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	<title>Nudging Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Wed, 11 Oct 2017 14:19:11 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Ein wichtiger Stupser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Oct 2017 14:17:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Anstupsen]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Nudging]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Thaler]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsnobelpreisträger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das Kanzleramt vor ein paar Jahren gleich drei Stellen für Referenten mit Kenntnissen in Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik ausschrieb. Damals war ich überrascht, wie viele hämische Kommentare diese Stellenausschreibung provoziert hatte. Da verkündete die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragte, ob die Kanzlerin wohl [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ein-wichtiger-stupser/">Ein wichtiger Stupser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das Kanzleramt vor ein paar Jahren gleich drei Stellen für Referenten mit Kenntnissen in Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik ausschrieb. Damals war ich überrascht, wie viele hämische Kommentare diese Stellenausschreibung provoziert hatte. Da verkündete die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragte, ob die Kanzlerin wohl auf die Couch müsse; sogar von einem möglichen Burnout Merkels war die Rede. In vielen Reaktionen klang an, dass man die Aufstockung des Beraterstabs im Kanzleramt als Anzeichen für eine wachsende Ratlosigkeit der Regierenden deutete, so als suchten diese verzweifelt nach einem Ausweg aus der Alternativlosigkeit der eigenen Politik. Zahlreiche Bürger ließen zudem unverblümt durchblicken, dass sie von Psychologie nichts halten. So gaben damals im Jahre 2014 in einer Umfrage von t-online etwa zwei Drittel von 1926 Teilnehmern an, dass sie es als unsinnig ansähen, wenn Psychologen den Politikern dabei helfen, neue Strategien für „wirksameres Regieren“ zu entwickeln.</p>
<p>Immerhin war damals andernorts der Grundstein einer verhaltensorientierten Politikberatung schon längst gelegt worden. So hatten etwa der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein die so genannte Methode des „Anstupsens“ im Jahre 2008 in ihrem Buch „Nudge“ eindrucksvoll dargestellt. Unter „Nudge“ versteht man das geschickte Platzieren von Anreizen und Argumenten, um auf diese Weise dem Bürger einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, damit er „bessere“ Entscheidungen trifft. Dadurch sollen unter anderem langfristig die Staatsausgaben gesenkt werden. Denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen, die man nicht gerade als optimal bezeichnen möchte. Oft sind sie sich nämlich nicht über ihre Motive im Klaren, wodurch sie beeinflussbar werden.</p>
<p>Diese auch als „libertärer Paternalismus“ bezeichnete Methode ist jedoch immer noch bei vielen traditionellen Volkswirten verpönt, weil der Staat ihrer Meinung nach im Wortsinne nur das Beste von seinen Bürgern möchte und diese angeblich durch psychologische Tricks dahingehend manipuliert, ihm das auch zu geben. Im Grunde versucht die Politik beim so genannten Anstupsen jedoch lediglich, eine Entscheidungssituation argumentativ so aufzubereiten, dass das Handeln der Menschen unmerklich in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ohne dabei die Freiheit des Einzelnen wirklich anzutasten. Tatsächlich macht der libertäre Paternalismus den Entscheidern aber keinerlei Vorschriften.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nobelpreis für Pionier der Verhaltensökonomie</strong></p>
<p>Ob nun der libertäre Paternalismus ethisch einwandfrei ist oder nicht – darüber kann man durchaus diskutieren. Was jedoch von Befürwortern wie Kritikern gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass auch der Status quo und die damit verbundene Fortführung vergangener Entscheidungen auf einer bestimmten oder gelenkten Präsentation eines Sachverhalts beruht. Vielleicht wurde auch hier schon mit einem „Schubs“ nachgeholfen. Marketingstrategen gibt es nicht erst seit gestern.</p>
<p>Ich weiß nun nicht, was aus den ausgeschriebenen Stellen im Kanzleramt geworden ist. Aber ich habe mich ganz besonders gefreut, als ich hörte, der Ökonom Richard Thaler werde den Nobelpreis für Ökonomie erhalten. Damit wird mit Thaler nach Daniel Kahneman (2002) und Robert Shiller (2013) ein weiterer Pionier der so genannten Behavioral Economics ausgezeichnet – ein wiederholtes Signal an die Standardökonomie, sich mehr mit den systematisch auftretenden psychologischen Einflüssen auf die Ökonomie und die Finanzmärkte auseinanderzusetzen. So gesehen war der Nobelpreis für Thaler ein Stups in die richtige Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beispiel aus der Praxis</strong></p>
<p>Zum Glück muss ich im Rahmen der Stimmungserhebungen, die ich in jeder Woche in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt durchführe, niemanden mehr von der Sinnhaftigkeit der Verhaltensökonomik überzeugen. Denn es handelt sich bei dieser Umfrage durchaus um eine aufschlussreiche und mitunter profitable praktische Anwendung dieser mich stets von neuem faszinierenden wissenschaftlichen Disziplin. Die jüngste Sentiment-Umfrage habe ich übrigens <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Die-Lust-verloren-2310456" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff0000;"><strong>HIER</strong></span></a> schriftlich und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e4xael34HXQ" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #00ff00;"><strong>DORT</strong></span></a> mündlich kommentiert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ein-wichtiger-stupser/">Ein wichtiger Stupser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Aufs falsche Gleis gestupst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2015 13:13:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hedonomics]]></category>
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		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst sollte mein Freund H. einen Vortrag in Nottingham halten. Und da die Veranstaltung 90 Minuten früher als geplant endete, dachte er sich, es wäre doch schön, diese Zeit zu nutzen und ein paar Züge früher als ursprünglich beabsichtigt die Fahrt zum nächsten Zielort anzutreten. Das Ganze stellte sich allerdings nicht als besonders einfach heraus, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst sollte mein Freund H. einen Vortrag in Nottingham halten. Und da die Veranstaltung 90 Minuten früher als geplant endete, dachte er sich, es wäre doch schön, diese Zeit zu nutzen und ein paar Züge früher als ursprünglich beabsichtigt die Fahrt zum nächsten Zielort anzutreten. Das Ganze stellte sich allerdings nicht als besonders einfach heraus, denn der gute Freund hatte sich zuvor auf eine bestimmte, besonders günstige Verbindung festgelegt, bei der die ganze Fahrt nur 68 englische Pfund kosten sollte. Auf Nachfragen am Bahnhof stellte sich jedoch heraus, dass er die Differenz zwischen dem Billigticket und dem vollen Fahrpreis von 135 Pfund für eineinhalb Stunden Zeitersparnis hätte nachentrichten müssen. Die Dame am Ticketschalter konnte den leichten Groll ihres Gegenübers jedoch nachvollziehen und schlug daher vor, er solle doch lieber die eingesparte Zeit für einen Stadtbummel nutzen und das Geld zum Shoppen statt für ein Zugticket ausgeben.</p>
<p>Ein klarer Fall von mentaler Kontoführung, dachte ich mir. Eigentlich müsste es mehr von solchen Menschen geben, dann wäre die Konjunktur schnell angekurbelt. Denn die Dame am Ticketschalter hatte schlicht und einfach mit dem Geld meines Freundes gespielt, das dieser noch gar nicht ausgegeben hatte. Aber durch die Verschiebung des Referenzpunktes von 68 auf 135 Pfund wäre ihn die Zugfahrt 67 Pfund teurer zu stehen gekommen als ursprünglich beabsichtigt. Statt diesen Verlust zu realisieren, dürfte es für H. erträglicher gewesen sein, dieses Geld auf ein anderes mentales Konto als ersparten Verlust bzw. Gewinn zu buchen und dieses Geld sozusagen als Windfall-Profit ohne Reue auszugeben. Geld, das mein Freund ohne diesen Vorfall vermutlich nicht einmal in Gedanken angerührt hätte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Und ein Nudge obendrein</strong></p>
<p>Die Geschichte zeigt allerdings auch noch etwas anderes. Nämlich wie die nette Dame am Bahnschalter – vermutlich unbewusst – meinen Freund H. zu einer glücklicheren Entscheidung anstupsen wollte. Über dieses so genannte Nudging ist gerade in der jüngeren Vergangenheit viel diskutiert worden. Vor allem, wenn der Staat seine Bürger zu angeblich besseren Entscheidungen anstupsen möchte. Von Bevormundung und Manipulation der Menschen war da erst kürzlich die Rede – ich habe unlängst <strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/herumgeschubst/">HIER</a></u></strong> dazu Stellung genommen. Dabei zeigt die Realität, dass wir durch Referenzpunkte in unserem sozialen Umfeld permanent zu Entscheidungen bewegt werden, die nicht immer zu unserem Besten sein mögen. Dennoch: Es gibt keine Nudge-freien Zonen in unserem Leben, auch wenn wir immer wieder gegenüber uns selbst und anderen beteuern, dass wir unsere Entscheidungen eigenständig und völlig unabhängig von irgendwelchen Einflüssen treffen.</p>
<p>Aber vermutlich möchten die Menschen zumindest bestimmen dürfen, von wem sie angestupst werden: Nämlich bestimmt lieber von einer charmanten Fahrscheinverkäuferin, die uns ganz uneigennützig mit guten Ratschlägen helfen möchte, als von Verhaltensökonomen, die extra von der Regierung eingestellt wurden, nur um uns Bürger glücklicher zu machen.</p>
<p>Doch H. kennt sich aus mit den mentalen Fallen, die aufzuzeigen das Ziel der Behavioral Economics ist. Zumal er generell zur Vorsicht neigt und es unter normalen Umständen nicht riskiert hätte, wegen eines zu ausgedehnten Stadtbummels am Ende womöglich auch noch den ursprünglich gewählten Zug zu verpassen. Aber wofür hat sich mein Freund H. am Ende entschieden? Gelangweilt am Bahnhof in Nottingham sitzen und 90 Minuten auf den Zug warten?</p>
<p>Nein, er ist am Ende doch noch shoppen gegangen. Und er wähnte sich glücklich, weil er sich auf sein Bauchgefühl verlassen hatte. Ein teurer Spaß übrigens, denn seine Einkäufe kosteten eindeutig mehr als der Aufpreis auf das Zugticket.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Eine Couch ins Kanzleramt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2014 14:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Anstupsen]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Stimmung]]></category>
		<category><![CDATA[libertärer Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nudging]]></category>
		<category><![CDATA[Verhaltensökonomik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. Da verkündet die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragt, ob die Kanzlerin wohl auf die Couch müsse; sogar von einem möglichen Burnout Merkels ist die Rede. In vielen Reaktionen klingt an, dass man die Aufstockung des Beraterstabs im Kanzleramt als Anzeichen für eine wachsende Ratlosigkeit der Regierenden deutet, so als suchten diese verzweifelt nach einem Ausweg aus der Alternativlosigkeit der eigenen Politik. Zahlreiche Bürger lassen zudem unverblümt durchblicken, dass sie von Psychologie nichts halten. So gaben in einer Umfrage von t-online etwa zwei Drittel von 1926 Teilnehmern an, dass sie es als unsinnig ansehen, wenn Psychologen den Politikern dabei helfen, neue Strategien für „wirksameres Regieren“ zu entwickeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„Anstupsen“ ist nicht neu</strong></p>
<p>Aber geht es der Kanzlerin wirklich nur um eine neue PR-Strategie, um ihre Politik künftig besser an den Wähler verkaufen zu können? Oder sinnt sie vielleicht wirklich auf neue Wege in der Sozial- und Wirtschaftspolitik? Sie wäre dabei mitnichten die erste Regierungschefin, die sich der Erkenntnisse der Behavioral Finance bedient, denn der Grundstein einer verhaltensorientierten Politikberatung ist andernorts schon längst gelegt worden. So haben etwa der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein die so genannte Methode des „Anstupsens“ im Jahre 2008 in ihrem Buch „Nudge“ eindrucksvoll dargestellt. Eine Methode, die übrigens immer mehr Anhänger findet, auch innerhalb der Regierung Obamas, die seit Jahren von verhaltensorientierten Ökonomen beraten wird. Und auch der britische Premier David Cameron lässt sich bereits seit 2010 regelmäßig von seinem „Behavioral Insights Team“ Handlungsempfehlungen erteilen.</p>
<p>Unter „Nudge“ versteht man das geschickte Platzieren von Anreizen und Argumenten, um auf diese Weise dem Bürger einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, damit er „bessere“ Entscheidungen trifft. Dadurch sollen unter anderem langfristig die Staatsausgaben gesenkt werden. Denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen, die man nicht gerade als optimal bezeichnen möchte. Oft sind sie sich dabei nicht über ihre Motive im Klaren, wodurch sie beeinflussbar werden. Mitunter verlieren sie im Dickicht der Statistiken und widersprüchlichen Argumente auch den Überblick.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Tricks</strong></p>
<p>Diese auch als „libertärer Paternalismus“ bezeichnete Methode ist jedoch bei vielen traditionellen Volkswirten verpönt, weil der Staat ihrer Meinung nach Wortsinne nur das Beste von seinen Bürgern möchte und diese angeblich durch psychologische Tricks dahingehend manipuliert, ihm das auch zu geben. Im Grunde versucht die Politik beim so genannten Anstupsen jedoch lediglich, eine Entscheidungssituation argumentativ so aufzubereiten, dass das Handeln der Menschen unmerklich in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ohne dabei die Freiheit des Einzelnen wirklich anzutasten. Tatsächlich macht der libertäre Paternalismus den Entscheidern keinerlei Vorschriften.</p>
<p>Dennoch kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben. So bewerten Menschen beispielsweise Verluste schwerer als Gewinne in gleicher Höhe. Es spielt also durchaus eine Rolle, ob man ein Glas als halb vor oder halb leer präsentiert.</p>
<p>Ob nun der libertäre Paternalismus ethisch einwandfrei ist oder nicht – darüber kann man durchaus diskutieren. Marketingstrategen gibt es ohnehin nicht erst seit gestern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Psychologie nicht salonfähig?</strong></p>
<p>Dass sich Frau Merkel künftig die Erkenntnisse der Entscheidungspsychologie zunutze machen möchte, bedeutet beileibe nicht, dass sie sich jetzt im „Guru-Modus“ befindet, wie ein Kommentator schrieb. Sie hat damit vielmehr endlich nachgeholt, was in anderen Ländern längst „state of the art“ ist. Solche Reaktionen belegen vor allem, dass man sich vielerorts unter Verhaltensökonomik noch immer nicht viel vorstellen kann. Ganz zu schweigen davon, dass die Psychologie hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht akzeptiert wird, obwohl Depression die häufigste Erkrankung unter Deutschen ist, an der Schätzungen zufolge 40 bis 50 Millionen Bundesbürger leiden sollen. Die Einlassungen des Regierungssprechers zu dem neuen Beraterstab seiner Chefin dürften dabei auch nur wenig zielführend gewesen sein, denn er soll während der Bundespressekonferenz die Aufgabe dieses Teams mit den vielsagenden Worten umschrieben haben: „Es geht um die Beobachtung menschlichen Verhaltens – da haben sich viele Forscher mit befasst.“ Um sofort die Bitte an die versammelten Journalisten anzufügen, sie möchten doch bitte keine weiteren Fragen zu diesem Thema stellen, weil es sie womöglich „langweilen oder überfordern“ könnte. Das zeigt vor allem eines: Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht mit einem Stups in die richtige Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beispiel aus der Praxis</strong></p>
<p>Zum Glück muss ich bei den Stimmungserhebungen, die ich in jeder Woche in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt durchführe, niemanden mehr von der Sinnhaftigkeit der Verhaltensökonomik überzeugen. Denn es handelt sich bei dieser Umfrage durchaus um eine aufschlussreiche und mitunter profitable praktische Anwendung dieser mich stets von neuem faszinierenden wissenschaftlichen Disziplin. Die jüngste Sentiment-Umfrage habe ich übrigens <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+rallye+der+privatanleger+72342">HIER</a></strong> kommentiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„Böse“ Schubser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 09:09:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
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		<category><![CDATA[Regret]]></category>
		<category><![CDATA[Status-quo-Bias]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich richtig gefreut, als ich einem Beitrag von Professor Dr. Britta Kuhn im Wirtschaftsblog Ökonomenstimme[1] über den Kampf vieler traditioneller Volkswirte gegen eine Politik des so genannten „Anstupsens“ lesen konnte. Diese Methode findet vor allen Dingen seit dem Erscheinen des Buches „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein aus dem Jahre 2008 [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/">„Böse“ Schubser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich richtig gefreut, als ich einem Beitrag von Professor Dr. Britta Kuhn im Wirtschaftsblog Ökonomenstimme<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> über den Kampf vieler traditioneller Volkswirte gegen eine Politik des so genannten „Anstupsens“ lesen konnte. Diese Methode findet vor allen Dingen seit dem Erscheinen des Buches „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein aus dem Jahre 2008<span id="more-5836"></span> immer mehr Anhänger, obwohl sich viele traditionelle Volkswirte gegen einen solchen libertären Paternalismus wehren. Dabei geht es darum, dass die Politik mit geschicktem Setzen von Anreizen und Argumenten den Bürgern einen Schubs in die richtige Richtung gibt, damit sie „bessere“ Entscheidungen treffen. Denn wie sich immer wieder zeigt, treffen viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen, die man als nicht gerade optimal bezeichnen würde. Zumal sie sich dabei über ihre Motive nicht immer im Klaren sind. Mit anderen Worten: Menschen sind leicht beeinflussbar und verlieren mitunter auch den Überblick. Schon nach kurzer Zeit bereuen viele, was sie heute konsumiert haben. So wie ich auch. Zurzeit halte ich wieder mal Diät, und nachdem mir gestern ein kleiner Ausrutscher in Form einer Kaloriensünde widerfuhr, hatte ich heute den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen. Oder man denke an den Sparer, der fürs Alter regelmäßig einen bestimmten Geldbetrag zurücklegt, dieses Programm aber wegen der niedrigen Nominalverzinsung kurzum unterbricht und sich stattdessen einen langen gehegten Wunsch gönnt. Aber das neue Smartphone oder die neuen Lautsprecherboxen verlieren viel schneller ihren Reiz, als es sich der stolze Besitzer zuvor ausgemalt hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Libertärer Paternalismus lässt Bürgern freie Hand</b></p>
<p>Beim so genannten Anstupsen versucht die Politik eine Entscheidungssituation so zu gestalten, dass das Handeln der Menschen in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Zugleich bleibt aber die Freiheit des Einzelnen erhalten: Der libertäre Paternalismus, an sich ein Paradox, macht den Entscheidern also keine Vorschriften. Zwar kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben, aber letztlich bleibt die Freiheit eines jeden bei der Wahl einer Handlungsoption bewahrt. (Mehr dazu <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/berater-bashing/">hier</a> und <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/entscheidungsanstose/">hier</a>) Und da Menschen nun mal Verluste schwerer bewerten als Gewinne, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein Glas als halb voll oder halb leer präsentiert – als relativen Gewinn oder als relativen Verlust.</p>
<p>Die für nahezu alle Menschen typische Verlustaversion führt aber auch dazu, dass man nicht gerne ein Gut gegen ein anderes eintauschen möchte, auch wenn beide gleichwertig sind, eben weil der Verlust dessen, was man hergibt, schwerer wiegt als die Freude über das, was man dafür bekommt. Deswegen bevorzugen so viele Menschen den Status quo und bleiben lieber passiv, als aktiv eine Entscheidung zu treffen, die man womöglich hinterher noch bereuen könnte. Eine Neigung, die man sich als „Nudger“ zunutze machen kann.</p>
<p>Was jedoch bei der ganzen Diskussion darüber, ob der libertäre Paternalismus gut ist oder nicht, von Befürwortern wie Kritikern gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass auch der Status quo und die damit verbundene Fortführung vergangener Entscheidungen auf einer bestimmten oder gelenkten Präsentation eines Sachverhalts beruht. Vielleicht wurde auch hier schon mit einem „Schubs“ nachgeholfen. Marketingstrategen gibt es nicht erst seit gestern.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/03/der-kampf-traditioneller-volkswirte-gegen-eine-anstups-politik-ist-realitaetsfern/">http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/03/der-kampf-traditioneller-volkswirte-gegen-eine-anstups-politik-ist-realitaetsfern/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/">„Böse“ Schubser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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