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	<title>Bezugsrahmen Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Fri, 27 Mar 2015 07:34:36 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Herumgeschubst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2015 07:34:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ganz neu ist das Thema „Nudging“ nun wirklich nicht mehr. Auch ich selbst habe mich dazu bereits mehrfach geäußert (<span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/"><strong>HIER</strong></a></span>, <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/berater-bashing/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/"><strong>HIER</strong></a></span>).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/herumgeschubst/">Herumgeschubst</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ganz neu ist das Thema „Nudging“ nun wirklich nicht mehr. Auch ich selbst habe mich dazu bereits mehrfach geäußert (<span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/"><strong>HIER</strong></a></span>, <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/berater-bashing/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/"><strong>HIER</strong></a></span>). Jetzt hat sich auch Dieter Schnaas von der Wirtschaftswoche (unter dem Titel „Gütiger Himmel!“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>) Gedanken darüber gemacht, wie die Politik mithilfe der Verhaltensökonomie den freien Bürger zum psychopolitischen Objekt degradiert. Damit gesellt sich Schnaas zu der großen Gruppe von traditionellen Volkswirten, die sich gegen eine Politik des so genannten Anstupsens („Nudging“), also gegen einen solchen sanften Paternalismus wehren.</p>
<p>Darunter versteht man die Methode, in der Politik mit geschicktem Anreizen und Argumenten den Bürgern einen Anstoß in die richtige Richtung zu geben, damit sie „bessere“ Entscheidungen treffen. Gleichzeitig bleibt die Freiheit des Einzelnen erhalten, zumal der sanfte Paternalismus den Entscheidern keine Vorschriften macht, was sie zu tun haben. Allerdings kann die beim Nudging häufig benutzte Technik, einen Sachverhalt nicht zu verändern, aber anders darzustellen, großen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Menschen ausüben. Gerade weil Menschen nun einmal Verluste schwerer bewerten als Gewinne in gleicher Höhe, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein Glas als halb voll oder halb leer präsentiert. Mithin als relativen Gewinn oder relativen Verlust.</p>
<p>Natürlich mag Dieter Schnaas – möglicherweise sogar mit einigem Recht – bemängeln, dass Volksvertreter mit dem Geld ihrer Bürger Verhaltensexperten einstellen, denen sie dann den Auftrag erteilen, diejenigen, die ihre Gehälter bezahlen, in gewisser Weise zu „manipulieren“. Und weil die so genannten Nudge-Apologeten angeblich auch noch gleich den Homo Oeconomicus zu Grabe getragen haben, gelten sie ihm als besonders üble Zeitgenossen. Allerdings ist dessen „Leiche“ nicht erst seit dem Ausbruch der Finanzkrise „zur Schändung freigegeben“ wie der Autor des Essays es etwas sehr makaber ausdrückt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aufklärung statt Hexerei</strong></p>
<p>Schon als der Nobelpreisträger Daniel Kahneman gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Amos Tversky vor mehr als 30 Jahren beweisen konnte, dass Menschen mit Verlusten und Gewinnen unterschiedlich umgehen, hätte das dem künstlichen Konstrukt des Homo Oeconomicus einen Todesstoß versetzen müssen. Denn es ist die für nahezu alle Menschen typische Verlustaversion, die dafür verantwortlich ist, dass man nicht gerne ein Gut gegen ein anderes eintauschen möchte, auch wenn beide gleichwertig sind. Der Verlust dessen, was man hergibt, wiegt schwerer als die Freude über das, was man dafür bekommt, und dies ist ein Grund, weshalb eine große Mehrheit von Entscheidern den Status quo gegenüber einer aktiven Entscheidung bevorzugt. Und genau diese Erkenntnis kann man sich zunutze machen, wenn man Menschen zu für sie „besseren“ Entscheidungen anstupsen möchte.</p>
<p>Was jedoch bei der ganzen Diskussion unter den Tisch fällt, bleibt die Tatsache, dass selbst der Status quo einst einmal festgelegt worden sein muss. Und damit verbunden die Fortführung einer früheren Entscheidung, die auf der Präsentation eines bestimmten Sachverhalts beruht. Ein Sachverhalt, der etwa von Marketingstrategen bewusst und womöglich sogar manipulativ dargestellt wurde, oft ohne dass die Betroffenen etwas davon gemerkt haben.</p>
<p>Wer jedoch Behavioral Economics mit der Methode einer gezielten Sinnestäuschung gleichsetzt, handelt nicht nur polemisch. Denn diese immer noch recht junge Wissenschaftsrichtung beinhaltet weit mehr als die Strategie des Nudging und als sanften Paternalismus. Wer sich außerdem darüber beschwert, dass Nudging nur das gemeine Ausnutzen einer Illusion sei und die Erkenntnisse der Behavioral Economics als zersetzend empfindet und als vermeintliche Gralslehre lächerlich zu machen versucht, verpasst eine wichtige Chance. Denn das beste Gegenmittel gegen die beklagte Einflussnahme des Staates ist immer noch Aufklärung, und diese sollte man besser betreiben, statt die wichtigen Erkenntnisse der Wirtschaftspsychologie als Hexerei und faulen Zauber zu denunzieren.</p>
<p>Und zur Aufklärung, wie Menschen tatsächlich wahrnehmen und entscheiden, tragen die Erkenntnisse der Behavioral Economics entscheidend bei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Wirtschaftswoche Nr. 13 vom 23. März 2015</p>
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		<title>Spanische Eröffnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Aug 2012 05:43:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist es also heraus: Spaniens Regierung braucht offenbar gar nicht die 100 Milliarden Euro zur Rettung ihrer maroden Banken, die ihnen die Euro-Retter bereits in Aussicht gestellt hatten. 60 Milliarden seien genug, hat Wirtschaftsminister Luis de Guindos nach Angaben der International Herald Tribune[1] erklärt. Doch Vorsicht: Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich Spaniens Bankensituation [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist es also heraus: Spaniens Regierung braucht offenbar gar nicht die 100 Milliarden Euro zur Rettung ihrer maroden Banken, die ihnen die Euro-Retter bereits in Aussicht gestellt hatten. 60 Milliarden seien genug, hat Wirtschaftsminister Luis de Guindos nach Angaben der International Herald Tribune<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> erklärt. Doch Vorsicht: Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich Spaniens Bankensituation tatsächlich zum Guten gewendet hat. Aber eben auch nicht zum Schlechten. Wie ich bereits Mitte Juni in meinem Blogbeitrag <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/gut-verkauftes-defizit/">Gut verkauftes Defizit </a> gemutmaßt hatte, war der angeblich benötigte Hilfsbetrag von 100 Milliarden Euro ohnehin viel zu hoch gegriffen. So hatte seinerzeit der IWF einen deutlich niedrigeren Betrag veranschlagt. Die Schätzungen lagen damals zwischen 40 und 80 Milliarden Euro, und der jetzt ermittelte Betrag befindet sich, oh Wunder, genau in der Mitte dieser Bandbreite, die allerdings von den meisten Menschen schon längst vergessen worden sein dürfte. Was jetzt für die Wahrnehmung zählt, ist einzig und allein der leicht zu vergegenwärtigende Referenzpunkt der ursprünglich verlautbarten 100 Milliarden Euro. Dagegen sieht ein Hilfsvolumen von „nur“ 60 Milliarden mental zwar immer noch wie ein Verlust aus, der gleichzeitig aber viel geringerer als erwartet ausgefallen ist. Mithin könnte man auch von einem relativen Gewinn sprechen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Cleverer Schachzug</strong></p>
<p>Ein cleverer Schachzug für die Öffentlichkeit also. 60, 80 oder 100 Milliarden: Diese Summen sind so unvorstellbar groß, dass die meisten ohnehin keinen großen Unterschied mehr zwischen diesen Beträgen machen würden. Wohl aber hätten alle erschrocken reagiert, wenn der Betrag zur Rettung spanischer Banken von den Offiziellen womöglich nachträglich noch einmal hätte aufgestockt werden müssen, weil er ursprünglich zu niedrig angesetzt worden war. Das hätten wir in unserer Wahrnehmung wie zwei separate Verluste erlebt. So aber haben wir alle das gute Gefühl, dass es nicht so schlimm gekommen ist, wie wir befürchtet haben. Aber wir sollten uns dennoch darüber im Klaren sein, dass sich im Grunde an der bedenklichen Lage Spaniens rein gar nichts geändert hat.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p>[1] <a href="http://www.nytimes.com/2012/08/27/business/global/spain-expects-to-use-60-billion-of-100-billion-in-banking-rescue-funds.html?_r=1&amp;pagewanted=all">http://www.nytimes.com/2012/08/27/business/global/spain-expects-to-use-60-billion-of-100-billion-in-banking-rescue-funds.html?_r=1&amp;pagewanted=all</a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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		<title>Wie die Altersvorsorge noch unattraktiver wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 07:53:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst hat mein Mitstreiter Herman in einem Blog-Beitrag beschrieben, wie das so genannte Nudging (&#8222;Anstupsen“) bei der  Altersvorsorge funktioniert. Dabei zeigte sich, dass man oft nur den Bezugsrahmen eines Sachverhalts verschieben muss, um Menschen in Richtung einer bestimmten Entscheidung zu beeinflussen. Am Ende läuft es dennoch immer darauf hinaus, dass man in der Gegenwart ein [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small;">Unlängst hat mein Mitstreiter Herman in einem Blog-Beitrag beschrieben, wie das so genannte Nudging (&#8222;Anstupsen“) bei der  Altersvorsorge funktioniert. Dabei zeigte sich, dass man oft nur den Bezugsrahmen eines Sachverhalts verschieben muss, um Menschen in Richtung einer bestimmten Entscheidung zu beeinflussen.<span id="more-2807"></span></span></p>
<p><span style="font-size: small;">Am Ende läuft es dennoch immer darauf hinaus, dass man in der Gegenwart ein Opfer zu Gunsten eines Gewinns in der Zukunft bringen muss, und genau das fällt vielen Menschen schwer. Obgleich einem der Verstand sagt, dass die staatliche Altersvorsorge allein nicht ausreicht, muss der Bauch erst überzeugt werden. Nicht nur weil ein Verlust bei den meisten Menschen mehr als doppelt so schwer wie ein Gewinn in gleicher Höhe wiegt, sondern weil generell Gewinne und Verluste, die in der Zukunft liegen, im Empfinden jedes Einzelnen stark abgewertet (diskontiert) werden. Hier kommt noch hinzu, dass die Folgen der Entscheidung, mehr Geld fürs Alter zurückzulegen, unmittelbar in der Gegenwart erfahren werden, während man sich die positiven Spätfolgen abstrakt vorstellen muss. Will sagen: Damit sich die heutigen Einbußen und der künftige Gewinn an Lebensqualität psychologisch die Waage halten, müsste die Rente um ein Mehrfaches höher sein als die monatlichen Belastungen, die durch die Einzahlungen ins Rentensystem entstehen. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">In früheren Jahren, als die nominalen Renditen langfristiger Anleihen noch hoch waren, konnten von den Anbietern von Renten- und Kapitallebensversicherungen wegen des hohen Zinseszinseffektes attraktive Altersrenten prognostiziert werden. Das Ganze wurde meist auch schön übersichtlich präsentiert, damit sich der Kunde vorstellen konnte, wie sich ein Prozent Zinssteigerung oder ein Prozent Zinssenkung auf seine Rente auswirken würde. Mit nunmehr auch langfristig äußerst niedrigen Zinsen können solche Modellrechnungen selbst bei einem relativ günstigen Garantiezins der Lebensversicherer nicht mehr attraktiv aussehen. Am Ende wird der Sparer in seiner Wahrnehmung für die Altersversorgung vor dem Dilemma stehen, entweder Gefahr zu laufen, real einen Teil seines eingezahlten Kapitals zu verlieren oder höher rentierliche Anlagen zulasten eines höheren Risikos suchen zu müssen. Obgleich sich ceteris paribus an der Realverzinsung seines Investments gegenüber den früheren relativen Hochzinszeiten nichts geändert haben sollte<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Ansonsten steht einer nominal winzigen Verzinsung in der Zukunft ein Verzicht in der Gegenwart gegenüber, den die meisten Menschen auf sich zu nehmen nicht mehr gewillt sind.</span></p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;">Viele Menschen dürften sich angesichts einer hohen und attraktiv aussehenden nominalen Verzinsung kaum die Mühe gemacht haben, die reale Rendite nachzurechnen.</span></p>
</div>
</div>
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		<title>Risikoaversion begünstigt faule Kompromisse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 12:10:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugsrahmen]]></category>
		<category><![CDATA[Kompromiss]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Je mehr schwergewichtige Ökonomen sich in die Debatte einschalten, ob nun Spar- oder Stimulusprogramme für die Rettung der Welt besser seien, desto mehr Beobachter und Kommentatoren entscheiden sich für eine dieser beiden Sichtweisen. Die Folge: Sie konzentrieren ihre Aufmerksamkeit, auf das Für und Wider dieses einen Standpunktes, während sie alle übrigen Lösungsmöglichkeiten meist ausblenden. Anders [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/risikoaversion-begunstigt-faule-kompromisse/">Risikoaversion begünstigt faule Kompromisse</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Je mehr schwergewichtige Ökonomen sich in die Debatte einschalten, ob nun Spar- oder Stimulusprogramme für die Rettung der Welt besser seien, desto mehr Beobachter und Kommentatoren entscheiden sich für eine dieser beiden Sichtweisen. Die Folge: <span id="more-150"></span>Sie konzentrieren ihre Aufmerksamkeit, auf das Für und Wider dieses einen Standpunktes, während sie alle übrigen Lösungsmöglichkeiten meist ausblenden. Anders ausgedrückt: Mit der Entscheidung für eine Sichtweise wird ein so genannter Bezugsrahmen (frame of reference) festgelegt, der nicht folgenlos bleiben dürfte. Denn sowohl Spar- als auch Konjunkturankurbelungsprogramme bergen beängstigende, möglicherweise enorme Risiken. Kurzfristig für die ökonomische Stabilität und langfristig für ein nachhaltiges globales Wachstum. Leicht möglich also, dass man die soeben getroffene Entscheidung für einen der beiden Wege am Ende doch als zu riskant betrachtet. Und so wundert es nicht, dass viele Extrempositionen – jede aus ihrer Sicht, jede von ihrem Bezugsrahmen aus – in Richtung einer weniger risikobehafteten Position korrigiert wird. Und so besteht das Optimum für Anhänger beider Parteien darin, ein bisschen von beidem zu wählen: Das, was wir als Resultat des G20-Gipfels als „wachstumsfreundlichen Defizitabbau“ präsentiert bekamen.              </p>
<p>Bekanntlich sind die meisten Kompromisse nicht optimal, oft sind sie sogar faul. In diesem Falle könnten jedoch Sparprogramme, kombiniert mit halbherzigen Stimuli, nicht nur die Risiken beider Standpunkte in sich vereinen. Mehr noch: Die Vorteile beider Ansätze könnten in Kombination sogar zum Verschwinden gebracht werden. Und so besteht der einzige Vorteil dieses Kompromisses vermutlich darin, dass wir – zunächst noch – nachts besser schlafen können.</p>
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