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	<title>Kontrollillusion Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Auf jede Euphorie folgt irgendwann die Strafe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2021 05:54:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten der vorangegangenen Handelstage war der gestrige eher als Ruhetag zu verbuchen. Es ist ja auch nicht ganz einfach, immer wieder die gleiche Story zu spielen, sprich das US-Stimulus-Paket, das, wenn alles gut geht, einen Umfang von etwa 1,9 Billionen USD haben soll. Dabei geht die Bandbreite der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten der vorangegangenen Handelstage war der gestrige eher als Ruhetag zu verbuchen. Es ist ja auch nicht ganz einfach, immer wieder die gleiche Story zu spielen, sprich das US-Stimulus-Paket, das, wenn alles gut geht, einen Umfang von etwa 1,9 Billionen USD haben soll. Dabei geht die Bandbreite der Kommentare bezüglich des Programms von „willkommen und unbedingt notwendig“ bis hin zu „überzogen und inflationstreibend“; auch dass das Programm den Falschen zugutekäme und womöglich die Spekulationssucht an den Aktienmärkten fördere, ist mancherorts zu lesen.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13068" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Alles bestens unter Kontrolle </strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber ebenso ist von zügelloser, kaum noch kontrollierbarer Gier die Rede. Und wenn es einmal eine Korrektur bei den großen Aktien-Indices gibt wie beispielsweise in der vorvergangenen Woche in Folge des „Aufstands der Privatanleger“ (Stichwort GameStop), ist das für die Finanzmarktteilnehmer längst nicht mehr ein Grund, richtig Angst zu bekommen. Auch wenn die Korrektur eine Größenordnung von 3 bis 5 Prozent erreicht.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ich habe nicht gezählt, wie oft es in den vergangenen Monaten, aber auch vor Beginn der Covid-19-Pandemie, zu solchen Kaufgelegenheiten gekommen ist, die sich im Nachhinein wie Geschenke für kaufwillige Investoren angefühlt haben. Man könnte es auch anders ausdrücken: Mit jedem Rücksetzer am Aktienmarkt, der anschließend von einer noch stärkeren Rallye abgelöst wird, erhöht sich das Gefühl der Akteure, den Markt immer besser unter Kontrolle zu haben. Und genau das führt zu Overconfidence und oft zu Gier.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Angstfreie Gier</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wenn dann irgendwann überhaupt keine Angst mehr im Spiel ist, also sozusagen eine angstfreie Gier herrscht, könnte man auch von einer Kontrollillusion sprechen, deren Kennzeichen die Euphorie ist. Auch wenn niemand sagen kann, wie viel Euphorie die globalen Aktienmärkte noch vertragen, ist der warnende Zeigefinger vor allem in Interviews mit erfahrenen Tradern förmlich zu spüren, und die insgeheime Botschaft lautet, dass bislang auf jede Euphorie eine Strafe gefolgt ist. Unklar bleibt allerdings, wann dieser Fall eintritt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… und undisziplinierte Analysten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Während es also an den Aktienmärkten ruhig zuging, gilt dies nicht für das Verhältnis des Euro gegenüber dem US-Dollar. Denn die Gemeinschaftswährung hat sich gestern vor allem für den Geschmack technisch orientierter Analysten mancherorts etwas zu deutlich befestigt. Die Rede ist von der Head &amp; Shoulders-Umkehrformation, die doch vor einigen Tagen (vgl. meinen Kommentar <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2021/02/03/hingefallen/" target="_blank" rel="noopener">HIER</a></strong></span>) ein klares Verkaufssignal gegeben hatte. Nun ist diese ausgesprochen beliebte Formation, je nachdem, wann man deren Scheitern zugeben möchte, gestern zumindest nach den Gesetzen mancher Lehrbücher zerstört worden. Auch wenn sich der ein oder andere Analyst, wie ich im Internet lesen konnte, noch ein Hintertürchen offen lässt und lieber abwarten möchte, ob die Formation doch noch funktioniert. Aber ein Hintertürchen dieser Art ist eigentlich nichts anderes als ein Stopp-Loss, eine Verlustbegrenzung, die nicht befolgt wird. Wo doch gerade die Techniker unter den Analysten immer wieder Handels-Disziplin anmahnen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Für uns ist der Euro gestern mit Überschreiten von 1,2095/00 zumindest soweit gestiegen, dass sich seine Lage etwas stabilisiert hat. Ohne dass dabei derzeit die Bäume in den Himmel wachsen (möglicherweise bis <strong>1,2200</strong>). Mit anderen Worten: Es spricht kurzfristig viel für eine fortgesetzte Seitwärtsbewegung, innerhalb derer die Gemeinschaftswährung oberhalb von <strong>1,20010/15</strong> in stabilem Fahrwasser bleibt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Wir verlieren sie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2020 04:51:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollillusion]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollverlust]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Losing it“, der Betreff des Abend-Newsletters von Bloomberg, könnte den gestrigen Handelstag nicht treffender beschreiben. Tatsächlich scheinen wir sie zu verlieren, die Kontrolle über die Verbreitung der Covid-19-Infektionszahlen in Europa und auch hierzulande. Und unter diesem Motto verloren auch die deutschen Aktien, gemessen am DAX, anfangs vorübergehend 1,7 Prozent an Wert, um diesen Verlust später ganz schnell wieder aufzuholen. So gesehen kann man zumindest nicht von einem Kontrollverlust der Aktienmarktteilnehmer, aber von einem drohenden Kontrollverlust der Politiker sprechen.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1</strong><strong>800)</strong>             „Losing it“, der Betreff des Abend-Newsletters von Bloomberg, könnte den gestrigen Handelstag nicht treffender beschreiben. Tatsächlich scheinen wir sie zu verlieren, die Kontrolle über die Verbreitung der Covid-19-Infektionszahlen in Europa und auch hierzulande. Und unter diesem Motto verloren auch die deutschen Aktien, gemessen am DAX, anfangs vorübergehend 1,7 Prozent an Wert, um diesen Verlust später ganz schnell wieder aufzuholen. So gesehen kann man zumindest nicht von einem Kontrollverlust der Aktienmarktteilnehmer, aber von einem drohenden Kontrollverlust der Politiker sprechen.<img decoding="async" class="alignright wp-image-12638" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/10/23102020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/10/23102020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/10/23102020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Kontrollillusion bei den Börsianern?</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die Akteure an den Finanzmärkten scheinen noch einen klaren Kopf zu bewahren, vor allem wenn man bedenkt, dass der DAX ziemlich genau an seinem bisherigen Korrekturtief vom 25. September seinen Schwächeanfall beendete und von Nachfragern aufgefangen wurde. Wird daraus ein technischer „Doppelboden“, die Basis für einen neuerlichen Kursaufschwung? Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass solche klar geschnittenen Kursböden in der Nähe früherer Korrekturtiefs später relativ schnell wieder unterlaufen werden. Aber das Gefühl, am vermeintlich günstigsten Punkt eingekauft zu haben, hat schon bei manch einem Börsianer zur Kontrollillusion geführt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Noch ein Verlust?</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Für die spätere Erholung am gestrigen Handelstag gab es wie schon so häufig das immergleiche Argument, dass nun doch noch ein Stimulus-Deal in den USA vor dem Wahltermin in greifbare Nähe gerückt sei. Und wenn man den gestrigen Worten der Verhandlungsführerin der Demokraten, Nancy Pelosi, Vertrauen schenken will, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Verhandlungen mit Finanzminister Steven Mnuchin zu einem Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern gute Fortschritte machen würden. Oder trügt der Schein?</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Zweifel diesbezüglich konnte man nämlich bekommen, als der ökonomische Chefberater des US-Präsidenten, von größeren Differenzen sprach, die wahrscheinlich nicht gelöst würden. Wenn derartiges schon von einem ökonomischen Dauer-Optimisten wie Larry Kudlow geäußert wird, muss man wohl davon ausgehen, dass die Verhandlungen gescheitert sind.  </span></p>
<h3></h3>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Den Schein wahren</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Obwohl nun kaum jemand erwartet, dass es noch zu einer Vereinbarung hinsichtlich eines Konjunkturpakets und einem dazugehörenden Gesetz vor dem Wahltag kommen wird, würde eine offizielle Absage dennoch mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Abverkauf an den Aktienbörsen führen. Denn von der Hoffnung auf einen Deal lebte in den vergangenen Wochen bislang fast jede größere Aufwärtsbewegung. Während sich die europäischen Aktienmärkte gestern also erholten und die negativen Nachrichten zur Covid-19-Krise gut wegstecken, kann dies dagegen für den Euro nicht gesagt werden. Dieser blieb nämlich gegenüber dem US-Dollar trotz seines gerade erst begonnenen kurzfristigen Aufwärtstrends ausgesprochen reserviert und konnte seinen, wenn auch überschaubaren Rücksetzer bislang nicht wieder wettmachen. Dennoch bleibt die Gemeinschaftswährung in positivem Terrain, solange <strong>1,1760</strong> nicht unterlaufen wird.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Zu viele haben es kommen sehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Mar 2017 16:29:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[AAII]]></category>
		<category><![CDATA[Bofa Merrill Lynch Umfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[Euphorie]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollillusion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommt jetzt die große Korrektur im US-Aktienmarkt? Wenn ja, wurde sie vom Gros der Fondsmanager und Kommentatoren schon längst erwartet. Und es scheint nicht wenige unter ihnen zu geben, die gestern fast so etwas wie Schadenfreude empfanden, als der breitgestreute S&#38;P 500 eine wichtige Serie beendete. Zum ersten Mal seit 109 Handelstagen brach der breitgestreute [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zu-viele-haben-es-kommen-sehen/">Zu viele haben es kommen sehen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9453 alignleft" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/03/Senti_22032017-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" />Kommt jetzt die große Korrektur im US-Aktienmarkt? Wenn ja, wurde sie vom Gros der Fondsmanager und Kommentatoren schon längst erwartet. Und es scheint nicht wenige unter ihnen zu geben, die gestern fast so etwas wie Schadenfreude empfanden, als der breitgestreute S&amp;P 500 eine wichtige Serie beendete. Zum ersten Mal seit 109 Handelstagen brach der breitgestreute US-Aktienindex um mehr als ein Prozent ein. Fast wäre auch noch der Rekord von 1995 eingestellt worden, als derselbe Index eine vergleichbare Serie von sogar 110 Tagen beendet hatte. Und dann muss man schon bis 1985 zurückgehen, bis man ein Szenario vorfindet, bei dem der Index nach 112 Tagen „endlich“ einmal wieder einen Tagesverlust von mehr als einem Prozent produzierte. Und mit Erstaunen las ich, dass die bisher längste Serie von 185 Tagen sich bereits in den 1960er Jahren ereignete.</p>
<p>Natürlich sind angesichts dieses gestrigen Tagesverlusts auch hierzulande einige Akteure aufgeschreckt, was angesichts der ausgesprochen niedrigen Volatilität am Aktienmarkt nicht verwunderlich sein sollte. Relativ betrachtet mag dies sicherlich ein Schockerlebnis gewesen sein, aber ist dies tatsächlich mit einem Ende des Aufwärtstrends in den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks gleichzusetzen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aktien scheinen überbewertet – aber nur in den USA!</strong></p>
<p>Überall begegnet mir die Warnung vor allzu großer Euphorie, gerade was die US-Aktienmärkte angeht. Eine Euphorie, die ich nicht so recht nachvollziehen kann. Schenkt man der jüngsten Fondsmanager-Umfrage von BofA Merrill Lynch Glauben, sind die Akteure vielmehr besorgt, denn per Saldo halten 34 Prozent der Vermögensverwalter Aktien für überbewertet. Das ist immerhin der höchste Wert seit 17 Jahren!</p>
<p>Dieses Ergebnis ist natürlich besonders aus US-Sicht verständlich, wenn per Saldo 81 Prozent der Fondsmanager US-Aktien für überbewertet halten. Und ketzerisch könnte man jetzt anmerken, dass jeder nur das für überbewertet hält, was er selbst nicht (mehr) besitzt.</p>
<p>Das gilt explizit nicht für Aktien der Eurozone, die laut der vom 10. bis 16. März durchgeführten Umfrage netto 23 Prozent der Befragten für unterbewertet halten. Kein Wunder also, dass die Fondsmanager für diese Region eine besondere Vorliebe an den Tag legen: Per Saldo gaben 27 Prozent der Fonds an, in Aktien des Euroraums übergewichtet zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Euphorie sieht anders aus</strong></p>
<p>Damit wird auch verständlich, warum vor allen Dingen viele institutionelle Anleger hierzulande seit einigen Wochen ausgesprochen pessimistisch sind. Sie bilden das Komplementär zu den internationalen Kapitalflüssen, von denen in den vergangenen Wochen auch der DAX profitiert hat. Das Hauptargument der hiesigen Pessimisten besteht eben in einer vor allen Dingen in den USA vorherrschenden vermeintlichen Euphorie, die den dortigen und in der Folge dann auch den hiesigen Aktienmärkten schon bald den Garaus machen werde. Ganz abgesehen von angeblichen Blasenbildungen.</p>
<p>Zieht man jedoch die jüngste Umfrage der American Association for Individual Investors (AAII) zurate, ist von extrem bullisher Stimmung nichts zu spüren. Vielmehr offenbarte diese Befragung in der vergangenen Woche einen Pessimismus, der über dem langfristigen historischen Durchschnitt liegt.</p>
<p>Nein, bei einem so starken Bewusstsein der Investoren für drohende Gefahren kann von Euphorie nicht die Rede sein. Denn Euphorie ist das Kennzeichen einer Kontrollillusion, bei der die Akteure an den Finanzmärkten ebensolche Gefahrenzeichen außer Acht lassen. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die jüngsten Kursrückgänge nicht mehr als eine Korrektur im Aufwärtstrend darstellen.</p>
<p>Wie es um die Stimmung hierzulande steht, können Sie wie immer meinem Kommentar entnehmen, den ich für die Börse Frankfurt dieses Mal <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Hoffen-auf-die-Trendwende-2260397" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span> zur Verfügung gestellt habe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zu-viele-haben-es-kommen-sehen/">Zu viele haben es kommen sehen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Zocken mit gezinkter Münze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Oct 2016 17:14:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Biases]]></category>
		<category><![CDATA[Fondsmanager]]></category>
		<category><![CDATA[Gambler's fallacy]]></category>
		<category><![CDATA[Gezinkte Münze]]></category>
		<category><![CDATA[John Larry Kelly jr.]]></category>
		<category><![CDATA[Kelly-Kriterium]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollillusion]]></category>
		<category><![CDATA[Münzwurf]]></category>
		<category><![CDATA[Sunk Cost Effect]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer möchte nicht einmal an einem Münzwurfspiel teilnehmen, bei dem man nicht wie gewohnt eine 50/50-Chance auf einen Gewinn hat, sondern aufgrund einer Manipulation eine 60-prozentige Chance besitzt, dass nach einem Wurf „Kopf“ erscheint, verbunden mit einer 40-prozentigen Chance auf „Zahl“ [1]. Eigentlich eine klare Sache, könnte man meinen. Sie können es selbst einmal auf [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zocken-mit-gezinkter-muenze/">Zocken mit gezinkter Münze</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9227 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/10/Gezinkte-Münzed-300x114.jpg" alt="gezinkte-muenzed" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/10/Gezinkte-Münzed-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/10/Gezinkte-Münzed-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/10/Gezinkte-Münzed.jpg 810w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Wer möchte nicht einmal an einem Münzwurfspiel teilnehmen, bei dem man nicht wie gewohnt eine 50/50-Chance auf einen Gewinn hat, sondern aufgrund einer Manipulation eine 60-prozentige Chance besitzt, dass nach einem Wurf „Kopf“ erscheint, verbunden mit einer 40-prozentigen Chance auf „Zahl“ <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span>. Eigentlich eine klare Sache, könnte man meinen. Sie können es selbst einmal auf der folgenden Seite <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="http://coinflipbet.herokuapp.com/">http://coinflipbet.herokuapp.com/</a> </span>ausprobieren. Zwar geht es dort nicht um echtes Geld, aber das Programm war Gegenstand einer jüngst erschienenen Studie zweier Vermögensverwalter<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span>.</p>
<p>Die Spielregeln dieses digitalen Experiments waren einfach. Ausgestattet mit einem Anfangskapital von 25 US-Dollar, durfte man von seinem Vermögen (Kredite waren nicht möglich) so viel man wollte einsetzen – hinzugewinnen bzw. verlieren konnte man pro Münzwurf jeweils den Spieleinsatz. Damit das Spiel für die Veranstalter bei einer derartigen Gewinn-Verlust-Chance von 60/40 nicht zu teuer wurde, wurde die Auszahlungssumme auf 250 USD begrenzt. War das Vermögen des Probanden indes verbraucht, war das Spiel beendet. Die Dauer des Spieles betrug 30 Minuten, so dass es nach Angaben der Organisatoren theoretisch möglich war, bis zu 300 Wetten zu platzieren – mit einer recht bedächtigen Spielgeschwindigkeit hätte man etwa 150-180 Wetten in diesem Zeitraum schaffen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gute Gewinnwahrscheinlichkeit garantiert noch keinen Profit</strong></p>
<p>Allerdings sind die Ergebnisse dieser Studie, auf die mich übrigens ein Artikel in der Financial Times aufmerksam gemacht hatte<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></span>, niederschmetternd. Unter den 61 Teilnehmern des Experiments – dort ging es um echtes Geld – befanden sich immerhin Studenten der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften (College Niveau), Investoren, junge Angestellte von Finanzunternehmen, darunter 14 Analysten zweier führender Vermögensverwalter.</p>
<p>Nur 21 Prozent der Teilnehmer erreichten den Höchstbetrag von 250 Dollar. Das ist ausgesprochen wenig, wenn man bedenkt, dass eigentlich 95 Prozent der Teilnehmer bei einem konstanten Einsatz zwischen 10 und 20 Prozent des erreichten Kapitals pro Wette dieses Ziel hätten erreichen müssen<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>. 28 Prozent der Befragten gingen pleite oder hatten am Ende des Spiels weniger als zwei Dollar auf dem Konto. Und das mit einer 60/40-Wahrscheinlichkeit, jeweils das Spiel zu gewinnen! Immerhin kamen 51 Prozent der Befragten auf einen durchschnittlichen Gewinn von 75 Dollar, was angesichts der günstigen Ausgangsbasis der Spiele dennoch recht wenig ist. Außerdem sollen zwei Drittel der Teilnehmer mindestens einmal auf „Zahl“ gesetzt haben, deren Gewinnwahrscheinlichkeit doch nur bei 40 Prozent lag! 18 Prozent der Teilnehmer setzten gleich zu Beginn das komplette Kapital auf eine Karte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Behavioral Biases statt Kelly</strong></p>
<p>Die optimale Strategie wäre eigentlich gewesen, dem sogenannten Kelly-Kriterium zu folgen, das 1956 in der Mathematik-Literatur erstmals erwähnt wurde<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>.</p>
<p>Den meisten Teilnehmern an der Wette war jedoch trotz einer vielfach eingehenden Finanz-Ausbildung das Kelly-Kriterium<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a> nicht bekannt und sie verfügten auch nicht über einen ähnlichen analytischen Ansatz. Stattdessen zeigten die Probanden typische Verhaltensmuster, wie sie in der Behavioral Finance beschrieben werden. Aber auch ich merkte während meines Selbstversuchs, wie schwierig es ist, eine halbe Stunde lang konsequent einen stringenten Ansatz beim Wetten durchzuhalten. Und ich kann mir lebhaft vorstellen, wie groß die Versuchung bei diesem Spiel ist, auf typische Fehler wie Kontrollillusion, Erhöhen des Einsatzes nach einer Verlustserie (sunk cost, gambler’s fallacy) zu verfallen.</p>
<p>Wesentlicher erscheint mir indes die Frage, wie es möglich sein soll, dass ein so hoher Prozentsatz angeblich in Wirtschaft-und Finanzwissenschaften bestausgebildeter Menschen in Finanzmärkten zurechtkommen kann, wo es dort doch um weitaus komplexere Zusammenhänge geht, als in einem einfachen Spiel mit einer auch noch zu ihren Gunsten manipulierten Münze? Denn es handelte sich bei den Probanden immerhin auch um Profis, und diese tragen die Verantwortung dafür, nicht nur die Rendite ihrer Kunden zu verbessern, sondern auch deren mühsam Erspartes zu verwalten, zu erhalten und möglichst auch zu mehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a></span> Hinzugewinnen bzw. verlieren kann man pro Münzwurf jeweils den Spieleinsatz</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a></span> Haghani, Victor (Elm Partners), Dewey, Richard (Pimco): <em>Rational Decision-Making under uncertainty: Observed Betting Patterns on a Biased Coin</em>, Working Draft dd. 19.10.2016</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a></span> FT online, gelesen am 29.10.2016: <em>What flipping a loaded coin can tell you about stock investing</em></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a></span> Dieser Prozentsatz wurde vom Veranstalter durch eine Monte-Carlo-Simulation ermittelt</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a></span> Nach John Larry Kelly jr <span class="reference-text"> (1956): <i>A New Interpretation of Information Rate </i></span><span class="reference-text">in Bell System Technical Journal vol. 35, S. 917–926.</span> Das Kelly-Kriterium besagt, dass man den idealen Einsatz ermittelt, indem in unserem Fall die Gewinnwahrscheinlichkeit rechnerisch verdoppelt und davon die Zahl 1 abzieht. Dies wären hier 60 % Gewinnwahrscheinlichkeit: (0,6 × 2) -1 = 0,2. Mit anderen Worten, vom Startkapital von 25 Dollar hätten 20 Prozent, mithin also fünf Dollar, aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Beim nächsten Spiel wird der Einsatz anhand des neuen Kapitals neu berechnet. Der Erwartungswert bei 300 Wetten liegt bei unserem Spiel gemäß Kelly- Kriterium übrigens über 3 Millionen Dollar!</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a></span> Das Kelly-Kriterium scheint auch nicht auf den Lehrplänen für einführende Finanzwissenschaftskurse oder auf Trading oder Asset Pricing ausgerichtete Lehrgänge führender US-Wirtschaftshochschulen wie MIT, Columbia etc. zu stehen</p>
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		<title>Chinas Börsen – ein Psychogramm</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2015 11:34:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn ein Aktienindex innerhalb eines Jahres um rund 157 Pro­zent an Wert gewinnt und danach in nicht einmal elf Wochen 45 Pro­zent verliert, ist man schnell geneigt, von einer Speku­lations­­blase und deren Platzen zu sprechen. Die Rede ist vom chine­sischen Aktienmarkt, gemessen am Shanghai Composite Index, der genau diesen Verlauf genommen hat. Und weil schätzungsweise [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein Aktienindex innerhalb eines Jahres um rund 157 Pro­zent an Wert gewinnt und danach in nicht einmal elf Wochen 45 Pro­zent verliert, ist man schnell geneigt, von einer Speku­lations­­blase und deren Platzen zu sprechen. Die Rede ist vom chine­sischen Aktienmarkt, gemessen am Shanghai Composite Index, der genau diesen Verlauf genommen hat. Und weil schätzungsweise 80 Prozent der Umsätze an der Börse in Shanghai Privatanlegern zugeschrieben werden, erinnert die ganze Geschichte an die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende.</p>
<p>Motivation genug für mich, das Thema des Monats September, das ich wie immer <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span> für die WGZ Bank erstellt habe, der Anlegerpsychologie an Chinas Börsen zu widmen. Der im August angekündigte zweite Teil zur Ökonomie des Glücks ist aus aktuellem Anlass auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden.</p>
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		<title>Von der Kontrollillusion zum Kontrollverlust</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2014 19:42:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nein, von einer Kontrollillusion der Börsianer kann man derzeitig nicht sprechen, da die meisten von ihnen hierzulande derzeit ohnehin nicht das Gefühl haben, die Lage am Aktienmarkt zu durchschauen oder im Griff zu haben. Da steigt der DAX auf ein neues Allzeithoch, um danach gleich wieder in die Knie zu gehen, aber dennoch nicht so [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, von einer Kontrollillusion der Börsianer kann man derzeitig nicht sprechen, da die meisten von ihnen hierzulande derzeit ohnehin nicht das Gefühl haben, die Lage am Aktienmarkt zu durchschauen oder im Griff zu haben. Da steigt der DAX auf ein neues Allzeithoch, um danach gleich wieder in die Knie zu gehen, aber dennoch nicht so stark, dass sich darüber jemand aufregen würde. Interessant wird es allenfalls, falls es das Börsenbarometer tatsächlich schaffen sollte, die 10.000er Marke doch noch in Kürze zu überqueren, weil es dann der letzte Skeptiker schwarz auf weiß hätte: Die Börse geht wirklich nach oben. Auch wenn es sich bei der 10.000 nur um eine runde, aber völlig dennoch überbewertete Zahl handelt.</p>
<p>Aber auch diejenigen, die den DAX bis dahin immer noch in einer breit angelegten Seitwärtsbewegung gewähnt haben mögen, und im Vertrauen auf diese Konsolidierung zwischen grob 9.100 und knapp 9.700 Zählern seit Jahresanfang erfolgreich unten gekauft und oben verkauft haben, könnten angesichts dieser kleinen Erfolgsserie und des Gefühls, den Puls der Märkte in diesem Jahr bislang besonders gut gefühlt zu haben, dann plötzlich das Gefühl bekommen, dass Ihnen die Kontrolle über dieses sicher geglaubte Szenario verloren zu gehen droht.</p>
<p>Vielleicht mag deswegen mein zweiter Beitrag zum Kontrollbedürfnis der Anleger, den ich heute in <em>Goldbergs Thema des Monats </em>für die WGZ Bank <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://news.wgzbank.de/go/6/ZGBV05E-ZG860X4-Y2PEENI-1G18OB.html">hier</a></strong></span> erstellt habe, gerade zum richtigen Zeitpunkt kommen. Denn es geht dieses Mal darum, wie aus einer Kontrollillusion (oft sehr spät) mit einem Mal Defizite oder gar ein kompletter Kontrollverlust entstehen können und welche Symptome diesen Übergang kennzeichnen.</p>
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		<title>Gefährliche Illusion</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 May 2013 07:55:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn ein japanischer Finanzminister äußert, er beobachte einen Markt sorgfältig, fühle ich mich immer an Zeiten früherer Devisenmarktinterventionen der Bank von Japan (BoJ) erinnert. Zumal die BoJ auf Anweisung des Finanzministeriums aktiv wird. Denn ein derartiger Satz, wie er bezüglich des Bond-Marktes unlängst von Finanzminister Aso geäußert wurde („carefully watching Bond Market moves“), bedeutete in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein japanischer Finanzminister äußert, er beobachte einen Markt sorgfältig, fühle ich mich immer an Zeiten früherer Devisenmarktinterventionen der Bank von Japan (BoJ) erinnert. Zumal die BoJ auf Anweisung des Finanzministeriums aktiv wird. Denn ein derartiger Satz, wie er bezüglich des Bond-Marktes<span id="more-6151"></span> unlängst von Finanzminister Aso geäußert wurde („carefully watching Bond Market moves“), bedeutete in früheren Zeiten immer die erste Stufe einer Intervention, bevor die Zentralbank offiziell aktiv wurde. Sicherlich dürfte die BoJ schon viel früher in den jeweiligen Märkten verdeckt agiert haben, aber ein entsprechendes Wording soll die Akteure daran erinnern, sich nicht gegen die Zentralbank zu stellen, denn dabei könnte man sich womöglich eine blutige Nase holen.</p>
<p>Allerdings frage ich mich, was die BoJ den Finanzmarktakteuren dieses Mal vermitteln will. Da steht auf der einen Seite ein Inflationsziel von 2 Prozent im Raum. Und plötzlich wundert man sich, dass die Marktteilnehmer im Gegensatz zu früheren Zeiten diese Ankündigung im Sinne der so genannten „Abenomics“ (angelehnt an die Wirtschaftspolitik des Premiers Shinzo Abe) ernst nehmen. Es ist aber genau dieses Inflationsziel, das derzeit die Anleihekäufe als Teil der ultraleichten Geldpolitik der Zentralbank konterkariert. Oder glaubt man tatsächlich, die Investoren würden sich angesichts einer drohenden Geldentwertung mit einer Rendite von vormals 30 Basispunkten für zehnjährige Anleihen stillschweigend zufrieden geben, weil man sich auf die BoJ verlassen kann? Nein, das glaubt auch die Bank von Japan nicht. Aber offenbar vollziehen sich solche Anpassungsprozesse im Bondmarkt viel schneller, als das ursprünglich gewünscht gewesen sein mag. Und das ist genau das Problem jedweder Interventionspolitik, vor allen Dingen aber der japanischen: Die richtige Dosierung zu finden.  Am liebsten möchte man in jedem Markt, der sich zu schnell in die „falsche“ Richtung entwickelt – im Jargon der BoJ heißt es dann immer so schön, die Marktpreise müssten die ökonomischen Fundamentals reflektieren, – intervenieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Hat die Zentralbank wirklich alles unter Kontrolle?</b></p>
<p>Vielleicht muss man die Worte des BoJ-Chefs Koruda noch viel ernster nehmen, als er unlängst äußerte, japanische Aktien seien nicht überbewertet. Sollte dies etwa ein Hinweis darauf gewesen sein, dass die Zentralbank womöglich auch noch Aktien kaufen werde, um dem Inflationsziel von 2 Prozent Nachdruck zu verleihen? Jetzt bin ich wohl fast ein bisschen zu sarkastisch geworden.</p>
<p>Aber vielleicht gibt es ja auch gar keine Inflation in Japan, denn solange das gedruckte Geld im Bankensystem bleibt und nicht in der Realwirtschaft ankommt, wird sich am Ausgabeverhalten der Verbraucher, die ohnehin durch eine jahrelange Deflation noch gelähmt sein dürften, nicht viel ändern. Natürlich scheint durch die angekündigten Abenomics ein kurzfristiger Ruck durch Japan gegangen zu sein, dass sich jetzt tatsächlich etwas ändern könnte. Aber die Inflation wird immer noch durch den Verbraucher gemacht, der dafür nicht nur gehörigen Optimismus, sondern auch noch mehr Geld in ihren Taschen haben müsste.</p>
<p>Die Abenomics waren zunächst ein psychologischer Erfolg, ein Wahrnehmungserfolg, den vor allen Dingen die Medien beklatscht haben. Das Gefährliche daran ist, dass sie wie die Interventionspolitik der Bank von Japan den Eindruck vermitteln, alles (Inflation, Anleiherenditen, Wechselkurse, Aktienmärkte, Wachstum, Exporte etc.) sei unter Kontrolle. Dummerweise suchen sich derart eingesperrte Finanzmärkte immer ein Ventil, und das mit Vorliebe an der schwächsten Stelle, dort wo es weh tut und wo es langfristig am meisten kostet. Der Ökonom Paul Krugman träumt indes, erfolgreiche Abenomics könnten sogar als Modell für die westliche ökonomische Welt dienen – ein Optimismus, den ich keineswegs teile.</p>
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		<title>Fed, Herrin über ökonomische Schalter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Dec 2012 08:44:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich hat es mich schon ein wenig erstaunt, wie überrascht die Finanzmärkte von der Ankündigung Ben Bernankes gewesen waren, die US-Notenbank werde ihre Niedrigzinspolitik in Zukunft an feste ökonomische Werte binden. Denn während der vergangenen Wochen war doch durchaus immer wieder erkennbar, dass der Offenmarktausschuss der Fed zu einem derartigen Schritt tendieren würde, nachdem mehrere [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich hat es mich schon ein wenig erstaunt, wie überrascht die Finanzmärkte von der Ankündigung Ben Bernankes gewesen waren, die US-Notenbank werde ihre Niedrigzinspolitik in Zukunft an feste ökonomische Werte binden. <span id="more-5541"></span>Denn während der vergangenen Wochen war doch durchaus immer wieder erkennbar, dass der Offenmarktausschuss der Fed zu einem derartigen Schritt tendieren würde, nachdem mehrere seiner Mitglieder (Janet Yellen, Charles Evans und andere) bereits mit Zahlenvorschlägen von sich Reden gemacht hatten. Dass die Politik extrem niedriger Fed-Funds-Zinsen fortgeführt werden soll, solange sich die Arbeitslosenquote oberhalb von 6,5 Prozent bewegt und auf Sicht von ein bis zwei Jahren eine Inflationsrate von höchstens 2,5 Prozent erwartet wird, mag auf den ersten Blick vorteilhaft erscheinen: Es handelt sich um eine im Voraus definierte Kombination von Regeln, womit die Notenbankpolitik vordergründig berechenbarer erscheint. Ja, fast bekommt man den Eindruck, Ben Bernanke wolle mit seiner Zahlengläubigkeit der Ökonomie doch noch den Status einer Naturwissenschaft verleihen. Etwas, das den Ökonomen bis heute nicht gelungen ist.</p>
<p>Natürlich würde nach Eintritt der nunmehr quantifizierbaren Bedingungen nicht sofort ein Schalter umgelegt und eine Phase massiv steigender Zinsen eingeleitet werden. Aber wie ich schon an <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/zahlenglaubigkeit-der-fed/">anderer Stelle</a> andeutete, setzt der Glaube an die Bedeutung ökonomischer Schwellenwerte voraus, dass die zurate gezogenen ökonomischen Indikatoren für die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung tatsächlich auch sinnvoll sind. Ich bin mir nicht sicher, ob dies tatsächlich der Fall ist.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Trügerische Sicherheit und Kontrollillusion</strong></p>
<p>Abgesehen davon, dass die Akteure an den Finanzmärkten mit den neuen ökonomischen Zielmarken nicht nur psychologischen Ankereffekten unterliegen werden, würde etwa die Wirkung einer Zinserhöhung nach Eintreten der dafür erforderlichen Bedingung vielerorts wahrscheinlich völlig überschätzt. Man bekommt quasi den Eindruck, die Fed sei mit ihrer Politik der Zahlengläubigkeit in der Lage, in realiter etwas zu bewegen. Nach dem Motto: Wer den Schalter bedienen kann, hat auch die Kontrolle über das, was er damit bewegt. Womit sich die Investoren womöglich in einer trügerischen Sicherheit wiegen werden. Wo doch gerade das Beispiel der japanischen Notenbank (BoJ) zeigt, wie wenig geldpolitische Instrumente im Zweifel ausrichten können. Immerhin muss man Ben Bernanke und seinen Mitstreitern zugutehalten, dass sie sich eine Hintertür offengelassen haben. Denn die <em>quantitativen</em> Regeln gelten nur für den Leitzins, während die Anleihekaufprogramme einer <em>qualitativen</em> Bewertung der ökonomischen Situation unterzogen werden, womit sich die Notenbank zumindest nicht ihrer Flexibilität beraubt.</p>
<p>Unterdessen bleibt die Stimmung an den Aktienmärkten, deren gestrige Erhebung die jüngsten Maßnahmen der Fed naturgemäß noch nicht beinhalten konnte, fast ungetrübt. Ob dieser Optimismus von Dauer ist, können Sie in <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+7+600+reizt+nur+wenige+zu+gewinnmitnahmen+44646">meinem Sentiment-Kommentar für die Börse Frankfurt nachlesen</a>, während sich Gianni Hirschmüller (unter dem entsprechenden Reiter auf derselben Seite) um die <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+7+600+reizt+nur+wenige+zu+gewinnmitnahmen+44646">Detailanalyse</a> gekümmert hat.</p>
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		<title>Facettenreicher Abschied von Sparprogrammen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 May 2012 11:05:58 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwar schickt man sich in Europa nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und den Regionalwahlen in Großbritannien an, von den in erster Linie deutschen Spardiktaten Abschied zu nehmen. Doch von einer drastischen Kehrtwende, wie sie den Radikalen Linken in Griechenland vorschwebt, wollen die europäischen Partner gar nichts wissen. Interessanterweise waren in einer Umfrage vor den Parlamentswahlen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/facettenreicher-abschied-von-sparprogrammen/">Facettenreicher Abschied von Sparprogrammen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwar schickt man sich in Europa nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und den Regionalwahlen in Großbritannien an, von den in erster Linie deutschen Spardiktaten Abschied zu nehmen. Doch von einer drastischen Kehrtwende, wie sie den Radikalen Linken in Griechenland vorschwebt,<span id="more-3941"></span> wollen die europäischen Partner gar nichts wissen.</p>
<p>Interessanterweise waren in einer Umfrage vor den Parlamentswahlen zwei Drittel der Griechen immerhin noch der Ansicht, ihr Land solle in der Eurozone bleiben. Das Wahlergebnis zeigt indes, dass man mit den Bedingungen dafür offenbar nicht einverstanden ist. Kein Wunder, wenn sich viele Investoren von den wahrscheinlichen Neuwahlen in Griechenland auch keine neuen Erkenntnisse versprechen – das Land wird im besten Fall (wenn überhaupt) von einer Mehrparteienkoalition regiert werden müssen. Dabei wird das griechische Bündnis der Radikalen Linken beim nächsten Mal womöglich ein Viertel der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Dass jene den Schuldendienst einfach einstellen, ist natürlich inakzeptabel. Aber es scheint sich immer deutlicher herauszukristallisieren, dass eine Währungsunion ohne die Möglichkeit von Transferzahlungen auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist.</p>
<p>Immerhin liefert die Deutsche Bundesbank einen Denkanstoß, indem sie zumindest vorübergehend höhere Inflation und steigende Löhne in Deutschland akzeptieren könnte, um die hiesige Binnennachfrage und die Importe anzuschieben. Unterdessen könnten angeschlagene Staaten an der Peripherie Europas durch Preis- und Lohnsenkungen wettbewerbsfähiger gemacht werden. Abgesehen davon, dass man Inflation nicht durch Herbeireden schaffen kann, wie das Beispiel Japan zeigt, dürfte dieser Weg des Transfers Jahre in Anspruch nehmen, bis seine Wirksamkeit sichtbar wird. Ein Zeitraum der für Griechenland schlicht und einfach zu lang sein dürfte. Griechenland braucht indes zumindest eine schnelle und auf kurze Sicht wirksame Perspektive. Allein schon um den Zustand der Unregierbarkeit rasch zu beenden. Dazu gehört aus deutscher Sicht, das unsinnige Spardiktat so schnell wie möglich zu modifizieren. Auch unter Inkaufnahme des psychologischen Nachteils eines vermeintlichen Kontrollverlusts. Schließlich war es ohnehin nur eine Illusion, Griechenland „erziehen“ zu können.</p>
<p>Was dies für die Stimmung an den Finanzmärkten bedeutet, erfahren Sie in meinen heutigen Interviews bei <a href="http://www.teleboerse.de/mediathek/mediathek_videos/teleboerse/Teleboerse-von-11-45-Uhr-article2996021.html" target="_blank">n-tv (mit Sabrina Marggraf, ab 11:48 Uhr)</a> und beim <a href="http://www.daf.fm/video/goldberg-bundesbank-nimmt-mehr-inflation-in-kauf-50153938.html" target="_blank">Deutschen Anlegerfernsehen (DAF)</a>, das Andreas Scholz mit mir führte.</p>
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		<title>Griechenland-Lethargie</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/griechenland-lethargie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 11:41:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Spitzenpolitiker Griechenlands hätten, was das neue Sparprogramm angeht, keine Einigung erzielt. So oder ähnlich drückten dies heute früh einige Kommentatoren aus, natürlich ex negativo. Man könnte aber auch sagen, es sei beinahe ein Übereinkommen erzielt worden, denn die fehlenden 300 Millionen Euro an Einsparungen wirken etwa im Vergleich zum ganzen Hilfspaket zur Rettung Griechenlands [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/griechenland-lethargie/">Griechenland-Lethargie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Spitzenpolitiker Griechenlands hätten, was das neue Sparprogramm angeht, keine Einigung erzielt. So oder ähnlich drückten dies heute früh einige Kommentatoren aus, natürlich ex negativo. Man könnte aber auch sagen, <span id="more-3206"></span>es sei <em>beinahe</em> ein Übereinkommen erzielt worden, denn die fehlenden 300 Millionen Euro an Einsparungen wirken etwa im Vergleich zum ganzen Hilfspaket zur Rettung Griechenlands fast schon verschwindend gering. Andersherum könnte man wiederum argumentieren, 300 Millionen Euro seien immerhin 10 Prozent des gesamten, bislang 3 Milliarden Euro schweren neuen Pakets an Sparmaßnahmen, über das die griechischen Parteien gestern bereits Einigung erzielten. Also doch schon wieder relativ viel.</p>
<p>Man kann sich vorstellen, wie müde viele Akteure an den Finanzmärkten angesichts dieses Relativierens mittlerweile geworden sind. Und man kann es ihnen auch nicht verdenken, dass sie das ganze Schauspiel, das nunmehr x-te Endspiel um Griechenland, das wieder einmal (hoffentlich) in der allerletzten Minute zum Positiven entschieden sein wird, wie eine Farce auffassen. Denn Griechenlands Wirtschaft wird angesichts der neuen Sparkeule weiter schrumpfen. Damit wird das nächste Spar-Diktat – sofern es überhaupt noch etwas zu sparen gibt – nicht allzu lange auf sich warten lassen.</p>
<p>Mit anderen Worten: Die Teilnehmer an den Finanzmärkten scheinen in der Causa Griechenland geradezu lethargisch geworden zu sein. Vielleicht auch aus der Erfahrung heraus, es sei in den vergangenen Monaten, selbst wenn es ganz düster aussah, immer noch irgendwie weitergegangen. Vielleicht ist dieser Glaube aber auch nur eine gefährliche Illusion. Gerade weil die meisten Marktteilnehmer davon ausgehen, selbst eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands sei bereits eingepreist, könnte man sogar von einer Kontrollillusion sprechen, deren Kennzeichen eigentlich die Euphorie und nicht die Lethargie ist.</p>
<p><span style="font-size: small;">Aber vielleicht ist Europa ja tatsächlich gerettet, vor allem, wenn sich die EZB auch noch an einem griechischen Schuldenschnitt beteiligen sollte. Zumindest ist der 29. Februar, der Tag des zweiten dreijährigen Tenders, nicht mehr allzu weit – die Volumens-Schätzungen gehen bis zu 1 Billion Euro, die sich die Banken bei der EZB auf diesem Wege besorgen könnten. Damit wäre de facto ein quantitatives Lockerungsprogramm auf den Weg gebracht, das den beiden ersten QE-Programmen der USA in nichts nachstehen würde. Zu diesem Thema habe ich mich auch im heutigen Interview beim <a href="http://www.daf.fm/video/joachim-goldberg-dax-hat-noch-potenzial-neutrale-lage-50151587-DE0008469008.html" target="_blank">Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) </a>geäußert, zu dem Andreas Scholz eingeladen hatte.</span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/griechenland-lethargie/">Griechenland-Lethargie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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