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	<title>Homo oeconomicus Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Lebenslänglich?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2014 15:32:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Dissonanzverringerung]]></category>
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		<category><![CDATA[Sparmaßnahmen]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit vielen Jahren schon bin ich Mitglied einer Fitness-Kette, die man wohl als erste Adresse am Bankenplatz Frankfurt bezeichnen darf. Und wer wie ich jede Woche regelmäßig etwas für seine Kondition tut, bekommt zwangsläufig Höhen und Tiefen eines derartigen Unternehmens mit. So kann ich mich noch gut daran erinnern, wie vor ein paar Jahren einem Bekannten und mir eine lebenslange Mitgliedschaft zum damals durchaus attraktiven Preis von 4.000 Euro angeboten wurde. Abgesehen davon, dass wir uns damals, Mitte 2008, bereits in der Immobilienkrise befanden und es für mein Sportstudio kein Kredit-Rating gegeben hatte, hegte ich durchaus noch andere Bedenken. Mir war es einerlei, ob die Betreiber der Sportstudio-Kette auf diese Weise schnell und zinslos Liquidität von ihren Kunden zur Verfügung gestellt bekamen. Mittlerweile hat sich das Investment meines Bekannten bei einem Monatsbeitrag von 80 bis 100 Euro für treue Mitglieder ohne Zinseffekte ja durchaus amortisiert. Ich selbst hingegen hatte mich aus – wie sich später herausstellte – unbegründeten Bedenken, mein Vertragskontrahent könne womöglich eines Tages ausfallen, gegen ein derartiges Commitment entschieden. Trotz aller ökonomischen Vorteile: Die psychische Bindung an solche Verträge ist zwangsläufig lebenslänglich, weil die Mitgliedschaft nach der Amortisation quasi kostenlos ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schadensersatz wegen Falschberatung</strong></p>
<p>„Von einem Schadensersatzprozess wegen Falschberatung will ich jetzt einmal absehen“, scherzte unlängst mein Bekannter, ein Volkswirt, dem ich damals von einem derartigen Investment abgeraten hatte. Ich sei doch schon genug gestraft, jeden Monat mittlerweile mehr als 100 Euro an Mitgliedsbeiträgen abdrücken zu müssen.</p>
<p>Mittlerweile habe ich nämlich in ein anderes Studio der Kette, das sich in einer großen Shopping-Mall in der Frankfurter City befindet, gewechselt, doch bin ich dort alles andere als zufrieden mit den Gegebenheiten. Denn es ist etwas eingetreten, das mein lieber Freund, der Volkswirt und durch und durch rationale homo oeconomicus von nebenan bei allen Gewinnmaximierungsbestrebungen völlig ausgeblendet hatte: Die Sauberkeit des Studios lässt seit Monaten zu wünschen übrig. Verdreckte Geräte sind an der Tagesordnung, und selbst unappetitliche Haare auf den Cross-Trainingsmaschinen musste ich schon entdecken. Und von den Deckenbeleuchtungen hängen trotz meiner unermüdlichen Intervention bei der Geschäftsleitung und der regionalen Betreuung immer noch eklige Staubgirlanden herab. Immer wieder wird mir gegenüber Abhilfe versprochen und Besserung gelobt. Aber nichts passiert. Stattdessen erhalte ich vom Personal so zweckdienliche Ratschläge wie “Dann gehen Sie doch in ein anderes Studio unserer Gruppe!“ Was ich tatsächlich ausprobiert habe, aber in einem der Pendants war‘s um die Sauberkeit nicht viel besser bestellt. Staubflusen in der Herrenumkleide, eine versiffte Wäscheschleuder und so weiter und so fort. Die Mitarbeiter der Reinigungsfirma befänden sich momentan im Streik, aber zum Monatsende habe man sich um eine neue Firma bemüht, erklärte mir die dortige Studio-Chefin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sparen bis auf die Knochen</strong></p>
<p>Man könne nicht viel gegen diese Zustände unternehmen, man tue, was man kann, versprachen mir Leitung und Trainer unisono. Hinter vorgehaltener Hand wispern einem die Angestellten dann noch zu, dass das Management in Deutschland ja gar nichts für diese Zustände könne, man kämpfe geradezu heroisch gegen den Dreck, den der derzeitige Umbau des Studios verursache. Auf meinen Einwand hin, es sei auch schon vor dem Umbau nicht allzu sauber zugegangen, verwies man auf die Klimaanlage. Ja, die sei eine regelrechte Dreckschleuder. Außerdem, so wurde mir ebenfalls geheimnistuerisch zugeraunt, seien die von der Zentrale im Ausland bewilligten Budgets zu knapp bemessen. Hat die Nähe zu den Bankentürmen etwa abgefärbt? Sparen bis zum Beinahe-Zusammenbruch?</p>
<p>Im Gegensatz zu meinem guten Bekannten könnte ich wegen dieser Mängel vermutlich sogar fristlos kündigen. Aber der gute Volkswirt hat ja schon für seine lebenslängliche Mitgliedschaft bezahlt und möchte jetzt natürlich auch bis an das Ende seiner Tage das für ihn mittlerweile kostenlose Training ausnutzen. Ein Studiowechsel kommt für ihn daher natürlich nicht infrage: „Dafür dass es nichts kostet, kann man schon mal über den Dreck hinwegsehen!“ Hoffentlich muss er das nicht lebenslänglich, dachte ich mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Erben bringt Scherben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2014 12:49:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Erbschaftssteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Erwartungswert]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Overconfidence]]></category>
		<category><![CDATA[Steuervorteil]]></category>
		<category><![CDATA[Zugewinn]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Traf unlängst wieder einmal Freund K., der mir von seinem weit entfernten Nenn-Onkel erzählte. Alt und gebrechlich, wenn nicht sogar ein wenig dement sei dieser mittlerweile geworden, erzählte er mir betrübt. Umso trauriger, dass „Onkelchen“ auch noch ganz alleine ist, weil seine Frau vor zwei Jahren verstarb und es keine Kinder oder andere nahe Verwandte [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Traf unlängst wieder einmal Freund K., der mir von seinem weit entfernten Nenn-Onkel erzählte. Alt und gebrechlich, wenn nicht sogar ein wenig dement sei dieser mittlerweile geworden, erzählte er mir betrübt. Umso trauriger, dass „Onkelchen“ auch noch ganz alleine ist, weil seine Frau vor zwei Jahren verstarb und es keine Kinder oder andere nahe Verwandte gibt, die sich um ihn kümmern könnten. Was blieb dem guten K. da anderes übrig, als sich selbst des armen alten Onkels anzunehmen? Doch hat er sich damit wirklich viel aufgebürdet, denn der angeheiratete Oheim wohnt Hunderte von Kilometern von K.‘s Wohnort entfernt, immerhin aber in einem Pflegeheim, so dass er jedenfalls gut versorgt ist. Also machte sich K. einmal im Monat auf, um seinen entfernten  Verwandten zu besuchen und um nach dem Rechten zu sehen.</p>
<p>Anfangs geschah das bestimmt aus reiner Nächstenliebe, doch mit der Zeit entwickelte sich sogar eine gewisse Zuneigung, die bei K. noch größer werden sollte, als er erfuhr, der liebe Onkel wolle ihn in seinem Testament bedenken, damit nicht der Staat alleine alles erben würde. K. ging die Sache einerseits mit einem gewissen Tempo an, da man nicht wissen konnte, wie lange der Onkel angesichts der sich immer deutlicher abzeichnenden Demenz noch in der Lage wäre, ein notarielles Testament zu unterschreiben. Andererseits nahm sich K. noch so viel Zeit, sich steuerlich und juristisch beraten zu lassen. Denn die Erbschaftssteuer würde im Fall des Falles unbarmherzig zuschlagen, wie K. mir erläuterte. 500.000 Euro wären ja ein schönes Vermächtnis in spe, wenn da nicht ein Steuersatz von 30 Prozent in Ansatz gebracht würde, sinnierte er unlängst beim gemeinsamen Mittagessen mit mir. Aber immerhin gäbe es einen Freibetrag von sage und schreibe 20.000 Euro, weswegen K. seine liebe Ehefrau gleich mit ins Boot nahm, um so im Sinne einer Optimierung der künftigen Familienfinanzen den doppelten Steuerfreibetrag geltend machen zu können.</p>
<p>Ich bin weder Steuerfachmann noch Jurist, aber über den Daumen hätte dies eine Steuerersparnis von zwölf statt 6.000 Euro bedeutet. Doch jedes Mal, wenn ich in Deutschland von Steuervorteilen höre, schrillen bei mir sogleich die Alarmglocken. Sei es, dass es um irgendwelche Immobiliengeschichten oder bestimmte Fonds ging – ich kenne viele, die mir von den tollen Schnippchen erzählt haben, die man dem Fiskus ganz legal schlagen könne. Aber ich kenne niemanden, der per Saldo mit solchen Investments über die Jahre verlustfrei geblieben oder gar mit einer satten Rendite herausgekommen wäre.  Aber bei K. lag die Geschichte ein bisschen anders.</p>
<p><b> </b></p>
<p><b>Späte Reue – oder erben mit dem Homo oeconomicus</b></p>
<p>So geriet mein Freund beim heutigen Mittagessen ins Grübeln und sagte, die Idee, seine Frau mit ins Erbenboot zu nehmen, sei wohl doch nicht so gut gewesen. Nicht weil K. seine Frau (oder sie ihn) demnächst verlassen wolle. Aber im unwahrscheinlichen Falle einer Scheidung nach dem Hinscheiden des Onkels würde das ganze Erbe in den Zugewinn fallen und müsste dann wohl geteilt werden. „Das wäre tragisch“, bemerkte ich, denn ich glaube zu wissen, dass Ererbtes und Geschenktes nicht zum Vermögen zählen, das während der Ehe erwirtschaftet wurde, weswegen der Ehepartner, sofern er <i>nicht</i> im Testament bedacht war, von diesem Geld auch nichts bekäme.</p>
<p>Ich merkte, wie K. zu zweifeln begann, ob sich die ganze Geschichte mit dem gewonnenen Freibetrag denn überhaupt noch rechnen würde. Ich schlug ihm vor, doch wie ein Homo oeconomicus vorzugehen: Multipliziere den durch Zugewinn entgangenen Betrag aus der Erbschaft mit der Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe geschieden werden muss. K. multiplizierte schnell 250.000 Euro (die Hälfte der erwarteten Erbschaft) mit der von ihm geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit von 1 Prozent dieses fürwahr unerfreulichen Ereignisses. Und er stellte erleichtert fest, der Steuervorteil sei doch größer.</p>
<p>„Aber“, erwiderte ich mit meiner verhaltensorientierten Denke,  „die Eintrittswahrscheinlichkeit einer eigenen Scheidung unterschätzt man ganz leicht, weil man zu großes Vertrauen in die eigenen Kontrollmöglichkeiten setzt. Aber abgesehen davon riet ich K., er solle sich nicht so sehr den Kopf über ungelegte Eier zerbrechen, denn glücklicherweise sei der Onkel doch noch am Leben, und darüber müsse man doch vor allem froh sein. K. nickte &#8211; und schwieg. Sein Blick war abwesend.</p>
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		<title>Gesegnete Weihnachten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Dec 2013 13:39:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[begrenzte Ethik]]></category>
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		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich gehe vor Weihnachten nur ungern in die Stadt. Aber unlängst musste ich mich dann doch mal durch die Menschenmassen durchkämpfen. Und dann sah ich sie wieder. Vornehmlich junge Menschen, voll bepackt mit Primark-Taschen. Weil deren Kleidung cool, zum Wegwerfen billig und immer up to date sein soll. Eine Stunde später lese ich in der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gehe vor Weihnachten nur ungern in die Stadt. Aber unlängst musste ich mich dann doch mal durch die Menschenmassen durchkämpfen. Und dann sah ich sie wieder. Vornehmlich junge Menschen, voll bepackt mit Primark-Taschen. Weil deren Kleidung cool, zum Wegwerfen billig und immer up to date <span id="more-6808"></span>sein soll. Eine Stunde später lese ich in der heutigen Ausgabe der FT über Ereignisse, die Asien in diesem Jahr massiv beeinflussten. Über die Abenomics in Japan, über radikalen Reformen in China, über den eskalierten Streit zwischen Japan und China um ein  paar kleine Inseln im ostchinesischen Meer. Und über Rana Plaza in Bangladesch, wo der Einsturz eines Gebäudes 1.129 Menschen, überwiegend Textilarbeiterinnen, das Leben kostete. Ja, das war in 2013! Aber das scheint viele Verbraucher hierzulande (wie auch vermutlich anderswo) kaum zu beeindrucken, wie im Oktober eine ZDF-Dokumentation zeigte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>In der klassischen Morallehre wird unterstellt, dass Menschen ethische Dilemmata erkennen und darauf bewusst reagieren. Daraus folgt, dass ihrer Annahme nach unethische Handlungsalternativen mit Absicht gewählt werden. Ähnlich also wie in der Ökonomie, wo dem Menschen eine absolute Rationalität unterstellt wird.</p>
<p>Die Anhänger der Behavioral Economics sprechen dagegen vorzugsweise von begrenzter Rationalität (<i>bounded rationality</i><a title="" href="#_ftn2">[2]</a>), weil sie davon ausgehen, dass Menschen bei ihren Entscheidungen durch ihre kognitiven Beschränkungen beeinflusst werden. Und so wundert es nicht, wenn es dazu analog die Theorie einer begrenzten Ethik (<i>bounded ethicality</i><a title="" href="#_ftn3">[3]</a>) gibt.    </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Begrenzte Ethik</b></p>
<p>Die begrenzte Ethik geht davon aus, dass unethisches Verhalten meist nicht intentional geschieht. Denn unsere ethischen Urteile basieren häufig auf Ursachen, die außerhalb des Bewusstseins liegen. So beschäftigt sich die verhaltensorientierte Entscheidungstheorie zunächst mit den Zielkonflikten, die entstehen, wenn Entscheider zwischen verschiedenen Handlungsoptionen wählen müssen. Das können auch verschiedene Produkte sein. Soll ich ein preisgünstiges T-Shirt oder ein teures Markenbekleidungsstück kaufen? Werde ich, rein ökonomisch betrachtet, erleben müssen, wie das billige Shirt schon nach kurzer Zeit in seine Einzelteile zerfällt während der Markenartikel möglicherweise länger hält?<i> </i></p>
<p>In ethischer Hinsicht bedeutet dies jedoch, dass ich den persönlichen Nutzen auch noch gegen einen möglichen gesellschaftlichen Schaden abwägen muss. Vielleicht sollte man sich dann die Frage stellen, warum ein T-Shirt einer großen Handelskette so billig angeboten wird. Wie kann es denn sein, dass ein Kleidungsstück, das im fernen Bangladesch hergestellt, nach Deutschland transportiert wurde und letztlich in einem Geschäft mit vielen Angestellten, entsprechender Werbung etc. landete, nur ein paar Euro kostet? Längst scheinen sie vergessen, die Bilder einer einstürzenden Fabrik in Bangladesch, das Foto eines toten, sich im Schutt der Trümmer umarmenden Paares, wenn man die Menschenmassen sieht, die völlig unbeeindruckt nach wie vor in die Läden der betroffenen Kette strömen. Hatte man sich nicht vorgenommen, das nächste Mal nicht mehr einen solchen Laden zu betreten? Aber schon ein paar Tage später geschieht es dann eben doch: Es war ja nur ein billiges T-Shirt, eine Jeans, die einen ins Auge gefallen ist.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="http://news-tresor.blogspot.de/2013/10/primark-mode-zum-wegwerfen.html">http://news-tresor.blogspot.de/2013/10/primark-mode-zum-wegwerfen.html</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Simon, H. (1983): <i>Reason in Human Affairs. </i>Stanford: Stanford University Press</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Vgl. auch Bazerman, Max H.; Gino, Francesca (2012): <i>Behavioral Ethics: Toward a Deeper Understanding of Moral Judgement and Dishonesty</i>, Annual Review of Law and Social Science, Vol. 8, pp. 85 – 104, 2012</p>
</div>
</div>
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		<item>
		<title>Das kalte Herz</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/das-kalte-herz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 07:39:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Vergleich]]></category>
		<category><![CDATA[Status]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Hauff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jedes Mal wenn ich zu einem Besuch in meiner Vaterstadt Freiburg weile und Abstand zu den Finanzmärkten gewinnen möchte, unternehme ich einen Ausflug in den Schwarzwald. Wenn ich dann so durch den Wald schlendere, kommt mir immer wieder das Märchen von Wilhelm Hauff „Das kalte Herz“ aus meiner Kindheit in den Sinn. Und während ich [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jedes Mal wenn ich zu einem Besuch in meiner Vaterstadt Freiburg weile und Abstand zu den Finanzmärkten gewinnen möchte, unternehme ich einen Ausflug in den Schwarzwald. Wenn ich dann so durch den Wald schlendere, kommt mir immer wieder das Märchen von Wilhelm Hauff „Das kalte Herz“ aus meiner Kindheit in den Sinn. <span id="more-6022"></span>Und während ich an einem Bach, der in der Frühjahrssonne so vor sich hin plätschert, vorbeiwandere, kehrt mit einem Male die Erinnerung an Peter Munk, den Kohlenbrenner zurück. Weil er als Sonntagskind geboren worden war, hatte er beim „Schatzhauser“, einem wundersamen Glasmännchen, drei Wünsche frei. Wer das Märchen kennt, weiß, welche törichte Wahl Peter traf. Als erstes wünschte er sich, besser tanzen zu können als der Tanzbodenkönig und als zweites, immer genauso viel Geld in der Tasche zu haben wie der reiche Ezechiel. Sowie andere Insignien des Wohlstands, etwa eine Glashütte samt einem Pferdewägelchen.</p>
<p>Tatsächlich gingen Peters Wünsche alle in Erfüllung. Der Kohlenmunk Peter tanzte schneller und sprang höher als der Tanzbodenkönig, so dass bald jedes fesche junge Mädchen ihm zu Füßen lag. Aber die 2000 Gulden Startkapital, die er von seinem Gönner erhielt, waren bald sinnlos zum Fenster herausgeworfen. Denn das Wirtshaus war zu Peters Lieblingsort geworden. Dort verbrachte der reiche Ezechiel fast jeden Abend und wartete stets schon auf den Peter zum Würfelspiel. Vor ihm auf dem Tisch waren sie aufgetürmt, die Taler des Spielmeisters, und zur Sicherheit griff Peter noch einmal tief in seine Tasche: Es klimperte darinnen, wie versprochen. Dann ging es Schlag auf Schlag, immer wilder wurde das Spiel, bis der reiche Ezechiel all sein Geld verloren hatte und den Peter um Kredit bat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Den Reichen an die Wand gespielt</b></p>
<p>Wie großartig muss sich Peter Munk gefühlt haben, hatte er doch den Reichen an die Wand gespielt, dorthin, wo er ihn immer hatte haben wollen. Und mit gönnerhafter Miene, vielleicht mit dem Hintergedanken, dem Ezechiel endlich den Garaus zu machen, griff er in seine Tasche. Nichts. Und mit einem Male dämmerte es ihm: Sein Wunsch, genau so viel Geld wie der reiche Ezechiel in der Tasche zu haben, war in Erfüllung gegangen.</p>
<p>Eigentlich geht das Märchen noch viel weiter. Es handelt von der Wichtigkeit der Vernunft im Leben und einer wenn auch frühromantischen Charakterisierung des kalten Herzens, wie es später auch dem Homo oeconomicus zugeschrieben wurde. Denn der Kohlenmunk Peter lässt sich in seiner Verzweiflung auch noch mit dem bösen Holländer Michel ein, der ihm an die Stelle seines pulsierenden Herzens einen Stein einpflanzt. Natürlich für unendlich viel Geld. Aber Sie ahnen es schon: Geld ist zumindest in diesem Märchen nicht alles und macht schon gar nicht glücklich. Den hartherzigen Peter Munk, dessen neue Brutalität und Härte nicht einmal vor seiner Frau halt macht, will niemand mehr zum Freunde haben.</p>
<p>Aber das Märchen handelt auch vom sozialen Vergleich, denn der reiche Ezechiel mag unser Nachbar, unser Kollege womöglich sogar unser Freund sein, mit dem wir uns so gerne messen. Genauso viele Euro wie der andere zu haben ist ein so drängendes Motiv, dass man schnell übersieht, dass der uns nahestehende Mensch nicht immer nur ein Gewinner sein muss, sondern auch verlieren kann. Die Geschichte vom Kohlenmunk Peter zeigt uns also heute noch, wie wichtig es für viele ist, anderen nachzueifern oder in Hinblick auf Status und Wohlstand mit ihnen gleichzuziehen. Wer sich jedoch besser als der reiche Ezechiel stellen möchte, darf nicht mit ihm spielen und schon gar nicht erst versuchen, ihn zu kopieren.</p>
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		<title>Der Homo oeconomicus ist tot!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Feb 2013 08:43:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[begrenzte Rationalität]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Simon]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Satisficer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Las vor kurzem in der FAZ[i] mit Erstaunen einen Beitrag des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, in dem dieser die Meinung vertritt, der Homo oeconomicus sei noch am Leben. Tatsächlich handele es sich nur um eine Gruppe von jüngeren Volkswirten, die das Modell des Homo oeconomicus attackierten und unter dem Beifall von Kapitalismusgegnern eine Abkehr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/der-homo-oeconomicus-ist-tot/">Der Homo oeconomicus ist tot!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Las vor kurzem in der FAZ<a title="" href="#_edn1">[i]</a> mit Erstaunen einen Beitrag des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, in dem dieser die Meinung vertritt, der Homo oeconomicus sei noch am Leben. Tatsächlich handele es sich nur um eine Gruppe von jüngeren Volkswirten,<span id="more-5800"></span> die das Modell des Homo oeconomicus attackierten und unter dem Beifall von Kapitalismusgegnern eine Abkehr von der liberalen Wirtschaftspolitik forderten. Abgesehen davon, dass die Kritiker dieses Kunstmenschen weiß Gott nicht nur unter jüngeren Volkswirten zu finden sind, sondern durchaus auch unter „älteren“ Nobelpreisträgern, ist es andererseits nicht wahr, dass der Homo oeconomicus nur unter Neoliberalen seine Fans hat. Aber viel wichtiger ist doch der Umstand, dass dieses theoretische Konstrukt eben nicht zutreffend das tatsächliche Verhalten von Anlegern, Unternehmern und Politikern wiedergibt. So bewerten die meisten von ihnen Verluste viel stärker als Gewinne – eine Reaktion, die dem Homo oeconomicus, für den nur die realen Beträge gelten, völlig fremd ist. Auch sind Menschen im Gegensatz zu ihm keine reinen Nutzenmaximierer; vielmehr werden sie in ihrem Handeln von vielen verschiedenen Motiven angetrieben. Denn auch Momente wie Missgunst, Neid, Fairness oder Wohlbefinden beeinflussen uns bei jeder unserer Entscheidungen, bei denen es doch in der Logik des Homo oeconomicus nur darum gehen sollte, diejenige unter den Handlungsalternativen zu finden, die den größten ökonomischen Nutzen verspricht. Ganz zu schweigen davon, dass kein Börsianer so vollständig und umfassend informiert ist, wie es, der Theorie nach, der Kunstmensch stets sein soll. Längst haben Psychologen – und nicht nur sie – erkannt, dass ein Mensch nicht in der Lage ist, alle verfügbaren Informationen aufzunehmen, geschweige denn, sie adäquat zu verarbeiten und zu bewerten. Schlicht weil die Kapazität seines Gehirns nicht ausreicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wir sind nur</b> <b><i>Satisficer</i></b></p>
<p>Auch die absolute Rationalität, die dem Homo oeconomicus nachgesagt wird, verlangt Übermenschliches von realen Akteuren. Vielmehr müssen wir wohl im Sinne des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Herbert Simon von begrenzter Rationalität (bounded rationality) sprechen. Denn der Mensch hat weder die Zeit noch die Ressourcen, nach der besten aller Entscheidungen zu suchen. Nicht umsonst identifizierte Simon den Menschen auf der Suche nach einer guten Entscheidung als <i>Satisficer,</i> eine englische Wortschöpfung aus <i>satisfying</i> (befriedigen) und <i>suffice </i>(genügen): Der Mensch sucht eben nur solange nach Alternativen, bis er die erstbeste Lösung gefunden hat, die seinen Ansprüchen genügt, Ansprüchen, die auf Erfahrungen der Vergangenheit beruhen. Und oftmals strebt er am Ende sogar nach etwas, das ihn oft gar nicht zufrieden stellt. All dies sind keine Ausnahmen, keine Patzer von einzelnen Minderleistern, sondern Phänomene, die in schöner Regelmäßigkeit auftreten, beim wissenschaftlichen Experiment wie auch auf dem Börsenparkett. Und im echten Leben.</p>
<p>Das von Jörg Krämer angeführte Beispiel, demzufolge die Politiker, ganz als „Homines oeconomici“, im Sommer 2012 die Europäische Zentralbank dazu gebracht haben sollen, die Währungsunion durch die Ankündigung zu stabilisieren, man werde im Zweifel Anleihen der Peripherieländer kaufen, beweist für mich eher das Gegenteil seiner These. So ist das Commitment der europäischen Politiker bei der Lösung der Probleme in der Eurozone mittlerweile extrem hoch, weswegen künftige Entscheidungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht danach gefällt werden, ob sie ökonomisch sinnvoll oder gar optimal sind. Vielmehr werden neue Maßnahmen im Lichte des Erfolges oder Misserfolges vorangegangener Entscheidungen getroffen. Es ist gerade die Reduzierung des Homo oeconomicus auf wenige wesentliche Eigenschaften – wobei man ihm alles vorsorglich weggenommen hat, was auch nur im entferntesten mit Psychologie zu tun hat,  – die letztlich als Grundlage manch schöner Modelle dient, ihn aber leider stets realitätsfern bleiben lässt. Kein Wunder also, wenn sich Finanzmärkte als nicht effizient erweisen und viele Annahmen der Standardökonomie in der Krise nicht gezogen haben.</p>
<p>Christin Stock und ich haben es in unserem Buch <strong>„<i><a href="http://www.amazon.de/dp/3898797961/ref=as_li_tf_til?tag=httpwwwjoac0d-21&amp;camp=1410&amp;creative=6378&amp;linkCode=as1&amp;creativeASIN=3898797961&amp;adid=1WEMGB3XXW5HX6739V4W&amp;&amp;ref-refURL=http%3A%2F%2Frcm-de.amazon.de%2Fe%2Fcm%3Flt1%3D_blank%26bc1%3D000000%26IS2%3D1%26npa%3D1%26bg1%3DFFFFFF%26fc1%3D000000%26lc1%3D0000FF%26t%3Dhttpwwwjoac0d-21%26o%3D3%26p%3D8%26l%3Das1%26m%3Damazon%26f%3Difr%26ref%3Dtf_til%26asins%3D3898797961">Genial einfach entscheiden – Besser denken, handeln und investieren im täglichen Entscheidungsdschungel</a></i>“</strong> (siehe dazu auch unser <strong><a href="http://www.daf.fm/video/boersenpsychologie-so-entscheiden-sie-richtig-50160655.html">Interview im Deutschen Anlegerfernsehen [DAF]</a>)</strong> so ausgedrückt: „So viel man ihn auch modifiziert hat, um ihn menschlicher zu machen – der Homo oeconomicus bleibt dem Menschen fremd.“</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ednref1">[i]</a> FAZ vom 25.2.2013, S. 26</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/der-homo-oeconomicus-ist-tot/">Der Homo oeconomicus ist tot!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Computerhandel II: Fragwürdige Hilfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Aug 2012 05:55:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Dispositionseffekt]]></category>
		<category><![CDATA[Handelscomputer]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Optimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Trendfolgesysteme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In meinen Blogbeitrag vom Freitag bezog ich mich auf einen Artikel in der FTD, in dem die Performance computergestützter Fonds für Devisen während der vergangenen 12 Monate unter die Lupe genommen wurde. Das Ergebnis erscheint auf den ersten Blick ernüchternd. Interessant sind allerdings die Ratschläge, die Händler genau in dieser Situation gerne erteilen, um „dem [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In meinen Blogbeitrag vom Freitag bezog ich mich auf einen Artikel in der FTD, in dem die Performance computergestützter Fonds für Devisen während der vergangenen 12 Monate unter die Lupe genommen wurde. Das Ergebnis erscheint auf den ersten Blick ernüchternd. Interessant sind allerdings die Ratschläge, die Händler genau in dieser Situation gerne erteilen,<span id="more-4868"></span> um „dem Computer auf die Sprünge zu helfen“. Da schlägt zum Beispiel eine Analystin vor, Volatilitätsphasen einfach auszusitzen, weil die Computermodelle damit überfordert seien. Für die Praxis hieße das, man stellt den Computer einfach für eine bestimmte Zeit lang ab, bis es am Markt wieder ruhiger geworden ist. Abgesehen davon, dass die Entscheidung, wann aus- und wann wie eingestiegen werden sollte, von einem Menschen getroffen würde, der dabei auf nicht unerhebliche Timing-Probleme stoßen dürfte, gibt es bis heute meiner Kenntnis nach noch kein Computermodell, das Volatilitätsphasen im Devisenhandel anhaltend treffsicher vorhersagen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Systematisch gegen Dispositionseffekt</strong></p>
<p>Aber die eigentliche Crux dieses gut gemeinten Rates ist ganz woanders zu suchen. Computerisierte Handelsmodelle wurden entwickelt, weil man dem menschlichen Akteur in erster Linie die Fähigkeit absprach, diszipliniert zu handeln. Sprich: Verluste früh zu begrenzen und Gewinne mindestens bis zu einer gewissen Größenordnung laufen zu lassen – in der Behavioral Finance wird diese menschliche Schwäche als Dispositionseffekt bezeichnet, und dass diese Fehlleistung immer wieder und in schöner Regelmäßigkeit auftritt, konnte eingehend nachgewiesen werden. Ein Handelsmodell sollte gewissermaßen menschliche Entscheidungen systematisieren und so die ineffizienten Phasen in den Finanzmärkten ausnutzen, die mitunter durch psychisch verzerrte Verhaltensweisen anderer Akteure zustande kommen. Genau genommen handelt es sich um einen rationalen Ansatz, der dem Bild des Homo Oeconomicus recht nahe kommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Computer nicht einfach an- und abstellen</strong></p>
<p>Wer jedoch fordert, man solle den Computer einfach zeitweise abstellen, um ihn so vor Fehlentscheidungen zu bewahren, schaltet damit zumindest zeitweise auch den konsequenten Handelsansatz aus und ersetzt ihn durch menschliche Entscheidungen, deren Schwächen durch den Computer eigentlich ausgemerzt werden sollten. Tröstlich: ein Vermögensverwalter warnte in selbigem FTD-Artikel davor, Signale zu ignorieren sei ein Betrug am Anleger. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Es handelt sich um Selbstbetrug.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Stellschrauben zur Optimierung </strong></p>
<p>Zu diesem Selbstbetrug gehört auch immer wieder die Forderung mancher Händler, man müsse nur an ein paar Parameterschrauben des Systems drehen, wenn dieses aufgrund seiner schlechten Performance offenbar nicht mehr zeitgemäß sei. Etwa, weil die Euro-Krise die Wirkung von Fundamentaldaten überlagert. Auch dies ist ein Ratschlag, der meist nicht zu einer Verbesserung der <em>zukünftigen</em> Performance führt. Ein nachträgliches Anpassen eines Systems an scheinbar neue Marktgegebenheiten (in der Fachsprache auch als Re-Optimierung bezeichnet) ist entgegen aller Intuition nichts anderes als eine Angleichung dieses Ansatzes an die <em>Vergangenheit</em>.</p>
<p>Derartige Re-Optimierungsbestrebungen finden wir übrigens auch in anderen Bereichen der Finanzwelt, etwa als im Rahmen der Finanzkrise Modelle der Ratingagenturen ihren Dienst versagten und daher „an die neue Situation angepasst“ werden sollten.</p>
<p>Das Ende vom Lied: Man nimmt irgendwann von systematischen Ansätzen Abstand – aber nicht für immer. Warum, das erfahren Sie im dritten Teil des Blogs.</p>
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		<title>Wenn der Homo Oeconomicus Gefühle bekommt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 May 2012 20:37:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bauchgefühl]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Rationalität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fast hätte ich vergessen, auf eine Sendung von NDRInfo hinzuweisen, die am 1. Mai im Radio mit dem Titel „Wenn der Homo Oeconomicus Gefühle bekommt“ ausgestrahlt wurde,an der ich selbst auch teilnehmen durfte. Eine Aufzeichnung des informativen Beitrags finden Sie hier.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Fast hätte ich vergessen, auf eine Sendung von NDRInfo hinzuweisen, die am 1. Mai im Radio mit dem Titel „Wenn der Homo Oeconomicus Gefühle bekommt“ ausgestrahlt wurde,<span id="more-3903"></span>an der ich selbst auch teilnehmen durfte. Eine Aufzeichnung des informativen Beitrags finden Sie <a href="http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/reportagen/erstermai119.html" target="_blank">hier</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/wenn-der-homo-oeconomicus-gefuhle-bekommt/">Wenn der Homo Oeconomicus Gefühle bekommt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Busfahrerin steigt zu früh aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 06:13:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Locus of Control]]></category>
		<category><![CDATA[Lotto]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein paar Tage her, da hatten zwölf Busfahrer aus der englischen Grafschaft Northamptonshire allen Grund zum Feiern. Denn sie hatten beim Mehrländer-Lotto &#8222;Euro Millions&#8220; – an diesem Spiel kann man übrigens seit vergangenem Freitag auch in Deutschland teilnehmen – den gut 38 Millionen englische Pfund (rund 45 Millionen Euro) schweren Jackpot geknackt. Eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein paar Tage her, da hatten zwölf Busfahrer aus der englischen Grafschaft Northamptonshire allen Grund zum Feiern. Denn sie hatten beim Mehrländer-Lotto &#8222;Euro Millions&#8220; – an diesem Spiel kann man übrigens seit vergangenem Freitag auch in Deutschland teilnehmen – den gut 38 Millionen englische Pfund (rund 45 Millionen Euro) schweren Jackpot geknackt. <span id="more-3547"></span>Eine Geschichte, die eigentlich hier, in diesem Blog, nicht erwähnenswert wäre, hätte nicht sechs Monate zuvor eine Kollegin und Mitspielerin diese Tippgemeinschaft verlassen, weil sie sich als allein erziehende Mutter den Spieleinsatz von zwei englischen Pfund (2,40 Euro) nicht mehr leisten konnte. Angeblich sei sie total pleite, war in der britischen Presse zu lesen. Nach Angaben der „Daily Mail“ verdient Hazel Loveday als Busfahrerin indes 17.000 Pfund im Jahr.</p>
<p>Unwillkürlich erinnerte ich mich an meinen <a href="Laborversuch%20mit%20Lottoglück" target="_blank">Blog-Beitrag über das Losglück</a>, das über die Bewohner des kleinen spanischen Dorfes Sodeto hereinbrach, allerdings nicht über alle, denn man hatte den zugewanderten griechischen Mitbürger beim Losverkauf versehentlich vergessen. Immerhin konnte sich dieser Unglücksrabe im Gegensatz zu Hazel Loveday damit trösten, dass er seinen entgangenen Gewinn einem anonymen, grausamen Schicksal zuschreiben konnte, das heißt, er konnte den so genannten Locus of Control aus seiner eigenen Verantwortung auslagern und auf eine externe, höhere Macht verschieben. Diese Entlastung wurde unserer armen Busfahrerin leider nicht zuteil, die einen Tag vor dem Riesengewinn ihrer Kollegen auch noch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Wie sehr muss sie bereut haben, dass sie Wochen zuvor den Ausstieg aus der Tippgemeinschaft beschlossen hatte. Denn es lag ganz allein in ihrer Entscheidung – auch wenn sie total überschuldet war –, ob sie weiterhin bei der Tippgemeinschaft für zwei Pfund in der Woche mitmachen wollte.</p>
<p>So scheinen Tippgemeinschaften tatsächlich etwas Fatales an sich zu haben. Denn die Bindung der einzelnen Mitglieder an solche Gruppen ist meist so stark, dass ein späterer Ausstieg für den einzelnen fast nicht mehr möglich scheint. Tatsächlich wird dieses Commitment sogar von Spiel zu Spiel immer größer und kann lediglich durch kleine Gewinne zwischendurch etwas gemindert werden.</p>
<p>Natürlich können Sie jetzt einwenden, dass es doch sowieso keinen Sinn mache, an einem Spiel mit einem negativen Erwartungswert teilzunehmen. Zumindest hätte so der homo oeconomicus argumentiert, dessen Auffassung sich offenbar auch Hazel Loveday zu eigen gemacht hatte, als sie beschloss, aus der Busfahrerlottotruppe auszusteigen, um die zwei Pfund Wetteinsatz zu sparen oder für etwas anderes auszugeben. Das schien der Sieg einer Rationalität zu sein, die keinen Platz lässt für Träume und schon gar nicht für jene irrige Hoffnung, sich auf einen Schlag aller finanziellen Sorgen entledigen zu können.</p>
<p>Jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob die ehemaligen Tippbrüder wohl bereit sein werden, der lieben Hazel einen kleinen Teil von ihren 38 Millionen Pfund abzugeben, um sie über den entgangenen Gewinn ein klein wenig hinweg zu trösten. Die frisch gebackenen Privatiers und (ehemaligen) Busfahrer wollten das unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten und regeln, war in der Daily Mail zu lesen. Die Zeitung hat übrigens online ihre Leser befragt, ob sie der Meinung seien, dass die Lottogewinner moralisch dazu verpflichtet seien, Frau Loveday an ihrem Reichtum zu beteiligen. Interessanterweise haben nur 34 Prozent der Leser darauf mit „Ja“ geantwortet.</p>
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		<title>Teure Düfte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 07:39:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Segregation]]></category>
		<category><![CDATA[Transaktionsgebühren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für orientalisch anmutende Parfums. Vor allen Dingen, wenn sie noch manuell hergestellt werden, können sie ziemlich kostspielig sein. Als ich aber kürzlich im Internet stöberte und über eine Google-Anzeige zu easyCOSMETIC geführt wurde, sah ich, dass mein Objekt der Begierde im Vergleich zum Fachhandel mit einem Preisnachlass von 18 Prozent [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: Ich habe eine Schwäche für orientalisch anmutende Parfums. Vor allen Dingen, wenn sie noch manuell hergestellt werden, können sie ziemlich kostspielig sein. Als ich aber kürzlich im Internet stöberte und über eine Google-Anzeige zu easyCOSMETIC geführt wurde, sah ich, dass mein Objekt der Begierde <span id="more-3157"></span>im Vergleich zum Fachhandel mit einem Preisnachlass von 18 Prozent angeboten wurde! Ja, selbst gegenüber dem zweitgünstigsten Inserenten im Internet war der Preis immer noch um fast neun Prozent günstiger. Was nicht ganz stimmt, denn easyCOSMETIC erhebt eine Versandgebühr von drei Euro – der Mitbewerber versendet hingegen kostenlos. Nachdem ich mehrere Tage mit mir gerungen hatte, ob ich mir diesen Luxus wirklich gönnen sollte, gab ich mir schließlich einen Ruck und bestellte.</p>
<p>Dann aber kam es doch anders. Denn als ich meine Order per Kreditkarte ausführen wollte, öffnete sich ein Fenster, in welchem mir angekündigt wurde, dass eine Transaktionsgebühr von 3 Prozent des Kaufpreises anfallen würde. Das seien die Gebühren, mit denen das Kreditkarteninstitut den Parfum-Shop belasten würde und die man – mir lag schon ein „leider“ auf der Zunge – daher auch von den Kunden einziehen müsse. Da kam ich mir schon vor wie bei der Lufthansa, denn auch diese erhebt neuerdings beim Ticketkauf per Kreditkartenzahlung eine saftige Transaktionsgebühr. So weit, so ungut. Denn die Alternativen, die easyCOSMETIC anbietet, sind ebenfalls kostspielig. So wird im Falle einer Zahlung per Paypal eine zusätzliche („Weiter“)-Belastung von drei Prozent des Kaufpreises fällig. Ach, Sie denken jetzt an eine Bestellung per Nachnahme? Auch das kostet einiges, nämlich sechs Euro (wobei DHL angeblich bei Nachnahme „nicht beeinflussbare“ zwei Euro Übermittlungsentgelt von den sechs Euro kassiert). Billiger wird es nur bei „Sofortüberweisung“, für die der Kosmetikversender lediglich 1,5 Prozent auf den Einkauf draufschlägt, sprich: weiterberechnet. Wagen Sie es aber ja nicht, per Rechnung zu bezahlen! Denn in diesem Falle sähe sich das Unternehmen gezwungen, sechs Prozent des Kaufpreises als Transaktionsgebühr zu berechnen. Gott sei Dank, gibt es noch die Möglichkeit der Vorkasse, für die der willige Kaufinteressent keine Gebühren berappen muss, dafür aber natürlich (das haben wir aus der Lehman-Pleite gelernt) ein Kontrahentenrisiko eingeht, das easyCOSMETIC leider nicht honoriert.</p>
<p>&#8222;Bist du nun ein homo oeconomicus oder nicht?&#8220;, fragte mich mein Kompagnon gespannt, als ich ihm den Sachverhalt schilderte. Ich rechnete alles zusammen und fand heraus, dass easyCOSMETIC gegenüber dem zweitgünstigsten Konkurrenten immer noch einen rechnerischen Vorteil bot. Ja, ein homo oeconomicus hätte ohne großes Murren gekauft. Aber leider bin ich nur ein Mensch aus Fleisch und Blut und hatte im Geiste drei mentale Verlustkonten eröffnet: der Preis des Parfums, die Versandkosten und die Transaktionskosten. Drei einzelne Verluste, die psychisch in der Summe schwerer wogen als der eine Verlust (= der höhere Preis)  des teureren Produkts der Konkurrenz. Mir jedenfalls hat der edle Duft mittlerweile ziemlich gestunken.</p>
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		<title>Eine Trilogie von Neid II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2011 07:49:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Neid]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Vergleich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jetzt muss ich doch noch etwas mehr über „Neid“ loswerden. Sicherlich nicht nur, weil ich die Milliardär-TV-Serie „deluxe“ bei n-tv zu oft gesehen hätte. Vor kurzem habe ich hier außerdem über einen Fonds geschrieben, für den das Thema Sünde sogar Programm ist. Aber damals ahnte ich noch nicht, wie sehr mich die Todsünden im Zusammenhang [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt muss ich doch noch etwas mehr über „Neid“ loswerden. Sicherlich nicht nur, weil ich die Milliardär-TV-Serie „deluxe“ bei n-tv zu oft gesehen hätte. Vor kurzem habe ich hier außerdem über <a href="http://www.blognition.de/markte/jenseits-von-gut-und-bose-sundenpfuhl">einen Fonds geschrieben</a>, für <span id="more-1302"></span>den das Thema Sünde sogar Programm ist. Aber damals ahnte ich noch nicht, wie sehr mich die Todsünden im Zusammenhang mit den Erkenntnissen der Behavioral Economics noch einmal beschäftigen sollten. Vor allem wenn es um Neid geht – eine wenig sympathische Regung und Triebfeder zu vielen üblen Taten. Schließlich handelt es sich um ein schmerzhaftes Gefühl, das ein Mensch erlebt, wenn er erfährt, dass jemand anderes einen Gegenstand, eine Eigenschaft oder einen Status besitzt, Dinge also, die er selbst für erstrebenswert hält, aber nicht besitzt. Mehr noch, wenn die neidische Person unfähig ist, das gewünschte Gut zu erlangen, hofft sie, dass die beneidete Person dieses ebenfalls verlieren wird. Und Neid wird vor allem dann bösartig, wenn man versucht, die beneidete Person einer Sache oder Eigenschaft zu berauben, ohne dass man selbst einen Vorteil davon hätte – in katholischen Kreisen zählt Neid daher zu den sieben Todsünden.</p>
<p>Die Standardökonomie kennt hingegen keinen Neid. Weil man davon ausgeht, dass Menschen ausschließlich von Rationalität und Eigeninteresse geleitet sind und allein ihren ökonomischen Nutzen maximieren wollen. Darum schert sich ein homo oeconomicus nicht um das Wohlbefinden anderer Agenten, weder im Positiven noch im Negativen. Insofern betrachtet die Standardökonomie nur die tatsächlichen Entscheidungen der Menschen, während sie deren Psyche, deren Motive, Bedürfnisse, Neigungen, Ängste, Wünsche etc. nicht interessieren. Für den homo oeconomicus ist es daher nicht nachvollziehbar, warum Menschen anderen Menschen Geld wegnehmen, auch wenn sie selbst keinen Nutzen davon haben.</p>
<p>Die Realität zeigt jedoch genau das Gegenteil: Viele Menschen verzichten auf Gewinne, um anderen zu schaden – sogar wenn sie dafür eigenes Geld aufwenden müssten<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn1">[i]</a>. Was die Theorie der klassischen Ökonomie vollkommen ignoriert, ist der Umstand, dass sich Menschen permanent mit anderen vergleichen und sich dabei weniger um ihr eigenes Endvermögen scheren, als man annehmen möchte. Natürlich ist es wichtig, eine Million Euro zu besitzen, aber noch wichtiger ist es, dass der Nachbar nicht auch eine Million Euro besitzt. Tatsächlich kaufen sich Menschen, wenn sie die Wahl zwischen zwei gleich teuren Immobilienobjekten haben, nicht zwingend das mit dem größeren Grundstück. Entscheidend bei der Wahl ist vielmehr der soziale Vergleich: So kann es passieren, dass sich jemand gegen ein größeres Grundstück entscheidet, weil die Nachbarn ringsum allesamt noch größere Grundstücke besitzen. Die Wahl für ein kleineres Grundstück mag zwar auf den ersten Blick nicht angenehm und ökonomisch auch nicht sinnvoll sein. Dieser Nachteil wird aber in den meisten Fällen dadurch geheilt, dass die anderen Grundstücke in der Straße allesamt kleiner sind<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[ii]</a>.</p>
<p>Insofern ist sozialer Vergleich eine wichtige Voraussetzung für Neid. Ich kann nur Menschen beneiden, mit denen ich mich auch vergleichen kann. Je näher sich Menschen stehen, desto größer wird die Gefahr von Neid. Interessanterweise können so Nachbarn, Bekannte, Freunde und Verwandte, ja sogar Brüder und Schwestern zu natürlichen Feinden werden. Die Folgen dessen werden Sie im letzten Teil der Trilogie kennenlernen.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref1">[i]</a> Zizzo, D. J. &amp; Oswald, A. (2001): <em>Are People Willing to Pay to Reduce Others’ Incomes?</em> Annales d’Economie et de Statistique, No. 63-34, S. 39-65</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[ii]</a> vgl. auch Frank, Robert H.(2007): <em>Falling Behind: How Rising Inequality Harms the Middle Class, </em>(Aaron Wildavsky Forum for Public Policy) University of California Press<em> </em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-trilogie-von-neid-ii/">Eine Trilogie von Neid II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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