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	<title>Commitment Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Der erste Verlust ist der kleinste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Mar 2021 05:49:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun kann man über Angela Merkel denken, was man will, aber ihr gestriger Schritt war nicht nur aus verhaltensorientierter Sicht bemerkenswert. Denn das Eingeständnis der Bundeskanzlerin, sie habe mit dem radikalen Lockdown über die Ostertage einen Fehler gemacht, verdient Respekt. Vor allem, weil Frau Merkel im Gegensatz zu vielen anderen Entscheidern als Politikerin Nummer 1 [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun kann man über Angela Merkel denken, was man will, aber ihr gestriger Schritt war nicht nur aus verhaltensorientierter Sicht bemerkenswert. Denn das Eingeständnis der Bundeskanzlerin, sie habe mit dem radikalen Lockdown über die Ostertage einen Fehler gemacht, verdient Respekt. Vor allem, weil Frau Merkel im Gegensatz zu vielen anderen Entscheidern als Politikerin Nummer 1 naturgemäß Entscheidungen mit einem extrem hohen Commitment, mit einer extrem hohen Bindung eingehen muss. Entscheidungen, die, sofern sie sich als suboptimal oder gar falsch herausstellen sollten, abgesehen von den materiellen, nur mit hohen psychischen Kosten, sprich unter erheblichen kognitiven Dissonanzen revidiert werden können. <img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13266" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/25032021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/25032021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/25032021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Wege aus der kognitiven Dissonanz</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Viele Entscheider, auch an den Finanzmärkten, gehen lieber einen anderen Weg, um die Dissonanz, die sich aus offenbar fehlerhaften Entscheidungen und schal gewordenen Positionen ergibt, zu verringern. Man hält an ihnen fest und versucht – statt zu handeln –, diese immer wieder vor sich und anderen zu rechtfertigen. Die selektive Wahrnehmung und Verarbeitung von neuen Informationen hilft dabei enorm. Denn negative Nachrichten werden im Lichte eines Verlustes oder einer nicht nach Wunsch verlaufenden Entscheidung stark verkleinert, manchmal bis zur vollständigen Ignoranz, während Positives dagegen hervorgehoben und vergrößert wird. Mit der Folge, dass Verluste und Fehlentscheidungen manchmal über Wochen, Monaten oder gar Jahre ausgesessen werden. Immer in der Hoffnung, es werde sich noch einmal alles zum Guten wenden.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Schnell den Stopp-Loss gezogen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun kann man Angela Merkel nicht nachsagen, sie habe während ihrer jahrelangen Amtszeit nicht Dissonanzen ausgehalten, die ihr in Folge ihrer Entscheidungen und die kritische Reaktion der öffentlichen Meinung darauf, oftmals geschürt durch die Medien, häufig entgegengeschlagen sind. Man denke nur etwa an die Einwanderungspolitik der Kanzlerin und ihren legendären Satz dazu: „Wir schaffen das!“ Vielmehr ist durch die gestrige Rücknahme der Osterruhe und dem damit verbundenen Eingeständnis eine Art früher Stopp-Loss gezogen worden, frei nach dem händlerischen Motto, wonach der erste Verlust der kleinste ist.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Vorteil USA</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die hiesigen Märkte hat dies alles nicht sonderlich beeindruckt. Aber auf der anderen Seite gab es auch kaum stärkere Reaktionen auf ökonomisch positive Nachrichten. Die Rede ist von der ersten Schätzung der Einkaufsmanagerindices (Markit), die für die Eurozone, aber vor allem in Deutschland, sowohl beim verarbeitenden Gewerbe – ein Rekordwert – als auch bei den Dienstleistern positiv überraschten. Allerdings werden diese guten Daten vielerorts durch die dritte Covid-19-Welle und die unkoordinierten Antworten darauf überschattet. Inklusive der schleppenden Verimpfung der Bevölkerung. Es ist der unterschiedliche Umgang mit der Pandemie, der die Akteure an den Finanzmärkten zunehmend zu dem Schluss kommen lässt, dass die USA konjunkturell der EU davonlaufen könnte.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so hat sich der Euro gestern abermals abgeschwächt und gegenüber dem Greenback sogar ein neues Jahrestief markiert. Dabei ist es weniger die Geschwindigkeit des Kursrückgangs, die zum Nachdenken Anlass geben sollte. Denn das Momentum der Bewegung ist überschaubar. Vielmehr irritiert, dass die Gemeinschaftswährung seit zwei Tagen keine stärkeren Erholungsphasen mehr produziert. Damit bleibt der Euro in seinem kurzfristigen Abwärtstrend mit weiterem Schwächepotenzial in Richtung 1,1650. Eine erste Stabilisierung ist auf der anderen Seite nunmehr nach Überschreiten von <strong>1,1920</strong> möglich.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Eine Art Mindest-Commitment</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2019 05:02:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Fed Minutes]]></category>
		<category><![CDATA[S&P 500]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jerome Powell hat, wie man auf Neudeutsch sagt, gestern bei seiner Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses „geliefert“. Er hat die Erwartungen der Marktteilnehmer nicht durch irgendwelche Fragezeichen hinsichtlich einer Zinssenkung bei der kommenden Sitzung der US-Notenbank am 30./31. Juli enttäuscht, sondern seinen Teil dazu beigetragen, dass dieser Schritt mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit stattfinden wird. Gleichzeitig hat der Fed-Chef es allerdings auch vermieden, sich hinsichtlich eines möglichen Zeitrahmens für etwaige geldpolitische Lockerungsmaßnahmen festzulegen oder gar einen Hinweis darauf zu geben, wie viele Zinssenkungen notwendig seien, um die US-Wirtschaft vor etwaigen Risiken zu schützen. Genau genommen hat Powell...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1280)</strong>             Jerome Powell hat, wie man auf Neudeutsch sagt, gestern bei seiner Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses „geliefert“. Er hat die Erwartungen der Marktteilnehmer nicht durch irgendwelche Fragezeichen hinsichtlich einer Zinssenkung bei der kommenden Sitzung der US-Notenbank am 30./31. Juli enttäuscht, sondern seinen Teil dazu beigetragen, dass dieser Schritt mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit stattfinden wird. Gleichzeitig hat der Fed-Chef es allerdings auch vermieden, sich hinsichtlich eines möglichen Zeitrahmens für etwaige geldpolitische Lockerungsmaßnahmen festzulegen oder gar einen Hinweis darauf zu geben, wie viele Zinssenkungen notwendig seien, um die US-Wirtschaft vor etwaigen Risiken zu schützen. Genau genommen hat Powell so wenig wie möglich und so viel wie nötig geliefert.<img decoding="async" class="alignright wp-image-10821" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/07/11072019.jpg" alt="" width="150" height="469" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Begründungen für diese taubenhafte Haltung gab es ohnehin genug, und man hatte den Eindruck, Powell würde bereits aus dem gestern zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichten Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) der vergangenen Juni-Sitzung der Fed zitieren. Danach hätten sich für viele FOMC-Mitglieder die Voraussetzungen, die für eine lockerere geldpolitische Haltung der Notenbank sprächen, verstärkt, war zu hören. Nicht nur, weil sich die Unwägbarkeiten aus dem US-chinesischen Handelskonflikt verstärkt hätten, sondern auch wegen der Sorge, dass sich die globalen Wachstumsprobleme auch auf den ökonomischen Ausblick der USA auswirken könnten. Die Frage, ob der jüngste Arbeitsmarktbericht seine Meinung diesbezüglich geändert habe, beantwortete Powell mit einem klaren Nein. Damit bleiben das Wachstum „solide“ und der Arbeitsmarkt „stark“, aber dennoch nicht überhitzt. Und vermutlich wäre alles fantastisch, wenn die Inflationsentwicklung nicht so schleppend verliefe, so in etwa der Eindruck, den Powells Darstellung hinterließ.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>50 Basispunkte im Juli wieder Thema für Futures-Märkte </strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so dürfte es dem Fed-Präsidenten nicht schwergefallen sein, sich gegenüber den zuletzt immer wieder aufkeimenden Tiraden des US-Präsidenten deutlich abzugrenzen. Nein, er habe nicht die Absicht, als Fed-Präsident zurückzutreten, sondern das Gesetz sehe für dieses Amt einen Zeitrahmen von vier Jahren vor, den er auch bedienen werde, so Powell.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Für die die US-Aktienmärkte gab es einen kleinen Sprung nach oben, wobei der breitgestreute S&amp;P 500-Index nur deswegen auffiel, weil er zum ersten Mal in seiner Geschichte die 3.000er Marke überwunden hatte. Die Futures-Märkte tendieren indes schon wieder zur Übertreibung, denn die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung von 50 Basispunkten ist per Ende Juli gestern von 3 auf rund 27 Prozent (vgl. CME FedWatch-Tool) gestiegen. Auch der Dollar konnte seine gestrigen Kursverluste nicht kompensieren, so dass sich der Euro zu erholen vermochte. Daran änderte auch das Protokoll der vergangenen FOMC-Sitzung nicht viel, deren Teilnehmer vielfach, aber wenig überraschend, sowohl die Risiken für das Wachstum, aber auch für die Inflation abwärtsgerichtet sahen. So gesehen peilen einige Mitglieder eine baldige Zinssenkung als „Polster“ gegen ein sich möglicherweise abschwächendes Wachstum an. Der Euro bewegt sich damit quasi im Niemandsland, da eine Stabilisierung erst jenseits von <strong>1,1330</strong> möglich und die Unterseite noch bis <strong>1,1155</strong> geöffnet ist.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweise</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
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		<title>Der Glaube kommt ganz von alleine</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2016 14:46:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Oft steht man vor Entscheidungen und trifft diese nicht, weil einem die richtige Überzeugung oder der Glaube an sie fehlt. Da steht man manchmal da und zermartert sich stundenlang das Hirn: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Denn intuitiv mag man  die Einstellung haben, bevor man etwa in die Kirche geht, muss man an sie glauben. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Oft steht man vor Entscheidungen und trifft diese nicht, weil einem die richtige Überzeugung oder der Glaube an sie fehlt. Da steht man manchmal da und zermartert sich stundenlang das Hirn: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Denn intuitiv mag man  die Einstellung haben, bevor man etwa in die Kirche geht, muss man an sie glauben. Aber was würde denn passieren, wenn man statt lange nachzudenken, einfach in die Kirche hinein ginge? Womöglich sogar öfters. Sie können sicher sein: Der Glaube wird mit der Zeit ohnehin von ganz alleine kommen. Je gravierender die Entscheidung (je höher das <em>Commitment</em>), desto fester die Überzeugung, das Richtige getan zu haben. Denn sein Denken kann man eher ändern als sein Handeln. Im Zweifel muss man etwas nur oft genug wiederholen, bis man schließlich selbst daran glaubt.</p>
<p>Das Drehen solcher Gebetsmühlen hat jedoch einen gravierenden Nachteil, falls die ursprüngliche Entscheidung falsch gewesen sein sollte. Denn im Gefolge einer solchen Fehlentscheidung werden stets auch nur solche Informationen und Nachrichten wahrgenommen, die diese nachträglich rechtfertigen und einen daher in der eigenen Haltung bestärken. Was wiederum bedeutet, dass eine Verhaltensänderung oder gar die Revision der einmal getroffenen (Fehl)entscheidung immer schwerer fallen wird.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Eine zweischneidige Angelegenheit</strong></p>
<p>Jetzt stellen Sie sich bitte einmal einen Fondsmanager vor, der ein größeres Aktienpaket eines bestimmten Unternehmens gekauft hat. Woran ja eigentlich gar nichts auszusetzen wäre, würde er nur nicht beim nächsten Interview in einem Nachrichtensender Vorzüge und Chancen dieser Aktie über alle Maße preisen. Dasselbe macht er dann noch einmal in einem Zeitungsbeitrag und wiederholt seine Meinung auch noch bei der am selben Tage stattfindenden Sitzung des Anlageausschusses. Während sich in der kurzen Zeit vermutlich nichts Fundamentales bei dem betreffenden Unternehmen ereignet hat, trifft dies leider nicht für die Überzeugung unseres Managers zu, der nun nicht mehr nur glaubt, das Richtige getan zu haben, sondern sicher ist, die beste aller möglichen Optionen gewählt zu haben. Und so dürfte es für ihn immer schwieriger werden, von der Entscheidung loszulassen, wenn diese sich wider Erwarten als falsch herausstellen sollte.</p>
<p>Daher habe ich mir angewöhnt, über meine Trades möglichst nicht mit anderen Menschen zu sprechen. Und schon gar nicht, Tipps dazu abzugeben.</p>
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		<title>Warum ich nie auf meine Tipps handele</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/warum-ich-nie-auf-meine-tipps-handele/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Sep 2016 07:36:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Weitergabe von Informationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht selten werde ich gefragt, ob ich denn auf Finanzmarkt-Empfehlungen, die ich anderen gebe, eigenes Geld setzen würde. Wenn ich dies dann rundweg verneine, reagieren viele Menschen darauf zumindest verdutzt, wenn nicht gar abfällig oder empört. Nach dem Motto: Wie will der mich überzeugen, wenn er selbst nicht seinen eigenen Tipps vertraut? Was ein richtiger Experte [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht selten werde ich gefragt, ob ich denn auf Finanzmarkt-Empfehlungen, die ich anderen gebe, eigenes Geld setzen würde. Wenn ich dies dann rundweg verneine, reagieren viele Menschen darauf zumindest verdutzt, wenn nicht gar abfällig oder empört. Nach dem Motto: Wie will der mich überzeugen, wenn er selbst nicht seinen eigenen Tipps vertraut? Was ein richtiger Experte ist…</p>
<p>Es mag ja durchaus beruhigend sein, wenn man weiß, dass andere Menschen die gleichen Aktienengagements wie man selbst haben. Vor allem fühlt man sich besser, wenn man das Gefühl hat, der eigene Kundenberater der Hausbank oder besser noch der Experte in den Medien unterstreicht sein Reden auch noch mit Handeln.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>„Am Gewinne mitnehmen ist noch niemand gestorben“</strong></p>
<p>Kein Problem, solange die Vorhersagen richtig sind. Falls Sie dann (wenn überhaupt) Ihren Kundenberater anrufen, der das gleiche Engagement wie Sie hat, wird er Sie möglicherweise mit den Worten bestätigen, am Gewinne mitnehmen sei noch niemand gestorben. Im Zweifel wird er Sie aufgrund seines eigenen Commitments beim Gewinne mitnehmen sogar gerne begleiten.</p>
<p>Schwierig wird’s jedoch, wenn der heiße Tipp – auch das soll vorkommen – statt fetter Gewinne herbe Verluste zeitigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man zur Rückversicherung jetzt seinen Berater kontaktiert, ist im Gegensatz zur Gewinnsituation ungleich höher. Und weil der im selben Boot sitzt, verspürt er vermutlich genauso wenig wie Sie die Neigung, ausgerechnet jetzt zu Handeln – Verluste zu realisieren, kommt nicht in Frage. Im Gegenteil: Weil das Commitment, die Bindung an die ursprüngliche Entscheidung, mit dem Verlust sogar noch gestiegen ist, wird man aufkommende Dissonanzen lieber anders lösen: Man betet sich die Position gesund. Womöglich bestätigen sich Kunde und Berater gegenseitig mit den gleichen, selektiv wahrgenommenen Informationen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Auch Profis beten sich gesund</strong></p>
<p>Vom Gesundbeten der eigenen Position ist leider auch ein Profi nicht gefeit – der Einsatz mit eigenem Geld muss bezogen auf das eigene Vermögen nur hoch genug sein, und schon melden sich die typischen „Dissonanzverringerer“, die man schon los geworden zu sein glaubte, ganz schnell zurück. Das fatale ist nämlich, dass man den Prozess der selektiven Wahrnehmung als solchen an sich selbst oft nicht bemerkt. Auch ein Profi, der sich etwa gerade mit Aktien eingedeckt hat, wird nicht sagen, dass diese in Zukunft im Wert fallen werden. Ansonsten müsste er ja zugeben, eine nicht gerade optimale oder gar falsche Entscheidung getroffen zu haben. Und das wird selbst ein disziplinierter Händler, der mit einem Stopp-Loss arbeitet, frühestens dann zugeben, wenn letzterer gezogen worden ist.</p>
<p>Ich möchte, ehrlich gesagt, gar nicht erst in eine derartige Bredouille geraten, aus der es oft keinen Ausweg mehr gibt. Meine Position: Als Berater ohne eigenes materielles Commitment habe ich zumindest den großen Vorteil, Informationen nicht selektiv wahrnehmen und weitergeben zu müssen. Anders ausgedrückt: Ohne materielles Commitment kann ich es mir leisten, gegen den Strom zu schwimmen.</p>
<p>In der Tat bedeutet diese Zurückhaltung Verzicht auf manche „Perle“. Letztere gibt es aber auch in Märkten, in denen ich nicht regelmäßig andere Menschen berate. Zumindest möchte ich mir nicht nachsagen lassen, ich hätte womöglich nur einen Tipp gegeben, weil ich ein bestimmtes Papier ein paar Tage zuvor selbst ins Depot gelegt habe. Übrigens: In den vollen Genuss der so genannten Perle kommt man ohnehin nur, wenn man nicht über sie spricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.: Einen ähnlichen Beitrag habe ich vor rund sechs Jahren schon einmal unter meinem früheren Blog &#8222;blognition.de&#8220; publiziert. Er hat nichts an Aktualität verloren</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ausgeblendete Brexit-Realität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 May 2016 17:42:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Status-quo-Bias]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Sachen Brexit scheint es einen neuen Trend zu geben. So berichtete etwa der britische Telegraph heute in aller Frühe auf seiner Internetseite über seine neueste Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut ORB. Dabei ist die Zahl derjenigen, die einen Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) befürworten, wieder deutlich gestiegen. Anders ausgedrückt: Der Vorsprung derjenigen, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ausgeblendete-brexit-realitaet/">Ausgeblendete Brexit-Realität</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In Sachen Brexit scheint es einen neuen Trend zu geben. So berichtete etwa der britische <em>Telegraph</em> heute in aller Frühe auf seiner Internetseite über seine neueste Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut ORB. Dabei ist die Zahl derjenigen, die einen Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) befürworten, wieder deutlich gestiegen. Anders ausgedrückt: Der Vorsprung derjenigen, die für einen Verbleib sind, liegt danach nur noch bei 51 Prozent gegenüber einem Anteil von 46 Prozent Brexit-Befürwortern<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Vorsprung des Remain-Camps am 22. Mai noch 13 Prozentpunkte betrug, was vor allem bei vielen Aktieninvestoren für Erleichterung sorgte. Aber auch andere Umfragen haben zuletzt die Brexit-Befürworter gleichauf mit den Gegnern oder zumindest näher an sie herangerückt gezeigt.</p>
<p>Vielleicht spielt das Thema Brexit für viele Anleger auch deshalb eine untergeordnete Rolle, weil die meisten sowieso davon ausgehen, dass die Briten am Ende doch in der EU bleiben werden. Da man sich gerade am Aktienmarkt und im Angesicht einer mehrheitlich bullishen Positionierung nicht mehr um einen Brexit scheren möchte, werden die Informationen darüber – vor allen Dingen, wenn die Brexit-Befürworter aufholen – offenbar gerne ausgeblendet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kein Status-quo-Bias</strong></p>
<p>Aber auch Erkenntnisse der Verhaltensökonomik zum Brexit deuten, zumindest auf den ersten Blick, auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU hin. Denn der so genannte Status-quo-Bias, gemeint ist die Neigung vieler Menschen, möglichst alles beim Alten zu belassen, müsste eigentlich für einen Sieg des Remain-Lagers sorgen. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn wie mein Freund und Kollege Herman Brodie unlängst in seinem Blog vom 19.05. <strong>(<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://hermanbrodie.com/" target="_blank">HIER</a></span>)</strong> scharfsinnig festgestellt hat, gibt es für die Briten eigentlich gar keinen Status-quo-Referenzpunkt mehr, an dem sie sich orientieren könnten.</p>
<p>So vergleicht er das Verhältnis Großbritanniens zur EU mit einer in die Jahre gekommenen Beziehung, an der die Partner möglicherweise nur aus Gewohnheit und wegen hoher materieller und psychischer Commitments festhalten. Doch ändert sich diese trügerische Ruhe in dem Moment, wenn einer von beiden die Möglichkeit einer Trennung ins Spiel bringt. Plötzlich steht das, was unausgesprochen doch als Selbstverständlichkeit galt, auf dem Spiel, scheint alles, was die beiden bisher verband und ihre gemeinsame Geschichte ausgemacht hatte, in Frage gestellt. Und nach diesem Moment gibt es kein Zurück mehr; die Zeit der Unschuld ist für immer vorbei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nichts bleibt mehr so, wie es einmal war</strong></p>
<p>Denn ist die Möglichkeit einer Scheidung erst einmal ausgesprochen, konzentrieren sich die Partner spätestens von da an auf das Für und Wider einer Trennung, also auf einen neuen Referenzpunkt. Mehr noch: Selbst wenn dieses Thema zunächst noch einmal vom Tisch sein sollte – es kann jederzeit neu diskutiert und doch noch zur Realität werden.</p>
<p>Aber es gibt ja noch Trost für diejenigen, die Angst vor einem Brexit haben. Denn wie ich bereits an anderer Stelle (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://joachim-goldberg.com/2016/05/30/wochenausblick-vom-30-mai-2016/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>) ausführte, wäre ein Votum für den Austritt Großbritanniens beim Referendum am 23. Juni rechtlich nicht bindend. Theoretisch könnte sich sowohl das Unterhaus als auch das Oberhaus, das House of Lords, weigern, einen Entscheid der Wähler für den Brexit umzusetzen. Vielleicht hängt es am Ende sogar an der Königin, ob der Wille des Volkes umgesetzt wird. Immerhin: Zuletzt hat sich 1707 ein britischer Monarch geweigert, ein Gesetz zu unterzeichnen.</p>
<p>Für mich jedenfalls ist das Brexit-Thema – auch wenn es bereits jetzt vielen zum Halse heraushängen sollte – noch längst nicht „durch“. Es bleibt spannend, finde ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Gezählt wurden nur die Votings derer, die am 23 Juni auch tatsächlich beabsichtigen, an der Brexit-Abstimmung teilzunehmen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ausgeblendete-brexit-realitaet/">Ausgeblendete Brexit-Realität</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Flüssiger Beton</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2016 15:01:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist noch gar nicht lange her, da erklärte mir jemand mit verblüffender Logik, dass ein Aktiensparplan eigentlich alternativlos sei. Ginge es mit den Kursen nach oben, wüchse das Vermögen, und ginge es mit dem DAX nach unten, würde man für das gleiche Geld – wie tröstlich – mehr Aktien bekommen. Was sich der schlaue [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist noch gar nicht lange her, da erklärte mir jemand mit verblüffender Logik, dass ein Aktiensparplan eigentlich alternativlos sei. Ginge es mit den Kursen nach oben, wüchse das Vermögen, und ginge es mit dem DAX nach unten, würde man für das gleiche Geld – wie tröstlich – mehr Aktien bekommen. Was sich der schlaue Ratgeber vielleicht nicht vorstellen konnte, war, dass man, wie jetzt geschehen, ganz plötzlich <em>viel </em>mehr Aktien für das gleiche Geld erhält. Ist da nicht etwas faul, wenn man Aktien geradezu nachgeworfen bekommt? Denn der besagte Aktiensparplan geht ja tatsächlich so lange gut, wie sich Aktienmärkte nach einem Kurssturz anschließend wieder erholen. Und in der Vergangenheit, so lehrt uns die Börsengeschichte, hat das ja auch immer geklappt. Ja, wir orientieren uns gerne an dem, was wir schon einmal erlebt haben, und das Internet sorgt dafür, dass wir im Zweifel solche Informationen sofort verfügbar haben. Zumal wir mit der Börsenhistorie zumindest unser Kontrollbedürfnis befriedigen.</p>
<p>Und da es Kursstürze, wie wir sie derzeit erleben, immer noch relativ selten, aber dennoch viel zu oft gibt, versucht man neue Krisen immer mit alten Krisen zu vergleichen. Wie war das noch damals, im Jahre 2008, als sich die Finanzkrise auf dem Höhepunkt befand? Ja, wir blickten in den Abgrund, Lehman ging Pleite, aber wir wurden gerettet. So einfach ist das. Mit diesem Wissen ausgestattet, könnte ein Aktiensparplan gleich einem Uhrwerk fortgesetzt werden. Solange man nicht den Mut verliert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Es ist noch immer gut gegangen</strong></p>
<p>Als ich kürzlich an gleicher Stelle (<strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/haus-gekauft/">HIER</a></strong>) über Immobilieninvestments und doppelte Commitments schrieb, ahnte ich nicht, wie viel Resonanz ich auf diesen Beitrag bekommen sollte. Unter anderem stellte ein Leser fest, dass es, sofern man Wikipedia Glauben schenken möchte, nach einem Rückgang des MSCI World vom Top um 30, 40 oder 50 Prozent keine fünf Jahre gedauert hätte, bis sich ein deutliches Plus einstellte. Damit verbunden ging der Vorschlag einher, man könne diese Erkenntnis auch dieses Mal einsetzen und sich im Falle entsprechender Kursrückgänge mittels eines günstigen Wertpapierkredits gestaffelt mit ETFs eindecken. Ein Kredit, den der Leser mit seinem abbezahlten Wohnhaus besichern wollte. Nach dem Motto: „Wir beleihen wir unser Eigenheim und können auf diese Weise einen Teil der verpassten Rendite zurückholen.“</p>
<p>Tatsächlich wird jedoch nur Beton verflüssigt, um diese Liquidität in eine andere Anlageklasse zu investieren. Mal abgesehen davon, dass sich die Börsen-Geschichte nicht in dieser Form wiederholen muss, bin ich kein Freund von Wertpapierkäufen auf Kredit in jedweder Form. Zumal es in der Börsengeschichte durchaus einige – wenn auch seltene – Phasen gab, in denen Aktien auch über einen sehr langen Zeitraum hinweg schlecht abgeschnitten haben. Es gibt keine Garantie, dass dieses nicht wieder geschehen könnte.</p>
<p>Noch wichtiger ist jedoch meines Erachtens aus verhaltensorientierter Sicht, dass beim Wertpapierkredit neben dem Commitment (Bindung an eine Entscheidung) eines Wertpapierkaufs vom Entscheider zusätzlich ein separat geführtes „geistiges“ Konto (mentales Konto) bezüglich der gestellten Sicherheit eröffnet wird. Dessen Wirkung wird oft unterschätzt und zwar dann, wenn sich beim Aktienengagement Verluste einstellen und die Sicherheit unterzugehen droht. Dann geht es um teils sehr starke psychische Bindungen und Belastungen, die sinnvolle Entscheidungen gerade in kritischen Phasen unmöglich machen können.</p>
<p>Verluste erhöhen in jedem Fall die Bindung an die dazugehörigen Entscheidungen, eben das so genannte Commitment. Und wer dafür optiert – gerade weil es in der Vergangenheit immer gut gegangen ist –, langfristige Engagements am Aktienmarkt einzugehen, muss vorher klären, ob er sich Buchverluste leisten und ob er sie auch psychisch aushalten kann.</p>
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		<title>(H)aus gekauft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Feb 2016 17:59:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neulich las ich in der Zeitung[1], dass die meisten Deutschen immer noch vom eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung träumen. Vor allem jetzt, weil die Zinsen so niedrig wie nie sind und sich in Zeiten von Zinsen nahe Null auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten für manchen eine Immobilie als Anlageform geradezu aufdrängt. Ganz zu schweigen von den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich las ich in der Zeitung<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, dass die meisten Deutschen immer noch vom eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung träumen. Vor allem jetzt, weil die Zinsen so niedrig wie nie sind und sich in Zeiten von Zinsen nahe Null auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten für manchen eine Immobilie als Anlageform geradezu aufdrängt. Ganz zu schweigen von den Leerstandsquoten bei Wohnungen in einigen Ballungszentren, die so niedrig sind, dass die Experten sogar von einer Wohnungsnot sprechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mir geht es jedoch weniger um den ökonomischen Aspekt, bei dem vor allen Dingen das Investment in selbstgenutzte Wohnungen oder Häuser überschätzt wird. Auch nicht, dass dabei sehr oft das ganze Vermögen der Eigenheimbesitzer an eine Anlageklasse gebunden ist, die außerdem – es sei denn, man vermietet einen Teil des Hauses – keine Dividende abwirft. Man kann natürlich hoffen, dass das Eigenheim an Wert gewinnt, doch sollte man dabei nicht zu viel Rendite erwarten. Denn alleine die Nebenkosten beim Erwerb einer Immobilie werden von den frischgebackenen Hausbesitzern gerne ausgeblendet. Ganz davon zu schweigen, was während dieses oft für die Ewigkeit gedachten Investments an Kosten für dessen Instandhaltung und Unterhalt anfallen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jetzt werden mir wahrscheinlich wieder diejenigen, die bereits seit einigen Jahren glücklich und zufrieden in ihrem Eigenheim leben, an die Gurgel springen, weil ich mit meinen ökonomischen Einlassungen etwas von mir gebe, was bei einem Haus- oder Wohnungsbesitzer möglicherweise hohe Dissonanzen erzeugen kann. Denn hinter den Mauern vieler Eigenheime verstecken sich die beiden höchsten Commitments (psychische Bindungen), die man im Laufe seines Lebens eingehen kann. Zum einen ist dies der Hauskauf selbst, dessen Preis wie gesagt oftmals das komplette Vermögen ausmacht. Zum anderen die Bindung an einen Partner, meist in Gestalt einer Eheschließung, die wiederum häufig erst die Grundlage für den Immobilienerwerb darstellt. Dieses Doppel-Commitment kann vor allem im Moment des Eingehens einer solchen Entscheidung genauso unwiderruflich oder unkündbar scheinen wie früher ein Arbeitsplatz, den man ein Leben lang ausfüllte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>In Beton gegossen</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wenn es um ihr persönliches Glück geht, sind Menschen leider meist keine guten Prognostiker. Weil sie sich den Traum vom Eigenheim gerade zu Zeiten billigen Geldes unbedingt erfüllen möchten, gehen sie bei der Lage Kompromisse ein und weichen wegen der hohen Preise in den Ballungszentren, wie auch der Artikel der WamS schön darlegt, aufs Land aus. So soll der Anteil der Deutschen, die höchstens zehn Kilometer zur Arbeit pendeln, derzeit unter 50 Prozent liegen. Gleichzeitig nehme die Zahl derjenigen, die einen Weg von 25 bis 50 Kilometern zum Arbeitsplatz zurücklegen müssen, ständig zu, las ich ebenfalls in der WamS.</p>
<p>Dabei wird zum einen unterschätzt, wie schnell man sich selbst an sein Traumhaus gewöhnt. Ganz zu schweigen, wenn sich die Realität im Eigenheim ganz anders darstellt als ursprünglich erhofft. Der Garten macht mehr Arbeit als gedacht, und jeden Moment entdeckt man einen weiteren versteckten Mangel, den ein Entscheider mit hohem Commitment natürlich selektiv verarbeiten, sprich: kräftig herunterspielen muss. Denn der einzige Ausweg aus dieser Misere wäre, die Entscheidung rückgängig zu machen. Aber ein Verkauf des Hauses mit womöglich großem Verlust? Nicht doch!</p>
<p>Andererseits wird man sich wesentlich schlechter an die nun fälligen, manchmal langen Fahrten zum Arbeitsplatz gewöhnen. Denn jemand, der täglich während der Rushhour pendelt, muss sich ständig auf neue Situationen einstellen: Mal gibt es einen Stau auf der Autobahn, mal ist eine Oberleitung defekt oder ein Signal gestört, so dass die Abfahrt der S-Bahn sich womöglich um 15 oder 40 Minuten verzögert. Nie weiß man im Voraus, ob alles reibungslos klappen wird – eine Unsicherheit, die für anhaltendes Unbehagen sorgt. Ganz zu schweigen von der Lebenszeit, die man Tag für Tag auf Straße oder Schiene verliert, statt sie Familie und Freunden zu widmen.</p>
<p>Über die Entwicklung der zwischenmenschlichen häuslichen Beziehungen möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst sprechen. Nicht umsonst heißt es dann beim Nachbarn um die Ecke: „Bei denen wirkt alles so erstarrt, wie in Beton gegossen.“</p>
<p>Wehe, wenn solch ein betoniertes Commitment gesprengt werden muss, weil sich der Ikea-Werbespruch bewahrheitet hat und man nur noch wohnt, aber sich kaum mehr lebendig fühlt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Welt am Sonntag Nr. 5, Januar 2016, Seite 13: <em>Haus und vorbei</em></p>
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		<title>Kleine und große Commitments</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jan 2016 17:08:08 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Börse Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mir ist fast schon so etwas wie ein kleiner Stein vom Herzen gefallen, als ich heute erfuhr, dass der Optimismus der Anleger im Aktienmarkt gegenüber der Vorwoche zurückgegangen ist. Nicht nur, weil diese bullishe Stimmung mancher Akteure in krassem Gegensatz zu dem stand, was man an bedrohlichen Entwicklungen hinsichtlich des chinesischen Aktienmarktes in Kombination mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mir ist fast schon so etwas wie ein kleiner Stein vom Herzen gefallen, als ich heute erfuhr, dass der Optimismus der Anleger im Aktienmarkt gegenüber der Vorwoche zurückgegangen ist. Nicht nur, weil diese bullishe Stimmung mancher Akteure in krassem Gegensatz zu dem stand, was man an bedrohlichen Entwicklungen hinsichtlich des chinesischen Aktienmarktes in Kombination mit einem weiter fallenden Ölpreis vernehmen konnte. Vielmehr zeigte sich gerade bei den von der Börse Frankfurt befragten institutionellen Akteuren ein für viele Marktbeobachter unverständlicher Rekordoptimismus. Während allerhand Horrorszenarien die Runde machten und auch die Aktien-Prognosen selbst von Bankenseite deutlich vorsichtiger wurden, schienen die Börsenprofis aus unserem Panel geradezu immun gegen die umgehende Angst zu sein.</p>
<p>Und während andere Umfragen bereits zu Jahresbeginn hinsichtlich der globalen Entwicklung einen deutlichen Rückzug vieler Marktteilnehmer aus dem Aktienmarkt feststellten, schien sich die Welt der von uns befragten Händler für Außenstehende völlig anders darzustellen. Der Grund dafür mag darin liegen, dass bei unserer Stimmungserhebung Marktteilnehmer mit einem echten Commitment befragt werden – ein Umstand, der andernorts nicht zwingend gegeben ist. Und es ist genau dieses Commitment, das bei den Befragten für eine wesentlich stärkere psychische Bindung an einen Referenzkurs sorgt als bei einem Marktteilnehmer oder Analysten, der zwar eine Meinung, aber kein echtes Engagement haben mag.</p>
<p>Während sich also ein aktiver Händler – möglicherweise mit einem Referenzkurs seines DAX-Engagements, der sich am Jahresschlusskurs 2015 orientiert – mental im Verlustbereich befinden mag und nicht gewillt ist, diesen Zustand festzuschreiben (Verlustaversion), kann jemand ohne materielles Engagement und bestenfalls mit dem Commitment eines Gesichtsverlusts ausgestattet, recht schnell seine Meinung ändern.</p>
<p>Ob sich die Lage für den DAX nun durch die heutigen Umfrageergebnisse tatsächlich entspannt hat, können Sie in meinem Kommentar, den ich wie immer für die Börse Frankfurt erstellt habe, heute <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Optimismus-bewegt-sich-im-Gleichschritt-zurueck-159141" target="_blank"><strong><u>HIER</u></strong></a> nachlesen.</p>
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		<title>Der Goldraub von 1933</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2015 08:30:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
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		<category><![CDATA[Schuldenrestrukturierung]]></category>
		<category><![CDATA[US-Schuldendeckel]]></category>
		<category><![CDATA[Verbot von Goldbesitz]]></category>
		<category><![CDATA[Verlustaversion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Thema “Schuldendeckel“ in den USA hat in diesem Jahr recht wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber nicht zu Unrecht weist das US-Finanzministerium auf seiner Homepage darauf hin, welche katastrophalen Folgen es nach sich zöge[1], sollte im Kongress keine Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze – die verfassungsgemäße Deckelung der US-Staatsverschuldung – erzielt werden können. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/der-goldraub-von-1933/">Der Goldraub von 1933</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Thema “Schuldendeckel“ in den USA hat in diesem Jahr recht wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber nicht zu Unrecht weist das US-Finanzministerium auf seiner Homepage darauf hin, welche katastrophalen Folgen es nach sich zöge<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, sollte im <em>Kongress</em> keine Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze – die verfassungsgemäße Deckelung der US-Staatsverschuldung – erzielt werden können. Denn damit würde die Regierung erstmals in der Geschichte ihres Landes ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkommen, zu denen die Bedienung ihrer Schulden gehört.</p>
<p>Tatsächlich hält sich die Legende, die USA seien bei der Tilgung ihrer Schulden noch nie in Verzug geraten, ausgesprochen hartnäckig. Und so wird von offizieller Seite immer wieder gerne betont, dass dies einer der Gründe sei, weshalb US-Staatsanleihen gerade in Krisenzeiten als sicherer Hafen besonders gesucht seien.</p>
<p>Doch die historische Wahrheit ist eine andere.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></p>
<p>So weist etwa eine Gruppe von Wissenschaftlern in einem jüngst erschienenen Arbeitspapier darauf hin<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>, dass die USA am 5. Juni 1933 unter der ersten Amtszeit von Franklin D. Roosevelt ihre Schulden einseitig restrukturiert – öffentliche und private Schulden summierten sich zu jener Zeit auf fast das 1,7-fache des Bruttoinlandsprodukts – und den Investoren einen hohen Verlust beschert hätten. Und zwar rückwirkend. Gleichzeitig wurden so genannte Goldklauseln, die sicherstellen sollten, dass Schulden in Golddollar zu begleichen seien, sowohl für staatliche als auch private Schulden abgeschafft. Und es sollte nur etwas mehr als ein halbes Jahr dauern, bis der US-Dollar um gut 40 Prozent abgewertet wurde – im Gegenzug stieg der Preis für eine Unze Gold von 20,67 auf 35 $. Mit anderen Worten: Die Investoren bekamen für ihre Anleihen abgewertete US-Dollars zurück.</p>
<p>Mehr noch segnete das oberste Bundesgericht im Februar 1935 mit einer knappen Entscheidung die Aufhebung der Goldklauseln als verfassungsgemäß ab. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Präsident Roosevelt bereits am 5. April 1933, er war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal einen Monat im Amt, anordnete, Privatpersonen und Unternehmen hätten innerhalb von drei Wochen – also zwei Monate vor Abschaffung der Goldklauseln – all ihre Goldbestände an die Regierung zum damals noch niedrigen offiziellen Preis von 20,67 $ pro Unze zu verkaufen.</p>
<p>Aus heutiger Sicht mag dieser unsägliche Vorgang als Warnung an alle Gold-Bugs gelten, sich im Ernstfall nicht auf die trügerische Sicherheit des Edelmetalls zu verlassen, falls es erneut zu einer Weltwirtschaftskrise käme. Mich aber interessiert neben dieser Form des Goldraubs vielmehr das, was sich an den Anleihemärkten nach Abschaffung der Goldklauseln abgespielt haben dürfte. Denn besagtes Arbeitspapier, dessen Autoren sich dankenswerterweise sehr intensiv mit den zur Verfügung stehenden Marktdaten beschäftigen, fördert einige erstaunliche Erkenntnisse zutage.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„Vergeben und vergessen“?</strong></p>
<p>Mit der Abschaffung der Goldklauseln waren Auslandsanleihen Großbritanniens (das Vereinigte Königreich hatte sich bereits 1931 vom Goldstandard verabschiedet), Frankreichs und der Schweiz so stark nachgefragt („flight into quality“), dass die Renditen der auf Dollar lautenden Anleihen um mehrere Prozentpunkte einbrachen. Sie tendierten gegen Null und tauchten teilweise sogar deutlich – britische Bonds „rentierten“ mit <em>minus</em> 2,0 Prozent! – in negatives Terrain ein. Der Außenwert des US-Dollar stürzte gegenüber den besagten Valuten außerdem dramatisch ab.</p>
<p>Weitaus erstaunlicher ist jedoch, dass das Schatzamt kaum Probleme hatte, neue Anleihen loszuwerden – nach der Abschaffung der Goldklauseln waren die Auktionen des Finanzministeriums genauso überzeichnet wie zuvor! Denn eigentlich hätte den USA der Zugang zu den Kapitalmärkten zumindest für einige Zeit erschwert, wenn nicht gar verwehrt bleiben müssen. Denn eine derartig einseitige Umstrukturierung von Schulden, ein Vertragsbruch im weitesten Sinne, hätte eigentlich zu einer stärkeren Verunsicherung der Anleihegläubiger führen müssen. Stattdessen zogen die Renditen für US-Staatsanleihen nur für einige Monate und auch nicht sonderlich stark an.</p>
<p>Allerdings darf nicht vergessen werden, dass in den 1930er Jahren das Gros der US-Staatsanleihen von <em>heimischen</em> Investoren gehalten wurde, denen nicht nur eine gewisse patriotische Haltung unterstellt werden könnte. Da die Anleihen in US-Dollar zurückgezahlt wurden, dürfte deren Wertverlust erst offenbar geworden sein, sobald man mit ihnen etwa im Ausland bezahlen wollte. Oder wenn man mit einem Blick des Bedauerns seine Aufmerksamkeit auf den starken Anstieg des Goldpreises gerichtet hätte. Gold, das man aber ohnehin nicht mehr besitzen durfte. Insofern stellte sich auch keine Reue (regret) bei den meisten Enteigneten ein.</p>
<p>Anscheinend gab es kaum Proteste der Gläubiger, deren Anleihen immerhin unfreiwillig restrukturiert wurden. Fällige Anleihen wurden, so die Auswertung der Daten durch die NBER-Forscher, ohne großes Aufhebens (in etwa 80 Prozent der Fälle) durch neue, oft sogar länger laufende Bonds ersetzt. Frei nach dem Motto: „Vergeben und vergessen“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hoffen auf das Wunder</strong></p>
<p>Nicht minder verrückt wird die ganze Geschichte, wenn man bedenkt, dass US-Staatsanleihen ohne Goldklausel vor der drastischen Abwertung des Dollar auf gleichem Niveau rentierten wie Anleihen, die mit solch einer Klausel versehen waren. Danach wurden Goldanleihen mit einem Aufschlag gegenüber Anleihen ohne Klausel gehandelt. Und dieser Aufschlag hielt sich sogar, nachdem das oberste Bundesgericht die Abschaffung der Goldklauseln für rechtens erklärt hatte. Offenbar glaubten die Investoren, dass die USA eines Tages zum Goldstandard zurückkehren würden, sobald sich die ökonomische Situation wieder gebessert hätte. Oder dass sich – was sich als haltlose Hoffnung herausstellen sollte – das oberste Bundesgericht doch noch zu einer Ausgleichszahlung für die Inhaber von Goldanleihen durchringen könnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Am Ende zeigt sich zweierlei. Zum einen die Bereitschaft der Menschen, an offensichtlich schal gewordenen Engagements manchmal sehr lange festzuhalten und im Zweifel sogar so zu tun, als ob nichts geschehen wäre. Wahrscheinlich wurde die Abwertung der Dollar-Anleihen im Inland aber überhaupt nicht wahrgenommen, denn als Sicherheit spielte Gold nach der Aufforderung, es an den Staat verkaufen, keine Rolle mehr. So gesehen saßen alle Investoren und Gold-Bugs im gleichen Boot – ihre relative Position hatte sich nicht geändert.</p>
<p>Die zweite Erkenntnis ist jedoch, dass es für den Ernstfall keine überlegene Anlageklasse oder eine ökonomische Versicherung gegen Desaster gibt, wenn es denn dazu kommen sollte. Vielmehr lehrt die Geschichte, dass sich die Zuversicht, eine Kontrolle zu besitzen, als Illusion erweist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> http://www.treasury.gov/initiatives/Pages/debtlimit.aspx</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Dies gilt für die USA auf Bundesebene – einzelne Bundesstaaten kamen während der vergangenen beiden Jahrhunderte durchaus nicht immer ihren Zahlungsverpflichtungen nach</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Edwards, S.,Longstaff, F. A. und Marin, A. G. (November 2015): <em>The U.S. Debt Restructuring of 1933:Consequences and Lessons, </em>Working Paper 21694, NATIONAL BUREAU OF ECONOMIC RESEARCH, Cambridge, MA 02138, USA</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/der-goldraub-von-1933/">Der Goldraub von 1933</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Von der Karotte vor der Nase geblendet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2015 07:35:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bonus]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Eskaliertes Commitment]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts des von der Deutschen Bank erwarteten Verlusts von über 6 Milliarden Euro im dritten Quartal, fragte mich ein Kommentator, warum dann der Kurs der Aktie dieses Hauses am Ende dennoch nicht eingestürzt sei. „Naja“ entgegnete ich und fuhr fast schon etwas sarkastisch fort: „die Anleger vermuten wohl, dass jetzt endgültig reiner Tisch gemacht wurde, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-karotte-vor-der-nase-geblendet/">Von der Karotte vor der Nase geblendet</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Angesichts des von der Deutschen Bank erwarteten Verlusts von über 6 Milliarden Euro im dritten Quartal, fragte mich ein Kommentator, warum dann der Kurs der Aktie dieses Hauses am Ende dennoch nicht eingestürzt sei. „Naja“ entgegnete ich und fuhr fast schon etwas sarkastisch fort: „die Anleger vermuten wohl, dass jetzt endgültig reiner Tisch gemacht wurde, neue Besen kehren gut sozusagen“. Aber der Kommentator ließ nicht locker: „Was haben denn die Investmentbanker dann noch für die über Jahre hinweg gescheffelten Boni – ebenfalls in Milliardenhöhe – nach diesem Verlust und all den Strafzahlungen per Saldo überhaupt noch geleistet? War das nicht eine Art von modernem Bankraub einer Minderheit zu Lasten einer großen Mehrheit der knapp 100.000 Mitarbeiter?“ – Ich schwieg, weil ich diese Rechnung lieber nicht aufmachen wollte. Auf dem Weg nach Hause, fiel mir dann die alte Geschichte über einen Investmentbanker ein. Und plötzlich wurde mir einer der Gründe klar, warum diese Mehrheit nie lautstark aufbegehrt hatte.</p>
<p>Ich erinnere mich noch gut, wie blass Steve (Name geändert)<a href="#_ftn1" name="_ftnref1"><sup><sup>[1]</sup></sup></a> damals aussah, als ich ihm bei einer Konferenz begegnete. Ich wagte kaum zu fragen, wie es ihm gehe. „Jetzt hat es mich vermutlich auch erwischt, zwei aus unserer Fünfergruppe müssen gehen“, erzählte er mir. Und er begann, in kurzen Zügen sein relativ langes Berufsleben zu schildern.</p>
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<p><strong>Hoffnung auf den großen Wurf</strong></p>
<p>Und ich erinnerte mich daran, wie ich Steve als Trainee bei einer Großbank kennengelernt hatte. Ein junger Mann voller Motivation und Elan war er damals. Und er schien regelrecht an den Lippen seines Chefs zu hängen, der ein rosiges Bild hoher Einkommensmöglichkeiten und noch größerer Boni malte. Ja, das Investmentbanking sei ein Risikogeschäft, betonte er immer wieder, um sofort hinzuzufügen, dass diese Risiken adäquat entlohnt werden müssten. Eigentlich sollte der fixe Bestandteil eines Gehalts gerade auskömmlich zum Leben reichen. Umso höher könne man dann die Erfolgskomponente des Einkommens gestalten. Kurzum: “Wenn Du risikoscheu bist, bist Du im falschen Job“. Es klang, als hätte sich Steve in der Bank der unbegrenzten Möglichkeiten befunden.</p>
<p>Monate später telefonierten wir miteinander. Und Steve erzählte mir vom ersten Bonus-Tag, den er erleben durfte – aus dem Trainee war ein richtiger Sales-Profi geworden. Nach einem Jahr gab es die erste Bonus-Ausschüttung, an der Steve angemessen, aber alles andere als großzügig beteiligt worden war. Dasselbe galt mehrheitlich auch für seine Kollegen. Nur zwei von ihnen hatten Glück gehabt und das große Los gezogen. Offensichtlich waren sie nach dem Zufallsprinzip reich belohnt worden, denn ihre Performance hatte – so meinte Steve – nicht wirklich überzeugt. Aber es sollen ja auch weiche Faktoren bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Jedenfalls hatten die beiden einen Superbonus bekommen, der ein Mehrfaches der durchschnittlichen Erfolgsprämie in der Abteilung betragen haben musste, wie mir Steve versicherte. Das zumindest wollte er einem „vertraulichen Gespräch“ in der Herren-Toilette, das er zufällig belauscht hatte, entnommen haben.</p>
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<p><strong>Vor Dir sitzt ein Gewinner</strong></p>
<p><strong>S</strong>teve stellte fest, dass er noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen war. Bei einem Offsite-Wochenende – einmal im Jahr traf sich die ganze Abteilung in der Abgeschiedenheit eines Wellness-Hotels – lernte Steve, worauf es wirklich ankam: Auf die „total dedication“, die vollkommene Hintanstellung der eigenen Interessen zugunsten der des Arbeitgebers. Wenn es sich bis dahin noch um ein normales Commitment gehandelt haben mag, konnte man spätestens jetzt von einem eskalierten Einsatz sprechen, stets verbunden mit der Hoffnung, dass am Ende als Belohnung vielleicht der Superbonus winkte.</p>
<p>Im dritten Jahr hatte es Steve dann geschafft. Als wir uns zum Essen trafen, blickte er mir triumphierend ins Gesicht: „Dir gegenüber sitzt ein Gewinner.“ Mit diesen Worten begrüßte er mich. Selbstverständlich beglich er an diesem Abend die Rechnung.</p>
<p>Seither habe ich Steve aus den Augen verloren.</p>
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<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Die Geschichte ist teilweise einem Blog vom Februar 2011 (Carlos‘ Kurve) entnommen</p>
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