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	<title>Kapitulation Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Fri, 09 Jul 2021 05:00:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Nachgeliefertes Argument</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jul 2021 04:58:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Inflationsziel]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist gestern weitergegangen mit der Rallye an den US-Anleihemärkten, so dass die Rendite der zehnjährigen Papiere mit einem Tagestief von 1,25 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem 16. Februar gefallen war; damals wie heute lag die Realverzinsung ca. bei -0,95 Prozent[1]. Nimmt man als Rendite-Referenzpunkt für jene Anleihen dagegen das diesjährige Jahreshoch vom [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es ist gestern weitergegangen mit der Rallye an den US-Anleihemärkten, so dass die Rendite der zehnjährigen Papiere mit einem Tagestief von 1,25 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem 16. Februar gefallen war; damals wie heute lag die Realverzinsung ca. bei -0,95 Prozent<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[<span style="color: #000000;"><strong>1</strong></span>]</a>. Nimmt man als Rendite-Referenzpunkt für jene Anleihen dagegen das diesjährige Jahreshoch vom 30. März, muss man von einem Rückgang von über 50 Basispunkten sprechen. <img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13664" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/07/09072021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/07/09072021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/07/09072021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /><br />
</span></p>
<h3></h3>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Eine kleine Kapitulation</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Tatsächlich geht vor allem der Teil der Bondmarkt-Rallye, die sich während der vergangenen beiden Wochen ereignet hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto von Positionsverschiebungen, Stopp-Loss-Käufen, die sich auch gestern noch einmal – möglicherweise in Form einer kleinen Kapitulationsbewegung – verstärkt hatten (vgl. die Hintergründe dazu in meinem Kommentar <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2021/07/08/mehr-angst-als-argumente/" target="_blank" rel="noopener">HIER</a></strong></span>). Wie ich bereits gestern andeutete, fiel es den Akteuren zumindest anfangs schwer, eine wirklich schlagkräftige Begründung für diese dramatische Kaufwelle am Anleihemarkt zu finden. Vor allem, weil es eigentlich keine triftigen neuen makroökonomischen Daten gab, die eine derartige Entwicklung gerechtfertigt hätten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Neues Narrativ als Rechtfertigung</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun wissen wir aus der Finanzmarktpsychologie, dass Marktteilnehmer nicht lange mit solchen (kognitiven) Dissonanzen leben können. Vor allem diejenigen, die also die Notbremse gezogen und Positionsumschichtungen vorgenommen haben, brauchen Rechtfertigungen für ihre Transaktionen. Glaubte man vor ein paar Wochen noch an die Gefahr einer möglicherweise nicht mehr kontrollierbaren Inflation – jetzt spricht man wieder mehr von Reflation – und an ein nicht enden wollendes Wachstum infolge der Wiedereröffnung nach den Lockdowns, hat sich diese Sichtweise offenbar geändert. Das Narrativ von Wachstumsängsten macht plötzlich die Runde und hat zumindest gestern auch die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks zeitweise mitgerissen. Nur wegen einer Short-Squeeze, die ökonomisch ex post begründet werden musste.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EZB formuliert Inflationsziel</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Bemerkenswerterweise hat sich der US-Dollar gestern trotzdem nicht weiter befestigen können. Im Gegenteil. Ich glaube allerdings nicht, dass für die spiegelbildliche Euro-Nachfrage zum Greenback die gestrige Entscheidung der EZB, künftig ein mittelfristiges Inflationsziel von genau 2 Prozent – bislang lag das Inflationsziel „unter, aber nahe 2 Prozent“ – anzustreben, den Ausschlag gab. Wobei sich dieses neue Ziel explizit symmetrisch versteht, Abweichungen also sowohl nach unten als auch nach oben unerwünscht sind. Eine Entscheidung, die als Resultat einer 18 Monate andauernden grundlegenden Strategieüberprüfung gestern publiziert wurde. Nun hat der EZB-Rat schon unter seinem früheren Präsidenten Mario Draghi seit dem Jahr 2016 zunehmend die Symmetrie des Inflationsziels betont, so dass es schwer fällt, mit der gestrigen Konkretisierung des Inflationsziels an eine Überraschung zu glauben. Indes: Die EZB verzichtet im Gegensatz zur Fed auf die Formulierung eines durchschnittlichen Inflationsziels (Average Inflation Targeting).</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch wenn die Euro-Händler gestern offenbar darauf verzichteten, das wichtige Niveau von <strong>1,1765/70</strong> an der Unterseite auch noch in Angriff zu nehmen, bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrem kurzfristigen Abwärtstrend zumindest so lange unter Druck, wie <strong>1,1895/00 </strong>nicht überwunden wird.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> </span><a href="https://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/interest-rates/Pages/TextView.aspx?data=realyieldYear&amp;year=2021" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #000000;">https://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/interest-rates/Pages/TextView.aspx?data=realyieldYear&amp;year=2021</span></a></span></p>
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		<title>Kapitulation der Risikoaversen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Nov 2020 09:55:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[Stimulus-Paket]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vielleicht wird die abgelaufene Woche einmal als Zeitpunkt der Wende zum Positiven bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie in die Geschichte eingehen. Aber nicht nur wegen der Meldung vom vergangenen Montag, den Pharma-Unternehmen BioNTech und Pfizer sei bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Corona-Virus der Durchbruch gelungen. Auch waren die vergangenen Tage davon gekennzeichnet, dass der Sieger im US-Präsidentschaftsrennen mit immer größerer Wahrscheinlichkeit...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1</strong><strong>830)</strong>             Vielleicht wird die abgelaufene Woche einmal als Zeitpunkt der Wende zum Positiven bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie in die Geschichte eingehen. Aber nicht nur wegen der Meldung vom vergangenen Montag, den Pharma-Unternehmen BioNTech und Pfizer sei bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Corona-Virus der Durchbruch gelungen. Auch waren die vergangenen Tage davon gekennzeichnet, dass der Sieger im US-Präsidentschaftsrennen mit immer größerer Wahrscheinlichkeit Joe Biden heißen würde.<img decoding="async" class="alignright wp-image-12735" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/11/16112020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/11/16112020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/11/16112020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die globalen Aktienmärkte quittierten die Ereignisse der vergangenen Woche jedenfalls mit einem massiven Kurssprung. Ein Sprung, der nicht nur einer neuen Euphorie geschuldet war, sondern vor allem auch deswegen zustande kam, weil viele Akteure offenbar auf dem falschen Fuß erwischt wurden. In einigen Fällen könnte man durchaus von einer Kapitulation der Risikoaversen sprechen, weil man sich – im Nachhinein betrachtet – zu stark gegen Extremrisiken abgesichert hatte.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Informationen neu bewertet</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Kapitulation heißt aber auch immer, dass Informationen neu bewertet werden. Und zwar schlagartig. Alles, was noch vor der Impfstoff-Neuigkeit und vor dem US-Wahltag als Risiko galt, samt aller damit zusammenhängenden negativen Nachrichten, ist nun mit einem Schlag verdrängt und nicht mehr gefragt. Denn letztlich muss man hinterher auch die Kapitulation vor sich und ggf. vor anderen rechtfertigen – auch wenn man in Panik geraten sein mag.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ermutigende Erkenntnisse und der wahrscheinliche Durchbruch bei der Entwicklung eines neuen Impfstoffs sind für die Menschheit natürlich wunderbar. Aber wäre der Tag des Durchbruchs nicht ohnehin in Bälde fällig gewesen? Es war doch weniger eine Frage des Ob, als eine Frage des Wann.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Negative Nachrichten ausgeblendet</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Dass vor allem die Börsianer, die angeblich immer vorausschauend agieren und die Zukunft in den Aktienkursen vorwegnehmen, diese Möglichkeit überhaupt nicht in ihren Strategien frühzeitig berücksichtigt haben, mag daher verwundern. Aber vielleicht war es schlichtweg die Kombination der Ereignisse, die zu einer solch heftigen Reaktion geführt hat. Allein der hiesige DAX sprang innerhalb einer Stunde um fast 600 Zähler.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die negativen Entwicklungen in der Pandemie, die vor allen Dingen zum Wochenschluss sichtbar wurden, passen natürlich nicht zu den jüngsten Engagements der Finanzmarktteilnehmer. Dass in den USA die Infektionszahlen zuletzt auf über 180 Tsd. an einem Tag anzogen, wurde genauso ignoriert wie die Tatsache, dass für mehrere große Städte eine neue Lockdown-Phase in unterschiedlicher Ausprägung droht.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Überdies wird es wohl auch beim Stimulus-Paket für die US-Wirtschaft in den kommenden Wochen keine Fortschritte geben. Denn mit der Angelegenheit betrauten Quellen zufolge scheint das Weiße Haus alle Verhandlungsmacht diesbezüglich an den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, delegiert zu haben. Und dieser tat sich schon in den vergangenen Wochen schwer, auch nur ansatzweise den Stimulus-Vorstellungen der Demokraten von rund 2 Billionen USD entgegenzukommen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>US-Verbrauchervertrauen kommt nicht auf die Füße</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch die für November mit einem Wert von 77 enttäuschend ausgefallene Schnellschätzung für den Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan (Medianprognose der Ökonomen: 82) zeigt nicht nur, dass sich die US-Aktienmärkte von dieser Entwicklung längst abgekoppelt haben. Vielmehr ist dieser Index, der im Februar noch über 100 notierte, nun seit Beginn der Pandemie nicht mehr richtig auf die Füße gekommen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Einzig beim US-Dollar hat sich in der abgelaufenen Handelswoche vergleichsweise wenig getan. Wahrscheinlich auch, weil es zurzeit keine großen Schieflagen zu geben scheint. So bleibt auch der Euro trotz einer minimalen Erholung zum Wochenschluss immer noch innerhalb einer Seitwärtsentwicklung. Das Schlüsselniveau ist an der Unterseite unverändert <strong>1,1735</strong>. Sollte es unterlaufen werden, würde sich die noch stabile Situation für den Euro verschlechtern.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Ist das schon Kapitulation?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Mar 2020 05:50:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[EZB-Ratssitzung]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es herrschte Endzeitstimmung, gestern, an den Aktienmärkten. Händler sahen „Herden von schwarzen Schwänen“ auf sich zukommen, als die europäischen Aktienmärkte den größten Kursrückgang aller Zeiten an einem Tag hinnehmen mussten. Man könnte auch von Kapitulation sprechen. Und selbst das ist nicht sicher, denn die Kapitulation bedeutet das Ende aller Hoffnungen und damit auch normalerweise den Abschluss der Abwärtsbewegung....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ist-das-schon-kapitulation/">Ist das schon Kapitulation?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1200)</strong>             Es herrschte Endzeitstimmung, gestern, an den Aktienmärkten. Händler sahen „Herden von schwarzen Schwänen“ auf sich zukommen, als die europäischen Aktienmärkte den größten Kursrückgang aller Zeiten an einem Tag hinnehmen mussten. Man könnte auch von Kapitulation sprechen. Und selbst das ist nicht sicher, denn die Kapitulation bedeutet das Ende aller Hoffnungen und damit auch normalerweise den Abschluss der Abwärtsbewegung.<img decoding="async" class="alignright wp-image-11737" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/13032020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/13032020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/13032020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Kein „whatever it takes 2.0”</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Dabei ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob nun US-Präsident Donald Trump mit seiner für 30 Tage verhängten Einreisesperre für Europäer den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks einen weiteren Schlag versetzt hatte. Oder ob EZB-Chefin Christine Lagarde mit ihrem von Kommentatoren als schlimmen Ausrutscher interpretierten Satz: „Wir sind nicht hier, um Renditeabstände [spreads] zu schließen“ für einen weiteren Ausverkauf gesorgt hatte. Denn als Lagarde während der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Ratssitzung auf die steigenden Anleihezinsen in Italien angesprochen wurde, fiel eben jener Satz. Ein Satz, der letztlich die Politik ihres Vorgängers Mario Draghi („whatever it takes“), das Versprechen, alles Mögliche zu tun, um den Euro zu erhalten, gewissermaßen in Frage stellte.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Zurückrudern überzeugt nicht</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch wenn die EZB-Präsidentin diesen Eindruck im Anschluss an die Pressekonferenz in einem TV-Interview zu relativieren versuchte, war der Schaden angerichtet: Die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen verzeichneten den stärksten Zinsanstieg aller Zeiten an einem einzigen Handelstag und schnellten von ca. 1,2 auf zuhöchst knapp 1,9 Prozent nach oben. Damit hatte sich der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit temporär um fast 70 auf rund 263 Basispunkte ausgeweitet.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Dabei hatte Mario Draghi doch während seiner ganzen Amtszeit daran gearbeitet, dass es zu einer derartigen Fragmentierung der Kreditkosten innerhalb der Eurozone möglichst nicht kommen sollte. Denn die Kluft zwischen den Kreditkosten stärkerer und schwächerer Staaten der Eurozone galt in deren schwierigster Phase als Warnzeichen für ein mögliches Zerbrechen.</span></p>
<h3></h3>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>US-Notenbank mit massiven Liquiditätshilfen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so relativierten sich zumindest aus psychologischer Sicht auch die gestern von der EZB verkündeten Beschlüsse, die ohnehin von den Akteuren unterschiedlich bewertet wurden, hatten sich doch einige von ihnen eine Leitzinssenkung erhofft. Auch wenn ein derartiger Schritt vermutlich sinnlos gewesen wäre, hätte er in der gestrigen Situation zumindest Symbolcharakter besessen. Aber immerhin gibt es ein umfassendes Maßnahmepaket. So kauft die EZB unter anderem bis zum Jahresende zusätzlich Anleihen im Wert von 120 Mrd. EUR auf und bietet den Banken langfristige Refinanzierungsgeschäfte zu extrem günstigen Bedingungen an.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Unterdessen beschloss die US-Notenbank, drei weitere gewaltige Wertpapierpensionsgeschäfte in Höhe von jeweils 500 Mrd. USD (Laufzeiten zwischen einem und drei Monaten) anzubieten, um gegen die Folgen der Coronavirus-Epidemie für das Finanzsystem anzukämpfen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch der Euro blieb von den gestrigen Marktwirren nicht unbeeindruckt und fiel beinahe bis auf unser äußerstes Nachfrageniveau bei <strong>1,1050</strong> zurück, um sich danach allerdings wieder eindrucksvoll zu erholen. Damit ist der bisherige kurzfristige Aufwärtstrend in seiner steilen Version beendet worden und verläuft nun flacher. In diesem Zusammenhang darf vorgenanntes Niveau nicht mehr unterlaufen werden. Ein Überschreiten von <strong>1,1350</strong> würde den neuen Trendverlauf bestätigen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong> </strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Höhenangst</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/hoehenangst/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Apr 2017 14:12:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich war es eine glasklare Angelegenheit, dass man nach dem Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl Aktien kaufen musste. Einzig und allein die Frage des Preises war vor diesem Wahlgang noch offen. So gab es nicht wenige, die für die europäischen Aktienmärkte ein Desaster prognostizierten, falls die beiden antieuropäischen Kandidaten in die Stichwahl gegangen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/hoehenangst/">Höhenangst</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9484 alignleft" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/04/Senti_260417-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" />Eigentlich war es eine glasklare Angelegenheit, dass man nach dem Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl Aktien kaufen musste. Einzig und allein die Frage des Preises war vor diesem Wahlgang noch offen. So gab es nicht wenige, die für die europäischen Aktienmärkte ein Desaster prognostizierten, falls die beiden antieuropäischen Kandidaten in die Stichwahl gegangen wären: 10,15, im Extremfall sogar 30 Prozent billiger hätte man nach Ansicht mancher Auguren einsteigen können. Sofern man in dieser Situation überhaupt noch den Mut dazu gehabt hätte. Genug auf jeden Fall, um sich gegen einen derartigen Eventual-Sturz vorsichtshalber abzusichern.</p>
<p>Nun ist bekanntermaßen alles anders gekommen, und am Montagmorgen gab es keine Schnäppchenpreise mehr. Das bisherige Rekordhoch des DAX wurde geradezu mit Bravour genommen, und gestern zog der Kurs sogar noch etwas weiter an. Haben wir es nun mit überbordender Euphorie oder „nur“ mit einer Kapitulation der Skeptiker zu tun?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Panikkäufe, Kapitulationen und Bezugspunkte</strong></p>
<p>Kapitulationen gibt es nämlich nicht nur in fallenden, sondern auch in steigenden Märkten, wenn man die vielen entgangenen Gewinne (gleichbedeutend mit relativen Verlusten<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>) nicht länger ertragen oder Dritten gegenüber rechtfertigen kann. Kommt dann noch ein neues Allzeithoch hinzu, ist es leicht nachvollziehbar, dass eigentlich nur derjenige kauft, der kaufen muss.</p>
<p>Anderenfalls hat man vielleicht auch einen Bezugspunkt gefunden, dem gegenüber ein später Einstieg immer noch relativ günstig aussieht. Das ist bei einem neuen Rekordhoch, bei dem die Kurse praktisch durch die Decke schießen, schlecht möglich; es sei denn, man ist tatsächlich noch vor diesem Referenzpunkt des 10. April 2015 (12.391) am Montag zur Eröffnung bei knapp 12.300 DAX-Zählern zum Zuge gekommen. Eine Transaktion, die gegenüber dem bisherigen Allzeithoch immer noch ein klein wenig günstiger ausgefallen wäre, wenngleich sie gegenüber dem Korrekturtief vom vergangenen Donnerstag von rund 11.945 Punkten wiederum ziemlich schlecht aussieht. Im ersten Fall handelt es sich also um einen relativen Gewinn, mit dem man ex post ganz gut leben kann – bei der ungünstigen Betrachtungsweise hingegen um einen relativen Verlust, der auch heute nicht zur Euphorie verleitet, weil er noch nicht wettgemacht wurde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Relative Schnäppchen</strong></p>
<p>Es gibt aber dann noch ganz kluge Börsianer, die sich am weniger bekannten DAX-Kursindex orientieren, der Ausschüttungen im Gegensatz zum „normalen“ DAX unberücksichtigt lässt. Der lag gestern zum Schluss immerhin noch knapp 5 Prozent unterhalb seines Allzeithochs vom 10. April 2015. Und wenn man sich diesen Bezugspunkt wählt, ist man selbst noch gestern nicht nur relativ günstig eingestiegen, sondern atmet auch eine wesentlich weniger dünne Luft als derjenige, der sich am DAX Performance-Index orientieren muss und angesichts des Rekordhochs nach einem Aktienkauf lieber nicht nach unten blickt und zumindest gefühlt die schwindelerregende Höhenluft einatmet. Vielleicht hilft es, wenn man sich in einem solchen Fall, sozusagen in einem „uncharted territory“ oder einer „terra incognita“, an der runden Zahl 13.000 als nächstem Gipfel orientiert und sich dann wohler fühlt?</p>
<p>Welche Strategie die Anleger hierzulande gewählt haben, können Sie ab 18:30 Uhr auf jeden Fall meinem heutigen Kommentar zur DAX-Stimmung <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Fern-von-jeglicher-Kapitulation-2269285" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a> </span>entnehmen, den ich regelmäßig für die Börse Frankfurt erstelle.</p>
<p>Alternativ dazu können Sie auch gerne sofort mein Video-Interview, das die Börse Frankfurt mit mir heute geführt hat, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5sVK4DovC6E" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong><span style="color: #ff0000;">HIER</span></strong></a> abrufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Tatsächlich wiegen echte Verluste stärker als Verluste, die sich aus der relativen Betrachtung entgangener Gewinne ergeben</p>
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		<title>Die magische Nulllinie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Feb 2016 12:04:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Negativzinsen]]></category>
		<category><![CDATA[Stop-Loss]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist das Unterschreiten der Nulllinie, der Übergang von positiven zu negativen Zahlen, der den Menschen große Schwierigkeiten zu bereiten scheint. Diese Beunruhigung dürfte sich noch verstärken, da die Europäische Zentralbank wahrscheinlich mit dem ohnehin schon negativen Zins für Bankeinlagen noch weiter nach unten gehen wird. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird man seitens der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist das Unterschreiten der Nulllinie, der Übergang von positiven zu negativen Zahlen, der den Menschen große Schwierigkeiten zu bereiten scheint. Diese Beunruhigung dürfte sich noch verstärken, da die Europäische Zentralbank wahrscheinlich mit dem ohnehin schon negativen Zins für Bankeinlagen noch weiter nach unten gehen wird. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird man seitens der Kreditinstitute eines Tages nicht umhin kommen, diesen negativen Zins – Zins ist eigentlich die falsche Bezeichnung – an die Sparer weiterzugeben. Spätestens an dem Tag, an dem deswegen auf dem Kontoauszug die erste Belastung Schwarz auf Weiß ausgewiesen ist, dürften viele Anleger das Gefühl haben, in einer verkehrten Welt angekommen zu sein. Hatte man sich zuvor immerhin schon damit abgefunden, dass Spareinlagen und Tagesgeld gering oder gar nicht verzinst wurden, schien dieser Tag X immer noch in einer fernen, kaum vorstellbaren Zukunft zu liegen. Obwohl offensichtlich ist, dass Sparer schon längst über negative Realzinsen bestraft werden, blendet man gerne solch schwierige Berechnungen aus.</p>
<p>Dass die negativen Zinsen nominal trotzdem so langsam bei uns ankommen, wird etwa daran deutlich, dass etwa die Krankenkassen deswegen 1,8 Millionen Euro im Jahr 2015 verloren haben sollen. Das ist Geld, das letztlich von den Sozialversicherungsbeiträgen der Beitragspflichtigen einbehalten wird. Und zwar nicht nur bei der Kranken-, sondern natürlich auch bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Gemessen am Beitragsaufkommen mag es sich zwar um relativ kleine Beträge handeln, die die meisten von uns eigentlich nicht wahrgenommen hätten, gäbe es da die Medien nicht. Aber bei nominellen Zinsverlusten hört für viele Menschen der Spaß auf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Scheckheftgepflegtes Auto für einen Verstorbenen </strong></p>
<p>Die Macht der Nulllinie erfuhr unlängst auch mein Bekannter B. Der hatte nämlich im Jahre 2010 von seinem Vater neben einem Haus auch ein altes Auto und ein Girokonto mit ein paar tausend Euro geerbt. Während die Immobilie längst veräußert wurde, brachte B. es nicht übers Herz, sich von dem Oldtimer, für den ihm niemand mehr als 2.000 Euro anbot, zu trennen. Pietät, liebende und ehrende Erinnerung an den Vater, mögen der eine Grund gewesen sein, aber der Umstand, dass B. nicht den hohen Preis, den er erhofft hatte, erzielen konnte, wog mindestens so schwer.</p>
<p>Und weil sich kein zahlungswilliger Käufer finden wollte, zahlte B. vom geerbten Girokonto brav jedes Jahr Kfz-Steuer und -Versicherung und brachte das betagte Gefährt sogar regelmäßig zum TÜV. Auch kam es für ihn nicht infrage, den Wagen an „irgendjemanden“ zu verkaufen, der vielleicht die Verblendung aus Walnussholz an Schalthebel und Armaturenbrett nicht zu schätzen gewusst und das Gefährt insgesamt nicht in Ehren gehalten hätte. Und so schmolz das Guthaben auf dem Konto langsam zusammen.</p>
<p>Schließlich war es ein kleiner Sollsaldo auf dem Girokonto von gerade einmal 20 Euro, der die Alarmglocken bei B. schrillen ließ. Vergessen war der Vorsatz, das mittlerweile über 20 Jahre alte Automobil des Vaters nur in beste Hände abzugeben. Vergessen waren auch all die jahrelang gezahlten Ausgaben für Steuer, Versicherung und TÜV (versunkene Kosten), weil B. unbedingt an seinem Erbe festhalten wollte.</p>
<p>Plötzlich musste der Wagen ganz schnell weg. Um jeden Preis. Hauptsache, das Girokonto kam wieder ins Haben.</p>
<p>Immerhin hatte die Geschichte etwas Positives: Durch den Übergang auf dem Konto vom Haben ins Soll konnte B. endlich loslassen und mit dem väterlichen Erbe abschließen. Die Nulllinie auf dem Girokonto wirkte wie ein unfreiwilliger Stopp-Loss. So hat sich wieder einmal gezeigt: Menschen empfinden Verluste als viel gravierender und gehen mit ihnen auch ganz anders als mit Gewinnen um.</p>
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		<title>Commitment-Poker – eine Wiederholung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2015 06:03:35 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Delegation von Kontrolle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor fünf Jahren hatten wir alle noch auf ein griechisches Wunder gehofft. Damals hatte die EU-Kommission gerade neue Pläne entwickelt, wie man die Griechen an die Hand nehmen und durch einen strikten Sparkurs führen könne. Dazu sollte auch gehören, die Verantwortlichen in der Regierung regelmäßig zum Rapport zu bitten. Schon damals fragte ich mich, womit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor fünf Jahren hatten wir alle noch auf ein griechisches Wunder gehofft. Damals hatte die EU-Kommission gerade neue Pläne entwickelt, wie man die Griechen an die Hand nehmen und durch einen strikten Sparkurs führen könne. Dazu sollte auch gehören, die Verantwortlichen in der Regierung regelmäßig zum Rapport zu bitten. Schon damals fragte ich mich, womit man einem Beinahe-Bankrotteur noch drohen könnte. Mit Geldstrafen etwa, wie sie seinerzeit im Gespräch waren? Auch kann ich mich noch gut daran erinnern, wie Griechenland der EU-Kommission versprach, seine Neuverschuldung bis zum Jahre 2012 unter drei Prozent des BIP zu drücken – damals hatte dieses Defizit gerade die 13-Prozent-Marke erreicht. Das war im Jahr 2010. Und jeder wusste damals: Es kann und es wird nicht klappen.</p>
<p>Dennoch wird weiter Commitment-Poker gespielt, weil die Einsätze aller Beteiligten viel zu hoch sind, als dass einer passen könnte. Das Fatale an solchen Commitments ist, dass die Bindung an frühere Entscheidungen mit steigenden Verlusten immer größer wird. Wie bei einem Aktieninvestor, der den Einstandspreis seines schal gewordenen Engagements durch Hinzukäufe in einen fallenden Markt absenken möchte. Natürlich mit der Absicht, eines Tages, wenn sich der Markt erholt hat, mit plus-minus Null aus seiner Fehlinvestition wieder herauszukommen. In der großen Mehrheit der Fälle klappt dies auch. Aber wenn es nicht funktioniert, bleibt am Ende nur die Kapitulation, die Realisation aller Buchverluste – dazwischen sind die Verlierer psychisch gefesselt und so häufig zur Untätigkeit gezwungen. Mit anderen Worten: Neue Entscheidungen werden immer nur im Lichte dieser Verluste gefällt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Alle in der Falle</strong></p>
<p>In dieser Commitment-Falle befinden sich die Gläubiger Griechenlands und deshalb schieben sie den Termin der Einsicht vor sich her, solange sie können. Zu groß ist die Verlustaversion, die tiefe Abneigung, die Notbremse zu ziehen. Lieber noch ein paar Milliarden draufsatteln, darauf komme es jetzt auch nicht mehr an, hört man Entscheider in solch einer Lage oft sagen.</p>
<p>Aber auch die griechische Regierung sitzt in der Falle, wobei man wissen muss, dass sich das Commitment, die Bindung an eine Entscheidung, nicht nur durch Verluste erhöht. Einen wesentlichen Bestandteil des Commitments stellt der Grad der Verantwortung der Entscheider dar. Je größer die Verantwortung, desto stärker die Bindung an die Entscheidung, die im Falle eines Spitzenpolitikers durch die starke Wahrnehmung in der Öffentlichkeit besonders hoch ist. Deswegen mag der griechische Premierminister Alexis Tsipras, als er sich für das am Wochenende stattfindende Referendum entschied, nicht nur vom demokratischen Gedanken geleitet worden sein. Denn mit dem Referendum wird die Verantwortung an den Wähler zurückgegeben und so auf viele Köpfe verteilt. Und Tsipras‘ Commitment, die Bindung an das, was er bislang getan oder unterlassen hat, wird dadurch deutlich gesenkt. Ein Referendum übrigens, bei dem sich viele Bürger bei der Frage nach ihrer Bereitschaft für weitere Opfer eher für ein einfaches Nein als für ein Ja mit vielschichtigen Folgen (Komplexitätsaversion) entscheiden dürften.</p>
<p>Das Referendum – eine Frage nach der Opferbereitschaft der Bevölkerung, die den Deutschen nie gestellt wurde.</p>
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		<title>Die Last der Gewinne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Mar 2015 16:17:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Das war doch eine Kapitulationsbewegung!“, riefen mir einige Beobachter zu, als der DAX nicht nur die 12.000er Marke am vergangenen Montag mit Leichtigkeit überwand, sondern mit dem dritten Allzeithoch innerhalb von einer Woche in atemberaubendem Tempo sogar die 12.200 nahm. Auch ich kam für einen Moment ins Grübeln, ob es das denn nun für den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Das war doch eine Kapitulationsbewegung!“, riefen mir einige Beobachter zu, als der DAX nicht nur die 12.000er Marke am vergangenen Montag mit Leichtigkeit überwand, sondern mit dem dritten Allzeithoch innerhalb von einer Woche in atemberaubendem Tempo sogar die 12.200 nahm. Auch ich kam für einen Moment ins Grübeln, ob es das denn nun für den DAX nach oben gewesen sein sollte. Aber die Zahl der skeptischen Stimmen und Kommentare sowie aufgaloppierende „Blasenbeschwörer“ waren für mich ein Zeichen dafür, dass es wohl immer noch zu wenige bullishe Positionen geben würde. Ganz abgesehen davon, dass Euphorie nur bei wenigen Akteuren aufgekommen sein dürfte. Am ehesten trifft eine derartige Gemütsverfassung auf eine kleine Gruppe von Privatanlegern zu, die sich dennoch die Augen gerieben haben dürften. Gerade bei Gewinnern ist derzeit so viel Durchhaltevermögen gefragt, denn die Versuchung, sehr große aufgelaufene Profite endlich zu realisieren, ist mächtig. So habe ich mir schon die Frage gestellt, was einem eigentlich schwerer fällt: Verluste frühzeitig zu begrenzen oder Gewinne laufen zu lassen. Für mich ist es letzteres.</p>
<p>Die jüngste Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt hat meine Vermutung bestätigt. Warum die Kapitulation der institutionellen Marktteilnehmer auch in dieser Woche nicht stattgefunden hat, können Sie in meinem Kommentar, den ich wie immer für die Börse Frankfurt erstellt habe, <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+hoffen+auf+die+grosse+abwaertskorrektur+80889"><strong>HIER</strong></a> nachlesen.</p>
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		<title>Teures Unterfangen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2015 06:50:07 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) tatsächlich die Interventionsgrenze des Franken im Verhältnis zum Euro von 1,20 CHF aufgegeben. Naturgemäß haben die Märkte darauf mit einem Schock reagiert. Gleichwohl spielt es für mich eine eher untergeordnete Rolle, auf welchem Niveau sich der Wechselkurs des Franken in den kommenden Tagen etablieren wird. Immerhin ist es der [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) tatsächlich die Interventionsgrenze des Franken im Verhältnis zum Euro von 1,20 CHF aufgegeben. Naturgemäß haben die Märkte darauf mit einem Schock reagiert. Gleichwohl spielt es für mich eine eher untergeordnete Rolle, auf welchem Niveau sich der Wechselkurs des Franken in den kommenden Tagen etablieren wird. Immerhin ist es der SNB gelungen, seit Herbst 2011 den von ihr gewünschten Wechselkurs standhaft zu verteidigen – damals und zuletzt im Dezember 2014 hatte die Nationalbank immer wieder betont, sie werde ausländische Valuten (notfalls in unbegrenzter Höhe) kaufen, um dieses Ziel zu erreichen. Damals sprach ich von einem schweren Sündenfall (vgl. <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ein-schwerer-sundenfall/"><strong>HIER</strong></a>), zumal sich seinerzeit keine andere Zentralbank finden wollte, die die SNB in ihrem Vorhaben unterstützte. Psychologisch gesehen war dies ein riesiges eskalierendes Commitment, das über die Jahre mit einer massiven Erhöhung der Währungsreserven einherging. Diese erfahren nun mit der gestrigen Entscheidung der SNB eine kräftige Abwertung, die sie Milliarden Franken kosten wird.</p>
<p>Auf den ersten Blick dürfte sich die SNB mit der Aufgabe der Interventionsgrenze einen massiven psychologischen Vertrauensverlust eingehandelt haben. So stellte sich mancher Händler in einer ersten Reaktion die Frage, ob denn die Zentralbank völlig die Kontrolle über das Marktgeschehen verloren habe, wenn sie so heftig reagiere. Wie stünde es in einer vergleichbaren Situation um das Versprechen der Europäischen Zentralbank, für die Stützung des Euro alles Erdenkliche zu tun? – Ein Gedanke, der in diesem Augenblick so manchem Devisenhändler durch den Kopf gegangen sein mag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Kapitulation</strong></p>
<p>Bei genauerem Hinsehen kann man sich natürlich auch darüber streiten, ob angesichts eines bevorstehenden quantitativen Lockerungsprogramms der EZB, das mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit den Euro weiter geschwächt hätte, ein stures Festhalten am 1,20er Interventionskurs tatsächlich sinnvoll gewesen wäre. Wenn mancher Kommentator nun von einer Kapitulation der SNB spricht, hat er natürlich Recht, denn mit der Aufgabe des Interventionskurses entstehen nach dem Anstieg der Währungsreserven auf zuletzt (Oktober 2014) mehr als 500 Milliarden Franken mit einem Schlage riesige (Buch)verluste. Zur Erinnerung: Jene Reserven betrugen im August 2011, also kurz vor Einführung der Euro-Untergrenze zum Franken, noch 253 Milliarden Schweizer Franken. Kritiker sollten allerdings auch nicht vergessen, dass der Wechselkurs des Franken seinerzeit, bevor eine möglichen Bindung der Schweizerischen Währung an den Euro angekündigt wurde, schon einmal aufgrund der damaligen massiven Kapitalzuflüsse in die Schweiz ein Niveau von zutiefst 1,0070 CHF pro Euro erreicht hatte. Ein Kurs, der gestern – allerdings nur kurzzeitig – in einer ersten Panik deutlich unterschritten wurde.</p>
<p>Es ist müßig, darüber zu debattieren, ob eine andere Strategie der SNB – etwa verdeckte Interventionen im freien Markt – besser gewesen wäre oder weniger Geld gekostet hätte. Wie auch bei anderen Ereignissen in der Geschichte der Devisenmärkte hat sich erneut gezeigt, dass sich keine Zentralbank der Welt (vgl. etwa die Bank von Japan oder die Bank von England) langfristig erfolgreich gegen große Kapitalflüsse stemmen kann. Dass dies der SNB – ungeachtet aller Nachteile, die nun für die Notenbank und Schweizerische Wirtschaft entstehen – über mehr als drei Jahre hinweg gelungen ist, bleibt für mich als ehemaligem Devisenhändler dennoch bemerkenswert.</p>
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		<title>Todsünde Trägheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 06:50:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel Die Börse und das Böse Teil III geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/die-borse-und-das-bose-iii/" target="_blank"><i>Die Börse und das Böse Teil III</i> </a>geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielt, weshalb ich noch einmal gesondert darauf eingehen möchte.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a><span id="more-6297"></span></p>
<p>In der Behavioral Finance würde man in erster Linie von einer Trägheit bei Entscheidungen sprechen, und diese kann sich sowohl an den Finanzmärkten als auch im Privatleben fatal auswirken. So empfinden viele Menschen eine große Aversion dagegen, überhaupt Entscheidungen zu treffen – am liebsten würden sie sich ganz davor drücken, aber primär nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie davor zurückschrecken, Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidung zu übernehmen und überhaupt irgendein Commitment einzugehen. Wenn überhaupt, dann treffen sie bestenfalls Entscheidungen, mit denen sie ohnehin den gesellschaftlichen Normen und Moden entsprechen. Daraus ergibt sich auch eine gewisse konservative Haltung, die Neigung, alles so zu belassen, wie es ist. In der Behavioral Economics spricht man auch von der so genannten Status-quo-Bias.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Entscheidungsträgheit bei hohen Einsätzen</b></p>
<p>Entscheidungsträgheit stellt sich vor allem dann ein, wenn es um hohe Einsätze, um ein hohes Commitment geht. Doch sollte man dabei generell zwischen Gewinn- und Verlustsituationen unterscheiden. Denn die meisten Menschen zeigen sich, wenn es um Gewinne geht, wesentlich entscheidungsfreudiger – schließlich winkt auf der anderen Seite auch eine greifbare Belohnung. Umgekehrt verhält es sich bei Verlusten, die per se nicht nur die Bindung, das so genannte Commitment einer Entscheidung erhöhen, sondern die man naturgemäß auch nicht gerne realisieren möchte. Da ist Entscheidungsträgheit durchaus verständlich, aber dennoch manchmal mit katastrophalen Konsequenzen verbunden.</p>
<p>Dramatisch wird Trägheit vor allen Dingen in extremen Situationen, wenn man so hohe Verluste aufgehäuft hat, dass man sie materiell oder moralisch kaum mehr rechtfertigen kann. Bis zur Kapitulation sind es im übertragenen Sinne nur noch wenige Meter. Trotzdem versuchen die meisten Menschen selbst hier, weitere Entscheidungen möglichst zu umgehen. Wenn man Anleger fragt, was sie lieber erleben möchten: Am Extrempunkt, am ungünstigsten Punkt einer Bewegung, einen Verlust zu realisieren oder nichts zu tun, werden sich die meisten für das Nichtstun entscheiden. Denn das Schlimmste, was einem passieren könnte, wäre, dass sich die Kapitulationsentscheidung auch noch als falsch herausstellt und die Kurse etwa nach dem Verkauf verlustbringender Aktien anschließend wieder nach oben gehen. Das würde man dann zusätzlich bedauern müssen.</p>
<p>Zur Entscheidungsträgheit gehört natürlich auch die so genannte Prokrastination, das Aufschieben von unangenehmen Entscheidungen. In der Gegenwart wird die Realisierung eines Verlustes vermieden oder auch ein Verzicht nicht geleistet, selbst wenn man weiß, dass Handeln langfristig profitabler oder gesünder wäre als Aussitzen. Zudem wird ein in der Zukunft liegender Gewinn oder Verlust von den Menschen mit abnehmender Sensitivität – und zwar wesentlich stärker, als man sich das vorstellen kann – wahrgenommen, sprich diskontiert. Klar, dass man heute als Raucher nicht gerne auf eine Zigarette verzichtet, obgleich dies langfristig gesünder ist; sich zu sagen: „Morgen höre ich auf!“ fällt dagegen viel leichter. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kalorienverbrauch für Übergewichtige oder aber auch mit dem Konsumverzicht in der Gegenwart zu Gunsten einer gesicherten Altersvorsorge in der Zukunft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Religion als Hilfestellung</b></p>
<p>Mit welcher Tugend könnte man der Todsünde der Trägheit begegnen? Den sieben Lastern wurde im Mittelalter immerhin ein Katalog himmlischer Tugenden (nach Aurelius Prudentius) gegenübergestellt. Gegen Faulheit soll demnach eine Portion Fleiß helfen. Heute sollte man vielleicht Fleiß durch Disziplin ersetzen. Und Disziplin erreicht man vor allen Dingen durch Pläne, aber, was noch wichtiger ist, vor allem auch durch deren Einhaltung. Mehr noch aber sollte man stets im Auge behalten, was einen langfristig glücklich machen könnte. Denn in mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich nicht zu entscheiden kurzfristig zwar als angenehmer empfunden wird, als eine Entscheidung zu treffen, langfristig sich aber derjenige glücklicher fühlt, der ein Problem angepackt hat, statt nichts zu tun.</p>
<p>Einen strukturierten Handlungsplan bietet übrigens auch die Religion, von der der Kanon der Todsünden ja ursprünglich stammt. Auch setzt die Religion andere Referenzpunkte, bietet einen Neubeginn an sowie, gerade in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, ein Gerüst der Traditionen und der immer wiederkehrenden Feiertage. Und gerade diese können für Entscheider in jedweder Hinsicht einen Freiraum eröffnen, um innehalten und mit den erlittenen Verlusten Frieden machen zu können.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dieses Thema war am 28. Juni 2013 Gegenstand des dritten Teils einer Trilogie für WGZ cognitrend WebTV</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/todsunde-tragheit/">Todsünde Trägheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Europa und das eskalierende Commitment</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 06:55:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am vergangenen Wochenende war ich bei einem Freund eingeladen, und natürlich musste das Gespräch auf die europäische Schuldenkrise kommen. Dabei ging es ausnahmsweise einmal nicht um die Frage, wie man sein eigenes Geld in Sicherheit bringen könne. Und auch nicht darum, wohin die Krise Deutschland noch führen werde. Vielmehr fragte mein Gegenüber, ob man diese [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/europa-und-das-eskalierendes-commitment/">Europa und das eskalierende Commitment</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Wochenende war ich bei einem Freund eingeladen, und natürlich musste das Gespräch auf die europäische Schuldenkrise kommen. Dabei ging es ausnahmsweise einmal nicht um die Frage, wie man sein eigenes Geld in Sicherheit bringen könne. Und auch nicht darum, wohin die Krise Deutschland noch führen werde. Vielmehr fragte mein Gegenüber, <span id="more-2786"></span>ob man diese Rettungsorgie nicht besser stoppen solle, da sich ja immer deutlicher zeige, dass das Hilfspaket für die strauchelnden Länder der Eurozone von Tag zu Tag größer und umfangreicher würde. Am Anfang habe es sich noch um halbwegs überschaubare Hilfsmittel für die in Not geratenen Partner gehandelt, mittlerweile sei man aber bei Billionen schweren Beträgen gelandet, und immer noch nicht sei ein Ende abzusehen. Von einer seriösen Finanzierung könne ja außerdem nicht die Rede sein, da man auf Instrumente wie den EFSF-Hebel oder Zweckgesellschaften für die Schaffung strukturierter Produkte zurückgreifen müsse – also jene riskanten Strategien befolge, die einst die Immobilienkrise in den USA ausgelöst hatten. Im Prinzip, so meinte mein Freund, verhalte sich Europa nicht anders als ein Händler, der seine Verluste auf jede erdenkliche Art wieder wettmachen will. Wie er versuche man nun, durch so genanntes „Hinzumischen“ neuer Engagements zu bestehenden Positionen, die bereits in den Verlustbereich abgerutscht seien, den Einstandspreis scheinbar zu verbilligen. Aber die Eurozone dürfe sich doch nicht wie ein Kerviel oder Adoboli gerieren, empörte sich mein Gesprächspartner. Schließlich hatten diese Hasardeure durch ihr skrupelloses und unverantwortliches Vorgehen während der Finanzkrise Milliardenverluste verursacht.</p>
<p>Leider konnte ich die Sorgen meines Freundes nicht zerstreuen. Denn auch aus psychologischer Sicht stellt sich die Lage als bedenklich dar. So sind die europäischen Regierungen meines Erachtens ein hohes Commitment eingegangen. Und diese Bindung an eine einmal gefällte Entscheidung hat sich mittlerweile auch noch unglaublich verstärkt, nicht nur wegen der Angst vor möglichen Verlusten, die naturgemäß das Commitment der Handelnden erhöht. Vielmehr haben Politiker generell eine sehr große Selbstverpflichtung gegenüber dem, was sie tun oder versprechen zu tun, weil sie immer im grellen Licht der öffentlichen Beobachtung agieren müssen. Und diese Bindung macht es ihnen praktisch unmöglich, selbst bei hohen Verlusten eine einmal eingeschlagene Strategie zu revidieren. Kommt noch eine Normabweichung hinzu – in diesem Fall die Missachtung der zuvor getroffenen Vereinbarung, im Zweifel Nachbarländern finanziell nicht aus der Patsche zu helfen – gibt es gar kein Zurück mehr.</p>
<p>Und so bleiben auf den ersten Blick nur zwei Lösungsmöglichkeiten: Entweder gelingt die Rettung der Eurozone unter Einsatz vermutlich selbst noch aus heutiger Sicht ungeheurer Mittel. Oder die Politiker kapitulieren eines Tages, was einer Aufgabe des Projektes Europa gleichkäme. Denn die hohen Commitments aller Beteiligten verringern die Wahrscheinlichkeit eines Stopp-Loss, was in diesem Falle nichts anderes hieße, als die Rettungsaktion für die notleidenden Staaten sofort abzubrechen, auf ein Minimum. Diese starke Bindung an eine einmal gefällte Entscheidung kann letztlich nur durch neue Entscheider gelöst werden – wie im Fußball, wo ein neuer Trainer manchmal Wunder bewirken kann. In Europa weisen Regierungswechsel bereits in diese Richtung. Allerdings konnten jene bis jetzt kaum Veränderungen bewirken, da es in vielen europäischen Partnerländern, allen voran Frankreich und Deutschland, noch nicht zu einem Machtwechsel gekommen ist. Und so werden die Commitments – und damit die Risiken einer Ausweitung der Krise – mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter eskalieren.</p>
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