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	<title>Peak-End-Effekt Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Und plötzlich wurde alles wieder gut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Oct 2019 04:56:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[CME FedWatch Tool]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Gott sei Dank!“, mögen sich vor allen Dingen Aktienhändler zum vergangenen Wochenschluss gesagt haben, nachdem der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat September veröffentlicht worden war. Setzt man diesen US-Arbeitsmarktbericht ins Verhältnis zu den zuvor publizierten US-Wirtschaftsdaten der vergangenen Woche, könnte man zumindest kurzfristig sogar fast von einem ökonomischen Happy End sprechen. Aber das ist übertrieben...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/und-ploetzlich-wurde-alles-wieder-gut/">Und plötzlich wurde alles wieder gut</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0975)</strong>             „Gott sei Dank!“, mögen sich vor allen Dingen Aktienhändler zum vergangenen Wochenschluss gesagt haben, nachdem der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat September veröffentlicht worden war. Was die Zahl der neu geschaffenen Stellen (ohne Agrarbereich) angeht, wurde zwar mit einem Plus von 136.000 die mittlere Schätzung der Ökonomen leicht unterschritten, aber es gab zumindest kein Desaster, wie vielerorts befürchtet worden war. Nimmt man die Revisionen der beiden Vormonate hinzu, kann man sogar von einem ordentlichen Arbeitsmarktbericht sprechen. Zumal die Arbeitslosenquote mit 3,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren gefallen ist. Allerdings blieb die Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne von +2,9 Prozent (ggü. Vorjahr) hinter den Erwartungen zurück.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-11157" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/07102019.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/07102019.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/07102019-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Wenn der Schmerz nachlässt</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Setzt man nun diesen US-Arbeitsmarktbericht ins Verhältnis zu den zuvor publizierten US-Wirtschaftsdaten der vergangenen Woche, könnte man zumindest kurzfristig fast von einem ökonomischen Happy End sprechen. Denn die Einkaufsmanagerindices, vor allem die Daten für das produzierende Gewerbe, die so niedrig ausfielen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, aber auch der Bericht der Arbeitsmarktagentur ADP waren durchweg enttäuschend. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Akteure – gemäß des sogenannten Peak-End-Effekts der Behavioral Economics<a href="#_ftn1" name="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> – die zuletzt verfügbaren Daten zum Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag überbewertet haben. Indes: Der Schmerz ließ zumindest nach.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Während der breitgestreute US-Aktienindex S&amp;P 500 im Wochenvergleich nach einem temporären Verlust von fast 3,6 Prozent nur noch 0,3 Prozent hinten lag, mag sich die Kombination aus einer scheinbar doch robusten Konjunktur, gepaart mit einer überschaubaren Inflation, mancherorts fast schon wie ein sogenanntes Goldilocks-Szenario angefühlt haben.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Keine Horrorprognosen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Dennoch sind einige Entwicklungen an den Finanzmärkten aus der vergangenen Woche bemerkenswert. Gerade wenn man auf die Entwicklung bei den Renditen der US-Staatsanleihen blickt, denen vielerorts eine Prognosekraft für eine möglicherweise aufkommende Rezession in sechs bis 24 Monaten zugebilligt wird. Als besonders aussagefähig gilt dabei der Renditeabstand zwischen US-Treasuries mit zehnjähriger und zweijähriger Laufzeit. Eigentlich war zu erwarten, dass sich dieser Spread angesichts der miserablen ökonomischen Datenlage bis zum vergangenen Donnerstag und dem damit verbundenen kräftigen Verlust der US-Aktienkurse verringern würde. Tatsächlich aber hat er sich von vier Basispunkten am Donnerstag in der Spitze sogar auf bis zu 16 Basispunkte ausgeweitet. Auch der zuletzt vielbeachtete negative Spread zwischen zehnjährigen Staatsanleihen und dreimonatigen T-Bills ist in der vergangenen Woche nicht dramatisch unter die Räder gekommen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Aber Leizinssenkung stärker eingepreist</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Obwohl nun in den USA alles &#8222;halb so schlimm aussieht, zeigt die Entwicklung der Fed-Funds-Futures eine dringlichere Notwendigkeit für eine weitere Leitzinssenkung der US-Notenbank im Oktober an. Die dafür berechnete implizite Wahrscheinlichkeit (vgl. CME FedWatch-Tool) hat sich am Freitag gegenüber der Vorwoche von rund 49 auf 76 Prozent erhöht. Im Vergleich dazu hat sich die Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Zinssenkung bis zum Jahresende binnen Wochenfrist von rund 70 auf 90 Prozent (mindestens zwei Zinserhöhungen von 20 auf rund 41 Prozent) erhöht. Und das, obgleich doch Jerome Powell bei einer Rede am Freitagabend festgestellt hatte, dass sich die US-Wirtschaft trotz einiger Risiken immer noch in einem guten Zustand befinde.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Der Dollar hat sich gegenüber einem Korb an Währungen (gemessen am Dollar-Index) den vierten Handelstag in Folge jeweils leicht abgeschwächt und somit auch dem Euro zu einer – wenngleich erwarteten – leichten Erholung verholfen. Letzterer bewegt sich immer noch in seinem kurzfristigen Abwärtstrend, der nunmehr zwischen <strong>1,1050</strong> und <strong>1,0845</strong> verläuft, und droht mit Überschreiten von <strong>1,1005</strong> auch den verbleibenden Rest seines ohnehin schwachen Momentums zu verlieren. Und solange sich der Euro oberhalb von <strong>1,0925</strong> bewegt, können sich Erholungen ohnehin besser durchsetzen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Mehr zum Peak-End-Effekt hier: <a href="https://www.joachim-goldberg.com/2014/03/11/gehen-wenn-es-am-schoensten-ist/">https://www.joachim-goldberg.com/2014/03/11/gehen-wenn-es-am-schoensten-ist/</a></span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Eine (Teil)kapitulation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2016 15:28:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist die Fallgeschwindigkeit des DAX so groß geworden, dass selbst viele Hardcore-Optimisten das Handtuch geworfen haben. Ein Wertverlust beim deutschen Börsenbarometer von knapp 7 Prozent innerhalb einer Woche vollzog sich schlichtweg zu heftig, als dass den Investoren Gelegenheit blieb, sich daran zu gewöhnen. Vielleicht hat die gestrige vorübergehende Erholung des DAX zu der jüngsten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist die Fallgeschwindigkeit des DAX so groß geworden, dass selbst viele Hardcore-Optimisten das Handtuch geworfen haben. Ein Wertverlust beim deutschen Börsenbarometer von knapp 7 Prozent innerhalb einer Woche vollzog sich schlichtweg zu heftig, als dass den Investoren Gelegenheit blieb, sich daran zu gewöhnen.</p>
<p>Vielleicht hat die gestrige vorübergehende Erholung des DAX zu der jüngsten Entscheidung vieler Akteure beigetragen, endlich die eigenen Aktien­bestände zu reduzieren. Denn sie ersparte es den früheren Optimisten, sich zum niedrigsten Kurs vom DAX zu verabschieden. Dies ist wichtig, weil von der dramatischen Episode am Ende nur der stärkste und der letzte Verlust im Gedächtnis dieser Akteure hängen bleiben dürften. Das besagt zumindest die Peak-End-Regel aus der Verhaltensökonomik. Dabei spielt die Dauer eines Schmerzes (Verlustes) nur eine untergeordnete Rolle. Behalten werden der stärkste und der letzte Schmerz. Deswegen sagt man auch im Volksmund, es sei schön, wenn der Schmerz nachlässt.</p>
<p>Damit hat sich auch die Situation für den deutschen Aktienmarkt grundlegend geändert. Mit anderen Worten: Es sieht nicht mehr ganz so dramatisch wie noch vor 14 Tagen aus, als wir trotz fallender Kurse auch noch einen Rekordoptimismus und damit verbunden erhebliche Schieflagen mancher Investoren feststellen mussten. Diese Situation ist jetzt weitgehend bereinigt, so dass die Stimmung auf ein Niveau zurückgefallen ist, das wir zuletzt am 19. August 2015 feststellen konnten. Das war mitten in der China-Krise. Wer jedoch seinerzeit in einem ebenfalls bereinigt aussehenden Markt darauf setzte, dass der Verfall des DAX damit ausgestanden sei, musste sich getäuscht sehen. Vor der ersten Stabilisierung fünf Tage später, am 24. August bei 9338 DAX-Zählern, ging es (Basis Tagesschlusskurs) noch einmal gut 1000 Punkte nach unten!</p>
<p>Wie sich die Situation heute darstellt, habe ich wie immer in meinem Kommentar für die Börse Frankfurt <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Veritabler-Ausverkauf-160780" target="_blank"><strong>HIER</strong></a> dargestellt.</p>
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		<title>Warum Bronze besser als Silber ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2014 12:55:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Von der Seitenlinie]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball WM]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Endlich ist Deutschland Weltmeister im Fußball geworden. Gratulation! „Das war doch auch längst fällig“, wird sich mancher Fußballfan gesagt haben, denn immer „nur“ Dritter wie bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 oder nur Zweiter wie bei der Europameisterschaft 2008 zu sein, hatte bei manch einem zuletzt sogar für eine gewisse Ungeduld gesorgt. Dabei gab es [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich ist Deutschland Weltmeister im Fußball geworden. Gratulation! „Das war doch auch längst fällig“, wird sich mancher Fußballfan gesagt haben, denn immer „nur“ Dritter wie bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 oder nur Zweiter wie bei der Europameisterschaft 2008 zu sein, hatte bei manch einem zuletzt sogar für eine gewisse Ungeduld gesorgt. Dabei gab es gerade während der vergangenen großen Turniere immer wieder großartige Spiele der Deutschen und natürlich auch prächtig herausgespielte Siege. Auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien ist das nicht anders gewesen, wobei sich die Nationalmannschaft gerade mit den glänzenden Siegen gegen Portugal (4:0) und dem sensationellen 7:1 gegen den Gastgeber Brasilien selbst einen Referenzpunkt gesetzt hatte, der nur noch durch einen Turniersieg selbst überboten werden konnte.</p>
<p>Wie aber mögen sich die anderen gefühlt haben. Keine Frage – mit einem vierten Platz tragen viele Brasilianer womöglich sogar Trauerflor, obwohl, absolut betrachtet, unter die letzten vier eines so hochkarätigen Turniers zu kommen doch auch schon eine Menge bedeutet. Selbst wenn man als Favorit gehandelt wurde. Aber der Mensch bewertet nun einmal relativ.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Knapp daneben ist auch daneben</strong></p>
<p>Und die Holländer? Gab es da nicht Stimmen, man wolle das Spiel um den dritten Platz abschaffen? Dabei kann ich mir vorstellen, dass sich die Niederländer am Ende über einen dritten Platz bei diesem Turnier mehr gefreut haben als über das verloren gegangene Finale bei der Weltmeisterschaft in Südafrika 2010. Obgleich es doch damals im Endspiel ganz knapp zuging. Man hatte nur mit 0:1 gegen Spanien verloren und das auch erst nach Verlängerung. So wie Argentinien gestern gegen Deutschland. Aber als Zweiter fährt man mit einer Niederlage nach Hause und als Dritter hat man eben ein Spiel gewonnen, obwohl der Einzug ins Finale zuvor verpasst wurde. Was wir am Ende in Erinnerung behalten, ist nach einer geglückten Transaktion an den Finanzmärkten und nach einem schönen Fußballturnier ganz ähnlich: Eben die jeweiligen Höhepunkte und die letzten Erlebnisse, die darüber entscheiden, ob wir so etwas noch einmal erleben oder lieber schnell vergessen möchten.</p>
<p>Aber noch etwas kennen wir bereits von den Olympischen Spielen, bei denen aus psychologischer Sicht eine Bronzemedaille mehr wert sein kann als eine silberne. Denn der Dritte kann sich mit all denen vergleichen, die es nicht aufs Treppchen geschafft haben. Dem Zweiten aber bleibt auch hier die undankbare Rolle des relativen Verlierers: Die Freude, Zweitbester zu sein, wiegt nicht so stark wie das Bedauern, den Sieg verfehlt zu haben. Und so ist das Spiel um den dritten Platz mehr als nur der Kampf um Bronze. Es ist das gute Gefühl, dass es beim Fußballturnier ab dem Halbfinale nicht nur einen Gewinner und drei Verlierer gibt.</p>
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		<title>Gehen, wenn es am schönsten ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2014 05:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hatte kürzlich eine Diskussion mit meiner 15jährigen Tochter, die auf eine Party gehen wollte. Und wie das alle Eltern von Heranwachsenden in diesem Alter schon einmal mitgemacht haben, kam  unweigerlich auch bei uns die Diskussion auf, wie lange sie denn dort bleiben dürfe. „Aber Papa, wenn wir jetzt schon eine Zeit festlegen, kann es ja [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hatte kürzlich eine Diskussion mit meiner 15jährigen Tochter, die auf eine Party gehen wollte. Und wie das alle Eltern von Heranwachsenden in diesem Alter schon einmal mitgemacht haben, kam  unweigerlich auch bei uns die Diskussion auf, wie lange sie denn dort bleiben dürfe. „Aber Papa, wenn <span id="more-6986"></span>wir jetzt schon eine Zeit festlegen, kann es ja passieren, dass ich dann gerade gehen muss, wenn es am schönsten ist“, reagierte mein Tochter missmutig auf meine Absicht, von Vornherein ein zeitliches Limit festzulegen. Mir war natürlich klar, dass es bei so einem „Event“ vor allem um eine „gemeinsame Situation“, eine erlebte Gemeinsamkeit geht, die man nicht gerne unvermittelt abbrechen möchte. Glücklicherweise gibt es aber in der Behavioral Economics einen Ansatz, mit dem ich meine Tochter zumindest für einen kurzen Moment argumentativ in Erstaunen versetzen konnte. Natürlich erzählte ich dem Mädchen nicht vom Peak-End-Effekt, wonach man vor allen Dingen den Höhepunkt und das Ende eines Ereignisses im Gedächtnis behält. Mit anderen Worten: Wenn man sich dauerhaft an ein schönes Erlebnis erinnern möchte, sollten dessen Höhepunkt und Ende möglichst zusammenfallen.</p>
<p>Aber Menschen fällt es in der Gegenwart generell schwer, zukünftige Ereignisse richtig einzuschätzen. Genauso wenig konnte sich meine Tochter vorstellen, dass sie glücklich und zufrieden eine Party verlassen könnte, wenn sie tatsächlich durch meine zeitliche Vorgabe an deren Höhepunkt würde von dort aufbrechen müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Optimal in der Zukunft heißt nicht optimal in der Gegenwart</b></p>
<p>In den Finanzmärkten verhält es sich übrigens ähnlich. Wenn uns ein Gewinn in Aussicht gestellt wird, scheint es uns ein Leichtes zu sein, unser Engagement am Aktienmarkt bis zum Optimum auszureizen. Ein vorzeitiger Abbruch? Undenkbar. Vielmehr möchte man natürlich seine Aktien am Höhepunkt eines Aufwärtstrends verkaufen. So stellen sich dies die meisten Anleger zumindest <i>vor</i> einem Engagement vor. Ist man allerdings erst einmal im Markt drin, sieht die Geschichte ganz anders aus. Die Angst, das bereits Erreichte wieder zu verlieren, verleitet uns vor allem mit fortschreitender Zeit dazu, Gewinne möglichst bald festzuhalten, sprich: zu realisieren. So gesehen tritt der für ein Aktienengagement anfängliche Referenzpunkt, von dem aus Gewinne und Verluste wahrgenommen werden, der Einstandspreis, mit der Zeit in den Hintergrund  und wird beim Entstehen von Gewinnen durch einen neuen Bezugspunkt, dem bislang erreichten Optimum des Engagements, abgelöst. Wenn also eine Aktie auf ein neues Hoch steigt und danach ein Stück zurückfällt, blicken die meisten Menschen nicht mehr auf die Differenz von Kaufkurs und (reduziertem) Marktpreis, mithin einem Gewinn. Vielmehr wird der Rückfall der Kurse vom Optimum häufig sogar als Verlust wahrgenommen, den man im Gegensatz zu einem wahrgenommenen Gewinn nicht mehr gerne realisieren möchte. Und je weiter sich ein Wertpapier vom Optimum nach unten entfernt, desto stärker wächst die Aversion auszusteigen.</p>
<p>Übertragen auf die Partysituation müsste dies doch bedeuten, dass es den Menschen leicht fallen sollte, das Fest zu verlassen, wenn sich die Stimmung auf einem temporären Siedepunkt befindet. Aber der entscheidende Unterschied zu den Finanzmärkten besteht wohl darin, dass es nicht um Geld geht. Dagegen steht eben diese erlebte Gemeinsamkeit, von der man nicht genug bekommen kann.</p>
<p>Was wir am Ende jedoch behalten, ist nach einem geglückten Geschäft an den Finanzmärkten und nach einer schönen Party ganz ähnlich: Eben die jeweiligen Höhepunkte und die letzten Erlebnisse, die darüber entscheiden, ob wir so etwas noch einmal erleben oder lieber schnell vergessen möchten.</p>
<p>In beiden Fällen übrigens kann uns nur eines die gute Laune verderben. Es sind diejenigen die uns am nächsten Tag mitteilen, was wir alles verpasst haben, wären wir doch nur länger dabei geblieben – schon wieder ein Referenzpunkt, der uns eigentlich unnötig relativ unzufrieden machen könnte. Aber nur solange wir uns zu sehr an anderen statt an uns selbst orientieren.</p>
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		<title>Pandoras Päckchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 May 2013 07:17:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
		<category><![CDATA[Präsentationsreihenfolge von Gewinn und Verlust]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich gestern in meinen Briefkasten blickte, staunte ich nicht schlecht. Neben all den Zeitungen vom Pfingstwochenende fand ich ein Päckchen vor, das aussah wie eine Pralinenschachtel. Voller Neugier schüttelte ich es sachte – kein Rascheln. Ich blickte auf den Absender. Es war American Express, der Platinum-Service. Wenn die ein so großes Päckchen schicken, kann [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gestern in meinen Briefkasten blickte, staunte ich nicht schlecht. Neben all den Zeitungen vom Pfingstwochenende fand ich ein Päckchen vor, das aussah wie eine Pralinenschachtel. Voller Neugier schüttelte ich es sachte – kein Rascheln. Ich blickte auf den Absender. <span id="more-6109"></span>Es war American Express, der Platinum-Service. Wenn die ein so großes Päckchen schicken, kann dies nichts Gutes bedeuten, dachte ich mir. Aber zunächst sollte ich mich irren. Ein dicker gebundener Prospekt lag obenauf, als ich die Schachtel inspizierte. Mit neuen Vergünstigungen und neuen Partnern von Amex. Naja, ganz schön viel Papierverschwendung, dachte ich mir. Abgesehen von der Umweltbelastung fragt man sich natürlich, wer solche dicken Hochglanzprospekte am Ende bezahlen muss.</p>
<p>Mit detektivischem Spürsinn untersuchte ich weiter den schmalen Pappkarton und fand schließlich ein kleines Heftchen mit Informationen zu den Versicherungen des Kreditkarteninstituts. Intuitiv wusste ich: Als Platinkunde hatte ich mich wahrscheinlich deutlich verschlechtert. Und ich sollte Recht behalten. Das Heftchen führte zahlreiche Neuerungen an, die ich aber keine Lust hatte, im Einzelnen durchzulesen. Beim Überfliegen erfuhr ich dennoch, dass die Kunden im Schadensfall von nun an mit einer deftigen Selbstbeteiligung zur Kasse  gebeten werden. Mehr noch: In Zukunft werden im Gegensatz zu früher viele Versicherungsleistungen an den Einsatz der Karte gebunden sein. Entnervt legte ich den Prospekt beiseite.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Kein Happy End</b></p>
<p>Stattdessen konzentrierte ich mich aufs Wesentliche, auf das Anschreiben von Amex. Und das begann mit der Aufzählung etlicher neuer Vorteile, die sich mir nicht wirklich erschließen wollten. Gleichzeitig wurde das Thema der veränderten Versicherungsbedingungen erneut gestreift. Ich hatte richtig gelesen: Die Leistungen werden sich in Zukunft verschlechtern. Naja, dachte ich, ein richtig guter Marketingbrief endet doch normalerweise mit etwas Positivem. Denn eine Leidensepisode (etwa die angekündigte Verschlechterung eines Services) wird für Menschen erträglicher, wenn sie am Ausgang des Briefes noch etwas Positives erfahren (Peak-End-Effekt). Doch der Brief endete mit einer weiteren Grausamkeit, einem weiteren Verlust. Die Jahresgebühr wird auch noch um 20 Prozent erhöht, musste ich erfahren. Einziger Trost: Immerhin sei die Kündigung des Kreditkartenvertrages bis zum 1. August 2013 kostenfrei, belehrte mich zum Schluss das Schreiben. Das nenne ich nachlassenden Schmerz. Oder „gelungenes“ Marketing. Statt Pralinen hatte Amex mir offenbar Pandoras Box geschickt. Schlimmer: Ein Päckchen, in dem noch nicht einmal als Einziges die Hoffnung geblieben war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/pandoras-packchen/">Pandoras Päckchen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Weichgespült</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/weichgespult/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 May 2013 07:43:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Hindsight Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
		<category><![CDATA[Sunk Cost]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich vor knapp einem Vierteljahr den Kundendienst rufen musste, weil unsere Spülmaschine ihren Dienst versagte, dachte ich, es würde bei einem Besuch bleiben. Denn das zweifelhafte Reparatur-Vergnügen kostete immerhin 320 Euro, was ziemlich genau an der Grenze dessen lag, was ich als Alternative zur Anschaffung einer neuen Maschine zu bezahlen noch bereit gewesen war. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich vor knapp einem Vierteljahr den Kundendienst rufen musste, weil unsere Spülmaschine ihren Dienst versagte, dachte ich, es würde bei einem Besuch bleiben. Denn das zweifelhafte <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/monteur-marketing/">Reparatur-Vergnügen</a></span> kostete immerhin 320 Euro, was ziemlich genau an der Grenze dessen lag, <span id="more-6089"></span>was ich als Alternative zur Anschaffung einer neuen Maschine zu bezahlen noch bereit gewesen war. Damals wollte mir der beflissene Monteur – neben der überteuerten Reparatur – auch noch eine Versicherung für künftige Schäden an diversen anderen Maschinen in unserem Haushalt verkaufen. 16 Euro pro Monat sollte der Spaß kosten, aber nur für ausgewählte, nicht für alle unsere Elektrogeräte. Meine innere Behavioral-Economics-Stimme sagte mir seinerzeit: „Tu’s nicht, derlei Versicherungen sind immer zu teuer!“.</p>
<p>Und nun war es doch wieder geschehen. Ein neuer Schaden am erst acht Jahre alten Geschirrspüler. Eigentlich war „nur“ etwas Wasser ausgelaufen, eine kleine undichte Stelle an einem Schlauch, vermutete ich – aber, da ich kein Installateur oder Klempner bin, rief ich noch einmal den Kundendienst an und hoffte, ich würde angesichts der teuren Reparatur vom Januar bestenfalls noch einmal ein paar Euro im zweistelligen Bereich einsetzen müssen.</p>
<p>Das Prozedere verlief wie gewohnt. Eine Woche Wartezeit auf den Monteur von Siemens, wahrscheinlich, damit man schon einmal weichgekocht ist. Als er denn endlich bei uns in der Küche erschien, hatte ich die Kinder gerade so weit, dass sie sich nicht mehr nach jeder Mahlzeit erbittert stritten, wer an der Reihe mit Spülen und Abtrocknen sei, sondern bereitwillig mitzuhelfen begannen. Und damit ich gar nicht erst in Versuchung kommen würde, mich noch einmal auf eine größere Reparatur einzulassen und damit weitere (versunkene) Kosten produzieren zu müssen, bat ich dieses Mal meine Frau statt meiner das Reparatur-Stelldichein wahrzunehmen. Sozusagen, um nicht den Sirenengesängen des Monteurs lauschen zu müssen – entscheiden wollte ich bestenfalls aus der Ferne am Telefon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Ein Quell für Regret: Hätte, würde, könnte </b></p>
<p>Aber es gab nichts mehr zu entscheiden, denn der Geschirrspüler hatte einen irreparablen Schaden, der Motor war futsch. Zur Reparatur vom Januar kamen nun noch einmal knapp 70 Euro für Anfahrt und Schadensdiagnose des Servicecenters hinzu. Kurzum, in summa lag ich jetzt bei fast 400 Euro und einem Totalschaden. &#8222;Hätten Sie doch nur mein Versicherungs-Angebot von damals wahrgenommen“, konnte sich der Monteur meiner Frau gegenüber nicht verkneifen, &#8222;dann hätten Sie jetzt schon wieder etwas zurückbekommen!&#8220;. Ob dieses „Etwas“ auch den Kauf einer neuen Maschine abgedeckt hätte? – Ich ersparte mir weitere Nachforschungen, aus Rücksicht auf meinen Seelenfrieden, um mir weitere Reuegefühle (Regret) zu ersparen.</p>
<p>Zum Glück war ich nicht selbst anwesend, um unter dem Eindruck des Totalschadens wenigstens für künftige Fälle doch noch eine Reparatur-Versicherung abzuschließen. Und so bekam ich auch nicht mit, wie der Fachmann meine Frau noch mit den Worten und einem Brief des Herstellers in der Hand tröstete: &#8222;Wenn Sie das gleiche Fabrikat wieder kaufen, bekommen Sie eine Treueprämie in Höhe von 31 Euro, dann haben Sie meinen Besuch schon wieder zur Hälfte raus!&#8220; Ja, die Hersteller von Elektrogeräten sind auf alle Eventualitäten des Lebens eingerichtet und schaffen es, mit 5 Prozent Eventual-Rabatt am Ende des Montagebesuchs, dass die unangenehme Reparatur-Episode auch noch ein halbwegs versöhnliches Ende findet. Ich jedenfalls hatte genug von mentalen Konten, Sunk Cost und Regret und konnte mir allerdings ein bisschen Selbstbestrafung nicht verkneifen: Hätte ich doch nur gleich eine neue Maschine gekauft und mir wären allerhand psychische und materielle Kosten erspart geblieben!</p>
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		<title>Fiese Coperti</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jul 2012 08:19:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Peak-End-Effekt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ja, wir haben es noch einmal gewagt, fast zwei Wochen lang mit unseren drei Kindern nach Venedig zu reisen. Also wieder Urlaub in einer Stadt, aber dafür mit wirklichem Hochsommer. Denn im Gegensatz zum nasskalten Deutschland empfing Venetien uns mit Temperaturen von mehr als 30 Grad. Trotzdem machten wir es wie im Vorjahr – vormittags [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, wir haben es noch einmal gewagt, fast zwei Wochen lang mit unseren drei Kindern nach Venedig zu reisen. Also wieder Urlaub in einer Stadt, aber dafür mit wirklichem Hochsommer. Denn im Gegensatz zum nasskalten Deutschland empfing Venetien uns mit Temperaturen von mehr als 30 Grad.<span id="more-4700"></span> Trotzdem machten wir es wie im Vorjahr – vormittags Kultur, nachmittags raus auf den Lido zum Schwimmen. Von Krise war nicht viel zu spüren. Und die Venezianer beeindruckten uns mit ihrer Steuerehrlichkeit, denn selbst bei jeder Kugel Eis verteilten sie einen Kassenbon. Ob es sich wohl für die Verkäufer lohnen würde, die von Touristen meist achtlos liegen gelassenen Verkaufsnachweise wieder einzusammeln? Nein, lassen wir das, ich wollte mir nicht auch noch im Urlaub Gedanken darüber machen, ob Italien wirklich alles tut, um seine Sparziele auch in fiskalischer Hinsicht zu erreichen.</p>
<p>Und weil unser Feriendomizil abseits vom Hochtourismus im Stadtteil Cannareggio lag, wo noch viele Einheimische leben und arbeiten, war es nur naheliegend, dass wir zum Abendessen auch eine der dortigen Osterien aufsuchten, die sich überall, auf einem kleinen verschwiegenen Campo oder direkt an einem der vielen malerischen Kanäle, entdecken lassen. Das Essen war wie immer fantastisch, der Wein nicht „overpriced“ wie es neudeutsch heißt, die Kinder ausnahmsweise einmal nicht zerstritten  – bis dann die Rechnung kam. Nicht, dass sie auffallend hoch gewesen wäre. Aber ich war doch leicht angesäuert, als ich dort an erster Position fünf so genannte „Coperti“ (Gedecke) à 3,50 EUR vorfand. 3,50 EUR nur fürs einfache Platznehmen. Mit drei Kindern macht  das 17,50 EUR!</p>
<p>Aber ich bin ja selbst schuld, wenn ich aufgrund der Erkenntnisse der Behavioral Economics Restaurantrechnungen grundsätzlich von unten nach oben lese. Die großen Posten damit automatisch zuerst und die kleinen zuletzt. Denn ich weiß aufgrund der so genannten Peak-End-Regel, dass die größte und die zuletzt wahrgenommene Einzelheit einer Geschichte für die Wahrnehmung von wesentlicher Bedeutung sind. Jene Details sind es auch, die uns in Erinnerung bleiben. Vielleicht gab es ja deswegen, zum Ausgleich sozusagen, nach der Rechnung einen Schnaps vom Hausherrn, der uns versöhnlich stimmen sollte. Aber die fünf Coperti, fünf kleine Verluste, Gebühren ohne Gegenleistung sozusagen, wogen so schwer, dass mir ein Grappa nicht gereicht hätte, um das Ganze zu vergessen.</p>
<p>Im Stadtteil des venezianischen Hochtourismus, San Marco, scheint man indes gelernt zu haben, Einzelpositionen (=Verluste) auf den Rechnungen geschickt zu aggregieren. Da findet man nämlich auf zahlreichen Speisekarten und Werbetafeln den ausdrücklichen Hinweis, dass man in dieser Lokalität auf Coperti verzichte. Natürlich nicht wirklich, denn diese sind bereits in den sündhaft hohen Menü-Preisen versteckt. Und dennoch haben wir auch in diesem Jahr zwar wieder mit erleichtertem Geldbeutel, aber umso schwereren Herzens von der Lagunenstadt Abschied genommen.</p>
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