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	<title>Disziplin Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Auf jede Euphorie folgt irgendwann die Strafe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2021 05:54:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten der vorangegangenen Handelstage war der gestrige eher als Ruhetag zu verbuchen. Es ist ja auch nicht ganz einfach, immer wieder die gleiche Story zu spielen, sprich das US-Stimulus-Paket, das, wenn alles gut geht, einen Umfang von etwa 1,9 Billionen USD haben soll. Dabei geht die Bandbreite der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Im Vergleich zu den Entwicklungen an den Aktienmärkten der vorangegangenen Handelstage war der gestrige eher als Ruhetag zu verbuchen. Es ist ja auch nicht ganz einfach, immer wieder die gleiche Story zu spielen, sprich das US-Stimulus-Paket, das, wenn alles gut geht, einen Umfang von etwa 1,9 Billionen USD haben soll. Dabei geht die Bandbreite der Kommentare bezüglich des Programms von „willkommen und unbedingt notwendig“ bis hin zu „überzogen und inflationstreibend“; auch dass das Programm den Falschen zugutekäme und womöglich die Spekulationssucht an den Aktienmärkten fördere, ist mancherorts zu lesen.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13068" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/02/10022021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Alles bestens unter Kontrolle </strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber ebenso ist von zügelloser, kaum noch kontrollierbarer Gier die Rede. Und wenn es einmal eine Korrektur bei den großen Aktien-Indices gibt wie beispielsweise in der vorvergangenen Woche in Folge des „Aufstands der Privatanleger“ (Stichwort GameStop), ist das für die Finanzmarktteilnehmer längst nicht mehr ein Grund, richtig Angst zu bekommen. Auch wenn die Korrektur eine Größenordnung von 3 bis 5 Prozent erreicht.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ich habe nicht gezählt, wie oft es in den vergangenen Monaten, aber auch vor Beginn der Covid-19-Pandemie, zu solchen Kaufgelegenheiten gekommen ist, die sich im Nachhinein wie Geschenke für kaufwillige Investoren angefühlt haben. Man könnte es auch anders ausdrücken: Mit jedem Rücksetzer am Aktienmarkt, der anschließend von einer noch stärkeren Rallye abgelöst wird, erhöht sich das Gefühl der Akteure, den Markt immer besser unter Kontrolle zu haben. Und genau das führt zu Overconfidence und oft zu Gier.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Angstfreie Gier</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wenn dann irgendwann überhaupt keine Angst mehr im Spiel ist, also sozusagen eine angstfreie Gier herrscht, könnte man auch von einer Kontrollillusion sprechen, deren Kennzeichen die Euphorie ist. Auch wenn niemand sagen kann, wie viel Euphorie die globalen Aktienmärkte noch vertragen, ist der warnende Zeigefinger vor allem in Interviews mit erfahrenen Tradern förmlich zu spüren, und die insgeheime Botschaft lautet, dass bislang auf jede Euphorie eine Strafe gefolgt ist. Unklar bleibt allerdings, wann dieser Fall eintritt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… und undisziplinierte Analysten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Während es also an den Aktienmärkten ruhig zuging, gilt dies nicht für das Verhältnis des Euro gegenüber dem US-Dollar. Denn die Gemeinschaftswährung hat sich gestern vor allem für den Geschmack technisch orientierter Analysten mancherorts etwas zu deutlich befestigt. Die Rede ist von der Head &amp; Shoulders-Umkehrformation, die doch vor einigen Tagen (vgl. meinen Kommentar <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2021/02/03/hingefallen/" target="_blank" rel="noopener">HIER</a></strong></span>) ein klares Verkaufssignal gegeben hatte. Nun ist diese ausgesprochen beliebte Formation, je nachdem, wann man deren Scheitern zugeben möchte, gestern zumindest nach den Gesetzen mancher Lehrbücher zerstört worden. Auch wenn sich der ein oder andere Analyst, wie ich im Internet lesen konnte, noch ein Hintertürchen offen lässt und lieber abwarten möchte, ob die Formation doch noch funktioniert. Aber ein Hintertürchen dieser Art ist eigentlich nichts anderes als ein Stopp-Loss, eine Verlustbegrenzung, die nicht befolgt wird. Wo doch gerade die Techniker unter den Analysten immer wieder Handels-Disziplin anmahnen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Für uns ist der Euro gestern mit Überschreiten von 1,2095/00 zumindest soweit gestiegen, dass sich seine Lage etwas stabilisiert hat. Ohne dass dabei derzeit die Bäume in den Himmel wachsen (möglicherweise bis <strong>1,2200</strong>). Mit anderen Worten: Es spricht kurzfristig viel für eine fortgesetzte Seitwärtsbewegung, innerhalb derer die Gemeinschaftswährung oberhalb von <strong>1,20010/15</strong> in stabilem Fahrwasser bleibt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Lob der Diäten-Disziplin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Sep 2013 08:13:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Abnehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch ich gehöre zu den Menschen, die Zeit ihres Lebens auf ihr Gewicht achten müssen. Dabei habe ich alles Mögliche ausprobiert, um schlank zu bleiben beziehungsweise zu werden. Manchmal ist es mir tatsächlich gelungen, viel abzunehmen, aber ich war mindestens so erfolgreich darin, alles, was ich an Pfunden verloren hatte, erneut in Form von Fettreserven [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch ich gehöre zu den Menschen, die Zeit ihres Lebens auf ihr Gewicht achten müssen. Dabei habe ich alles Mögliche ausprobiert, um schlank zu bleiben beziehungsweise zu werden. Manchmal ist es mir tatsächlich gelungen, viel abzunehmen, aber ich war mindestens so erfolgreich darin, alles, was ich an Pfunden verloren hatte, <span id="more-6528"></span>erneut in Form von Fettreserven wieder aufzubauen. Ja, ich kenne mich wirklich aus. Man könnte mich mit verbundenen Augen die verschiedenen Diät-Pulversorten kosten lassen, und ich würde die jeweilige Marke sofort am Geschmack erkennen und benennen können. Ich könnte Ihnen auch aus dem Stand seitenlange Kalorientabellen auswendig aufsagen. Ja, ich habe, ach, auch die Low-Carb und die Low-Fat-Theorien  studiert und verfüge zusätzlich über Jahre lange Erfahrungen mit Trennkost. Meiner Schwiegermutter verdanke ich die Bekanntschaft mit der berühmten Kohlsuppen-Diät nach Köhnlechner, nur muss ich an dieser Stelle bekennen, dass ich dieses Experiment vorzeitig abgebrochen habe. Noch heute beschleicht mich Übelkeit, wenn ich nur an diese grünlich-wässrige Brühe denke. Kurzum: Auf dem Felde der Diäten kann man mir nichts mehr vormachen.</p>
<p>Dachte ich jedenfalls, bis mich neulich ein Beitrag in der Online-Ausgabe der Zeitung <i>Die Welt<a title="" href="#_ftn1"><b>[1]</b></a> </i>aufhorchen ließ, wo nach neuesten Erkenntnissen zufolge harte Abmagerungskuren Kilo nachhaltiger purzeln lassen als jede sanfte Diät. Also Schluss mit dem langsamen Abnehmen, so wie es mir Ernährungs-Profis und Ärzte immer geraten haben. Von wegen realistische Ziele setzen, gepaart mit etwas mehr Bewegung im Alltag, weil  Körper und Gehirn Zeit bekommen sollen, sich an die Gewichtsreduktion zu gewöhnen – offenbar alles ein Trugschluss, wie ein Forscherteam der University of Florida bereits vor drei Jahren ermittelt hat!<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> Danach verloren  Menschen mit einem höheren Gewichtsverlust in den ersten Monaten (mehr als 680 g pro Woche) am Ende nicht nur mehr Gewicht als diejenigen, bei denen der Zeiger auf der Waage im ersten Monat deutlich weniger nach links zurückging. Die disziplinierten Schnellabnehmer konnten außerdem mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit als ihre bedächtigeren Mitstreiterinnen selbst nach 18 Monaten noch ihren zehnprozentigen Gewichtsverlust halten.</p>
<p>Wie kann es zu solch umwerfenden neuen Erkenntnissen kommen? Zunächst einmal verweisen Psychologen darauf, dass es früher nur wenige Studien gab, die sich mit nicht-klinischen Beispielen  massiven Übergewichts beschäftigten. Ganz zu schweigen davon, dass sich viele Studien zum Thema Diäten alleine mit dem Gewichtsverlust, nicht aber mit deren Einflüssen auf das Verhalten der Betroffenen auseinandersetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Zielvorgabe ist Referenzpunkt </b></p>
<p>Denn oftmals wird übersehen, dass Zielvorgaben –  egal, ob es sich um das Traumgewicht für den Strand oder eine Gewinnvorgabe an der Börse handelt – gleichzeitig als Referenzpunkt und als Trennlinie zwischen Zufriedenheit und Enttäuschung fungieren. Menschen mit hohen Zielen setzen ihre Zufriedenheitsmarke demnach höher, weswegen ein Gewichtsverlust von fünf Kilogramm bei einem Abnehm-Ziel von zehn Kilo zu einer größeren Unzufriedenheit führt als bei jemandem, der sich nur einen Gewichtsverlust von sechs Kilogramm vorgenommen hat. Daher mag auch die Überlegung rühren, dass hohe Ziele leicht zu großer Frustration bei den Betroffenen führen können. Allerdings strengen sich Menschen mit hohen Zielvorgaben wesentlich mehr an, weil sie so diesem Gefühl der Unzufriedenheit aus dem Wege gehen möchten. Im Gegensatz zu denjenigen, die sich nur kleine Ziele setzen<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>.</p>
<p>Hochgesteckte Ziele sind jedoch nur mit eiserner Disziplin als einem wesentlichen Bestandteil aller Anstrengungen zu erreichen. Geringe Zielvorgaben mögen zwar schneller und leichter erfüllbar sein, aber genau deswegen erfordern sie auch keine so große Anstrengung, so dass in der Konsequenz auch die Notwendigkeit der Disziplin meist nicht erkannt wird. Vor allem wenn kleine Ausrutscher in Form von Sahnetorte oder Pizza immer wieder vom geraden Weg zum Ziel ablenken. Verführungen, denen Menschen ohne Disziplin nicht nur häufiger nachgeben. Sie glauben außerdem, dass sie diese Kalorienüberschüsse auch nicht sofort wieder durch knallharte Reduktion der Essensmenge am nächsten Tag gleich wieder ausgleichen müssen. Nach dem Motto: „Ich kann mir ja Zeit lassen. Die Vorgabe, bis Jahresende insgesamt fünf Kilo abgenommen zu haben, schaffe ich trotzdem noch.“ Hier wird der Weg so häufig zum Ziel gemacht, dass man dort nie mehr ankommt und der Referenzpunkt „Zufriedenheit“ in unerreichbare Ferne rückt.</p>
<p>Und ein Leben, das nur aus Disziplin besteht? Das macht auch keinen Spaß.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Die Welt online vom 15.7.2013 </p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Nackers, L. et al (2010): <i>The Association Between Rate of Initial Weight Loss and Long-Term Success in Obesity Treatment: Does Slow and Steady Win the Race?</i> International Journal of Behavioral Medicine, 2010, Sep, 17 (3), pp. 161-167</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Vgl. Locke, Edwin A. et Latham, Gary, P. (2002): <i>Building a Practically Useful Theory of Goal Setting and Task Motivation, A 35-Year Odyssey</i>, American Psychologist, Vol 57, No. 9, 705-717</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
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		<title>Ohne Rücksicht auf Verluste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 11:52:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum traute ich meinen Augen, als ich vor ein paar Tagen im ansonsten von mir hoch geschätzten Handelsblatt (Online-Ausgabe vom 25. Juli)  in der Kolumne &#8222;Nachgerechnet&#8220; eine Abhandlung über den „Zweifelhaften Nutzen von Stopp-Loss-Orders“ entdeckte. Bekanntermaßen gehe ich in Sachen Verlustbegrenzung keine Kompromisse ein. Deshalb schon hat mich die Botschaft, die die Autorin in geradezu [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Kaum traute ich meinen Augen, als ich vor ein paar Tagen im ansonsten von mir hoch geschätzten Handelsblatt (Online-Ausgabe vom 25. Juli)  in der Kolumne &#8222;Nachgerechnet&#8220; eine Abhandlung über den „Zweifelhaften Nutzen von Stopp-Loss-Orders“ entdeckte. Bekanntermaßen gehe ich in Sachen Verlustbegrenzung keine Kompromisse ein.<span id="more-2133"></span> Deshalb schon hat mich die Botschaft, die die Autorin in geradezu fahrlässiger Weise ihren Lesern vermitteln möchte, nachhaltig verstimmt. Doch nachgerade erschüttert war ich über die Argumentation, mit der diese den Sinn automatischer Verlust-Limits in Frage zu stellen versucht. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Um zu belegen, dass eine systematische Stopp-Loss-Strategie nur wenig Erfolg verspricht, hat Gertrud Hussla als Beispiel einen iShares-Indexfonds, der den DAX abbildet, ausgewählt und dessen Performance über die vergangenen drei Jahre verfolgt. Bei ihrer Analyse wendet sie folgende simple Regel an: Ein Anleger investiert 10.000 Euro in diesen Fonds, wobei unterstellt wird, dass er nach einem Verlust von 15 Prozent aussteigt und am Anfang des folgenden Monats seine Anteile wieder zurückkauft. Das Ergebnis dieser Strategie ist in der Tat eher bescheiden, so dass die Autorin zu dem Schluss gelangt, dass es sinnvoller gewesen wäre, den Indexfonds einmal zu kaufen und ohne Rücksicht auf Verluste bis heute zu halten.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Ich habe mich gefragt, warum Gertrud Hussla ausgerechnet 15 Prozent als Verlustbegrenzung angesetzt hat. Ich habe mich auch gefragt, warum sie für den Ausstieg eine preisabhängige Prozentregel und für den Wiedereinstieg ein zeitabhängiges Datum, nämlich ausgerechnet den Monatsanfang, wählt. Verhält sich so ein Privatanleger? Tatsächlich möchten die meisten Anleger doch erst einmal einen Beweis für eine deutliche Erholung nach einem großen Verlust sehen. Wäre es nicht folgerichtiger gewesen, wenn ein Wiedereinstieg ebenfalls preisabhängig erfolgt wäre, etwa nachdem der Indexfonds wieder 15 Prozent gestiegen wäre? Ganz zu schweigen vom Testzeitraum der Strategie, der mit einer Dauer von drei Jahren und mit ein paar Signalen (die werden im zum Artikel gehörenden Videoclip von der Autorin erläutert) viel zu kurz ist. Außerdem beginnt er ausgerechnet auch noch mit einem außergewöhnlichen Ereignis (Lehman) und einem statistisch nicht gerade alltäglichen Kurssturz. Immerhin betont Frau Hussla mehrfach, dass das Beispiel natürlich willkürlich gewählt sei, um aber sogleich hinzuzufügen, wissenschaftliche Studien kämen zu einem ähnlichen Schluss.  Wobei sie uns leider Titel, Autor, Erscheinungsort und -jahr dieser Studien verschweigt.</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Was kann uns dieser Artikel also trotz meiner Bedenken beweisen? Sicherlich nicht, dass Stopp-Loss-Orders von geringem Nutzen sind. Stattdessen hat die Journalistin eindrucksvoll bewiesen, wie wenig sinnvoll die von ihr selbst gewählte Strategie ist. Viel gravierender scheint mir aber, dass auch sie glaubt, mit solch einem “Backtraden“, also mit dem nachträglichen Handeln und Optimieren von Handelssignalen einer bekannten Vergangenheit,  eine gute Strategie für eine unbekannte Zukunft finden zu können – ein Irrglauben, dem auch immer wieder selbst erfahrene Marktteilnehmer erliegen. </span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
<p><span style="font-size: small;">Etwas Positives kann die Kolumne am Ende Stopp-Loss-Orders doch noch abgewinnen: Sie beruhigen ungemein die Nerven. Deswegen würde selbst Gertrud Hussla sie „ab und zu vielleicht doch mal nutzen“. Wann, das sollte sich der geneigte Leser oder Anleger am besten selbst aussuchen. Und diese Nonchalance nenne ich konsequent unsystematisch, und ich fürchte: Das kann teuer werden …</span></p>
<p><span style="font-family: Times New Roman; font-size: small;"> </span></p>
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		<title>Keine Kapitulation der Kanzlerin</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/1065/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 09:54:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Glückwunsch, Frau Merkel, dachte ich zunächst, als sie ein Moratorium von drei Monaten ankündigte, um die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke zu überdenken. Damit würde die im Lichte der japanischen Atomunfälle fehlerhaft erscheinende Entscheidung konsequent zurückgenommen. Ja, ich ließ mich blenden: Sogar die alten und umstrittenen AKW Neckarwestheim I, Isar I und Biblis sollen vom Netz. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Glückwunsch, Frau Merkel, dachte ich zunächst, als sie ein Moratorium von drei Monaten ankündigte, um die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke zu überdenken. Damit würde die im Lichte der japanischen Atomunfälle fehlerhaft <span id="more-1065"></span>erscheinende Entscheidung konsequent zurückgenommen. Ja, ich ließ mich blenden: Sogar die alten und umstrittenen AKW Neckarwestheim I, Isar I und Biblis sollen vom Netz. Was für eine Disziplin! Das hätte jedem Lehrbuch für angehende Händler in den Finanzmärkten zur Ehre gereicht. Im vergangenen Jahr eine Position mit hohem Commitment eingehen (Laufzeitverlängerung), sehen, dass die Dinge nicht so laufen wie beabsichtigt, Verlust realisieren. Fertig.</p>
<p>Dann fiel mir wieder ein, dass Händler normalerweise gar nicht so diszipliniert sind, sondern im Falle eines Verlustes entweder abwarten, bis sie wieder ihren (wahrgenommenen) Einstandspreis erreicht haben. Oder, wenn es überhaupt nicht mehr geht, wenn der psychische oder monetäre Druck so hoch ist, dass sie ihn nicht mehr aushalten können, kapitulieren sie. Kapitulation bedeutet Ausverkauf der Position um jeden Preis. Und deswegen vermeiden es die meisten Akteure tunlichst, diese Notbremse tatsächlich zu ziehen. Nicht nur wegen ihrer Abneigung, einen Verlust realisieren zu müssen. Hinzu kommt nämlich noch die Angst vor dem Bereuen (regret), wenn sich etwa nach einem Ausverkauf der Aktien die Kurse anschließend wieder nach oben bewegen würden. Fragt man Händler, was sie lieber erleben würden: Verkaufen am tiefsten Punkt der Marktentwicklung und einen anschließenden Kursgewinn von 10 Prozent miterleben müssen? Oder nichts tun und einen weiteren Verlust von 10 Prozent in Kauf nehmen? – Obwohl zehn Prozent Verlust mehr sind als 10 Prozent Gewinn, würde sich die Mehrheit der Menschen dafür entscheiden, lieber nichts zu tun: „Die 10 Prozent Verlust machen den Kohl jetzt auch nicht mehr fett“, heißt es landläufig.</p>
<p>Genau diese Notbremse hat auch Frau Merkel nicht gezogen, selbst wenn sich die politischen Kommentatoren die Augen reiben im Angesicht der Geschwindigkeit, mit der sich die Regierung auf das Moratorium geeinigt hat. Aber es ist eben nur ein Moratorium, das heißt: eine Kunstpause, eine Verzögerung. Fast hat es den Anschein, als sei die Kanzlerin bei dieser Strategie von einem Behavioral-Economics-Experten beraten worden. Nicht nur, weil in den kommenden drei Monaten in Deutschland vier von fünf verbleibenden Landtagswahlen dieses Jahres stattfinden. Dank des Moratoriums braucht sie in diesem Zeitraum nicht eindeutig Stellung zu beziehen, ob sie nun in den Atomausstieg wieder einsteigen will oder nicht. Drei Monate stellen außerdem einen Zeitraum dar, in dem man sich an die Ereignisse in Japan – seien sie noch so dramatisch – selbst hierzulande ein wenig gewöhnt haben dürfte. Und die geopferten AKW? Die wird vermutlich manch verloren geglaubter Wähler sogar mental als Gewinn verbuchen. Nein, ich müsste mich schon sehr irren, wenn die Kanzlerin kapituliert hätte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/1065/">Keine Kapitulation der Kanzlerin</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Schneesturm</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 13:17:18 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf dem Spiel stand eine wunderbare Bordeaux-Weinverkostung nebst einem fantastischen mehrgängigen Menü in Bad Neuenahr. Auf beides hatte ich mich schon lange gefreut und auch schon Monate zuvor den Preis dafür bezahlt. Genauer gesagt: Ich hatte ein Commitment von mehreren hundert Euro begründet. Und nachdem sich abzeichnete, dass ich mich bislang weder bei meinen Kindern noch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Spiel stand eine wunderbare Bordeaux-Weinverkostung nebst einem fantastischen mehrgängigen Menü in Bad Neuenahr. Auf beides hatte ich mich schon lange gefreut und auch schon Monate zuvor den Preis dafür bezahlt. Genauer gesagt: Ich hatte ein Commitment von mehreren hundert Euro begründet. Und nachdem sich abzeichnete,<span id="more-696"></span> dass ich mich bislang weder bei meinen Kindern noch bei den Kollegen mit einem Schnupfen angesteckt hatte, waren die Nase frei und die Sinne offen für einen unbeschwerten Genuss, so dass einem schönen Abend eigentlich nichts mehr im Wege stand: Endlich war Donnerstag.</p>
<p>Einen großen Teil meines Weges wollte ich, so hatte ich es geplant, mit dem Zug und einen kleineren Abschnitt der Tour mit dem Taxi zurücklegen. Bereits am frühen Morgen konnte man allerdings in Radio und Fernsehen live verfolgen, wie eine Schneewalze auf Deutschland zurollte – eine Unwetterwarnung jagte die andere, von Eisregen und 30 Zentimeter Neuschnee war die Rede. Jeder vernünftige Mensch hätte sich gesagt, er bliebe bei diesem Wetter besser zu Hause und würde, wenn es gar nicht anders ginge, zumindest sein Auto stehen lassen. Ich aber befand mich in einer anderen Wahrnehmungswelt, weil ich im Gegensatz zu vernünftigen Zeitgenossen leider mit Commitment belastet war. Zu Hause zu bleiben hätte nicht nur bedeutet, auf einen wunderbaren Abend zu verzichten, sondern auch noch einen materiellen Verlust von eben diesen mehreren hundert Euro zu realisieren und mein Zugticket zurückgeben zu müssen.</p>
<p>Während des Zeitpunkts meiner Abreise immer näher rückte, zermarterte ich mir stattdessen das Hirn, ob es angesichts der Wetterprognosen nicht doch sinnvoller wäre, die Reise abzusagen. Dann aber beruhigte ich mich, denn meine „Erfahrung“ sagte mir, wie oft schon in der Vergangenheit sich derartige Unwetterwarnungen als vollkommen übertrieben herausgestellt hatten. Am Ende würde womöglich alles gar nicht so schlimm kommen und ich, mit meiner übervorsichtigen Verhaltensweise, hätte unnötig Geld aus dem Fenster geworfen. Erst nach Stunden des Grübelns und Nachdenkens fiel mir immerhin ein, dass ich eigentlich bis zum Zielort mit Zügen der Deutschen Bahn AG fahren und so auf das Taxi verzichten könnte. Selbst wenn damit natürlich eine viel längere Fahrzeit verbunden wäre. Nach einer weiteren halben Stunde des Grübelns rang ich mich dann endlich zu dieser Option durch.</p>
<p>Erschrocken war ich allerdings nachträglich über mich selbst. Wie schnell hatte ich mir wegen ein paar hundert Euro eine schöne, neue Welt zurechtgelegt und wie leicht wäre ich beinahe auch noch unnötig hohe Gefahren eingegangen. Kurzum, das Ganze erinnerte mich plötzlich an Situationen, wie ich sie im Handelssaal zigfach erleben konnte. Und ich hatte mich genauso verhalten wie ein Händler, der die wohlfeile Warnung von außen, er solle sich vor jedem Engagement unbedingt einen Stop-Loss setzen, bedenkenlos in den Wind schlägt. Oder eben in den Schneesturm, um im Bild zu bleiben. Aber wer kann schon, wenn ein satter Gewinn oder ein Chateau Montrose 1906 winken, die nötige Disziplin aufbringen, sich eine nüchterne Verlustmarke gegen sein Begehren zu setzen?</p>
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