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	<title>Bezugspunkt Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Alles nur Taktik?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 May 2019 05:02:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Handelskonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> Es mag gestern Marktteilnehmer gegeben haben, die die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Strafzölle auf China-Importe zu erhöhen, mit Entsetzen aufgenommen haben. Denn jetzt war sie wieder da, die alte Drohung des US-Präsidenten, die Zölle auf Importe chinesischer Güter im Volumen von 200 Mrd. USD von derzeit 10 auf 25 Prozent zu erhöhen, falls es bis Freitag ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1210)</strong>             Es mag gestern Marktteilnehmer gegeben haben, die die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Strafzölle auf China-Importe zu erhöhen, mit Entsetzen aufgenommen haben. Denn jetzt war sie wieder da, die alte Drohung des US-Präsidenten, die Zölle auf Importe chinesischer Güter im Volumen von 200 Mrd. USD von derzeit 10 auf 25 Prozent zu erhöhen, falls es bis Freitag keine Einigung im Handelskonflikt geben sollte. Und dazu sollen noch weitere bislang unbesteuerte chinesische Güter im Volumen von 325 Mrd. USD kommen, die dann ebenfalls mit einer Strafsteuer von 25 Prozent belegt werden. Wo es doch in der vergangenen Woche bereits so aussah, also ob ein Kompromiss im Handelsstreit der USA mit China nur noch eine Sache von wenigen Wochen wäre.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-10500" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/05/07052019.jpg" alt="" width="150" height="469" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">          Gleichwohl mag es gestern aber auch Akteure gegeben haben, die zwar ebenfalls leicht aufgeschreckt waren, aber <em>nicht</em> mit Entsetzen reagierten. Ganz einfach, weil die Erfolgsmeldungen in Sachen Handelskonflikt seit Wochen von US-Seite fast einschläfernd immer gleich lauteten. Es gebe sehr gute Fortschritte, hieß es, aber auch noch bedeutende Hindernisse. Insgesamt sei man optimistisch, trugen Vertreter der Trump-Administration gebetsmühlenartig vor. Bis gestern.  </span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">          Natürlich haben sich die Aktienmärkte – darunter ganz besonders der Shanghai Composite mit Verlusten von zeitweise mehr als 6 Prozent – anfänglich mehr oder weniger deutlich abgeschwächt. Aber sie haben sich anschließend auch wieder erholt. Und die Wechselkurse? Die typischen Krisenwährungen Schweizerfranken und Yen waren zwar anfangs gesucht, mussten aber im Verlauf der europäischen Handelssitzung (unter der feiertagsbedingten Abwesenheit japanischer und britischer Händler) diese Gewinne wieder abgeben. Mit anderen Worten: Die Trumpschen Tweets haben längst nicht so eingeschlagen, wie man es vielleicht hätte erwarten können.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Bezugspunkt „100“</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Manche Akteure haben sich vermutlich auch die Frage gestellt, ob die jüngsten Drohungen des US Präsidenten lediglich Teil einer Verhandlungstaktik sein könnten. Dann wäre ja alles nicht so schlimm, so die Schlussfolgerung mancher Kommentatoren. Andere warnten indes davor, dass China womöglich die Verhandlungen ganz abbrechen könnte. Aber gestern Nachmittag schien es so, als ob sich China nicht vollends abwenden würde. Nachdem anfangs noch Meldungen die Runde machten, dass die chinesischen Unterhändler ihre Reise nach Washington – man erwartet dort Morgen eine chinesische Delegation unter Führung des chinesischen Vizepremiers Liu He – verschieben könnte, scheint sich China trotz der Drohungen Trumps kompromissbereit zu zeigen. Zumindest hörte man aus dem Außenministerium, dass eine Delegation nach Washington reisen werde. Allerdings ist unklar, ob der Vizepremier tatsächlich an den Verhandlungen teilnehmen wird und ob die angekündigten 100 Delegierten wirklich anreisen werden. Bereits jetzt scheinen sich Marktstrategen an diesen Bezugspunkt „100“ zu klammern. Denn daran, wie viele Vertreter von den 100 am Ende in die US-Hauptstadt anreisen, lässt sich nach Ansicht einiger Beobachter ermessen, wie es um die Beilegung des Handelskonflikt bestellt ist.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">          Unterdessen war auch der Dollar nur zur Handelseröffnung gestern früh in Australien vorübergehend etwas stärker gefragt, musste aber gegenüber dem Euro seine ohnehin überschaubaren Gewinne (rund 40 Stellen) allesamt wieder abgeben. Erneut wurde gestern wieder klar, dass der schwache Abwärtstrend des Euro (zwischen <strong>1,1270</strong> und <strong>1,1045/50</strong>) selbst unter dem Eindruck ungünstiger Nachrichten derzeit nicht ins Laufen kommt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße Ihre Gültigkeit. Diese beträgt</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Welt ohne Normen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2017 09:27:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Grundrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlversprechen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Donald Trump ist noch keine zwei Wochen im Amt, und schon scheint die Welt wie auf den Kopf gestellt zu sein. Innerhalb kürzester Zeit hat uns der neue US-Präsident vorgeführt, dass es eine neue Unordnung gibt. Aber nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern in vielen anderen Bereichen der Welt verschieben sich derzeit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9391 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S-300x201.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S-768x516.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S.jpg 846w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Donald Trump ist noch keine zwei Wochen im Amt, und schon scheint die Welt wie auf den Kopf gestellt zu sein. Innerhalb kürzester Zeit hat uns der neue US-Präsident vorgeführt, dass es eine neue Unordnung gibt. Aber nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern in vielen anderen Bereichen der Welt verschieben sich derzeit die gesellschaftspolitischen Normen. Und das nicht, wie ich vor einigen Wochen (<a href="http://joachim-goldberg.com/2016/11/14/trump-and-the-new-normal/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a>) noch annahm, langsam und peu à peu, damit wir uns schleichend daran gewöhnen können und sich der Bezugspunkt dessen, was gemeinhin als gesellschaftlich akzeptabel gilt, unmerklich immer mehr verschiebt. Stattdessen hat sich der Maßstab für die Wahrnehmung dessen, was in unseren Augen als ethisch oder politisch korrekt gilt, nicht langsam verändert, sondern scheint zeitweise sogar schon völlig verschwunden zu sein.</p>
<p>Die einen sind schockiert, wenn nicht sogar paralysiert, weil sie nicht damit gerechnet hatten, dass Trump seine extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, tatsächlich auch umsetzen würde. Längst geht es nicht mehr nur um die Diffamierung von Behinderten und Frauen, um die Ausgrenzung von Muslimen, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, die Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern, sondern um nichts Geringeres als die Abschaffung der Gleichheit vor dem Gesetz, der Pressefreiheit, der Menschenrechte und allem, was nach unserem Verständnis die westlichen Demokratien ausmacht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wahlversprechen erfüllt</strong></p>
<p>Längst wird nicht mehr zurückgerudert oder relativiert. Vielmehr hat es den Anschein, als müsste die US-Gesellschaft die neuen Regeln exakt so hinnehmen, wie sie gemeint waren. Hierzulande wenden sich zwar viele Menschen von Donald Trump ab, weil er für die Folter eingetreten ist. Waterboarding gutzuheißen, das geht vielen doch entschieden zu weit. Interessanterweise sind dies aber manchmal dieselben Leute, die mehr oder weniger offen den Hut vor Donald Trump ziehen, weil er (im Gegensatz zu den etablierten Politikern und Parteien) seine Wahlversprechen 100prozentig erfüllt. Auch wenn diese Vorsätze noch so irrsinnig gewesen sein mögen. Hauptsache: erfüllt. Wer sich an seine Versprechen und Zusagen hält, gilt als edel.</p>
<p>Und wenn die Trump‘schen Dekrete bei dem einen oder anderen doch Zweifel und Widersprüche auslösen sollten, beruhigt man sich mancherorts schnell mit positiven Argumenten. Trump habe eine große Vision, etwa den Schulterschluss mit Russland. Das kann nur gut für den Weltfrieden sein.</p>
<p>„Regt Euch doch nicht auf!“, sagen andere. Trump werde schon bald an seine Grenzen stoßen, wenn er erst einmal von seiner eigenen Partei zurückgepfiffen wird. Wo sind eigentlich die Demokraten? In meiner Wahrnehmung wirkten sie bis vor kurzem wie vom Erdboden verschluckt. Immerhin wird protestiert. In der ganzen Welt und innerhalb kürzester Zeit kamen etwa mehr als 4 Millionen Unterschriften online zusammen, um Trump verbal in seine Schranken zu weisen.</p>
<p>Aber dann muss ich wieder lesen, dass der Widerstand in den USA gegen Donald Trump gar nicht originär von Menschen kommt, die ihre bürgerlichen Grundrechte wahrnehmen wollen, sondern dass der Aufstand von steinreichen Persönlichkeiten bezahlt worden sein soll, die immer gerne für Unruhe sorgen. Und deswegen sei der Widerstand auch nichts wert. Eigentlich gebe es ihn gar nicht.</p>
<p>Donald Trumps Botschaft könnte allerdings auch noch anders verstanden werden. Denn wenn es ihm dem Anschein nach mühelos gelingt, in einem Land, das als Wegbereiter von Demokratie und Menschenrechten gilt, innerhalb kürzester Zeit alle Werte der Humanität und Meinungsfreiheit außer Kraft zu setzen, dann muss das doch wie Musik in den Ohren aller selbsternannten Autokraten klingen.</p>
<p>Ist von nun an alles erlaubt?</p>
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		<title>Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 15:20:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/trump-and-the-new-normal/">Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9275 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg" alt="ankerhirn" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, sogar dazu geführt hat, dass viele Wähler bei Umfragen nicht aufrichtig geantwortet haben, aus Angst vor einer möglichen Isolation, wenn sie zu Kandidaten oder Parteien tendierten, die von den Medien und der offiziell vorherrschenden Meinung abwichen. Auch hierzulande galt es bis vor kurzem noch als schick, offiziell den designierten US-Präsidenten Donald Trump abzulehnen, weil er Standpunkte vertritt, die bislang gesellschaftlich als kaum akzeptabel galten.</p>
<p>Das hat sich nun geändert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reset der Normen</strong></p>
<p>Genauso wie die anonyme Masse der US-Amerikaner, die vorgeblich Trump abgelehnt hatte, plötzlich zu einer Mehrheit von Trump-Anhängern mutierte, scheinen dessen Ideen auch hierzulande bei immer mehr Menschen auf Gegenliebe zu stoßen. Und wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz jetzt fordert, dem designierten US-Präsidenten offen zu begegnen und praktisch von vorne anzufangen, indem beide Seiten „auf Null schalten“ und sich gegenseitig eine Chance geben, kann man dies einerseits natürlich als Zeichen des Respekts vor dem US-Wahlergebnis deuten. Zum anderen könnte sich in dieser Aufforderung zu einem Reset aber auch die unbewusste Änderung eines gesellschaftlichen Bezugspunkts dessen, was gemeinhin als akzeptabel gilt, andeuten. Gewissermaßen eine Verschiebung des Maßstabs für die Wahrnehmung dessen, was ethisch oder politisch korrekt ist, mithin eine klammheimliche Veränderung von gesellschaftlichen Normen und Referenzpunkten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von extremen Ankern…</strong></p>
<p>Donald Trump und möglicherweise auch seine Berater haben es aus verhaltensorientierter Sicht geradezu meisterlich verstanden, den Bezugspunkt für soziale Normen zu verschieben. Es ist natürlich nicht erwiesen, dass sich Trump tatsächlich bewusst der Methode des Verankerns (Anchoring) aus der Verhaltensökonomik bedient hat. Aber mit seinen extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, hat dies bei den Wählern zu genau einem solchen Effekt geführt. Ursprünglich wollte Trump 11 Millionen illegale Einwanderer ausweisen, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen, die Gesundheitsreform Obamacare abschaffen, Hillary Clinton ins Gefängnis stecken und alles, was nach Establishment aussieht, am liebsten aus der US-Gesellschaft verbannen. Mit der Diffamierung von Behinderten und Frauen, der Ausgrenzung von Hispanics, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, der Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern vertrat der designierte US-Präsident im Wahlkampf Extrempositionen, die weit jenseits des politisch Korrekten anzusiedeln sind. Schlechthin eine Absage an Gleichberechtigung, an eine multikulturelle Gesellschaft, an die Globalisierung, an alles Liberale und Intellektuelle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…zu neuen Bezugspunkten </strong></p>
<p>Mit diesen Extrempositionen wurden zunächst Anker, das heißt neue, für viele Menschen längst nicht mehr akzeptable Bezugspunkte, gesetzt. Und diese haben sie im Hinterkopf behalten, weshalb sie weiterhin eine ganz wichtige Rolle spielen, als Donald Trump nach seiner Wahl mit einem Male einige dieser Extrempositionen korrigierte. Plötzlich beabsichtigt er, „nur“ 3 Millionen Illegale auszuweisen, auch fordert er heute das Ende der Gewalt gegen Minderheiten, die nach Barack Obama benannte Gesundheitsreform wird teilweise beibehalten und selbst über eine strafrechtliche Verfolgung seiner Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre will er noch einmal nachdenken. Im Lichte der im Wahlkampf vertretenen Extrempositionen wirkt dieses Zurückrudern oder Relativieren wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich zuvor noch durch Donald Trumps Äußerungen verletzt und gekränkt fühlten. Mit anderen Worten: Für all diejenigen, die Trump nicht gewählt haben, ist diese Korrektur vormaliger Extrempositionen nichts anderes als ein relativer Gewinn gegenüber vorher Undenkbarem.</p>
<p>Und auch hierzulande sehen sich viele Menschen darin bestätigt, dass auch im Falle Trumps nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde. Mit anderen Worten: Trump und seine sicherlich wegen des Wahlkampfs überzogenen Ansichten seien gar nicht so schlimm und im Grunde habe er in manchen Punkten gar nicht mal Unrecht, räumen einige mittlerweile ein. „Geben wir ihm eine Chance“, fordern daher selbst gemäßigte Zeitgenossen. Immerhin sei er doch demokratisch gewählt, heißt es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie aus „unmoralisch“ relativ „moralisch“ wird</strong></p>
<p>Anhänger der Verhaltensökonomik, insbesondere der sogenannten Behavioral Ethics, wissen jedoch, dass einmal gesetzte Anker trotz besseren Wissens später nur unzureichend korrigiert werden. Aber es geht um mehr. Es ist nicht nur plötzlich legitim, Donald Trump gut zu finden, sondern auch den damit einhergehenden gesellschaftlichen Kulturwandel. Denn die Wahrnehmung dessen, was bislang als politisch oder ethisch korrekt angesehen wurde, hat sich wegen eben jener Verschiebung des Bezugspunktes zwischen Recht und Unrecht verändert. Genauso wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern relativ zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit den moralischen Werten eines „Gut“ und „Böse“. Denn tatsächlich geht es vor allem darum, besser oder schlechter im Vergleich zu anderen zu sein. Und genauso wie man sich an Gewinne und Verluste gewöhnt, kann sich auch die moralische Bewertung im Laufe der Zeit abschwächen. Vor allem auch, weil diese Trennlinie nach einer Weile infolge von Gewöhnungseffekten noch weiteren Veränderungen unterliegt. Und so werden unter diesen neuen Normen und Bedingungen Menschen Dinge tun, die sie selbst vor ein paar Wochen vielleicht nie für möglich gehalten hätten. Es ist die schleichende Veränderung der Normen und der Bezugspunkte, manchmal allein durch das Fortschreiten der Zeit, wodurch wir alle Gefahr laufen, korrumpiert zu werden und das, was wir vormals <strong>absolut</strong> verabscheut hatten, mit einem Male halbwegs, also <strong>relativ </strong>in Ordnung finden.</p>
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		<title>Eine scheinbar klare Sache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2016 15:59:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[US-Präsidentschaftswahl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Den Prognosen zufolge ist die US-Präsidentschaftswahl bereits entschieden. Denn in manchen Polls führt die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, gegenüber Donald Trump mit einem zweistelligen prozentualen Vorsprung. Das scheint auf den ersten Blick für die Finanzmärkte mehr Sicherheit zu bedeuten, denn würde ein Sieg Trumps wahrscheinlicher werden, wäre das gleichbedeutend mit einer steigenden Unsicherheit vor [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-scheinbar-klare-sache/">Eine scheinbar klare Sache</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9223 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/10/Senti_26102016-300x114.jpg" alt="senti_26102016" width="300" height="114" />Den Prognosen zufolge ist die US-Präsidentschaftswahl bereits entschieden. Denn in manchen Polls führt die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, gegenüber Donald Trump mit einem zweistelligen prozentualen Vorsprung. Das scheint auf den ersten Blick für die Finanzmärkte mehr Sicherheit zu bedeuten, denn würde ein Sieg Trumps wahrscheinlicher werden, wäre das gleichbedeutend mit einer steigenden Unsicherheit vor allen Dingen in Wirtschaftsfragen, worauf die Märkte sicherlich mit einer größeren Volatilität reagieren dürften.</p>
<p>Auf den zweiten Blick wird mit dem hohen Vorsprung Clintons ein Referenzpunkt gesetzt, der kaum mehr zu überbieten ist, so dass deren tatsächlicher offizieller Wahlsieg am 8. November möglicherweise zu einem so genannten Non-Event herabgewürdigt werden könnte. Sollte indes der momentan als uneinholbar geltende Vorsprung Clintons doch noch dahinschmelzen, würde einem dann knapp ausfallenden Sieg der demokratischen Bewerberin um das höchste Amt in den USA, gemessen an dem zuvor gesetzten hohen Bezugspunkt, fast schon der Ruch einer Niederlage oder eines Verlustes anhaften. Und das käme für die Wahrnehmung der Börsianer einem Negativum gleich, was diese wiederum mit hektischen Reaktionen quittieren könnten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Unterschätzter US-Senat</strong></p>
<p>Immerhin wird am 8. November auch ein Drittel des Senats und das Repräsentantenhaus neu gewählt. Wenn der neue US-Präsident Donald Trump hieße, würde diesem ein Regieren mit klaren Mehrheitsverhältnissen zu Gunsten seiner Partei im Kongress wesentlich leichter fallen. Interessanterweise musste ich lange suchen, um zu den Kongresswahlen Prognosen zu finden. Während derzeit die Republikaner im Repräsentantenhaus über eine deutliche Mehrheit verfügen und diese kaum infrage gestellt wird, könnte es im Senat zu einem ganz knappen Ergebnis kommen. Derzeit verfügen die Republikaner gegenüber den Demokraten zwar über eine Mehrheit von 54:44 Stimmen (bei gleichzeitig zwei unabhängigen Senatoren), doch diese könnte selbst unter Berücksichtigung der im Senat verbleibenden zwei Drittel aller Senatoren dennoch fallen.</p>
<p>Das alles scheint jedoch die Investoren, die die Börse Frankfurt allwöchentlich nach ihrer Stimmung befragt, nur wenig zu interessieren. Für sie ist die Richtung des DAX ganz klar vorgezeichnet. Worauf man dabei aufpassen muss, können Sie meinem heutigen Kommentar <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Entschieden-optimistisch-1647712" target="_blank"><strong>HIER</strong></a> entnehmen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-scheinbar-klare-sache/">Eine scheinbar klare Sache</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Missglückte Kommunikation – ein verhaltensorientierter Rückblick</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/missglueckte-kommunikation-ein-verhaltensorientierter-rueckblick/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Dec 2015 08:02:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[absolute Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Hyperbolisches Diskontieren]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[relative Wahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank haben am vergangenen Donnerstag die Finanzmärkte mächtig durcheinandergewirbelt. Man kann schon von schockartigen Reaktionen sprechen, wenn etwa der Euro gegenüber dem US-Dollar die größte Handelsbandbreite (es handelte sich um mehr als 4,5 Prozent) seit dem Jahr 2009 produzierte, begleitet von einer Verkaufswelle in Aktien und Anleihen. &#160; Auch wenn sich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank haben am vergangenen Donnerstag die Finanzmärkte mächtig durcheinandergewirbelt. Man kann schon von schockartigen Reaktionen sprechen, wenn etwa der Euro gegenüber dem US-Dollar die größte Handelsbandbreite (es handelte sich um mehr als 4,5 Prozent) seit dem Jahr 2009 produzierte, begleitet von einer Verkaufswelle in Aktien und Anleihen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch wenn sich EZB-Präsident Mario Draghi tags darauf in New York bemühte, in seiner Rede das zerschlagene Porzellan wieder zu kitten, bleibt doch die Frage, was eigentlich zu dieser dramatischen Irritation der Finanzmärkte geführt hatte. Natürlich kann man argumentieren, die Erwartungen der Akteure seien enttäuscht worden, zumal bereits Mitte November aus so genannten „gutinformierten Kreisen“ durchgesickert war, dass womöglich der ohnehin schon negative Einlagenzinssatz um bis zu weitere 50 Basispunkte abgesenkt werden könnte. Aber auch hinsichtlich des quantitativen Lockerungsprogramms, das nicht nur zeitlich ausgedehnt, sondern dessen Volumen auch aufgestockt werden sollte, hat die EZB die Hoffnungen der Marktteilnehmer nicht erfüllt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Relative Wahrnehmung vs. absolute Maßnahmen</strong></p>
<p>Natürlich sind die Akteure an den Finanzmärkten selbst schuld, wenn sie sich nach den vollmundigen Vorankündigungen des EZB-Präsidenten in diversen Reden vor der EZB-Sitzung auch noch gegenseitig in ihren Erwartungen und Positionierungen aufputschen. Und so stieg in ihrer Fantasie das Ausmaß der EZB-Beschlüsse mit der Zeit immer höher; viele Händler rechneten außerdem damit, dass Mario Draghi, der schon bei anderen Gelegenheiten fast immer positiv „noch einen drauf gesetzt“ hatte, zusätzlich auch noch mit einem weihnachtlichen Überraschungsgeschenk aufwarten würde. Mit anderen Worten: Diese <strong>relative </strong>Wahrnehmung in Abhängigkeit zu einem völlig überhöhten Referenzpunkt musste fast schon zwangsläufig zu einer Enttäuschung führen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Macht einer Minderheit?</strong></p>
<p>In der Folge wurde dann auch darüber sinniert, ob der EZB-Präsident innerhalb des EZB-Rats noch über genügend Durchsetzungsvermögen verfügt oder ob er sich mit seinen Wünschen vielleicht sogar einer Minderheit von einigen Falken unter deutscher Führung hatte beugen müssen.</p>
<p>Ich glaube indes, dass die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und dem tatsächlichen Handeln der EZB auf einer unterschiedlichen Wahrnehmung innerhalb des EZB-Rates und bei den Akteuren an den Finanzmärkten beruht. Während letztere offensichtlich die jüngsten Entscheidungen relativ bewerteten, schien man innerhalb des Rates davon auszugehen, dass die Marktteilnehmer gemäß alter ökonomischer Schule die gefällten Entscheidungen <strong>absolut</strong>, wie sie sind, betrachten würden. Und das hieße, dass sie alleine das, was erforderlich ist, um die Abwärtsrisiken und die Inflationserwartungen in den kommenden zwei Jahren abzufedern, ins Kalkül ziehen müssten. Wenn überdies EZB-Vize Vitor Constancio den Märkten kürzlich eine Überreaktion bescheinigte, wird deutlich, dass sich die Entscheider anscheinend nicht genügend mit der psychologischen Wirkung ihrer Maßnahmen auseinandergesetzt haben. Sonst hätte man durch eine geschicktere Wortwahl im Vorfeld der Dezember-Sitzung etwas Druck aus dem Kessel nehmen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Diskontierte Maßnahmen</strong></p>
<p>Am Ende fällt noch nicht einmal so sehr ins Gewicht, dass der Einlagenzins nur um zehn Basispunkte gesenkt wurde. Auch ist eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms um sechs Monate, die in Summa eine deutliche Anhebung der Volumina um gut ein Drittel von 1,08 auf 1,44 Billionen Euro bedeutet, nicht unbeträchtlich. Aber eine Ausdehnung des QE-Programms allein auf zeitlicher Ebene findet eben erst in der späteren Zukunft statt und wurde daher – nach den Erkenntnissen der Behavioral Finance – mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Einschätzung der Marktteilnehmer kräftig abgewertet, sprich diskontiert. Eine sofortige Anhebung der anzukaufenden Wertpapiervolumina hätte diese hingegen vermutlich ganz anders beeindruckt oder zumindest nicht so stark enttäuscht.</p>
<p>Immerhin dürften sich die Börsianer bald wieder beruhigen, denn auf der anderen Seite hat die EZB noch ein paar Pfeile im Köcher behalten, auf die man bei der kommenden Sitzung setzen kann. Interessanterweise ist die Frage, ob all diese Maßnahmen denn überhaupt zum Erfolg führen, während der Diskussion der vergangenen Tage fast vollständig in den Hintergrund geraten.</p>
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		<title>Aufs falsche Gleis gestupst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2015 13:13:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonomics]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Nudging]]></category>
		<category><![CDATA[Verlustaversion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst sollte mein Freund H. einen Vortrag in Nottingham halten. Und da die Veranstaltung 90 Minuten früher als geplant endete, dachte er sich, es wäre doch schön, diese Zeit zu nutzen und ein paar Züge früher als ursprünglich beabsichtigt die Fahrt zum nächsten Zielort anzutreten. Das Ganze stellte sich allerdings nicht als besonders einfach heraus, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst sollte mein Freund H. einen Vortrag in Nottingham halten. Und da die Veranstaltung 90 Minuten früher als geplant endete, dachte er sich, es wäre doch schön, diese Zeit zu nutzen und ein paar Züge früher als ursprünglich beabsichtigt die Fahrt zum nächsten Zielort anzutreten. Das Ganze stellte sich allerdings nicht als besonders einfach heraus, denn der gute Freund hatte sich zuvor auf eine bestimmte, besonders günstige Verbindung festgelegt, bei der die ganze Fahrt nur 68 englische Pfund kosten sollte. Auf Nachfragen am Bahnhof stellte sich jedoch heraus, dass er die Differenz zwischen dem Billigticket und dem vollen Fahrpreis von 135 Pfund für eineinhalb Stunden Zeitersparnis hätte nachentrichten müssen. Die Dame am Ticketschalter konnte den leichten Groll ihres Gegenübers jedoch nachvollziehen und schlug daher vor, er solle doch lieber die eingesparte Zeit für einen Stadtbummel nutzen und das Geld zum Shoppen statt für ein Zugticket ausgeben.</p>
<p>Ein klarer Fall von mentaler Kontoführung, dachte ich mir. Eigentlich müsste es mehr von solchen Menschen geben, dann wäre die Konjunktur schnell angekurbelt. Denn die Dame am Ticketschalter hatte schlicht und einfach mit dem Geld meines Freundes gespielt, das dieser noch gar nicht ausgegeben hatte. Aber durch die Verschiebung des Referenzpunktes von 68 auf 135 Pfund wäre ihn die Zugfahrt 67 Pfund teurer zu stehen gekommen als ursprünglich beabsichtigt. Statt diesen Verlust zu realisieren, dürfte es für H. erträglicher gewesen sein, dieses Geld auf ein anderes mentales Konto als ersparten Verlust bzw. Gewinn zu buchen und dieses Geld sozusagen als Windfall-Profit ohne Reue auszugeben. Geld, das mein Freund ohne diesen Vorfall vermutlich nicht einmal in Gedanken angerührt hätte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Und ein Nudge obendrein</strong></p>
<p>Die Geschichte zeigt allerdings auch noch etwas anderes. Nämlich wie die nette Dame am Bahnschalter – vermutlich unbewusst – meinen Freund H. zu einer glücklicheren Entscheidung anstupsen wollte. Über dieses so genannte Nudging ist gerade in der jüngeren Vergangenheit viel diskutiert worden. Vor allem, wenn der Staat seine Bürger zu angeblich besseren Entscheidungen anstupsen möchte. Von Bevormundung und Manipulation der Menschen war da erst kürzlich die Rede – ich habe unlängst <strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/herumgeschubst/">HIER</a></u></strong> dazu Stellung genommen. Dabei zeigt die Realität, dass wir durch Referenzpunkte in unserem sozialen Umfeld permanent zu Entscheidungen bewegt werden, die nicht immer zu unserem Besten sein mögen. Dennoch: Es gibt keine Nudge-freien Zonen in unserem Leben, auch wenn wir immer wieder gegenüber uns selbst und anderen beteuern, dass wir unsere Entscheidungen eigenständig und völlig unabhängig von irgendwelchen Einflüssen treffen.</p>
<p>Aber vermutlich möchten die Menschen zumindest bestimmen dürfen, von wem sie angestupst werden: Nämlich bestimmt lieber von einer charmanten Fahrscheinverkäuferin, die uns ganz uneigennützig mit guten Ratschlägen helfen möchte, als von Verhaltensökonomen, die extra von der Regierung eingestellt wurden, nur um uns Bürger glücklicher zu machen.</p>
<p>Doch H. kennt sich aus mit den mentalen Fallen, die aufzuzeigen das Ziel der Behavioral Economics ist. Zumal er generell zur Vorsicht neigt und es unter normalen Umständen nicht riskiert hätte, wegen eines zu ausgedehnten Stadtbummels am Ende womöglich auch noch den ursprünglich gewählten Zug zu verpassen. Aber wofür hat sich mein Freund H. am Ende entschieden? Gelangweilt am Bahnhof in Nottingham sitzen und 90 Minuten auf den Zug warten?</p>
<p>Nein, er ist am Ende doch noch shoppen gegangen. Und er wähnte sich glücklich, weil er sich auf sein Bauchgefühl verlassen hatte. Ein teurer Spaß übrigens, denn seine Einkäufe kosteten eindeutig mehr als der Aufpreis auf das Zugticket.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Bitcoins reloaded</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/bitcoins-reloaded/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2015 08:53:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Anker]]></category>
		<category><![CDATA[Besitztumseffekt]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoin]]></category>
		<category><![CDATA[entgangene Gewinne/Verluste]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Vergleich]]></category>
		<category><![CDATA[Tulpenhausse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass Bitcoins (BTC) zumindest unter seinen Fans für Aufsehen sorgten, weil sie innerhalb von sechs Wochen einen Kurssturz von 50 Prozent erlebten und mit 170 USD pro Coin den tiefsten Stand gegenüber dem Dezember 2013 markierten, als diese virtuelle Währung bei einem Preis von 1.200 USD kurzzeitig sogar [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass Bitcoins (BTC) zumindest unter seinen Fans für Aufsehen sorgten, weil sie innerhalb von sechs Wochen einen Kurssturz von 50 Prozent erlebten und mit 170 USD pro Coin den tiefsten Stand gegenüber dem Dezember 2013 markierten, als diese virtuelle Währung bei einem Preis von 1.200 USD kurzzeitig sogar mehr wert war als eine Unze Gold.</p>
<p>Und als der Kurs kurz darauf wieder nach oben schnellte und die 220 USD überschritt, musste ich nicht lange warten, bis mich mein ehemaliger Kompagnon Herman darauf ansprach, aber nicht, weil die 220er Marke einen wichtigen Chartpunkt dargestellt hätte. Vielmehr handelte es sich um den Preis, bei dem auch ich im Spätherbst 2013 nahe dran war, an der sich damals mit überwältigender Kraft aufbauenden Hausse teilzunehmen. Aber dann war mir der Markt davongelaufen.</p>
<p>Nun geriet ich erneut ins Grübeln, weil dieser Referenzpunkt sich fest in meinem Kopf verankert hatte. Denn ich musste mir ja selbst eingestehen, damals eine vermeintliche Kaufgelegenheit verpasst zu haben (vgl. <strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/verpasste-gelegenheit/">HIER</a></strong> und <strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/muenzen-manie/">HIER</a></strong>), während mein Kompagnon schon Kursziele von bis zu 10.000 USD pro Bitcoin ausrief – allerdings ohne ein einziges virtuelles Geldstück gekauft zu haben. Ich habe die Tage von damals nicht vergessen, an denen ich angesichts meines Pre-Commitments (eigentlich wollte ich ursprünglich kaufen) während der massiven Hausse verschiedene Stadien des Bedauerns und der Reue (Regret) durchlebte.</p>
<p>Umso mehr erfüllte es mich mit Genugtuung, als sich im Laufe des vergangenen Jahres mein Verdacht, es müsse sich bei der Entwicklung der Bitcoin-Mania um eine Abwandlung der Tulpenhausse aus dem 17. Jahrhundert handeln, bestätigte. Der Kurssturz der virtuellen Währung sollte heftiger ausfallen als die jüngste Abwertung des russischen Rubels. Und als der Wert eines Bitcoins unlängst wieder unter meinen virtuellen Einstandspreis von 220 USD fiel, sagte ich mir: „Zum Glück war ich nicht dabei!“ Mir war diese schmerzhafte Episode eines großen Gewinns, gefolgt von einem genauso großen Verlust, erspart geblieben. Denn auch ich hätte etwas, das ich bereits gewonnen hatte, nicht mehr gerne hergegeben, weil Verluste schwerer als Gewinne in gleicher Höhe wiegen. Mit anderen Worten: Ich fühlte mich plötzlich wegen dieser vermeintlich verpassten Gelegenheit sogar richtig gut<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Referenzpunkte als Anker</strong></p>
<p>Fast ein wenig triumphierend rief ich Herman an: „Hast Du Bitcoins gesehen? Zum Glück habe ich da nicht mitgemacht. Und Du hast mich damals deswegen ausgelacht!“ – „Dann kannst Du ja jetzt genau bei dem Niveau von 220 $ einsteigen, das Du damals verpasst hast!“, erwiderte die Stimme am anderen Ende des Telefons.</p>
<p>Ich dachte nicht im Traum daran.</p>
<p>Gestern – Bitcoins wechselten wahrscheinlich aufgrund der quantitativen Lockerungsmaßnahmen der EZB und der Wahlen in Griechenland mit einem Male für mehr als 300 USD den Besitzer – bekam ich wieder einen Anruf. „Ich habe gekauft“, teilte mir Herman trocken mit, und auch ohne dass er mir sagte, was er erworben hatte, wusste ich sofort, wovon er sprach. „Viel?“, fragte ich daher nur und konnte nicht verhindern, dass meine Stimme leicht verunsichert klang. Denn sofort beschlich mich die böse Ahnung, Herman könnte jetzt mit „meinem(!)“ einstigen selbst gewählten Referenzpunkt sogar Gewinne machen. Ich fühlte mich, als ob jemand die Zahlen von meinem Lottoschein heimlich abgeschrieben und damit einen Hauptgewinn gemacht hätte, während ich selbst es versäumt hatte, den Schein am Lottoschalter abzugeben.</p>
<p>Glücklicherweise hat Herman nur einen einzigen Bitcoin gekauft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Genau genommen hatte ich einen entgangenen Gewinn (wirkt ähnlich wie ein Verlust) in meiner Vorstellung wieder durch einen entgangenen Verlust (wirkt ähnlich wie ein Gewinn) wettgemacht</p>
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		<title>Relativitätstheorie</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/relativitatstheorie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 20:36:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als  der Energiekonzern Tepco am Sonntagabend seine Angaben über einen dramatischen Anstieg der radioaktiven Strahlung im Reaktor 2 des AKW Fukushima wieder zurücknahm, hätte sich bei mir fast etwas wie Erleichterung breitmachen können, nachdem es doch heute früh noch geheißen hatte, die Radioaktivität im Turbinengebäude sei 10 Millionen Mal höher als normal gewesen. Eine Zahl [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/relativitatstheorie/">Relativitätstheorie</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als  der Energiekonzern Tepco am Sonntagabend seine Angaben über einen dramatischen Anstieg der radioaktiven Strahlung im Reaktor 2 des AKW Fukushima wieder zurücknahm, hätte sich bei mir fast etwas wie Erleichterung breitmachen können, nachdem es doch heute früh noch geheißen hatte, die Radioaktivität im Turbinengebäude<span id="more-1142"></span> sei 10 Millionen Mal höher als normal gewesen. Eine Zahl die für die meisten von uns ohnehin unfassbar gewesen sein dürfte. Dagegen hört sich eine 100.000 <a href="#_edn1">[i]</a>Mal höhere Radioaktivität (wie vom Vizepräsident des Unternehmens Sakae Muto behauptet) schon nach deutlich weniger an – aber nur eben nur gegenüber dem Referenzpunkt von 10 Millionen. Heute früh hätte mich der Faktor 100.000 sicherlich genauso schockiert.</p>
<hr size="1" /><a href="#_ednref1">[i]</a> http://www.n-tv.de/Spezial/Tepco-bezweifelt-eigene-Messwerte-article2951536.html</p>
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