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	<title>Behavioral Ethics Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Verschobene Normen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2020 04:49:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtliche Normen]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiebung von Referenzpunkten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei „Joe Normal“ mag der Aktionismus Trumps („Der tut was!“) sogar gut angekommen sein, waren doch die Verhandlungen über das neue Stimulus-Paket in den USA zum Wochenende ins Stocken geraten. Nicht zuletzt, weil die Positionen von Republikanern und Demokraten hinsichtlich des Volumens immer noch weit auseinander liegen – die Gebote der beiden Seiten trennten zuletzt 1,4 Billionen USD. Auch wenn manche Kommentatoren geneigt waren, insbesondere die ökonomisch bedeutsame Executive Order zur Unterstützung der Arbeitslosen mit „besser als nichts“ zu bewerten, ist man sich doch darüber einig, dass es sich nur um eine Art Erste-Hilfe-Maßnahme handeln kann. Und weil...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1750)</strong>             Der gestrige Handelstag gehörte eher zu den ruhigeren in Sachen Euro – man muss schon bis Mitte Juli zurückgehen, um eine ähnlich träge Sitzung im Verhältnis zum US-Dollar zu finden. Zwar hat der Euro gestern etwas an Boden verloren, verbleibt aber in seiner Konsolidierung zwischen <strong>1,1705</strong> und <strong>1,1920</strong>, die den weiteren Verlauf des Aufwärtstrends derzeit behindert.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-12367" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/08/11082020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/08/11082020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/08/11082020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Allerdings gab es doch noch einiges an Nachrichten vom Wochenende zu verarbeiten. Dabei wird immer wieder gerne übersehen – trotz der positiv empfundenen Überraschungen bei der Entwicklung am Arbeitsmarkt während der vergangenen drei Monate –, dass seit Ausbruch der Corona-Pandemie immerhin noch 13 Millionen Stellen nicht wieder neu besetzt wurden. Aber das Hauptinteresse der Kommentatoren galt sowieso den am Wochenende erlassenen Dekreten von US-Präsident Donald Trump.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Nicht mehr als Erste Hilfe </strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und bei „Joe Normal“ mag der Aktionismus Trumps („Der tut was!“) sogar gut angekommen sein, waren doch die Verhandlungen über das neue Stimulus-Paket in den USA zum Wochenende ins Stocken geraten. Nicht zuletzt, weil die Positionen von Republikanern und Demokraten hinsichtlich des Volumens immer noch weit auseinander liegen – die Gebote der beiden Seiten trennten zuletzt 1,4 Billionen USD.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Auch wenn manche Kommentatoren geneigt waren, insbesondere die ökonomisch bedeutsame Executive Order zur Unterstützung der Arbeitslosen mit „besser als nichts“ zu bewerten, ist man sich doch darüber einig, dass es sich nur um eine Art Erste-Hilfe-Maßnahme handeln kann.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Zwischen zwei Referenzpunkten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Denn bei der angekündigten wöchentlichen Hilfe für die Betroffenen geht es um eine Hilfe von 400 USD pro Kopf, von denen 100 USD von den einzelnen Bundesstaaten zu erbringen wären. 400 USD – das klingt wie ein Kompromiss zwischen den bislang auf Bundesebene gezahlten 600 USD pro Woche und dem, was die Trump-Administration angeblich selbst eigentlich nur zu zahlen bereit war, nämlich 200 USD.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Allerdings wird schon jetzt deutlich, dass der Anteil der wöchentlichen Hilfe der Bundesstaaten, also besagte 100 USD pro Kopf, mancherorts nicht so ohne weiteres finanzierbar sind. Zumal dem Vernehmen nach die Steuereinnahmen beispielsweise in New York gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent und in Kalifornien gar um 42 Prozent eingebrochen sein sollen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so dürfte nach Schätzung mancher Analysten das Geld für die Zahlung der zusätzlichen staatlichen Arbeitslosenunterstützung, selbst wenn die Finanzierung über die vorhandenen Quellen, etwa über nicht ausgeschöpfte Etats, glatt gehen sollte, nicht viel weiter als einen Monat reichen. Damit kann man den Trumpschen Executive Orders bestenfalls positiv abgewinnen, dass durch sie dem Kongress eine Art Deadline für einen Kompromiss gesetzt wurde.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Verschobene rote Linien</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Problematischer, wenn auch weniger wichtig für die Finanzmärkte, sind Trumps Dekrete hinsichtlich ihrer rechtlichen Gültigkeit. Denn es bleibt mehr als fraglich, ob der Präsident überhaupt die Macht hat, derartige Dekrete zu erlassen. Aber wer fragt danach in der Krise? Zumal sich niemand damit beliebt machen würde, etwa die Hilfen für Arbeitslose durch ein Gericht ausbremsen zu lassen. Donald Trump scheinen rechtliche Hindernisse sowieso egal zu sein. Vielleicht legt er es sogar darauf an, die US-Bevölkerung an solche scheinbar beiläufigen Übertretungen allmählich zu gewöhnen. Mit der Folge, dass sich die rote Linie zwischen „noch verfassungsgemäß“ und „illegal“ klammheimlich verschiebt. Möglicherweise verschiebt sich so auch der Wahltermin.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber es geht um mehr. Denn die Wahrnehmung dessen, was bislang als rechtlich oder ethisch korrekt angesehen wurde, verändert sich peu à peu wegen eben jener Verschiebung des Bezugspunktes zwischen Recht und Unrecht. Genauso wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern relativ zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit der moralischen Bewertung von „legal“ und „illegal“. Mit der Zeit kann so aus <em>absolut </em>„unrechtmäßig“<em> relativ „</em>rechtmäßig“ werden.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Zwischen Selbstlosigkeit und bestrafter Gier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2017 08:26:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Fairness]]></category>
		<category><![CDATA[Neid]]></category>
		<category><![CDATA[Ultimatum-Spiele]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9410 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/02/Ultimatumspiel.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Ich liebe Ultimatum-Spiele so sehr, dass ich sie fast immer bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance mit Zuhörern als Probanden vorstelle. Unter anderem um zu zeigen, dass Menschen keine reinen Gewinnmaximierer sind. So simuliere ich in einer Spielsituation, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll, aber nur unter der Bedingung, dass er diesen Betrag mit einem anderen Spieler teilt. Dabei darf er bestimmen, wie viel er selbst und wie viel der Andere erhält. Stimmt dieser der Aufteilung zu, bekommen beide ihr Geld. Lehnt der Mitspieler indes die vorgeschlagene Aufteilung ab, gehen beide leer aus.</p>
<p>Im Laufe der Jahre habe ich dieses Spiel bestimmt hunderte Male gespielt, aber niemals ist es vorgekommen, dass ein Zuhörer gemäß der ökonomischen Standardtheorie 9999,99 € für sich behalten und seinem Mitspieler nur die kleinstmögliche Geldeinheit von einem Cent angeboten hätte. Stattdessen entscheiden sich die meisten für eine Fifty-Fifty-Lösung, weil diese als besonders fair empfunden wird. Obwohl von vornherein klar ist, dass es sich nur um einen hypothetischen Betrag von 10.000 € handelt, gehen nur wenige so weit, mehr als die Hälfte des Spielgeldes für sich zu beanspruchen. Möglicherweise weil sie vor den anderen Zuhörern nicht als habgierig oder egoistisch dastehen wollen.</p>
<p>In den Fällen, in denen ein Entscheider mehr als die Hälfte des Geldes für sich in Anspruch nehmen wollte, waren die Mitspieler meist nicht bereit, der vorgeschlagenen Verteilung zuzustimmen, sofern ihr Anteil nur ein Drittel des Geldes oder sogar weniger betrug.</p>
<p>Doch ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass Menschen bei der Verteilung des Geldes ihren Mitspielern mehr als die Hälfte zugedacht haben. Um sich der Zustimmung des anderen völlig sicher zu sein – eine Verhaltensweise, die vom Publikum meist belächelt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Risikoaversion bis zur Selbstlosigkeit</strong></p>
<p>Nun hatte ich unlängst das Vergnügen, dieses Spiel im Rahmen eines Vortrages bei Vertretern einer Non-Profit-Organisation mit karitativem Charakter durchzuführen. Und ich war tatsächlich überrascht, dass der Verteiler des Geldes vorschlug, alles seinem Gegenüber zu überlassen und nichts für sich zu behalten. Obgleich ich zunächst den Verdacht hatte, das Spiel sei möglicherweise nicht verstanden worden, wurde mir spätestens bei der Antwort des Verteilenden, er wolle kein Risiko eingehen [das Risiko, dass sein Gegenüber ablehnen könnte] klar, dass es also keineswegs die reine Selbstlosigkeit war, die zu einem derartigen Verhalten führte.</p>
<p>Kritiker werden ohnehin einwenden, dass es sich ja nur um ein Spiel mit hypothetischen Einsätzen handelt und die Realität mit echtem Geld wahrscheinlich ganz anders aussehen würde. Eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span> zeigt jedoch, dass dieses Verhalten keineswegs auf Spiele ohne echtes Geld beschränkt bleibt. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Verhalten der Verteilenden sich selbst bei steigenden monetären Einsätzen tatsächlich ändern würde. Allerdings gilt das nicht für deren Gegenspieler, die sich bei steigenden Einsätzen auch mit geringeren zugedachten Geldbeträgen zufriedengaben. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch bei den Teilnehmern dieser Studie gab es immer wieder vereinzelt Fälle, bei denen ein Verteiler komplett auf seinen möglichen, manchmal nicht unbeträchtlichen Geldanteil verzichtete.</p>
<p>Es scheint also tatsächlich noch Menschen zu geben, denen Geld wirklich nichts bedeutet. Aber andererseits gibt es selbst in karitativen Kreisen nicht nur selbstlose Menschen. Das wurde mir spätestens klar, als ich bei einem zweiten Spiel die Erfahrung machen musste, dass eine fair anmutende Fifty-Fifty-Verteilung vom Mitspieler schlichtweg abgelehnt wurde. Die Hälfte war ihm nicht genug. Also verzichtete er durch die Verweigerung seiner Zustimmung lieber gleich auf alles und bestrafte so auch noch seinen Mitspieler. Anders ausgedrückt: Es gibt Menschen, die bereits sind, etwas zu bezahlen, damit Andere Geld verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Cameron, Lisa A. (1999): <em>Raising the Stakes in the Ultimatum Game: Experimental Evidence from Indonesia</em>, Economic Inquiry, Vol. 37, No, 1, January 1999, pp. 47-59</p>
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		<title>Welt ohne Normen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2017 09:27:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bezugspunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Grundrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Donald Trump ist noch keine zwei Wochen im Amt, und schon scheint die Welt wie auf den Kopf gestellt zu sein. Innerhalb kürzester Zeit hat uns der neue US-Präsident vorgeführt, dass es eine neue Unordnung gibt. Aber nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern in vielen anderen Bereichen der Welt verschieben sich derzeit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9391 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S-300x201.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S-768x516.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Fotolia_124957885_S.jpg 846w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Donald Trump ist noch keine zwei Wochen im Amt, und schon scheint die Welt wie auf den Kopf gestellt zu sein. Innerhalb kürzester Zeit hat uns der neue US-Präsident vorgeführt, dass es eine neue Unordnung gibt. Aber nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern in vielen anderen Bereichen der Welt verschieben sich derzeit die gesellschaftspolitischen Normen. Und das nicht, wie ich vor einigen Wochen (<a href="http://joachim-goldberg.com/2016/11/14/trump-and-the-new-normal/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a>) noch annahm, langsam und peu à peu, damit wir uns schleichend daran gewöhnen können und sich der Bezugspunkt dessen, was gemeinhin als gesellschaftlich akzeptabel gilt, unmerklich immer mehr verschiebt. Stattdessen hat sich der Maßstab für die Wahrnehmung dessen, was in unseren Augen als ethisch oder politisch korrekt gilt, nicht langsam verändert, sondern scheint zeitweise sogar schon völlig verschwunden zu sein.</p>
<p>Die einen sind schockiert, wenn nicht sogar paralysiert, weil sie nicht damit gerechnet hatten, dass Trump seine extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, tatsächlich auch umsetzen würde. Längst geht es nicht mehr nur um die Diffamierung von Behinderten und Frauen, um die Ausgrenzung von Muslimen, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, die Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern, sondern um nichts Geringeres als die Abschaffung der Gleichheit vor dem Gesetz, der Pressefreiheit, der Menschenrechte und allem, was nach unserem Verständnis die westlichen Demokratien ausmacht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wahlversprechen erfüllt</strong></p>
<p>Längst wird nicht mehr zurückgerudert oder relativiert. Vielmehr hat es den Anschein, als müsste die US-Gesellschaft die neuen Regeln exakt so hinnehmen, wie sie gemeint waren. Hierzulande wenden sich zwar viele Menschen von Donald Trump ab, weil er für die Folter eingetreten ist. Waterboarding gutzuheißen, das geht vielen doch entschieden zu weit. Interessanterweise sind dies aber manchmal dieselben Leute, die mehr oder weniger offen den Hut vor Donald Trump ziehen, weil er (im Gegensatz zu den etablierten Politikern und Parteien) seine Wahlversprechen 100prozentig erfüllt. Auch wenn diese Vorsätze noch so irrsinnig gewesen sein mögen. Hauptsache: erfüllt. Wer sich an seine Versprechen und Zusagen hält, gilt als edel.</p>
<p>Und wenn die Trump‘schen Dekrete bei dem einen oder anderen doch Zweifel und Widersprüche auslösen sollten, beruhigt man sich mancherorts schnell mit positiven Argumenten. Trump habe eine große Vision, etwa den Schulterschluss mit Russland. Das kann nur gut für den Weltfrieden sein.</p>
<p>„Regt Euch doch nicht auf!“, sagen andere. Trump werde schon bald an seine Grenzen stoßen, wenn er erst einmal von seiner eigenen Partei zurückgepfiffen wird. Wo sind eigentlich die Demokraten? In meiner Wahrnehmung wirkten sie bis vor kurzem wie vom Erdboden verschluckt. Immerhin wird protestiert. In der ganzen Welt und innerhalb kürzester Zeit kamen etwa mehr als 4 Millionen Unterschriften online zusammen, um Trump verbal in seine Schranken zu weisen.</p>
<p>Aber dann muss ich wieder lesen, dass der Widerstand in den USA gegen Donald Trump gar nicht originär von Menschen kommt, die ihre bürgerlichen Grundrechte wahrnehmen wollen, sondern dass der Aufstand von steinreichen Persönlichkeiten bezahlt worden sein soll, die immer gerne für Unruhe sorgen. Und deswegen sei der Widerstand auch nichts wert. Eigentlich gebe es ihn gar nicht.</p>
<p>Donald Trumps Botschaft könnte allerdings auch noch anders verstanden werden. Denn wenn es ihm dem Anschein nach mühelos gelingt, in einem Land, das als Wegbereiter von Demokratie und Menschenrechten gilt, innerhalb kürzester Zeit alle Werte der Humanität und Meinungsfreiheit außer Kraft zu setzen, dann muss das doch wie Musik in den Ohren aller selbsternannten Autokraten klingen.</p>
<p>Ist von nun an alles erlaubt?</p>
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		<title>Kurzgeschnittene Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2016 08:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Komplexitätsreduzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollbedürfnis]]></category>
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		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsirrtum]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9327 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier.jpg 695w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um Rezepte für Weihnachtsplätzchen oder wohin man das nächste Mal in den Urlaub fahren könnte. Stattdessen erfuhr ich beim Haareschneiden, dass mein Gegenüber politisch viel besser informiert war, als ich es je vermutet hätte.</p>
<p>Sicherlich hätte man den Mord an einer Freiburger Studentin, mit einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling als mutmaßlichem Täter, auch noch als typisches Skandalthema abtun können, wie es gerne zwischen Waschen, Schneiden, Föhnen erörtert wird. „Wissen Sie, wir werden permanent schlecht und falsch informiert – Spiegel, Focus, alles Lügenpresse“, brach es jedoch plötzlich aus der Friseurin hervor. Auch bei den Terroranschlägen des 11. September 2001 sei die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt worden, „das waren doch die Amerikaner selber [die den Anschlag verübten]“, bedeutete sie mir. Woher sie denn diese brisanten Informationen habe, fragte ich vorsichtig. Konkret konnte sie mir das natürlich nicht sagen, aber immerhin seien doch das Internet und die sozialen Medien voll davon, erfuhr ich. Wenn so viele das sagen, muss doch etwas dran sein, erläuterte sie mir. Damit war klar, dass sie offensichtlich alles, was in der Presse zu erfahren ist, für manipuliert und gelogen hielt und daraus die Schlussfolgerung gezogen hatte, dass diejenigen, die diese (vermeintlichen) Lügen aufdeckten, im Besitze der Wahrheit sein müssten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ja, aber</strong></p>
<p>Ich wollte keinen Streit anfangen, zumal die Friseurin schon begonnen hatte, während sie das alles mit erregter Stimme vorbrachte, aufgeregt mit dem Kamm die Luft zu durchfurchen. Doch fühlte ich mich verpflichtet, der jungen Frau zu erklären, dass diejenigen, die andere der Lügen- oder Lücken-Presse bezichtigten, nicht notwendigerweise ehrlich sein müssten. Beinahe glaubte ich, Erfolg gehabt und mein Gegenüber überzeugt zu haben, denn sie hielt beim Haareschneiden inne und schien für einen Moment sehr konzentriert nachzudenken. Aber spätestens, als sie die Schere mit dem berühmten „Ja, aber“ am Haaransatz oberhalb meines Ohres wieder ansetzte, hätte mir klar sein müssen, dass ich genauso gut gegen eine Wand hätte reden können.</p>
<p>„Haben Sie sich schon einmal die Rückseite Ihres Personalausweises genauer angesehen? – Da kann man bei genauem Hinsehen den Teufel erblicken!“ Und zum Beweis zeigte sie mir ihren Personalausweis (in der alten Ausführung). Ich drehte die Karte hin und her, aber wollte absolut keinen Teufel erkennen. „Mit etwas Fantasie kann ich ein Fruchtbarkeitssymbol, vielleicht so etwas wie eine abstrakte Gebärmutter und einen Phallus oder so etwas Ähnliches erkennen. Aber den Gehörnten?“ „Sie sehen doch nur, was Sie sehen wollen!“ erwiderte meine charmante Friseurin. „Und Sie?“ – Schweigen. Ich gab auf, denn ich wusste, sie würde auch beim Betrachten einer Aufnahme  von den Wolkenkratzern des 11. Septembers in New York in den auf dem Foto befindlichen Wolken womöglich die Fratze des Bösen erkennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kontrollbedürfnis sucht einfache Erklärungen</strong></p>
<p>Es ist wohl dem menschlichen Bedürfnis nach Kontrolle geschuldet, dass es für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben muss. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, den sie erleben, wenn sie bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben können, kaum aus. Und Erklärungen, die plausibel scheinen, weil sie auch noch ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten oder besonders gut ins eigene Weltbild passen, sind besonders beliebt.  Anders ausgedrückt: Wer solche Erklärungen anbieten kann, gilt automatisch als glaubwürdig und ehrlich, weil er im Besitz des Mittels gegen einen als bedrohlich empfundenen Kontrollverlust ist. Kein Wunder, wenn neben diesen Erklärungen auch alle anderen Informationen ungeprüft als Wahrheit akzeptiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…, die nicht richtig sein müssen </strong></p>
<p>Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man ohnehin, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige, auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen gegenüber anderen bevorzugt wahrgenommen werden. Am besten kommt eine Geschichte an, in der ein Ereignis oder eine Aktion geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben wird, die selbst nur im Verborgenen tätig sind, also mithin Verschwörungstheorien. Und wenn dann auch noch prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Möglicherweise werden somit Lügen zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>Nicht dass jene anerkannten Autoritäten, zu denen naturgemäß auch die Politiker zählen, in der Vergangenheit nie gelogen oder Geschichten erfunden hätten. Das dramatische Wesen der heutigen sogenannten Post-Fact-Welt liegt darin, dass – und gerade das Beispiel Donald Trump zeigt uns dies besonders gut – Lügen plötzlich egal und wenn auch nicht legal, so doch zumindest legitim zu sein scheinen. Und kommen sie aus der Politik, bleiben sie sogar ungeahndet. Im Gegenteil: Wer besonders dreist lügt, bekommt besonders viel Zuspruch. Eine Dreistigkeit, die nur deswegen möglich ist, weil sie eben auf einfach und schnell begreifbare Erklärungen rekurriert. Möglicherweise nicht einmal, weil die Menschen jemand gesucht haben, der ihnen eine bessere Zukunft verspricht. Es ist ausgerechnet die Transparenz des Internets, die zu einer solch horrend großen Menge an Information geführt hat, dass wir dieser aufgrund unserer begrenzten menschlichen Aufnahmekapazitäten nicht mehr Herr werden können.</p>
<p>Auf der Suche nach Transparenz und Wahrheit ist es zu einem Information-Overkill, einem Gemisch von Wahrheiten und Lüge und einem Kontrollverlust gekommen, der eben zu einer selektiven Wahrnehmung des Einfachen, leicht Erklärbaren führt. Verbunden mit dem Nachteil, dass diese Vereinfachungen und Komplexitätsreduzierungen dennoch nicht zur Wahrheit führen müssen. Informationen, mit denen meine Friseurin und ich demnächst wählen gehen. Gut möglich, dass wir uns beide so oder so für das Falsche entscheiden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kurzgeschnittene-wahrheit/">Kurzgeschnittene Wahrheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Trump-o-logy</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2016 14:55:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Phänomen Donald Trump beherrscht auch zwei Wochen nach der Wahl die Schlagzeilen in den Medien ebenso wie die Finanzmärkte. Dabei fällt auf, dass die Wall Street einerseits eine ausgelassene Trump-Party feiert (Börsenzeitung) und dem US-Aktienmarkt vor lauter Euphorie gestern im morgendlichen Newsletter des Handelsblatts gar ein 15-prozentiger Anstieg seit dem Wahltag bescheinigt wurde, den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9300 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Senti_23112016-300x114.jpg" alt="senti_23112016" width="300" height="114" />Das Phänomen Donald Trump beherrscht auch zwei Wochen nach der Wahl die Schlagzeilen in den Medien ebenso wie die Finanzmärkte. Dabei fällt auf, dass die Wall Street einerseits eine ausgelassene Trump-Party feiert (Börsenzeitung) und dem US-Aktienmarkt vor lauter Euphorie gestern im morgendlichen Newsletter des Handelsblatts gar ein 15-prozentiger Anstieg seit dem Wahltag bescheinigt wurde, den ich in dieser Größenordnung offenbar verpasst haben muss.</p>
<p>Andererseits wird dem hiesigen DAX offenbar eine Konsolidierungszone zum Verhängnis, aus der er trotz aller Jubelrufe aus den USA bislang nicht nach oben ausbrechen möchte. „Langsam wird es peinlich“, konstatierte etwa ard.boerse.de diesbezüglich online. Dabei haben sich im Vergleich zum S&amp;P 500 sowohl der EURO STOXX 50 als auch der DAX gemessen an den Monatstiefs kurz vor oder nach dem Wahltag bislang nicht schlechter geschlagen. Aber ein 6-prozentiger Kursanstieg innerhalb einer sehr breiten, seit Wochen anhaltenden Konsolidierung klingt fast schon etwas langweilig. Dies scheinen die von der Börse Frankfurt allwöchentlich befragten Akteure aber immer noch positiv zu sehen – meinen Kommentar dazu können Sie dieses Mal <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Party-ohne-Musik-1654404" target="_blank"><span style="color: #ff0000;"><strong>HIER</strong></span></a> abrufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Videobotschaft</strong></p>
<p>Natürlich kann man sich die Frage stellen, warum ausgerechnet Europa bzw. Deutschland von einem Wahlsieg Donald Trumps profitieren sollten. Denn trotz aller geplanten fiskalpolitischen Maßnahmen des designierten US-Präsidenten, sollte man selbst angesichts eines damit verbundenen Aufwärtstrends des US-Dollar und den damit möglicherweise erwarteten steigenden Erlösen für die europäische Exportwirtschaft nie vergessen: Amerika comes first. Und im Zweifel müssen andere [angesichts möglicherweise drohender Handelsbarrieren] aus den USA draußen bleiben.</p>
<p>Jetzt werden mir gleich wieder einige sagen, ich solle doch nicht so pessimistisch sein, denn auch Donald Trump sei doch bereits dabei, zurück zu rudern. Tatsächlich hatte dieser gestern in einer Videobotschaft die Prioritäten für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit dargestellt. Kommentatoren mögen darin nichts Überraschendes gefunden haben und sogar darauf verweisen, dass es wichtiger sei, darauf zu achten, worauf Trump in seiner Botschaft <strong><em>nicht</em> </strong>eingegangen sei. Mag sein, dass in dem etwa zwei-minütigen Videoclip nicht mehr die Rede von einer Mauer an der Grenze zu Mexiko ist. Auch dass die im Wahlkampf angekündigte Abschaffung von „Obamacare“ nicht mit einem Wort erwähnt wurde. Ganz zu schweigen von anderen von vielen als radikal empfundenen Maßnahmen. Kein Waterboarding also?</p>
<p>Dass all dies keine Erwähnung gefunden hat, heißt nicht, dass es nicht kommt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Rabatte und Mentale Konten wirken </strong></p>
<p>Ich höre schon wieder die Stimmen, die mir weismachen wollen, dass der Mann eigentlich gar nicht so schlimm sei. Dies mag, gemessen an den durch den Wahlkampf extrem gesetzten Referenzpunkten, sogar eine relative Verbesserung sein. Nein, Donald Trump verkauft uns nicht die nackte Wahrheit, sondern eine extreme Vision, reduziert um einen kleinen Rabatt, aber am Ende mit dem gleichen Ergebnis. Genau so, wie man eben einen Gebrauchtwagen verkaufen muss.</p>
<p>Die mentale Kontoführung sorgt dafür, dass wir den Rabatt aus einem überhöhten Verkaufspreis separat und deshalb wie einen Gewinn wahrnehmen. Genauso verhält es sich mit der Einladung der Chefs der wichtigsten Nachrichtensender von Trumps Gnaden am Montag, der bei dieser Gelegenheit seinen Gästen dem Vernehmen nach, obwohl „off the records“, der Lüge bezichtigte und so richtig den Kopf gewaschen haben soll, nur um einem seiner offenkundigen Gegner einen Tag später zu bedeuten, dass er doch alle ganz lieb habe und seine journalistischen Gäste ein großartiges Juwel für Amerika, ja, die ganze Welt seien.</p>
<p>Soll doch da noch jemand von einer bevorstehenden Einschränkung der Pressefreiheit fabulieren. Ich ziehe es jedenfalls vor, statt mich mit diesen Spiegelfechtereien zu beruhigen, mich nicht auf das zu konzentrieren, was Trump sagt, sondern darauf, was er tut. Und da muss man sich nur die von ihm geplante Besetzung der Schlüsselpositionen seiner Regierung ansehen, um zu begreifen, was in den USA trotz anderslautender Beteuerungen zu erwarten ist.</p>
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		<title>Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 15:20:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/trump-and-the-new-normal/">Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-9275 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg" alt="ankerhirn" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2.jpg 810w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, sogar dazu geführt hat, dass viele Wähler bei Umfragen nicht aufrichtig geantwortet haben, aus Angst vor einer möglichen Isolation, wenn sie zu Kandidaten oder Parteien tendierten, die von den Medien und der offiziell vorherrschenden Meinung abwichen. Auch hierzulande galt es bis vor kurzem noch als schick, offiziell den designierten US-Präsidenten Donald Trump abzulehnen, weil er Standpunkte vertritt, die bislang gesellschaftlich als kaum akzeptabel galten.</p>
<p>Das hat sich nun geändert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reset der Normen</strong></p>
<p>Genauso wie die anonyme Masse der US-Amerikaner, die vorgeblich Trump abgelehnt hatte, plötzlich zu einer Mehrheit von Trump-Anhängern mutierte, scheinen dessen Ideen auch hierzulande bei immer mehr Menschen auf Gegenliebe zu stoßen. Und wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz jetzt fordert, dem designierten US-Präsidenten offen zu begegnen und praktisch von vorne anzufangen, indem beide Seiten „auf Null schalten“ und sich gegenseitig eine Chance geben, kann man dies einerseits natürlich als Zeichen des Respekts vor dem US-Wahlergebnis deuten. Zum anderen könnte sich in dieser Aufforderung zu einem Reset aber auch die unbewusste Änderung eines gesellschaftlichen Bezugspunkts dessen, was gemeinhin als akzeptabel gilt, andeuten. Gewissermaßen eine Verschiebung des Maßstabs für die Wahrnehmung dessen, was ethisch oder politisch korrekt ist, mithin eine klammheimliche Veränderung von gesellschaftlichen Normen und Referenzpunkten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von extremen Ankern…</strong></p>
<p>Donald Trump und möglicherweise auch seine Berater haben es aus verhaltensorientierter Sicht geradezu meisterlich verstanden, den Bezugspunkt für soziale Normen zu verschieben. Es ist natürlich nicht erwiesen, dass sich Trump tatsächlich bewusst der Methode des Verankerns (Anchoring) aus der Verhaltensökonomik bedient hat. Aber mit seinen extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, hat dies bei den Wählern zu genau einem solchen Effekt geführt. Ursprünglich wollte Trump 11 Millionen illegale Einwanderer ausweisen, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen, die Gesundheitsreform Obamacare abschaffen, Hillary Clinton ins Gefängnis stecken und alles, was nach Establishment aussieht, am liebsten aus der US-Gesellschaft verbannen. Mit der Diffamierung von Behinderten und Frauen, der Ausgrenzung von Hispanics, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, der Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern vertrat der designierte US-Präsident im Wahlkampf Extrempositionen, die weit jenseits des politisch Korrekten anzusiedeln sind. Schlechthin eine Absage an Gleichberechtigung, an eine multikulturelle Gesellschaft, an die Globalisierung, an alles Liberale und Intellektuelle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…zu neuen Bezugspunkten </strong></p>
<p>Mit diesen Extrempositionen wurden zunächst Anker, das heißt neue, für viele Menschen längst nicht mehr akzeptable Bezugspunkte, gesetzt. Und diese haben sie im Hinterkopf behalten, weshalb sie weiterhin eine ganz wichtige Rolle spielen, als Donald Trump nach seiner Wahl mit einem Male einige dieser Extrempositionen korrigierte. Plötzlich beabsichtigt er, „nur“ 3 Millionen Illegale auszuweisen, auch fordert er heute das Ende der Gewalt gegen Minderheiten, die nach Barack Obama benannte Gesundheitsreform wird teilweise beibehalten und selbst über eine strafrechtliche Verfolgung seiner Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre will er noch einmal nachdenken. Im Lichte der im Wahlkampf vertretenen Extrempositionen wirkt dieses Zurückrudern oder Relativieren wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich zuvor noch durch Donald Trumps Äußerungen verletzt und gekränkt fühlten. Mit anderen Worten: Für all diejenigen, die Trump nicht gewählt haben, ist diese Korrektur vormaliger Extrempositionen nichts anderes als ein relativer Gewinn gegenüber vorher Undenkbarem.</p>
<p>Und auch hierzulande sehen sich viele Menschen darin bestätigt, dass auch im Falle Trumps nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde. Mit anderen Worten: Trump und seine sicherlich wegen des Wahlkampfs überzogenen Ansichten seien gar nicht so schlimm und im Grunde habe er in manchen Punkten gar nicht mal Unrecht, räumen einige mittlerweile ein. „Geben wir ihm eine Chance“, fordern daher selbst gemäßigte Zeitgenossen. Immerhin sei er doch demokratisch gewählt, heißt es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie aus „unmoralisch“ relativ „moralisch“ wird</strong></p>
<p>Anhänger der Verhaltensökonomik, insbesondere der sogenannten Behavioral Ethics, wissen jedoch, dass einmal gesetzte Anker trotz besseren Wissens später nur unzureichend korrigiert werden. Aber es geht um mehr. Es ist nicht nur plötzlich legitim, Donald Trump gut zu finden, sondern auch den damit einhergehenden gesellschaftlichen Kulturwandel. Denn die Wahrnehmung dessen, was bislang als politisch oder ethisch korrekt angesehen wurde, hat sich wegen eben jener Verschiebung des Bezugspunktes zwischen Recht und Unrecht verändert. Genauso wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern relativ zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit den moralischen Werten eines „Gut“ und „Böse“. Denn tatsächlich geht es vor allem darum, besser oder schlechter im Vergleich zu anderen zu sein. Und genauso wie man sich an Gewinne und Verluste gewöhnt, kann sich auch die moralische Bewertung im Laufe der Zeit abschwächen. Vor allem auch, weil diese Trennlinie nach einer Weile infolge von Gewöhnungseffekten noch weiteren Veränderungen unterliegt. Und so werden unter diesen neuen Normen und Bedingungen Menschen Dinge tun, die sie selbst vor ein paar Wochen vielleicht nie für möglich gehalten hätten. Es ist die schleichende Veränderung der Normen und der Bezugspunkte, manchmal allein durch das Fortschreiten der Zeit, wodurch wir alle Gefahr laufen, korrumpiert zu werden und das, was wir vormals <strong>absolut</strong> verabscheut hatten, mit einem Male halbwegs, also <strong>relativ </strong>in Ordnung finden.</p>
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		<title>Ein Whistleblower lehnt ab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2016 10:54:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ein-whistleblower-lehnt-ab/">Ein Whistleblower lehnt ab</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-8827 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro-Kopie-300x114.jpg" alt="Fotolia Mikro Kopie" width="300" height="114" />Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, nicht nur, weil er als Kronzeuge Bilanzmanipulationen aufgedeckt, sondern vor allem, weil er anschließend – abhängig von der Strafzahlung der Bank – eine Belohnung in Höhe von 8,25 Millionen US-Dollar<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span>, die ihm die US-Wertpapieraufsicht SEC für diese Informationen zahlen wollte, abgelehnt hatte. Nach Angaben einer Zeitung begründete Ben-Artzi seine Weigerung, den ihm zustehenden Anteil an der Belohnung<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span> zu akzeptieren, damit, dass die Strafzahlung der Deutschen Bank die Falschen treffe. So müssten nicht die verantwortlichen Manager, sondern stattdessen Aktionäre und Angestellte der Bank, von denen derzeit etliche ihren Arbeitsplatz verlören, ihren Kopf hinhalten.</p>
<p>Mit Hilfe dieser hohen Belohnungen versucht man vor allen Dingen diejenigen auf den Plan zu rufen, die aus Angst vor Verlust ihrer materiellen Existenz bislang nicht bereit waren, gesetzwidriges Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten anzuzeigen. Denn ein Whistleblower verliert meist nicht nur seinen Job. Vielmehr läuft man Gefahr, auch danach als Verräter und Nestbeschmutzer gebrandmarkt zu werden, und so jemanden will auch kein anderes Unternehmen mehr einstellen. Besonders empfindlich reagiert die Finanzwelt auf derartige „Indiskretionen“. Das musste auch Eric Ben-Artzi erfahren. Mittlerweile ist er – immerhin – für ein israelisches Fintech Startup-Unternehmen tätig, wenn auch vermutlich zu einem Bruchteil seines früheren Gehalts. Auf jeden Fall hat sein selbstloses Verhalten für einiges Aufsehen gesorgt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Andersdenkende Angestellte</strong></p>
<p>So hob etwa Michael Skapinker in einem Kommentar für die „Financial Times“ hervor, wie sehr Whistleblowing dem Ruf eines Unternehmens schaden könne. Und wenn es erst einmal so weit gekommen sei, dass sich ein Mitarbeiter an die Öffentlichkeit statt an seinen Vorgesetzten wende, sei dies als Anzeichen für eine chronisch dysfunktionale Unternehmenskultur zu werten. Denn gesunde Unternehmen würden sich den Bedenken besorgter Angestellter weit früher, bevor die Probleme an die Außenwelt gelangten, annehmen. Tatsächlich seien Mitarbeiter, die mit den Praktiken ihres Arbeitgebers nicht übereinstimmten, wichtig für das Unternehmen. In diesem Zusammenhang verweist Skapinker auch auf eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></span>, die zu dem Ergebnis kommt, dass andersdenkende Angestellte zwar oft als nervig angesehen werden, sich aber gewissermaßen um das Unternehmen „kümmerten“. Solche Angestellten förderten und erhielten den guten Ruf ihres Arbeitgebers.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Soziale Normen entscheiden</strong></p>
<p>Ob Angestellte widersprechen, hängt jedoch davon ab, wie weit sie von Kollegen und Vorgesetzten dazu ermutigt oder für ihre Kritik bestraft werden. Und an dieser Stelle kommen die vorherrschenden sozialen Normen zum Tragen, also die Frage, wie diese selbst ihr Verhalten moralisch bewerten. Sicherlich wird jemand seine Handlungen kaum als unethisch einstufen, wenn er stets nur macht, was alle anderen tun. Ganz zu schweigen davon, dass Menschen nicht immer in der Lage sind, sobald sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden, dieses tatsächlich auch zu erkennen.</p>
<p>Kurzschulungen in ethischem Verhalten, Ethik-Hotlines oder ein Verhaltenskodex für Mitarbeiter, der diesen vorgibt, wie man bestimmte Grundwerte in der Praxis umsetzt, reichen jedoch nicht aus. Vielmehr müssen Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, ihre Bedenken mit Kollegen und Vorgesetzten ohne Furcht vor Repressalien besprechen zu können. Solange sich aber die sozialen Normen in den Unternehmen nicht ändern, vor allem weil Fehlverhalten der Verantwortlichen nicht sanktioniert wird, besteht für die Entscheider kein Anlass, umzudenken oder grundsätzlich etwas an ihrem Verhalten zu ändern.</p>
<p>Vorerst verursachen also geäußerte Bedenken eines besorgten Angestellten vor allem Dissonanz bei Kollegen und Vorgesetzten, die nicht einsehen, ihre bedenklichen moralischen Wertvorstellungen, die Grundlage der sozialen Normen sind, zu überdenken oder gar zu ändern. Und es ist jener Zustand der (kognitiven) Dissonanz, den Menschen nicht lange ertragen und dessen Ursache sie deshalb möglichst schnell beseitigen möchten.</p>
<p>Daran dürfte auch der Verzicht von Eric Ben-Artzi nicht viel ändern, mag er noch so vorbildlich sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> </span>Dieser Betrag errechnet sich aus den 55 Millionen US-Dollar Strafe, die die Deutsche Bank im vergangenen Jahr zahlen musste, wovon drei Whistleblowern – einer von ihnen war Ben-Artzi – 16,5 Millionen Dollar (30 Prozent der verhängten Geldbuße) als Belohnung zustanden</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a></span> Vgl. Internetausgabe der Financial Times vom 19. August 2016</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3"></a></p>
<p><span style="color: #008000;">[3]</span> International Journal of Business Communication: <a href="https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation">https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Rückblick 2015 und Auspizien für 2016</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Dec 2015 08:30:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Goldbergs Thema des Monats]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie jedes Jahr ist nun die Zeit der Rückblicke und der Auspizien, der Prognosen für 2016, gekommen. Diesem Trend konnte auch ich mich nicht ganz entziehen und habe meine Aufzeichnungen nach Themen durchsucht, die Sie, liebe Leser(innen) meines Blogs, während der vergangenen zwölf Monate am stärksten interessiert haben. Interessanterweise waren dies im Gegensatz zum Vorjahr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/rueckblick-2015-und-auspizien-fuer-2016/">Rückblick 2015 und Auspizien für 2016</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie jedes Jahr ist nun die Zeit der Rückblicke und der Auspizien, der Prognosen für 2016, gekommen. Diesem Trend konnte auch ich mich nicht ganz entziehen und habe meine Aufzeichnungen nach Themen durchsucht, die Sie, liebe Leser(innen) meines Blogs, während der vergangenen zwölf Monate am stärksten interessiert haben. Interessanterweise waren dies im Gegensatz zum Vorjahr kaum Marktthemen.</p>
<p>So landete der Beitrag <em><strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-luege-zur-wahrheit/"><em>Von der Lüge zur Wahrheit</em></a></u></strong></em> vom 22. Oktober dieses Jahres auf Platz drei meiner internen Hitliste. Das am zweithäufigsten in 2015 gelesene Thema beschäftigte sich mit der zu guten Stimmung am Aktienmarkt trotz des VW-Skandals und lautete am 30. September: <em><strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/es-wird-bedrohlich/"><em>Es wird bedrohlich</em></a></u></strong></em>. Der meist beachtete Blogbeitrag vom 12. November dieses Jahres <em><strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/der-goldraub-von-1933/"><em>Der Goldraub von 1933</em></a></u></strong></em> setzte sich mit der Abschaffung des Goldstandards in den USA und der sich hartnäckig haltenden Legende, die USA seien bei der Tilgung ihrer Schulden noch nie in Verzug geraten.</p>
<p>Interessant: Auch wenn der Begriff Eurokrise zurzeit bei den Akteuren an den Finanzmärkten in den Hintergrund getreten ist, bleibt doch offenkundig, dass die Notenbankpolitik für die meisten Händler die wichtigste Rolle spielte und ökonomische Daten dabei oftmals in den Hintergrund traten.</p>
<p>Was die Zukunft angeht, habe ich ebenfalls diverse Einschätzungen (aber keine Punktprognosen für Weihnachten 2016), vornehmlich zum DAX, samt der Chancen und Risiken für das kommende Jahr in meinem Thema des Monats Dezember, das ich <strong><u><a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html">HIER</a></u></strong> für die WGZ Bank erstellt habe, niedergelegt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/rueckblick-2015-und-auspizien-fuer-2016/">Rückblick 2015 und Auspizien für 2016</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Von der Lüge zur Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2015 16:45:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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		<category><![CDATA[Kontrolldefizit]]></category>
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		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
		<category><![CDATA[Webersches Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-luege-zur-wahrheit/">Von der Lüge zur Wahrheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die Hilfesuchenden so lange, bis sie gefunden haben, was ihnen passt, aber nicht helfen muss.</p>
<p>Das gilt leider auch für kaum zu verstehende Ereignisse wie die Anschläge des 11. September 2001. Oder die Finanzkrise, die im Jahr 2008 implodierte und geldpolitische Programme der Zentralbanken zur Folge hatte, mit deren Konsequenzen sich die Forscher rund um den Globus immer noch auseinandersetzen müssen. Man braucht selbst in der Gegenwart nicht lange zu suchen, um etwa im Internet nach Erklärungen für das Verschwinden von Flugzeugen oder den Schuldigen für die für viele Menschen als bedrohlich, weil nicht kontrollierbar, empfundene Flüchtlingskrise zu finden. Und manchmal sind diese Erklärungen abenteuerlich.</p>
<p>Es ist aber auch kein Wunder, dass die Menschen in dieser enormen Vielfalt von Informationen nur diejenigen wahrnehmen, die sich vom allgemeinen Grundrauschen abheben. Und das Niveau dieses Grundrauschens wird vom sogenannten Mainstream der Tagespresse bestimmt: Informationen, die niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken und im schlimmsten Fall sogar als Lügenpresse tituliert werden.</p>
<p>Ob wir tatsächlich belogen werden?</p>
<p>Ich weiß es nicht, und darum geht es mir an dieser Stelle auch gar nicht. Aber wer wahrgenommen werden will, muss sich im Sinne des Weberschen Gesetzes vom Grundrauschen abheben<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Und das geschieht vor allem fast nur ex negativo. Informationen sind dann interessant, wenn sie ohnehin Schlimmes ins Extreme steigern. Und diese Tendenz hat sich während der vergangenen Jahre durch das Internet drastisch verstärkt. Eigentlich müssten die vermutlich über 300 Millionen Blogger-Auftritte durch den damit ausgelösten Informationswettbewerb für eine immer bessere Qualität an Informationen sorgen. Während dies für die traditionellen Medien gelten mag, scheint die Idee, durch Wettbewerb ein Mehr an Qualität zu bekommen, im Cyberspace nicht zu gelten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ausgezeichnetes Chance/Risiko-Verhältnis für Sensationen</strong></p>
<p>Das mag vermutlich damit zusammenhängen, dass etwa Blogbeiträge durch ihre geringen Kosten eine relativ niedrige Eintrittshürde in die Nachrichten-Welt überwinden müssen. Aber selbst der ernsthafteste Blogger wird nur dann bekannt, wenn er sich vom Rest der Mitbewerber abhebt. Und das Risiko, für eine überspitzt dargestellte Nachricht, bestraft zu werden, ist im Vergleich zur Belohnung, möglicherweise Guru-Status zu erlangen, gering. Eine Nachricht muss nicht in erster Linie akkurat dargestellt werden. Vielmehr generiert sie nur Follower und „Likes“ und vielleicht sogar ein wenig Geld, wenn sie sensationell aussieht. So stellten etwa Wissenschaftler der INSEAD Business School fest, dass Wettbewerb unter den Bloggern generell zu einem übertrieben negativen Unterton in den Beiträgen führten ohne dass sich dadurch die Qualität der Information – in der Studie ging es um Finanzanalysten – wesentlich verbessert hätte<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>.</p>
<p>Am Ende werden Nachrichten, vorzugsweise Negatives, Unglücksfälle, Betrügereien oder schwerwiegende Vergehen nur wahrgenommen, wenn sie das bisher Bekannte noch einmal toppen. Ein möglicher Verlust, der sich aus dem VW-Abgasskandal ergeben könnte, ist längst nicht mehr interessant, wenn er, wie kolportiert, nur Geldstrafen in Höhe von bis zu 18 Milliarden US-Dollar nach sich zieht, sondern das Unternehmen als Ganzes bedrohen könnte. Selbst 50 Milliarden sind zu wenig für eine Sensation, und schon rechnet womöglich jemand einen Verlust von 100 Milliarden Euro für VW aus. Das wird dann wahrgenommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von der Sensation zur Verschwörung</strong></p>
<p>Sie wollen etwas Interessantes erzählen? Dann muss es schon etwas Extremes sein. Am besten etwas, das bisher nicht gesagt werden durfte. Ein Tabubruch. Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige und auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.</p>
<p>Am besten <em>eine Story, in der ein Ereignis oder eine Tätigkeit geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben werden, die selbst nur im Verborgenen tätig sind</em>.</p>
<p>So definiert zumindest der Harvard Professor für Rechtswissenschaften Cass A. Sunstein eine Verschwörungstheorie<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>. Und es ist Sunstein, der eine US-Studie zitiert, wonach 36 Prozent der Befragten zustimmten, dass Staatsbedienstete entweder an den Angriffen des 11. September 2001 auf das World Trade Center teilnahmen oder nichts unternahmen, um sie zu stoppen. Dabei handelt sich keineswegs nur um irgendwelche Spinner, die besonders anfällig für Verschwörungstheorien wären. Nein, es sind erstaunlich viele Menschen, die diesen manchmal extremen Ansichten – obwohl die ihnen zugrunde liegenden Informationen oft jeglicher Relevanz entbehren – Glauben schenken. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass diejenigen, die solche Theorien vertreten, zum Teil ganz ernsthafte Absichten verfolgen. Aber manchmal möchten ihre Urheber einfach nur Geld verdienen oder eben Guru-Status erlangen. Das größte Problem ist jedoch, dass einige Verschwörungstheorien sogar der Wahrheit entsprechen. Und andere wiederum nicht.</p>
<p>Es ist wohl dem Kontrollbedürfnis der Menschen geschuldet, dass viele von ihnen einfach nicht glauben möchten, dass bedeutende Ereignisse manchmal auch nur einfach durch Glück oder Pech oder einen dummen Zufall ausgelöst worden sind. Mit anderen Worten: Es muss für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben zu können oder den Zufall als gegeben hinnehmen zu müssen, kaum aus. Und es ist genau dieser Kontrollverlust, der häufig als bedrohlich empfunden wird, der das Entstehen von Verschwörungstheorien begünstigt. Aber im Wesentlichen erscheinen sie vielen Menschen plausibel, weil sie ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten. Oder weil derartige Geschichten gut ins eigene Weltbild passen. Und wenn dann auch noch Prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Und möglicherweise wird so die Lüge zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> je höher ein Grundreiz ist, desto stärker muss ein zusätzlicher Reiz nach diesem Gesetz ausfallen, damit er wahrgenommen wird</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Dong, Yi; Massa, Massimo und Zhang Hong (2014): <em>Guru Dreams and Competition: An Anatomy of the Economics of Blogs,</em> Working Paper, INSEAD Faculty &amp; Research</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Sunstein, Cass R. (2014): Conspiracy Theories and Other Dangerous Ideas, New York</p>
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		<title>Moral ist relativ</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2015 11:01:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[absolute Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[relative Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>VW drohen Strafen in Milliardenhöhe, mancherorts ist bereits die Rede von 18 Milliarden US-Dollar. Egal, wie hoch am Ende der Betrag sein wird, den VW zahlen muss, weil die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) dem Autobauer vorwirft, bei der Ermittlung von Abgaswerten seiner Dieselfahrzeuge manipuliert zu haben – die zur Diskussion stehende Größenordnung erinnert durchaus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>VW drohen Strafen in Milliardenhöhe, mancherorts ist bereits die Rede von 18 Milliarden US-Dollar. Egal, wie hoch am Ende der Betrag sein wird, den VW zahlen muss, weil die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) dem Autobauer vorwirft, bei der Ermittlung von Abgaswerten seiner Dieselfahrzeuge manipuliert zu haben – die zur Diskussion stehende Größenordnung erinnert durchaus an die Skandale im Investmentbanking. Und wenn in der heutigen Ausgabe der „Financial Times“ John Gapper in seiner Kolumne die drei gefährlichsten Wörter im Geschäftsleben: „Jeder macht das“ zitiert, zeigt dies, dass die für den Skandal Verantwortlichen möglicherweise gar kein Bewusstsein dafür haben, etwas Unrechtes getan zu haben. Abgesehen davon, haben bereits schon vor VW auch andere Autohersteller durch kleinere oder größere Tricksereien dafür gesorgt, dass Dieselfahrzeuge ihrem Ruf, umweltfreundlich und niedrig im Kraftstoffverbrauch zu sein, gerecht wurden. Auch ist die Autoindustrie nicht allein, wenn es darum geht, Vorschriften und Regeln großzügiger als von ihren Erfindern gedacht auszulegen.</p>
<p>Einer fängt ganz klein damit an, und der harte Konkurrenzkampf, Kostendiktate oder auch interne Belohnungssysteme sorgen dafür, dass so ein unethisches Verhalten salonfähig wird. Und weil das alle tun, weil es scheinbar zur sozialen Norm wird, bekommen solche Tricks sogar den Anstrich des Legalen. Mit anderen Worten: Wie Menschen ihr eigenes Verhalten moralisch bewerten, hängt stark von den sozialen Normen ab, die in ihrem Umfeld herrschen. Deswegen wird auch niemand seine Handlung als unethisch empfinden, wenn er stets nur macht, was alle anderen auch tun.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Overconfidente Sünder?</strong></p>
<p>Problematisch wird es allerdings, sobald die Öffentlichkeit Wind davon bekommt. Schnell ist man dann – und auch meine erste Reaktion fiel ähnlich aus – mit Kommentaren zur Hand: „Wie kann man denn so blöde sein und glauben, nicht erwischt zu werden?“ Auch mag man aus verhaltensorientierter Sicht schnell dazu bereit sein, den Beschuldigten nachzusagen, sie seien in dem Vertrauen darauf, nicht erwischt zu werden, wohl etwas zu overconfident (= ein zu starkes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten) gewesen. Aber diese Sichtweise mag zu kurz greifen.</p>
<p>Tatsächlich geht es um die unterschiedliche Wahrnehmung dessen, was ethisch korrekt ist. Diese Bezugspunkte sind nämlich bei den Sündern andere als bei denjenigen, die sie erwischen und am Ende verurteilen. So mag es schon im Testlabor anfangen, wenn möglicherweise nicht ganz vorteilhafte Ergebnisse ein bisschen geschönt werden, um vor dem Chef gut dazustehen. Und es mag auch verständlich sein, wenn man mit möglichst geringen Kosten gesetzliche Vorschriften erfüllen möchte. Diese kleinen Verfehlungen, die sich mit der Zeit zu großen Sünden auswachsen können, werden von den Betroffenen manchmal sogar unbewusst und erst recht ohne schlechtes Gewissen begangen. Eigentlich müssten Gewissensbisse doch mit der Größe der Verfehlung mitwachsen. Stattdessen bewegt sich der Bezugspunkt, der die Grenze zwischen Recht und Unrecht markiert, mit der Akzeptanz innerhalb des eigenen sozialen Umfelds, etwa innerhalb des Unternehmens, in dem man beschäftigt ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Relativ schlechtes Gewissen</strong></p>
<p>Dieser Bezugspunkt, die Grenze zwischen Recht und Unrecht, stellt sich für Außenstehende ganz anders dar, weil er sich für sie in der Zwischenzeit nicht bewegt hat. Stattdessen gehen diese davon aus, dass Recht und Gesetz eingehalten werden, sie nehmen, wenn ein Gesetzesbruch aufgedeckt wird, für sich eine absolute Moral in Anspruch, während die Sünder im Laufe der Zeit ihre eigenen moralischen Ansprüche relativiert haben.</p>
<p>Ethik kommt immer dann ins Spiel, wenn Verluste entstanden sind, weil jemandes Verhalten unterhalb des allgemeingültigen Standards der sozialen Normen einer Gesellschaft als Ganzem liegt. Um solche Situationen zu vermeiden, genügt es jedoch nicht, sich auf Vorschriften und Regulierungen zu verlassen. Vielmehr müssen wir erkennen, dass es keine absolute Moral gibt. Außerdem sollten wir zu verstehen versuchen, warum Menschen unter bestimmten Bedingungen Dinge tun, die sie selbst nie für möglich gehalten hätten. So ließe sich Fehlverhalten besser bekämpfen – ein Ziel, dem sich die so genannten Behavioral Ethics verschrieben haben.</p>
<p>Situationsabhängige Einflussfaktoren, die schleichende Veränderung von Normen im Laufe der Zeit können übrigens uns alle korrumpieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
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