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	<title>Behavioral Ethics Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Zwischen Selbstlosigkeit und bestrafter Gier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2017 08:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9410 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit einem anderen Spieler teilt. Dabei darf er bestimmen, wie viel er selbst und wie viel der Andere erhält. Stimmt dieser der Aufteilung zu, bekommen beide ihr Geld. Lehnt der Mitspieler indes die vorgeschlagene Aufteilung ab, gehen beide leer aus.</p>
<p>Im Laufe der Jahre habe ich dieses Spiel bestimmt hunderte Male gespielt, aber niemals ist es vorgekommen, dass ein Zuhörer gemäß der ökonomischen Standardtheorie 9999,99 € für sich behalten und seinem Mitspieler nur die kleinstmögliche Geldeinheit von einem Cent angeboten hätte. Stattdessen entscheiden sich die meisten für eine Fifty-Fifty-Lösung, weil diese als besonders fair empfunden wird. Obwohl von vornherein klar ist, dass es sich nur um einen hypothetischen Betrag von 10.000 € handelt, gehen nur wenige so weit, mehr als die Hälfte des Spielgeldes für sich zu beanspruchen. Möglicherweise weil sie vor den anderen Zuhörern nicht als habgierig oder egoistisch dastehen wollen.</p>
<p>In den Fällen, in denen ein Entscheider mehr als die Hälfte des Geldes für sich in Anspruch nehmen wollte, waren die Mitspieler meist nicht bereit, der vorgeschlagenen Verteilung zuzustimmen, sofern ihr Anteil nur ein Drittel des Geldes oder sogar weniger betrug.</p>
<p>Doch ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass Menschen bei der Verteilung des Geldes ihren Mitspielern mehr als die Hälfte zugedacht haben. Um sich der Zustimmung des anderen völlig sicher zu sein – eine Verhaltensweise, die vom Publikum meist belächelt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Risikoaversion bis zur Selbstlosigkeit</strong></p>
<p>Nun hatte ich unlängst das Vergnügen, dieses Spiel im Rahmen eines Vortrages bei Vertretern einer Non-Profit-Organisation mit karitativem Charakter durchzuführen. Und ich war tatsächlich überrascht, dass der Verteiler des Geldes vorschlug, alles seinem Gegenüber zu überlassen und nichts für sich zu behalten. Obgleich ich zunächst den Verdacht hatte, das Spiel sei möglicherweise nicht verstanden worden, wurde mir spätestens bei der Antwort des Verteilenden, er wolle kein Risiko eingehen [das Risiko, dass sein Gegenüber ablehnen könnte] klar, dass es also keineswegs die reine Selbstlosigkeit war, die zu einem derartigen Verhalten führte.</p>
<p>Kritiker werden ohnehin einwenden, dass es sich ja nur um ein Spiel mit hypothetischen Einsätzen handelt und die Realität mit echtem Geld wahrscheinlich ganz anders aussehen würde. Eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span> zeigt jedoch, dass dieses Verhalten keineswegs auf Spiele ohne echtes Geld beschränkt bleibt. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Verhalten der Verteilenden sich selbst bei steigenden monetären Einsätzen tatsächlich ändern würde. Allerdings gilt das nicht für deren Gegenspieler, die sich bei steigenden Einsätzen auch mit geringeren zugedachten Geldbeträgen zufriedengaben. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch bei den Teilnehmern dieser Studie gab es immer wieder vereinzelt Fälle, bei denen ein Verteiler komplett auf seinen möglichen, manchmal nicht unbeträchtlichen Geldanteil verzichtete.</p>
<p>Es scheint also tatsächlich noch Menschen zu geben, denen Geld wirklich nichts bedeutet. Aber andererseits gibt es selbst in karitativen Kreisen nicht nur selbstlose Menschen. Das wurde mir spätestens klar, als ich bei einem zweiten Spiel die Erfahrung machen musste, dass eine fair anmutende Fifty-Fifty-Verteilung vom Mitspieler schlichtweg abgelehnt wurde. Die Hälfte war ihm nicht genug. Also verzichtete er durch die Verweigerung seiner Zustimmung lieber gleich auf alles und bestrafte so auch noch seinen Mitspieler. Anders ausgedrückt: Es gibt Menschen, die bereits sind, etwas zu bezahlen, damit Andere Geld verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Cameron, Lisa A. (1999): <em>Raising the Stakes in the Ultimatum Game: Experimental Evidence from Indonesia</em>, Economic Inquiry, Vol. 37, No, 1, January 1999, pp. 47-59</p>
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		<title>Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 15:20:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9275 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg" alt="ankerhirn" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, sogar dazu geführt hat, dass viele Wähler bei Umfragen nicht aufrichtig geantwortet haben, aus Angst vor einer möglichen Isolation, wenn sie zu Kandidaten oder Parteien tendierten, die von den Medien und der offiziell vorherrschenden Meinung abwichen. Auch hierzulande galt es bis vor kurzem noch als schick, offiziell den designierten US-Präsidenten Donald Trump abzulehnen, weil er Standpunkte vertritt, die bislang gesellschaftlich als kaum akzeptabel galten.</p>
<p>Das hat sich nun geändert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reset der Normen</strong></p>
<p>Genauso wie die anonyme Masse der US-Amerikaner, die vorgeblich Trump abgelehnt hatte, plötzlich zu einer Mehrheit von Trump-Anhängern mutierte, scheinen dessen Ideen auch hierzulande bei immer mehr Menschen auf Gegenliebe zu stoßen. Und wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz jetzt fordert, dem designierten US-Präsidenten offen zu begegnen und praktisch von vorne anzufangen, indem beide Seiten „auf Null schalten“ und sich gegenseitig eine Chance geben, kann man dies einerseits natürlich als Zeichen des Respekts vor dem US-Wahlergebnis deuten. Zum anderen könnte sich in dieser Aufforderung zu einem Reset aber auch die unbewusste Änderung eines gesellschaftlichen Bezugspunkts dessen, was gemeinhin als akzeptabel gilt, andeuten. Gewissermaßen eine Verschiebung des Maßstabs für die Wahrnehmung dessen, was ethisch oder politisch korrekt ist, mithin eine klammheimliche Veränderung von gesellschaftlichen Normen und Referenzpunkten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von extremen Ankern…</strong></p>
<p>Donald Trump und möglicherweise auch seine Berater haben es aus verhaltensorientierter Sicht geradezu meisterlich verstanden, den Bezugspunkt für soziale Normen zu verschieben. Es ist natürlich nicht erwiesen, dass sich Trump tatsächlich bewusst der Methode des Verankerns (Anchoring) aus der Verhaltensökonomik bedient hat. Aber mit seinen extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, hat dies bei den Wählern zu genau einem solchen Effekt geführt. Ursprünglich wollte Trump 11 Millionen illegale Einwanderer ausweisen, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen, die Gesundheitsreform Obamacare abschaffen, Hillary Clinton ins Gefängnis stecken und alles, was nach Establishment aussieht, am liebsten aus der US-Gesellschaft verbannen. Mit der Diffamierung von Behinderten und Frauen, der Ausgrenzung von Hispanics, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, der Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern vertrat der designierte US-Präsident im Wahlkampf Extrempositionen, die weit jenseits des politisch Korrekten anzusiedeln sind. Schlechthin eine Absage an Gleichberechtigung, an eine multikulturelle Gesellschaft, an die Globalisierung, an alles Liberale und Intellektuelle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…zu neuen Bezugspunkten </strong></p>
<p>Mit diesen Extrempositionen wurden zunächst Anker, das heißt neue, für viele Menschen längst nicht mehr akzeptable Bezugspunkte, gesetzt. Und diese haben sie im Hinterkopf behalten, weshalb sie weiterhin eine ganz wichtige Rolle spielen, als Donald Trump nach seiner Wahl mit einem Male einige dieser Extrempositionen korrigierte. Plötzlich beabsichtigt er, „nur“ 3 Millionen Illegale auszuweisen, auch fordert er heute das Ende der Gewalt gegen Minderheiten, die nach Barack Obama benannte Gesundheitsreform wird teilweise beibehalten und selbst über eine strafrechtliche Verfolgung seiner Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre will er noch einmal nachdenken. Im Lichte der im Wahlkampf vertretenen Extrempositionen wirkt dieses Zurückrudern oder Relativieren wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich zuvor noch durch Donald Trumps Äußerungen verletzt und gekränkt fühlten. Mit anderen Worten: Für all diejenigen, die Trump nicht gewählt haben, ist diese Korrektur vormaliger Extrempositionen nichts anderes als ein relativer Gewinn gegenüber vorher Undenkbarem.</p>
<p>Und auch hierzulande sehen sich viele Menschen darin bestätigt, dass auch im Falle Trumps nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde. Mit anderen Worten: Trump und seine sicherlich wegen des Wahlkampfs überzogenen Ansichten seien gar nicht so schlimm und im Grunde habe er in manchen Punkten gar nicht mal Unrecht, räumen einige mittlerweile ein. „Geben wir ihm eine Chance“, fordern daher selbst gemäßigte Zeitgenossen. Immerhin sei er doch demokratisch gewählt, heißt es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie aus „unmoralisch“ relativ „moralisch“ wird</strong></p>
<p>Anhänger der Verhaltensökonomik, insbesondere der sogenannten Behavioral Ethics, wissen jedoch, dass einmal gesetzte Anker trotz besseren Wissens später nur unzureichend korrigiert werden. Aber es geht um mehr. Es ist nicht nur plötzlich legitim, Donald Trump gut zu finden, sondern auch den damit einhergehenden gesellschaftlichen Kulturwandel. Denn die Wahrnehmung dessen, was bislang als politisch oder ethisch korrekt angesehen wurde, hat sich wegen eben jener Verschiebung des Bezugspunktes zwischen Recht und Unrecht verändert. Genauso wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern relativ zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit den moralischen Werten eines „Gut“ und „Böse“. Denn tatsächlich geht es vor allem darum, besser oder schlechter im Vergleich zu anderen zu sein. Und genauso wie man sich an Gewinne und Verluste gewöhnt, kann sich auch die moralische Bewertung im Laufe der Zeit abschwächen. Vor allem auch, weil diese Trennlinie nach einer Weile infolge von Gewöhnungseffekten noch weiteren Veränderungen unterliegt. Und so werden unter diesen neuen Normen und Bedingungen Menschen Dinge tun, die sie selbst vor ein paar Wochen vielleicht nie für möglich gehalten hätten. Es ist die schleichende Veränderung der Normen und der Bezugspunkte, manchmal allein durch das Fortschreiten der Zeit, wodurch wir alle Gefahr laufen, korrumpiert zu werden und das, was wir vormals <strong>absolut</strong> verabscheut hatten, mit einem Male halbwegs, also <strong>relativ </strong>in Ordnung finden.</p>
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		<title>Ein Whistleblower lehnt ab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2016 10:54:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8827 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro-Kopie-300x114.jpg" alt="Fotolia Mikro Kopie" width="300" height="114" />Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, nicht nur, weil er als Kronzeuge Bilanzmanipulationen aufgedeckt, sondern vor allem, weil er anschließend – abhängig von der Strafzahlung der Bank – eine Belohnung in Höhe von 8,25 Millionen US-Dollar<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span>, die ihm die US-Wertpapieraufsicht SEC für diese Informationen zahlen wollte, abgelehnt hatte. Nach Angaben einer Zeitung begründete Ben-Artzi seine Weigerung, den ihm zustehenden Anteil an der Belohnung<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span> zu akzeptieren, damit, dass die Strafzahlung der Deutschen Bank die Falschen treffe. So müssten nicht die verantwortlichen Manager, sondern stattdessen Aktionäre und Angestellte der Bank, von denen derzeit etliche ihren Arbeitsplatz verlören, ihren Kopf hinhalten.</p>
<p>Mit Hilfe dieser hohen Belohnungen versucht man vor allen Dingen diejenigen auf den Plan zu rufen, die aus Angst vor Verlust ihrer materiellen Existenz bislang nicht bereit waren, gesetzwidriges Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten anzuzeigen. Denn ein Whistleblower verliert meist nicht nur seinen Job. Vielmehr läuft man Gefahr, auch danach als Verräter und Nestbeschmutzer gebrandmarkt zu werden, und so jemanden will auch kein anderes Unternehmen mehr einstellen. Besonders empfindlich reagiert die Finanzwelt auf derartige „Indiskretionen“. Das musste auch Eric Ben-Artzi erfahren. Mittlerweile ist er – immerhin – für ein israelisches Fintech Startup-Unternehmen tätig, wenn auch vermutlich zu einem Bruchteil seines früheren Gehalts. Auf jeden Fall hat sein selbstloses Verhalten für einiges Aufsehen gesorgt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Andersdenkende Angestellte</strong></p>
<p>So hob etwa Michael Skapinker in einem Kommentar für die „Financial Times“ hervor, wie sehr Whistleblowing dem Ruf eines Unternehmens schaden könne. Und wenn es erst einmal so weit gekommen sei, dass sich ein Mitarbeiter an die Öffentlichkeit statt an seinen Vorgesetzten wende, sei dies als Anzeichen für eine chronisch dysfunktionale Unternehmenskultur zu werten. Denn gesunde Unternehmen würden sich den Bedenken besorgter Angestellter weit früher, bevor die Probleme an die Außenwelt gelangten, annehmen. Tatsächlich seien Mitarbeiter, die mit den Praktiken ihres Arbeitgebers nicht übereinstimmten, wichtig für das Unternehmen. In diesem Zusammenhang verweist Skapinker auch auf eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></span>, die zu dem Ergebnis kommt, dass andersdenkende Angestellte zwar oft als nervig angesehen werden, sich aber gewissermaßen um das Unternehmen „kümmerten“. Solche Angestellten förderten und erhielten den guten Ruf ihres Arbeitgebers.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Soziale Normen entscheiden</strong></p>
<p>Ob Angestellte widersprechen, hängt jedoch davon ab, wie weit sie von Kollegen und Vorgesetzten dazu ermutigt oder für ihre Kritik bestraft werden. Und an dieser Stelle kommen die vorherrschenden sozialen Normen zum Tragen, also die Frage, wie diese selbst ihr Verhalten moralisch bewerten. Sicherlich wird jemand seine Handlungen kaum als unethisch einstufen, wenn er stets nur macht, was alle anderen tun. Ganz zu schweigen davon, dass Menschen nicht immer in der Lage sind, sobald sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden, dieses tatsächlich auch zu erkennen.</p>
<p>Kurzschulungen in ethischem Verhalten, Ethik-Hotlines oder ein Verhaltenskodex für Mitarbeiter, der diesen vorgibt, wie man bestimmte Grundwerte in der Praxis umsetzt, reichen jedoch nicht aus. Vielmehr müssen Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, ihre Bedenken mit Kollegen und Vorgesetzten ohne Furcht vor Repressalien besprechen zu können. Solange sich aber die sozialen Normen in den Unternehmen nicht ändern, vor allem weil Fehlverhalten der Verantwortlichen nicht sanktioniert wird, besteht für die Entscheider kein Anlass, umzudenken oder grundsätzlich etwas an ihrem Verhalten zu ändern.</p>
<p>Vorerst verursachen also geäußerte Bedenken eines besorgten Angestellten vor allem Dissonanz bei Kollegen und Vorgesetzten, die nicht einsehen, ihre bedenklichen moralischen Wertvorstellungen, die Grundlage der sozialen Normen sind, zu überdenken oder gar zu ändern. Und es ist jener Zustand der (kognitiven) Dissonanz, den Menschen nicht lange ertragen und dessen Ursache sie deshalb möglichst schnell beseitigen möchten.</p>
<p>Daran dürfte auch der Verzicht von Eric Ben-Artzi nicht viel ändern, mag er noch so vorbildlich sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> </span>Dieser Betrag errechnet sich aus den 55 Millionen US-Dollar Strafe, die die Deutsche Bank im vergangenen Jahr zahlen musste, wovon drei Whistleblowern – einer von ihnen war Ben-Artzi – 16,5 Millionen Dollar (30 Prozent der verhängten Geldbuße) als Belohnung zustanden</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a></span> Vgl. Internetausgabe der Financial Times vom 19. August 2016</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3"></a></p>
<p><span style="color: #008000;">[3]</span> International Journal of Business Communication: <a href="https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation">https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Moral ist relativ</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/moral-ist-relativ/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2015 11:01:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[absolute Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[relative Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>VW drohen Strafen in Milliardenhöhe, mancherorts ist bereits die Rede von 18 Milliarden US-Dollar. Egal, wie hoch am Ende der Betrag sein wird, den VW zahlen muss, weil die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) dem Autobauer vorwirft, bei der Ermittlung von Abgaswerten seiner Dieselfahrzeuge manipuliert zu haben – die zur Diskussion stehende Größenordnung erinnert durchaus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>VW drohen Strafen in Milliardenhöhe, mancherorts ist bereits die Rede von 18 Milliarden US-Dollar. Egal, wie hoch am Ende der Betrag sein wird, den VW zahlen muss, weil die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) dem Autobauer vorwirft, bei der Ermittlung von Abgaswerten seiner Dieselfahrzeuge manipuliert zu haben – die zur Diskussion stehende Größenordnung erinnert durchaus an die Skandale im Investmentbanking. Und wenn in der heutigen Ausgabe der „Financial Times“ John Gapper in seiner Kolumne die drei gefährlichsten Wörter im Geschäftsleben: „Jeder macht das“ zitiert, zeigt dies, dass die für den Skandal Verantwortlichen möglicherweise gar kein Bewusstsein dafür haben, etwas Unrechtes getan zu haben. Abgesehen davon, haben bereits schon vor VW auch andere Autohersteller durch kleinere oder größere Tricksereien dafür gesorgt, dass Dieselfahrzeuge ihrem Ruf, umweltfreundlich und niedrig im Kraftstoffverbrauch zu sein, gerecht wurden. Auch ist die Autoindustrie nicht allein, wenn es darum geht, Vorschriften und Regeln großzügiger als von ihren Erfindern gedacht auszulegen.</p>
<p>Einer fängt ganz klein damit an, und der harte Konkurrenzkampf, Kostendiktate oder auch interne Belohnungssysteme sorgen dafür, dass so ein unethisches Verhalten salonfähig wird. Und weil das alle tun, weil es scheinbar zur sozialen Norm wird, bekommen solche Tricks sogar den Anstrich des Legalen. Mit anderen Worten: Wie Menschen ihr eigenes Verhalten moralisch bewerten, hängt stark von den sozialen Normen ab, die in ihrem Umfeld herrschen. Deswegen wird auch niemand seine Handlung als unethisch empfinden, wenn er stets nur macht, was alle anderen auch tun.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Overconfidente Sünder?</strong></p>
<p>Problematisch wird es allerdings, sobald die Öffentlichkeit Wind davon bekommt. Schnell ist man dann – und auch meine erste Reaktion fiel ähnlich aus – mit Kommentaren zur Hand: „Wie kann man denn so blöde sein und glauben, nicht erwischt zu werden?“ Auch mag man aus verhaltensorientierter Sicht schnell dazu bereit sein, den Beschuldigten nachzusagen, sie seien in dem Vertrauen darauf, nicht erwischt zu werden, wohl etwas zu overconfident (= ein zu starkes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten) gewesen. Aber diese Sichtweise mag zu kurz greifen.</p>
<p>Tatsächlich geht es um die unterschiedliche Wahrnehmung dessen, was ethisch korrekt ist. Diese Bezugspunkte sind nämlich bei den Sündern andere als bei denjenigen, die sie erwischen und am Ende verurteilen. So mag es schon im Testlabor anfangen, wenn möglicherweise nicht ganz vorteilhafte Ergebnisse ein bisschen geschönt werden, um vor dem Chef gut dazustehen. Und es mag auch verständlich sein, wenn man mit möglichst geringen Kosten gesetzliche Vorschriften erfüllen möchte. Diese kleinen Verfehlungen, die sich mit der Zeit zu großen Sünden auswachsen können, werden von den Betroffenen manchmal sogar unbewusst und erst recht ohne schlechtes Gewissen begangen. Eigentlich müssten Gewissensbisse doch mit der Größe der Verfehlung mitwachsen. Stattdessen bewegt sich der Bezugspunkt, der die Grenze zwischen Recht und Unrecht markiert, mit der Akzeptanz innerhalb des eigenen sozialen Umfelds, etwa innerhalb des Unternehmens, in dem man beschäftigt ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Relativ schlechtes Gewissen</strong></p>
<p>Dieser Bezugspunkt, die Grenze zwischen Recht und Unrecht, stellt sich für Außenstehende ganz anders dar, weil er sich für sie in der Zwischenzeit nicht bewegt hat. Stattdessen gehen diese davon aus, dass Recht und Gesetz eingehalten werden, sie nehmen, wenn ein Gesetzesbruch aufgedeckt wird, für sich eine absolute Moral in Anspruch, während die Sünder im Laufe der Zeit ihre eigenen moralischen Ansprüche relativiert haben.</p>
<p>Ethik kommt immer dann ins Spiel, wenn Verluste entstanden sind, weil jemandes Verhalten unterhalb des allgemeingültigen Standards der sozialen Normen einer Gesellschaft als Ganzem liegt. Um solche Situationen zu vermeiden, genügt es jedoch nicht, sich auf Vorschriften und Regulierungen zu verlassen. Vielmehr müssen wir erkennen, dass es keine absolute Moral gibt. Außerdem sollten wir zu verstehen versuchen, warum Menschen unter bestimmten Bedingungen Dinge tun, die sie selbst nie für möglich gehalten hätten. So ließe sich Fehlverhalten besser bekämpfen – ein Ziel, dem sich die so genannten Behavioral Ethics verschrieben haben.</p>
<p>Situationsabhängige Einflussfaktoren, die schleichende Veränderung von Normen im Laufe der Zeit können übrigens uns alle korrumpieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/moral-ist-relativ/">Moral ist relativ</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Keine Spur von Kulturwandel</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/keine-spur-von-kulturwandel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2015 05:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[G7-Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[Insiderinformationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich in der vergangenen Woche in einem Vorbericht zum G7-Treffen im Handelsblatt las[1], dass ein neuartiger Verhaltenskodex für Banker diskutiert würde, der die Finanzmärkte krisensicherer machen soll, musste ich innerlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es klar, dass gegenseitiges Vertrauen und ein „integres Verhalten“ der Marktteilnehmer die Grundlage für ein funktionierendes Finanzsystem bilden. Aber [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich in der vergangenen Woche in einem Vorbericht zum G7-Treffen im Handelsblatt las<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, dass ein neuartiger Verhaltenskodex für Banker diskutiert würde, der die Finanzmärkte krisensicherer machen soll, musste ich innerlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es klar, dass gegenseitiges Vertrauen und ein „integres Verhalten“ der Marktteilnehmer die Grundlage für ein funktionierendes Finanzsystem bilden. Aber ich bin sicherlich nicht der Einzige, der Zweifel hegt, was die Integrität der Akteure an den Finanzmärkten betrifft. Insbesondere seit ständig der so genannte Kulturwandel in der Finanzbranche proklamiert wird. Ich habe mich vor zwei Jahren schon einmal zu diesem Thema <strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/fragwuerdiger-kulturwandel/">HIER</a></u></strong> geäußert. Damals weckte die New Yorker Anwaltskanzlei Labaton Sucharow meine Aufmerksamkeit, die eine Umfrage in Auftrag gegeben hatte, bei der 250 Angestellte aus der Finanzbranche die Geschäftsmoral ihrer Wettbewerber beurteilen sollten. Das war fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise.</p>
<p>Zufall oder Fügung, dass ausgerechnet an demselben Tag, als ich den Bericht über den Verhaltenskodex las, mir ein Freund eine brandneue Studie<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> als E-Mail zusandte, an der ausgerechnet wieder Labaton Sucharow beteiligt war? Im Vergleich zu 2012 wurden dieses Mal sogar 1200 Berufstätige aus der Finanzindustrie der USA und Großbritannien befragt. Mich interessierte natürlich vor allem die Frage, ob sich nach all den Diskussionen und Bemühungen um eine ethisch verbesserte Investment-Bankenwelt etwas zum Positiven verändert hatte. Zumal seitdem wichtige Reformen eingeleitet und milliardenschwere Strafen verhängt worden sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie würden es wieder tun</strong></p>
<p>Die Ergebnisse sind schockierend. Trotz diverser Ethikseminare, die manches Kreditinstitut vor einigen Jahren seinen Angestellten verordnet hatte, um die schlimmsten Auswüchse der Gier zu bekämpfen. Demnach hält es immer noch rund die Hälfte der Befragten für wahrscheinlich, dass ihre Mitbewerber unethisch oder illegal handeln würden, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Mehr als ein Drittel derjenigen, die 500.000 US-Dollar oder mehr im Jahr verdienten, wurden nach dieser Umfrage Zeuge von Fehlverhalten am Arbeitsplatz oder hatten solches Wissen darüber aus erster Hand. 23 Prozent der Befragten – das sind fast doppelt so viele wie im Jahre 2012 – glauben, dass Kollegen im eigenen Unternehmen in unrechtmäßige oder unethische Aktivitäten verwickelt gewesen seien, um sich einen Vorteil zu verschaffen.</p>
<p>Auch waren 25 Prozent der Befragten bereit, für einen Betrag von 10 Millionen Dollar Insiderinformationen auszunutzen – vorausgesetzt, ihnen drohte im Falle einer Strafverfolgung keine Gefängnisstrafe. Im Gegensatz zu den Befragten aus den USA lag der vergleichbare Anteil der Kollegen aus Großbritannien sogar bei 32 Prozent der Interviewten.</p>
<p>Noch mehr gefällig?</p>
<p>27 Prozent der Bankmitarbeiter bestritten, dass die Finanzdienstleister im besten Interesse ihrer Kunden handeln würden. Dieser Prozentsatz steigt sogar auf 38 Prozent für diejenigen Banker, die 500.000 Dollar und mehr im Jahr verdienen. Anders ausgedrückt: Die Daten zeigen, dass zwischen dem Einkommensniveau und der Wahrscheinlichkeit, Zeuge von Fehlverhalten zu werden, ein Zusammenhang besteht.</p>
<p>Aber es kommt noch dicker. Einer von zehn Teilnehmern hat sogar (oder wurde dazu angehalten) eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben müssen, die ihm untersagt, unrechtmäßiges oder unethische Aktivitäten den Behörden zu melden. Bei einem Jahreseinkommen von 500.000 $ oder mehr steigt der Prozentsatz derjenigen, die nach eigenen Angaben ebenfalls den Maulkorberlass unterzeichnet haben, sogar auf 25 Prozent.</p>
<p>Wie hoch wäre der Prozentsatz derjenigen, die an die Wirksamkeit eines freiwilligen Verhaltenskodex glauben?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> online Ausgabe des Handelsblatts zum G7-Treffen: <em>Neuer Verhaltenskodex für Banker soll Märkte sicherer machen</em>, gelesen am 28.5.2015</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Tenbrunsel, A &amp; Thomas, J. (Mai 2015): <em>The Street, The Bull and The Crisis: A Survey of the US &amp; UK Financial Services Industry</em>, presented by The University of Notre Dame and Labaton Sucharow LLP</p>
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		<title>Dogville</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/dogville/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2014 19:51:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[abnehmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstwahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiebung von Referenzpunkten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Normalerweise gebe ich nicht gerne Tipps, aber mein jüngster Besuch im Frankfurter Schauspielhaus erwies sich als Volltreffer. Dort wurde nämlich Dogville von Lars von Trier aufgeführt, ein Drama, das ich schon einmal als großartigen Film vor einigen Jahren bei einem Kinobesuch sehen durfte. Und wer Zeit hat, Dogville, den Ort von Rechtschaffenheit und Hilfsbereitschaft einmal [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Normalerweise gebe ich nicht gerne Tipps, aber mein jüngster Besuch im Frankfurter Schauspielhaus erwies sich als Volltreffer. Dort wurde nämlich Dogville von Lars von Trier aufgeführt, ein Drama, das ich schon einmal als großartigen Film vor einigen Jahren bei einem Kinobesuch sehen durfte. Und wer Zeit hat, Dogville, den Ort von Rechtschaffenheit und Hilfsbereitschaft einmal live zu erleben, sollte sich schnellstens einen Platz für eine der verbliebenen Veranstaltungen sichern.</p>
<p>In Dogville wird nämlich gezeigt, wie eine schöne Heldin (im Film gespielt von Nicole Kidman) namens Grace Schritt für Schritt ihre Persönlichkeit zu Gunsten der Bewohner eines Dorfes aufgibt, das sich permanent „moralisch aufrüsten“ muss. Und wenn man das erste und das siebte Kapitel der berühmten Verfilmung, miteinander vergleicht, hält man es kaum für möglich, wie Menschen einen anderen innerhalb von fünf Akten auf grausamste und unerträgliche Weise unterwerfen können.</p>
<p>Dieser erste Film aus von Triers Trilogie <em>USA – Land der Möglichkeiten </em>wurde von US-Kritikern als sinnloser und ignoranter Antiamerikanismus abgetan, was jedoch am Kern der Sache vorbeigeht. Denn eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses philosophischen Dramas besteht nämlich darin, wie sich Menschen peu à peu an immer stärkere Grausamkeiten <em>gewöhnen</em> können, während die Selbstwahrnehmung der moralischen Integrität intakt bleibt &#8211; ein Klassiker übrigens für die &#8222;Abteilung&#8220; Behavioral Ethics. Anders ausgedrückt: Eine kaum wahrnehmbare Verschiebung von Referenzpunkten kann mit der Zeit zu massiven Verhaltensänderungen führen.</p>
<p>Weniger um Ethik, aber dafür um Finanzmärkte, geht es in einem anderen „Filmchen“, dem allmonatlichen Interview zur Stimmungslage beim DAX, dass Viola Grebe vom Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) heute (<a href="http://www.daf.fm/video/goldberg-markt-hat-noch-luft-nach-oben-50169439.html"><strong>hier</strong></a>) mit mir führte.</p>
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		<title>Am Anfang war der Kugelschreiber (Kulturwandel und Behavioral Ethics Teil 4)</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/am-anfang-war-der-kugelschreiber-kulturwandel-teil-4/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Sep 2013 07:28:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[abnehmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Adaption]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialer Vergleich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass sich kleine Verfehlungen mit der Zeit zu großen Sünden auswachsen können, ohne dass das schlechte Gewissen der Betroffenen im selben Umfang mitwächst, zeigte sich am Ende meines dritten Blogs zum Kulturwandel und der neuen  Behavioral Ethics. Am Anfang war es doch nur ein Kugelschreiber, der aus dem Büro mit nach Hause genommen wurde. Später [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass sich kleine Verfehlungen mit der Zeit zu großen Sünden auswachsen können, ohne dass das schlechte Gewissen der Betroffenen im selben Umfang mitwächst, zeigte sich am Ende meines dritten Blogs zum Kulturwandel und der neuen  Behavioral Ethics. Am Anfang war es doch nur ein Kugelschreiber, der aus dem Büro mit nach Hause genommen wurde. <span id="more-6493"></span>Später wird erst die Reisekostenabrechnung, dann die Steuererklärung zum eigenen Vorteil „frisiert“. Ein kleiner Versicherungsbetrug wiegt schließlich moralisch auch nicht mehr so richtig schwer, selbst beim „Incentive“-Besuch, zu dem der Chef in einen osteuropäischen Puff geladen hat, melden sich keine Skrupel. Dabei handelt es sich nicht einmal in allen Fällen um gesetzlich strafbare Vergehen. Im Nachhinein kann man das ja auch alles rechtfertigen und relativieren: Der Verlust eines Kugelschreibers wird dem Arbeitgeber kein Loch in die Bilanz reißen, und mit der leicht veränderten Reisekostenabrechnung wolle man sich ja nur zurückholen, was man dem Chef an unbezahlten Überstunden geschenkt habe. Und mogeln andere nicht auch beim selbstverursachten Haftpflichtschaden?</p>
<p>Bei vielen Sündern handelt es sich nicht immer um von Grund auf schlechte oder unehrliche Menschen. Häufig haben sie aber jede Tuchfühlung mit den gesellschaftlichen Normen verloren, schon weil in den Kreisen, in denen sie verkehren, weniger strenge oder sogar andere Normen gelten. (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/politik/zweierlei-moral/">vgl. auch Blogbeitrag von Herman Brodie</a></span>).</p>
<p>Genauso muss man sich die Frage stellen, wie es möglich sein kann, dass sich Menschen in einem Bereich ihres Lebens moralisch einwandfrei verhalten und sogar mit ihrem Geld großzügig soziale Einrichtungen unterstützen, während sie eine zweite Existenz in einer anderen Welt führen, wo sie dann in großem Stile Steuern hinterziehen? Wie kann es sein, dass ein fürsorglicher Familienvater seinen Kindern Respekt und Rücksichtnahme predigt, um nur wenige Stunden später kaltblütig einen langjährigen Mitarbeiter zu feuern?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Keine gespaltenen Persönlichkeiten</b></p>
<p>Man muss nicht an Schizophrenie leiden, um zu derartig widersprüchlichen Verhalten fähig zu sein. Vielmehr bieten die Erkenntnisse der Behavioral Economics eine plausible und nicht pathologische Erklärung für dieses Phänomen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Genau wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern <b>relativ</b> zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit „Gut“ und „Böse“ (vgl. auch Beitrag zum <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-ethics/kulturwandel-teil-3-behavioral-ethics-als-loesung/">Kulturwandel Teil 3</a>). Tatsächlich geht es vor allem darum, „besser“ oder „schlechter“ im Vergleich zu anderen zu sein. Und so wie Gewinne und Verluste, mit abnehmender Sensitivität wahrgenommen werden, ergeht es auch dem Guten und Schlechten. Der erste Ladendiebstahl lastet demnach schwerer auf dem Gewissen als der siebte. Und auch das Hochgefühl, das sich beim „Sozialen Tag“ eingestellt hatte, als man im Auftrag des Arbeitgebers Suppen in einer Armenküche austeilen sollte, schwindet mehr und mehr, je öfter der Chef einen zu diesem Engagement verpflichtet. Zudem unterliegt der Referenzpunkt, die Trennlinie zwischen Gut und Böse, auch noch Veränderungen, besonders in Folge von Gewöhnungseffekten.</p>
<p>Ethik kommt vornehmlich dann ins Spiel, wenn Verluste entstanden sind, weil jemandes Verhalten unter dem Standard der sozialen Normen liegt. Um solche Situationen zu vermeiden, genügt es jedoch nicht, sich auf Regeln und Regulierungen zu verlassen. Vielmehr müssen wir erkennen, dass es keine absolute Moral und keine ethisch völlig korrekte Menschen gibt. Und verstehen, warum Menschen unter bestimmten Bedingungen Dinge tun, die sie selbst nie für möglich gehalten hätten. Situationsabhängige Einflussfaktoren, die schleichende Veränderung von Normen, manchmal alleine durch Fortschreiten der Zeit, haben leider das Zeug, uns alle zu korrumpieren.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Genauso wie es in der verhaltensorientierten Ökonomie die mentale Kontoführung gibt, wonach Menschen für jede ihrer Entscheidungen im Kopf ein eigenes Konto führen, gilt dies auch für den ethischen Aspekt von Entscheidungen<i>. </i></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/am-anfang-war-der-kugelschreiber-kulturwandel-teil-4/">Am Anfang war der Kugelschreiber (Kulturwandel und Behavioral Ethics Teil 4)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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