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	<title>Gier Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Auf jede Euphorie folgt irgendwann die Strafe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2021 05:54:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten der vorangegangenen Handelstage war der gestrige eher als Ruhetag zu verbuchen. Es ist ja auch nicht ganz einfach, immer wieder die gleiche Story zu spielen, sprich das US-Stimulus-Paket, das, wenn alles gut geht, einen Umfang von etwa 1,9 Billionen USD haben soll. Dabei geht die Bandbreite der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten der vorangegangenen Handelstage war der gestrige eher als Ruhetag zu verbuchen. Es ist ja auch nicht ganz einfach, immer wieder die gleiche Story zu spielen, sprich das US-Stimulus-Paket, das, wenn alles gut geht, einen Umfang von etwa 1,9 Billionen USD haben soll. Dabei geht die Bandbreite der Kommentare bezüglich des Programms von „willkommen und unbedingt notwendig“ bis hin zu „überzogen und inflationstreibend“; auch dass das Programm den Falschen zugutekäme und womöglich die Spekulationssucht an den Aktienmärkten fördere, ist mancherorts zu lesen.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13068" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Alles bestens unter Kontrolle </strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber ebenso ist von zügelloser, kaum noch kontrollierbarer Gier die Rede. Und wenn es einmal eine Korrektur bei den großen Aktien-Indices gibt wie beispielsweise in der vorvergangenen Woche in Folge des „Aufstands der Privatanleger“ (Stichwort GameStop), ist das für die Finanzmarktteilnehmer längst nicht mehr ein Grund, richtig Angst zu bekommen. Auch wenn die Korrektur eine Größenordnung von 3 bis 5 Prozent erreicht.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ich habe nicht gezählt, wie oft es in den vergangenen Monaten, aber auch vor Beginn der Covid-19-Pandemie, zu solchen Kaufgelegenheiten gekommen ist, die sich im Nachhinein wie Geschenke für kaufwillige Investoren angefühlt haben. Man könnte es auch anders ausdrücken: Mit jedem Rücksetzer am Aktienmarkt, der anschließend von einer noch stärkeren Rallye abgelöst wird, erhöht sich das Gefühl der Akteure, den Markt immer besser unter Kontrolle zu haben. Und genau das führt zu Overconfidence und oft zu Gier.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Angstfreie Gier</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wenn dann irgendwann überhaupt keine Angst mehr im Spiel ist, also sozusagen eine angstfreie Gier herrscht, könnte man auch von einer Kontrollillusion sprechen, deren Kennzeichen die Euphorie ist. Auch wenn niemand sagen kann, wie viel Euphorie die globalen Aktienmärkte noch vertragen, ist der warnende Zeigefinger vor allem in Interviews mit erfahrenen Tradern förmlich zu spüren, und die insgeheime Botschaft lautet, dass bislang auf jede Euphorie eine Strafe gefolgt ist. Unklar bleibt allerdings, wann dieser Fall eintritt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… und undisziplinierte Analysten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Während es also an den Aktienmärkten ruhig zuging, gilt dies nicht für das Verhältnis des Euro gegenüber dem US-Dollar. Denn die Gemeinschaftswährung hat sich gestern vor allem für den Geschmack technisch orientierter Analysten mancherorts etwas zu deutlich befestigt. Die Rede ist von der Head &amp; Shoulders-Umkehrformation, die doch vor einigen Tagen (vgl. meinen Kommentar <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2021/02/03/hingefallen/" target="_blank" rel="noopener">HIER</a></strong></span>) ein klares Verkaufssignal gegeben hatte. Nun ist diese ausgesprochen beliebte Formation, je nachdem, wann man deren Scheitern zugeben möchte, gestern zumindest nach den Gesetzen mancher Lehrbücher zerstört worden. Auch wenn sich der ein oder andere Analyst, wie ich im Internet lesen konnte, noch ein Hintertürchen offen lässt und lieber abwarten möchte, ob die Formation doch noch funktioniert. Aber ein Hintertürchen dieser Art ist eigentlich nichts anderes als ein Stopp-Loss, eine Verlustbegrenzung, die nicht befolgt wird. Wo doch gerade die Techniker unter den Analysten immer wieder Handels-Disziplin anmahnen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Für uns ist der Euro gestern mit Überschreiten von 1,2095/00 zumindest soweit gestiegen, dass sich seine Lage etwas stabilisiert hat. Ohne dass dabei derzeit die Bäume in den Himmel wachsen (möglicherweise bis <strong>1,2200</strong>). Mit anderen Worten: Es spricht kurzfristig viel für eine fortgesetzte Seitwärtsbewegung, innerhalb derer die Gemeinschaftswährung oberhalb von <strong>1,20010/15</strong> in stabilem Fahrwasser bleibt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Ein denkwürdiges Jubiläum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Nov 2016 10:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute wird die T-Aktie 20 Jahre alt – wahrscheinlich nicht für jeden ein Grund zum Feiern. Und wenn ich heutzutage bei Veranstaltungen oder auch in meinem Bekanntenkreis nachfrage, wer denn noch T-Aktien von damals im Depot habe, sind es doch immer noch überraschend viele, die diesem Wert die Treue gehalten haben. Sicherlich nicht immer aus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8860 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro-300x114.jpg" alt="Fotolia Mikro" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro.jpg 695w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Heute wird die T-Aktie 20 Jahre alt – wahrscheinlich nicht für jeden ein Grund zum Feiern. Und wenn ich heutzutage bei Veranstaltungen oder auch in meinem Bekanntenkreis nachfrage, wer denn noch T-Aktien von damals im Depot habe, sind es doch immer noch überraschend viele, die diesem Wert die Treue gehalten haben. Sicherlich nicht immer aus Überzeugung und wegen großer Erfolgsaussichten der Aktie, sondern häufig leider wegen teils horrender Buchverluste, die bis heute nicht realisiert worden sind.</p>
<p>Die T-Aktie war vor 20 Jahren der Beginn dessen, was man seinerzeit mit dem Begriff Börsenkultur verband. Und tatsächlich konnte die Aktie anfangs vom damaligen Börsenboom profitieren, der kurz nach der Jahrtausendwende dann sein jähes Ende fand. Viele Menschen, die auch aufgrund teils massiver Werbung zum allerersten Mal eine so genannte Volksaktie ihr Eigen nennen konnten, mussten in den folgenden Jahren erleben, dass es an der Börse eben nicht nur nach oben geht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Klassiker der Behavioral Finance</strong></p>
<p>Hatten die Akteure am Anfang noch die Erwartung, dass es sich bei den Kursrückgängen, die im Februar 2000 begannen, nur um „gesunde Korrekturen“ handelte, sollte sich dies später als Trugschluss herausstellen. Dennoch wurden viele schal gewordene Engagements ausgesessen, mancherorts gar zusätzlich in den fallenden Markt durch Hinzukäufe erhöht, um den Einstandspreis der früheren Transaktionen so zu „verbilligen“. Letztlich natürlich mit der Absicht, noch mit einigermaßen heiler Haut aus der ganzen Geschichte herauszukommen, wenn sich der Kurs erst einmal erholt hätte. Viele Anleger von damals haben selbst diese verbilligten Einstandspreise nie mehr wiedergesehen und wären heute vermutlich bereit, sogar  zu erheblich niedrigeren Preisen (um 18 Euro herum?) ihre T-Aktien aus ihren Depots zu werfen.</p>
<p>Die T-Aktie steht also für all das was man an der Börse an emotionalen Zuständen erleben kann: Hoffnung, Freude, Gier, Euphorie, Angst, Panik und manchmal auch Verzweiflung. Und wenn man Entscheidungen von Börsianern aus Sicht der Behavioral Finance beurteilen möchte, dient die Entwicklung der T-Aktie als klassisches Beispiel dafür, was man an den Finanzmärkten richtig und was man alles falsch machen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Special von börse.ard.de</strong></p>
<p>Das Jubiläum war daher für börse.ard.de Grund genug, ein Special online<strong> <em>20 Jahre T-Aktie: Ein Phänomen an der Börse</em></strong> zu produzieren, in dem<strong>,</strong> neben vielen bekannten Zeitzeugen<strong>,</strong> auch ich zum Interview gebeten wurde. Das komplette Special finden Sie <span style="color: #808000;"><a style="color: #808000;" href="http://multimedia.boerse.ard.de/20-jahre-t-aktie#2728" target="_blank"><strong>HIER</strong></a> </span>und meinen eigenen Beitrag <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://multimedia.boerse.ard.de/20-jahre-t-aktie#2526" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>.</p>
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		<title>Nichts für Kleinanleger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2014 11:42:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Bitcoins]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich gestern den Finanzteil der FAZ aufschlug, erschien mir die Welt der Finanzmärkte zumindest an diesem Tag als durch und durch schlecht. Denn die drei wichtigsten Überschriften handelten vom Debakel bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox, der Verurteilung des einstigen „Börsengurus“ Markus Frick und von Insider-Trading. Zu den Bitcoins hatte ich ja immer schon ein gespaltenes [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gestern den Finanzteil der FAZ aufschlug, erschien mir die Welt der Finanzmärkte zumindest an diesem Tag als durch und durch schlecht. Denn die drei wichtigsten Überschriften handelten vom Debakel bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox, der Verurteilung des einstigen „Börsengurus“ Markus Frick und von Insider-Trading. Zu den Bitcoins<span id="more-6962"></span> hatte ich ja immer schon ein gespaltenes Verhältnis gehabt und ich glaube auch nicht, dass die Ereignisse um die einst bedeutendste Bitcoin-Börse Mt.Gox vertrauensbildend für das Unternehmen Bitcoin gewesen sind. Denn was da geschehen ist, kann auch andernorts passieren. Gott sei Dank hat der Kurssturz an dieser Börse wahrscheinlich kein Heer von Kleinanlegern erwischt. Vielmehr dürften es erfahrenere Investoren gewesen sein, die hier ihr Glück versucht hatten. Und als regelmäßiger Leser meines Blogs werden Sie sich womöglich daran erinnern, dass auch ich im vergangenen Jahr kurz davor gestanden hatte (lesen Sie mehr dazu <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/muenzen-manie/">hier</a></span></strong> und <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/verpasste-gelegenheit/">hier</a>)</strong> </span>bei Mt.Gox Bitcoins, damals zum Stückpreis von 220 €, zu erwerben. Daraus ist glücklicherweise nie etwas geworden, aber ich kann mich noch gut erinnern, wie mir einer meiner Mitstreiter damals fast jeden Tag das von ihm für möglich gehaltene Kursziel von 5.000 bis 10.000 Euro pro Coin unter die Nase hielt. Als ob er mir immer wieder durch die Blume sagen wollte: „Hättest du doch nur auf mich gehört!“. Ja, ich gebe zu, das hat erhebliche kognitive Dissonanzen bei mir ausgelöst. Damit ist jetzt aber Schluss, denn ich weiß nicht, ob ich meine damals potenziell erworbenen zwei, drei Bitcoins tatsächlich jemals wieder gesehen hätte.</p>
<p>Markus Frick interessiert mich indes nicht so sehr, obgleich ich mich zu diesem Thema bereits im April 2011 (<strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/jenseits-von-gut-und-bose-todsichere-strategie/">hier</a></span></strong>) geäußert hatte und heute eigentlich erstaunt bin, wie viele Menschen Frick nach dem damaligen Gerichtsurteil offenbar dennoch wieder um sich scharen konnte. Offensichtlich unbelehrbare Jünger, die nicht nur seinen Worten gelauscht haben, sondern sicherlich auch das ein oder andere Engagement aufgrund der heißen Empfehlungen eingegangen sein dürften. Ja, Charisma gepaart mit hohem Gewinnversprechen lassen bei manchem Anleger anscheinend immer noch die Vernunft-Sicherungen durchbrennen.</p>
<p>Überlegter scheinen es indes die Anleger anzugehen, die die Börse Frankfurt allwöchentlich befragt und deren Stimmung mein Kollege Gianni Hirschmüller (<strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+verhaltener+dax+ruecksetzer+zieht+sofort+kaeufer+an+64369">hier</a></span></strong>) kommentiert hat. Denjenigen, die sich an dieser Stelle in der Vergangenheit über die Erkenntnisse der Detailanalyse informiert haben, muss ich leider mitteilen, dass diese Daten ab sofort nicht mehr erhoben werden. Dies ist umso bedauerlicher, da die Ergebnisse dieser zusätzlichen Befragung einen erheblichen Beitrag zur Qualität unserer Behavioral Finance orientierten Analysen geliefert haben.</p>
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		<title>Bücher sind uncool</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 07:36:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Werbespot, der bereits seit einigen Monaten immer wieder auf einigen Fernsehkanälen zu sehen ist, regt mich ganz besonders auf. Er ist Bestandteil einer Kampagne der Direktbank Cortal Consors, ist in schwarz-weiß gedreht und scheint auf den ersten Blick sogar recht lustig zu sein. Gezeigt wird eine Buchhandlung, in der ein von den Büchern offensichtlich [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Werbespot, der bereits seit einigen Monaten immer wieder auf einigen Fernsehkanälen zu sehen ist, regt mich ganz besonders auf. Er ist Bestandteil einer Kampagne der Direktbank Cortal Consors, ist in schwarz-weiß gedreht und scheint auf den ersten Blick sogar recht lustig zu sein. Gezeigt wird eine Buchhandlung, <span id="more-6904"></span>in der ein von den Büchern offensichtlich überforderter Börsenanfänger von einem Angestellten in Sachen „aussagekräftige Finanzliteratur“ beraten wird. Der Kunde hält das Buch an sein Ohr, lässt es auf und zu schnappen und erklärt dem Verkäufer: „Sagt mir gar nichts. Oder hören Sie etwas?“ Die erste Assoziation, die dieser Spot bei mir hervorrief, war: Bücher lesen ist altmodisch und bringt nichts. Und so mag es vielen anderen Menschen, besonders aber Jugendlichen und Schülern, beim Genuss dieses Werbespots auch ergangen sein. Mit der Schlussfolgerung: Lesen ist out und uncool.</p>
<p>Jetzt könnte man natürlich einwenden, Erfolg in den Finanzmärkten könne sich ja auch niemals der Lektüre von Fachbüchern verdanken, sondern sei vielmehr eine Frage von Erfahrung. Ich selbst kann mich noch daran erinnern, dass ich während meiner ersten Tagen als Devisenhändler einen Kollegen nach einschlägiger Literatur fragte und dieser mir mit einem Achselzucken entgegnete: „Das brauchst du nicht, wir machen hier learning by doing.“ Am Ende habe ich genau auf diese Weise meinen Beruf erlernt, aber während der Ausbildung stand mir ja auch immer jemand zur Seite, der mich im Zweifel an die Hand nahm und vor allzu großen Dummheiten bewahrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Probleme mit der Prozentrechnung</b></p>
<p>Dieses Glück haben viele Normalverbraucher nicht. Die Wirtschafts- und Finanzbildung ist vielerorts schlecht, und die Menschen haben Probleme mit der Prozentrechnung oder dem Zinseszinseffekt. Oft haben sie keine Ahnung davon, wie sich Preise durch Angebot und Nachfrage bilden und verändern, geschweige, dass sie Produkte verstehen, die sie von ihren Vermögensberatern angeboten bekommen. Eine große Mehrheit – so vermute ich – hat schlicht keine Lust, sich mit Geld und Finanzen auseinander zu setzen, obgleich ihnen immer mehr Eigenverantwortung für die Altersversorgung zugemutet wird.</p>
<p>In den USA hat man immerhin als Folge der Finanzkrise eine Bundesbehörde für Finanz-Erziehung eingerichtet, weil man Analphabetismus in Finanzangelegenheiten als eine der Hauptursachen für die große Rezession ansieht. Und tatsächlich erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, dass die Bürger in Sachen Geld und Finanzen ausgebildet sind. Aber die Hauptursache für die große Rezession in den USA bestand jedoch nicht nur in einer unkontrollierten Vergabe von Hypotheken oder intransparenten strukturierten Produkten der Investmentindustrie. Neben der Unwissenheit des Durchschnittsamerikaners spielten auch die Gier und das Unvermögen, die finanziellen Möglichkeiten adäquat einschätzen zu können, eine große Rolle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Behavioral Economics auf den Lehrplan</b></p>
<p>Doch die Theorie um Geld und Finanzen wirkt für viele grau und langweilig. Wer beschäftigt sich schon gerne mit ökonomischen Gesetzmäßigkeiten oder mathematisch-statistischen Rechnungen, zumal, wenn das Erlernte ohnehin nicht sofort in der Praxis angewendet werden kann. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn etwa eine Meta-Studie in den USA <a title="" href="#_ftn1">[1]</a> zu dem Schluss kommt, dass Erziehung in Finanzdingen einen vernachlässigbaren Einfluss auf die damit einhergehenden Entscheidungen ausübt.</p>
<p>Hoffentlich bekommen die deutschen Kultusminister keinen Wind davon! Zumal deren Mehrheit Ökonomie im Lehrplan lediglich als Ergänzung anderer Fächer sieht. Tatsächlich erkenne auch ich wenig Sinn darin, jungen Menschen lediglich die Erkenntnisse der Standardökonomie zu vermitteln. Denn es reicht beileibe nicht aus, zu wissen, wie ökonomisch sinnvolle Finanzentscheidungen aussehen sollen. Viel wichtiger ist es doch, den Menschen zu vermitteln, wie sie überhaupt zu diesen Entscheidung gelangen, wie sie auf dem Weg dorthin beeinflusst und abgelenkt werden können. Und wie der Erfolg oder Misserfolg einer Entscheidung alle weiteren Maßnahmen beeinflussen kann. Kurzum, es geht um die psychischen Faktoren, die optimale Entscheidungen selbst bei hundertprozentiger ökonomischer Informiertheit regelmäßig verhindern. Basiswissen in Finanzen und Wirtschaft reicht nicht. Vielmehr müssten die Erkenntnisse der Behavioral Economics in den Lehrplan aufgenommen werden. Dabei das ein oder andere Buch in die Hand zu nehmen und auch zu lesen, mag vielleicht nicht immer die Erfahrung mit finanziellen Transaktionen ersetzen. Aber Verständnis für die psychische Funktionsweise des Menschen kann vielleicht verhindern, dass diese Erfahrungen allzu kostspielig werden.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Fernandes, Daniel, Lynch Jr, John. G. &amp; Netemeyer, Richard G. (Jan 2014): <i>Financial Literacy, Financial Education and Downstream Financial Behaviors</i>, Management Science, forthcoming</p>
</div>
</div>
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		<title>Die Börse und das Böse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 14:12:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Kardinaltugenden]]></category>
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		<category><![CDATA[Sieben Todsünden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass vom Verbotenen, Sündigen ein unwiderstehlicher Reiz ausgeht, ist spätestens seit Adam und Eva, also seit es überhaupt Menschen gibt, bestens bekannt. Ganze Industrien leben davon, aber auch viele Romane, Filme und Kunstwerke wären ohne die Lust am Grenzübertritt, am Abbiegen vom rechten Pfad der Tugend nicht denkbar. Immer brav sein ist einfach langweilig. Aber [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-borse-und-das-bose/">Die Börse und das Böse</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass vom Verbotenen, Sündigen ein unwiderstehlicher Reiz ausgeht, ist spätestens seit Adam und Eva, also seit es überhaupt Menschen gibt, bestens bekannt. Ganze Industrien leben davon, aber auch viele Romane, Filme und Kunstwerke wären ohne die Lust am Grenzübertritt, <span id="more-5811"></span>am Abbiegen vom rechten Pfad der Tugend nicht denkbar. Immer brav sein ist einfach langweilig. Aber weil auch das Böse nicht einfach nur böse sein darf, sondern systematisch erfasst und kategorisiert werden muss, hat sich bereits im vierten Jahrhundert ein gewisser Mönch namens Evagrius Ponticus daran gemacht, ein Sündenregister zu erstellen, das dann unter Papst Gregor I. (etwa 540 &#8211; 604) erstmals offiziell katalogisiert worden ist. Demzufolge gibt es sieben menschliche Schwächen und Laster: avaritia (Gier), luxuria (Genusssucht), ira (Zorn), gula (Völlerei), invidia (Neid), acedia (Ignoranz und Faulheit)  und superbia (Stolz). Genau genommen bezeichnen diese so genannten Todsünden schlechte Eigenschaften der Menschen, die zu schweren Verfehlungen und der christlichen Lehre nach letztlich zur ewigen Verdammnis in der Hölle führen können.</p>
<p>Auch an den Finanzmärkten gibt es die Unterscheidung zwischen richtigem und falschem Handeln. Und obwohl die Börse weit weniger eine moralische Instanz zu sein beansprucht als die Kirche, spricht man hier ebenfalls gelegentlich von den Todsünden der Geldanlage<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Aber auch von den Kardinaltugenden der Spekulanten (Kostolany), die da wären: Fantasie, Geduld, Weitblick und Erfahrung. 2011 legte ein Würzburger Emissionshaus sogar einen Fonds auf, der bei seinen Kauf- und Verkaufsentscheidungen die sieben Todsünden mit ins Kalkül einbezieht.</p>
<p>Auch wir von WGZ Cognitrend TV finden das Thema Todsünden spannend und möchten uns daher in einem dreiteiligen Zyklus intensiver damit beschäftigen. Vor allem wird uns dabei interessieren, wie sich die althergebrachten Kategorien von Gut und Böse auf Basis der Behavioral Finance in ein neues, unserer Zeit und unserem Moralcodex entsprechendes Sündenregister übersetzen lassen. Welche Schwächen, Irrtümer und Verfehlungen treten systematisch in den Märkten auf und führen für die Anleger und Investoren mit derselben Regelmäßigkeit zu einer unbefriedigenden Performance? Ja, es gibt auch hier so etwas wie echte Todsünden, jene nämlich, die den Totalverlust bei einem Engagement verursachen können, die wahre Hölle für jeden Börsianer. Aber wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch, war zumindest Hölderlin überzeugt. Deshalb sollen auch die sieben Tugenden bei dieser Betrachtung nicht zu kurz kommen, allerdings sei schon vorab darauf hingewiesen, dass moralisch einwandfreies Verhalten nicht zwangsläufig zu optimalen Anlageergebnissen führen muss.</p>
<p>Auf jeden Fall passt dieses Thema hervorragend in die Karzeit. Und so wird sich <a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/cognitrend-tv/anlegerfehler/index.html" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">der erste Web-TV Beitrag (hier)</span></a> mit den drei Phänomenen: Gier, Maßlosigkeit und Genussucht befassen.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. etwa FAZ vom 28.11.2005 <i>Die sieben Todsünden bei Anlageentscheidungen</i></p>
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		<title>Himmlischer Mehrwert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 07:39:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kürzlich hatte ich Gelegenheit, in einer Frankfurter Kirche einem Streitgespräch zwischen Professor Paul Kirchhof, dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter, und dem früheren Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Wolfgang Huber, zuhören zu dürfen. Es ging um das Ende der Institutionen und über die schleichende Zerstörung von Staat und Kirche. Und beinahe zwangsläufig wandte sich das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich hatte ich Gelegenheit, in einer Frankfurter Kirche einem Streitgespräch zwischen Professor Paul Kirchhof, dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter, und dem früheren Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Wolfgang Huber, zuhören zu dürfen. Es ging um das Ende der Institutionen und über die schleichende Zerstörung von Staat und Kirche.<span id="more-3151"></span> Und beinahe zwangsläufig wandte sich das Gespräch bald dem Thema &#8222;Krise&#8220; zu, der Leerformel für alle Probleme der Gegenwart.</p>
<p>Der Urheber der Krise war schnell ausfindig gemacht:  die „anonymen, verschleierten“ Finanzmärkte. Kein Wunder, dass die Gesprächsrunde sich auch mit den Spekulanten beschäftigen musste, unter denen es, so lernte ich an diesem Abend, gute und schlechte gibt. So steht auf der einen Seite der brave Unternehmer, der Gebrauchsgüter produziert und daher auch –  in einem gewissen Rahmen, versteht sich – einen Mehrwert erzielen darf. Aber auf der anderen Seite lauern die bösen Hedgefonds mit ihren obskuren Derivaten und Hebeln, von denen der einfache Anleger ohnehin nichts versteht. Und, ganz schlimm: die Lebensmittelspekulation einiger Fonds  – bei der Vorstellung des durch höchst spekulative Warentermingeschäfte verursachten Hungers machte sich Betroffenheit auf vielen Gesichtern unter den Zuhörern breit.</p>
<p>Was mir bei all diesen Diskussionen immer wieder negativ auffällt, ist die Unfähigkeit der Experten, dem durchaus wissbegierigen und – wie Paul Kirchhof betonte – keineswegs dummen Zuhörer „die Finanzmärkte&#8220; verständlich zu erklären. Dabei handelt es sich nämlich keineswegs um gefräßige Monster, wie auch Hedgefonds keine geldfressenden Heuschrecken sind, die irgendwo in den Nebeln von Avalon ihr Unwesen treiben. Einzig die Moderatorin des Gesprächs, Gundula Gause, warf in einem kurzen Nebensatz ein, dass wir alle selbst doch Teil der Finanzmärkte seien. Und da hat sie zweifellos Recht. Und dieses „Wir“, das können Menschen sein, die den Wert ihres Ersparten zumindest erhalten wollen. Oder andere, die Ausschau halten, wo sie für ihr Geld die besten Zinsen bekommen. Möglichst sogar ein bisschen mehr als die anderen. Und dieses Ausschau halten nach einer günstigen Gelegenheit  haben schon die Römer mit dem Wort speculari umschrieben.</p>
<p>Nein, wir sollten nicht so tun, als ob wir uns mit einer gewöhnlichen niedrigen Verzinsung zufrieden gäben, wenn es irgendwo anders mehr zu verdienen gibt. Außerdem gewöhnen wir uns recht schnell an dieses Mehr, so dass wir bald noch mehr haben möchten, ein Phänomen, das man landläufig als Gier bezeichnet. Und wenn sich diese Gier in Finanzmarktturbulenzen manifestiert, passt es uns womöglich sogar ganz gut in den Kram, wenn diese gierigen Finanzmärkte anonym, „verschleiert“ wirken, das ist nämlich auch eine Tarnung für uns.  Anders ausgedrückt: die Gier des Einzelnen geht auf in einem abstrakten Gebilde, „den Märkten“, deren Auswüchse wir dann mit Fug und Recht verurteilen dürfen.</p>
<p>Und dann landete die Diskussion beim Matthäus-Evangelium 7,12, wo geschrieben steht, jeder solle den anderen wie sich selbst behandeln. Klar, dass man erwartet, im Gegenzug fürs eigene soziale Verhalten etwas zurückzubekommen. In einer Welt jedoch, in der nur noch wenige Regeln für das ökonomische Zusammenleben zu gelten scheinen, liegt eher die Befürchtung nahe, man könne von anderen übervorteilt werden. Und hier genau kommt der christliche Glaube ins Spiel. So hat die Kirche in der Vergangenheit für ethisch korrektes und soziales Verhalten den Lohn Gottes in Aussicht gestellt. Und sei es, dass dieser erst im Jenseits vergolten wird. Vielleicht ist das ein Grund für den Mitgliederschwund bei beiden christlichen Konfessionen: Die Kirche kann den Mehrwert Gottes nicht mehr vermitteln.</p>
<p>Der Ökonom und Nobelpreisträger Thomas  Schelling hat einmal festgestellt, dass Regeln notwendig sind, um egoistisches Verhalten einzudämmen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Regeln, die uns durch die Deregulierung der Märkte während der vergangenen 30 Jahre womöglich tatsächlich abhandengekommen sind. Regeln, deren Grundlage eine Wertewelt ist, die derzeit weder von Staat noch von der Kirche ausreichend repräsentiert werden kann.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Schelling, Thomas C. <em>Micromotives and Macrobehavior</em>, New York: W. W. Norton, 1978</span></span></p>
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		<title>Zweifelhaftes Recht auf Rendite</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 07:43:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das ist doch die Höhe! dachte ich in einem ersten Reflex, als ich las, dass die mächtigen Hedgefonds laut einem Bericht der „New York Times“ vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen wollen, um ihr Recht auf Rendite einzuklagen. Dies zumindest soll ihr Plan sein, falls Griechenland die Vertragsbedingungen seiner Staatsanleihen ändern und seine Schulden [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist doch die Höhe! dachte ich in einem ersten Reflex, als ich las, dass die mächtigen Hedgefonds laut einem Bericht der „New York Times“ vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen wollen, um ihr Recht auf Rendite einzuklagen. Dies zumindest soll ihr Plan sein, <span id="more-3107"></span>falls Griechenland die Vertragsbedingungen seiner Staatsanleihen ändern und seine Schulden nicht zurückzahlen wird. Denn ein erzwungener Schuldenschnitt sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht, und das gelte in der EU als Menschenrecht, so die Argumentation der Hedgefonds.</p>
<p>Dann aber erinnerte ich mich an einen Beitrag des Politikwissenschaftlers Robert Reich in der FTD vom 18. Januar, der darauf hinwies, dass die gegenwärtige Krise ein Triumph von Verbrauchern und Anlegern über Arbeitnehmer und Bürger sei. Viele von uns nehmen auf irgendeine Weise eine oder mehrere dieser Positionen gleichzeitig ein. Sei es als Anleger, der eine höhere Rendite als sein Nachbar anstrebt – ein Ehrgeiz, der viele beflügelt. Sei es als Verbraucher, der sich aufgrund des riesigen globalen Angebots im Internet den günstigsten Flatscreen oder den nächsten spottbilligen Kurzurlaub sucht. Müßig zu sagen, dass das eine Prozent Überrendite oder aber auch das Schnäppchen &#8222;made in Taiwan, Malaysia oder China&#8220; letztlich von irgendjemandem bezahlt werden muss. Bei Konsumgütern sind dies möglicherweise Kinder, mitunter aber auch Erwachsene, die irgendwo in der Welt, weit weg von hier, unter teils unsäglichen Bedingungen das produzieren müssen, was wir günstig einkaufen. Oder die Billigangebote hierzulande, die nur deswegen möglich sind, weil Arbeitnehmer seit Jahren Reallohneinbußen hinnehmen oder die Niedrigpreise sogar mit ihrer Entlassung bezahlen müssen.</p>
<p>Der Anleger bezahlt den Renditevorsprung gegenüber den anderen normalerweise mit einem höheren Risiko. Auch ich kenne jemanden, der sich mit billigen griechischen Bonds eingedeckt hat, in der Hoffnung oder der vermeintlichen Gewissheit, dass im Zweifel andere einspringen würden, wenn die Rückzahlung nicht mehr gewährleistet ist. Auch Hedgefonds haben darauf gesetzt, indem sie solche Ausfälle nicht nur einfach-, sondern gleich mehrfach versichert haben. Wenn also Investoren meinen, es könne nicht sein, dass Angela Merkel darüber entscheidet, wer Verluste erleidet, dann vergessen sie dabei, dass die deutsche Kanzlerin ihre Bürger verteidigt, um einer Sozialisierung europäischer Verluste zu entgehen.</p>
<p>Ja, fast hat man den Eindruck, die Hedgefonds verhielten sich wie private Verbraucher, die behaupten, falsch beraten worden zu sein, und sich nun auf dem Rechtsweg ihre Verluste wieder zurückzuholen. Warum also regen wir uns auf? Ist nicht jeder von uns ein Schnäppchenjäger? Ist das alles gar nicht so dramatisch, weil manche von uns Anleger, Verbraucher, Arbeitnehmer und Bürger in Personalunion sind? Dann wäre tatsächlich nicht alles so tragisch. Probleme gibt es nur, wenn diejenigen, die den Hedgefonds ihr Geld zur Verfügung stellen, weder Arbeitnehmer noch Bürger unseres Landes sind. Oder sich diese Anleger – und dies dürfte nicht selten der Fall sein – aufgrund der Ungleichverteilung des Vermögens in der Gesellschaft unter den obersten Zehntausend befinden. Dann bekommen wir tatsächlich ein komisches Gefühl. Denn zu den europäischen Menschenrechten gehört nicht nur das Recht auf Eigentum, sondern auch das Recht auf Freiheit, Sicherheit, Arbeit und angemessene Entlohnung. Hoffentlich werden die Richter im Fall des Falles auch das berücksichtigen, wenn es darum geht, ein gerechtes Urteil zu finden.</p>
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		<title>Letzte Station Telefonzelle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 13:15:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[The Winner’s Curse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Draughton ist ein kleines verschlafenes Dörfchen in North Yorkshire (GB). Mit 250 Einwohnern ist es vermutlich so klein, dass selbst der einzige Laden im Jahre 2008 seine Pforten schloss, womit die Dorfbewohner von der Versorgung mit Lebensmitteln abgeschnitten waren. Aber Not macht erfinderisch*. Und so erwarb der Gemeindevorstand eine ausgemusterte rote Telefonzelle und funktionierte sie [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Draughton ist ein kleines verschlafenes Dörfchen in North Yorkshire (GB). Mit 250 Einwohnern ist es vermutlich so klein, dass selbst der einzige Laden im Jahre 2008 seine Pforten schloss, womit die Dorfbewohner von der Versorgung mit Lebensmitteln abgeschnitten waren. Aber Not macht erfinderisch*. <span id="more-271"></span>Und so erwarb der Gemeindevorstand eine ausgemusterte rote Telefonzelle und funktionierte sie kurzerhand zu einer Abholstation um. Dort konnte ein Krämer aus der nächst größeren Nachbargemeinde telefonisch aus Draughton bestellte Waren des täglichen Bedarfs abstellen. Waren, die per Kreditkarte oder mit der Zeitungsrechnung im Voraus beglichen wurden. Interessanterweise wurde von den für jedermann zugänglichen Einkäufen niemals etwas gestohlen – eine Geschichte also, die heutzutage zu schön klingt um wahr zu sein?</p>
<p>In der Literatur gibt es zahlreiche Beispiele, wo das Gute im Menschen dafür gesorgt hat, dass sich die harte ökonomische Prognose glücklicherweise nicht bewahrheitet – laut der klassischen Theorie hätten sich nämlich die meisten von uns in einer solchen Situation bis zu einem gewissen Grade bereichert. Richard Thaler, einer der Großväter der Behavioral Finance, beschreibt in seinem Buch „The Winner’s Curse“ (Der Fluch des Gewinners), wie Bauern in ländlichen Gebieten frisches Getreide unbewacht am Straßenrand anbieten konnten und das Geld dafür tatsächlich in einer an einem Tisch befestigten Spardose landete. Ja, selbst hierzulande gibt es vergleichbare Beispiele, die ein solches Vertrauen rechtfertigen. Man denke nur an die Blumen zum selber pflücken.</p>
<p>Warum also hatte es eine solche Geschichte bis in die sonntägliche Nachrichtensendung gebracht? Seit den frühen Neunziger Jahren, als Thalers Buch auf den Markt kam, hat sich doch an der Ehrlichkeit der Menschen nicht viel geändert. Aber ein Reporter, der den ganzen Tag über Gier, Selbstsucht und Korruption berichten muss, hat womöglich mit der Zeit einen anderen Referenzpunkt im Kopf. Einen der so weit weg ist, dass eine solche Geschichte erwähnenswert ist.</p>
<p>*Die Story erschien am Wochenende in den BBC Nachrichten</p>
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