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	<title>Framing Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Im Zweifel entscheidet der Bauch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2016 06:37:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jüngste Umfragen von Meinungs­­­forschungsinstituten zum bevor­stehenden Referendum in Großbritannien zeigen einen leichten Vorsprung der Befürworter eines Brexits an. Dabei schwanken die Umfragewerte zunehmend. Allerdings wird die Prognosekraft der sowohl am Telefon als auch Online vorgenommenen Umfragen von Kom­mentatoren häufig bezweifelt. Bei den britischen Wettbüros liegt allerdings immer noch das Remain-Camp vorne, allerdings mit abnehmender Tendenz. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">Im Zweifel entscheidet der Bauch</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8908 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-300x200.jpg" alt="Tower Bridge in London, the UK. Dramatic stormy and rainy clouds" width="300" height="200" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-300x200.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-768x512.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London.jpg 849w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jüngste Umfragen von Meinungs­­­forschungsinstituten zum bevor­stehenden Referendum in Großbritannien zeigen einen leichten Vorsprung der Befürworter eines Brexits an. Dabei schwanken die Umfragewerte zunehmend. Allerdings wird die Prognosekraft der sowohl am Telefon als auch Online vorgenommenen Umfragen von Kom­mentatoren häufig bezweifelt. Bei den britischen Wettbüros liegt allerdings immer noch das Remain-Camp vorne, allerdings mit abnehmender Tendenz.</p>
<p>Andere wiederum entwickeln mehr oder weniger schlimme Szenarien, falls es tatsächlich zu einem Brexit kommen sollte. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur eines dieser Szenarien eintritt, extrem gering. Denn dafür ist die Komplexität aller möglichen Folgen und Auswirkungen auch auf andere politische Bereiche samt aller möglichen Kosten und Nutzen schlichtweg zu hoch. Deswegen dürften sich viele Manager in Unternehmen ebenso überfordert fühlen wie die Mehrheit der Wähler auch. Statt rationale Entscheidungen treffen zu können, dürfte am Tag der Abstimmung eher der Bauch votieren. Für welche Faustregeln und mentalen Kurzschlüsse dabei die Wählerinnen und Wähler besonders anfällig sind, damit beschäftigt sich das Thema des Monats Juni, das ich wie immer für die WGZ Bank <a href="https://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html" target="_blank"><strong><span style="color: #ff0000;">HIER</span></strong></a> erstellt habe.</p>
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		<title>Mindestlohn ist nicht nur Fluch für Arbeitgeber</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2016 15:55:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dass das gerade abgelaufene Jahr 2015 auch im Zeichen des in Deutschland nunmehr eingeführten Mindestlohns stand, habe ich zum Beispiel bemerkt, als ich im Sommer mit einem Freund zu den Händel-Festspielen nach Halle reiste. Damals hatten wir mit der Deutschen Bahn AG wieder einmal Schiffbruch erlitten. Gott sei Dank nicht irgendwo auf freier Strecke, sondern [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass das gerade abgelaufene Jahr 2015 auch im Zeichen des in Deutschland nunmehr eingeführten Mindestlohns stand, habe ich zum Beispiel bemerkt, als ich im Sommer mit einem Freund zu den Händel-Festspielen nach Halle reiste. Damals hatten wir mit der Deutschen Bahn AG wieder einmal Schiffbruch erlitten. Gott sei Dank nicht irgendwo auf freier Strecke, sondern in einer Ortschaft, so dass wir angesichts einer angekündigten Wartezeit von mehr als zwei Stunden kurzerhand beschlossen, unsere Reise im Taxi fortzusetzen. Der Kilometerpreis vor Ort sollte 3,10 Euro betragen – für deutsche Verhältnisse ein Rekord. An allem sei nur die Frau Nahles schuld, bedeutete uns der Taxifahrer mit unschuldigem Blick. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro müsse erst einmal erwirtschaftet werden. Und auch andernorts, wo nun die Taxipreise ebenfalls, wenn auch etwas moderater angehoben wurden, jammerten einige Fahrer, in der Zeit vor dem Mindestlohn sei alles besser gewesen. Da hätte man viel besser und vor allem leistungsgerecht verdient. Wer sich angestrengt und viele Fahrten angenommen habe, hätte immerhin einen guten Teil des Umsatzes sein Eigen nennen können. Jetzt verdienten die Faulen genauso viel wie die Fleißigen.</p>
<p>Nun kann man über Mindestlöhne denken, wie man will. Die einen halten sie für einen störenden staatlichen Eingriff in den freien Markt, die anderen für sozial gerechtfertigt. Aber als ich kürzlich hörte, dass das Mindestlohnmodell von seinen Erfindern als Erfolg gefeiert wurde und man aus Gewerkschaftskreisen vernimmt, dass eigentlich ein Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde angemessen sei, dachte ich mir in einer ersten, möglicherweise vorschnellen Reaktion: „Die langen aber ganz schön kräftig hin.“</p>
<p>Nun dann traf ich unlängst einen jungen portugiesischen Ingenieur, der gerade seine Ausbildung mit einem zweiten akademischen Abschluss an einer angesehenen internationalen Hochschule beendet hatte. Wir kamen ins Gespräch, und er sagte mir, er könne von seinem monatlichen Einkommen in Frankfurt kaum leben. Als ich dann erfuhr, dass sein Arbeitgeber ihm vollmundig erklärt habe, er würde immerhin Mindestlohn bekommen und sei daher gut bezahlt, kam ich ins Grübeln. Der Chef hatte seinem Angestellten ein halbleeres Glas für halbvoll verkauft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anker in beide Richtungen</strong></p>
<p>Schließlich wollte ich es genauer wissen und stieß auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich auf Daten der OECD stützt<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, wonach der in Deutschland eingeführte Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde etwas mehr als der Hälfte des mittleren Stundenlohns eines Vollzeitbeschäftigten im Jahre 2012 entspricht. Außerdem verweist die Studie auf die wichtige Ankerfunktion für die Lohnstruktur eines Landes oder die Gestaltung von Tarifverträgen. Doch zeigt sich dabei, dass der Mindestlohn bei der Entwicklung von Löhnen in Tarifverträgen nicht nur als Benchmark, also als Lohnuntergrenze und Sicherheitsnetz für Arbeitnehmer, die nicht durch Tarifverträge geschützt sind, fungiert.</p>
<p>Vielmehr bewirkt der Ankereffekt, dass eben nicht nur schlecht verdienende Beschäftigte vor extremer Ausbeutung geschützt werden<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>. Denn der gleiche Anker wirkt auch in die andere Richtung und dürfte dazu führen, dass sich der Stundenlohn vormals besser bezahlter Arbeit nach unten, in Richtung des staatlich festgesetzten Mindestlohns bewegt. Mit anderen Worten: Für manchen Arbeitgeber ist der Mindestlohn nicht nur ein Fluch, sondern auch ein Segen, weil er sich auf ihn als einem als positiv und sozial verantwortungsbewusst geltendem Wert berufen kann. Dann heißt es nicht: „8,50 Euro ist das Mindeste, was ich Dir zahlen muss“, sondern: „Deine Bezahlung orientiert sich an einem anerkannten Standard.“</p>
<p>Zumindest habe ich nicht von großen Entlassungswellen wegen der Einführung des Mindestlohns gehört.</p>
<p>Im Gegenteil: „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnet anhaltend kräftige Zuwächse“, beurteilt die Bundesagentur für Arbeit die Entwicklung im vergangenen Jahr<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Studie der Friedrich Ebert-Stiftung: Schulten, Thorsten (Oktober 2014): <em>Contours of a European Minimum Wage Policy</em></p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Man bedenke, dass der Mindestlohn in manchen europäischen Staaten unter drei Euro pro Stunde und in manchen Staaten deutlich unter der Hälfte des mittleren Lohnes eines Vollzeitbeschäftigten liegt</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit Dezember und Jahr 2015, Seite 7</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das erste Mal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2015 07:39:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ging es Ihnen auch so? Weihnachten war dieses Jahr besonders lang. Das kann gut oder schlecht für Familien sein – wie man es nimmt. In meinem persönlichen Umfeld hat sich jedenfalls in diesen Tagen beziehungstechnisch Einiges verändert. So hörte ich etwa von einer Freundin, nennen wir sie hier Elisabeth, dass sie sich nach fast zehn [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ging es Ihnen auch so? Weihnachten war dieses Jahr besonders lang. Das kann gut oder schlecht für Familien sein – wie man es nimmt. In meinem persönlichen Umfeld hat sich jedenfalls in diesen Tagen beziehungstechnisch Einiges verändert. So hörte ich etwa von einer Freundin, nennen wir sie hier Elisabeth, dass sie sich nach fast zehn Jahren von ihrem Lebensgefährten getrennt hatte. Eine traurige Geschichte, aber die beiden haben nach meinem Dafürhalten wirklich nicht zusammengepasst. Der Schlussstrich wurde im November 2014 gezogen.</p>
<p>Es sollte nicht lange dauern, bis sich Elisabeth nach etwas Neuem umsah. Tatsächlich nahm sie sich ein Herz und schrieb sich im Internet als Abonnentin bei einer Partnervermittlung für gehobene Ansprüche ein. Für all diejenigen, die jetzt die Nase rümpfen sollten: Da ist heute wirklich nichts mehr dabei. Mich interessierte an dieser Geschichte vor allem, wie meine Freundin die Partnervorschläge abarbeiten würde. Denn der größte Feind menschlicher Entscheidungen ist ja bekanntlich das Bedauern, die Reue, wenn die daran geknüpften Erwartungen nicht in Erfüllung gehen.</p>
<p>Aber im Gegensatz zum Kennenlernen „in freier Wildbahn“, so erläuterte mir Elisabeth am Telefon, würden bei der Partnervermittlung Enttäuschungen doch durch vorher festgelegte Kriterien und Wunschvorstellungen der Interessenten deutlich reduziert. So hatte sich der Personenkreis interessanter Kandidaten auch für Elisabeth entsprechend verkleinert – mit etwas Glück ließe sich so der Liebe auf die Sprünge helfen, dachte auch meine Freundin.</p>
<p>„Den Ersten nehme ich aber schon aus Prinzip nicht, denn wer weiß, was mir dadurch entgeht“, erklärte Elisabeth unlängst am Telefon. Und mir wurde klar, dass sich alle zukünftigen Partnervorschläge an diesem ersten würden messen lassen müssen. Ein Referenzpunkt, der – eigentlich völlig willkürlich gewählt – nur deswegen entsteht, weil meine liebe Freundin mit Partnervermittlung im Internet bislang keine Erfahrung hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Noch eine Entscheidung mit hohem Einsatz</strong></p>
<p>Die Geschichte erinnerte mich sehr stark an die Praktiken eines Grundstücksmaklers, – ja, wer‘s nicht glauben mag: Privatleben und Ökonomie haben sehr viel miteinander zu tun – der sich diesen Effekt „des ersten Mals“ gerne zu Nutze macht. Wohl wissend, dass Kaufinteressenten das erste Objekt nur äußerst selten erwerben, stellt er an den Anfang seiner Besichtigungstour vorzugsweise eher überteuerte Bruchbuden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Interessenten nicht infrage kommen. Aber dieser Anker verfehlt bei allen weiteren Angeboten seine Wirkung nicht, denn zwangsläufig werden alle folgenden Objekte an diesem ersten Referenzpunkt gemessen. Und damit der erste Besichtigungstermin nicht ganz umsonst gewesen ist, schlägt der Makler vor, noch schnell eine weitere Immobilie zu inspizieren. Immerhin: Das durchschnittliche Einfamilienhaus ein paar Straßen weiter nimmt sich fast wie ein Schnäppchen aus. Wenngleich immer noch zu teuer, kostet es doch deutlich weniger als die Bruchbude. Nicht Wenige haben ihr Eigenheim in erster Linie gekauft, weil es ihnen <em>relativ</em> günstig erschien.</p>
<p>Nun aber zurück zu Elisabeth. Da hatte glücklicherweise kein Makler die Hand im Spiel. Aber bei der Partnerwahl gelten ähnliche Gesetzmäßigkeiten. Vielleicht hätte Elisabeth tatsächlich gleich den ersten Kandidaten nehmen sollen. Gefallen hat er ihr schon. Mittlerweile hat die Gute sechs Rendezvous absolviert – alle Bewerber (und das mit fallender Tendenz) konnten jedoch der Nummer Eins nicht das Wasser reichen. Ich hoffe, dass sich dieser Abwärtstrend nicht fortsetzt, sonst ist tatsächlich zu befürchten, dass Elisabeth eines Tages die Geduld verliert und sich mit dem Nächstbesten zufrieden gibt. Hätt‘ sie doch den Erstbesten genommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Flucht von Bitcoins ins Gold?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 07:39:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist gerade einmal eine Woche her, dass ich mich erstmals zu Bitcoins geäußert habe und angesichts des exponentiellen  Anstiegs dieser virtuellen Währung einen Vergleich mit der Tulipmania des 17. Jahrhunderts zog. Gestern Nacht haben wir einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was ein „BitCrash“ bedeutet. Denn nachdem der Kurs für die Kunstwährung ein neues Allzeithoch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist gerade einmal eine Woche her, dass ich mich erstmals zu Bitcoins geäußert habe und angesichts des exponentiellen  Anstiegs dieser virtuellen Währung einen Vergleich mit der <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/wenn-goldbarren-zu-bitcoins-werden/">Tulipmania des 17. Jahrhunderts zog</a>. Gestern Nacht haben wir einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was ein „BitCrash“ bedeutet. <span id="more-5986"></span>Denn nachdem der Kurs für die Kunstwährung ein neues Allzeithoch von 266 USD an der größten Bitcoin-Börse der Welt <i>Mt. Gox</i> erreicht hatte, kam es innerhalb von sechs Stunden zu einem Sturz, der Bitcoins temporär auf ein Tief von 105 USD krachen ließ. Das entspricht einem Wertverlust von 60 Prozent – so schnell ist noch nicht einmal der Markt für Tulpenzwiebeln vor rund 300 Jahren zusammengebrochen. Natürlich klingt es bösartig, wenn der Blogger Tyler Durden (<a href="http://www.zerohedge.com/news/2013-04-10/bitcrash-continues-down-40-and-dumping">zerohedge.com, vgl. auch den dort aufgezeigten Kursverlauf</a>) darauf hinweist, bei einem derartigen Markt gäbe es keine automatischen Trading-Unterbrechungen wie an der NYSE oder gar ein Plunge Protection Team, das ähnlich wie beim US-Aktienmarkt im Notfall in Aktion treten würde, um den Verfall der Kurse abzufangen. Unabhängigkeit von staatlichen Interventionsmöglichkeiten hat eben ihren Preis und womöglich ist gestern bereits eine Blase geplatzt, die sich mancher Akteur vor einigen Tagen noch nicht vorstellen konnte beziehungsweise überhaupt nicht für möglich hielt. Ganz zu schwiegen von denjenigen, die sich in Bitcoins bezahlen lassen und ihre Erlöse in fungiblere Valuten umtauschen möchten. Wo bleibt die ewige Nachfrage? Aber vielleicht war das alles ja nur eine „gesunde technische Korrektur“ im Aufwärtstrend. Nein, ich sollte den später folgenden „Bounce“ der Kurse auf 180 USD (das sind satte 70 Prozent!) nicht unterschlagen.</p>
<p>Allerdings glaube ich nicht, dass die gestrigen Verkäufe einen Exodus der Anleger in Richtung Gold bedeuten, auch wenn Letzteres immer wieder mit den Bitcoins gerne verglichen wird. Tatsächlich sind die Gold-Lagerbestände von ETF-Anbietern (SPDR Holdings) gestern auf den niedrigsten Stand seit Mai 2010 gefallen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Manipulative Überschrift</b></p>
<p>Unterdessen sorgt sich der Daily Telegraph um die Deutschen und titelt heute (vgl. Online Ausgabe) ein Viertel der Deutschen wolle den Euro loswerden<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> – ein klassischer Fall, wie man durch „Gestaltung“ des Bezugsrahmens (Framing) einen Sachverhalt verzerrt darstellen kann. Denn die Zeitung bezieht sich auf eine bereits vor einigen Tagen publizierte Forsa-Umfrage des Handelsblatts, wonach trotz der andauernden Schuldenkrise fast 70 Prozent der Deutschen (der bislang höchste Zustimmungswert!) den Euro behalten wollen. So lässt sich richtig gut Stimmung machen.</p>
<p>Um Stimmung ging es auch bei unserer jüngsten Sentiment-Erhebung, die wir wie immer mit der Börse Frankfurt durchgeführt haben und die ich <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+ein+zu+glattes+baeren+szenario+49287">hier kommentiert</a></span> habe. Um die Detailanalyse hat sich dieses Mal mein Mitstreiter <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+ein+zu+glattes+baeren+szenario+49287#reiter=detailanalyse">Gianni Hirschmüller hier</a></span> gekümmert.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Quarter of Germans ’want to drop the euro’</p>
</div>
</div>
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		<title>„Böse“ Schubser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 09:09:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich richtig gefreut, als ich einem Beitrag von Professor Dr. Britta Kuhn im Wirtschaftsblog Ökonomenstimme[1] über den Kampf vieler traditioneller Volkswirte gegen eine Politik des so genannten „Anstupsens“ lesen konnte. Diese Methode findet vor allen Dingen seit dem Erscheinen des Buches „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein aus dem Jahre 2008 [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/">„Böse“ Schubser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich richtig gefreut, als ich einem Beitrag von Professor Dr. Britta Kuhn im Wirtschaftsblog Ökonomenstimme<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> über den Kampf vieler traditioneller Volkswirte gegen eine Politik des so genannten „Anstupsens“ lesen konnte. Diese Methode findet vor allen Dingen seit dem Erscheinen des Buches „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein aus dem Jahre 2008<span id="more-5836"></span> immer mehr Anhänger, obwohl sich viele traditionelle Volkswirte gegen einen solchen libertären Paternalismus wehren. Dabei geht es darum, dass die Politik mit geschicktem Setzen von Anreizen und Argumenten den Bürgern einen Schubs in die richtige Richtung gibt, damit sie „bessere“ Entscheidungen treffen. Denn wie sich immer wieder zeigt, treffen viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen, die man als nicht gerade optimal bezeichnen würde. Zumal sie sich dabei über ihre Motive nicht immer im Klaren sind. Mit anderen Worten: Menschen sind leicht beeinflussbar und verlieren mitunter auch den Überblick. Schon nach kurzer Zeit bereuen viele, was sie heute konsumiert haben. So wie ich auch. Zurzeit halte ich wieder mal Diät, und nachdem mir gestern ein kleiner Ausrutscher in Form einer Kaloriensünde widerfuhr, hatte ich heute den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen. Oder man denke an den Sparer, der fürs Alter regelmäßig einen bestimmten Geldbetrag zurücklegt, dieses Programm aber wegen der niedrigen Nominalverzinsung kurzum unterbricht und sich stattdessen einen langen gehegten Wunsch gönnt. Aber das neue Smartphone oder die neuen Lautsprecherboxen verlieren viel schneller ihren Reiz, als es sich der stolze Besitzer zuvor ausgemalt hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Libertärer Paternalismus lässt Bürgern freie Hand</b></p>
<p>Beim so genannten Anstupsen versucht die Politik eine Entscheidungssituation so zu gestalten, dass das Handeln der Menschen in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Zugleich bleibt aber die Freiheit des Einzelnen erhalten: Der libertäre Paternalismus, an sich ein Paradox, macht den Entscheidern also keine Vorschriften. Zwar kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben, aber letztlich bleibt die Freiheit eines jeden bei der Wahl einer Handlungsoption bewahrt. (Mehr dazu <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/berater-bashing/">hier</a> und <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/entscheidungsanstose/">hier</a>) Und da Menschen nun mal Verluste schwerer bewerten als Gewinne, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein Glas als halb voll oder halb leer präsentiert – als relativen Gewinn oder als relativen Verlust.</p>
<p>Die für nahezu alle Menschen typische Verlustaversion führt aber auch dazu, dass man nicht gerne ein Gut gegen ein anderes eintauschen möchte, auch wenn beide gleichwertig sind, eben weil der Verlust dessen, was man hergibt, schwerer wiegt als die Freude über das, was man dafür bekommt. Deswegen bevorzugen so viele Menschen den Status quo und bleiben lieber passiv, als aktiv eine Entscheidung zu treffen, die man womöglich hinterher noch bereuen könnte. Eine Neigung, die man sich als „Nudger“ zunutze machen kann.</p>
<p>Was jedoch bei der ganzen Diskussion darüber, ob der libertäre Paternalismus gut ist oder nicht, von Befürwortern wie Kritikern gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass auch der Status quo und die damit verbundene Fortführung vergangener Entscheidungen auf einer bestimmten oder gelenkten Präsentation eines Sachverhalts beruht. Vielleicht wurde auch hier schon mit einem „Schubs“ nachgeholfen. Marketingstrategen gibt es nicht erst seit gestern.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/03/der-kampf-traditioneller-volkswirte-gegen-eine-anstups-politik-ist-realitaetsfern/">http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/03/der-kampf-traditioneller-volkswirte-gegen-eine-anstups-politik-ist-realitaetsfern/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/">„Böse“ Schubser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Behavioral Training</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jan 2013 06:44:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[abnehmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Cross-Trainer]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
		<category><![CDATA[Prospect Theorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dreimal pro Woche gehe ich ins Sportstudio. Und das schon seit etlichen Jahren. Daher werde ich immer wieder einmal gefragt, ob ich das, was ich dort an einem so genannten Cross-Trainer vollbringe – es handelt sich in der Regel um ein 45minütiges Training – nicht allmählich als langweilig empfände. Gott sei Dank könne man ja [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dreimal pro Woche gehe ich ins Sportstudio. Und das schon seit etlichen Jahren. Daher werde ich immer wieder einmal gefragt, ob ich das, was ich dort an einem so genannten Cross-Trainer vollbringe – es handelt sich in der Regel um ein 45minütiges Training – nicht allmählich als langweilig empfände. Gott sei Dank <span id="more-5658"></span>könne man ja dabei fernsehen, wiegele ich dann meistens ab. Aber es gibt dennoch durchaus Tage, an denen das Training richtig ätzend sein kann. Und dann blicke ich doch recht häufig auf die Uhr, wann das Ganze endlich überstanden ist und ich verschwitzt, aber mit gutem Gewissen vom Gerät wieder absteigen kann.</p>
<p>Unlängst hatte ich während der Weihnachtsferien in Norddeutschland auch das dortige Sportstudio  aufgesucht, welches sich, wohl in bewusster Abgrenzung zur rauen Landschaft Schleswig-Holsteins, „California-Club“ nennt. Dort hängen nicht wie in Frankfurt acht Bildschirme an der Hallendecke, von denen ganz verschiedene Programme flimmern. Vielmehrt gibt es nur einen Fernseher und damit auch nur einen Sender. Dafür handelt es sich bei den Cross-Trainern um hochwertige Maschinen der Firma precor, ausgestattet mit einer Uhr der besonderen Art. Auf ihr sieht man nämlich nicht wie sonst üblich nur die bereits absolvierte Trainingszeit, sondern man kann sich stattdessen auch die noch verbleibende Zeit bis zum Erreichen des Trainingsziels anzeigen lassen. Eine tolle Idee, denn oft kommt es mir geradezu endlos vor, bis 45 Minuten verstrichen sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Nur eine Frage der Präsentation (Framing)</b></p>
<p>Aber da ich mittlerweile immer mehr versuche, mein Leben verhaltensökonomisch so angenehm wie möglich zu gestalten, setzte ich die Umschaltmöglichkeit zwischen verstrichener und noch zu absolvierender Zeit ganz gezielt bei meinem Training ein. Denn eine Uhr, die ausgehend vom Bezugspunkt 0 nur das bereits abgeleistete Training misst, hat den gravierenden Nachteil, dass jeder Trainingsfortschritt mental zwar als Gewinn, aber (gemäß der Prospect Theorie der Psychologen Kahneman &amp; Tversky) leider gleichzeitig auch mit abnehmender Sensitivität wahrgenommen wird.</p>
<p>Andererseits würde eine Uhr, die nur die noch abzuleistende Zeit anzeigt und deren Anzeige sich demzufolge ausgehend von 45 Minuten in Richtung 0 bewegte, das Training mental im Verlustbereich starten lassen. Was zur Folge hätte, dass man sich zu Beginn so demotivierend weit vom Referenzpunkt „Ziel“ entfernt fühlt, dass man am liebsten gar nicht erst anfangen möchte. Doch je kleiner die Zahlen gegen Ende der Übung werden, desto besser, so meine Erfahrung im Selbstversuch, fühlte ich mich im Gegensatz zu früher, weil ich jede verbleibende Minute mit wachsender Sensitivität wahrnahm.</p>
<p>Die Konsequenz für mich lautete also, mit dem Modus „Verstrichene Zeit“ das Training zu beginnen und es im umgekehrten Modus „Verbleibende Zeit“ zu beenden. Doch wann sollte ich umschalten? Um den besten Effekt zu erzielen, nahm ich wiederum die Erkenntnisse der Prospect Theorie zu Hilfe, wonach Menschen Verluste etwa doppelt so stark wie Gewinne in gleicher Höhe bewerten. Und da ich im Modus „Verbleibende Zeit“ quasi Verluste wettmache und die „Gewinne“ der „Verstrichenen“ Trainingszeit auch noch mit abnehmender Sensitivität wahrnehme, bietet es sich an, im ersten Modus doppelt so viel Zeit zu verbringen wie im zweiten. Um also 45 Minuten Trainingszeit psychologisch optimal einzuteilen, sollte man sich von der Uhr während der ersten 15 Minuten die verstrichene und für die übrigen 30 Minuten die verbleibende Zeit anzeigen lassen.</p>
<p>Bei so viel Motivation braucht man wahrscheinlich kein TV-Programm zur Ablenkung mehr.</p>
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		<title>Cui bono?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 06:08:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
		<category><![CDATA[Prospect Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Rating-Agenturen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nein, eigentlich wollte ich mich nicht mehr über das Timing der Rating-Agenturen aufregen. Zumal ich wie viele andere Akteure (darunter auch führende Politiker) mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit verschiedener europäischer Staaten durch die Rating-Agentur Standard &#38; Poor&#8217;s gerechnet hatte. Aber ich war dann doch erstaunt darüber, wie die Botschaft, dass es nun auch Frankreich „erwischt“ [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, eigentlich wollte ich mich nicht mehr über das Timing der Rating-Agenturen aufregen. Zumal ich wie viele andere Akteure (darunter auch führende Politiker) mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit verschiedener europäischer Staaten durch die Rating-Agentur Standard &amp; Poor&#8217;s gerechnet hatte. Aber ich war dann doch erstaunt darüber,<span id="more-3086"></span> wie die Botschaft, dass es nun auch Frankreich „erwischt“ habe, nachdem das ja bereits vor einigen Wochen schon einmal irrtümlicherweise behauptet worden war, in den Markt gelangte: an einem Freitagnachmittag und in Form von Gerüchten. Als ob man es besonders spannend machen wollte. Denn die Teilnehmer an den Finanzmärkten mussten sich schon noch einige Zeit gedulden, bis die Rating-Agentur offiziell den Downgrade von neun europäischen Staaten bekanntgab. Man braucht wohl keinem Aktien- oder Devisenhändler erklären, wie eine derartige Meldung wirkt, wenn sie auf Märkte trifft, die am Freitagnachmittag nicht mehr besonders liquide sind. Da kann selbst ein weniger überraschendes Ereignis – der Euro gab von der Spitze immerhin 200 Stellen gegenüber dem US-Dollar an Wert ab – marktbewegend sein. Aber vielleicht finden es einige ja kleinkariert, wenn man fordert, Standard &amp; Poor&#8217;s müsse mit einer solchen Ankündigung bis zum Börsenschluss in den USA warten oder, vor allem nach den Erfahrungen der vergangenen Monate, zumindest dafür sorgen, dass die Herabstufungsbeschlüsse nicht vorab an die Presse durchsickern.</p>
<p>Vielleicht stört mich indes das Timing der Rating-Agentur auch deshalb, weil den amerikanischen Analyse-Profis wohl kaum entgangen sein dürfte, dass nur einen Tag zuvor spanische und italienische Anleihen emittiert wurden, die auf eine äußerst rege Nachfrage stießen. Warum konnte man nicht beispielsweise einen Tag vor der Versteigerung dieser Staatsanleihen mit der neuen Bewertung herausrücken? Man muss ja nicht gleich, wie viele Kommentatoren meinten, von einem neuen Vertrauen der Investoren in die Sparanstrengungen Italiens und Spaniens sprechen, aber sicher hätten sich die meisten Anleger auch nach der neuen Herabstufung der neun Euroländer kaum davon abbringen lassen, einen Teil des bei der EZB auf drei Jahre zu einem Zinssatz von einem Prozent geborgten Geldes gut verzinslich in spanische oder italienische Anleihen zu investieren. Anders ausgedrückt: Die Marktteilnehmer hätten zuerst eine schlechte und dann eine gute Nachricht zu verarbeiten gehabt und wären vermutlich wohl gestimmt ins Wochenende gegangen, gleich einem Fußballverein, der gerade einen Rückstand ausgeglichen hat.</p>
<p>Stattdessen dürfen sich die Marktteilnehmer nun umgekehrt wie jener Trainer fühlen, dessen Klub mit einem Führungstor zumindest für eine gewisse Zeit die Abstiegszone hätte verlassen können, um dann in letzter Minute doch noch den alle Hoffnung vernichtenden Ausgleich hinnehmen zu müssen. Gerade weil die meisten Menschen negative Nachrichten schwerer bewerten als positive, hat deren Reihenfolge Einfluss darauf, ob die Gesamtsituation als gut oder schlecht empfunden wird. Zwar gehe ich nicht zwangsläufig davon aus, dass derartige Erkenntnisse aus der modernen Psychologie  bis zu den Rating-Agenturen durchgedrungen sind, doch muss ich mir – ohne mich Verschwörungstheoretikern anschließen zu wollen – allerdings die Frage stellen: Cui bono? – Wem nützt das?</p>
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		<title>Eine nicht ganz saubere Debatte</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/eine-nicht-ganz-saubere-debatte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 09:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
		<category><![CDATA[Hyperbolisches Diskontieren]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Debatte, die zurzeit in Großbritannien über die Verdreifachung der Studiengebühren bis auf 9000 £ pro Jahr sowie die drastische Kürzung der Zuschüsse für Universitäten geführt wird, erhitzt die Gemüter. Längst geht es nicht mehr nur darum, ob die Studenten mehr für ihre eigene Hochschulausbildung bezahlen sollen oder nicht. Vielmehr wird aufs heftigste gestritten. Dabei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Debatte, die zurzeit in Großbritannien über die Verdreifachung der Studiengebühren bis auf 9000 £ pro Jahr sowie die drastische Kürzung der Zuschüsse für Universitäten geführt wird, erhitzt die Gemüter. <span id="more-684"></span>Längst geht es nicht mehr nur darum, ob die Studenten mehr für ihre eigene Hochschulausbildung bezahlen sollen oder nicht. Vielmehr wird aufs heftigste gestritten. Dabei hat man Schwierigkeiten, sich eine eigene, klare Meinung zu bilden. Denn jedes Mal, wenn eine Interessengruppe ihre Argumente darlegt, wird die Darstellungs­perspektive (Frame) so geschickt gewählt, dass man sich als Beobachter fast gezwungen fühlt, den jeweiligen Standpunkt dessen, der gerade spricht, anzunehmen.</p>
<p>Nehmen wir einmal eine ganz allgemeine Frage, die von den Befürwortern der neuen Gebühren gerne gestellt wird. Etwa wer für die Studiengebühren aufkommen soll. Der Student, der mit einem Universitätsabschluss seine Einkommensperspektive erheblich verbessern kann, oder der Steuerzahler. Eine so verpackte Frage dürfte viele Menschen zum Schluss verleiten, der zukünftige Hochschulabsolvent sei der große Gewinner – also soll er auch zahlen. Allerdings ist dieser Standpunkt nicht ganz korrekt, denn gut verdienende Hochschulabsolventen dürften für den Rest ihres Arbeitslebens auch mehr zum Einkommensteueraufkommen beitragen. Deswegen sollte der Durchschnitts-Steuerzahler möglichst vielen Menschen eine solche Karriere ermöglichen.</p>
<p>Gegner der Studiengebühren weisen indes darauf hin, dass die Befürchtung, am Ende des Studiums Schulden von etwa 40.000 £ auf dem Buckel zu haben, vor allem Schulabsolventen aus einkommensschwachen Familien davon abhalten könnte, überhaupt ein Studium aufzunehmen. Da ist aus verhaltensorientierter Perspektive tatsächlich etwas dran. Die Schulden werden – selbst wenn sie erst in der fernen Zukunft bezahlt werden – schwerer wiegen als der Gewinn eines zukünftigen Studienabschlusses. Trotz dieser bei vielen Menschen zu beobachtenden Neigung, ihre Entscheidungen irrigerweise von derart diskontierten Ergebnissen abhängig zu machen, ist dennoch eines zu beobachten: Jeder, der sich für ein Universitätsstudium entschieden hat, wird per definitionem einen zukünftigen Studienabschluss höher als den Lohn einstufen, den er stattdessen bei sofortigem Abschluss eines Arbeitsverhältnisses in der Gegenwart erzielen könnte.</p>
<p>Am Ende sind die Argumente beider Parteien von Fehlern behaftet. Doch wie könnte man trotzdem eine Einigung finden? Steuerzahler ohne Studienabschluss profitieren von den Universitätsabsolventen, weil Gutverdiener in höherem Maße zum Steueraufkommen beitragen. So gesehen sollten Studenten so lange wie möglich unterstützt werden. Daher könnte man sich folgenden Kompromiss vorstellen: Zwar müssen die Universitätsstudenten die neuen, höheren Studiengebühren bezahlen. Doch sollten sie gleichzeitig die Chance bekommen, diese Beträge von ihren zukünftig in Großbritannien zu zahlenden Steuern absetzen zu können – Hochschulabsolventen, die ins Ausland ziehen, würden natürlich nicht von diesem Vorteil profitieren. Dieser einfache Schritt hätte den Vorteil, dass die Belastung künftiger Verbindlichkeiten für Studienwillige aus einkommensschwachen Verhältnissen als etwas erträglicher wahrgenommen würde.</p>
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		<title>Wie jeder mehr Macht bekommen kann</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/macht-in-einem-satz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 10:40:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dummy]]></category>
		<category><![CDATA[Fortune]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor kurzem veröffentlichte das US-Magazin Fortune wieder einmal die jährliche Hitliste der 50 mächtigsten Frauen der Welt. Und wie konnte es anders sein: Indra Nooyi, Vorstandschefin von PepsiCo nahm zum fünften Mal den Siegerkranz für sich in Anspruch – Oprah Winfrey belegte übrigens einen respektablen sechsten Platz.  Es dauerte nicht lange und mein Blog-Mitstreiter aus [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor kurzem veröffentlichte das US-Magazin <em>Fortune</em> wieder einmal die jährliche Hitliste der 50 mächtigsten Frauen der Welt. Und wie konnte es anders sein: Indra Nooyi, Vorstandschefin von PepsiCo nahm zum fünften Mal den Siegerkranz für sich in Anspruch – Oprah Winfrey belegte übrigens einen respektablen sechsten Platz.  Es dauerte nicht lange <span id="more-477"></span>und mein Blog-Mitstreiter aus unserer englischsprachigen Abteilung (unexpectedutility.com) <em>Unwonted Candor</em> fragte mich, was eigentlich unter Macht zu verstehen sei. Denn ein flüchtiger Blick ins Magazin lässt uns allenfalls erahnen, dass dieser Begriff offenbar mit der Ertragskraft des Unternehmens gleichgesetzt wird, über das die Kandidatin herrscht. Woraufhin mein Kollege sogleich einwand, Umsatz und Gewinne seien letztlich doch nur ein Nebenprodukt wirklicher Macht. Und als Beleg zitierte er den Ökonomen J. K. Galbraith, der Macht als die Fähigkeit bezeichnete, das Verhalten anderer Menschen beeinflussen zu können – sogar gegen deren Willen.*</p>
<p>Natürlich gibt es noch viele andere Definitionen von Macht, wobei die meisten von uns bei diesem Begriff schnell an Geld oder militärische Macht denken mögen. Dinge also, die für einen Durchschnittsmenschen nicht ohne weiteres erreichbar sind. Ihnen bleibt jedoch die Möglichkeit, Macht etwa durch Charme, Berühmtheit oder Beziehungen zu erlangen, sofern sie gesellschaftlich nicht benachteiligt sind.</p>
<p>Auch die verhaltensorientierte Ökonomie verfügt übrigens über einige Möglichkeiten, mit denen praktisch <em>jeder</em> andere Menschen zu bestimmten Verhaltensweisen bewegen kann. Etwa über das so genannte Framing, mit dem man über die Art der Darstellung von Handlungsalternativen Einfluss auf das Ergebnis einer Entscheidung nehmen kann. Denn eine neue Diät, die als „50 Prozent fettfrei“ angepriesen wird, könnte nämlich auch als „enthält nur 50 Prozent Fett“ bezeichnet werden. Vermutlich würden die meisten Menschen sich aber nur für die erste Darstellungsvariante entscheiden.</p>
<p>Genauso würden sich die meisten, die zwischen der Online Version einer Zeitung zum Preis von 59 Euro oder einer Online-Version plus Printausgabe für 125 Euro wählen können, sich für die billigere Variante entscheiden. Ganz anders sieht die Sache jedoch aus, wenn man die beiden Angebote zusätzlich mit einem Dummy anreichert. Etwa mit einem reinen Print-Abo für 125 Euro. Ein Vertrag, für den sich vermutlich niemand entscheiden würde, wenn er für das gleiche Geld  ein Print-Abo plus die Online-Ausgabe einer Zeitung bekommen kann – die billige 59 Euro-Online-Version scheint dann übrigens für viele Menschen nicht mehr interessant zu  sein**. Das ist wahre Macht!</p>
<p>*John Kenneth Galbraith, <em>The Anatomy of Power</em> (Boston: Houghton Miffling, 1983) p. 2</p>
<p>**vgl. Dan Ariely – <em>Predictably Irrational</em>, Harper Perennial, 2008</p>
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		<title>Ryanair</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/ryanair/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Sep 2010 11:56:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
		<category><![CDATA[Gewichtung von Wahrscheinlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich davon erfuhr, wie Michael O’Leary, Chef des Billigfliegers Ryanair, ohne mit der Wimper zu zucken ankündigte, er wolle in Zukunft seine Flotte ohne Co-Piloten fliegen lassen, lief es mir eiskalt über den Rücken. Nicht, dass bei einem meiner Flüge jemals ein Pilot eine Herzattacke erlitten oder die Maschine wegen eines ähnlichen Umstandes durch [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ryanair/">Ryanair</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich davon erfuhr, wie Michael O’Leary, Chef des Billigfliegers Ryanair, ohne mit der Wimper zu zucken ankündigte, er wolle in Zukunft seine Flotte ohne Co-Piloten fliegen lassen, lief es mir eiskalt über den Rücken. Nicht, dass bei einem meiner Flüge jemals ein Pilot eine Herzattacke erlitten <span id="more-421"></span>oder die Maschine wegen eines ähnlichen Umstandes durch den zweiten Mann auf die Erde gebracht hätte werden müssen. Vielmehr sind mir sofort die Flugkatastrophen-Filme aus den 70er Jahren durch den Kopf geschossen, wo der Co-Pilot einspringen musste, weil der Kapitän kurzfristig ausgefallen war.</p>
<p>Doch jetzt zur rationalen Seite: Die meisten Menschen tendieren bekanntlich dazu, kleine Wahrscheinlichkeiten – im Guten wie im Schlechten – zu stark zu bewerten. Eine Neigung, von der Lotteriegesellschaften und Versicherungen tagtäglich profitieren. Vermutlich schätze auch ich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pilot ausgerechnet bei einem meiner einstündigen Inlandsflüge ein Herzkasperl erleidet, zu hoch ein. So gesehen mag es irrational erscheinen, sich über Herrn O’Leary aufzuregen, während ich den lieben langen Tag über Dinge tue, die statistisch für meine Gesundheit viel gefährlicher sein mögen. Mir ist auch bewusst, dass sich die <em>Streichung</em> des Co-Piloten wie einen persönlichen Verlust verbuche. Hätte ich andererseits auch auf die <em>Einführung</em> eines Co-Piloten ähnlich stark reagiert, wenn es seit Beginn der Luftfahrt immer nur einen Piloten gegeben hätte? Vermutlich nicht.</p>
<p>Vieles spricht also dafür, dass ich und viele andere auf Herrn Learys Ankündigung überreagiert haben. Und genau das könnte der Ryanair-Chef  umgehend zu seinem Vorteil ummünzen. Denn der Billigflieger ist für seine Aufpreise ohnehin schon berüchtigt.  Angefangen bei der Aufgabe von Reisegepäck bis hin zur Extragebühr bei Zahlung per Kreditkarte. Warum nicht noch eine Co-Pilotenabgabe erheben?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ryanair/">Ryanair</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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