ich leider mitteilen, dass diese Daten ab sofort nicht mehr erhoben werden. Dies ist umso bedauerlicher, da die Ergebnisse dieser zusätzlichen Befragung einen erheblichen Beitrag zur Qualität unserer Behavioral Finance orientierten Analysen geliefert haben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/nichts-fuer-kleinanleger/">Nichts für Kleinanleger</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Späte Rechnung</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/spaete-rechnung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jan 2014 07:42:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Madoff]]></category>
		<category><![CDATA[Ponzi-Schema]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun muss also die Hausbank des Milliardenbetrügers Bernard Madoff[1], JPMorgan Chase, fast 2,6 Milliarden US-Dollar bezahlen, wenn sie langwierige Gerichtsverfahren vermeiden möchte. Immerhin geht ein Großteil davon an die US-Behörden, die damit 1,7 Milliarden Dollar erhalten, um Entschädigung an Madoff-Opfer leisten zu können. Verglichen mit den 9 Milliarden Dollar Schadensersatz, die Bernard Madoff‘s Konkursverwalter Picard [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun muss also die Hausbank des Milliardenbetrügers Bernard Madoff<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, JPMorgan Chase, fast 2,6 Milliarden US-Dollar bezahlen, wenn sie langwierige Gerichtsverfahren vermeiden möchte. Immerhin geht ein Großteil davon an die US-Behörden, <span id="more-6842"></span>die damit 1,7 Milliarden Dollar erhalten, um Entschädigung an Madoff-Opfer leisten zu können. Verglichen mit den 9 Milliarden Dollar Schadensersatz, die Bernard Madoff‘s Konkursverwalter Picard Irving vor rund drei Jahren von mehreren europäischen Banken verlangte, scheint dies ein angemessener Betrag zu sein. Seinerzeit verwies die 165 Seiten umfassende Anklageschrift gleich auf mehrere Ungereimtheiten hin: So sollen zum Beispiel offensichtliche Widersprüche in Madoff‘s Kontoauszügen schlichtweg übersehen worden sein. Angeblich war niemandem aufgefallen, dass Handelsdaten auf einen Samstag fielen oder abgerechnete Kurse außerhalb der täglichen Handelsspannen lagen. Und auch um die auffallend hohen Handelsvolumina schien sich niemand zu scheren. Ich selbst habe mich seinerzeit (<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/reine-spekulation/">hier</a>) zu dem Fall aus einem psychologischen Blickwinkel heraus geäußert.</p>
<p>Interessehalber habe ich mir daher auch die Vereinbarung über die Aussetzung der Strafverfolgung, die das US-Justizministerium mit JPMorgan Chase am 6. Januar 2014 abgeschlossen hatte, etwas genauer angesehen. Besonders spannend finde ich den Anhang C dieses so genannten <i>Deferred Prosecution Agreement<a title="" href="#_ftn2"><b>[2]</b></a></i>, in dem über 80 Fakten festgehalten wurden. Darin erfährt man etwa, dass bereits Mitte September 2008, in Folge des Lehman-Zusammenbruchs, der Leiter des globalen Aktienhandels von JPMorgan seine Leute dazu angehalten haben soll, die Engagements mit Hedgefonds deutlich zu reduzieren. Doch noch brisanter finde ich in diesem Zusammenhang eine ausführliche E-Mail, die ein für Risikoprüfungen zuständiger Analyst am 16. Oktober 2008 an seinen Chef gesendet hat. Darin konstatiert dieser, dass ihn verschiedene Dinge an der [Madoff]-Geschichte nervös machen würden. Auch von der Furcht der Fondsmanager vor Madoff ist die Rede. Anscheinend wagte es niemand, unbequeme Fragen stellen, solange nur die Performance gut ausfiel. Da erübrigt es sich fast schon, sich darüber aufzuregen, dass der Vorgesetzte auf das Memo vom 16. Oktober mit dem lapidaren Hinweis reagierte, lang laufende Pyramidensystem habe es schon immer gegeben. Aber, so der fast schon spöttisch anmutende Vorschlag, man solle doch einmal Madoff Securities in New York besuchen, um herauszufinden ob es sich nicht um eine Autowaschanlage handele.</p>
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<p><b>Erfolg macht unantastbar</b></p>
<p>Viel gravierender ist jedoch wieder einmal der unterschiedliche Umgang der Menschen mit Gewinnen und Verlusten, der es möglich machte, dass Bernard Madoff offenbar für lange Zeit als unantastbar galt. Denn kritische Fragen und Nachforschungen gab es erst, nachdem dessen große Verluste offenkundig und ausweichlich geworden waren. Bis dahin wurden etwaige Ungereimtheiten von Bankern und Fondsmanagern als dissonant empfunden, weshalb sie auch dazu neigten, vorliegende wichtige Informationen und Nachrichten zu verdrängen, zu verharmlosen, ins Lächerliche zu ziehen oder gar ganz zu ignorieren. Vor allem, wenn diese den Status quo, den Verlust eines wichtigen Kunden, bedrohten. Dabei geht es nicht einmal nur um die damit möglicherweise bedrohten Boni. Wer solches Fehlverhalten aufdeckt, muss im Zweifel nicht nur um seinen eigenen, sondern sogar um den Arbeitsplatz und die vielen daran hängenden Familienschicksale der Kollegen bangen. Wäre ein Schweigen damit sogar ethisch vertretbar? Vielleicht hätte sich das Ponzi-Schema eines Bernard Madoff – dann wahrscheinlich mit noch viel höheren Verlusten –  sogar noch länger am Leben erhalten, wenn es den Zusammenbruch von Lehman Brothers nicht gegeben hätte.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Madoff war für das größte Ponzi-Schema der Geschichte verantwortlich, das schließlich im Dezember 2008 zusammenbrach</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> <a href="http://www.justice.gov/usao/nys/pressreleases/January14/JPMCDPASupportingDocs/JPMC%20DPA%20Packet%20%28Fully%20Executed%20w%20Exhibits%29.pdf">http://www.justice.gov/usao/nys/pressreleases/January14/JPMCDPASupportingDocs/JPMC%20DPA%20Packet%20%28Fully%20Executed%20w%20Exhibits%29.pdf</a></p>
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		<title>Verpasste Gelegenheit</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/verpasste-gelegenheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Nov 2013 08:38:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoin]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[psychische Kosten]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist viel passiert, dachte ich mir, als ich vorgestern den Preis der Bitcoins auf 900 US-Dollar springen sah. Das war mehr als eine Vervierfachung im Vergleich zum sagenhaften Donnerstag vor nicht einmal 14 Tagen, als ich mir darüber den Kopf zerbrach, ob ich bei 220 US-Dollar pro BTC einsteigen sollte. Jaja, ich hätte nicht [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist viel passiert, dachte ich mir, als ich vorgestern den Preis der Bitcoins auf 900 US-Dollar springen sah. Das war mehr als eine Vervierfachung im Vergleich zum sagenhaften Donnerstag vor nicht einmal 14 Tagen, als ich mir darüber den Kopf zerbrach,<span id="more-6713"></span> ob ich bei 220 US-Dollar pro BTC einsteigen sollte. Jaja, ich hätte nicht nur auf meinen Kompagnon Herman hören sollen (ich hatte <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/muenzen-manie/">hier</a> darüber geschrieben), sondern auch auf meinen Bauch. Einmal nur, ausnahmsweise. „Ich habe dir doch gesagt, dass man Bitcoins haben muss!“ hallt mir Hermans Stimme immer noch in  meinen Ohren. Habe ich jetzt eventuell die Chance meines Lebens verpasst? Wo sogar Fed-Chef Ben Bernanke unlängst eingeräumt hat, dass digitale Währungen langfristig vielversprechend sein könnten.</p>
<p>Aber immerhin hatte ich ja noch meinen Verstand, um die kognitive Dissonanz, die sich aus dem entgangenen Gewinn ergeben hatte, schnellstmöglich zu reduzieren. Und weil ich mich immer an den Grundsatz halte, nie das ganze Vermögen auf ein Pferd zu setzen, hätte ich Bitcoins ohnehin immer nur als Risiko-Beimischung zu meinem Portfolio verstanden. Nein, mehr als zwei oder drei virtuelle Münzen  – immer den möglichen Totalverlust dieses Investments im Auge – hätte ich sowieso nicht gekauft. So gesehen, wäre ich über Nacht auch nicht richtig reich geworden, beruhigte ich mich immer wieder. Auch kam mir ein Internet Artikel von Forbes gerade wie gerufen, worin es darum ging, dass US-Banken offenbar keine Konten für Bitcoin-Startups und -Unternehmen eröffnen wollen. Gott sei Dank hat es vorgestern Nacht einen Crash bei Bitcoins gegeben, wobei diese innerhalb von Minuten über 30 Prozent ihres Werts verloren (um sich dann wieder um 30 Prozent zu erholen und wieder zu fallen und so weiter). Das relativiert einiges.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Psychische Kosten erhöhen Commitment</b></p>
<p>Aber warum rege ich mich überhaupt so auf, wenn ich doch gar nichts gekauft habe? Es war eben dieses neuerliche Gespräch, das ich mit Herman führte, just in dem Moment, als die Bitcoins am 18.11. zum ersten Mal die 600-Dollar-Marke streiften. Dieses: „Hab ich dir‘s nicht gesagt?“ nagte in mir solange, bis ich mich traute, meinen Kompagnon zu fragen, ob <i>er</i> denn Bitcoins gekauft habe. „Nein“ erwiderte er gelassen und fügte hinzu: „Aber du empfindest mehr Reue als ich. Im Gegensatz zu mir hattest du doch schon ein Konto bei Mt.Gox angelegt, und wer weiß, was passiert wäre, wenn Du den Personalausweis für dessen Aktivierung zur Hand gehabt hättest!“</p>
<p>Tatsächlich hat Herman Recht: Mein Commitment war, obwohl ich wie er nicht einen einzigen Bitcoin gekauft hatte, höher als seins. Allein die Zeit für meine Recherchen und das langwierige Abwägen eines möglichen Kaufs sind zumindest unter dem Posten „psychische Kosten“ als Commitment zu verbuchen. Und diese Bindung im Vorfeld einer Entscheidung kann bereits so hoch sein, dass mancher Anleger, obwohl er eigentlich Zweifel an seinem Investment hegt, dieses dennoch tätigt. Nach dem Motto: Die ganze Anstrengung soll doch nicht um sonst gewesen sein.</p>
<p>Wer sich indes wie ich dafür entschieden hat, keine Bitcoins zu kaufen (nichts zu tun ist auch eine Entscheidung) sollte nicht so häufig zurückblicken. Denn es hat schon manch einen gegeben, dem die Reue über einen nicht vollzogenen Kauf so zugesetzt hat, dass er diesen später doch noch unbedingt nachholen musste. Aber dann zu aberwitzigen Preisen.</p>
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