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	<title>Werte Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Kulturwandel Teil 2: Auf dem Weg zu Behavioral Ethics</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Sep 2013 07:21:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immerhin hat die Politik unter dem Druck der Öffentlichkeit reagiert und eine Menge Regulierungen vorgenommen, die der Wiederholung einer Finanzkrise, wie wir sie während der vergangenen Jahre erlebt haben, vorbeugen sollen. So wurde etwa eine Aufklärungspflicht gegenüber den Kunden eingeführt. Auch sollen die erfolgsabhängigen Bestandteile des Einkommens künftig gedeckelt werden. Das wirkt zum Teil wie [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Immerhin hat die Politik unter dem Druck der Öffentlichkeit reagiert und eine Menge Regulierungen vorgenommen, die der Wiederholung einer Finanzkrise, wie wir sie während der vergangenen Jahre erlebt haben, vorbeugen sollen. So wurde etwa eine Aufklärungspflicht gegenüber den Kunden eingeführt. Auch sollen die erfolgsabhängigen Bestandteile des Einkommens künftig gedeckelt werden. Das wirkt zum Teil <span id="more-6457"></span>wie ein überzogener Aktionismus, der eher den Sozialneid bedient, als dass er wirklich etwas ändern könnte. Denn die Reumütigen unter den Top-Bankern, die neuerdings gerne von „Demut“ sprechen, haben schon längst eine Lösung für ihr moralisches Dilemma gefunden: Sie haben einfach ihre Grundgehälter massiv erhöht, dann kann man sich beim Bonus leichter in Bescheidenheit üben<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>Wenn wir heute von „unethischem Verhalten“ sprechen, dann bezieht sich das nur auf diejenigen Fälle, die bekannt geworden sind und in denen einzelnen Protagonisten ein entsprechendes Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte. Konsequenzen wurden daraus aber erst gezogen, als die Verstöße gegen Ethik und Moral nicht mehr unter der Decke gehalten oder schöngeredet werden konnten. Dabei glaubte man, es sei damit getan, Mitglieder des Investmentbankings in einen Schnellkurs in Ethik zu schicken<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>.</p>
<p>Mein Mitstreiter Herman Brodie hat es <a href="http://www.blognition.de/blog/gesellschaft/crashkurs-in-ethik/">(hier)</a> bereits einmal zum Ausdruck gebracht: Wie Menschen ihr eigenes Verhalten moralisch bewerten, hängt stark von den vorherrschenden sozialen Normen ab. Natürlich wird jemand seine Handlungen kaum als unethisch einstufen, wenn er stets nur das macht, was alle anderen auch tun. Und wenn die herrschende Norm darin besteht, Verkaufsziele über das Kundeninteresse zu stellen, warum sollte der Anlage-Berater seinen Klienten dann nicht Produkte verkaufen, mit denen diese  nichts, er aber sehr viel verdienen kann?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Kulturwandel mit sechs Grundwerten</b></p>
<p>Nun versucht die Deutsche Bank, mit sechs Grundwerten einen Kulturwandel einzuläuten. Dazu zählen: Kundenfokus, Integrität, Partnerschaft, nachhaltiger Erfolg, Innovation und Disziplin. Gleichzeitig wurde für die Mitarbeiter ein Verhaltenskodex entwickelt, der ihnen vorgibt, wie sie die sechs Grundwerte in der Praxis umsetzen können. Auf diese Weise soll sich der Wandel zum Guten vollziehen – und vor allem das schlechte Image der Bank bekämpft werden.</p>
<p>Aber alle ethischen Regularien und Kurse zur Verhaltensverbesserung laufen Gefahr, ihr Ziel zu verfehlen, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgehen: Dass Menschen, sobald sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden, tatsächlich auch in der Lage sind, dieses zu erkennen.</p>
<p>Ganz abgesehen davon kostet es Geld, gut zu sein. Wenn man im Sinne des Grundwerts „Kundenfokus“ bei einer Geldanlage vor allem den Ertrag des Kunden im Auge hat und nicht mehr vorzugsweise die Rendite der Bank bei diesem Geschäft, wenn man tatsächlich in die Erforschung und Entwicklung von Innovationen investiert, statt alles, was als Non-Profit-Center gilt, im Zuge des permanenten Cost-Cutting ersatzlos zu streichen, dann könnte der Jahresgewinn am Ende tatsächlich niedriger ausfallen, als die Aktionäre sich das erträumt hatten. Was macht dann ein ethisch korrekter Unternehmensvorstand bei der Jahreshauptversammlung? Wie soll er dieses Ergebnis, das weit unter dem der weiterhin unethisch agierenden Konkurrenz liegt, gegenüber den Anteilseignern rechtfertigen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Blinde Flecken</b></p>
<p>Wäre die Finanzkrise tatsächlich abwendbar gewesen, wenn die daran Beteiligten zuvor ein Training in Ethik durchlaufen hätten? Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte das nichts gebracht, schon weil wir uns nicht darüber im Klaren sind, wie sehr bei uns die Schere zwischen unserem moralischen Selbstbild und unserem tatsächlichen ethischen Verhalten auseinanderklafft<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>. So fragen etwa die Autoren des Buches <i>Blind Spots<a title="" href="#_ftn4"><b>[4]</b></a></i> gleich zu Beginn, wie ethisch sich der Leser im Vergleich zu anderen Lesern einschätzen würde. Und zwar auf einer Skala zwischen null und 100, also zwischen dem „bösesten“ und dem „anständigsten“ aller Leser. Ein Wert von 50 würde demnach für eine durchschnittliche ethische Korrektheit stehen. Dennoch schätzen die Autoren, dass sich die meisten ihrer Leser etwa bei einem Wert von 75 sehen werden, sich also mehrheitlich für überdurchschnittlich „gut“ halten, was schlechterdings nicht möglich ist. Nur ein Fall von Overconfidence also?</p>
<p>Noch vor gut 25 Jahren gab es auf den Wirtschaftshochschulen und -Universitäten kaum einen Fachbereich mit Schwerpunkt auf Ethik oder Unternehmens-Moral. Wenn überhaupt, dann fanden solche Kurse oder Unterrichtseinheiten im Fachbereich Philosophie<a title="" href="#_ftn5">[5]</a> statt. Dort konzentrierten sich die Wissenschaftler aber vor allem darauf, herauszufinden, wie sich Menschen verhalten <i>sollten</i>, um moralisch einwandfrei zu handeln. Dabei geriet der Blick für die Realität meist völlig in den Hintergrund. Hier genau setzt die Behavioral Ethics an. In zahlreichen Experimenten und Studien haben die Protagonisten dieser relativ jungen Forschungsrichtung herausgefunden, wie Menschen Entscheidungen treffen, welche inneren und äußeren Faktoren diesen Entscheidungsprozess beeinflussen und wie man lernen kann, ethisch bessere Entscheidungen zu treffen.</p>
<p>Mehr dazu in der kommenden Woche.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Mercer-Studie „Global Financial Services Executive Remuneration Report“ aus der Börsenzeitung vom 21. August 2013, S.3</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> So hatte im Herbst 2012 etwa die Bank Santander 800 ihrer britischen Privatkundenberater für den Besuch einer Umschulungsmaßnahme freigestellt. Unter anderem musste von da an jeder Berater einheitliche Berufsstandards einhalten, inklusive eines ethischen Verhaltenskodex.</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Epley, Nicholas and Dunning, David (2000): <i>Feeling „Holier Than Thou”: Are Self-Serving Assessments Produced by Errors in Self- or Social Prediction?</i>  Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 79, No. 6, pp. 861 – 875</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> Bazerman, Max H.; Tenbrunsel, Ann E. (2011): <i>Blind Spots, Why We Fail to Do What’s Right and What to Do about It</i>, Princeton University Press, Princeton New Jersey</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a title="" href="#_ftnref5">[5]</a> Bazerman, Max H.; Gino, Francesca (2012): <i>Behavioral Ethics: Toward a Deeper Understanding of Moral Judgement and Dishonesty</i>, Annual Review of Law and Social Science, Vol. 8, pp. 85 – 104, 2012</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
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		<title>D-Mark für Deutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 05:38:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[D-Mark]]></category>
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		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Große Aufregung um den deutschen Finanzminister. Die Briten toben, wenn man der Online-Ausgabe der „Daily Mail“ Vertrauen schenken darf. Offenbar hatte Wolfgang Schäuble in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa angedeutet, dass er einen schnellen Beitritt Großbritanniens zum Euro erwarte – schneller, als es mancher auf der britischen Insel glauben würde. Man kann sich gut [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Große Aufregung um den deutschen Finanzminister. Die Briten toben, wenn man der Online-Ausgabe der „Daily Mail“ Vertrauen schenken darf. Offenbar hatte Wolfgang Schäuble in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa angedeutet, dass er einen schnellen <span id="more-2851"></span>Beitritt Großbritanniens zum Euro erwarte – schneller, als es mancher auf der britischen Insel glauben würde. Man kann sich gut vorstellen, dass dieses Statement als Provokation aufgefasst wurde und bei vielen Briten nicht gerade begeisterte Zustimmung hervorrief. Auch nicht beim Tory Abgeordneten Philip Davies, denn er wird mit der Replik zitiert, der deutsche Finanzminister solle sich doch besser darauf konzentrieren, die Krise zu lösen, und vor allem gut zu hören, was die Leute in Deutschland wollten. Und die hätten lieber die D-Mark zurück, als Griechenland und Italien retten zu müssen.</p>
<p>Ein cleverer Schachzug von Davies, könnte man meinen. Er drischt verbal auf Wolfgang Schäuble ein und spricht das aus, was sich viele Bundesbürger tatsächlich wünschen: die Wiedereinführung der D-Mark. Nicht, dass es mir genauso ginge. Oder dass das Gros der Menschen hierzulande tatsächlich wüsste, welche ökonomischen Folgen eine irgendwie geartete Rückkehr Deutschlands zur D-Mark überhaupt hätte.  Aber ich kann verstehen, wenn die Menschen vorschnell und oft in einem Anflug von Wehmut und Nostalgie behaupten, mit der D-Mark wäre es ihnen ökonomisch viel besser als mit dem Euro ergangen: Ein leicht eingängiges und einfach nachzusprechendes Gedankenkonstrukt, das aufgrund seiner leichten Verfügbarkeit zu vielen Fehlschlüssen verleiten kann. Eine verführerische Melodie, auch auf der Flöte eines Rattenfängers.</p>
<p>Ich glaube indes, dass sich die Sehnsucht nach der D-Mark gar nicht einmal auf das Zahlungsmittel bezieht. Vielmehr mag die frühere deutsche Währung eine Wertewelt verkörpern, die sich mit Begriffen wie Stabilität, Wachstum, Sicherheit umschreiben ließe – Eigenschaften, die man beim Euro derzeit schmerzlich vermisst und die aus einer besseren Zeit zu stammen scheinen, als es noch keine Krisen heutigen Ausmaßes gab. Vielleicht haben viele Menschen einfach nur die &#8222;The-Winner-Takes-All-Mentalität“ satt. Oder auch die Forderung nach „total dedication“, nach der völligen Hingabe bis zur Selbstverleugnung ans Unternehmen, die Rund-um-die Uhr-Verfügbarkeit für die Belange des Arbeitgebers. Dazu der permanente Druck, sich selbst zu optimieren, bis wir uns selbst nicht mehr erkennen.</p>
<p>Wer aber kann garantieren, dass die Wiedereinführung der D-Mark tatsächlich die Rückkehr zu früheren Werten bedeutet, und wer weiß, ob dies überhaupt erstrebenswert ist? Um die Welt fairer zu gestalten, wieder zu sich selbst zu finden und aus der Tretmühle auszutreten, stets mit den anderen mithalten zu müssen, braucht man nicht das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Man kann immer und sofort damit anfangen. Auch wenn der Euro bleibt.</p>
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		<title>Herdenverhalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Mar 2011 11:05:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Häufig, wenn ich zum Thema Behavioral Finance interviewt werde, kommt früher oder später das Gespräch auf Herdenverhalten. Mag sein, dass man gerne über diesen Begriff spricht, weil er so lebhafte und plastische Vorstellungen weckt. Denn unwillkürlich denkt man an eine blökende Schafherde – ein Bild, das gerne verwendet wird, um Irrationalität und Blasenbildung in den Finanzmärkten [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/herdenverhalten/">Herdenverhalten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Häufig, wenn ich zum Thema Behavioral Finance interviewt werde, kommt früher oder später das Gespräch auf Herdenverhalten. Mag sein, dass man gerne über diesen Begriff spricht, weil er so lebhafte und plastische Vorstellungen weckt. Denn unwillkürlich denkt man an eine blökende Schafherde –<span id="more-985"></span> ein Bild, das gerne verwendet wird, um Irrationalität und Blasenbildung in den Finanzmärkten zu illustrieren. So malt man sich aus, wie in einer solchen Herde plötzlich einer nach dem anderen in eine bestimmte Richtung zu laufen beginnt, ohne sich noch ein eigenes Urteil über die Lage zu bilden. Weshalb für Außenstehende auch leicht der Eindruck entsteht, Herdenverhalten habe etwas Blindes an sich.</p>
<p>Herdenverhalten ist also dumm. Andererseits hat sich unter vielen Analysten die Meinung durchgesetzt, dass es nicht zwangsläufig unvernünftig sein muss, dem Herdentrieb zu folgen. Allerdings nur dann, wenn es einem gelingt, rechtzeitig wieder auszusteigen, bevor die Masse ins Verderben rennt. Das Dumme dabei ist nur, dass sich Herdenverhalten nur schwer messen lässt.</p>
<p>Trotzdem ist es sinnvoll, sich aus psychologischer Sicht mit dem Herdenverhalten etwas näher zu befassen. Denn gerade bei Entscheidungen unter Unsicherheit, wie sie für die Akteure an den Finanzmärkten typisch sind, spielt das so genannte Commitment, die Bindung an die eigene Entscheidung, eine wesentliche Rolle. Jenes steigt nämlich nicht nur, wenn Verluste entstehen, sondern auch wenn man mit seiner Entscheidung von den Normen (seiner Umgebung) abweicht.  Sich einer Norm anzuschließen – und dies muss zunächst gar nicht auf blinde Art und Weise erfolgen – ist für die meisten Menschen, so gesehen, angenehmer. Vor allem, wenn man feststellt, dass diese Normen sowieso den eigenen Wertvorstellungen entsprechen.</p>
<p>Während Normen in der Gesellschaft häufig von der Mehrheit oder von Trends und Moden bestimmt werden, werden sie in den Finanzmärkten durch Meinungen, Analysen und Prognosen bedeutender Experten repräsentiert. Und diesen Normen folgt man vor allen Dingen dann gerne, wenn damit Gewinne für die „Follower“ in Aussicht stehen. Insofern stellt es keine Überraschung dar, wenn Normen das Herdenverhalten von Investoren und Anlegern begünstigen. Zumal das individuelle Kontrollbedürfnis jedes einzelnen Akteurs dafür sorgt, dass man sich in einer Gruppe sicherer fühlt, und das umso mehr, wenn Gleichgesinnte die eigene Entscheidung als richtig bestätigen.</p>
<p>Auf der anderen Seite wird dabei übersehen, dass der Gewinn des Einzelnen im „Erfolgsfall“ mit jedem zusätzlichen Schaf in der Herde geringer ausfallen wird. Was würden Sie tun, wenn ich Ihnen einen Ort verraten würde, an dem ein Klumpen Gold vergraben wäre? Würden Sie sich einfach teure Schürfwerkzeuge beschaffen, ohne vorher Auskünfte über mich einzuholen? Vermutlich nicht. Und schon gibt es mindestens einen Mitwisser. Und wenn der auch noch weitere Quellen heranzieht, die ihm meine Seriosität bestätigen sollen, dauert es nicht lange, bis sich plötzlich eine ganze Gruppe findet, die sich entschlossen Richtung Goldschatz bewegt. Und auf der Reise dorthin lässt man sich von Händlern, die flugs ihre Stände am Wegesrand errichtet haben, Schaufeln und anderes Gerät verkaufen. Am Ende finden womöglich 1000 Leute einen kleinen Goldklumpen, der für den Einzelnen – sofern überhaupt teilbar – viel zu wenig abwirft, um all die Investments für die Schürfung wieder wettzumachen. Sich bei anderen Finanzmarktteilnehmern Bestätigung für eine wichtige Entscheidung zu holen, lässt uns zwar zunächst ruhiger schlafen. Doch wer das Risiko auf viele Schultern verteilt, für den bleibt auch vom Gewinn nur ein kleines Stückchen übrig – reich wird man dabei also nicht.</p>
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		<title>Zu reich? &#8211; Jenseits von Gut und Böse II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 10:29:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Auffälligkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeauxwein-Hausse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hatte kürzlich im Sportstudio wieder einmal die Gelegenheit, mir während meines Trainings ungewollt neun Fernsehkanäle gleichzeitig anzuschauen. Am Ende blieb ich bei n-tv hängen, wo gerade die Sendung &#8222;n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht&#8220; lief, die ich schon des Öfteren gesehen habe – das letzte Mal ging es um eine verschwenderische Einkaufstour eines Promis [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zu-reich-jenseits-von-gut-und-bose-ii/">Zu reich? &#8211; Jenseits von Gut und Böse II</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hatte kürzlich im Sportstudio wieder einmal die Gelegenheit, mir während meines Trainings ungewollt neun Fernsehkanäle gleichzeitig anzuschauen. Am Ende blieb ich bei n-tv hängen, wo gerade die Sendung &#8222;n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht&#8220; lief, die ich <span id="more-939"></span>schon des Öfteren gesehen habe – das letzte Mal ging es um eine verschwenderische Einkaufstour eines Promis in St. Moritz. Und da ich mich seit Neuestem vor allem mit Normen und Werten unserer Gesellschaft beschäftige, kam ich nicht umhin, diese Sendung besonders unter diesem Aspekt zu betrachten. Kaum hatte ich den Kopfhörer aufgesetzt, schallte mir ein schwungvolles: &#8222;Hallo, liebe Milliardäre&#8220; entgegen – mit dieser Formel pflegt die Moderatorin die Zuschauer an den Bildschirmen mit einem frontalen Lächeln zu begrüßen. Komisch, warum fühlte ich mich dennoch nicht persönlich angesprochen… Und dann ging es auch sogleich – MAZ ab! – mitten hinein ins Leben von Schenja Finkelstein, seines Zeichens Multimillionär und Organisator für Russland-Konzerte internationaler Top-Stars.</p>
<p>Und schon blickten wir gebannt in die Innenwelt eines riesengroßen Wohnhauses, folgten der Kamera auf ihrem Rundgang durch die acht einzelnen Gebäude, in denen Herr Finkelstein privat residiert, durchschritten riesige, modern gestylte Wohnhallen und warfen auch einen Blick in diverse Saunen, die der Musikmagnat für sein körperliches Wohlbefinden benötigt. Bei so viel Opulenz kam auch die n-tv-Reporterin ins Schwärmen. Tatsächlich vermittelte sie mit ihrem Beitrag den Eindruck, dass all der zur Schau gestellte Reichtum mit ehrlicher und harter Arbeit verdient worden war. Das hat Herr Finkelstein alles ganz legal geschafft – lautete die unausgesprochene Botschaft an den Zuschauer.</p>
<p>Insgesamt wurde uns eine Wertewelt präsentiert, wie sie sich der normale Fernsehzuschauer bestenfalls in seinen kühnsten Phantasien ausmalen kann, ohne auch nur hoffen zu dürfen, jemals selbst in solchem Luxus zu schwelgen. Aber träumen darf man ja. Schließlich wurde man auch noch in Finkelsteins klimatisierten Weinkeller geführt. Feierlich zog er eine Schublade auf, und der Blick der Kamera fiel auf mehrere Flaschen „Chateau Petrus“, dem Rolls Royce unter den Bordeaux-Weinen. 2.500 € soll eine Bouteille dieses Statussymbols gekostet haben. Da verschlug es offenbar auch unserer Kommentatorin die Sprache. Das sei jetzt doch schon ein bisschen dekadent, hauchte sie. Fast hätte ich ihr darin spontan beigepflichtet, doch dann fiel mir rechtzeitig ein, dass die übrigen Lebenshaltungskosten im Hause Finkelstein vermutlich ein Mehrfaches des kostspieligen Weinkellers betragen. Allein die diversen Saunen ein Jahr lang zu reinigen und in Betrieb zu halten, dürfte deutlich teurer sein als die ganze Schublade mit dem Chateau Petrus. Doch das geht bei all dem offensichtlichen Reichtum glattweg unter. Die Reporterin wie auch der gebannte Zuschauer sahen wohl im Geiste, wie sich 2.500 Euro verflüssigen, im Nu verrinnen und lediglich eine rote Spur im Glas hinterlassen. Dekadenz ist anscheinend eine Sache der Wahrnehmung.<span id="_marker"> </span></p>
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		<title>Jenseits von Gut und Böse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Feb 2011 09:54:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich mich nicht zu Karl-Theodor zu Guttenbergs Promotion äußern – das haben andere schon zur Genüge getan. Auch weiß ich nicht, worin die Grenze zwischen einem kleinen und einem großen Plagiat besteht. Genauso wenig kenne ich den Unterschied zwischen einer bewussten und einer unbewussten Täuschung, wie es Professor Eckhard Freise bei Anne Will [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/jenseits-von-gut-und-bose/">Jenseits von Gut und Böse</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich mich nicht zu Karl-Theodor zu Guttenbergs Promotion äußern – das haben andere schon zur Genüge getan. Auch weiß ich nicht, <span id="more-936"></span>worin die Grenze zwischen einem kleinen und einem großen Plagiat besteht. Genauso wenig kenne ich den Unterschied zwischen einer bewussten und einer unbewussten Täuschung, wie es Professor Eckhard Freise bei Anne Will am Sonntagabend anhand der Promotionsordnung der Uni Bayreuth zu erklären versucht hat.</p>
<p>Viel erstaunlicher ist für mich auf den ersten Blick die Tatsache, dass 74 Prozent der Deutschen laut einer ARD-Umfrage vom Sonntag<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a> der Ansicht sind, zu Guttenberg sollte sein Amt wegen der Dissertationsaffäre nicht aufgeben. Liegt dies etwa daran, dass sich die Deutschen für akademische Arbeiten oder Fußnoten-Rituale prinzipiell nicht interessieren oder womöglich einfach nichts davon verstehen? Oder handelt es sich in ihren Augen beim Abschreiben ganzer Textpassagen nur um ein Kavaliersdelikt?</p>
<p>Die Ursache, dass sich zu Guttenberg immer noch eines breiten Rückhalts in der Bevölkerung erfreuen kann, ist in der menschlichen Psyche zu suchen, für die Werte und Normen eine wichtige Rolle spielen. Von allen Informationseinheiten sind sie sogar die robustesten. Ihnen nicht gerecht zu werden bedeutet, kognitive Dissonanz zu erleiden. Diese entsteht natürlich auch, wenn uns diejenigen, die diese Werte für uns verkörpern oder zumindest besonders lautstark behaupten, dies im Gegensatz zu anderen zu tun, plötzlich enttäuschen. Die erste Reaktion auf diese Enttäuschung ähnelt der eines Händlers, der mit einem Male feststellen muss, dass die Aktien, die er für „richtig gut“ gehalten und daher gekauft hatte, entgegen seiner Einschätzung zum steilen Sinkflug angesetzt haben. Meist wird dieser Anleger aber nicht sofort verkaufen, um etwaige Dissonanzen zu vermeiden, sondern stattdessen nach Informationen suchen, die seine ursprüngliche Entscheidung rechtfertigen. Und alles Unpassende, alle Kritik an den Werten seines Depots wird verharmlost und heruntergespielt.</p>
<p>Genauso mag es sich bei vielen Menschen in Hinblick auf zu Guttenberg verhalten. Da regen sich vermutlich auch nur wenige darüber auf, dass dessen Parteifreundin, Monika Hohlmeier, in der ARD die drei getöteten deutschen Soldaten in Afghanistan als menschliche Schutzschilde für den Verteidigungsminister verwendet. Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse solle man doch bitteschön aufhören, Fußnoten zu zählen, so ihr Vorwurf. So zeigt sich wieder einmal: Im Krieg stirbt zuerst die Wahrheit.  <strong> </strong></p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Quelle: ARD DeutschlandTREND extra vom 20.2.2011</p>
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		<title>Dr. No</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 08:26:34 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich kann ich Dr. No (Name geändert) nicht leiden. Und wenn es einen Ökonomen gibt, dessen Arbeit ich als unzulänglich, inkompetent, wenn nicht gar als etwas schlicht in der Argumentation einschätze, dann ist er es. Trotzdem hat mich mein Mitstreiter unwonted candour mit seinem Blog über Niall Ferguson geradezu dazu animiert, einmal auf Twitter nach [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich kann ich Dr. No (Name geändert) nicht leiden. Und wenn es einen Ökonomen gibt, dessen Arbeit ich als unzulänglich, inkompetent, wenn nicht gar als etwas schlicht in der Argumentation einschätze, dann ist er es. Trotzdem hat mich mein Mitstreiter <span id="more-866"></span>unwonted candour mit seinem Blog über <a href="http://www.blognition.de/?p=817">Niall Ferguson </a>geradezu dazu animiert, einmal auf Twitter nach Dr. No zu suchen. Nicht, dass ich auf die Idee gekommen wäre, jemals dessen  &#8222;Follower &#8220; werden zu wollen. Nein, es war die pure Neugierde die mich antrieb. Vielleicht auch die heimliche Hoffnung in meiner Meinung bestätigt zu werden. Aber ich machte eine Entdeckung, die mich sehr nachdenklich stimmte. Dr. No hatte nicht nur über 10.000 Follower. Er folgte auch anderen Menschen mit Fleiß.</p>
<p>Diese Entdeckung machte mir Dr. No keineswegs sympathischer. Natürlich war er immer noch der gleiche kurzsichtige Ökonom, der vor allen Dingen häufig durch seine schwammigen Aussagen unangenehm aufgefallen war. Trotzdem habe ich leider viele seiner Interviews und Kommentare lesen müssen, weil mich der eine oder andere Händler oder Journalist gelegentlich auf Dr. Nos Elaborate aufmerksam gemacht hatte. Man muss ja schließlich wissen, was die &#8222;Konkurrenz&#8220; von sich gegeben hatte. Vieles was Dr. No vorzubringen hatte, fand ich ausgesprochen dumm. Wie konnte er es nur in Twitter auf 10.000 Follower bringen, 10.000, an denen ich mental nicht so einfach vorbeikam?</p>
<p>Aber allein der Umstand, dass Dr. No anscheinend so nett und beliebt war, durfte doch nicht dazu führen, dass ich begann, insgeheim seine ganze Arbeit aufzuwerten. Was für ein Mensch No war, hatte doch vor meinem neugierigen Klick auf Twitter nicht die geringste Rolle bei meinem Urteil über ihn gespielt. Klar, ich könnte mir jetzt sagen, Dr. No sei nur deswegen in der Öffentlichkeit so beliebt, weil er mit seinen schwammigen Äußerungen und Prognosen niemanden vor den Kopf stößt. Denn klare Vorhersagen und eindeutige Analysen interessieren doch nur den, dem sie in den Kram passen – alle anderen verärgern sie.</p>
<p>Ich brauchte eine Weile, bis ich begriff, dass durch die neuen sozialen Netzwerke eine gesellschaftliche Norm entstanden ist, bei der es in erster Linie auf Masse ankommt. Du bist gut, wenn Du viele Follower hast. Und wer etwas auf sich hält, ist mit vielen Freunden auf Facebook oder Xing präsent. Das ganze Ausmaß dieser neuen Bewertungskriterien begann ich zu erahnen, als kürzlich im <em>Foreign Policy </em>Magazin die Liste der Top 100 unter den globalen „Denkern“ präsentiert wurden. Zumal die ersten zehn aus dieser Tabelle – angeführt von Warren Buffett und Bill Gates – eher als Philanthropen oder Macher denn als Denker zu Berühmtheit gelangt sind. Wenn man bis Platz zwölf hinunter gehen muss, um die erste Persönlichkeit zu finden, die für eine genuin geistige Leistung ausgezeichnet wurde, (es handelt sich hierbei immerhin um den berühmten Ökonomen Nouriel Roubini), müssen sich die Werte in unserer Gesellschaft schon gewaltig verschoben haben. Aber wie viele Follower passen schon in einen Elfenbeinturm…</p>
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