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	<title>Verfügbarkeitsheuristik Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Im Zweifel entscheidet der Bauch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2016 06:37:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Jüngste Umfragen von Meinungs­­­forschungsinstituten zum bevor­stehenden Referendum in Großbritannien zeigen einen leichten Vorsprung der Befürworter eines Brexits an. Dabei schwanken die Umfragewerte zunehmend. Allerdings wird die Prognosekraft der sowohl am Telefon als auch Online vorgenommenen Umfragen von Kom­mentatoren häufig bezweifelt. Bei den britischen Wettbüros liegt allerdings immer noch das Remain-Camp vorne, allerdings mit abnehmender Tendenz. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">Im Zweifel entscheidet der Bauch</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-8908 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-300x200.jpg" alt="Tower Bridge in London, the UK. Dramatic stormy and rainy clouds" width="300" height="200" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-300x200.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-768x512.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London.jpg 849w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jüngste Umfragen von Meinungs­­­forschungsinstituten zum bevor­stehenden Referendum in Großbritannien zeigen einen leichten Vorsprung der Befürworter eines Brexits an. Dabei schwanken die Umfragewerte zunehmend. Allerdings wird die Prognosekraft der sowohl am Telefon als auch Online vorgenommenen Umfragen von Kom­mentatoren häufig bezweifelt. Bei den britischen Wettbüros liegt allerdings immer noch das Remain-Camp vorne, allerdings mit abnehmender Tendenz.</p>
<p>Andere wiederum entwickeln mehr oder weniger schlimme Szenarien, falls es tatsächlich zu einem Brexit kommen sollte. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur eines dieser Szenarien eintritt, extrem gering. Denn dafür ist die Komplexität aller möglichen Folgen und Auswirkungen auch auf andere politische Bereiche samt aller möglichen Kosten und Nutzen schlichtweg zu hoch. Deswegen dürften sich viele Manager in Unternehmen ebenso überfordert fühlen wie die Mehrheit der Wähler auch. Statt rationale Entscheidungen treffen zu können, dürfte am Tag der Abstimmung eher der Bauch votieren. Für welche Faustregeln und mentalen Kurzschlüsse dabei die Wählerinnen und Wähler besonders anfällig sind, damit beschäftigt sich das Thema des Monats Juni, das ich wie immer für die WGZ Bank <a href="https://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html" target="_blank"><strong><span style="color: #ff0000;">HIER</span></strong></a> erstellt habe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">Im Zweifel entscheidet der Bauch</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Von der Lüge zur Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2015 16:45:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-luege-zur-wahrheit/">Von der Lüge zur Wahrheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die Hilfesuchenden so lange, bis sie gefunden haben, was ihnen passt, aber nicht helfen muss.</p>
<p>Das gilt leider auch für kaum zu verstehende Ereignisse wie die Anschläge des 11. September 2001. Oder die Finanzkrise, die im Jahr 2008 implodierte und geldpolitische Programme der Zentralbanken zur Folge hatte, mit deren Konsequenzen sich die Forscher rund um den Globus immer noch auseinandersetzen müssen. Man braucht selbst in der Gegenwart nicht lange zu suchen, um etwa im Internet nach Erklärungen für das Verschwinden von Flugzeugen oder den Schuldigen für die für viele Menschen als bedrohlich, weil nicht kontrollierbar, empfundene Flüchtlingskrise zu finden. Und manchmal sind diese Erklärungen abenteuerlich.</p>
<p>Es ist aber auch kein Wunder, dass die Menschen in dieser enormen Vielfalt von Informationen nur diejenigen wahrnehmen, die sich vom allgemeinen Grundrauschen abheben. Und das Niveau dieses Grundrauschens wird vom sogenannten Mainstream der Tagespresse bestimmt: Informationen, die niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken und im schlimmsten Fall sogar als Lügenpresse tituliert werden.</p>
<p>Ob wir tatsächlich belogen werden?</p>
<p>Ich weiß es nicht, und darum geht es mir an dieser Stelle auch gar nicht. Aber wer wahrgenommen werden will, muss sich im Sinne des Weberschen Gesetzes vom Grundrauschen abheben<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Und das geschieht vor allem fast nur ex negativo. Informationen sind dann interessant, wenn sie ohnehin Schlimmes ins Extreme steigern. Und diese Tendenz hat sich während der vergangenen Jahre durch das Internet drastisch verstärkt. Eigentlich müssten die vermutlich über 300 Millionen Blogger-Auftritte durch den damit ausgelösten Informationswettbewerb für eine immer bessere Qualität an Informationen sorgen. Während dies für die traditionellen Medien gelten mag, scheint die Idee, durch Wettbewerb ein Mehr an Qualität zu bekommen, im Cyberspace nicht zu gelten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ausgezeichnetes Chance/Risiko-Verhältnis für Sensationen</strong></p>
<p>Das mag vermutlich damit zusammenhängen, dass etwa Blogbeiträge durch ihre geringen Kosten eine relativ niedrige Eintrittshürde in die Nachrichten-Welt überwinden müssen. Aber selbst der ernsthafteste Blogger wird nur dann bekannt, wenn er sich vom Rest der Mitbewerber abhebt. Und das Risiko, für eine überspitzt dargestellte Nachricht, bestraft zu werden, ist im Vergleich zur Belohnung, möglicherweise Guru-Status zu erlangen, gering. Eine Nachricht muss nicht in erster Linie akkurat dargestellt werden. Vielmehr generiert sie nur Follower und „Likes“ und vielleicht sogar ein wenig Geld, wenn sie sensationell aussieht. So stellten etwa Wissenschaftler der INSEAD Business School fest, dass Wettbewerb unter den Bloggern generell zu einem übertrieben negativen Unterton in den Beiträgen führten ohne dass sich dadurch die Qualität der Information – in der Studie ging es um Finanzanalysten – wesentlich verbessert hätte<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>.</p>
<p>Am Ende werden Nachrichten, vorzugsweise Negatives, Unglücksfälle, Betrügereien oder schwerwiegende Vergehen nur wahrgenommen, wenn sie das bisher Bekannte noch einmal toppen. Ein möglicher Verlust, der sich aus dem VW-Abgasskandal ergeben könnte, ist längst nicht mehr interessant, wenn er, wie kolportiert, nur Geldstrafen in Höhe von bis zu 18 Milliarden US-Dollar nach sich zieht, sondern das Unternehmen als Ganzes bedrohen könnte. Selbst 50 Milliarden sind zu wenig für eine Sensation, und schon rechnet womöglich jemand einen Verlust von 100 Milliarden Euro für VW aus. Das wird dann wahrgenommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von der Sensation zur Verschwörung</strong></p>
<p>Sie wollen etwas Interessantes erzählen? Dann muss es schon etwas Extremes sein. Am besten etwas, das bisher nicht gesagt werden durfte. Ein Tabubruch. Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige und auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.</p>
<p>Am besten <em>eine Story, in der ein Ereignis oder eine Tätigkeit geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben werden, die selbst nur im Verborgenen tätig sind</em>.</p>
<p>So definiert zumindest der Harvard Professor für Rechtswissenschaften Cass A. Sunstein eine Verschwörungstheorie<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>. Und es ist Sunstein, der eine US-Studie zitiert, wonach 36 Prozent der Befragten zustimmten, dass Staatsbedienstete entweder an den Angriffen des 11. September 2001 auf das World Trade Center teilnahmen oder nichts unternahmen, um sie zu stoppen. Dabei handelt sich keineswegs nur um irgendwelche Spinner, die besonders anfällig für Verschwörungstheorien wären. Nein, es sind erstaunlich viele Menschen, die diesen manchmal extremen Ansichten – obwohl die ihnen zugrunde liegenden Informationen oft jeglicher Relevanz entbehren – Glauben schenken. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass diejenigen, die solche Theorien vertreten, zum Teil ganz ernsthafte Absichten verfolgen. Aber manchmal möchten ihre Urheber einfach nur Geld verdienen oder eben Guru-Status erlangen. Das größte Problem ist jedoch, dass einige Verschwörungstheorien sogar der Wahrheit entsprechen. Und andere wiederum nicht.</p>
<p>Es ist wohl dem Kontrollbedürfnis der Menschen geschuldet, dass viele von ihnen einfach nicht glauben möchten, dass bedeutende Ereignisse manchmal auch nur einfach durch Glück oder Pech oder einen dummen Zufall ausgelöst worden sind. Mit anderen Worten: Es muss für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben zu können oder den Zufall als gegeben hinnehmen zu müssen, kaum aus. Und es ist genau dieser Kontrollverlust, der häufig als bedrohlich empfunden wird, der das Entstehen von Verschwörungstheorien begünstigt. Aber im Wesentlichen erscheinen sie vielen Menschen plausibel, weil sie ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten. Oder weil derartige Geschichten gut ins eigene Weltbild passen. Und wenn dann auch noch Prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Und möglicherweise wird so die Lüge zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> je höher ein Grundreiz ist, desto stärker muss ein zusätzlicher Reiz nach diesem Gesetz ausfallen, damit er wahrgenommen wird</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Dong, Yi; Massa, Massimo und Zhang Hong (2014): <em>Guru Dreams and Competition: An Anatomy of the Economics of Blogs,</em> Working Paper, INSEAD Faculty &amp; Research</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Sunstein, Cass R. (2014): Conspiracy Theories and Other Dangerous Ideas, New York</p>
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		<title>Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 07:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Stuart Pigott]]></category>
		<category><![CDATA[Survivorship bias]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein, mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &#38; Co begründete. Auch in der TV-Sendung [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein,<span id="more-5488"></span> mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &amp; Co begründete. Auch in der TV-Sendung waren Billigweine ein Thema, und mit Schrecken musste ich, der keiner Flasche unter fünf Euro traut, erfahren, wie vorzüglich billige Weine sein können. Nicht dass ich jetzt einen besonderen Wert auf Individualität beim Weingenuss lege oder Wein als Statussymbol betrachte, aber Qualität ist mir doch wichtig. Und wenn man bedenkt, dass in besagten fünf Euro 19 Prozent Umsatzsteuer, der Preis fürs Flaschenglas, Handelsspannen etc. enthalten sind, dürfte für das, was ich genießen möchte, nicht mehr allzu viel übrig bleiben. Aber „Die Weinprobe“ vermittelte mir noch allerhand anderes Wissenswertes. So erfuhr ich, dass der Durchschnittspreis, den deutsche Weinliebhaber für eine Flasche Rebensaft bereit sind auszugeben, bei etwas mehr als 2,50 Euro liegt. Und eine Flasche Wein zum Preis von drei Euro wird häufig bereits als teuer eingestuft. Da liege ich ja voll daneben!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Günstige Weine im Blindversuch</strong></p>
<p>Interessant wurde es, als getestet wurde, ob man günstige Weine von Aldi, Lidl, Rewe &amp; Co auch am Geschmack erkennen könne. Und dazu lud man keinen geringeren als den britischen Weinkritiker Stuart Pigott ein, der im Blindversuch nur einen von vier günstigen Supermarkt-Weinen im Preis richtig einschätzte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, bei den anderen hingegen um bis zu mehr als dem Dreifachen nach oben abwich. „Da sieht man‘s mal wieder, alles nur Show“, hörte ich im Geiste meinen Freund K. ausrufen, der meinen Faible für Bordeaux-Weine schon immer verspottet hatte und den ich wiederum nicht nur in Sachen Wein für ein spaßfernes Sparbrötchen halte. Nun aber fragte ich mich, ob man den guten Stuart Pigott auch im Fernsehen gezeigt hätte, wenn er alle Weine richtig eingeordnet hätte? Wohl kaum, denn das hätte dem TV-Beitrag mit der Botschaft „Gutes muss nicht teuer sein“ einen großen Teil seiner Attraktivität geraubt. Ganz abgesehen von der Schadenfreude vieler Zuschauer, die es ja lieben, wenn einem Experten wieder einmal ein Schnippchen geschlagen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Interessant sind nur die Besten aller Talente</strong></p>
<p>Aber wir interessieren uns nun halt immer für das Spektakuläre. Und wenn es um Geld und Macht geht, für die Warren Buffetts und Bill Gates dieser Welt. Dabei wird gern vergessen, dass es unter all den Reichen und Steinreichen dieser Welt am rechten äußersten Rand der Glockenkurve zur statistischen Verteilung zwangsläufig den einen Ultrareichen geben muss. Und wenn er nicht Buffett heißt, dann ist es eben jemand anderes. Aber weil sich das öffentliche Interesse auf die Besten der Erfolgreichen konzentriert<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, unterschätzt man leicht, wie wenig wahrscheinlich solche Lebensläufe sind. Wir alle kennen die Legende von Bill Gates, der sich Monate lang in einer Garage eingeschlossen haben soll, bis er dann das Tor wieder öffnete und mit Microsoft ein Unternehmen von Weltruhm gründete. Was geschah mit all den Anderen Computerfreaks, die sich ebenfalls in einen Schuppen oder eine Garage zurückgezogen haben, später aber ausgehungert und unverrichteter Dinge wieder herauskamen und bis heute talentierte, aber arme Schlucker geblieben sind? Und wer interessiert sich für all die Tellerwäscher, die nicht zum Millionär wurden und, wenn sie nicht gestorben sind, noch immer in der Küche stehen und Geschirr spülen?</p>
<p>Niemand.  </p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der fünfte Wein, der einzige Winzerwein, zum Preis von 10,50 Euro kam bei der Blindverkostung bei Pigott übrigens nicht gut weg</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Tatsächlich handelt es sich um eine survivorship bias im weiteren Sinne  </p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-weinprobe-oder-am-rande-der-normalverteilung/">Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>25 Millionen auf Reisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Sep 2012 08:48:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Heberer]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentativitätsirrtum]]></category>
		<category><![CDATA[Track Record]]></category>
		<category><![CDATA[Travel24]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdem die Konferenz in Jackson Hole wohl keine wirklich neuen Erkenntnisse gebracht hat, habe ich mich wieder dem Tagesgeschäft zugewandt und entdeckte die Eckdaten einer neuen Anleihe des Internet-Reiseanbieters Travel24 – 25 Millionen Euro, so das Anleihevolumen, sollen da auf Reisen geschickt werden. Genauer gesagt, sollen mit dem Geld Hotels gebaut werden. Und dafür soll [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem die Konferenz in Jackson Hole wohl keine wirklich neuen Erkenntnisse gebracht hat, habe ich mich wieder dem Tagesgeschäft zugewandt und entdeckte die Eckdaten einer neuen Anleihe des Internet-Reiseanbieters Travel24 – 25 Millionen Euro, so das Anleihevolumen, sollen da auf Reisen geschickt <span id="more-5007"></span>werden. Genauer gesagt, sollen mit dem Geld Hotels gebaut werden. Und dafür soll die Investition mit 7,5 Prozent p. a. verzinst werden, also etwa so viel wie für eine Anleihe, die vor einiger Zeit die Wiener Feinbäckerei Heberer aufgelegt hat, 7 Prozent p. a. mit einer Laufzeit von vier Jahren.</p>
<p>Aus verhaltensorientierter Sicht hat man es da eigentlich relativ leicht, für welches der beiden Unternehmen man sich entscheiden würde. Denn Brot ist für unsere Erinnerung leichter verfügbar, da wir es jeden Tag brauchen und konsumieren. Und wenn dann ein Unternehmen auch noch mehr als 100 Jahre besteht, verführt dies schnell zum Schluss, dass ein so langer <em>track record</em> ja nicht von ungefähr kommen kann. Aber dieser Erfolg mag bestenfalls repräsentativ für den Erfolg <em>vergangener</em> Tage sein. Da hat es Travel24 schon schwerer, auch wenn man mit Reisen auch etwas leicht Vorstellbares verbindet. Aber der Slogan „denn verreist wird immer“ kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Menschen nicht das ganze Jahr in Urlaub fahren. Und wenn, dann soll Verreisen auch noch preiswert sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hohe Rendite – hohes Risiko</strong></p>
<p>Beide Unternehmen haben übrigens noch etwas gemeinsam: Sie bieten eine Verzinsung an, die weit über der im Markt üblichen derzeit erzielbaren Renditen liegt, weswegen bei mir sofort alle Warnlampen angehen. Denn überdurchschnittlichen Renditen liegt auch ein überdurchschnittliches Risiko gegenüber. Und wer das bei seinen Anlageentscheidungen nicht berücksichtigt, handelt fahrlässig.</p>
<p>Um Risiken ging es auch bei unseren Blog-Beiträgen des Monats August und zwar überwiegend in Zusammenhang mit der Euro-Krise. Deswegen stand der Kommentar <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/wohin-europa/"><em>Wohin Europa?</em></a> Auf unserer internen Rangliste auf Platz drei. Auch der Beitrag <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/verstehen-okonomen-nichts-von-wirtschaft/"><em>Verstehen Ökonomen nichts von Wirtschaft?</em></a> Fand ein starkes Interesse bei unseren Lesern und wurde eingehend diskutiert. Der meistgelesene Blog im August erschien jedoch gleich am Monatsanfang unter der Überschrift <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/draghi-hat-eine-idee-im-hinterkopf/"><em>Draghi hat eine Idee im Hinterkopf</em></a> und seit der vergangenen EZB-Sitzung, die wenige Tage später stattfand, warten wir nun darauf, dass diesen Worten auch Taten folgen mögen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/25-millionen-auf-reisen/">25 Millionen auf Reisen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>„10.000 bei erster Diagnose“</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/10-000-bei-erster-diagnose/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 May 2012 04:56:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[American Express]]></category>
		<category><![CDATA[Besitztumseffekt]]></category>
		<category><![CDATA[Prostatakrebs]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Da erhielt ich doch vor einigen Tagen den Anruf einer netten Dame von American Express, wo ich Kunde bin. Und eben weil ich das schon so lange sei, bot sie mir eine Partnerkarte für meine Frau an. Nachdem ich höflich mein Desinteresse daran bekundet hatte, kam die Telefonverkäuferin zum eigentlichen Kern ihres Anrufs. Es sei [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Da erhielt ich doch vor einigen Tagen den Anruf einer netten Dame von American Express, wo ich Kunde bin. Und eben weil ich das schon so lange sei, <span id="more-4003"></span>bot sie mir eine Partnerkarte für meine Frau an. Nachdem ich höflich mein Desinteresse daran bekundet hatte, kam die Telefonverkäuferin zum eigentlichen Kern ihres Anrufs. Es sei ihr peinlich, darüber sprechen zu müssen, behauptete sie. Weil es sich American Express zur Aufgabe gemacht habe, nicht irgendwelche Versicherungen zu verkaufen, sondern dort, wo andere Unternehmen nicht leisten wollten oder könnten, für ihre Kunden diese Versorgungslücke zu schließen. „Nein, Herr Goldberg&#8220;, sagte sie mit Tremor in der Grabesstimme, „es ist kein schönes Thema, worüber ich jetzt mit Ihnen sprechen muss. Was glauben Sie? An welcher Krebsart erkranken die meisten Männer?&#8220; Sofort musste ich an Warren Buffett denken. Und der Gebrauch der Verfügbarkeitsheuristik lieferte mir sofort die Antwort: Prostatakrebs. „Richtig!&#8220;, erscholl es am anderen Ende der Leitung. Ich will Ihnen keine Angst machen, es ist mir auch wirklich unangenehm, aber so viele Männer bekommen das – Sie sind mir doch nicht böse, wenn wir darüber sprechen?&#8220; Ich entgegnete nur: „Sie versichern also…?&#8220; – „10.000 Euro bei erster Diagnose, bar auf die Hand“, hauchte die Stimme in die Hörermuschel, „ich weiß, das kann die Krankheit nicht wegzaubern, aber …“  Schon malte ich mir aus, wie ich zwischen Diagnose und OP noch einmal einen schönen Urlaub machen würde, um mich von den Schrecken, die zu Hause meiner harrten, für kurze Zeit abzulenken.  </p>
<p>Aber damit noch nicht genug. Die clevere Telefonverkäuferin, mittlerweile deutlich weniger betroffen, stellte noch 100 Euro Krankenhaustagegeld in Aussicht. Und für den Worst-Case (im Falle, dass ich mich von meinen beiden ältesten Freunden trennen müsste) noch einmal 20.000 Euro. Und eine Unfallversicherung, die ich gar nicht benötigte.</p>
<p>„Und das Ganze“, flötete die junge Dame verführerisch, „nicht für 100, nicht für 50, sondern für ganze 18,90 Euro im Monat. Sie müssen nur noch Ja sagen, und Sie haben ab sofort Versicherungsschutz, werden aber erst mit der nächsten Kreditkartenabrechnung belastet.“  Ich war überwältigt und wollte, obwohl ich den Trick mit dem unrealistisch hohen Referenzpunkt von 100 Euro sofort durchschaut hatte, kurz nachrechnen, ob sich die Angelegenheit lohnen würde. Aber keine Chance. Die resolute Verkäuferin setzte sofort nach und fragte: „Darf ich notieren? Sie bekommen dann alles zugeschickt: Vertragsunterlagen, AGB (ja, ja, der amerikanische Partner ACE könne einfach besser leisten als jeder deutsche Versicherer). Und wenn Ihnen das alles nicht gefällt, können Sie ganz problemlos vom Versicherungsvertrag zurücktreten. Außerdem haben Sie nur eine einmonatige Kündigungsfrist. Ich garantiere Ihnen, es ist das Beste vom Besten. Und die Beiträge sind auch nicht dynamisch, sondern bleiben stabil!“</p>
<p>Zum Glück ließ mich mein seit Jahren in Behavioral Economics geschultes Gehirn dann doch nicht im Stich. Und ich erinnerte mich an all die zahllosen Verkaufsshows im Fernsehen, in denen mit prächtigen Versprechungen Staubsauger mit fünf Saugarmen und einem lebenslänglichen Rückgaberecht verkauft werden. Ein Rückgaberecht, von dem die wenigsten übrigens Gebrauch machen, nachdem sie das gute Stück erst einmal in Besitz genommen haben (Besitztumseffekt). Ich stellte mir vor, dass ich im Zweifel gerade diese am Telefon abgeschlossene Versicherung vielleicht aus Nachlässigkeit oder Vergesslichkeit ebenfalls nicht kündigen würde. Als ich die nette Dame fragte, ob sie mir denn nicht zuerst die Versicherungsbedingungen und das Vertragsformular zuschicken könne, verneinte sie, mit der Begründung, das sei eben Telefonverkauf: kostengünstig, schnell und direkt. Sie könne verstehen, dass ich etwas gegen diese Art des Geschäftsabschlusses habe, begann sie. Was genau es denn sei, was mich abschrecke, wollte sie wissen, vermutlich um unsere Konversation in ein Kundeneinwand-Entkräftigungsgespräch einmünden zu lassen. Aber ich fand, dass unsere Plauderei ohnehin schon viel zu lang gedauert hatte und legte einfach auf.</p>
<p>Ich erinnerte mich daran, wie Warren Buffett nach seiner Krebsdiagnose gesagt hatte, er halte es für wahrscheinlicher von einem eifersüchtigen Ehemann umgebracht zu werden als an Prostatakrebs zu sterben. Der Verkäuferin hätte ich davon aber nichts erzählen wollen. Sonst hätte sie mir womöglich noch eine Versicherung angeboten.</p>
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		<title>Lebenslänglich Sport</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 07:38:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Risikowahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als sich gestern in der Online-Ausgabe des Guardian lesen musste, dass mein geliebtes &#8222;Fitness First&#8220; mit seinen Gläubigern in Verhandlungen getreten sei, kam ich ins Grübeln. Augenscheinlich hat die Fitness-Kette – eine der größten der Welt – Probleme, ihren hohen Zinszahlungen nachzukommen; die Nettoverbindlichkeiten hatten im Oktober 2010 bereits 612 Millionen englische Pfund betragen. Und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als sich gestern in der Online-Ausgabe des Guardian lesen musste, dass mein geliebtes &#8222;Fitness First&#8220; mit seinen Gläubigern in Verhandlungen getreten sei, kam ich ins Grübeln. Augenscheinlich hat die Fitness-Kette – eine der größten der Welt – Probleme, <span id="more-3132"></span>ihren hohen Zinszahlungen nachzukommen; die Nettoverbindlichkeiten hatten im Oktober 2010 bereits 612 Millionen englische Pfund betragen. Und prompt kam mir auch wieder mein alter Bekannter in den Sinn, <a href="http://www.blognition.de/behavioral-livin/lebenslanglich" target="_blank">der Mitte 2008 eine lebenslange Mitgliedschaft </a>bei besagtem Sportstudio zum stolzen, aber durchaus attraktiven Preis von 4.000 € (weltweite Nutzung aller Fitness Firststudios eingeschlossen) erworben hatte. Bei einem Monatsbeitrag von ca. 70 € bis 80 € für treue Mitglieder, hätte er ohne Berücksichtigung von Zinsen nach etwa vier bis fünf Jahren seinen Break-Even erreicht – legt man einen Zinssatz von realistischen 7 Prozent p. a. zu Grunde, kann man noch etwa ein gutes Jahr dazu rechnen.</p>
<p>Ich hatte damals sicherlich gute Gründe gehabt, meinen Sportsfreund vor solch einem Engagement zu warnen, zumal auch ich ein ähnliches Angebot erhalten hatte, mich aber letztlich dagegen entschied. Immerhin befanden wir uns mitten in der Immobilienkrise und viele Menschen erfuhren zum ersten Male, dass es so etwas wie ein Kontrahenten-Risiko gibt. Und fast schon etwas ketzerisch begann ich damals darüber zu nachzudenken, ob das Sportstudio zum Zeitpunkt, an dem mein Bekannter seinen Break-Even erreichen würde, überhaupt noch existierte. Oder, wie mein Mitstreiter damals selbst zu bedenken gab, er überhaupt zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sei.</p>
<p>Damals wie heute wurde mir allerdings sehr schnell klar, dass das Leben nicht aus binären Ereignissen besteht. Es gibt nicht nur Tod oder Leben, sondern viele Schattierungen dazwischen, Unfälle und schwere Verletzungen eingeschlossen. Genauso wenig mache ich mir Sorgen, ob Fitness First überlebt, oder Pleite geht. Vielmehr sollten wir uns auf das konzentrieren, was zwischen diesen Extrema liegen könnte. Alleine die Tatsache, dass mein geliebtes Sportstudio – auch wenn es seinen Zinszahlung nachkommen kann – erhebliche Einsparungen vornehmen muss, bereitet mir Kopfzerbrechen. Zumal in Zeiten drohender Rezession vor allem aus Faulheit &#8222;ruhende&#8220; Mitgliedschaften in solchen Klubs als erstes gekündigt werden. Und weil sich eine lebenslange Mitgliedschaft nicht ein zweites Mal verkaufen lässt, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Cost-Cutter als erstes am Service und den Personalkosten sparen werden. Möglicherweise wird dann, wie oft in solchen Fällen, etwas weniger geputzt und die Toilette etwas seltener gereinigt. Macht doch nichts, wo man den dadurch entstehenden Verlust an Gesundheit und Wohlbefinden doch durch zwei Stunden extra Training in der Woche wieder ausgleichen kann. Sehen Sie es positiv! Und das lebenslänglich!</p>
<p><span style="font-family: Calibri; font-size: small;"> </span></p>
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		<title>D-Mark für Deutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 05:38:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[D-Mark]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Große Aufregung um den deutschen Finanzminister. Die Briten toben, wenn man der Online-Ausgabe der „Daily Mail“ Vertrauen schenken darf. Offenbar hatte Wolfgang Schäuble in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa angedeutet, dass er einen schnellen Beitritt Großbritanniens zum Euro erwarte – schneller, als es mancher auf der britischen Insel glauben würde. Man kann sich gut [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Große Aufregung um den deutschen Finanzminister. Die Briten toben, wenn man der Online-Ausgabe der „Daily Mail“ Vertrauen schenken darf. Offenbar hatte Wolfgang Schäuble in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa angedeutet, dass er einen schnellen <span id="more-2851"></span>Beitritt Großbritanniens zum Euro erwarte – schneller, als es mancher auf der britischen Insel glauben würde. Man kann sich gut vorstellen, dass dieses Statement als Provokation aufgefasst wurde und bei vielen Briten nicht gerade begeisterte Zustimmung hervorrief. Auch nicht beim Tory Abgeordneten Philip Davies, denn er wird mit der Replik zitiert, der deutsche Finanzminister solle sich doch besser darauf konzentrieren, die Krise zu lösen, und vor allem gut zu hören, was die Leute in Deutschland wollten. Und die hätten lieber die D-Mark zurück, als Griechenland und Italien retten zu müssen.</p>
<p>Ein cleverer Schachzug von Davies, könnte man meinen. Er drischt verbal auf Wolfgang Schäuble ein und spricht das aus, was sich viele Bundesbürger tatsächlich wünschen: die Wiedereinführung der D-Mark. Nicht, dass es mir genauso ginge. Oder dass das Gros der Menschen hierzulande tatsächlich wüsste, welche ökonomischen Folgen eine irgendwie geartete Rückkehr Deutschlands zur D-Mark überhaupt hätte.  Aber ich kann verstehen, wenn die Menschen vorschnell und oft in einem Anflug von Wehmut und Nostalgie behaupten, mit der D-Mark wäre es ihnen ökonomisch viel besser als mit dem Euro ergangen: Ein leicht eingängiges und einfach nachzusprechendes Gedankenkonstrukt, das aufgrund seiner leichten Verfügbarkeit zu vielen Fehlschlüssen verleiten kann. Eine verführerische Melodie, auch auf der Flöte eines Rattenfängers.</p>
<p>Ich glaube indes, dass sich die Sehnsucht nach der D-Mark gar nicht einmal auf das Zahlungsmittel bezieht. Vielmehr mag die frühere deutsche Währung eine Wertewelt verkörpern, die sich mit Begriffen wie Stabilität, Wachstum, Sicherheit umschreiben ließe – Eigenschaften, die man beim Euro derzeit schmerzlich vermisst und die aus einer besseren Zeit zu stammen scheinen, als es noch keine Krisen heutigen Ausmaßes gab. Vielleicht haben viele Menschen einfach nur die &#8222;The-Winner-Takes-All-Mentalität“ satt. Oder auch die Forderung nach „total dedication“, nach der völligen Hingabe bis zur Selbstverleugnung ans Unternehmen, die Rund-um-die Uhr-Verfügbarkeit für die Belange des Arbeitgebers. Dazu der permanente Druck, sich selbst zu optimieren, bis wir uns selbst nicht mehr erkennen.</p>
<p>Wer aber kann garantieren, dass die Wiedereinführung der D-Mark tatsächlich die Rückkehr zu früheren Werten bedeutet, und wer weiß, ob dies überhaupt erstrebenswert ist? Um die Welt fairer zu gestalten, wieder zu sich selbst zu finden und aus der Tretmühle auszutreten, stets mit den anderen mithalten zu müssen, braucht man nicht das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Man kann immer und sofort damit anfangen. Auch wenn der Euro bleibt.</p>
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		<title>Teurer Sparkauf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Mar 2011 09:20:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
		<category><![CDATA[Benzinpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Segregation]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung von Verlusten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die steigenden Kraftstoffpreise haben dazu geführt, dass sich das Augenmerk der meisten Autofahrer noch mehr als normalerweise auf den ohnehin am meisten beachteten Kostenpunkt eines Kraftfahrzeugs konzentriert: den Benzinpreis. Obgleich dieser nicht die größte Ausgabenposition eines Autos ausmachen dürfte. Häufig schlägt der Wertverlust, vor allen Dingen beim Kauf eines Neuwagens, viel stärker zu Buche[i]. Trotzdem [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/teurer-sparkauf/">Teurer Sparkauf</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die steigenden Kraftstoffpreise haben dazu geführt, dass sich das Augenmerk der meisten Autofahrer noch mehr als normalerweise auf den ohnehin am meisten beachteten Kostenpunkt eines Kraftfahrzeugs konzentriert: den Benzinpreis. Obgleich dieser nicht die größte Ausgabenposition eines Autos ausmachen dürfte. Häufig <span id="more-1116"></span>schlägt der Wertverlust, vor allen Dingen beim Kauf eines Neuwagens, viel stärker zu Buche<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>. Trotzdem wird dieser Posten gerne übersehen, weil der Verlust nur beim Verkauf wahrgenommen wird<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2">[ii]</a>, während wir mit den Treibstoffpreisen bei jedem Auftanken konfrontiert sind.</p>
<p>In den USA scheinen nun die Sorgen der Autokäufer um die steigenden Benzinpreise einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. So berichtete die Zeitung <em>USA Today</em>, dass überall in Amerika die Liebhaber des Toyota Prius sämtliche Vorführwagen aufkauften, weil sie befürchteten, die Produktion dieses energiesparenden Autos made in Japan könnte wegen der jüngsten Katastrophen eingeschränkt werden. Dabei ist die Nachfrage nach diesem Modell so sehr gestiegen, dass dessen Preis in den vier auf die japanischen Erdbeben und den Tsunami folgenden Tagen um ein halbes Prozent gestiegen ist. Anscheinend sind umweltbewusste Autokäufer momentan bereit, für Energie sparende Karossen mehr Geld als sonst auszugeben.</p>
<p>Da sich die Angebotssituation über kurz oder lang sicherlich wieder normalisieren wird, muss man davon ausgehen, dass sich in ein paar Jahren die heute gezahlten Preisaufschläge in den Gebrauchtwagenpreisen nicht widerspiegeln werden. Wodurch sich der Wertverlust der heute gekauften Autos noch einmal vergrößert.</p>
<p>Ich bin mir natürlich im Klaren darüber, dass der sparsame Energieverbrauch womöglich nicht das einzige Motiv für den Kauf eines Autos darstellt. Weil Formschönheit, ein gelungenes Design für viele Menschen mindestens genauso wichtig sind. Ob man dem Toyota Prius solche Eigenschaften zusprechen kann, überlasse ich jedoch gerne dem Leser selbst.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Unterstellt sei eine durchschnittliche Fahrleistung von 19.000 km pro Jahr, Quelle: <a href="http://presse.autokralle.eu/">http://presse.autokralle.eu</a> vom 24.6.2010</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[ii]</a> Bei Leasingfahrzeugen wird der Wertverlust ebenfalls wahrgenommen – allerdings nur beim Unterschreiben des Leasingvertrages oder nach einem Wechsel des Fahrzeugs</p>
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		<title>Verstrahlt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 11:43:33 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als uns am vergangenen Freitagvormittag die dramatischen Bilder vom Erdbeben und dem Tsunami in Japan erreichten, rechneten zu diesem Zeitpunkt wohl die allerwenigsten damit, dass es auch noch zu einem atomaren Gau kommen würde. Aber aus großer  Distanz konnten wir dann später zusehen, wie es zu Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima kam und weißer Qualm aufstieg [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/verstrahlt/">Verstrahlt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als uns am vergangenen Freitagvormittag die dramatischen Bilder vom Erdbeben und dem Tsunami in Japan erreichten, rechneten zu diesem Zeitpunkt wohl die allerwenigsten damit, dass es auch noch zu einem atomaren Gau kommen würde.<span id="more-1061"></span> Aber aus großer  Distanz konnten wir dann später zusehen, wie es zu Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima kam und weißer Qualm aufstieg – ein schlechtes Zeichen. Denn Wasserdampf bedeutet, dass sich im Innern des Hochdruckreaktors vermutlich eine Kernschmelze ereignet. Im Gemüseladen hörte ich am Samstagmorgen eine ältere Frau murmeln: &#8222;Das ist ja zum Glück alles weit weg von hier – Tschernobyl war damals näher&#8220;. Klassischer Fall eines Verfügbarkeitsirrtums.</p>
<p>Doch so fern ist die Katastrophe in Japan für uns gar nicht. Denn während man dort Hunderte von Menschen aus der Umgebung der Atomkraftwerke in Sicherheit brachte, wurde hier die Diskussion über die vor kurzem beschlossene Laufzeitverlängerung für hiesige AKWs von neuem entfacht. Ich bin kein Kernphysiker und kann daher nicht beurteilen, ob man darauf vertrauen darf, dass hierzulande selbst bei einem schweren Erdbeben die Stromversorgung und damit die Kühlung in den Atommeilern niemals unterbrochen wird. Auch weiß ich nicht, wieweit man den Betreibern der Anlagen glauben kann, wenn sie versichern, alles Mögliche unternommen zu haben, um im Ernstfall eine vergleichbare Katastrophe wie die in Japan zu verhindern. Doch fühle ich mich momentan an die Finanzkrise der vergangenen Jahre erinnert, aus der man damals, noch unter dem Schock der Lehman-Pleite, wichtige Konsequenzen ziehen wollte, damit sich Derartiges nie wieder ereigne. Tatsächlich haben wir aber gesehen, dass mit der Erholung der globalen Finanzmärkte der Druck, tatsächlich etwas zu verändern, rapide abgenommen hat.</p>
<p>Ähnliches ist auch als Folge der atomaren Unfälle in Japan zu erwarten. Unter dem Schock der Ereignisse wird jetzt eine Diskussion wieder aufgenommen, die zwar unter Experten intensiv geführt worden war, in der Öffentlichkeit aber kaum jemals stattgefunden hat. Zynisch könnte man sagen: weil alles so weit gut lief und kein größerer Störfall die Gemüter erregte. Im Gegenteil: Angesichts steigender Energiepreise und möglicher Ölknappheit war selbst mancher kritische Kopf bereit, atomare Risiken auszublenden. Auch mit dem Hinweis darauf, dass ein Verzicht auf Atomkraft nur dann sinnvoll sei, wenn die anderen Länder um uns herum mitziehen würden.</p>
<p>Das Thema „Atom-Ausstieg“ wird uns also bestimmt in den kommenden Wochen beschäftigen. Dummerweise stehen dabei in Baden-Württemberg auch noch Landtagswahlen an. Man kann den dortigen CDU-Generalsekretär Thomas Strobl fast verstehen, wenn er mit den Worten zitiert wird, es dürfe &#8222;keinen Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer dieser Katastrophe geben“. Das wirkt moralisch einwandfrei, vor allem vor dem Hintergrund der dramatischen Bilder aus Japan, die den ganzen Tag lang bei den Nachrichtensendern ausgestrahlt werden. Aber schon wieder menschliche Schutzschilde, an denen jede weitere Nachfrage abprallen soll? Das erinnert fatal an das Manöver von Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg, der die in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten ins Feld führte, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Mit einem Unterschied: Im Gegensatz zu damals ist die „Position“, der Einsatz, das Commitment ungleich höher. Guttenbergs fehlende Fußnoten waren eben nur der Gau in seiner strahlenden Selbstinszenierung.  </p>
<p>In beiden Fällen aber zeigt sich: Wer davor warnt, die Opfer für politische Zwecke zu instrumentalisieren, begeht genau den Missbrauch an ihnen, den er anderen vorwirft. Das gilt auch für jene Mahner, die sich jetzt auf die japanische Katastrophe berufen, um für einen Wiedereinstieg in den Atom-Ausstieg zu plädieren. Damit die vielen Toten, die vielleicht infolge des Reaktorunglücks ihr Leben lassen müssen, nicht umsonst gestorben sein werden.</p>
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		<title>Mondsüchtig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 10:40:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Astrologie]]></category>
		<category><![CDATA[Mondzyklen]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentativität]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer sich für alternative Prognosemethoden interessiert, der dürfte bei intensiver Recherche auch auf eine kleine verschworene Gemeinschaft von Analysten stoßen, die sich mit Finanzastrologie beschäftigen. Kaum jemand spricht darüber, schon gar nicht in der Öffentlichkeit, denn alles Esoterische ist in den Finanzmärkten natürlich verpönt. Aber insgeheim sucht in der Welt der Bluechips fast jeder auch [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/mondsuchtig/">Mondsüchtig</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich für alternative Prognosemethoden interessiert, der dürfte bei intensiver Recherche auch auf eine kleine verschworene Gemeinschaft von Analysten stoßen, die sich mit Finanzastrologie <span id="more-925"></span>beschäftigen. Kaum jemand spricht darüber, schon gar nicht in der Öffentlichkeit, denn alles Esoterische ist in den Finanzmärkten natürlich verpönt. Aber insgeheim sucht in der Welt der Bluechips fast jeder auch nach der Blauen Blume, dem Stein der Weisen oder dem Gral der wundersamen Geldvermehrung, – und warum sollte man dabei nicht auch die Sterne zu Rate ziehen.</p>
<p>Ich selbst kann mich an das Jahr 1989 erinnern, als man im Devisenhandel, hinter vorgehaltener Hand versteht sich, tatsächlich einander zuwisperte, wohin die Reise des US-Dollar (damals gegenüber der D-Mark) gehen würde. Eine inoffizielle Handelsregel lautete damals: &#8222;Verkaufe Dollar an Vollmond, kaufe sie bei Neumond, und bei Finsternissen mache das Gegenteil&#8220;. Dieses Rezept funktionierte ein paar Monate lang so gut, dass am Tag vor dem Septembervollmond (also am 15. September 1989) ein aufgeregter Volkswirt aus Sydney ein Telex in die Welt verschickte, in dem er verkündete, dass er zwar Ökonom sei, jetzt aber einem Geheimnis auf die Spur gekommen wäre. Manchmal müsse man eben nur einmal über den Tellerrand hinausschauen. Und mit Entsetzen musste ich feststellen, dass der gute Mann in kurzen Zügen die bis dahin nur in eingeweihten Zirkeln bekannte Goldene Regel für alle lesbar preisgab<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>.</p>
<p>Ich rief sofort eine befreundete Händlerin an, die sich intensiv mit dieser Materie auskannte. &#8222;Dann verkaufe ich halt heute schon Dollar, sozusagen bevor die Masse kommt&#8220;, lautete ihr pragmatisches Statement – der Vollmond konnte kommen. Auch ich werde nie vergessen, wie an diesem 15. September 1989 der Dollar im frühen fernöstlichen Handel schon einmal um 2 Prozent abtauchte, sich dann aber später wieder erholen konnte. Und dann saßen wir da und warteten, was an jenem Freitag wohl passieren würde. Und wir trauten unseren Augen nicht: Der Dollar wollte nach 13:52 Uhr, dem exakten Vollmondtermin, einfach nicht fallen. Stattdessen stieg er pfennigweise, um gegen Ende des Europäischen Handelstages sogar noch einmal kurz die ominöse 2,0000-DM-Linie zu überschreiten. Was war geschehen?</p>
<p>Die kosmische Regel hatte sich im Markt herumgesprochen. Und jetzt wollte jeder – Astrologie hin oder her – offensichtlich mit einer Dollar-Short-Position vom Vollmond-Phänomen profitieren. Und als die Dinge dann nicht so liefen wie erhofft, musste manch einer angesichts des bevorstehenden Wochenendes (darin immerhin diszipliniert) zum Handelsschluss spätestens um 16:00 Uhr sein Engagement mit zum Teil hohen Verlusten wieder glattstellen. Und wenn Sie, lieber Leser, tatsächlich auf eine Chart von damals blicken möchten, werden Sie für diesen Tag eine außergewöhnliche, mehr als dreiprozentige Handelsbandbreite<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2">[ii]</a> feststellen können. Und Sie könnten womöglich auch noch heute die Auffassung vertreten, es sei doch sinnvoll gewesen, an diesem Tage den Dollar leer zu verkaufen. Fragt sich eben nur zu welchem Preis.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> In der Tat wusste der Ökonom mit seiner Theorie zu überzeugen, denn der Mond beeinflusse nicht nur Ebbe und Flut, sondern auch den Menschen, der zu 90 Prozent aus Wasser bestünde.</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[ii]</a> Der 15. September 1989 weist die größte tägliche Handelsrange des ganzen Jahres für US-Dollar gegen D-Mark auf!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/mondsuchtig/">Mondsüchtig</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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