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	<title>Bonus Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Fri, 09 Oct 2015 07:35:03 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von der Karotte vor der Nase geblendet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2015 07:35:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bonus]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts des von der Deutschen Bank erwarteten Verlusts von über 6 Milliarden Euro im dritten Quartal, fragte mich ein Kommentator, warum dann der Kurs der Aktie dieses Hauses am Ende dennoch nicht eingestürzt sei. „Naja“ entgegnete ich und fuhr fast schon etwas sarkastisch fort: „die Anleger vermuten wohl, dass jetzt endgültig reiner Tisch gemacht wurde, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Angesichts des von der Deutschen Bank erwarteten Verlusts von über 6 Milliarden Euro im dritten Quartal, fragte mich ein Kommentator, warum dann der Kurs der Aktie dieses Hauses am Ende dennoch nicht eingestürzt sei. „Naja“ entgegnete ich und fuhr fast schon etwas sarkastisch fort: „die Anleger vermuten wohl, dass jetzt endgültig reiner Tisch gemacht wurde, neue Besen kehren gut sozusagen“. Aber der Kommentator ließ nicht locker: „Was haben denn die Investmentbanker dann noch für die über Jahre hinweg gescheffelten Boni – ebenfalls in Milliardenhöhe – nach diesem Verlust und all den Strafzahlungen per Saldo überhaupt noch geleistet? War das nicht eine Art von modernem Bankraub einer Minderheit zu Lasten einer großen Mehrheit der knapp 100.000 Mitarbeiter?“ – Ich schwieg, weil ich diese Rechnung lieber nicht aufmachen wollte. Auf dem Weg nach Hause, fiel mir dann die alte Geschichte über einen Investmentbanker ein. Und plötzlich wurde mir einer der Gründe klar, warum diese Mehrheit nie lautstark aufbegehrt hatte.</p>
<p>Ich erinnere mich noch gut, wie blass Steve (Name geändert)<a href="#_ftn1" name="_ftnref1"><sup><sup>[1]</sup></sup></a> damals aussah, als ich ihm bei einer Konferenz begegnete. Ich wagte kaum zu fragen, wie es ihm gehe. „Jetzt hat es mich vermutlich auch erwischt, zwei aus unserer Fünfergruppe müssen gehen“, erzählte er mir. Und er begann, in kurzen Zügen sein relativ langes Berufsleben zu schildern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hoffnung auf den großen Wurf</strong></p>
<p>Und ich erinnerte mich daran, wie ich Steve als Trainee bei einer Großbank kennengelernt hatte. Ein junger Mann voller Motivation und Elan war er damals. Und er schien regelrecht an den Lippen seines Chefs zu hängen, der ein rosiges Bild hoher Einkommensmöglichkeiten und noch größerer Boni malte. Ja, das Investmentbanking sei ein Risikogeschäft, betonte er immer wieder, um sofort hinzuzufügen, dass diese Risiken adäquat entlohnt werden müssten. Eigentlich sollte der fixe Bestandteil eines Gehalts gerade auskömmlich zum Leben reichen. Umso höher könne man dann die Erfolgskomponente des Einkommens gestalten. Kurzum: “Wenn Du risikoscheu bist, bist Du im falschen Job“. Es klang, als hätte sich Steve in der Bank der unbegrenzten Möglichkeiten befunden.</p>
<p>Monate später telefonierten wir miteinander. Und Steve erzählte mir vom ersten Bonus-Tag, den er erleben durfte – aus dem Trainee war ein richtiger Sales-Profi geworden. Nach einem Jahr gab es die erste Bonus-Ausschüttung, an der Steve angemessen, aber alles andere als großzügig beteiligt worden war. Dasselbe galt mehrheitlich auch für seine Kollegen. Nur zwei von ihnen hatten Glück gehabt und das große Los gezogen. Offensichtlich waren sie nach dem Zufallsprinzip reich belohnt worden, denn ihre Performance hatte – so meinte Steve – nicht wirklich überzeugt. Aber es sollen ja auch weiche Faktoren bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Jedenfalls hatten die beiden einen Superbonus bekommen, der ein Mehrfaches der durchschnittlichen Erfolgsprämie in der Abteilung betragen haben musste, wie mir Steve versicherte. Das zumindest wollte er einem „vertraulichen Gespräch“ in der Herren-Toilette, das er zufällig belauscht hatte, entnommen haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vor Dir sitzt ein Gewinner</strong></p>
<p><strong>S</strong>teve stellte fest, dass er noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen war. Bei einem Offsite-Wochenende – einmal im Jahr traf sich die ganze Abteilung in der Abgeschiedenheit eines Wellness-Hotels – lernte Steve, worauf es wirklich ankam: Auf die „total dedication“, die vollkommene Hintanstellung der eigenen Interessen zugunsten der des Arbeitgebers. Wenn es sich bis dahin noch um ein normales Commitment gehandelt haben mag, konnte man spätestens jetzt von einem eskalierten Einsatz sprechen, stets verbunden mit der Hoffnung, dass am Ende als Belohnung vielleicht der Superbonus winkte.</p>
<p>Im dritten Jahr hatte es Steve dann geschafft. Als wir uns zum Essen trafen, blickte er mir triumphierend ins Gesicht: „Dir gegenüber sitzt ein Gewinner.“ Mit diesen Worten begrüßte er mich. Selbstverständlich beglich er an diesem Abend die Rechnung.</p>
<p>Seither habe ich Steve aus den Augen verloren.</p>
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<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Die Geschichte ist teilweise einem Blog vom Februar 2011 (Carlos‘ Kurve) entnommen</p>
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		<title>Kulturwandel Teil 2: Auf dem Weg zu Behavioral Ethics</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Sep 2013 07:21:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Bonus]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Normative Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Overconfidence]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Werte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immerhin hat die Politik unter dem Druck der Öffentlichkeit reagiert und eine Menge Regulierungen vorgenommen, die der Wiederholung einer Finanzkrise, wie wir sie während der vergangenen Jahre erlebt haben, vorbeugen sollen. So wurde etwa eine Aufklärungspflicht gegenüber den Kunden eingeführt. Auch sollen die erfolgsabhängigen Bestandteile des Einkommens künftig gedeckelt werden. Das wirkt zum Teil wie [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Immerhin hat die Politik unter dem Druck der Öffentlichkeit reagiert und eine Menge Regulierungen vorgenommen, die der Wiederholung einer Finanzkrise, wie wir sie während der vergangenen Jahre erlebt haben, vorbeugen sollen. So wurde etwa eine Aufklärungspflicht gegenüber den Kunden eingeführt. Auch sollen die erfolgsabhängigen Bestandteile des Einkommens künftig gedeckelt werden. Das wirkt zum Teil <span id="more-6457"></span>wie ein überzogener Aktionismus, der eher den Sozialneid bedient, als dass er wirklich etwas ändern könnte. Denn die Reumütigen unter den Top-Bankern, die neuerdings gerne von „Demut“ sprechen, haben schon längst eine Lösung für ihr moralisches Dilemma gefunden: Sie haben einfach ihre Grundgehälter massiv erhöht, dann kann man sich beim Bonus leichter in Bescheidenheit üben<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>Wenn wir heute von „unethischem Verhalten“ sprechen, dann bezieht sich das nur auf diejenigen Fälle, die bekannt geworden sind und in denen einzelnen Protagonisten ein entsprechendes Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte. Konsequenzen wurden daraus aber erst gezogen, als die Verstöße gegen Ethik und Moral nicht mehr unter der Decke gehalten oder schöngeredet werden konnten. Dabei glaubte man, es sei damit getan, Mitglieder des Investmentbankings in einen Schnellkurs in Ethik zu schicken<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>.</p>
<p>Mein Mitstreiter Herman Brodie hat es <a href="http://www.blognition.de/blog/gesellschaft/crashkurs-in-ethik/">(hier)</a> bereits einmal zum Ausdruck gebracht: Wie Menschen ihr eigenes Verhalten moralisch bewerten, hängt stark von den vorherrschenden sozialen Normen ab. Natürlich wird jemand seine Handlungen kaum als unethisch einstufen, wenn er stets nur das macht, was alle anderen auch tun. Und wenn die herrschende Norm darin besteht, Verkaufsziele über das Kundeninteresse zu stellen, warum sollte der Anlage-Berater seinen Klienten dann nicht Produkte verkaufen, mit denen diese  nichts, er aber sehr viel verdienen kann?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Kulturwandel mit sechs Grundwerten</b></p>
<p>Nun versucht die Deutsche Bank, mit sechs Grundwerten einen Kulturwandel einzuläuten. Dazu zählen: Kundenfokus, Integrität, Partnerschaft, nachhaltiger Erfolg, Innovation und Disziplin. Gleichzeitig wurde für die Mitarbeiter ein Verhaltenskodex entwickelt, der ihnen vorgibt, wie sie die sechs Grundwerte in der Praxis umsetzen können. Auf diese Weise soll sich der Wandel zum Guten vollziehen – und vor allem das schlechte Image der Bank bekämpft werden.</p>
<p>Aber alle ethischen Regularien und Kurse zur Verhaltensverbesserung laufen Gefahr, ihr Ziel zu verfehlen, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgehen: Dass Menschen, sobald sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden, tatsächlich auch in der Lage sind, dieses zu erkennen.</p>
<p>Ganz abgesehen davon kostet es Geld, gut zu sein. Wenn man im Sinne des Grundwerts „Kundenfokus“ bei einer Geldanlage vor allem den Ertrag des Kunden im Auge hat und nicht mehr vorzugsweise die Rendite der Bank bei diesem Geschäft, wenn man tatsächlich in die Erforschung und Entwicklung von Innovationen investiert, statt alles, was als Non-Profit-Center gilt, im Zuge des permanenten Cost-Cutting ersatzlos zu streichen, dann könnte der Jahresgewinn am Ende tatsächlich niedriger ausfallen, als die Aktionäre sich das erträumt hatten. Was macht dann ein ethisch korrekter Unternehmensvorstand bei der Jahreshauptversammlung? Wie soll er dieses Ergebnis, das weit unter dem der weiterhin unethisch agierenden Konkurrenz liegt, gegenüber den Anteilseignern rechtfertigen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Blinde Flecken</b></p>
<p>Wäre die Finanzkrise tatsächlich abwendbar gewesen, wenn die daran Beteiligten zuvor ein Training in Ethik durchlaufen hätten? Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte das nichts gebracht, schon weil wir uns nicht darüber im Klaren sind, wie sehr bei uns die Schere zwischen unserem moralischen Selbstbild und unserem tatsächlichen ethischen Verhalten auseinanderklafft<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>. So fragen etwa die Autoren des Buches <i>Blind Spots<a title="" href="#_ftn4"><b>[4]</b></a></i> gleich zu Beginn, wie ethisch sich der Leser im Vergleich zu anderen Lesern einschätzen würde. Und zwar auf einer Skala zwischen null und 100, also zwischen dem „bösesten“ und dem „anständigsten“ aller Leser. Ein Wert von 50 würde demnach für eine durchschnittliche ethische Korrektheit stehen. Dennoch schätzen die Autoren, dass sich die meisten ihrer Leser etwa bei einem Wert von 75 sehen werden, sich also mehrheitlich für überdurchschnittlich „gut“ halten, was schlechterdings nicht möglich ist. Nur ein Fall von Overconfidence also?</p>
<p>Noch vor gut 25 Jahren gab es auf den Wirtschaftshochschulen und -Universitäten kaum einen Fachbereich mit Schwerpunkt auf Ethik oder Unternehmens-Moral. Wenn überhaupt, dann fanden solche Kurse oder Unterrichtseinheiten im Fachbereich Philosophie<a title="" href="#_ftn5">[5]</a> statt. Dort konzentrierten sich die Wissenschaftler aber vor allem darauf, herauszufinden, wie sich Menschen verhalten <i>sollten</i>, um moralisch einwandfrei zu handeln. Dabei geriet der Blick für die Realität meist völlig in den Hintergrund. Hier genau setzt die Behavioral Ethics an. In zahlreichen Experimenten und Studien haben die Protagonisten dieser relativ jungen Forschungsrichtung herausgefunden, wie Menschen Entscheidungen treffen, welche inneren und äußeren Faktoren diesen Entscheidungsprozess beeinflussen und wie man lernen kann, ethisch bessere Entscheidungen zu treffen.</p>
<p>Mehr dazu in der kommenden Woche.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Mercer-Studie „Global Financial Services Executive Remuneration Report“ aus der Börsenzeitung vom 21. August 2013, S.3</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> So hatte im Herbst 2012 etwa die Bank Santander 800 ihrer britischen Privatkundenberater für den Besuch einer Umschulungsmaßnahme freigestellt. Unter anderem musste von da an jeder Berater einheitliche Berufsstandards einhalten, inklusive eines ethischen Verhaltenskodex.</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Epley, Nicholas and Dunning, David (2000): <i>Feeling „Holier Than Thou”: Are Self-Serving Assessments Produced by Errors in Self- or Social Prediction?</i>  Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 79, No. 6, pp. 861 – 875</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> Bazerman, Max H.; Tenbrunsel, Ann E. (2011): <i>Blind Spots, Why We Fail to Do What’s Right and What to Do about It</i>, Princeton University Press, Princeton New Jersey</p>
</div>
<div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a title="" href="#_ftnref5">[5]</a> Bazerman, Max H.; Gino, Francesca (2012): <i>Behavioral Ethics: Toward a Deeper Understanding of Moral Judgement and Dishonesty</i>, Annual Review of Law and Social Science, Vol. 8, pp. 85 – 104, 2012</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kulturwandel-teil-2-auf-dem-weg-zu-behavioral-ethics/">Kulturwandel Teil 2: Auf dem Weg zu Behavioral Ethics</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>BGH-Urteil: Sturz von der Leiter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 08:10:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[BGH]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun hat also der Bundesgerichtshof (BGH) sein Grundsatzurteil gefällt und festgestellt, dass Kreditinstitute bei komplizierten Finanzprodukten dazu verpflichtet sind, eingehend über deren Risiken aufzuklären. Im besagten Fall hatte der hessische Hygieneartikelhersteller Ille gegen die Deutsche Bank geklagt. Denn deren Derivatehändler hatten dem Unternehmen im Jahr 2005 so genannte Spread-Ladder-Swaps verkauft, die der Ille GmbH Verluste in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun hat also der Bundesgerichtshof (BGH) sein Grundsatzurteil gefällt und festgestellt, dass Kreditinstitute bei komplizierten Finanzprodukten dazu verpflichtet sind, eingehend über deren Risiken aufzuklären. Im besagten Fall hatte der hessische Hygieneartikelhersteller Ille gegen die Deutsche Bank geklagt.<span id="more-1122"></span> Denn deren Derivatehändler hatten dem Unternehmen im Jahr 2005 so genannte Spread-Ladder-Swaps verkauft, die der Ille GmbH Verluste in Höhe von 540.000 EUR Verlust beschert hatten. Auch wurde vom BGH bemängelt, dass die Klägerin bereits bei Abschluss des Geschäfts 80.000 EUR hinten gelegen habe. Jedenfalls stand dieser Betrag im Bericht der FTD einsam und alleine, einfach so da, ohne dass dabei fairerweise das Volumen des der Gebühr zu Grunde liegenden Geschäftes erwähnt wurde. Daher erweckt die Summe (80.000 EUR sind einfach viel Geld) in dieser Darstellung den Eindruck, sie könnte womöglich ungerechtfertigt von der Bank vereinnahmt worden sein. Tatsächlich ist es aber an den Finanzmärkten häufig der Fall, dass Akteure bei Abschluss einer Transaktion automatisch erst einmal in die Verlustzone rutschen. Man stelle sich beispielsweise nur einmal vor, dass bei einem Devisengeschäft die Spanne zwischen An-und Verkaufskurs etwa 0,05 Prozent des gehandelten Volumens<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn1">[i]</a>  beträgt, eine Differenz, wie sie bei einem größeren Devisengeschäft mit Leichtigkeit anfallen kann. Und alleine dieser Nachteil würde bei einem Volumen von 10 Mio. EUR im einfachen Kassa-Handel  bereits einen Betrag von 5.000 EUR ausmachen. Ganz zu schweigen von etwaigen Kommissionen – in anderen Anlageklassen wie etwa Aktien werden dafür schnell bis zu 1 Prozent der gehandelten Gesamtsumme in Rechnung gestellt.</p>
<p>Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber befinden, ob die Deutsche Bank in dem vor dem BGH verhandelten Fall oder andere Kreditinstitute in den weiteren anhängigen Verfahren ihre Kunden ausreichend aufgeklärt haben. Oder ob mancher Kunde – auch aufgrund mangelnder Sachkenntnis – überhaupt solche Transaktionen hätte tätigen dürfen. Verwundert hat mich allerdings, dass sowohl der BGH als auch die Kommentatoren in den Medien von einem Interessenskonflikt der Bank und ihrer Angestellten sprechen. Als ob es nicht längst – und beileibe nicht erst nach der Finanzkrise –  bekannt wäre, dass sich Bankberater aufgrund der gängigen Anreizsysteme  in einem permanenten Konflikt befinden, weil sie sich entscheiden müssen, ob sie nun zum Besten des Kunden oder im Sinne ihrer eigenen Performance bzw. ihrer Arbeitsplatzsicherheit beraten sollen. Ein Zwiespalt, der sich auch durch eigens geschaffene Beratungsgebühren für Vermögensberater nicht beseitigen, sondern bestenfalls abfedern lässt.</p>
<p>Mehr noch wird das BGH-Urteil zur Folge haben, dass sich die ohnehin vorhandene Neigung vieler  Bankkunden, Gewinne als eigene Leistung anzusehen, für Verluste hingegen andere moralisch und künftig vielleicht auch pekuniär in Haftung zu nehmen, noch verstärken wird<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn2">[ii]</a>. Auch wenn mit dem Urteil bezweckt werden sollte, dass künftig weniger intransparente, schwer durchschaubare und manchmal schlichtweg überflüssige Finanzprodukte auf dem Markt angeboten werden, fällt mir auf: Trotz Finanzkrise, trotz Lehman-Pleite, trotz Madoff-Skandal sind viele Anleger schon wieder ziemlich risikofreudig unterwegs. Vielleicht auch aufgrund eines Anlagenotstandes drängen sie ihre Vermögensberater förmlich dazu („Warum haben Sie nicht ein so tolles Produkt wie der Kollege von der Konkurrenz?), ihnen  Anlagemöglichkeiten mit einer Verzinsung weit über der der Bundesanleihen zu offerieren. Hat man also nichts gelernt? Vielleicht doch! Denn Marktrisiken lassen sich doch viel leichter ertragen, wenn man weiß, dass Verantwortung und Verluste im Zweifel auf die Schultern Anderer abgewälzt werden können.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref1">[i]</a> Das entspricht derzeit bei EUR/USD 0,0007 USD</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref2">[ii]</a> Vgl. Locus-of-Control-Prinzip, nachdem sich Menschen gerne als Urheber von Erfolgen sehen, während sie bei Verlusten versuchen, für die verloren gegangene Kontrolle Dritte verantwortlich zu machen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bgh-urteil-sturz-von-der-leiter/">BGH-Urteil: Sturz von der Leiter</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Carlos&#8216; Kurve</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/carlos-kurve/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Feb 2011 10:49:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bonus]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
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		<category><![CDATA[Risikofreude]]></category>
		<category><![CDATA[Total dedication]]></category>
		<category><![CDATA[Verlustaversion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Traf kürzlich einen alten Bekannten, einen Investmentbanker. Er sah blass aus. Ich wagte kaum zu fragen, wie es ihm gehe. &#8222;Jetzt hat es mich vermutlich auch erwischt, zwei aus unserer Fünfergruppe müssen gehen&#8220;, erzählte er mir. Und er begann, in kurzen Zügen sein relativ langes Berufsleben zu schildern. Und ich erinnerte mich daran, wie ich [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/carlos-kurve/">Carlos&#8216; Kurve</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Traf kürzlich einen alten Bekannten, einen Investmentbanker. Er sah blass aus. Ich wagte kaum zu fragen, wie es ihm gehe. &#8222;Jetzt hat es mich vermutlich auch erwischt, zwei aus unserer Fünfergruppe müssen gehen&#8220;, erzählte er mir. Und er begann, <span id="more-911"></span>in kurzen Zügen sein relativ langes Berufsleben zu schildern. Und ich erinnerte mich daran, wie ich Carlos (Name geändert) als Trainee bei einer Großbank während einer Veranstaltung kennengelernt hatte. Ein junger Mann voller Motivation und Elan war er damals. Und er schien regelrecht an den Lippen seines Chefs zu hängen, der ein rosiges Bild hoher Einkommensmöglichkeiten und noch größerer Boni malte. Ja, das Investmentbanking sei ein Risikogeschäft, betonte er immer wieder, um sofort hinzuzufügen, dass diese Risiken adäquat entlohnt werden müssten. Eigentlich sollte der fixe Bestandteil eines Gehalts nur gerade so zum Leben reichen. Umso höher könne man dann die Erfolgskomponente des Einkommens gestalten. Kurzum: “Wenn Du risikoscheu bist, bist Du im falschen Job“. Es klang, als hätte sich Carlos in der Bank der unbegrenzten Möglichkeiten befunden.</p>
<p>Von Zeit zu Zeit telefonierten wir miteinander. Und Carlos erzählte mir vom ersten Bonus-Tag, den er erleben durfte – aus dem Trainee war ein richtiger Sales-Profi geworden. Nach einem Jahr gab es die erste Bonus-Ausschüttung, an der Carlos angemessen, aber alles andere als großzügig beteiligt worden war. Dasselbe galt mehrheitlich auch für seine Kollegen. Nur zwei von ihnen hatten Glück gehabt und das große Los gezogen. Offensichtlich waren sie nach dem Zufallsprinzip reich belohnt worden, denn ihre Performance hatte – so meinte Carlos – nicht wirklich überzeugt. Aber es sollen ja auch weiche Faktoren bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Jedenfalls hatten die beiden einen Superbonus bekommen, der ein Mehrfaches der durchschnittlichen Erfolgsprämie in der Abteilung betragen haben musste, wie mir Carlos versicherte. Das zumindest wollte er einem &#8222;vertraulichen Gespräch&#8220; in der Herren-Toilette, das er zufällig belauscht hatte, entnommen haben.</p>
<p>Die Freude über die eigene Ausschüttung war allerdings dahin, und Carlos fragte sich, warum er im Vergleich zu diesen zwei Kollegen den Kürzeren gezogen hatte. An seinem Einsatz konnte es nicht gelegen haben. Auch nicht an der Gewinnvorgabe, denn die hatte er bereits nach zehn Monaten erreicht gehabt. Trotzdem zeigte die gefühlte Zurücksetzung Wirkung. Denn alle in der Abteilung, die nicht so reich bedacht worden waren, und auch mein Bekannter legten sich noch mehr ins Zeug, um wenigstens im kommenden Jahr eine reelle Chance auf den Superbonus zu bekommen. Darin ähnelte ihr Verhalten dem eines Anlegers, der sich im Verlustbereich befindet und alles Mögliche anstellt und auch höhere Risiken eingeht, nur um seinen Referenzpunkt zu erreichen.</p>
<p>Carlos stellte fest, dass er noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen war. Bei einem Offsite-Wochenende – einmal im Jahr traf sich die ganze Abteilung in der Abgeschiedenheit eines Wellness-Hotels –  lernte Carlos, worauf es wirklich ankam: auf die „total dedication“, die vollkommene  Hintanstellung der eigenen Interessen zugunsten der des Arbeitgebers. Wenn es sich bis dahin noch um ein normales Commitment gehandelt haben mag, konnte man spätestens jetzt von einem eskalierten Einsatz sprechen, stets verbunden mit der Hoffnung, dass am Ende als Belohnung vielleicht der Superbonus winkte. Im dritten Jahr hatte es Carlos dann geschafft. Als wir uns trafen, blickte er mir triumphierend ins Gesicht: &#8222;Dir gegenüber sitzt ein Gewinner.“ Mit diesen Worten begrüßte er mich. Selbstverständlich beglich er an diesem Abend die Rechnung.</p>
<p>Wie es in Carlos‘ Leben seitdem weiterging, ist schnell erzählt. Auf der materiellen Haben-Seite sind  drei teure Schlitten, ein freistehendes Haus Marke &#8222;Schloss&#8220; (natürlich noch lange nicht abbezahlt, wodurch sich das Commitment noch einmal erhöht) und diverse Status-Accessoires festzuhalten. Auf der menschlichen Ebene schlugen eine Heirat, zwei Kinder und am Ende eine Scheidung zu Buche. Weil Carlos&#8216; ganze Hingabe seiner wahren Liebe galt, mit der er eine viel intensivere Beziehung eingegangen war als mit seiner Ehefrau und für die er auch deutlich mehr Zeit aufbrachte. Es folgten sein Burnout und der Versuch eines Neuanfangs.</p>
<p>Nun stand Carlos fassungslos vor mir: &#8222;Ich habe wirklich alles gegeben, habe mich selbst ständig optimiert und jetzt will man mich aus meiner Familie einfach so verstoßen! Ist das nicht ungerecht?“</p>
<p>Ich schwieg, denn ich war mir nicht sicher, ob sein Vorwurf berechtigt war. Dafür, dass er alles gab, hatte er ja auch seine Risikoprämie bekommen. Das war der Deal. Aus Sicht eines homo oeconomicus ein faires Geschäft – oder?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/carlos-kurve/">Carlos&#8216; Kurve</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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