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	<title>Behavioral Living Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Ausgestochen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2021 05:52:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[AstraZeneca]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsirrtum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca vorübergehend eingestellt würden. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich. Und es sollte auch niemanden verwundern, dass die Aktienmärkte hierzulande kaum darauf reagiert haben. Ob die Vorbehalte gegenüber AstraZeneca berechtigt sind oder nicht – in jedem Fall bedeutet der kurzfristige [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca vorübergehend eingestellt würden. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich. Und es sollte auch niemanden verwundern, dass die Aktienmärkte hierzulande kaum darauf reagiert haben. Ob die Vorbehalte gegenüber AstraZeneca berechtigt sind oder nicht – in jedem Fall bedeutet der kurzfristige Stopp eine weitere Verzögerung bei den Verimpfungen, und damit rückt die Rückkehr zur Normalität noch mehr in die Ferne. <img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13218" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/17032021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/17032021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/17032021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wer etwa noch am Sonntag eine Impfung verpasst bekommen hat, mag sich, zusätzlich zu den erwarteten normalen Impfnebenwirkungen, nun besonders unwohl fühlen. Ein Umstand, der auch dem Verfügbarkeitsirrtum geschuldet sein mag, wonach Menschen dramatische, zeitnahe und medial stark hervorgehobene Informationen bevorzugt (und häufig überstark) wahrnehmen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>In letzter Minute</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es gab aber auch in meinem entfernteren Bekanntenkreis den Fall einer älteren Dame, die gestern zum Impftermin geladen war. Ja, sie wollte geimpft werden, aber nur mit einem bestimmten Impfstoff, der dummerweise nicht angeboten wurde. Zwei schlaflose Nächte wegen eventueller Nebenwirkungen hatte sie bereits hinter sich, und das Testament hatte sie am Tag des Impftermins für alle Fälle auf ihrem Schreibtisch platziert.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Mit gemischten Gefühlen fuhr sie zum Impfzentrum. Und nach 90 Minuten Fragebogen, Bürokratie und Wartezeit war es soweit und die Dame nur noch wenige Sekunden vom Einstich der Nadel entfernt. Der Arzt hatte die mit dem AstraZeneca-Vaccine gefüllte Spritze bereits in der Hand und wollte gerade die Einstichstelle am Oberarm der Patientin desinfizieren, als plötzlich sein Smartphone klingelte. Die Anweisung der Stimme aus dem Off war eindeutig: Stopp! Die Impfung darf auf keinen Fall vorgenommen werden.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Versunkene Kosten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Eigentlich hätte die Dame ja erleichtert sein müssen, weil der Impf-Kelch mit dem Vaccine, das nicht das ihrer Wahl war, an ihr vorübergegangen war. Aber ihre Reaktion bestand aus Ärger und Unmut. 90 Minuten Warten für nichts? Verhaltensökonomen sprechen in diesem Fall von versunkenen Kosten, die einen wesentlichen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten haben. „Jetzt, nachdem ich so lange gewartet habe, möchte ich auch meine Impfung bekommen“, empörte sich die Dame. Vergessen waren die schlaflosen Nächte und all die Angst zuvor.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es ist eine Geschichte, die mich an Anleger erinnert, die nach 30 Minuten Informationsbeschaffung und Analyse einer mittelprächtige Aktie diese alleine deswegen kaufen möchten, weil der zeitliche Einsatz nicht umsonst gewesen sein soll. Egal, ob das Papier etwas taugt oder nicht.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Fragwürdige Korrelation</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Natürlich gab es gestern auch noch Märkte, deren Akteure sich jedoch eher abwartend zu verhalten schienen. Zumal das Hauptereignis in dieser Woche die am Mittwoch endende Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank sein wird. Per Saldo war der Dollar gegenüber dem Euro leicht im Vorteil, obwohl sich mancherorts Analysten ganz bewusst von der Idee vieler Kommentatoren distanzierten, dass die Stärke des Greenback zurzeit mit der Entwicklung der US-Anleiherenditen korreliert sei. Auch wenn ich selbst von derlei Zusammenhängen grundsätzlich nichts halte, muss ich einräumen, dass die Gemeinschaftswährung derzeit in ihrem kurzfristigen Abwärtstrend verharrt, der allerdings nach Überschreiten von <strong>1,1990</strong> große Teile seines Momentums verlieren würde.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Zwischen Selbstlosigkeit und bestrafter Gier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2017 08:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Fairness]]></category>
		<category><![CDATA[Neid]]></category>
		<category><![CDATA[Ultimatum-Spiele]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9410 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit einem anderen Spieler teilt. Dabei darf er bestimmen, wie viel er selbst und wie viel der Andere erhält. Stimmt dieser der Aufteilung zu, bekommen beide ihr Geld. Lehnt der Mitspieler indes die vorgeschlagene Aufteilung ab, gehen beide leer aus.</p>
<p>Im Laufe der Jahre habe ich dieses Spiel bestimmt hunderte Male gespielt, aber niemals ist es vorgekommen, dass ein Zuhörer gemäß der ökonomischen Standardtheorie 9999,99 € für sich behalten und seinem Mitspieler nur die kleinstmögliche Geldeinheit von einem Cent angeboten hätte. Stattdessen entscheiden sich die meisten für eine Fifty-Fifty-Lösung, weil diese als besonders fair empfunden wird. Obwohl von vornherein klar ist, dass es sich nur um einen hypothetischen Betrag von 10.000 € handelt, gehen nur wenige so weit, mehr als die Hälfte des Spielgeldes für sich zu beanspruchen. Möglicherweise weil sie vor den anderen Zuhörern nicht als habgierig oder egoistisch dastehen wollen.</p>
<p>In den Fällen, in denen ein Entscheider mehr als die Hälfte des Geldes für sich in Anspruch nehmen wollte, waren die Mitspieler meist nicht bereit, der vorgeschlagenen Verteilung zuzustimmen, sofern ihr Anteil nur ein Drittel des Geldes oder sogar weniger betrug.</p>
<p>Doch ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass Menschen bei der Verteilung des Geldes ihren Mitspielern mehr als die Hälfte zugedacht haben. Um sich der Zustimmung des anderen völlig sicher zu sein – eine Verhaltensweise, die vom Publikum meist belächelt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Risikoaversion bis zur Selbstlosigkeit</strong></p>
<p>Nun hatte ich unlängst das Vergnügen, dieses Spiel im Rahmen eines Vortrages bei Vertretern einer Non-Profit-Organisation mit karitativem Charakter durchzuführen. Und ich war tatsächlich überrascht, dass der Verteiler des Geldes vorschlug, alles seinem Gegenüber zu überlassen und nichts für sich zu behalten. Obgleich ich zunächst den Verdacht hatte, das Spiel sei möglicherweise nicht verstanden worden, wurde mir spätestens bei der Antwort des Verteilenden, er wolle kein Risiko eingehen [das Risiko, dass sein Gegenüber ablehnen könnte] klar, dass es also keineswegs die reine Selbstlosigkeit war, die zu einem derartigen Verhalten führte.</p>
<p>Kritiker werden ohnehin einwenden, dass es sich ja nur um ein Spiel mit hypothetischen Einsätzen handelt und die Realität mit echtem Geld wahrscheinlich ganz anders aussehen würde. Eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span> zeigt jedoch, dass dieses Verhalten keineswegs auf Spiele ohne echtes Geld beschränkt bleibt. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Verhalten der Verteilenden sich selbst bei steigenden monetären Einsätzen tatsächlich ändern würde. Allerdings gilt das nicht für deren Gegenspieler, die sich bei steigenden Einsätzen auch mit geringeren zugedachten Geldbeträgen zufriedengaben. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch bei den Teilnehmern dieser Studie gab es immer wieder vereinzelt Fälle, bei denen ein Verteiler komplett auf seinen möglichen, manchmal nicht unbeträchtlichen Geldanteil verzichtete.</p>
<p>Es scheint also tatsächlich noch Menschen zu geben, denen Geld wirklich nichts bedeutet. Aber andererseits gibt es selbst in karitativen Kreisen nicht nur selbstlose Menschen. Das wurde mir spätestens klar, als ich bei einem zweiten Spiel die Erfahrung machen musste, dass eine fair anmutende Fifty-Fifty-Verteilung vom Mitspieler schlichtweg abgelehnt wurde. Die Hälfte war ihm nicht genug. Also verzichtete er durch die Verweigerung seiner Zustimmung lieber gleich auf alles und bestrafte so auch noch seinen Mitspieler. Anders ausgedrückt: Es gibt Menschen, die bereits sind, etwas zu bezahlen, damit Andere Geld verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Cameron, Lisa A. (1999): <em>Raising the Stakes in the Ultimatum Game: Experimental Evidence from Indonesia</em>, Economic Inquiry, Vol. 37, No, 1, January 1999, pp. 47-59</p>
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		<title>Wahrheit – eine Frage der Wahrnehmung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2017 16:09:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaftsbegriff]]></category>
		<category><![CDATA[Lügenpresse]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Weitergabe von Informationen]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angeblich leben wir ja bereits seit einigen Jahren in einem postfaktischen Zeitalter, und der Begriff Fake News, womit vor allem gezielte Desinformationen aus dem Internet gemeint sind, ist spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA in aller Munde. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, als ob es vor der Entstehung der sozialen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9381 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Angeblich leben wir ja bereits seit einigen Jahren in einem postfaktischen Zeitalter, und der Begriff Fake News, womit vor allem gezielte Desinformationen aus dem Internet gemeint sind, ist spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA in aller Munde. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, als ob es vor der Entstehung der sozialen Netzwerke im Internet sowohl in den Medien als auch im zwischenmenschlichen Umgang die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verlautbart worden war. So als ob wir immer nur offen und ehrlich miteinander umgegangen wären und es Lügen oder gar bewusst gestreute Falschinformationen im sogenannten faktischen Zeitalter nie gegeben hätte.</p>
<p>Ich selbst habe bereits bei meinen ersten Erfahrungen als Devisenhändler Anfang der 1980er Jahre erlebt, wie der permanente Einfluss von Informationen unser Entscheidungsverhalten beeinflusst. Das war zu einer Zeit, als es in den Finanzmärkten nur wenige mediale Möglichkeiten gab, Informationen zu verbreiten und zu empfangen. Verglichen mit heute lebten wir informationstechnisch gesehen in einer Wüste.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fake News gibt es schon lange</strong></p>
<p>Tatsächlich gab es im Handelssaal ein Telex-Gerät, das ein paar Mal am Tag klingelte, wenn es Neuigkeiten aus der Wirtschaft gab. Und als der erste Bildschirm der Nachrichtenagentur Reuters im Raum installiert wurde, betrachteten ihn viele Händler fast als so etwas wie Teufelszeug. Mit anderen Worten: Vor knapp 40 Jahren wurden während eines Handelstages nur wenige harte Fakten publiziert. Vielmehr bestand der größte Teil dessen, was man in den Finanzmärkten untereinander austauschte, aus Gerüchten. Gerüchte, die sich manchmal als wahr, ein anderes Mal jedoch als falsch herausstellten. Kamen diese Neuigkeiten von guten Händler-Freunden, denen man vor allen Dingen deshalb vertraute, weil man sie bei einem Forex-Treffen (jährliches Treffen der Devisenhändler) oder beim Besuch einer befreundeten Bank persönlich kennengelernt hatte, hatten diese naturgemäß eine höhere Wertigkeit. Als seriös galt, wen man gut zu kennen glaubte.</p>
<p>Wichtiger noch als Quelle und für wie seriös wir diese hielten, war jedoch die Frage, ob die Information zum bestehenden Engagement, etwa zu einer Long-Position in US-Dollar gegen D-Mark, passte. Damals wie heute wurden Nachrichten und Daten selektiv wahrgenommen. Was zur Position passte, wurde in seiner Bedeutung überschätzt, und das, was den Erfolg des Engagements hätte bedrohen können, wurde heruntergespielt oder sogar schlichtweg ignoriert. Einziger Unterschied zu heute: Damals gab es die Forschungsdisziplin der Behavioral Finance noch nicht. Und deshalb war niemandem bewusst, wie selektiv er genau wie alle anderen auch Informationen bewertete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Selektive Wahrnehmung entscheidet</strong></p>
<p>Und das hatte Auswirkungen auf die Gespräche mit Kollegen und befreundeten Händlern, mit denen man permanent, in erster Linie telefonisch, in Kontakt stand. Und wenn ein Engagement schiefging, dann waren natürlich oft falsche Gerüchte – gemeinhin als Ente oder Lüge bezeichnet – daran schuld, weil die einen in die Irre geführt hatten.</p>
<p>Heute sagt man dazu „Fake News“.</p>
<p>Auch damals gab es (gerade von den Verlierern) immer wieder die Forderung, man müsse die Verbreiter von Fehlinformationen aufs Schärfste bestrafen. Eine Forderung, die übrigens niemals in die Tat umgesetzt wurde. Vermutlich, weil dies in der Realität ohnehin unmöglich gewesen wäre, aber vor allen Dingen, weil es bei der Desinformation nicht nur Verlierer, sondern auch Profiteure gab.</p>
<p>Aber auch ein anderer wesentlicher Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden. Gerade aufgrund der selektiven Wahrnehmung und Weitergabe von Informationen gab es nicht die prinzipielle Unterteilung in Gut und Böse. Es gab auch nicht Quellen, die immer im Besitz der Wahrheit waren oder ausschließlich Lügen verbreiteten. Gefragt war, was gerade passte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Steigende Informationsflut</strong></p>
<p>Auch die Zeitungen waren damals relativ leicht einzuordnen. Wer konservativ war, konnte sich darauf verlassen, in einem bestimmten Blatt Informationen und Meinungen zu finden, die sein Weltbild bestätigten. Und wer sich eher links einordnete, wusste ganz genau, welche Tageszeitung er kaufen musste, um seine politische Ansicht gut vertreten zu fühlen. Und prinzipiell galt: Medien des politischen Gegners logen sowieso immer.</p>
<p>Der wesentliche Vorteil der (auch nicht) „guten, alten Zeit“ bestand jedoch darin, dass die verfügbaren Informationen für uns auch schon seinerzeit aufgrund ihrer Vielzahl sowohl wahrnehmungstechnisch als auch bei der Verarbeitung schnell zu einer gewissen Überforderung führten. Aber die Anzahl der eintreffenden Nachrichten war dennoch im Vergleich zu heute noch überschaubar, und der europäische Devisenhandel war spätestens um 17:30 Uhr beendet. Ein einziger Anruf in einer anderen Zeitzone, etwa in New York am späten Abend zu mitteleuropäischer Zeit, genügte, um sich bei einem dortigen Händler über die wichtigsten Geschehnisse des Tages zu informieren. Natürlich selektiv aufbereitet. Und manchmal konnte man in diesen Gesprächen sogar heraushören, ob der Kollege gerade am Gewinnen oder Verlieren war.</p>
<p>Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, wenn man heutzutage behauptet, in den vergangenen 40 Jahren hätte sich vieles verändert. Dies gilt zumindest hinsichtlich der Informationsmenge, die natürlich nicht auf die Finanzmärkte beschränkt ist, sondern uns längst im Alltag begleitet. Auch die Verbreitungsgeschwindigkeit von neuen Nachrichten hat sich exponentiell gesteigert. Was die Standardmedien angeht, kann man auch nicht mehr zwischen links und rechts unterscheiden, weil sich die Maßstäbe und gesellschaftlichen Normen verändert und verschoben haben. Etwa derart, dass man heute statt zwischen rechts und links, progressiv oder konservativ eher zwischen Anhängern und Gegnern des Establishments unterscheiden könnte. Während die Gegner Medien, die dem Establishment nahestehen, generell als Lügenpresse verunglimpfen, sehen die Vertreter des Establishments nur zu gerne das, was von den Gegnern geäußert wird, als Verschwörungstheorie an.</p>
<p>Beide Pauschalisierungen sind vereinfachend, polarisierend und falsch.</p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Veränderter Freundschaftsbegriff</strong></p>
<p>Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, sondern hat zwischen diesen beiden Extremen eine Vielzahl von Grautönen. Viel bedeutsamer als diese Unterscheidung sind Charakter und Wesen der sogenannten Freundschaftsbeziehungen, die sich gravierend verändert haben und deren Anzahl ich dank Facebook im Gegensatz zu früher massiv steigern konnte. Von den mehr als 800 sogenannten Freunden kenne ich selbst zwar nur einen Bruchteil. Die meisten sind Freunde von Freunden, die irgendetwas miteinander – und daher auch mit mir – gemeinsam zu haben scheinen.</p>
<p>Auch wenn ich mittlerweile intern zwischen guten und weniger guten Freunden unterscheide, impliziert der Begriff des Freundes doch generell, dass dieser irgendwie ähnlich denkt wie ich und, was noch viel wichtiger ist, in meinen Augen als zuverlässige Quelle seriöser Informationen gilt. Leider ein Trugschluss, wie sich immer wieder herausstellt.</p>
<p>Facebook möchte nun eindeutige Falschmeldungen, die im Netz herumschwirren, auch mittels eines Recherchebüros („Correctiv“) herausfiltern und als solche kennzeichnen. Diese vordergründig gut gemeinte Idee hat jedoch auch wieder einen Haken. Denn die Mitarbeiter dieses Unternehmens sind natürlich auch nicht unvoreingenommen, und jeder von ihnen hat seine eigene Weltanschauung und unterliegt wie alle anderen auch der selektiven Wahrnehmung von Informationen.</p>
<p>Wenn man diesen Faden weiterspinnt, mag das Hauptproblem von Fake News (früher falsche Gerüchte oder Enten genannt) gar nicht einmal allein in deren Produktion liegen, sondern darin, ob deren Empfänger bereit sind, diese wahrzunehmen und zu glauben. Und wie in den Finanzmärkten gilt auch im Leben: Was zur Position (Weltanschauung) passt, wird bevorzugt angenommen und auch gerne weitergegeben. Und was nicht ins eigene Weltbild passt, wird in seiner Aussagekraft heruntergespielt, vielleicht sogar der Lächerlichkeit preisgegeben oder gleich ganz als Fake oder Lügenpresse abgetan.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/wahrheit-eine-frage-der-wahrnehmung/">Wahrheit – eine Frage der Wahrnehmung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Tra-ri Tra-ra, die Post ist nicht da!</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/tra-ri-tra-ra-die-post-ist-da/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Nov 2016 07:30:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
		<category><![CDATA[Briefzustellung]]></category>
		<category><![CDATA[DHL]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin immer daran interessiert, was sich auf dem Felde der Behavioral Finance/Economics tut, und bestelle daher regelmäßig neue Forschungsliteratur, oft aus den USA, die mir dann meist per DHL zugestellt wird. Gerade in letzter Zeit fällt mir jedoch auf, dass ich, obwohl ich daheim an meinem Schreibtisch saß, mehrfach schon einen Abholschein für einen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/tra-ri-tra-ra-die-post-ist-da/">Tra-ri Tra-ra, die Post ist nicht da!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9255 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Fotolia_61517728_S-300x199.jpg" alt="C' posta per te" width="300" height="199" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Fotolia_61517728_S-300x199.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Fotolia_61517728_S-768x510.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Fotolia_61517728_S-685x452.jpg 685w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Fotolia_61517728_S.jpg 850w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Ich bin immer daran interessiert, was sich auf dem Felde der Behavioral Finance/Economics tut, und bestelle daher regelmäßig neue Forschungsliteratur, oft aus den USA, die mir dann meist per DHL zugestellt wird. Gerade in letzter Zeit fällt mir jedoch auf, dass ich, obwohl ich daheim an meinem Schreibtisch saß, mehrfach schon einen Abholschein für einen Brief in meinem Postkasten vorfand, weil ich angeblich nicht zu Hause anzutreffen war. So auch gestern. Missmutig begab ich mich zum etwa zwei Kilometer entfernten Postamt, um einen DIN A4 großen Brief, gefüllt mit einem Taschenbuch, abzuholen.</p>
<p>Auf meine Frage, warum die Postbotin (seit ein paar Monaten ist eine neue Zustellerin für unser Wohngebiet zuständig) den Brief nicht in meinen Briefkasten gesteckt oder, wie bei ihrem Vorgänger üblich, beim Nachbar abgegeben hätte, bekam ich auf dem Postamt eine Antwort, die mir schlichtweg die Sprache verschlug. Die Zustellerin habe den Brief gar nicht erst auf ihre Tour mitgenommen, weil nicht alle Briefe in ihren Zustellwagen hineingepasst hätten. Mit anderen Worten: Ein Teil der Briefe ist einfach bei der DHL liegen geblieben und wurde auch nicht am kommenden Tag ausgetragen. Stattdessen muss die Zustellerin schon vorab diverse Abholscheine ausgefüllt haben, damit die Empfänger die Post selbst beim zuständigen Postamt abholen konnten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Porto ja, Service nein</strong></p>
<p>Eigentlich wollte ich jetzt nicht noch weitere Sunk Cost im Sinne zusätzlicher verlorener Zeit – auf dem Postamt muss man häufig auch noch 20 Minuten anstehen – auf mich nehmen und hätte die ganze Geschichte eigentlich auf sich beruhen lassen sollen. Aber ich war dann doch zu neugierig und rief bei der Beschwerdestelle der DHL an. Dort war man überhaupt nicht überrascht, denn die DHL hätte aufgrund einer betrieblichen Störung (unerwartete Erkältungswelle) seit 3 Wochen in ganz Deutschland erhebliche Schwierigkeiten bei der Zustellung. Und da müsste man schon einmal ein paar Tage Verspätung in Kauf nehmen oder auch selbst seine Beine in die Hand nehmen und die Post abholen – dazu sei die DHL im Übrigen berechtigt, erfuhr ich.</p>
<p>Vielleicht sollte ich das nächste Buch nicht mehr im Internet bei Amazon – dort verlässt man sich laut Angaben der Service-Line bei der Zustellung von Taschenbüchern ausschließlich auf die DHL –, sondern wie früher im Buchhandel kaufen. Vielleicht sollte ich sogar dazu übergehen, nicht mehr selbst die Märkte zu analysieren, sondern diese Dienstleistung meinen Kunden überlassen, selbstverständlich, ohne auf mein Honorar zu verzichten.</p>
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		<title>Der Glaube kommt ganz von alleine</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2016 14:46:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Oft steht man vor Entscheidungen und trifft diese nicht, weil einem die richtige Überzeugung oder der Glaube an sie fehlt. Da steht man manchmal da und zermartert sich stundenlang das Hirn: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Denn intuitiv mag man  die Einstellung haben, bevor man etwa in die Kirche geht, muss man an sie glauben. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Oft steht man vor Entscheidungen und trifft diese nicht, weil einem die richtige Überzeugung oder der Glaube an sie fehlt. Da steht man manchmal da und zermartert sich stundenlang das Hirn: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Denn intuitiv mag man  die Einstellung haben, bevor man etwa in die Kirche geht, muss man an sie glauben. Aber was würde denn passieren, wenn man statt lange nachzudenken, einfach in die Kirche hinein ginge? Womöglich sogar öfters. Sie können sicher sein: Der Glaube wird mit der Zeit ohnehin von ganz alleine kommen. Je gravierender die Entscheidung (je höher das <em>Commitment</em>), desto fester die Überzeugung, das Richtige getan zu haben. Denn sein Denken kann man eher ändern als sein Handeln. Im Zweifel muss man etwas nur oft genug wiederholen, bis man schließlich selbst daran glaubt.</p>
<p>Das Drehen solcher Gebetsmühlen hat jedoch einen gravierenden Nachteil, falls die ursprüngliche Entscheidung falsch gewesen sein sollte. Denn im Gefolge einer solchen Fehlentscheidung werden stets auch nur solche Informationen und Nachrichten wahrgenommen, die diese nachträglich rechtfertigen und einen daher in der eigenen Haltung bestärken. Was wiederum bedeutet, dass eine Verhaltensänderung oder gar die Revision der einmal getroffenen (Fehl)entscheidung immer schwerer fallen wird.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Eine zweischneidige Angelegenheit</strong></p>
<p>Jetzt stellen Sie sich bitte einmal einen Fondsmanager vor, der ein größeres Aktienpaket eines bestimmten Unternehmens gekauft hat. Woran ja eigentlich gar nichts auszusetzen wäre, würde er nur nicht beim nächsten Interview in einem Nachrichtensender Vorzüge und Chancen dieser Aktie über alle Maße preisen. Dasselbe macht er dann noch einmal in einem Zeitungsbeitrag und wiederholt seine Meinung auch noch bei der am selben Tage stattfindenden Sitzung des Anlageausschusses. Während sich in der kurzen Zeit vermutlich nichts Fundamentales bei dem betreffenden Unternehmen ereignet hat, trifft dies leider nicht für die Überzeugung unseres Managers zu, der nun nicht mehr nur glaubt, das Richtige getan zu haben, sondern sicher ist, die beste aller möglichen Optionen gewählt zu haben. Und so dürfte es für ihn immer schwieriger werden, von der Entscheidung loszulassen, wenn diese sich wider Erwarten als falsch herausstellen sollte.</p>
<p>Daher habe ich mir angewöhnt, über meine Trades möglichst nicht mit anderen Menschen zu sprechen. Und schon gar nicht, Tipps dazu abzugeben.</p>
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		<title>Der Fluch der Negativzinsen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Sep 2016 14:01:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein kaum vorstellbares Szenario, das der Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Finanzkrise aufzeigt: drastische Minuszinsen von -5 oder -6 Prozent und eine weitgehende Bargeldabschaffung. Maßnahmen, deren Erfolg nicht einmal gesichert ist. Und Maßnahmen, die die meisten Menschen nicht verstehen werden. Das hätte sicherlich auch für meine Schwiegermutter gegolten, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9129 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch-300x114.jpg" alt="schwarzes-loch" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch.jpg 810w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Es ist ein kaum vorstellbares Szenario, das der Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Finanzkrise aufzeigt: drastische Minuszinsen von -5 oder -6 Prozent und eine weitgehende Bargeldabschaffung. Maßnahmen, deren Erfolg nicht einmal gesichert ist. Und Maßnahmen, die die meisten Menschen nicht verstehen werden. Das hätte sicherlich auch für meine Schwiegermutter gegolten, wenn sie denn noch am Leben wäre. Und ich frage mich, was sie wohl dazu gesagt hätte.</p>
<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sie sich in ihren letzten Lebensjahren häufig bei mir darüber beklagt hatte, dass sie angesichts der immer niedrigeren Zinsen immer weniger Taschengeld zur Verfügung habe. Damals hatte sie immerhin noch Staatsanleihen mit einem Coupon von 4 Prozent p. a. in ihrem Wertpapierdepot und konnte sich so die eine oder andere Ausgabe leisten, die sie sich sonst nicht gestattet hätte. Ja, die alte Dame stand für mich stellvertretend für viele andere Sparer in Deutschland. Denn sie verfolgte eine weitverbreitete Strategie, bei der sie im Geiste unbewusst nicht nur für das gesamte Kapital, sondern auch für jede einzelne Zinszahlung ein eigenes Konto (bekannt unter dem Begriff „mentale Konten“) eröffnete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ausgegeben statt gespart</strong></p>
<p>Egal, wie gering diese Zinszahlungen waren – meine Schwiegermutter erlebte sie wie viele andere auch stets als einen Gewinn. Und sie hatte deswegen auch kein schlechtes Gewissen, diese Gewinne zu verbrauchen. Dass sich dabei klammheimlich der Wert des Kapitalkontos durch die Inflation verringerte, für deren Ausgleich die Zinsen unter anderem eigentlich gedacht waren, schien sie nicht zu bemerken. Denn wenn das Kapitalkonto ohnehin über viele Jahre hinweg oder gar nicht angerührt wird, kann man auch nicht bemerken, dass man für dasselbe Geld über die Jahre immer weniger hätte kaufen können. Dass dieser Wertverlust oft sogar höher ausfiel als die gezahlten Zinsen, wurde ihr somit nicht bewusst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Entkleideter negativer Realzins</strong></p>
<p>Erst als selbst die langfristigen Renditen unter 0 Prozent gefallen waren, begannen viele Menschen zu erkennen, dass so etwas wie eine negative Realverzinsung (Nominalzinsen minus Inflationsrate) eingetreten sein musste. Die hat es natürlich zu früheren Zeiten auch schon gegeben, aber sie wurde angesichts satter Zinserträge nicht wahrgenommen. Denn auch eine fünfprozentige Rendite hätte eine sechsprozentige Geldentwertung durch Inflation nicht wettgemacht. Aber bei null Prozent Zinsen und gleichzeitiger, wenn auch niedriger Inflation, hat der negative Realzins keine Kleider mehr an.</p>
<p>Ohne Kenneth Rogoff zu nahe treten zu wollen, der sich von hohen Negativzinsen verspricht, dass die Sparer endlich ihre Konten räumen – und für das Geld durch die weitgehende Bargeldabschaffung ein natürlicher Fluchtweg versperrt würde –, denke ich an die mentalen Konten meiner Schwiegermutter. Jene hätte sie, so sie denn noch lebte, nach wie vor beibehalten. Da wären nun die jeweiligen Zinskonten, angesichts der Strafverzinsung, jeweils im Soll. Bestrafungen, die meine Schwiegermutter wie viele andere Sparer stets als einen Verlust wahrnehmen würde. Verluste, die viele von uns wettzumachen versuchen. Strenggenommen, müsste man genauso wie bei einer außergewöhnlichen Neuanschaffung jedes Mal an sein Kapital herangehen, um die Minuszinsen auszugleichen. Aber das hätte meine Schwiegermutter so weit wie möglich vermieden und sehr wahrscheinlich, wie andere verzweifelte Sparer auch, zu einer anderen Strategie gegriffen:</p>
<p><strong>Sie hätte versucht, noch mehr zu sparen –</strong></p>
<p>um, so sehe ich das jedenfalls, die Verluste der negativen mentalen Zinskonten wieder wettzumachen. Vielleicht hätte sie unter diesem Druck sogar zu mehr Risikofreude geneigt. Aber von Aktien verstand sie genauso wenig wie von mentalen Konten. Wie es sich ihr auch nie erschloss, dass es überhaupt so etwas wie negative Zinsen geben könnte. Es wäre ihr Bauchgefühl gewesen, was ihr gesagt hätte, dass die Zeiten nur schlechter werden könnten. Und mit schlechten Zeiten kannte sie sich als Angehörige der Kriegsgeneration aus. Ihre Lehre aus der Geschichte: Die nächste Krise kommt bestimmt. Und für diesen Fall muss man schon jetzt beginnen, Geld zurückzulegen. Also noch mehr sparen.</p>
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		<title>Mit (S)pass durch London</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Aug 2016 13:56:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation von Verlusten]]></category>
		<category><![CDATA[Break-even]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Habe unlängst mit meinen Kindern Urlaub in der Nähe von London gemacht. In der Regel sind Städtereisen meist ja nicht so besonders erholsam, doch wir verbrachten zehn angenehme Tage in einem netten Reihenhaus am Rande des beschaulichen Stadtteils Greenwich. So ein Besuch in einer Weltstadt will natürlich gut vorbereitet sein, angefangen mit der Oyster Card [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Habe unlängst mit meinen Kindern Urlaub in der Nähe von London gemacht. In der Regel sind Städtereisen meist ja nicht so besonders erholsam, doch wir verbrachten zehn angenehme Tage in einem netten Reihenhaus am Rande des beschaulichen Stadtteils Greenwich. So ein Besuch in einer Weltstadt will natürlich gut vorbereitet sein, angefangen mit der Oyster Card für den öffentlichen Nahverkehr, die jedem London-Besucher unbedingt zu empfehlen ist. Und da ich mich noch an die langen Warteschlangen vor den großen Museen und Sehenswürdigkeiten während meines jüngsten Aufenthalts in Paris erinnern konnte, war es nur natürlich, dass ich mir vor unserer Abreise nach Großbritannien Eintrittskarten zu den wichtigsten Londoner Attraktionen sichern wollte.</p>
<p>Man braucht im Internet tatsächlich nicht lange zu suchen, da sticht einem die Homepage des „London Pass“ ins Auge. Und ganz schnell wird deutlich, dass nicht nur viele Sehenswürdigkeiten mit diesem Pass kostenlos besichtigt werden können, für die man selbst mit einer kleinen Familie im teuren London normalerweise Hunderte britischer Pfund innerhalb weniger Tage berappen müsste. Warteschlangen vor den Museen? Nicht mit dem London Pass, so die Werbung. Und je länger die Laufzeit des Passes, desto billiger sei der ganze London-Urlaub pro Tag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Homo oeconomicus in Urlaub?</strong></p>
<p>Da ich als Freund der Verhaltensökonomik zur Erhöhung des eigenen Wohlbefindens immer peinlich genau darauf achte, Kosten zu bündeln, entschied ich mich für die 10-Tages-Variante des London Pass, bei der sich der Preis von anfänglich 59 für einen einzigen Tag am Ende auf etwas mehr als 15 Pfund pro Tag ermäßigte. Pro Person versteht sich. Als ich dann auch noch auf die Gesamtbestellung einen anständigen, natürlich nur kurzfristig erhältlichen Rabatt erhielt, war auch der mentalen Kontoführung genüge getan. Denn die Anbieter solcher Produkte wissen natürlich ganz genau, dass ein Rabatt bei solch deftigen Summen zumindest am Ende das angenehme Gefühl hinterlässt, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Was noch viel besser war: Wenn wir es extrem geschickt anstellten und tatsächlich alle Attraktionen des London Pass ausnutzen würden, hätte jeder homo oeconomicus über 18 Jahre fast 900 Pfund in 10 Tagen sparen können, aber vermutlich nicht wirklich Spaß gehabt.</p>
<p>Denn die Realität war eine andere. Schnell begriffen wir, dass man in Windeseile durch London hetzen muss, wenn man tatsächlich in den Genuss aller angebotenen Preisvorteile kommen möchte. Und meine älteste Tochter rechnete beflissen aus, wie viele Minuten wir wo höchstens verbringen dürften, um das meiste aus dem Pass heraus zu holen. Aber es dauerte nicht einmal einen halben Tag, bis wir alle in eine Art Generalstreik verfielen und nicht mal mehr noch ganz schnell vor Toresschluss Traitors&#8216; Gate im Tower passieren wollten. Der botanische Garten? Hätte jeden von uns ein paar Pfund erspart, aber keiner wollte deswegen eine längere U-Bahnfahrt antreten. Die Doppeldecker-Bustour hätte ich normalerweise auch nicht gemacht, und fast wurde ich ein wenig misslaunig, als der Bus minutenlang im Londoner Verkehr mitten in einer Straßenschlucht steckenblieb.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Warteschlangen</strong></p>
<p>Und die große Zeitersparnis langer Schlangen vor den Museen? Ich durfte erfahren, dass es keiner sogenannten Fast Lane bedurfte, um schneller als andere in die Modern Tate zu gelangen – der Eintritt war nämlich wie bei vielen anderen Museen frei. Und der vom London Pass in Aussicht gestellte Audioguide war leider auch nicht verfügbar, weil das Lesegerät für unsere London-Pässe gerade kaputtgegangen war. Längst hatten wir die monetären Vorteile vergessen, zumal uns die Jagd auf weitere Schnäppchen in Rekordzeit jeglichen Erholungsspaß verdarb. Nein, wir waren ganz bestimmt auch nicht (wie viele andere) auf der Jagd nach Pokémon durch London.</p>
<p>Ganz davon zu schweigen, dass der London Pass ausgerechnet für die ganz großen, vor allem bei Kindern beliebten Attraktionen wie London Eye (abgesehen von einem Mini-Rabatt), Madame Tussaud‘s oder das Gruselkabinett The London Dungeon nicht galt. Mit anderen Worten: Nach ein paar Tagen geriet das Joch des London Passes glücklicherweise ein wenig in Vergessenheit. Wenn da nicht meine älteste Tochter gewesen wäre, die am Tag Nummer 9 lakonisch feststellte: Break-even erreicht!</p>
<p>Endlich waren die Kosten des Passes mittels gesparter Eintrittsgelder ausgeglichen. Auf die Jagd nach mehr hatten wir bewusst verzichtet. Denn wir wollten einfach nur das was einen Urlaub ausmacht: Spaß, Entspannung, Erholung, in den Tag hineinleben und einfach tun und lassen können, wie es einem gerade gefällt.</p>
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		<title>Nicht auf der faulen Haut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jun 2016 07:09:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun haben also die Schweizer am vergangenen Wochenende in einem Referendum über ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt. Aber nur 22 Prozent der Wählerinnen und Wähler votierten  für diesen Vorschlag, dessen Umsetzung bedeutet hätte, dass künftig jede dauerhaft in der Schweiz ansässige volljährige Person bis zu 2.500 Franken im Monat bekommen würde. Dabei hat es mich gewundert, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun haben also die Schweiz<img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-8885 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S-300x200.jpg" alt="altes wohnhaus detail" width="300" height="200" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S-300x200.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S-768x512.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Fotolia_42137647_S.jpg 849w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />er am vergangenen Wochenende in einem Referendum über ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt. Aber nur 22 Prozent der Wählerinnen und Wähler votierten  für diesen Vorschlag, dessen Umsetzung bedeutet hätte, dass künftig jede dauerhaft in der Schweiz ansässige volljährige Person bis zu 2.500 Franken im Monat bekommen würde. Dabei hat es mich gewundert, wie wenig Interesse hierzulande diese doch brisante Abstimmung  hervorgerufen hat. Zumal im Vorfeld des Referendums teilweise heftig diskutiert wurde. Zu teuer sei das Ganze, hieß es oft, und das bedingungslose Grundeinkommen setze falsche Anreize, war zu hören.</p>
<p>Anfang des Jahres gab es vom schweizerischen Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE eine erste repräsentative Umfrage, die zu dem Ergebnis kam, dass nach Einführung des bedingungslosen Einkommens nur 2 Prozent der Befragten zu arbeiten aufgehört hätten. Mehr als die Hälfte der Befragten gab stattdessen an, das Einkommen dafür zu nutzen, mehr Zeit für Familie und Weiterbildung aufzubringen. Fast hörten sich die Antworten an, als habe man die Frage: „Wie würde ein Lottogewinn Ihr Leben verändern?“ gestellt. Doch offensichtlich wollten die Schweizer keinen Lottogewinn.</p>
<p>Dennoch bezweifle ich, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten einfach blind der Empfehlung der Regierung gefolgt ist, die sich bereits vor der Abstimmung deutlich gegen das bedingungslose Grundeinkommen gestellt hatte. Oder hatten die Bürgerinnen und Bürger gar Angst, das Grundeinkommen könne die öffentliche Moral untergraben und, wie es in der Internetausgabe des Economist vom 5. Juni hieß, die braven Schweizer in eine „Gesellschaft von unmotivierten sozialen Trittbrettfahrern“ verwandeln? Immerhin zeigte sich an der Umfrage von DemoSCOPE , dass rund ein Drittel der Befragten dachte, die <em>Anderen</em> würden mit Einführung eines Grundeinkommens die Arbeit niederlegen. Nach dem Motto: Ich selbst würde natürlich genauso fleißig weiterarbeiten wie zuvor, aber meinem Nachbar traue ich diese Haltung nicht zu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Grundübel sozialer Vergleich</strong></p>
<p>Und damit wären wir bei einem menschlichen Grundübel angelangt: dem sozialen Vergleich. Ein Gewinn von einer Million Euro wäre zwar ganz nett, aber wenn die Nachbarn auch jeweils eine Million Euro gewinnen würden, dann fänden das viele Menschen nicht so lustig. Ähnlich mag es sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen verhalten.</p>
<p>Denn viele Menschen haben den Drang, ihre Stufe auf der sozialen Leiter ständig mit der anderer Leute abzugleichen, um den eigenen Rang gegenüber Dritten zu manifestieren. Dies geschieht normalerweise über Positionsgüter, über die ich <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://joachim-goldberg.com/2013/10/11/wer-hat-das-groesste-geweih/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a></span> und <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://joachim-goldberg.com/2013/10/16/positionsgueter-sind-kein-nullsummenspiel-teil-2/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a> </span>vor längerer Zeit ausführlich geschrieben habe. Und der Wert dieser Positionsgüter bemisst sich eben an der Exklusivität, mit der man ihren Besitz für sich reklamieren kann. Was für alle und für jeden erschwinglich ist, taugt nun einmal nicht zum Positionsgut.</p>
<p>Obwohl Positionsgüter eine Gesellschaft nicht glücklich machen, weil der Blick nach oben unzufriedener macht als die Genugtuung, von der eigenen Höhe auf andere, niedriger Gestellte herabzusehen. Und weil es meist nur einen Gewinner geben kann, dafür aber umso mehr Verlierer, denn eine Villa muss die größte in der Straße sein und nur einer darf auf dem Chefsessel Platz nehmen. Am Ende eines Wettrennens kommt Einer als Erster ins Ziel, und die Anderen laufen frustriert hinter ihm her.</p>
<p>Das bedingungslose Grundeinkommen wäre möglicherweise sozial gerecht gewesen und hätte gerade in den unteren Einkommensschichten für eine gewisse monetäre Sicherheit gesorgt. Aber möglicherweise haben bei der Abstimmung am vergangenen Sonntag viele Menschen die Abhängigkeit von einem bedingungslosen Grundeinkommen als Makel empfunden. Als Stillstand und Hemmnis für die eigene  Weiterentwicklung. Denn die Hoffnung und der Wille, es in Zukunft auf jeden Fall besser als heute und besser als andere haben zu wollen, ist eine wichtige Triebfeder für das wirtschaftliche Wachstum einer Gesellschaft. Um den Preis einer steigenden Ungleichheit.</p>
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		<title>In der Commitment-Falle?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 May 2016 15:43:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Zeitung Die Welt[1] hat jüngst ganz richtig festgestellt, dass sowohl zwischenmenschliche Beziehungen als auch Geldangelegenheiten kompliziert sind. Auf jeden Fall kann man sagen, dass diesbezügliche Entscheidungen auffallende Ähnlichkeiten aufweisen. In dem besagten Artikel ging es zunächst darum, wer eigentlich beim ersten Rendezvous die Rechnung begleichen soll. Dabei beruft sich Die Welt auf eine repräsentative [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/in-der-commitment-falle/">In der Commitment-Falle?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeitung <em>Die Welt</em><a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> hat jüngst ganz richtig festgestellt, dass sowohl zwischenmenschliche Beziehungen als auch Geldangelegenheiten kompliziert sind. Auf jeden Fall kann man sagen, dass diesbezügliche Entscheidungen auffallende Ähnlichkeiten aufweisen. In dem besagten Artikel ging es zunächst darum, wer eigentlich beim ersten Rendezvous die Rechnung begleichen soll. Dabei beruft sich <em>Die Welt</em> auf eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa (zusammen mit der Gothaer Versicherung). Demzufolge gibt es zwischen Frauen und Männern unterschiedliche Ansichten, wer beim ersten Date die Rechnung übernehmen soll. Denn im Durchschnitt bestehen in Deutschland 59 Prozent der Frauen darauf, die Kosten zu teilen, während 60 Prozent der Männer – im Alter zwischen 30 und 44 Jahren sind es sogar 68 Prozent – die Rechnung für Speisen und Getränke alleine übernehmen möchten.</p>
<p>Dabei dürfte den wenigsten Herrschaften bewusst sein, dass sie mit der Übernahme der Kosten für ein romantisches Dinner zu zweit eine gewisse Bindung an ebendiese Entscheidung (Commitment) eingehen. Und diese Bindung wird mit jedem weiteren materiellen, aber auch psychischen Einsatz immer stärker – manchmal wird sogar eine lebenslängliche Beziehung daraus. Mit anderen Worten: Derjenige der beim ersten Date die Rechnung übernimmt, sitzt, ohne das vielleicht zu ahnen, ganz schnell in der Commitment-Falle. Denn letztlich soll sich der Einsatz ja auch gelohnt haben. Und dafür bringt man möglicherweise jede Menge weiterer „Opfer“.</p>
<p>Derjenige hingegen, der beim ersten Date eingeladen wird, hat es selbst in der Hand. Wenn sie/er sich einladen lässt, steigen die Chancen, dass sich aus dem ersten Treffen mehr entwickelt. Wer das nicht möchte, sollte auf jeden Fall auf getrennte Rechnungen bestehen. Weil eine Kostenteilung das jeweilige Commitment und die Folgekosten immerhin verringert.</p>
<p>Um Commitments geht es übrigens auch bei der wöchentlichen Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt, die ich wie jeden Mittwoch <strong>(<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Die-Angst-ins-fallende-Messer-zu-greifen-620486" target="_blank">HIER</a></span></strong>) kommentieren darf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Gelesen in der Internetausgabe vom 28. April 2016</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/in-der-commitment-falle/">In der Commitment-Falle?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Eine langwierige Entscheidung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Apr 2016 12:51:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation]]></category>
		<category><![CDATA[Baufinanzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollbedürfnis]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Regeret]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Freund B. Ist ziemlich wohlhabend. So gut betucht, dass er seiner 20-jährigen Tochter demnächst eine Eigentumswohnung kaufen will. Denn B. hat wie viele andere Anleger Angst vor Negativzinsen und will so einer schleichenden Erosion seines Vermögens entgehen. 500.000 Euro für eine 120 Quadratmeter große Altbauwohnung in einer deutschen Großstadt, das ist ein akzeptabler Preis, aber selbst für B. kein Pappenstiel, auch wenn er das Geld ohne größere Probleme aus seinem Vermögen aufbringen kann. Daher war es verwunderlich, dass er 20 Prozent des Kaufbetrags über ein Immobiliendarlehen finanzieren wollte. Er fühle sich damit einfach besser, so seine Erklärung. Außerdem würde seine Tochter ja nicht mietfrei in der Wohnung leben, sondern durchaus eine halbwegs marktgerechte Miete bezahlen müssen. Und mit der könnte er locker den Kredit bedienen, rechnete er mir neulich bei einem gemeinsamen Abendessen vor.</p>
<p>Jetzt galt es eigentlich nur noch, die besten Konditionen für einen Immobilienkredit mit zehn Jahre Laufzeit – dann hätte B. das Rentenalter erreicht – zu finden. Da gab es zum einen die Hausbank, deren schnörkelloses und transparentes Angebot am teuersten war. Ein anderes Kreditinstitut schlug vor, das Darlehen mit einem Bausparvertrag zu kombinieren. Das wäre Platz zwei gewesen. Doch wurmte es B., dass er als kostenbewusster Kreditnehmer eine Abschlussgebühr von einem Prozent der Bausparsumme (O-Ton: „Wer die wohl bekommt?“) bezahlen sollte. Umso besser, dass es noch einen dritten Anbieter, einen Lebensversicherer, gab, der mit Abstand die besten Konditionen zu bieten hatte.</p>
<p>Aber eine Versicherungsgesellschaft würde ihrem Namen nicht gerecht, wenn sie mit einem solchen Baudarlehen keine Risikolebensversicherung verknüpfen würde. Interessanterweise nicht auf das Leben des Kreditnehmers, sondern auf das der lieben Tochter. „Nein“, sagte der Versicherungsberater, B. müsse nicht unbedingt so eine Versicherung abschließen, aber dann würde der Kredit eben ein kleines bisschen (etwas mehr als die Versicherungsprämie) teurer. Klar, dass sich der kostenbewusste B. wie ein homo oeconomicus für das Darlehen mit Risikolebensversicherung entschied.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Angst vor späterer Reue</strong></p>
<p>Aber B. ist eben nicht nur ein kalt kalkulierender homo oeconomicus, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und die Angst, die B. in seinem Leben am meisten umtreibt, war wohl die, eine wichtige Entscheidung hinterher bereuen (regret) zu müssen. Kein Wunder also, dass B. noch einmal seine Tochter einer Befragung über ihren Freund, der mit in die neue Wohnung einziehen sollte, unterzog. Ob die Liaison zehn Jahre Kreditlaufzeit überstehen würde? Ob dem Freund zuzutrauen wäre, sich mit einer neuen Partnerin in der Wohnung einzunisten und sich eiskalt weigern könnte, auszuziehen? Solche und andere Szenarien wurden durchgespielt, die Tochter schwankte zwischen Wut über die Unterstellungen des Vaters und eigenen nagenden Zweifeln hin und her, kurz: Das familiäre Klima war empfindlich gestört.</p>
<p>Hätte B. bei seinem zumindest zum Teil nachvollziehbaren Misstrauen nicht besser das ganze Vorhaben abblasen sollen?</p>
<p>Vielleicht weil B. gleichzeitig immer noch die drohenden Negativzinsen im Hinterkopf hatte, sah er schließlich ein, dass es für den glücklichen Fortbestand von Freundschaften, Beziehungen oder Ehen keine Garantie gibt. B., überglücklich, seine Zweifel überwunden zu haben, rief seinen Kreditberater an, er sei „abschlussreif“.</p>
<p>Wenn da nicht der Gesundheitsfragebogen für die Versicherung seiner Tochter gewesen wäre.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Macht der mentalen Konten</strong></p>
<p>Nicht dass sie in irgendeiner Weise Vorerkrankungen oder ähnliches vorzuweisen gehabt hätte. Aber sie rauchte. Und dieser Umstand erhöhte die Prämie für die Lebensversicherung um 2,70 Euro pro Jahr. Kosten, die B. den Rest gaben. Jetzt also noch so ein kleiner fieser Extra-Verlust nach all den interfamiliären Zweifeln und Diskussionen!</p>
<p>B. traf eine Entscheidung, die er gleich hätte treffen sollen: Er verzichtete auf den Kredit.</p>
<p>Denn solche nachträglichen Verluste, seien sie auch noch so klein, werden bei demjenigen, der sie bezahlen muss, separat (als zusätzliches mentales Verlustkonto) wahrgenommen und hinterlassen einen schalen Nachgeschmack. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, der Darlehensgeber hätte die Lebensversicherung von vornherein etwas teurer (d. h. die Kosten aggregiert) gestaltet? Das wäre vermutlich unbemerkt geblieben.</p>
<p>Mehr noch: Wenn B.‘s Tochter gar Nichtraucherin gewesen wäre. Das hätte dann die Versicherung nachträglich ein bisschen günstiger gemacht – B. hätte sich wegen des mentalen Zusatzgewinns gut gefühlt und die Finanzierung ohne Zögern gerne abgeschlossen.</p>
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