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	<title>Ungleichheit Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Fed-Politik im Zeichen der Ungleichheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2015 14:48:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch wenn aus der US-Notenbank immer noch widersprüchliche Signale kommen, glaube ich nicht daran, dass wir von der Fed in diesem Jahr noch eine erste Zinserhöhung zu sehen bekommen werden. Selbst wenn die Gefahr besteht, dass ich mich von den Reden zweier Fed-Gouverneure, Lael Brainard und Daniel Tarullo, die einen Zinsschritt in diesem Jahr explizit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn aus der US-Notenbank immer noch widersprüchliche Signale kommen, glaube ich nicht daran, dass wir von der Fed in diesem Jahr noch eine erste Zinserhöhung zu sehen bekommen werden. Selbst wenn die Gefahr besteht, dass ich mich von den Reden zweier Fed-Gouverneure, Lael Brainard und Daniel Tarullo, die einen Zinsschritt in diesem Jahr explizit ausschließen, besonders habe beeinflussen lassen. Brainards Stataement wurde von einem Kommentator immerhin mit einer „policy bomb“ verglichen. Aber es sprechen noch andere Gründe gegen einen derartigen Schritt.</p>
<p>Einer davon ist eine umfangreiche Studie der Investmentbank Credit Suisse<a href="#_ftn1" name="_ftnref1"> </a>(Global Wealth Report 2015), die nicht nur wegen der bevorstehenden Nobelpreisverleihung an den Ökonomen Angus Deaton besondere Aufmerksamkeit verdient. Natürlich ist die Verteilung des globalen Reichtums noch ungleicher geworden, wobei sich die Zahl der Superreichen zum ersten Mal seit 2008 verringert hat. Das mag allein daran liegen, dass wegen des erstarkenden US-Dollar gegenüber den übrigen wichtigen Währungen die Zahl der weltweiten Dollar-Millionäre zwischen Mitte 2014 und Mitte 2015 um mehr als zwei Millionen Menschen gesunken sein soll.</p>
<p>Die Spitze der Vermögenspyramide wird indes weiterhin von den USA angeführt, die immerhin die fast die Hälfte der 123.800 Superreichen ausmacht. Und die Statistik zeigt, dass 0,7 Prozent aller Erwachsenen über fast die Hälfte des ganzen Welt-Vermögens verfügt. Nicht auszudenken – ich habe dies an anderer Stelle schon häufiger betont –, was ein Einsturz des S&amp;P 500 Aktienindex von 20 Prozent, ausgelöst durch eine “falsche“ US-Notenbankpolitik, für diese Superreichen bedeuten würde.</p>
<p>Dennoch scheinen die Investoren hierzulande immer gleichgültiger auf weiterhin ultraniedrige Zinsen in den USA zu reagieren. Denn die Aktieneuphorie bei den von der Börse Frankfurt allwöchentlich befragten privaten wie institutionellen Anlegern hat sich etwas abgekühlt. Was dies für den DAX bedeutet, können Sie <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+fed+euphorie+verfliegt+langsam+89837">HIER</a></strong></span> in meinem heutigen Kommentar entnehmen.</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1"></a></p>
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		<title>Schöne Grüße aus Beverly Hills</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Feb 2015 08:47:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich passiert es mir nur im Sportstudio, dass ich „n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht“ als Format meiner Wahl unter den vielen anderen langweiligen TV-Angeboten heraussuche. Nicht dass diese Sendung besonders geistvoll wäre, aber um sich ein wenig vom eintönigen, aber notwendigen Ausdauertraining abzulenken, eignet sich Jennifer Knäbles Einladung: „Hallo, liebe Milliardäre!“ schon. Und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich passiert es mir nur im Sportstudio, dass ich „n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht“ als Format meiner Wahl unter den vielen anderen langweiligen TV-Angeboten heraussuche. Nicht dass diese Sendung besonders geistvoll wäre, aber um sich ein wenig vom eintönigen, aber notwendigen Ausdauertraining abzulenken, eignet sich Jennifer Knäbles Einladung: „Hallo, liebe Milliardäre!“ schon. Und für gesellschaftliche Studien.</p>
<p>Der erste Beitrag führte uns zum x-ten Mal (n-tv Deluxe scheinen wohl langsam die Milliardäre auszugehen) Richtung Los Angeles zu den Reichen und Superreichen von Beverly Hills. Und weil sich dort mit Grundstücken und Immobilien besonders viel Geld verdienen lässt, wird uns eine Immobilienmaklerin vorgestellt, die sich natürlich nur mit den Allerreichsten befasst. Denn in Beverly, so scheint es, kann man über Nacht zum Millionär werden. Man muss nur das Richtige tun: Sechs Prozent Maklerprovision können einen im Erfolgsfall so richtig reich machen. „Sechs Prozent auf 50 Millionen Dollar“, rechnet uns die Stimme aus dem Off beflissen vor, „macht drei Millionen.“ Leicht zu rechnen, aber dennoch schwer zu bekommen. Hm, so richtig Neidstimmung will bei mir dennoch nicht aufkommen, auch nicht beim 500 Quadratmeter großen Haus aus dem Portfolio für Interessenten. Wahrscheinlich auch bei den meisten anderen Fernsehzuschauern nicht, weil als Grundvoraussetzung für das Entstehen von Neid soziale Vergleichbarkeit mit dem zu Beneidenden gegeben sein muss. Und die Reichen und Schönen von Beverly spielen einfach in einer anderen Liga als unsereins.</p>
<p>Dennoch: Ein Satz aus dem TV-Beitrag will mir nicht aus dem Kopf gehen: „Wer es hier geschafft hat, der zeigt das auch.“ Wo doch, so könnte man meinen, in diesen Vermögensregionen und bei so viel Reichtum der Status keine große Rolle mehr spielen sollte.</p>
<p>Und bei diesem grenzenlosen Wohlstand und ewigem Sonnenschein klang es fast schon ein bisschen scheinheilig, als uns die Stimme aus dem Off auch auf die Armen dieser Welt hinwies und darauf, dass Los Angeles eigentlich eine Stadt der Gegensätze sei. Nur wenige Kilometer von Beverly Hills, quasi um die Ecke, fristen anscheinend Hunderte von Heimatlosen ihr Dasein. Was für ein Gegensatz! Ja, das Thema Ungleichheit ist momentan derart präsent, dass es sich das n-tv Team nicht nehmen ließ, einen Blick auf das Elend in Downtown L. A. zu riskieren. Natürlich wurde nur mit Polizeischutz und aus dem fahrenden Auto heraus gefilmt. Gott sei Dank gebe es nur 42 Heimatlose in Beverly Hills, konnte die Immobilienmaklerin sofort etwaige Kaufinteressenten am Bildschirm beschwichtigen, wo immer sie diese Statistik auch herhaben mag. Alles unter Kontrolle also, oder?</p>
<p>Schnell wechselte ich das Programm, denn ich wollte mir nicht vorstellen, wie eines Tages die Armen von Downtown den Hügel nach Beverly erklimmen.</p>
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		<title>„It stinks“ – Wenn ein Aktienindex zum Bruttoinlandsprodukt wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2014 10:23:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist schon bemerkenswert, wenn man in der US-Notenbank anlässlich eines zehnprozentigen Rückgangs der Aktienkurse (gemessen am S&#38;P 500 Index) – manche sprechen von einer gesunden Korrektur – offenbar ins Grübeln gerät. Denn in der vergangenen Woche kamen die nicht stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed, John Williams und James Bullard, zumindest verbal den strauchelnden [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist schon bemerkenswert, wenn man in der US-Notenbank anlässlich eines zehnprozentigen Rückgangs der Aktienkurse (gemessen am S&amp;P 500 Index) – manche sprechen von einer gesunden Korrektur – offenbar ins Grübeln gerät. Denn in der vergangenen Woche kamen die nicht stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed, John Williams und James Bullard, zumindest verbal den strauchelnden Aktienmärkten zu Hilfe. Obwohl die Mehrheit der Marktteilnehmer davon ausgeht, dass das quantitative Lockerungsprogramm QE3 mit der Oktober-Sitzung auf null zurückgefahren und damit beendet wird, sind durch die Statements der beiden Chefs der Notenbank von San Francisco und St. Louis zumindest temporär neue Fantasien geweckt worden. Nicht umsonst haben die Aktienbullen am vergangenen Freitag gejubelt, als ihnen wieder einmal vermittelt wurde: Wenn es runter geht, hilft die Fed und ansonsten geht’s nach oben.</p>
<p>So hat es den Anschein, als würde man bei der US-Notenbank darüber nachdenken, angesichts der Aktienschwäche den Zeitpunkt einer Zinswende lieber wieder in die fernere Zukunft zu verschieben, nachdem man vor einer guten Woche noch vielerorts eher für das erste Quartal 2015 eine Anhebung der US-Leitzinsen erwartet hatte. Mehr noch rechnet man damit, dass einer fortgesetzten Aktien-Baisse in den USA mit einem erneuten quantitativen Lockerungsprogramm oder zumindest einer Pause im laufenden QE3-Prozess zu Leibe gerückt wird. Das Ganze natürlich unter dem Vorwand, dass man sich Sorgen um die niedrige Inflation macht.</p>
<p>Die Situation am Aktienmarkt erinnert mich ein bisschen an den Februar dieses Jahres, als sich die Chancen für eine konjunkturelle Erholung in den USA innerhalb weniger Wochen deutlich zu verschlechtern schienen. Glücklicherweise gab es damals eine Begründung für die ungünstiger als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten: Die extremen Wetterbedingungen in den USA, die im Dezember 2013 vorherrschten, wurden seinerzeit für die schwächelnde Wirtschaft verantwortlich gemacht. Dieses Mal kann man den Kursrückgang am Aktienmarkt allerdings nicht irgendwelchen unkontrollierbaren externen Wetterkräften in die Schuhe schieben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„It stinks“</strong></p>
<p>Die nervöse Reaktion einiger Notenbanker vermittelt vielmehr den Eindruck, als sei man sich dort bewusst, dass große Teile der Vermögen der Superreichen, der so genannten „high beta rich“, an das Schicksal der Aktienmärkte gebunden sind. Und das in großem Maße mit Aktienkäufen auf Kredit. So verfehlte die so genannte NYSE Margin Debt im August das historische Februar-Hoch von 466 Mrd. nur noch um 3 Mrd. US-Dollar.</p>
<p>Dabei ist in jüngster Zeit immer wieder davon zu hören, dass die Entwicklung der Ungleichheit in den USA weiter zugenommen haben soll. In einem Blogbeitrag habe ich seinerzeit im Februar (<strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/zur-falschen-zeit-das-richtige-tun/">HIER</a></strong>) bereits dargelegt, dass allein im Jahr 2012 die oberen fünf Prozent der Spitzenverdiener gemäß einer Studie<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> für 38 Prozent des heimischen Verbrauchs verantwortlich waren und man davon ausgehen kann, dass 90 Prozent der inflationsbereinigten Konsumausgaben von den oberen 20 Prozent der am Einkommen gemessenen Haushalte getätigt wurden. Sobald Highend­produkte nicht mehr nachgefragt werden, weil sich bei den Superreichen eine Korrektur im Aktienmarkt in deren Portfolien überproportional niederschlägt, bedarf es nicht mehr viel Fantasie, um zu verstehen, was der Journalist und Schriftsteller Robert Frank meint, wenn er den S&amp;P 500 als das neue Bruttoinlandsprodukt bezeichnet. Immerhin: Im Februar dieses Jahres hat man seitens der US-Notenbank das Zurückfahren der Anleihekaufprogramme, das so genannte Tapering, wahrscheinlich aufgrund der Wetterausrede nicht gestoppt.</p>
<p>Dieses Mal liegt der Fall anders, insbesondere weil sich überdies die konjunkturelle Situation in der Eurozone deutlich verschlechtert hat und es nicht den Anschein hat, als besäße die EZB eine schnelle und wirkungsvolle Antwort darauf. Nicht umsonst hat Wolfgang Münchau in einer Kolumne der gestrigen Ausgabe der „Financial Times“ darauf hingewiesen, dass die eigentliche Gefahr für die Eurozone nicht primär in deren Verschuldung, sondern in einer wirtschaftlichen Stagnation liegt.</p>
<p>War das also alles nach unten am Aktienmarkt? Selbst wenn sich die Börsen dies-und jenseits des Atlantiks kurzfristig stabilisieren sollten – mich treibt eine Ahnung um, die ein Brite so beschreiben würde: „It stinks“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Cynamon, Barry Z. and Fazzari, Steven M. (Jan 23rd, 2014): <em>Inequality, the Great Recession, and Slow Recovery</em>, <a href="http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2205524">http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2205524</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/it-stinks-wenn-ein-aktienindex-zum-bruttoinlandsprodukt-wird/">„It stinks“ – Wenn ein Aktienindex zum Bruttoinlandsprodukt wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Zur falschen Zeit das Richtige tun</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Feb 2014 07:16:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Begründung für die jüngste deutliche Korrektur an den Aktienmärkten hat landläufig eine Erklärung herhalten müssen: Kapital floss aus Schwellenländern zurück in die USA und in andere so genannte „sichere Häfen“, raus aus Aktien, rein in Anleihen. Dabei haben sich in weniger als zwei Wochen nicht nur die Chancen für eine globale, sondern auch für [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zur-falschen-zeit-das-richtige-tun/">Zur falschen Zeit das Richtige tun</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Begründung für die jüngste deutliche Korrektur an den Aktienmärkten hat landläufig eine Erklärung herhalten müssen: Kapital floss aus Schwellenländern zurück in die USA und in andere so genannte „sichere Häfen“, raus aus Aktien, rein in Anleihen. Dabei haben sich in weniger als zwei Wochen nicht nur die Chancen für eine globale, sondern auch für eine  konjunkturelle Erholung in den USA offenbar dramatisch verschlechtert. <span id="more-6908"></span>Allerdings versuchen die meisten Akteure immer noch abzuwiegeln, indem sie als Begründung für schlechter als erwartet ausgefallene Wirtschaftsdaten die extremen Wetterbedingungen in den USA im Dezember verantwortlich machen. Damit verschieben sie die Kontrolle über ihre eigentlich als sicher geglaubten Aktienengagements auf externe Kräfte, gegen die sie nichts ausrichten können. Und auf diese Weise werden gleichermaßen schlechte Konjunkturdaten wegrationalisiert und etwaige kognitive Dissonanzen aufgrund erlittener Aktienverluste verringert.</p>
<p>Doch die derzeitige Börsenentwicklung ist noch weitaus problematischer, wie es mein Mitstreiter Herman Brodie unlängst (<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/die-wahren-risiken-fuer-die-weltwirtschaft/">hier</a>) dargestellt hat. Die größte Gefahr für die konjunkturelle Erholung in den USA dürfte also nicht der starke Schneefall, sondern der Absturz des breitgefassten S&amp;P 500 Index darstellen – mit negativen Folgen für andere wichtige Börsenplätze. Denn große Teile der Vermögen der Superreichen, der so genannten „high beta rich“, sind sehr stark an das Schicksal der Aktienmärkte gebunden. Nicht umsonst hat der Journalist und Schriftsteller Robert Frank den S&amp;P 500 als das neue Bruttoinlandsprodukt bezeichnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Falling behind</b></p>
<p>Diese These hat in einer gerade erst kürzlich in der New York Times vorgestellten Studie neue Nahrung erhalten. Während der Zeitungsartikel in erster Linie die anhaltende Ausdünnung der Mittelklasse beklagt, kommt die Studie, in der die Entwicklung der Ungleichheit in den USA über die Jahre 1980 bis 2012 untersucht wurde, zu teils erschreckenden Erkenntnissen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Danach bestand die Hauptursache für die steigende Ungleichheit während dieser Periode darin, dass die Haushaltseinkommen der unteren 95 Prozent kaum gestiegen sind, während sich der Anteil der oberen fünf Prozent am Gesamteinkommen (vor Steuern und ohne Kapitalerträge) aller Haushalte seit Anfang der 1980erjahre von gut 20 auf zuletzt mehr als 35 Prozent erhöht hat.  Wenn es dabei den unteren 95 Prozent aus der Einkommensverteilung dennoch gelungen ist, ihren Konsum aufrechtzuerhalten, ist dies einer sinkenden Sparquote und einer größeren Verschuldung zuzuschreiben. Eine Strategie, die mit dem Beginn der Großen Rezession in den USA im Jahre 2008 ihr Ende finden sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>20 Prozent der Haushalte machen 90 Prozent der Konsumausgaben aus</b></p>
<p>Doch die Studie geht noch weiter. Mit Ende der Rezession im Jahre 2009 hat sich in der Folge der Konsum im oberen 20tel der Einkommensverteilung um inflationsbereinigt 17 Prozent erhöht, während die übrigen 95 Prozent der Haushalte ihre Konsumausgaben nur um ein Prozent erhöhen konnten. Allein im Jahre 2012 waren die oberen 5 Prozent der Spitzenverdiener für 38 Prozent des heimischen Verbrauchs verantwortlich. Weiter gefasst kann man davon ausgehen, dass 90 Prozent der inflationsbereinigten Konsumausgaben von den oberen 20 Prozent der am Einkommen gemessenen Haushalte getätigt wurden.</p>
<p>Tatsächlich konzentrieren sich in den USA viele große Geschäfte und Restaurants auf die wohlhabenden Kunden, indem sie ihnen hochwertige Güter und Dienstleistungen verkaufen. Während große Einzelhandelsketten Geschäfte schließen und Mitarbeiter entlassen müssen, sind High-end-Produkte gut nachgefragt. Und so wundert es auch nicht, dass im Jahr 2013 die Zimmer von 5-Sterne-Hotels wesentlich größere Erträge als die ihrer Mittelklasse-Rivalen abwarfen.</p>
<p>Man muss also nicht viel Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, was geschieht, wenn die oberen 5 Prozent auf der Einkommensskala aufgrund eines drastischen Einbruchs der Börsenkurse ihren Konsum deutlich zurückfahren müssen. Und so wundert es auch nicht, wenn die ersten kritischen Stimmen schon wieder vernehmbar sind, ob denn die US-Notenbank mit dem Zurückfahren ihrer Anleihekaufprogramme (Tapering) nicht vorschnell begonnen und damit den schönen Aufwärtstrend am Aktienmarkt und gleichermaßen eine sich selbst tragende ökonomische Erholung abgewürgt habe. „Schlechtes Timing“, hörte ich unlängst sogar einen Analysten sagen, „man wird es Janet Yellen [der neuen Fed-Chefin] in die Schuhe schieben“, fuhr er fort.</p>
<p>Mit dieser Einstellung hätte die Notenbank niemals mit dem Tapering beginnen können. Denn den richtigen Zeitpunkt, um eine fragwürdige Strategie zu beenden, wird es nie geben. </p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Cynamon, Barry Z. and Fazzari, Steven M. (Jan 23rd, 2014): <i>Inequality, the Great Recession, and Slow Recovery</i>, <a href="http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2205524">http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2205524</a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zur-falschen-zeit-das-richtige-tun/">Zur falschen Zeit das Richtige tun</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<item>
		<title>Low Noon oder Kurssturz bei Warrens wohltätigem Lunch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2013 07:15:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Eskalierendes Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Fluch des Gewinners]]></category>
		<category><![CDATA[Kurssturz]]></category>
		<category><![CDATA[quantitative Lockerungsprogramme]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[US-Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Warren Buffett]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich staunte nicht schlecht, als ich am Wochenende erfuhr, dass Warren Buffett dieses Mal seine alljährliche Einladung zu einem wohltätigen Mittagessen[1] bei eBay nur für eine Million US-Dollar versteigern lassen konnte. Dieser Betrag nimmt sich geradezu mickrig aus, wenn man ihn mit dem Ergebnis der Versteigerungen in den beiden Jahre zuvor vergleicht. 2011 konnte sich [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/low-noon-oder-kurssturz-bei-warrens-wohltatigem-lunch/">Low Noon oder Kurssturz bei Warrens wohltätigem Lunch</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich staunte nicht schlecht, als ich am Wochenende erfuhr, dass Warren Buffett dieses Mal seine alljährliche Einladung zu einem wohltätigen Mittagessen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> bei eBay nur für eine Million US-Dollar versteigern lassen konnte. Dieser Betrag nimmt sich geradezu mickrig aus, <span id="more-6193"></span>wenn man ihn mit dem Ergebnis der Versteigerungen in den beiden Jahre zuvor vergleicht. 2011 konnte sich der Gewinner der Auktion für ein Eintrittsgeld von 2,63 Millionen Dollar glücklich schätzen, mit dem Orakel von Omaha und weiteren sieben Freunden im berühmten New Yorker Steakhouse Smith &amp; Wollensky zu Mittag essen zu dürfen. Und im vergangenen Jahr musste man für einen Lunch mit Warren sogar 3,46 Millionen Dollar hinlegen. Insofern kann man die eine Million, die ein bislang unbekannter Bieter für dieses Vergnügen berappen muss, als wahres Schnäppchen ansehen. Oder als einen Kurssturz von mehr als 70 Prozent!</p>
<p>Fast schon ein wenig besorgt fragte ich mich, ob die Reichen aus Amerika und dem Rest der Welt wohl spendenmüde geworden sind oder ob einfach nur die Vernunft in den Gehirnen der Bieter Einzug gehalten habe. Vielleicht wollten sie angesichts der Auktionen der Vorjahre nicht mehr dem Fluch des Gewinners erliegen und sich gegenseitig beim Eintrittsbillett zu einem völlig überteuerten Mittagessen gegenseitig überbieten, auch wenn der Erlös dieser Versteigerung einem guten Zweck dienen soll. Immerhin hatte der Sieger von 2011 nach Angaben von Reuters als Dessert zum Luxus-Lunch einen Top-Job als Investmentmanager bei Buffetts Fonds <i>Berkshire Hathaway</i> serviert bekommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Reiche noch reicher, aber knauseriger?</b></p>
<p>Doch noch am selben Tag las ich zufällig den jährlichen Report der Federal Reserve Bank von St. Louis. Dort erfuhr ich, dass 62 Prozent der Erholung der Vermögenswerte bis zum Ende des vergangenen Jahres allein den steigenden Aktienkursen zuzuschreiben gewesen wären. Und das bereitete mir Kopfzerbrechen. Denn im Jahr 2010 befanden sich gemäß einer Studie 91,4 Prozent der Aktien und Investmentfonds im Besitz des oberen Zehntels der US-Bevölkerung, und das oberste Prozent hielt etwa die Hälfte davon<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. Diese Zahl per se überrascht noch nicht, war doch der Anteil der Reichen und Superreichen am Gesellschaftsvermögen während der vergangenen 30 Jahre immer schon sehr hoch gewesen. Aber die äußerst lesenswerte Studie zeigt, dass die Finanzkrise diese ungleiche Verteilung der Vermögen in der US-Gesellschaft durch die Krise noch verstärkt hat: Die mittleren Vermögen sind im Zuge dieser Entwicklung real sogar auf den niedrigsten Stand seit 1969 gedrückt worden! Genauso wie sich die Lücke zwischen sinkenden mittleren und den hohen Einkommen (gemessen am Median) während dieser Zeit noch einmal vergrößert hat. Am Ende haben also die Haushalte der Reichen von der Erholung der Aktienkurse, ausgelöst durch die quantitativen Lockerungsprogramme der US-Notenbank, überproportional profitiert.  Unterdessen wurden die durch die Krise verloren gegangenen Arbeitsplätze durch schlechter bezahlte ersetzt – eine Tendenz, die gerade auch in den Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag zu Tage getreten ist: Mehr als die Hälfte der neu geschaffenen Stellen entstanden im Niedriglohnbereich.</p>
<p>Bleibt am Ende die Frage, warum die Reichen nicht mehr Geld für Warrens Einladung zum Lunch lockergemacht haben. War dies das Ergebnis einer konzertierten Kostensenkungsaktion von den Reichen dieser Welt?  Oder war die Zurückhaltung bei der Auktion bereits ein Hinweis darauf, dass man sich demnächst auf einen massiven Kursrückgang im Aktienmarkt vorbereiten muss, weil man unter den oberen 10.000 dieser Welt mit dem Versagen der Notenbankpolitik und massiven Kursverlusten rechnet?</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der Erlös kommt der Wohltätigkeitsorganisation GLIDE in San Francisco zugute, die  die Armen des Bezirks mit Obdach, Essen und anderen Dienstleistungen versorgt</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Wolff, Edward N.: <i>The Asset Price Meltdown and the Wealth of the Middle Class</i>, New York University 2012</p>
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		<title>Moderner Finanz-Kapitalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 05:55:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der US-Ökonom Robert Shiller hat den Finanz-Kapitalismus – trotz aller Exzesse – als eine Erfindung bezeichnet, die sich immer noch in einer Entwicklung befände, die noch längst nicht abgeschlossen sei. Er fordert eine Demokratisierung und Humanisierung dieses Kapitalismus mit dem Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu diesem System zu ermöglichen. Eine solche Gleichberechtigung sei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der US-Ökonom Robert Shiller hat den Finanz-Kapitalismus – trotz aller Exzesse – als eine Erfindung bezeichnet, die sich immer noch in einer Entwicklung befände, die noch längst nicht abgeschlossen sei. <span id="more-4117"></span>Er fordert eine Demokratisierung und Humanisierung dieses Kapitalismus mit dem Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu diesem System zu ermöglichen. Eine solche Gleichberechtigung sei jedoch nur möglich, wenn den Teilnehmern an den Finanzmärkten alle Informationen und Ressourcen zur Verfügung stünden<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Mehr noch, so die Forderung Shillers, müssen bei der Weiterentwicklung finanzwirtschaftlicher Produkte und Erfindungen die neuesten Erkenntnisse der ökonomischen Theorie, aber auch die Erfahrungen der Verhaltensökonomik und der Behavioral Finance einfließen. Zumal sich Letztere – im Gegensatz zur reinen Ökonomie – mit der Erforschung der tatsächlichen Einschränkungen befasst, die rationalen menschlichen Entscheidungen immer wieder im Wege stehen.</p>
<p>Proteste gegen finanzielle Ungleichheit, Banken und Regierungen waren hierzulande vor noch nicht einmal zwei Wochen Gegenstand der so genannten Blockupy-Demonstration in Frankfurt am Main, die, entgegen der Befürchtung vieler, überraschend friedlich verlaufen war – ein Thema, dem sich auch der im Mai auf Platz drei stehende Beitrag unserer meistgelesenen Blogs mit dem Titel &#8222;<a href="http://www.blognition.de/blog/markte/der-besserwisser-konjunktiv/">Der Besserwisser-Konjunktiv</a>&#8220; gewidmet hatte. Ansonsten überrascht uns immer wieder, dass in unserem Behavioral Economics/Finance-Blog vor allem Problemstellungen aus dem Privatleben oder Verbraucherthemen von besonderem Interesse sind. Offensichtlich haben viele Menschen die Nase voll von Euro Zonen-Katastrophen und sonstigen Untergangsszenarien. Und so stand im Vormonat auf Platz zwei der meistgelesenen Beiträge das Problem, wie man seinem Chef eine Massenkündigung verkauft zur Debatte: <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/achtung-erdrutsch/">„Achtung Erdrutsch!“</a>, so der Titel.  <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/10-000-bei-erster-diagnose/">„10.000 (Euro) bei erster Diagnose“</a> hat die meisten Leser zumindest neugierig gemacht, obwohl hinter der möglicherweise reißerischen Überschrift ein sehr nachdenklich stimmender Blog über die Verkaufsmethoden eines renommierten Kreditkartenunternehmens stand.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Shiller, Robert J.: <em>The state of Finance: An Interim Assessment, </em><a href="http://www.theglobalist.com">http://www.theglobalist.com</a>, 30. Mai 2012</p>
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		<title>Von der Euro-Krise zur Währungsreform – Teil 3</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 07:43:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn man über eine Währungsreform, etwa als Folge eines Staatsbankrotts oder politischen Umbruchs, nachdenken muss, orientiert man sich unweigerlich an geschichtlichen Vorbildern und versucht, die Regeln von damals auf heute wieder anzuwenden. Der große Haken an der Geschichte besteht allerdings darin, dass im Gegensatz zu 1948 oder der deutschen Wiedervereinigung Vermögen heutzutage überall in irgendeiner [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man über eine Währungsreform, etwa als Folge eines Staatsbankrotts oder politischen Umbruchs, nachdenken muss, orientiert man sich unweigerlich an geschichtlichen Vorbildern und versucht, die Regeln von damals auf heute wieder anzuwenden. Der große Haken an der Geschichte besteht allerdings darin, <span id="more-2954"></span>dass im Gegensatz zu 1948 oder der deutschen Wiedervereinigung Vermögen heutzutage überall in irgendeiner Form auf die Welt verteilt werden kann. So können etwa hierzulande Schulden gemacht und im Gegensatz dazu irgendwo im Ausland Sachwerte gekauft worden sein. Vermögenswerte und Schulden überhaupt vollständig zu erfassen, würde einer Herkulesaufgabe gleichkommen, die in der Praxis überdies zu noch größeren Ungerechtigkeiten führen dürfte. Weil kleine und mittlere Vermögen im Gegensatz zu den großen oft das Land nicht verlassen haben und deswegen leichter kontrollier- und steuerbar sind. Mit der Folge, dass die kleinen und mittleren Vermögen prozentual stärker belastet werden als die der Superreichen. Dabei sollte doch bei einer Währungsreform die Chance wahrgenommen werden, Ungerechtigkeiten in der Einkommens- und Vermögensverteilung, wenn nicht zu beseitigen, so doch zumindest zu verringern. Sich verschärfende Ungleichheiten, wie sie gerade erst gestern von der OECD selbst für Länder wie Schweden und Finnland, insbesondere aber auch für Deutschland und die USA festgestellt wurden<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>In der Praxis kommen also für eine Währungsreform nur Vermögenswerte in Frage, die irgendwo festgehalten oder offiziell registriert wurden. Also auch Grund und Boden. Denn vor allem dieser kann nicht versteckt oder gar ins Ausland geschmuggelt werden. Wäre es nicht ein geradezu unerhörter Gedanke, Grund und Boden zu konfiszieren (ohne die darauf stehenden Fabriken und Gebäude) und etwa im Falle Deutschlands auf 80 Millionen Bundesbürger gerecht zu verteilen?</p>
<p>Eine solche Praxis war vor rund 3000 Jahren nicht unüblich. Denn in der Bibel steht geschrieben, dass alle 50 Jahre ein so genanntes Jubeljahr ausgerufen werden soll. Ein Jahr, in dem neben dem Verbot der landwirtschaftlichen Arbeit, der Freilassung aller Sklaven und einem generellen Erlass sämtlicher Schulden auch Grund und Boden an den ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden sollen, ohne dass der Käufer das verhindern kann (Leviticus 25, 8-10). Also eine Vorschrift, die das Recht des Grundstückkäufers (selbst wenn dieser jahrelang den Boden bewirtschaftet haben sollte) für nichtig erklärt.</p>
<p>Abgesehen davon, dass die Erde des Alten Testaments ohnehin Gott gehört, versucht die Vorschrift des Jubeljahres, den natürlichen Erwerbstrieb des Menschen zu begrenzen. Der nordamerikanische Sozialphilosoph und Bodenreformer Henry George (1839 – 1897)  zitiert das Jubeljahr als eine Vorschrift zur Erhaltung, aber auch zur Verteilung des Reichtums. Denn damit konnte eine Monopolisierung des Landes wie etwa in Ägypten ausgeschlossen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn2">[2]</a> werden. Ägypten, ein Land, das durch die Konzentration von Grund und Boden auf wenige Vermögende am Ende in zwei Gruppen aufgeteilt war: in die ganz Reichen und die furchtbar Armen.  Arbeit war dort quasi mit Sklaverei gleichzusetzen.</p>
<p>Auch wenn Sklaverei im biblischen Sinne, also Leibeigenschaft, heute nicht mehr praktiziert wird, gibt es dennoch Niedriglohnarbeiter, deren Lebenssituation durchaus mit Sklaverei vergleichbar scheint. Denn die Löhne richten sich nur selten nach dem tatsächlichen Beitrag eines Angestellten zu den Gewinnen des Unternehmens. Selbst Firmenlenker würden zustimmen, dass jemand, der das 20-fache des durchschnittlichen Arbeitslohns in seinem Unternehmen verdient, nicht zwingend ein schlechterer Manager sein muss als derjenige, der das 40-fache des Durchschnittslohns seiner Mitarbeiter bekommt. Vielmehr spiegelt die Lage der Beschäftigten häufig eine Ungleichverteilung der Verhandlungsmacht über Löhne und mangelnde Transparenz wider. Ganz zu schweigen von den Zugangsbeschränkungen in einigen Berufen (beispielsweise Apotheker, Notare oder Taxifahrer). Um die moderne Sklaverei zu beenden, müsste das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen und Angestellten korrigiert werden. Zurzeit sind die Kräfte ähnlich verteilt wie bei einer Erpressung. Wer die Bedingungen nicht akzeptiert, fliegt raus oder wird gar nicht erst eingestellt. Oder das ganze Unternehmen wandert ab, ins Ausland, wo die Arbeitskräfte angeblich bereit sind, für weniger Geld noch mehr zu arbeiten. Und wo keine Gewerkschaft Sand ins Getriebe streut.</p>
<p>Schon vor 3000 Jahren hat man also erkannt, dass sich die Ungleichverteilung von Vermögen niemals von alleine korrigiert. Dazu bedarf es staatlicher Reformen. Eines Resets sozusagen. Dann und wann, eben alle Jubeljahre.</p>
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<div><br clear="all" /></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Spiegel Online vom 5.12.2011: <em><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801730,00.html" target="_blank">Deutschland wird amerikanischer </a></em></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref2">[2]</a> George, Henry: <em>Moses, der Gesetzgeber</em>, Berlin : Welt, 1920</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform-teil-3/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform – Teil 3</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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