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	<title>Glück Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Glück, Geld und Börse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2015 17:04:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonomics]]></category>
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		<category><![CDATA[Geld. Börse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es mag sich ja ein bisschen seltsam anfühlen, wenn man ausgerechnet an einem Tag wie dem heutigen, da sich der griechische Premier Alexis Tsipras „auf eine Einigung mit den Gläubigern eingelassen hat“[1] über das Thema Glück philosophiert. Aber das Interview, das Börsenmoderator und -reporter (n-tv) Frank Meyer für die Metallwoche hierzu mit mir führte, wurde [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/glueck-geld-und-boersen/">Glück, Geld und Börse</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag sich ja ein bisschen seltsam anfühlen, wenn man ausgerechnet an einem Tag wie dem heutigen, da sich der griechische Premier Alexis Tsipras „auf eine Einigung mit den Gläubigern eingelassen hat“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> über das Thema Glück philosophiert. Aber das Interview, das Börsenmoderator und -reporter (n-tv) Frank Meyer für die Metallwoche hierzu mit mir führte, wurde bereits vor ein paar Tagen aufgenommen, und steht mir jetzt zur Verfügung, so dass ich es Ihnen nicht vorenthalten möchte. Glück, Geld und Börse – wie passt das alles zusammen? Macht Geld glücklich oder doch nicht? Kann man sein eigenes Glück beeinflussen? Gibt es so etwas wie Glücksgefühle an der Börse? All dies wird im Interview besprochen.</p>
<p>Ich selbst habe mich in einer Trilogie „Auf dem Weg zum Glück“ im April dieses Jahres bereits schon einmal geäußert, wobei ich <strong>(<a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck/">HIER</a>) </strong>auf den Verhaltensforscher Paul Dolan, Professor an der London School of Economics verwies. Dieser hat in seinem 2014 erschienenen Buch &#8222;<em>Happiness by Design</em>&#8220; Glück als “Erfahrung von Freude und Sinnhaftigkeit im Verlauf der Zeit“<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> beschrieben – eine Definition die mir ausgesprochen gut gefällt. Die Aufzeichnung unseres Gesprächs finden Sie <strong><a href="http://www.metallwoche.de/joachim-goldberg-auf-der-metallwoche-ueber-glck-geld-und-boerse">HIER</a></strong>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> vgl. Spiegel online vom 13.7.2015</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Das Buch erschien unter dem Titel „absichtlich glücklich“ im Jahr 2015, im Pattloch Verlag München dem ich die Übersetzung dieser Definition entnahm</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/glueck-geld-und-boersen/">Glück, Geld und Börse</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Was uns (angeblich) glücklich macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2015 11:20:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonomics]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Glücksoptimierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nur allzu oft stehen wir unserem eigenen Glück im Weg. Nicht dass wir nicht wüssten, was uns glücklich macht. Die meisten Menschen wissen intuitiv, dass die Zeit, die wir mit unserer Familie oder mit Freunden verbringen, guter Schlaf, Gesundheit für Geist und Körper für unser Wohlbefinden wichtig sind. Wenn es allerdings um die tatsächliche Lebensführung [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nur allzu oft stehen wir unserem eigenen Glück im Weg. Nicht dass wir nicht wüssten, was uns glücklich macht. Die meisten Menschen wissen intuitiv, dass die Zeit, die wir mit unserer Familie oder mit Freunden verbringen, guter Schlaf, Gesundheit für Geist und Körper für unser Wohlbefinden wichtig sind. Wenn es allerdings um die tatsächliche Lebensführung geht, kümmern uns diese Grundsätze recht selten.</p>
<p>Stellen Sie sich vor, Sie bekämen zwei fast identische Arbeitsstellen angeboten. Das erste Stellenangebot böte Ihnen ein Jahresgehalt von 70.000 Euro<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, verbunden mit vernünftigen Arbeitszeiten, die einen durchschnittlichen Schlaf von siebeneinhalb Stunden pro Nacht zischen den Arbeitstagen gewährleisten würden.</p>
<p>Der zweite Job ist mit 125.000<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> Euro pro Jahr dotiert, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und die Schlafenszeit erreicht zwischen den Arbeitstagen durchschnittlich nur sechs Stunden.</p>
<p>Welche der beiden Alternativen würde Sie alles in allem, Ihr Leben als Ganzes betrachtet, glücklicher machen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>und</p>
<p>welche dieser beiden Optionen würden Sie tatsächlich wählen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bei einem Treffen der Nobelpreisträger in Lindau am Bodensee im Jahre 2010<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> wurden knapp 2700 Menschen diese und ähnliche Fragen gestellt. Die Mehrheit glaubte, dass ihnen mehr Schlaf zu mehr Glück verhelfen würde. Tatsächlich ist das auch richtig – ausreichender Schlaf korreliert mit höherem Wohlbefinden. Aber offenbar gegen besseres Wissen entschied sich eine Mehrheit für den finanziell attraktiveren Job. In dem Moment also, wenn Geld ins Spiel kommt, entscheiden sich die Menschen gegen ihr Glück.</p>
<p>Die Studie zeigt, dass Menschen keine reinen Glücks-Optimierer sind. Menschliche Entscheidungen sind wesentlich komplexer. Da tauchen plötzlich Erwägungen auf, was man sich mit Geld alles kaufen könnte. Geld verhilft möglicherweise dazu, den eigenen Status gegenüber Freunden, Kollegen und Nachbarn zu erhöhen, für viele ein wichtiges Ziel aller ihrer Anstrengungen und Bemühungen. Ein Ziel allerdings, das nicht immer glücklich macht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Im Original-Versuch war dies ein US-Dollar-Betrag von USD 80.000</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Im Original-Versuch war Betrag von USD 140.000 angegeben</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Benjamin, D. J., Heffetz O., Kimball M. S. &amp; Ress-Jones, A. (2012): <em>What Do You Think Would Make You Happier? What Do You Think You Would Choose?</em> American Economic Review, 102(5): 2083-2110</p>
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		<title>Auf dem Weg zum Glück (3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2015 07:58:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ablenkung]]></category>
		<category><![CDATA[Almosen]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Spenden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute möchte ich den letzten Teil der Trilogie zur Bedeutung von Aufmerksamkeit in der Glücksforschung, die mein früherer Mitstreiter, Herman Brodie vor längerer Zeit* erstellt hat, vorstellen. Dieses Mal geht es darum, ob man von einem klammen Mitmenschen, dem man mit einem Geldgeschenk oder einem großzügigen Darlehen aus der Patsche geholfen hat, erwarten darf, dass [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck-3/">Auf dem Weg zum Glück (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich den letzten Teil der Trilogie zur Bedeutung von Aufmerksamkeit in der Glücksforschung, die mein früherer Mitstreiter, Herman Brodie vor längerer Zeit* erstellt hat, vorstellen. Dieses Mal geht es darum, ob man von einem klammen Mitmenschen, dem man mit einem Geldgeschenk oder einem großzügigen Darlehen aus der Patsche geholfen hat, erwarten darf, dass er diese Zuwendung auch sinnvoll verwendet. Spender und Empfänger haben nämlich häufig eine recht unterschiedliche Vorstellung darüber, was sinnvoll ist. Die vorherigen Teile der Trilogie finden Sie übrigens <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck-2/">HIER</a></strong></span>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Aufmerksamkeit Teil 3: Von Almosen und Spendern</strong></h2>
<p><em>von Herman Brodie</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn wir etwas kaufen möchten, von dem wir erwarten, dass es uns glücklich machen wird, sollten wir nicht primär darüber nachdenken, ob wir es tatsächlich wollen oder ob das Objekt der Begierde gar zu teuer ist. Vielmehr sollten wir herausfinden, ob das zu Erwerbende unsere Aufmerksamkeit auch in Zukunft, also beim alltäglichen Gebrauch, an sich binden wird. Ist das nicht der Fall, ist es unwesentlich, ob wir das Gekaufte mögen, geschweige denn, was es gekostet hat.</p>
<p>Das Gleiche gilt übrigens auch, wenn wir Geld ausgeben, um Dingen, die wir nicht mögen, aus dem Weg zu gehen. Dabei sollten wir uns weniger um die Intensität noch die Dauer dessen kümmern, was unser Missfallen erregen könnte. Vielmehr ist für uns entscheidend, wie oft solche Gemeinheiten und negativen Dinge unsere Aufmerksamkeit erregen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Ausgabeverhalten armer Menschen, das ich an dieser Stelle etwas näher beleuchten möchte.</p>
<p>Gutmenschen regt wahrscheinlich nichts mehr auf, als wenn sie Bedürftigen ein Almosen zukommen lassen und diese dann das Geld für ein Kabel-TV-Abonnement, Zigaretten oder Lottoscheine ausgeben. Schnell fragt man sich dann: Warum müssen diese Menschen ihre wertvolle Zeit mit sinnlosen Game-Shows und dummen Telenovelas verschwenden, statt ihre Energie etwa für die Jobsuche sinnvoll einzusetzen? Warum tun diese Menschen Dinge, die nachweislich schlecht für ihre Gesundheit sind und ihre Lebenserwartung und ihr Leistungsvermögen senken – bei gleichzeitiger Steigerung der Gesundheitskosten? Aus der Armut hilft ihnen das alles nicht heraus. Warum müssen ausgerechnet diese bemitleidenswerten Leute an Spielen teilnehmen, deren Gewinnchancen einen negativen Erwartungswert haben? Wäre es nicht besser, dieses Geld auf ein Ausbildungskonto für die Kinder einzuzahlen, damit diese später wenigstens eine Chance auf sozialen Aufstieg haben? Kurzum: Warum verwenden die Almosenempfänger Geld nicht genauso sinnvoll wie ihre großherzigen Gönner?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Enttäuschte Spender</strong></p>
<p>Der Grund, warum großzügige und wohlhabende Spender so oft vom Verhalten der von ihnen Beschenkten enttäuscht sind, liegt darin, dass sie sich ein Leben in Armut schlichtweg nicht vorstellen können. Sie vermögen sich einfach kein Bild darüber zu machen, wie es sich anfühlt, stundenlang eine langweilige und schmutzige Arbeit gegen niedrige Bezahlung verrichten zu müssen. Oder wie es ist, in einer heruntergekommenen Wohnung zu leben, sich permanent Sorgen machen zu müssen, was der nächste Tag wohl bringen wird.</p>
<p>Wer kein Geld hat, wird seine ganze Aufmerksamkeit zwangsläufig seiner Armut widmen. Wenn aber so jemand an etwas anderes zu denken versucht, führen ihn die Gedanken automatisch immer wieder zu seinem persönlichen Elend zurück.</p>
<p>Daher bringt jede erfolgreiche Ablenkung von dieser Situation, und sei es auch nur für kurze Zeit, für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Betroffenen möglicherweise enorme Vorteile mit sich. Damit möchte ich nicht sagen, Zigarettenkonsum, Glücksspiele und Kabel-Fernsehprogramme seien per se gut. Aber sie haben durchaus positive Eigenschaften, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein mögen. Natürlich können auch Glücksspiele mit geringem Einsatz – wenn man etwa nur eines statt zehn Felder auf dem Lottosschein bespielt – oder preisgünstige Freizeitaktivitäten das gleiche Maß an Ablenkung wie teure Ausflüge bringen. Dennoch kann man nicht davon ausgehen, dass das Ausgabeverhalten der großzügigen Spender und das ihrer armen Nutznießer gleich sind. Denn beide maximieren ihr Glück bzw. minimieren ihr Unglück mit unterschiedlicher Zielsetzung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* (erschien im August 2013 schon einmal unter blognition.de)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck-3/">Auf dem Weg zum Glück (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Positionsgüter sind kein Nullsummenspiel (Positionsgüter Teil 2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Oct 2013 07:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vergangenen Blog-Beitrag  erwähnte ich Fred Hirsch und seine Ökonomie der Positionsgüter. Seiner Ansicht nach bestimmt sich der Nutzen eines solchen Gutes nicht nach dessen absoluten, sondern relativen Wert, also im Vergleich zu einem Bezugspunkt. Dieser ergibt sich naturgemäß meist aus dem sozialen Umfeld, im Abgleich mit Leuten, die höher oder niedriger als wir selbst [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im vergangenen Blog-Beitrag  erwähnte ich Fred Hirsch und seine Ökonomie der Positionsgüter. Seiner Ansicht nach<b> </b>bestimmt sich der Nutzen eines solchen Gutes nicht nach dessen absoluten, sondern relativen Wert, also im Vergleich zu einem Bezugspunkt. Dieser ergibt sich naturgemäß meist aus dem sozialen Umfeld, im Abgleich mit Leuten, die höher oder niedriger als wir selbst auf der sozialen Leiter rangieren. <span id="more-6660"></span>Demzufolge ist ein Positionsgut dazu geeignet, den eigenen Rang auf dieser Leiter gegenüber Dritten zu manifestieren. Mehr noch bemisst sich dessen Wert an der Exklusivität, mit der man seinen Besitz für sich reklamieren kann. Und wenn schon andere diesen Gegenstand ebenfalls ihr eigen nennen dürfen, dann ist es ganz entscheidend, um wen es sich dabei handelt, wobei natürlich gilt, dass mehr hier in jedem Fall weniger bedeutet. Was für alle und jeden  erschwinglich ist, taugt nun mal nicht zum Positionsgut. Anders ausgedrückt: Positionsgüter sind Ressourcen, die knapp und nicht ohne weiteres vermehrbar sind und ihren Wert im Zuge „sozialer Prozesse“ dadurch verlieren, dass sie von anderen Menschen ebenfalls genutzt werden.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>Dazu gehört nicht nur eine natürliche Knappheit, sondern auch eine Knappheit, die sich aus der Einzigartigkeit bestimmter Dinge ergeben kann, an der sich sein Nutzer erfreut. Man denke nur an seltene Kunstwerke, Antiquitäten oder alte Weine. Am Ende könnte man auch von einem physischen Engpass sprechen. Fred Hirsch verweist aber auch auf gesellschaftliche Beschränkungen von Positionsgütern, die sich aus psychologischen Motiven wie Neid, Nachahmung oder Stolz herleiten lassen. Also wenn die Befriedigung aus einem Positionsgut von dessen symbolischer Bedeutung herrührt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Soziale Vergleiche schon bei Kindern</b></p>
<p>So können wir bereits bei kleinen Kindern beobachten, dass der absolute Wert eines zur Verfügung stehen Gutes nicht alleine ausschlaggebend ist. Meine drei jüngeren Kinder mögen vielleicht ein wenig nörgeln, wenn sie an einem Tag ein großes Stück Kuchen und an einem anderen Tag ein kleines Stück bekommen. Solange jedes von ihnen ein gleich großes Stück erhält, scheinen sie dennoch zufrieden zu sein. Richtig laut wird es erst, wenn die Plagen unterschiedlich große Stücke bekommen: Automatisch entsteht eine interne Rangfolge. Dabei hat das einzelne Kind das Gefühl, die Größe des Kuchenstücks entscheide über die Position innerhalb der Familie. Etwa nach dem Motto: „Wenn ich das größte Kuchenstück bekomme, haben mich meine Eltern am liebsten.“ Daran ändert auch nichts, wenn ich den Kindern versuche beizubringen, dass das etwas üppiger zugeteilte Stück für die Schwester nicht zwangsläufig die Größe der eigenen Portion verringert. Trotzdem ist der Kuchen in diesem Moment wie ein knappes Positionsgut, da er zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt: Seine Größe ist messbar, und die anderen können sehen, wie viel jeder davon erhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Positionsgüter machen Gesellschaft nicht glücklich</b></p>
<p>Das gilt auch für viele andere Güter wie Autos, Handys oder ähnliche Statussymbole: Nicht deren absolute, sondern die relative Größe im Kontext ist entscheidend. Denn immer handelt es sich um Güter, deren Wertschätzung in besonders hohem Maße vom sozialen Umfeld abhängt. Typischerweise sind die stärksten Positionsgüter diejenigen, deren Produktion sich nicht einfach steigern lässt. Denn nicht jeder kann das größte Haus, das Zimmer mit der schönsten Aussicht, nicht jeder den bestbezahlten Job oder den Chefsessel bekommen. Und wenn die einen in einer so genannten „besseren Gegend“ wohnen, folgt daraus zwangsläufig, dass andere Wohnquartiere weniger „gut“ sein müssen.</p>
<p>De facto ist die so genannte Positions-Ökonomie <i>auf den ersten Blick</i> ein Null-Summen-Spiel in Sachen gesellschaftlichen Wohlbefindens, bei dem die einen gewinnen können und die anderen verlieren müssen. Im Extremfall gewinnt sogar nur einer, und alle anderen verlieren. Aber nur auf dem Papier. Denn die Behavioral Economics lehrt uns, dass Menschen mit Gewinnen und Verlusten unterschiedlich umgehen. Der Blick nach oben auf der sozialen Leiter macht unzufriedener als die Genugtuung, von weiter oben auf andere, die scheinbar auf einer niedrigeren Stufe stehen, herabzusehen.  </p>
<p>Ein Umstand, den der berühmte Ökonom Adam Smith übersehen haben mag, als er annahm, dass die Gesellschaft als Ganzes besser dran wäre, würde jeder nur seine eigenen Interessen verfolgen. Denn ein Gut, das einer einzelnen Person einen bestimmten Nutzen bringt, wird für die Gesellschaft als Ganzes nicht automatisch wertvoller, wenn man es einfach nur vervielfältigt und mehreren Menschen zur Verfügung stellt. Weil man nicht einfach den Nutzen eines Gutes mit der Zahl derer multiplizieren kann, die dieses erhalten. Vielmehr hat gerade der Nutzen, den ein Individuum aus einem reinen Positionsgut zieht, nachteilige Auswirkung auf die anderen Menschen, die dasselbe erstreben. Wenn der andere aufholt, verringert sich der Vorsprung der Position und somit der eigene Nutzen. Ganz davon abgesehen, dass die Zufriedenheit, die ein einziger oder wenige aus ihrem Vorsprung gegenüber dem Rest der Gesellschaft beziehen, in summa auch noch viel geringer ausfällt als die gesamte Unzufriedenheit derer, die auf der sozialen Leiter von weiter unten nach oben hinauf schauen.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> </p>
<p>Glücklicherweise orientieren sich nicht alle Menschen ausschließlich an ihrer sozialen Position, sonst hätten wir es mit einer Gesellschaft von Unglücklichen zu tun. Auch sind nicht alle Güter gleichermaßen positionswirksam. Worin sie sich im Einzelnen unterscheiden, erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Esser, Hartmut (2000), <i>Soziologie, Spezielle Grundlagen, Band 3: Soziales Handeln</i>, Campus</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Mein Kollege Herman Brodie hat sich unlängst <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/genug-ist-nicht-genug/">(hier)</a> dazu geäußert: Je häufiger man soziale Vergleiche zieht, desto größer das Risiko, Unzufriedenheit anzuhäufen. Außerdem vergleicht sich natürlich nicht jeder mit jedem in der Gesellschaft. Vielmehr konzentrieren sich die sozialen Vergleiche auf diejenigen, die auf der Leiter am nächsten stehen und diejenigen, mit denen wir am meisten verkehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/positionsgueter-sind-kein-nullsummenspiel-teil-2/">Positionsgüter sind kein Nullsummenspiel (Positionsgüter Teil 2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Laborversuch mit Lottoglück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 07:12:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Glück]]></category>
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		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
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		<category><![CDATA[Status]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen las ich in der New York Times eine Geschichte darüber, wie ein ganzes spanisches Dorf namens Sodeto, etwa drei Autostunden nordwestlich von Barcelona gelegen, bei der nationalen Weihnachtslotterie richtig abgeräumt hatte: Der Gewinn von mehr als 100 Millionen Euro verteilte sich auf 250 Einwohner, die meisten von ihnen Bauern oder arbeitslose [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/laborversuch-mit-lottogluck/">Laborversuch mit Lottoglück</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen las ich in der New York Times eine Geschichte darüber, wie ein ganzes spanisches Dorf namens Sodeto, etwa drei Autostunden nordwestlich von Barcelona gelegen, bei der nationalen Weihnachtslotterie richtig abgeräumt hatte: Der Gewinn von mehr als 100 Millionen Euro <span id="more-3211"></span>verteilte sich auf 250 Einwohner, die meisten von ihnen Bauern oder arbeitslose Handwerker – 70 Haushalte, die bis dahin nicht nur unter der schlechten konjunkturellen Situation des Landes, sondern auch noch unter einer extremen Dürre gelitten hatten.</p>
<p>Nun ist es nicht so, dass alle Einwohner von Sodeto gleichviel von den 100 Millionen Euro abbekommen hätten, also 400.000 Euro für jeden von ihnen. Bis auf einen Griechen, den es aus Liebe zu einer Frau in dieses Nest verschlagen hatte und den die Losverkäuferin der Hausfrauenorganisation offenbar übergangen hatte, erhielt allerdings jeder Dorfbewohner mindestens 100.000 Euro, andere jedoch wiederum bekamen ein Vielfaches davon ausgezahlt. Und wenn man den Journalisten Glauben schenken darf, die sich sofort nach Bekanntwerden dieses Geldregens und -segens nach Sodeto begaben, hatte es bis dahin in der Dorfgemeinschaft weder Neid, Missgunst noch sinnlose Prasserei gegeben. Und das, obwohl bereits jede Menge Glücksritter und Autoverkäufer, angezogen vom Geld wie die Motten vom Licht, dieses gottverlassene Dorf aufgesucht hatten, für das sich normalerweise kein Mensch interessiert hätte.</p>
<p>Mag sein, dass es auch an den vielen alten Leuten unter den Dorfbewohnern lag, dass man sich bislang große Anschaffungen oder gar sinnlosen Konsum versagte. Vielleicht machte aber auch die Angst, das viele Geld könne die Menschen und die ganze Dorfgemeinschaft ins Unglück stürzen, die plötzlich zu Reichtum Gelangten vorsichtig und zurückhaltend. Denn bislang saß man im gleichen Boot, hielt zusammen und pflegte eine Fairness, die so weit ging, dass eine Losverkäuferin den Gewinn einer Freundin nicht für sich behielt, obgleich diese bis zur Ziehung des Hauptgewinns ihr Ticket noch nicht einmal bezahlt hatte.</p>
<p>Ich wünsche den Bürgern von Sodeto von Herzen, dass die Stimmung im Dorf so bleiben wird, bin aber trotzdem pessimistisch. Zum einen, weil sich mehrere Arme und Mittellose im Dorf nur ein Viertellos leisten konnten und somit natürlich auch nur einen relativ kleinen Gewinn bekamen. Geld, das nach der Bezahlung aller Kredite und der längst notwendig gewordenen Hausrenovierung schnell aufgebraucht sein könnte. Und wenn dann der Erste der Großgewinner nach Verstreichen einer gewissen Schamfrist doch einen nagelneuen Jaguar, einen Porsche oder Maserati vor seinem Haus parkt,  dürften die anderen Neureichen nicht lange zögern und nachziehen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Anders ausgedrückt: In diesem Augenblick beginnt das Wettrüsten um so genannte Positionsgüter<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn2">[2]</a>. Verbunden mit Neid und Missgunst derer, die nicht mithalten können. Da wird das neue Statussymbol des Nachbarn schnell wie ein eigener Verlust wahrgenommen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn3">[3]</a>. Am Ende besteht also die große Gefahr, dass sich Zufriedenheit und Harmonie im Dorf, trotz des Geldsegens, über den sich heute noch alle freuen mögen, dramatisch verringern werden.</p>
<p>Die neugierigen Journalisten dürften bis dahin längst schon wieder abgereist sein. Aber es wäre zu wünschen, dass sich vielleicht zumindest Psycholog(inn)en in regelmäßigen Abständen in dieses Dorf aufmachen, um die Bewohner nach ihrem Wohlergehen zu fragen. Die Glücksforschung ist doch momentan groß in Mode. In Sodeto kann man zurzeit fast so etwas wie perfekte Laborbedingungen vorfinden.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Um es  mit den Worten John Stuart Mills auszudrücken: “Men do not desire merely to be rich, but to be richer than other men“</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref2">[2]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Das sind messbare Güter, mithin Statussymbole, die den Zweck haben, gegenüber denjenigen mit denen man sich sozial vergleichen kann, eine bessere „Position“ zu erreichen.</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref3">[3]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> vgl. auch Luttmer, Erzo F. P. (2005): <em>Neighbors as Negatives: Relative Earnings and Well-Being, </em>The Quarterly Journal of Economics</span></span></p>
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		<title>Hin und Her</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 12:37:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Adaption]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine interessante Diskussion ergab sich neulich bei einem Bordeaux-Weinabend in unserem Hause. So saßen sich zwei meiner Freunde am Tisch gegenüber. Der eine, gerade frisch geschieden, war vor kurzem in die Stadt gezogen, nachdem er gut zehn Jahre lang 30 Kilometer außerhalb Frankfurts gewohnt hatte. Weit draußen, in der Wetterau, hatte er ein schönes Häuschen mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine interessante Diskussion ergab sich neulich bei einem Bordeaux-Weinabend in unserem Hause. So saßen sich zwei meiner Freunde am Tisch gegenüber. Der eine, gerade frisch geschieden, war vor kurzem in die Stadt gezogen, nachdem er gut zehn Jahre lang 30 Kilometer außerhalb Frankfurts gewohnt hatte. Weit draußen,<span id="more-6648"></span> in der Wetterau, hatte er ein schönes Häuschen mit großem Garten besessen, was er nach der Trennung aber verkaufen musste, um die hohen Unterhaltszahlungen an seine Ex finanzieren zu können. Materiell hatte er sich also eindeutig verschlechtert. Der einzige Trost: Mit der kleineren neuen Stadtwohnung (ebenfalls Eigentum) entfiel das tägliche Pendeln zu seinem Arbeitsplatz mitten in der City.</p>
<p>Da hatte es der andere Freund doch besser getroffen. Er ist, wie man so schön sagt, immer noch glücklich verheiratet und hat zusammen mit seiner Frau zwei Jungs im Lausbubenalter. Als die Söhne jeweils ein eigenes Zimmer beanspruchten, wurde die Wohnung im Frankfurter Westend allmählich zu klein. Während die Miete gerade mal wieder erhöht worden war. Und so fiel die Entscheidung nicht schwer, sich nach einigem Suchen ein schönes Häuschen außerhalb von Frankfurt zu kaufen. Da draußen gäbe es richtig gute Luft, schwärmte der Familienvater der weinseligen Runde vor. Die Preise in Frankfurt seien sowieso völlig überzogen, so dass man das günstigere Eigenheim im Grünen dem Lärm und Krach der Großstadt vorgezogen habe. „Und einen Zweitwagen brauchen wir auch nicht“, sekundierte die Gattin: „Mein Mann nimmt die S-Bahn.“</p>
<p>Ich fragte mich, wer von meinen beiden Freunden langfristig wohl der glücklichere sein würde. Denn mir war klar, dass sich beide an ihr neues Heim – sei es nun größer oder kleiner als zuvor – schon bald gewöhnt haben würden. Aber das Pendeln zwischen Wohnung und Arbeitsplatz? Kein Problem für meinen frisch geschiedenen Gast. Der brauchte nämlich im Gegensatz zu früher kaum mehr als 10 Minuten bis zu seinem Arbeitsplatz. Wie aber stünde es in Zukunft mit unserem idyllischen Familienleben auf dem Lande? Würden sich die Vier damit arrangieren können, künftig jeden Morgen zwischen 30 und 45 Minuten Zeit für einen Weg aufwenden zu müssen?</p>
<p>Interessanterweise habe Sozialwissenschaftler vor nicht allzu langer Zeit eine Antwort auf diese Frage gefunden. Ihren Erkenntnissen zufolge gewöhnt man sich an feststehende und sichere Ereignisse wesentlich schneller als an instabile oder unsichere. Das Glücksgefühl, das man aus einem größeren Eigenheim ziehen kann, hält demnach nicht allzu lange an. Ganz anders jedoch verhält es sich mit Faktoren, die unsicher und vor allem unberechenbar bleiben<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">1</a>. Im Guten sorgen sie für länger anhaltendes Wohlbefinden. So freut man sich über ein unerwartetes Geschenk wesentlich länger und intensiver als über eines, mit dem man schon lange fest gerechnet hatte. Dann und wann ein Blumenstrauß an die Frau Gemahlin, ohne dass Geburtstag, Hochzeitstag etc. anstehen, kann also Wunder wirken. Das Gleiche gilt leider auch im Negativen. Wer etwa bei einer schweren Krankheit keinerlei Chance auf eine Genesung sieht, gewöhnt sich an diesem Zustand interessanterweise viel schneller als ein Patient, der immer wieder von neuem Hoffnung schöpfen darf. Auch jemand, der täglich während der Rushhour pendelt, muss sich ständig auf neue Situationen einstellen: Mal gibt es Stau auf der Autobahn, mal ist eine Oberleitung defekt oder ein Signal gestört, so dass sich die Abfahrt der S-Bahn um 20 Minuten verzögert. Nie weiß man im Voraus, ob alles reibungslos klappen wird. Und diese Unsicherheit sorgt für anhaltendes Unbehagen. Ganz zu schweigen von der Lebenszeit, die man Tag für Tag auf der Straße oder den Schienen verliert, statt sie Familie und Freunden zu widmen. Auf die Fortsetzung dieser Debatte bin ich gespannt. Den Wein für die nächste Runde habe ich schon mal bereitgestellt.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">1</a> Hsee, Christopher K., (2008): <em>Two Recommendations on the Pursuit of Happiness</em>, Journal of Legal Studies vol. 37</p>
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		<title>Von Punkten und Pünktlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Nov 2010 10:57:29 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Enttäuschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Positives Denken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Irgendwann geht jeder Urlaub einmal zu Ende. Schweren Herzens packten wir die Koffer, die deutlich schwerer waren als bei der Hinreise. Denn es war ja nicht bei dem einen Besuch auf dem Basar geblieben. Vier Stunden sollte der Rückflug dauern.  Doch kaum saß ich auf meinem engen, unbequemen Sitz in der Bretterklasse, ordnungsgemäß angeschnallt, die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwann geht jeder Urlaub einmal zu Ende. Schweren Herzens packten wir die Koffer, die deutlich schwerer waren als bei der Hinreise. Denn es war ja nicht bei dem einen Besuch auf dem Basar geblieben. Vier Stunden sollte der Rückflug dauern.  <span id="more-586"></span>Doch kaum saß ich auf meinem engen, unbequemen Sitz in der Bretterklasse, ordnungsgemäß angeschnallt, die Lehne senkrecht gestellt und das Tischchen  hochgeklappt, da meldete sich der Kapitän mit einer wichtigen Durchsage zu Wort. Sie kennen das bestimmt auch: &#8222;Uns wurde gerade ein   Slot zugewiesen. Deswegen wird sich der Abflug um 45 Minuten verzögern.&#8220; Ein unwilliges, hundertfaches Aufseufzen ging durch die Sitzreihen. Die meisten Passagiere reagierten ziemlich genervt, da sie bereits beim Check-in viel Geduld hatten aufbringen müssen. Umso freudiger fiel die Reaktion aus, als sich der Kapitän bereits nach 10 Minuten wieder vernehmen ließ, dieses Mal, um gutgelaunt zu verkünden, man werde bereits in sieben Minuten starten können. Das sei doch immerhin besser als der ursprünglich befürchtete „worst case“, versuchte sich der Flugzeugführer im positiven Denken. Ja, man scheint bei der Lufthansa tatsächlich etwas gelernt zu haben. Lieber eine deftige Verspätung ankündigen, die hinterher wieder korrigiert werden kann, als den Abflugtermin unter dem Gemurre der Passagiere immer weiter, im Fünf-Minuten-Takt, nach hinten zu verschieben.</p>
<p>Eine halbe Stunde vor der Landung in Frankfurt gab es allerdings eine kalte Dusche. Da stand doch auf dem Monitor an der Kabinendecke &#8211; von vielen unbemerkt – plötzlich nicht mehr eine verbleibende Flugzeit von 30, sondern von 55 Minuten geschrieben. Ganz klamm und heimlich. Auch der Kapitän schwieg sich vornehm aus. Erst nach einer weiteren halben Stunde wurden wir aufgeklärt: Leider, leider müssten wir noch ein paar Extrarunden über Frankfurt drehen. Aber niemand beschwerte sich, und am Ende waren alle froh, heil gelandet zu sein. Mit 42 Minuten Verspätung, die aber bei der Gepäckausgabe glücklicherweise zum Teil wieder wettgemacht wurden.</p>
<p>Manchmal habe ich das Gefühl, Glück und Zufriedenheit, Enttäuschung und Frust, ja, ganze das Leben besteht nur aus einer Abfolge von richtig und falsch gesetzten Referenzpunkten.</p>
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