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	<title>Aggregation Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Tue, 10 May 2016 13:32:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Eine langwierige Entscheidung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Apr 2016 12:51:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Freund B. Ist ziemlich wohlhabend. So gut betucht, dass er seiner 20-jährigen Tochter demnächst eine Eigentumswohnung kaufen will. Denn B. hat wie viele andere Anleger Angst vor Negativzinsen und will so einer schleichenden Erosion seines Vermögens entgehen. 500.000 Euro für eine 120 Quadratmeter große Altbauwohnung in einer deutschen Großstadt, das ist ein akzeptabler Preis, aber [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Freund B. Ist ziemlich wohlhabend. So gut betucht, dass er seiner 20-jährigen Tochter demnächst eine Eigentumswohnung kaufen will. Denn B. hat wie viele andere Anleger Angst vor Negativzinsen und will so einer schleichenden Erosion seines Vermögens entgehen. 500.000 Euro für eine 120 Quadratmeter große Altbauwohnung in einer deutschen Großstadt, das ist ein akzeptabler Preis, aber selbst für B. kein Pappenstiel, auch wenn er das Geld ohne größere Probleme aus seinem Vermögen aufbringen kann. Daher war es verwunderlich, dass er 20 Prozent des Kaufbetrags über ein Immobiliendarlehen finanzieren wollte. Er fühle sich damit einfach besser, so seine Erklärung. Außerdem würde seine Tochter ja nicht mietfrei in der Wohnung leben, sondern durchaus eine halbwegs marktgerechte Miete bezahlen müssen. Und mit der könnte er locker den Kredit bedienen, rechnete er mir neulich bei einem gemeinsamen Abendessen vor.</p>
<p>Jetzt galt es eigentlich nur noch, die besten Konditionen für einen Immobilienkredit mit zehn Jahre Laufzeit – dann hätte B. das Rentenalter erreicht – zu finden. Da gab es zum einen die Hausbank, deren schnörkelloses und transparentes Angebot am teuersten war. Ein anderes Kreditinstitut schlug vor, das Darlehen mit einem Bausparvertrag zu kombinieren. Das wäre Platz zwei gewesen. Doch wurmte es B., dass er als kostenbewusster Kreditnehmer eine Abschlussgebühr von einem Prozent der Bausparsumme (O-Ton: „Wer die wohl bekommt?“) bezahlen sollte. Umso besser, dass es noch einen dritten Anbieter, einen Lebensversicherer, gab, der mit Abstand die besten Konditionen zu bieten hatte.</p>
<p>Aber eine Versicherungsgesellschaft würde ihrem Namen nicht gerecht, wenn sie mit einem solchen Baudarlehen keine Risikolebensversicherung verknüpfen würde. Interessanterweise nicht auf das Leben des Kreditnehmers, sondern auf das der lieben Tochter. „Nein“, sagte der Versicherungsberater, B. müsse nicht unbedingt so eine Versicherung abschließen, aber dann würde der Kredit eben ein kleines bisschen (etwas mehr als die Versicherungsprämie) teurer. Klar, dass sich der kostenbewusste B. wie ein homo oeconomicus für das Darlehen mit Risikolebensversicherung entschied.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Angst vor späterer Reue</strong></p>
<p>Aber B. ist eben nicht nur ein kalt kalkulierender homo oeconomicus, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und die Angst, die B. in seinem Leben am meisten umtreibt, war wohl die, eine wichtige Entscheidung hinterher bereuen (regret) zu müssen. Kein Wunder also, dass B. noch einmal seine Tochter einer Befragung über ihren Freund, der mit in die neue Wohnung einziehen sollte, unterzog. Ob die Liaison zehn Jahre Kreditlaufzeit überstehen würde? Ob dem Freund zuzutrauen wäre, sich mit einer neuen Partnerin in der Wohnung einzunisten und sich eiskalt weigern könnte, auszuziehen? Solche und andere Szenarien wurden durchgespielt, die Tochter schwankte zwischen Wut über die Unterstellungen des Vaters und eigenen nagenden Zweifeln hin und her, kurz: Das familiäre Klima war empfindlich gestört.</p>
<p>Hätte B. bei seinem zumindest zum Teil nachvollziehbaren Misstrauen nicht besser das ganze Vorhaben abblasen sollen?</p>
<p>Vielleicht weil B. gleichzeitig immer noch die drohenden Negativzinsen im Hinterkopf hatte, sah er schließlich ein, dass es für den glücklichen Fortbestand von Freundschaften, Beziehungen oder Ehen keine Garantie gibt. B., überglücklich, seine Zweifel überwunden zu haben, rief seinen Kreditberater an, er sei „abschlussreif“.</p>
<p>Wenn da nicht der Gesundheitsfragebogen für die Versicherung seiner Tochter gewesen wäre.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Macht der mentalen Konten</strong></p>
<p>Nicht dass sie in irgendeiner Weise Vorerkrankungen oder ähnliches vorzuweisen gehabt hätte. Aber sie rauchte. Und dieser Umstand erhöhte die Prämie für die Lebensversicherung um 2,70 Euro pro Jahr. Kosten, die B. den Rest gaben. Jetzt also noch so ein kleiner fieser Extra-Verlust nach all den interfamiliären Zweifeln und Diskussionen!</p>
<p>B. traf eine Entscheidung, die er gleich hätte treffen sollen: Er verzichtete auf den Kredit.</p>
<p>Denn solche nachträglichen Verluste, seien sie auch noch so klein, werden bei demjenigen, der sie bezahlen muss, separat (als zusätzliches mentales Verlustkonto) wahrgenommen und hinterlassen einen schalen Nachgeschmack. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, der Darlehensgeber hätte die Lebensversicherung von vornherein etwas teurer (d. h. die Kosten aggregiert) gestaltet? Das wäre vermutlich unbemerkt geblieben.</p>
<p>Mehr noch: Wenn B.‘s Tochter gar Nichtraucherin gewesen wäre. Das hätte dann die Versicherung nachträglich ein bisschen günstiger gemacht – B. hätte sich wegen des mentalen Zusatzgewinns gut gefühlt und die Finanzierung ohne Zögern gerne abgeschlossen.</p>
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		<title>Die schwarze Null (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2014 08:44:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
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		<category><![CDATA[Präsentation von Verlusten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Eurozone herrschen Wachstumssorgen und Deflationsgefahren. Dabei bemüht sich die Europäische Zentralbank redlich, zumindest den Eindruck zu erwecken, sie werde im kommenden Jahr mit einem echten quantitativen Lockerungsprogramm (QE) in Form von Staatsanleihekäufen beginnen. Doch ist es dem EZB-Präsidenten bislang offenbar aber nicht gelungen, alle Mitglieder des EZB-Rats und offenbar auch nicht die Mehrheit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Eurozone herrschen Wachstumssorgen und Deflationsgefahren. Dabei bemüht sich die Europäische Zentralbank redlich, zumindest den Eindruck zu erwecken, sie werde im kommenden Jahr mit einem echten quantitativen Lockerungsprogramm (QE) in Form von Staatsanleihekäufen beginnen. Doch ist es dem EZB-Präsidenten bislang offenbar aber nicht gelungen, alle Mitglieder des EZB-Rats und offenbar auch nicht die Mehrheit des Direktoriums die Mehrheit des Direktoriums von seiner Mission zu überzeugen. Die größten Gegner eines derartigen Programms kommen aus Deutschland in Gestalt des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann und des EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger daher. Ihr Dauervotum zu einem Ankauf von Staatsanleihen lautet klar und deutlich: Nein. Aber auch andere EZB-Verantwortliche wollen erst einmal abwarten, ob die jüngst begonnenen Maßnahmen (Ankauf von Covered Bonds und ABS) nicht doch noch erfolgreich sein werden.</p>
<p>Man mag natürlich berechtigte Zweifel daran hegen, dass ein quantitatives Lockerungsprogramm à la QE zum gewünschten Erfolg führen wird. Aber ich vermisse bei den Gegnern dieser Programme eine konkrete Alternative, wie man der derzeitigen Probleme Herr werden kann. Auch behaupten die meisten QE-Gegner, es drohe derzeit gar keine Deflationsgefahr. Gleichzeitig ist ein Signal aus der EZB klar und deutlich zu vernehmen: Leute, hört auf zu sparen, sonst gibt es Strafzinsen!</p>
<p>Natürlich kann man es nur begrüßen, wenn Finanzminister Schäuble für das Jahr 2015 einen Haushalt mit einer schwarzen Null (vergleiche meinen Blogbeitrag <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/falsche-ehrfurcht-vor-der-schwarzen-null/">HIER</a></strong></span>) zum ersten Mal seit Jahrzehnten vorweisen kann. Und für das Erreichen dieses Ziels werden anscheinend alle Hebel in Bewegung gesetzt. Auch indirekte Steuererhöhungen (für echte hätte man vielerorts und auch in Deutschland selbst angesichts der Probleme in der Eurozone nur wenig Verständnis) sind kein Tabu.</p>
<p>So habe ich dann doch über Zeitungsberichte gestaunt, denen zufolge man im Finanzministerium offensichtlich zumindest im Kleinen ausgesprochen kreativ geworden zu sein scheint. Ich kann nicht beurteilen, wie viel Geld bei diesen kleinen Nadelstichen, die auch nicht jedem Steuerzahler zugemutet werden, herausspringen wird. Eines ist indes sicher: Es wird alles komplizierter und die Vorschläge sind unpopulär. Ich rege mich nicht darüber auf, wenn einige betriebliche Weihnachtsfeiern nicht mehr stattfinden können, weil künftig die Voraussetzung für das Ausschöpfen der Freibeträge seitens der Arbeitgeber an bestimmte Bedingungen (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/jahressteuergesetz-das-aus-fuer-die-weihnachtsfeiern-13280285.html">HIER</a></strong></span>) geknüpft sein soll. Vielerorts sind solche Feiern sowieso schon dem Rotstift des Costcutters zum Opfer gefallen.</p>
<p>Eine Klarstellung des Bundesfinanzministeriums, einen im Flugzeug angebotenen Snack (vgl. <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.focus.de/finanzen/videos/teure-regel-chipstuete-im-flieger-zaehlt-steuerlich-als-mittagessen_id_4278167.html">HIER</a> </span>und <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.huffingtonpost.de/2014/11/18/chipstuete-flugzeuge_n_6175788.html">HIER</a></span></strong>) auf die ohnehin mickrige Verpflegungspauschale für Geschäftsreisende mit mehr als neun Euro anzurechnen, selbst wenn es sich nur um eine Chipstüte handelt, erinnert schon ein wenig an einen Schildbürgerstreich. Aber wer fliegt heute noch innerdeutsch in der Business-Class?</p>
<p>Als ich gestern außerdem erfuhr, dass die Steuergutschrift für Handwerkerrechnungen „wackelt“ – zumindest solange ein Mindestbetrag von 300 Euro bei einer Rechnung nicht überschritten wird (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.welt.de/finanzen/steuern-recht/article134891956/Steuerbonus-fuer-Handwerkerrechnungen-wackelt.html">HIER</a></strong></span>) – verschlug es mir die Sprache.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kleine Verluste sind besonders ärgerlich</strong></p>
<p>Es geht mir nicht um die paar Euro Mehrbelastung. Viel eher geht es um die psychologische Signalwirkung und den Verlust kleiner Freuden wie ein betriebliches Weihnachtsessen, den die Bürger erleiden werden. Es sind nämlich gerade die kleinen Verluste, und seien sie noch so klein, die besonders schwer wiegen. Und je mehr man davon präsentiert bekommt, desto schlechter wird die Stimmung. Dabei hat doch die Regierung Merkel erst vor einigen Monaten Stellen für Verhaltensökonomen ausgeschrieben. Damit wir die Regierung besser verstehen.</p>
<p>Ob die wohl mit ihrer Arbeit schon begonnen haben?</p>
<p>Dann wäre zumindest der Unsinn solcher Mini-Maßnahmen, mit dem Zwecke, das Steuersäckel überdies mit viel Anstrengung aller Beteiligten etwas zu füllen, möglicherweise verhindert worden. Denn Verluste sollten den Betroffenen möglichst am Stück, d. h. aggregiert, präsentiert werden.</p>
<p>Nein, die deutsche Regierung bewirkt mit dem starren Festhalten an der schwarzen Null keine Lösung der Probleme in der Eurozone. Nein, sie möchte nicht wirklich für etwas Konjunkturbelebung sorgen. Aber zum Glück haben wir, so wird mir manch einer entgegenhalten, noch die angekündigten Strukturmaßnahmen, die in den kommenden Jahren, also in der ferneren Zukunft, am besten erst vor den kommenden Bundestagswahlen greifen sollen.</p>
<p>Manchmal kommt es mir so vor, die Bundesregierung handelt nach dem Motto vieler Anleger: „Wir sind gern bereit, etwas zu riskieren, aber es darf nichts kosten“. Erfahrungsgemäß führt diese ängstliche Haltung zur Untätigkeit. Ein Festhalten am Status quo, das, so fürchte ich, uns am Ende viel mehr kosten wird, als wir uns das alle heute vorstellen können.</p>
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		<title>Schwerwiegende Probleme</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Feb 2013 08:26:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonistisches Umdeuten]]></category>
		<category><![CDATA[Prospect Theorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Übergewicht und Abnehmen sind ein Leit- und Leidmotiv in meinem Leben, und wie viele andere muss auch ich immer wieder feststellen, dass es keine Diät gibt, bei der man nicht hinterher wieder das mühsam abgespeckte Gewicht zunehmen würde. Ob es sich nun um Pulverdiäten, Weight Watchers oder Trennkost handelte – stets verlor ich ziemlich schnell [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Übergewicht und Abnehmen sind ein Leit- und Leidmotiv in meinem Leben, und wie viele andere muss auch ich immer wieder feststellen, dass es keine Diät gibt, bei der man nicht hinterher wieder das mühsam abgespeckte Gewicht zunehmen würde. Ob es sich nun um Pulverdiäten, Weight Watchers oder Trennkost handelte – stets verlor ich ziemlich schnell etliche Kilo, aber über kurz oder lang kehrten diese leider immer wieder auf meine Hüften zurück.</p>
<p>Nein, ich möchte mich jetzt nicht den Tipps der Verhaltensökonomen anschließen und vor den Lesern dieses Blogs als Zeugen eine neue Diät versprechen, um damit ein künstlich hohes Commitment einzugehen – ein Tipp, den Christin Stock und ich in unserem neuen Buch <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/genial-einfach-entscheiden/" target="_blank"><i>Genial einfach entscheiden</i> </a>gegeben haben. Denn ein erhöhtes Commitment bindet einen stärker an eine Entscheidung, als wenn man eine solche nur im stillen Kämmerchen trifft. Zeugen stellen quasi eine Norm dar, von der man nicht ohne hohe psychologische Kosten wieder abweichen kann.</p>
<p>Unlängst habe ich mich durch einige Diät-Foren im Internet gequält, wo etliche Menschen Andere mit detaillierten Schilderungen ihres Abnehmprogramms samt aller mehr oder weniger kalorienreichen Ausrutscher malträtieren. Häufig gehört dazu auch die Veröffentlichung der persönlichen Erfolgskurve, gemessen in Kilogramm, einer Währung, die zumindest unter Übergewichtigen mindestens so hart gehandelt wird wie sonst der Euro oder Dollar. Kürzlich las ich allerdings, man solle sich nicht jeden Tag wiegen, denn der Wasserhaushalt des Körpers schwanke schnell einmal um ein Kilo mehr oder weniger – wichtig sei alleine das langfristige Ergebnis.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Einmal Wiegen pro Woche reicht</b></p>
<p>Trotzdem kenne ich nicht wenige Menschen, die sich jeden Tag zur Kontrolle und Selbstmotivation immer zur gleichen Zeit (meist morgens, nackt und ungefrühstückt) auf die Waage stellen. Und die meisten machen sich dabei nicht glücklich, denn nach den Erkenntnissen der Behavioral Economics wiegen Verluste etwa doppelt so schwer wie Gewinne in gleicher Höhe. Will sagen 200 Gramm Gewichtszunahme (Verlust) wiegen doppelt so schwer wie 200 Gramm Gewichtsabnahme (=Gewinn für den Diätwilligen) von einem Tag zum anderen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Gerade wenn man langsam abnehmen möchte – und dies ist eine oft gegebene Empfehlung der Gesundheitsfachleute – kann ein schöner stetiger Erfolg zum mentalen Misserfolgserlebnis werden, wenn man sich zu häufig wiegt.</p>
<p>Auch wenn einen die Neugierde immer wieder ins Badezimmer treibt, weil man einfach wissen will, ob die Entsagung aller Gaumengenüsse bereits Erfolge gezeitigt hat: Das Aggregieren dieser mentalen Gewinne und Verluste, die sich betragsmäßig nicht großartig voneinander unterscheiden, kann Wunder bewirken. Für die Praxis heißt dies: Einmal wiegen pro Woche macht glücklicher als der tägliche Gang zur Waage.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Eine Gewichtskurve von <i>-300g (Abnahme),  +100g (Zunahme), -100g, -200g, +/-0g, +200g</i> bringt auf eine Woche betrachtet einen Gewichtsverlust (Gewinn) von 300g, während die tägliche Wahrnehmung der Einzelwerte  bei einer doppelt so starken Bewertung der Gewichtszunahmen im Vergleich zu den –verlusten bei einer  Kurve von <i>-300g, + 200g (=2&#215;100), -100g, -200, 0g, +400g (=2&#215;200)</i> in Summa wirkt, als ob man kein Gramm Gewicht verloren hätte.</p>
</div>
</div>
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		<title>Anstrengende Sitzungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Aug 2012 06:18:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung an Gewinne]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung an Verluste]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerz]]></category>
		<category><![CDATA[Segregation]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlbefinden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>War heute gerade wieder einmal beim Zahnarzt. Bohren war angesagt. Und da ich eine lang anhaltende Betäubungsspritze überhaupt nicht gebrauchen konnte, entschied ich mich für die schmerzhafte Prozedur. Ich könne ja eine Pause machen, wenn es zu anstrengend würde, bot mir der Doktor an. Drei Mal bat ich um Unterbrechung. Die Sprechstundehilfe fragte mich jedes Mal [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>War heute gerade wieder einmal beim Zahnarzt. Bohren war angesagt. Und da ich eine lang anhaltende Betäubungsspritze überhaupt nicht gebrauchen konnte, entschied ich mich für die schmerzhafte Prozedur. Ich könne ja eine Pause machen, wenn es zu anstrengend würde, bot mir der Doktor an. Drei Mal bat ich um Unterbrechung. Die Sprechstundehilfe fragte mich jedes Mal mit mitfühlender Miene: „Wollen Sie spülen?“, was ich natürlich gerne bejahte.</p>
<p>Am Ende war ich fix und fertig. Und mein Zahnnerv vermutlich auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nach dem Zahnarzt: Ab auf die Massagebank</strong></p>
<p>Ich rief – quasi als Belohnung der heldenhaft erlittenen Qual – meine Physiotherapeutin zwecks Massage an und bekam auch sogleich einen Termin. Auf der Massagebank angelangt, fragte sie mich, ob es mir recht sei, wenn sie zwei Handyanrufe zwischendurch annähme oder ob sie doch lieber die Telefonate verschieben solle…</p>
<p>Beide Erlebnisse haben gemeinsam, dass man durch Unterbrechungen sein Wohlbefinden beeinflussen kann. Im Zahnarztbeispiel sollen die Pausen einen Augenblick Schmerzfreiheit gewähren, während Unterbrechungen eines angenehmen Erlebnisses als störend empfunden werden – man möchte so viel Schönes wie möglich erleben. Beide Verhaltensweisen scheinen auf den ersten Blick intuitiv optimal. Doch es gibt Hinweise, dass das ein Trugschluss ist. Warum? – das erfahren Sie am Montag.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/anstrengende-sitzungen/">Anstrengende Sitzungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Gut verkauftes Defizit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jun 2012 05:49:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[abnehmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenrettung]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Segregation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass sich Spanien am Samstag dem Druck der Euro-Staaten gebeugt hat und nun anscheinend Hilfskredite aus dem EFSF-Krisenfonds beantragen möchte, um seine Banken zu retten, dürfte wohl nur wenige Marktteilnehmer überrascht haben. Mich eingeschlossen. Denn im Grunde hatte sich dieser Schritt bereits am vergangenen Freitag angebahnt. Allein die Höhe des angekündigten Gesamtbedarfs von 100 Mrd. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass sich Spanien am Samstag dem Druck der Euro-Staaten gebeugt hat und nun anscheinend Hilfskredite aus dem EFSF-Krisenfonds beantragen möchte, <span id="more-4349"></span>um seine Banken zu retten, dürfte wohl nur wenige Marktteilnehmer überrascht haben. Mich eingeschlossen. Denn im Grunde hatte sich dieser Schritt bereits am vergangenen Freitag angebahnt. Allein die Höhe des angekündigten Gesamtbedarfs von 100 Mrd. EUR, der angeblich zur Rettung der taumelnden spanischen Banken benötigt wird, hat die bisherigen Schätzungen noch einmal an der Oberseite deutlich übertroffen. Ja, er scheint fast etwas übertrieben, wenn man etwa den bisherigen Schätzungen des IWF glaubt. Nein, es waren keine 40, keine 80 Mrd. EUR, sondern noch mehr. Und ganz unverblümt verkündet man auf offizieller Seite, mit der Summe von 100 Mrd. wolle man alle denkbaren Risiken abdecken. Das ist lobenswert. Wollen wir hoffen, dass da nicht noch ein paar schwarze Schwäne über die Biskaya fliegen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Abnehmende Sensitivität bei höherem Kreditbedarf</strong></p>
<p>Gleichwohl scheint man bei den Krisenländern, zumindest was die Außendarstellung betrifft, etwas aus der verhaltensorientierten Ökonomie gelernt zu haben. Denn statt wie sonst bei Verkündung hoher Verluste, vielleicht aus Angst vor einem drohenden Sturm der Entrüstung, eher tiefzustapeln und das Ausmaß des Defizits herunterzuspielen, statt zu knapp bemessene Rettungsschirme aufzuspannen, an die dann immer noch hier und da ein Kredit angeflickt werden muss, damit er ausreichend Schutz bietet, hat Spanien gleich richtig zugelangt und möglicherweise einen zu hohen Kreditbedarf angegeben. Denn es hätte für die öffentliche Wahrnehmung vermutlich sowieso keine Rolle mehr gespielt, ob man nun 80 oder 100 Mrd. EUR beantragt. Dazu haben wir uns alle schon viel zu sehr an diese astronomisch hohen Summen gewöhnt. Vielleicht wollte man sich auch das lästige Procedere ersparen, durch später notwendige „Korrekturen“ und neue Stresstests der Banken um mehr Geld bitten zu müssen, als man ursprünglich für erforderlich gehalten hatte. Denn jedes Nachbessern wäre in der Außenwirkung als weiterer Verlust empfunden worden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ende gut, alles gut à la Behavioral Finance</strong></p>
<p>Und wenn das Land am Ende für die Rettung seiner Banken weniger Geld benötigen sollte, folgt diesem ersten und einzigen Verlust sogar noch ein relativer Gewinn, entstanden durch den geringer als erwartet ausgefallenen Kreditbedarf.</p>
<p>Übrigens gilt diese Regel für alle Lebensbereiche. Denn die Neigung der Menschen, für jede Entscheidung ein separates mentales Konto zu eröffnen, legt nahe, Verluste (die ohnehin schwerer als Gewinne wiegen) möglichst zu aggregieren und Profite zu segregieren, d.h. einzeln auszuweisen. Und wem es dann noch gelingt, die Episode eines anfänglich horrend erscheinenden Verlustes mit einem kleinen Gewinn etwas versöhnlicher ausklingen zu lassen, der hat zumindest trotz Krise noch etwas gut gemacht. Und das wahrscheinlich auch noch kostenlos.</p>
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		<item>
		<title>Sparbrötchen</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/sparbrotchen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 06:52:11 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zugegeben, während meiner Geschäftsreisen übernachte ich gerne in guten Hotels. Wenn man große Teile des Jahres unterwegs ist, weiß man die Annehmlichkeiten des gehobenen Komforts und einen gewissen Grad an Luxus zu schätzen. In Düsseldorf steige ich daher gerne in einem erst vor drei Jahren eröffneten, ausgezeichneten Hotel ab, zumal die Übernachtungspreise dort, zumindest außerhalb [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben, während meiner Geschäftsreisen übernachte ich gerne in guten Hotels. Wenn man große Teile des Jahres unterwegs ist, weiß man die Annehmlichkeiten des gehobenen Komforts und einen gewissen Grad an Luxus zu schätzen. In Düsseldorf steige ich daher gerne in einem erst vor drei Jahren eröffneten, ausgezeichneten Hotel ab, zumal die Übernachtungspreise<span id="more-2819"></span> dort, zumindest außerhalb der Messezeit, im Vergleich zu anderen Fünf-Sterne-Häusern eher moderat ausfallen. Und so buchte ich unlängst eine Übernachtung inklusive kontinentalem Frühstück für 216 Euro. Im Preis inbegriffen waren alle alkoholfreien Getränke aus der Minibar sowie ein kleiner Obstteller zur Begrüßung bei der Ankunft. Selbst für den W-Lan-Anschluss wurden keine Extra-Gebühren berechnet, wie es in etlichen anderen Häusern dieser Preisklasse üblich ist.</p>
<p>Am nächsten Morgen betrat ich den Frühstücksraum. Gleich neben dem Eingang war ein prächtiges Buffet aufgebaut, mit Lachs und Krabbensalat, Roastbeef und Trüffelsalami, so dass mir regelrecht das Wasser im Munde zusammenlief. Voller Vorfreude auf ein ausgiebiges und wohlschmeckendes Frühstück nahm ich Platz. Der Kellner ließ nicht lange auf sich warten. &#8222;Darf es etwas Kaffee sein? Vielleicht auch ein Glas Orangensaft?&#8220; – Ich nickte. Nach kurzer Zeit kam der junge Mann zurück und platzierte direkt vor meinen Augen eine Etagère, deren unterste Ebene mit allerlei Marmeladengläschen gefüllt war. Ein Stockwerk höher waren hauchdünn geschnittene, matte Scheiben von rohem und gekochtem Schinken aneinandergereiht, während die oberste Platte mit knallgelben Schnittkäsescheiben verziert war. Sofort fühlte ich mich an das Schonkostmenü in einem Krankenhaus erinnert. Mit den Köstlichkeiten des opulenten Buffets gleich nebenan konnte dieses Arrangement jedenfalls nicht konkurrieren. &#8222;Was ist denn das Schönes?&#8220;, fragte ich mit leicht sarkastischem Unterton. &#8222;Ihr kontinentales Frühstück!&#8220;, erwiderte der Kellner. &#8222;Darf es noch eine Eierspeise sein?&#8220; Mir schwante nichts Gutes: &#8222;Das Ei ist aber nicht kontinental?“, fragte ich vorsichtig.&#8220; – „Nein, das gehört zum Buffet und kostet daher 16 Euro extra.“ „Ich soll also für ein Ei 16 Euro bezahlen?&#8220; Leicht genervt entgegnete der Kellner, ich könne doch Champagner trinken, das jedenfalls sei im Preis inbegriffen.</p>
<p>Sie können sich meine Gefühlslage vorstellen. Denn mein Referenzpunkt &#8222;Köstliches Frühstücks-Buffet&#8220; war in weite Ferne gerückt. Mit anderen Worten: Ich war hin- und hergerissen, wobei ich diese Dissonanz natürlich spielend leicht für einen Obolus von zusätzlichen und daher schmerzhaften 16 Euro sofort hätte beseitigen können. (Sie kennen mich: Natürlich habe ich es nicht ausgehalten und mir den Zugang zu Krabbensalat und Trüffelsalami erkauft.)</p>
<p><span style="font-size: small;">Und während ich es mir schmecken ließ, entwarf ich einen Brief an das Hotelmanagement, in dem ich erläuterte, dass ich sicher kein Problem damit gehabt hätte, wenn die Übernachtungsrate des Hotels zehn oder 20 Euro teurer gewesen wäre, vermutlich hätte ich es noch nicht einmal bemerkt. So aber hatte ich nach dem teuren Übernachtungspreis noch einen weiteren Verlust hinterhergeschoben bekommen, was mich nachhaltig verstimmte<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_edn1">[i]</a>. So sehr, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte, ob ich nicht beim nächsten Besuch in Düsseldorf dieses Hotel von Vornherein meiden sollte.       </span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ednref1">[i]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Tatsächlich werden zwei mentale Verlustkonten („Übernachtungskonto“ plus „Aufpreis-Konto) eröffnet, während ein höherer Übernachtungspreis incl. Büffet beim Gast auf einem einzigen mentalen Konnte verbucht würde, dessen höherer „Verlust“ längst nicht so schwer wie die beiden einzelnen in der Summe wiegen würde. </span></span></p>
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		<title>Ausgelöffelt</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/ausgeloffelt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Aug 2011 06:10:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer (wie ich vor wenigen Wochen) mit Kindern in Italien Sommerurlaub macht, wird natürlich auch Eis essen gehen. Hierzulande ist das ein relativ einfaches Rechenexempel: Eine Kugel kostet 90 Cent oder einen Euro, mehrere Kugeln ein Mehrfaches davon. In Venedig sieht die Preisgestaltung indes ganz anders aus. Die haben sich wirklich etwas einfallen lassen, stellte [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small;">Wer (wie ich vor wenigen Wochen) mit Kindern in Italien Sommerurlaub macht, wird natürlich auch Eis essen gehen. Hierzulande ist das ein relativ einfaches Rechenexempel: Eine Kugel kostet 90 Cent oder einen Euro, mehrere Kugeln ein Mehrfaches davon. In Venedig sieht die Preisgestaltung indes ganz anders aus. Die haben sich wirklich etwas einfallen lassen, <span id="more-2276"></span>stellte ich schon bei meinem ersten Spaziergang auf dem Lido fest. Da blieb ich also mit meinen drei Kindern im Gefolge an einem Eisstand stehen, bei dem die erste Kugel 1,30, zwei Kugeln 2,00, drei 2,80 und vier Bällchen für 3,50 Euro angeboten wurden. In Anbetracht des Umstands, dass der Urlaub gerade erst begonnen und dies sicher nicht das letzte Eis, das wir verspeisen würden, bleiben sollte, hätte ich normalerweise für jeden von uns eine Kugel in der Waffel geordert. Doch mein Sohn rechnete blitzschnell nach und kam auf den stattlichen Betrag von 5,20 Euro für vier Personen. Sofort war mir klar, dass ich mich wieder einmal in einer Falle befand.</span></p>
<p><span style="font-size: small;">Die Preisstrategie der venezianischen Eisdiele erinnerte mich an meine Zeit als Devisenhändler, als ich immer wieder beobachten konnte, wie Kollegen bereit waren, zu einer Verlustposition weitere Engagements zu günstigeren Preisen hinzu zu mischen. Eine Strategie, die man landläufig auch als &#8222;verbilligen &#8220; bezeichnet und von der ich nichts halte, vor allem nicht, wenn man dann bei Erreichen des durchschnittlichen Einstandspreises die komplette Position glatt stellt, um ohne Verlust wieder aus der Geschichte herauszukommen. Deshalb wollte ich auch auf dem Lido meinen Prinzipien treu bleiben. Aber vier einzelne Eisportionen hörte sich für mich wie vier Verluste à 1,30 €, also richtig brutal an. Und so überwand ich meine üblichen Bedenken und entschied mich für eine Strategie, die mir eigentlich durch die Preisgestaltung der Eisdiele suggeriert worden war: Ich entschied mich, vier Kugeln in einem Becher für uns alle zusammen zu bestellen, womit ich mir den Effekt des Verbilligens auf meine Weise zunutze machte: Statt der 5,20 musste ich nur noch 3,50 Euro bezahlen. Das war günstiger als die 3,60 Euro, die ich in Frankfurt mindestens für vier Kugeln hätte bezahlen müssen.  Allerdings hatte dieser Trade einen gravierenden Nachteil, den wir wenige Schritte nach Verlassen der Eisdiele unmittelbar zu spüren bekamen: Wir vier hatten zwar dem Eisverkäufer ein Schnippchen geschlagen, besaßen aber nur einen Löffel, um das Eis gemeinsam zu verzehren. </span></p>
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		<title>Kinderreich</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/kinderreich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 08:57:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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		<category><![CDATA[Biennale]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Waaas, mit drei Kindern zwei Wochen nach Venedig? Ist das nicht viel zu lang? Und das im Hochsommer? Ferien in einer Stadt? Ist das denn überhaupt Urlaub?“ Das war der Kommentar nicht nur eines Bekannten, den ich zu hören bekam, als ich mich mit meiner Familie vor ein paar Wochen in  die Sommerpause verabschiedete. Aber [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">„Waaas, mit drei Kindern zwei Wochen nach Venedig? Ist das nicht viel zu lang? Und das im Hochsommer? Ferien in einer Stadt? Ist das denn überhaupt Urlaub?“ Das war der Kommentar nicht nur eines Bekannten, den ich zu hören bekam, als ich mich mit meiner Familie vor ein paar Wochen in  die Sommerpause verabschiedete. <span id="more-2090"></span>Aber ich möchte heute gar nicht über mein Lieblingsthema Neid schreiben. Sicher: Das kulturelle Vormittagsprogramm stellte für den sieben- bis zwölfjährigen Nachwuchs eine gewisse Herausforderung dar. Ansonsten war Venedig im Juni phantastisch, nicht zu heiß, wie unsere besorgten Freunde befürchtet hatten. Und auch ihre Sorge, der faulige Gestank der Lagune könne sich wie ein Pesthauch auf unsere Urlaubsstimmung legen, erwies sich als unbegründetes Vorurteil. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Eigentlich also ein perfekter Aufenthalt, wenn ich mich nicht an einem Tag so fürchterlich aufgeregt hätte. Es war unser erster Besuch bei der Biennale, Venedigs weltberühmter Kunstausstellung. Nicht dass ich mich über die langen Warteschlangen vor den wenigen Kassenhäuschen aufgeregt hätte. Vielmehr wunderte ich mich über die Preisgestaltung der Veranstalter. Nachdem mir die Dame am Ticketschalter klar gemacht hatte, dass heute so etwas wie mein ganz persönlicher Glückstag sei und mir eine Familienkarte zu 40 Euro anbot, war ich eigentlich gut gelaunt, da dies der Preis war, den normalerweise zwei Erwachsene alleine zu berappen gehabt hätten. Doch dann kam die kalte Dusche. Denn die Familienkarte galt nur für Familien mit bis zu zwei Kindern. Ich bedeutete der Kassiererin, dass ich aber drei Sprösslinge hätte. Daraufhin machte sie mir zwar in gebrochenem Englisch, aber dennoch unmissverständlich klar, dass wir leider ein Kind zu viel hätten und deshalb ein Extra-Eintritt von weiteren 12 Euro zu entrichten wäre. Vermutlich hätte sich jeder über diese nicht gerade kinderfreundliche Politik des Veranstalters geärgert. Doch auf meinen  verhaltensökonomisch aufgeklärten Verstand wirkte die nachträgliche Berechnung des dritten Kindes  wie ein separater (vgl. mentale Kontoführung), zusätzlicher Verlust, der den Preisvorteil der Familienkarte nicht nur wegen seiner großfamilienfeindlichen Komponente mental zunichtemachte. Sicherlich hätte ich nichts dagegen gehabt (vermutlich nicht einmal etwas davon gemerkt), wenn die Familienkarte stattdessen etwas teurer gewesen wäre. Dann hätte ich nur einen Verlust wahrgenommen und vor allem nicht dieses blöde Gefühl gehabt, ein Kind zu viel in die Welt gesetzt zu haben. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">P.S. „Hello Venice“, das familienfreundliche Wochenticket, das  Besuchern ermäßigten und schnelleren Eintritt in viele Museen, Sehenswürdigkeiten und Kunstsammlungen der Lagunenstadt ermöglicht, wird auf der Biennale natürlich ebenfalls nicht akzeptiert…</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
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		<title>Kontoführungsgebühren – auch eine Frage der Darstellung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 14:09:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Accounting]]></category>
		<category><![CDATA[Präsentation]]></category>
		<category><![CDATA[Segregation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Briten müssen ihre Banken lieben, weil die Kontoführung für viele von ihnen kostenlos ist. Kostenlos zumindest solange wie bestimmte Mindesteinlagen und -umsätze unterhalten werden. Natürlich wissen die meisten Bankkunden, dass  Kontoführung ihren Preis hat. Aber viele von ihnen glauben irrigerweise, unverzinste Guthaben sowie die Vorteile durch Verzögerungen, die bei Überweisungen immer noch auftreten können, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kontofuhrungsgebuhren-eine-frage-der-darstellung/">Kontoführungsgebühren – auch eine Frage der Darstellung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Briten müssen ihre Banken lieben, weil die Kontoführung für viele von ihnen kostenlos ist. Kostenlos zumindest solange wie bestimmte Mindesteinlagen und -umsätze unterhalten werden. Natürlich wissen die meisten Bankkunden,<span id="more-6628"></span> dass  Kontoführung ihren Preis hat. Aber viele von ihnen glauben irrigerweise, unverzinste Guthaben sowie die Vorteile durch Verzögerungen, die bei Überweisungen immer noch auftreten können, seien ausreichend um diese Kosten zu decken. Tatsächlich hat die British Banking Association herausgefunden, dass 80 Prozent der Bankkunden zwar keine Gebühren bezahlen, indirekt aber durch entgangene Habenzinsen erheblich zur Kostendeckung der Institute beitragen. Was bedeutet, dass die übrigen 20 Prozent der Kunden nicht nur die fehlende Kostendeckung, sondern auch noch die Gewinne der Banken – meist in Form von Überziehungszinsen – tragen müssen.</p>
<p>Eine Untersuchung der BBC brachte dabei Erschreckendes ans Tageslicht: Die Banken belasten demzufolge bei ungenehmigten Kontoüberziehungen ihrer Kunden einen Zinssatz von durchschnittlich 167 Prozent, im Extrem sogar 3.650 Prozent p.a. Aber selbst für genehmigte Überziehungen berappen die Kreditinstitute im Durchschnitt, einen Zinssatz von effektiv 32 Prozent, obwohl sie mit einem Satz von 19 Prozent werben. Wirtschaftsminister Vince Cable sprach in diesem Zusammenhang unlängst sogar von „Abzocke“, so dass vermutlich schon bald mit einer Eindämmung dieses Gebarens von höchster Stelle zu rechnen ist.</p>
<p>Wie aber sollen die Banken vorgehen? Ein großer Teil der Kunden, die bislang nichts für ihre Kontoführung bezahlen mussten, würden plötzlich zur Kasse gebeten, was vor allem Pensionäre und Arbeitslose besonders hart treffen würde. Außerdem kann den Banken an  dieser neuen Art von Transparenz nach dem Motto „für jeden Handgriff eine Gebühr“ kaum gelegen sein. Deswegen sollten diese Belastungen so geräuschlos wie möglich umverteilt werden.</p>
<p>Natürlich würden die Bankkunden jede einzelne Gebühr, sofern separat ausgewiesen, auch entsprechend deutlich wahrnehmen. Um das zu vermeiden, sollte eine monatliche Kostenpauschale erhoben werden, mit der sogar Überziehungsprovisionen bis zu einem bestimmten Betrag abgedeckt sein sollten (Aggregation). Mehr noch: Die Kreditinstitute sollten ihren Kunden auch das Gefühl geben, dass sie etwas gewinnen können, wenn sie etwa bestimmte Mindesteinlagen halten oder sich anderweitig „richtig“ verhalten. Diese Gewinne (die nicht zu klein sein dürfen, um wahrgenommen zu werden) müssen nicht einmal in Geld ausgezahlt werden. Man glaubt gar nicht, wie gut es vielen Menschen tut, wenn sie für Wohlverhalten – und zwar für jedes extra (Segregation) – ein paar tausend Meilen auf dem Frequent-Flyer-Konto oder anderswo gutgeschrieben bekommen.</p>
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