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	<title>mentale Kontoführung Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Vom sinnlosen Sparen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Aug 2019 04:45:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
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		<category><![CDATA[mentale Kontoführung]]></category>
		<category><![CDATA[Negativzinsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist gut drei Jahre her, dass die Rendite der deutschen Bundesanleihen erstmals unter die Nulllinie fiel. Etwa zu jener Zeit machte ein kaum vorstellbares Szenario, das der Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Finanzkrise aufzeigte, von sich reden: drastische Minuszinsen von -5 oder -6 Prozent und eine weitgehende Bargeldabschaffung. Maßnahmen, deren Erfolg...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1090)</strong>             Es ist gestern ruhig geblieben im Devisenmarkt. Vielleicht auch wegen fehlender wichtiger ökonomischer Daten. Aber die Stimmen aus dem EZB-Rat mehren sich, dass man womöglich bereits für die September-Sitzung angesichts drohender Wachstumsschwäche oder gar einer Rezession in der Eurozone mit einem massiven Stimulus-Paket rechnen kann. Unterdessen hat die Rendite der Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit mit -0,72 Prozent am vergangenen Freitag den niedrigsten Stand aller Zeiten markiert. Wo soll die Reise da noch hingehen?<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-10986" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/08/20082019.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/08/20082019.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/08/20082019-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es ist gut drei Jahre her, dass die Rendite der deutschen Bundesanleihen erstmals unter die Nulllinie fiel. Etwa zu jener Zeit machte ein kaum vorstellbares Szenario, das der Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Finanzkrise aufzeigte, von sich reden: drastische Minuszinsen von -5 oder -6 Prozent und eine weitgehende Bargeldabschaffung. Maßnahmen, deren Erfolg kaum gesichert scheint. Und Maßnahmen, die die meisten Menschen nicht verstehen werden, schrieb ich damals. Vor allem hätte dies für viele ältere Menschen gegolten, die Sparsamkeit immer noch für die größte Tugend halten und nicht verstehen können, dass man dafür nicht mehr belohnt, sondern mit Negativzinsen sogar bestraft wird.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es gab Zeiten, da gab es noch Staatsanleihen mit einem Coupon von 4 Prozent p. a. im Wertpapierdepot, und manch einer konnte sich so die eine oder andere Ausgabe leisten, die er sich sonst nicht gestattet hätte. Und es gab viele Sparer in Deutschland, die eine weitverbreitete Strategie verfolgten, bei der sie unbewusst nicht nur für das gesamte Kapital, sondern auch für jede einzelne Zinszahlung ein eigenes Konto (bekannt unter dem Begriff „mentale Konten“) eröffneten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Ausgegeben statt gespart</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Egal, wie gering diese Zinszahlungen waren – viele Menschen erlebten diese stets als einen Gewinn. Und deswegen hatte man auch kein schlechtes Gewissen, diese Gewinne zu verbrauchen. Dass sich dabei klammheimlich der Wert des Kapitalkontos durch die Inflation verringerte, für deren Ausgleich die Zinsen unter anderem eigentlich gedacht waren, schien man nicht zu bemerken. Denn wenn das Kapitalkonto ohnehin über viele Jahre hinweg oder gar nicht angerührt wird, kann man auch nicht bemerken, dass man für dasselbe Geld über die Jahre immer weniger hätte kaufen können. Dass dieser Wertverlust oft sogar höher ausfiel als die gezahlten Zinsen, wurde vielen Sparern somit nicht bewusst.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Entkleideter negativer Realzins</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Erst als selbst die langfristigen Renditen unter 0 Prozent gefallen waren, begannen viele Menschen zu erkennen, dass so etwas wie eine negative Realverzinsung (Nominalzinsen minus Inflationsrate) eingetreten sein musste. Die hat es natürlich zu früheren Zeiten auch schon gegeben, aber sie wurde angesichts satter Zinserträge nicht wahrgenommen. Denn auch eine fünfprozentige Rendite hätte eine sechsprozentige Geldentwertung durch Inflation nicht wettgemacht. Aber bei null Prozent Zinsen und gleichzeitiger, wenn auch niedriger Inflation, hat der negative Realzins keine Kleider mehr an.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ohne Kenneth Rogoff zu nahe treten zu wollen, der sich von hohen Negativzinsen verspricht, dass die Sparer endlich ihre Konten räumen, und durch die weitgehende Bargeldabschaffung ein natürlicher Fluchtweg versperrt würde, denke ich an die mentalen Konten der Sparer. Da wären nun die jeweiligen Zinskonten, angesichts der Strafverzinsung, jeweils im Soll. Bestrafungen, die die allermeisten Sparer als einen Verlust wahrnehmen. Verluste, die viele von uns wettzumachen versuchen. Strenggenommen müsste man genauso wie bei einer außergewöhnlichen Neuanschaffung jedes Mal an sein Kapital herangehen, um die Minuszinsen auszugleichen. Aber das dürften die verzweifelten Sparer wahrscheinlich vermeiden und zu einer anderen Strategie greifen:</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Noch mehr sparen </strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">um, so sehe ich das jedenfalls, die Verluste der negativen mentalen Zinskonten wieder wettzumachen. Vielleicht neigt unter diesem Druck der eine oder andere Sparer sogar zu mehr Risikofreude. Aber von Aktien verstehen viele Menschen genauso wenig wie von mentalen Konten. Wie es sich den meisten auch nie erschließen dürfte, dass es überhaupt so etwas wie negative Zinsen gibt. Stattdessen sagt ein Bauchgefühl, dass die Zeiten nur schlechter werden können: Die nächste Krise kommt bestimmt. Und für diesen Fall muss man schon jetzt anfangen, Geld zurückzulegen. Also noch mehr sparen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Obwohl der Euro derzeit vielerorts – sicherlich auch zu Recht – schwach geredet wird, gerät er nicht wirklich unter Druck. Geschweige denn, dass sich ein kurzfristiger Abwärtstrend entwickelt. Die Gemeinschaftswährung sieht zwar angeschlagen aus, aber sie fällt nicht. Außerdem reicht das Abwärtspotenzial aus heutiger Sicht ohnehin nur bis <strong>1,1025</strong>. Auf der anderen Seite würde ein Überschreiten von <strong>1,1180</strong> bereits ausreichen, um den Euro zu stabilisieren.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
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		<title>Mit (S)pass durch London</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Aug 2016 13:56:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Aggregation von Verlusten]]></category>
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		<category><![CDATA[London Pass]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Habe unlängst mit meinen Kindern Urlaub in der Nähe von London gemacht. In der Regel sind Städtereisen meist ja nicht so besonders erholsam, doch wir verbrachten zehn angenehme Tage in einem netten Reihenhaus am Rande des beschaulichen Stadtteils Greenwich. So ein Besuch in einer Weltstadt will natürlich gut vorbereitet sein, angefangen mit der Oyster Card [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Habe unlängst mit meinen Kindern Urlaub in der Nähe von London gemacht. In der Regel sind Städtereisen meist ja nicht so besonders erholsam, doch wir verbrachten zehn angenehme Tage in einem netten Reihenhaus am Rande des beschaulichen Stadtteils Greenwich. So ein Besuch in einer Weltstadt will natürlich gut vorbereitet sein, angefangen mit der Oyster Card für den öffentlichen Nahverkehr, die jedem London-Besucher unbedingt zu empfehlen ist. Und da ich mich noch an die langen Warteschlangen vor den großen Museen und Sehenswürdigkeiten während meines jüngsten Aufenthalts in Paris erinnern konnte, war es nur natürlich, dass ich mir vor unserer Abreise nach Großbritannien Eintrittskarten zu den wichtigsten Londoner Attraktionen sichern wollte.</p>
<p>Man braucht im Internet tatsächlich nicht lange zu suchen, da sticht einem die Homepage des „London Pass“ ins Auge. Und ganz schnell wird deutlich, dass nicht nur viele Sehenswürdigkeiten mit diesem Pass kostenlos besichtigt werden können, für die man selbst mit einer kleinen Familie im teuren London normalerweise Hunderte britischer Pfund innerhalb weniger Tage berappen müsste. Warteschlangen vor den Museen? Nicht mit dem London Pass, so die Werbung. Und je länger die Laufzeit des Passes, desto billiger sei der ganze London-Urlaub pro Tag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Homo oeconomicus in Urlaub?</strong></p>
<p>Da ich als Freund der Verhaltensökonomik zur Erhöhung des eigenen Wohlbefindens immer peinlich genau darauf achte, Kosten zu bündeln, entschied ich mich für die 10-Tages-Variante des London Pass, bei der sich der Preis von anfänglich 59 für einen einzigen Tag am Ende auf etwas mehr als 15 Pfund pro Tag ermäßigte. Pro Person versteht sich. Als ich dann auch noch auf die Gesamtbestellung einen anständigen, natürlich nur kurzfristig erhältlichen Rabatt erhielt, war auch der mentalen Kontoführung genüge getan. Denn die Anbieter solcher Produkte wissen natürlich ganz genau, dass ein Rabatt bei solch deftigen Summen zumindest am Ende das angenehme Gefühl hinterlässt, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Was noch viel besser war: Wenn wir es extrem geschickt anstellten und tatsächlich alle Attraktionen des London Pass ausnutzen würden, hätte jeder homo oeconomicus über 18 Jahre fast 900 Pfund in 10 Tagen sparen können, aber vermutlich nicht wirklich Spaß gehabt.</p>
<p>Denn die Realität war eine andere. Schnell begriffen wir, dass man in Windeseile durch London hetzen muss, wenn man tatsächlich in den Genuss aller angebotenen Preisvorteile kommen möchte. Und meine älteste Tochter rechnete beflissen aus, wie viele Minuten wir wo höchstens verbringen dürften, um das meiste aus dem Pass heraus zu holen. Aber es dauerte nicht einmal einen halben Tag, bis wir alle in eine Art Generalstreik verfielen und nicht mal mehr noch ganz schnell vor Toresschluss Traitors&#8216; Gate im Tower passieren wollten. Der botanische Garten? Hätte jeden von uns ein paar Pfund erspart, aber keiner wollte deswegen eine längere U-Bahnfahrt antreten. Die Doppeldecker-Bustour hätte ich normalerweise auch nicht gemacht, und fast wurde ich ein wenig misslaunig, als der Bus minutenlang im Londoner Verkehr mitten in einer Straßenschlucht steckenblieb.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Warteschlangen</strong></p>
<p>Und die große Zeitersparnis langer Schlangen vor den Museen? Ich durfte erfahren, dass es keiner sogenannten Fast Lane bedurfte, um schneller als andere in die Modern Tate zu gelangen – der Eintritt war nämlich wie bei vielen anderen Museen frei. Und der vom London Pass in Aussicht gestellte Audioguide war leider auch nicht verfügbar, weil das Lesegerät für unsere London-Pässe gerade kaputtgegangen war. Längst hatten wir die monetären Vorteile vergessen, zumal uns die Jagd auf weitere Schnäppchen in Rekordzeit jeglichen Erholungsspaß verdarb. Nein, wir waren ganz bestimmt auch nicht (wie viele andere) auf der Jagd nach Pokémon durch London.</p>
<p>Ganz davon zu schweigen, dass der London Pass ausgerechnet für die ganz großen, vor allem bei Kindern beliebten Attraktionen wie London Eye (abgesehen von einem Mini-Rabatt), Madame Tussaud‘s oder das Gruselkabinett The London Dungeon nicht galt. Mit anderen Worten: Nach ein paar Tagen geriet das Joch des London Passes glücklicherweise ein wenig in Vergessenheit. Wenn da nicht meine älteste Tochter gewesen wäre, die am Tag Nummer 9 lakonisch feststellte: Break-even erreicht!</p>
<p>Endlich waren die Kosten des Passes mittels gesparter Eintrittsgelder ausgeglichen. Auf die Jagd nach mehr hatten wir bewusst verzichtet. Denn wir wollten einfach nur das was einen Urlaub ausmacht: Spaß, Entspannung, Erholung, in den Tag hineinleben und einfach tun und lassen können, wie es einem gerade gefällt.</p>
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		<title>Clockwork Oranje</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2015 17:22:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[bargeldloser Verkehr]]></category>
		<category><![CDATA[mentale Kontoführung]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Familie und ich verbrachten einen wundervollen Urlaub in der malerischen holländischen Hauptstadt Den Haag. Wir hatten uns in einem Privathaus eingemietet und versorgten uns die meiste Zeit selbst. In den Niederlanden ist fast alles wie bei uns. Der Müll wird getrennt, H &#38; M hat mehrere Filialen in der Fußgängerzone; es wimmelt von Fahrradfahrern, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Familie und ich verbrachten einen wundervollen Urlaub in der malerischen holländischen Hauptstadt Den Haag. Wir hatten uns in einem Privathaus eingemietet und versorgten uns die meiste Zeit selbst. In den Niederlanden ist fast alles wie bei uns. Der Müll wird getrennt, H &amp; M hat mehrere Filialen in der Fußgängerzone; es wimmelt von Fahrradfahrern, dennoch sind Auto-Parkplätze in der Innenstadt ziemlich rar. Nur der öffentliche Nahverkehr ist deutlich teurer als in Frankfurt, dafür funktioniert er reibungslos, und alle Bahnen fahren ausgesprochen pünktlich. Überhaupt wirkt alles ein bisschen sauberer als bei uns. Und wohlgeordneter, besser organisiert. Das fängt schon morgens beim Brötchenkaufen an, denn ich musste an meinem ersten Urlaubstag mit Erstaunen feststellen, dass ich in der Bäckerei mit Bargeld fehl am Platze war. In feinstem Englisch (Holländisch hätte ich wohl nicht so gut verstanden) erklärte mir deren Geschäftsführer, leider könne man in seinem Laden nicht mehr mit Euro und Cent, sondern nur noch mit einer Bank- oder Kreditkarte die (wirklich ausgezeichneten) Brötchen und Kuchenstücke erwerben.</p>
<p>Ich solle mir nichts vormachen, aber in ein paar Jahren würde wohl in Holland niemand mehr mit Bargeld bezahlen.</p>
<p>Natürlich bin ich niemand, der sich gegenüber dem Fortschritt verschließt. Etwas merkwürdig kam es mir dennoch vor, als ich im Parkhaus in Amsterdam einen einzigen Euro an Park-Gebühr mit meiner Maestro-Karte mittels PIN-Zahlung beglich. Aber vor allem hatte ich nicht bedacht, dass bei all den kleinen Abbuchungen womöglich eine Postengebühr meiner Hausbank von jeweils 0,20 Cent pro Geschäftsvorfall anfallen könnte. Da wird das Parken gleich einmal 20 Prozent teurer. Und die Fahrt mit der Straßenbahn, die ohnehin schon stolze 3,60 Euro kostet, gleich mehr als 5 Prozent.</p>
<p>Aber lassen wir mal solche kleinlichen Rechnereien beiseite. Allein die Vorstellung, meinen Sohn nicht mal mehr schnell zum Bäcker schicken zu können, um ein paar Brötchen einzukaufen, weil er mit seinen 14 Jahren noch nicht über eine Geldkarte verfügt und ich ihn auch nicht mit meiner Karte samt Pin losschicken wollte, machte mich nachdenklich. Wahrscheinlich würden auch die 20 Euro von Tante E., die meine Kinder alljährlich im Geburtstagsbrief vorfinden, in Zukunft wegfallen. Ganz zu schweigen von den spontanen Spenden für Straßenmusikanten. Ohne klimpernde Euro-Münzen im Hut wären die wahrscheinlich ganz schnell weg. Die Frankfurter Zeil ohne Straßenmusik? Vielleicht ist das ja auch so gewollt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schöne neue Welt</strong></p>
<p>So habe ich mich auch nicht mehr aufgeregt, als wir im Escher-Museum in Den Haag für 24,50 Euro (habe natürlich bargeldlos gezahlt) eine Familienkarte erstanden. Unter Familie versteht man in den Niederlanden Vater, Mutter und (maximal) zwei Kinder. Und weil ich auch meiner jüngsten Tochter nicht die schönen optischen Täuschungen des Escher-Museums vorenthalten wollte, entrichtete ich schweren Herzens den Extra-Eintritt von 6,50 Euro für das dritte Kind. Das fühlte sich nach dem Familienrabatt nicht nur wie ein heftiger Extraverlust auf einem gesonderten mentalen Konto an. Vor allem verstand ich die implizite Botschaft: Beim nächsten Mal sollte ich mich bei der Kinder(er)zeugung etwas zurückhaltender gerieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach dem Museumsbesuch schritt ich auf den (peinlich sauber gefegten Vorplatz), wo ich unser Auto geparkt hatte. Sieben Euro Parkgebühr für etwas mehr als zwei Stunden hatte ich berappt, natürlich nur mit EC-Karte zahlbar. Ich blickte kurz in den blauen Sommerhimmel: Nein, keine Drohne weit und breit. Derer hätte es auch nicht bedurft, denn der Parkplatz war, wie viele Orte in Den Haag, sowieso videoüberwacht.</p>
<p>Schöne neue Welt. Clockwork Oranje.</p>
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		<title>Verflüssigte Rendite</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jan 2013 08:17:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung im Zeitablauf]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeauxweine]]></category>
		<category><![CDATA[Liv-Ex Fine Wine 100]]></category>
		<category><![CDATA[mentale Kontoführung]]></category>
		<category><![CDATA[Wein als Anlageklasse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst wurde ich als bekennender Bordeaux-Weinliebhaber zum Thema „Wein als Anlageklasse“ interviewt, vermutlich weil das rote Gold während der vergangenen Jahre bis Mitte 2011 mit gewaltigen Preissteigerungen für Top-Gewächse aus Bordeaux und Burgund von sich Reden gemacht hatte. Dabei verwies ich darauf, dass es sich bei Rotwein zwar um ein liquides Anlagegut handelt, der Markt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst wurde ich als bekennender Bordeaux-Weinliebhaber zum Thema „Wein als Anlageklasse“ interviewt, vermutlich weil das rote Gold während der vergangenen Jahre bis Mitte 2011 mit gewaltigen Preissteigerungen für Top-Gewächse aus Bordeaux und Burgund von sich Reden gemacht hatte. Dabei verwies ich darauf, <span id="more-5705"></span>dass es sich bei Rotwein zwar um ein liquides Anlagegut handelt, der Markt aber, auf dem er gehandelt wird, als illiquide angesehen werden muss – ein Problem, das ich auch in einem meiner früheren Blogbeiträge <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/nicht-alles-ist-rotes-gold/">(hier)</a> aufgezeigt hatte. Während des ganzen Frage-und-Antwort-Spiels wurde mir jedoch immer mehr klar, dass ich selbst Bordeaux-Weine eigentlich nicht sammle, um sie zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewinn zu verkaufen, sondern um deren Inhalt eines Tages – am besten mit Freunden – zu genießen. Es stellt sich also für mich die Frage, warum ich meine über die Jahre gesammelten Weine dennoch als Investment ansehe und sogar von Zeit zu Zeit auf den Liv-ex Fine Wine 100 Index schiele, um die Marktentwicklung zu verfolgen. Betrachte ich meine flüssigen Schätze insgeheim doch als Notreserve, von der ich mich im Falle einer materiellen Zwangslage trennen könnte? Dagegen spricht jedoch neben teils hohen Bewertungsunterschieden die extrem große Spanne zwischen An- und Verkaufspreisen in dieser Anlageklasse, die manch schönen Buchgewinn in der Realität schnell wegschwemmen könnte.</p>
<p>Wie so oft halfen mir auch dieses Mal die Erkenntnisse der Behavioral Economics, um eine Antwort auf diese Fragen zu finden. So fand ich heraus, dass mich der Kauf meiner hochwertigen Weine im Moment der Geldausgabe zwar schmerzt. Doch weil diese Flaschen meist nicht für den sofortigen Verbrauch, sondern vielfach für eine manchmal jahrelange Lagerung gedacht sind, ist die Geldausgabe in der Gegenwart mental relativ leicht zu verschmerzen. Mit anderen Worten: Dem heutigen Konsumverzicht steht ein mentales Konto für ein Investment in zukünftige, allerhöchste Genussfreuden gegenüber. Also ein Gefühl ähnlich dem eines Investors, der sich in der Gegenwart in Konsumverzicht übt und stattdessen Anleihen kauft, um sich in der Zukunft einer Rendite zu erfreuen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Längst bezahlte Rechnungen schmerzen kaum</b></p>
<p>Unlängst habe ich mit ein paar Freunden schließlich einen wunderbaren Abend verbracht, in dessen Verlauf ich mehrere dieser „Weininvestments“ öffnete und sie zusammen mit meinen Gästen leerte – darunter befand sich sogar ein mehr als 60 Jahre alter Bordeaux.  Irgendwann fragte mich dann einer der Anwesenden hinter vorgehaltener Hand, ob ich es denn nicht bereuen würde, so teure Flaschen für einige wenige schöne Stunden zu opfern. Ich erwischte mich dabei, dass ich nicht einmal mehr deren ursprünglichen Kaufpreis erinnerte, was aber eigentlich auch egal war. Natürlich könnte ich jetzt behaupten, das Glück, in die strahlenden Gesichter und verklärten Augen meiner Freunde zu blicken sei mir jeden Preis wert. Das stimmt natürlich auch, gleichwohl ist es nur die halbe Wahrheit. Denn mental hatte ich das ursprüngliche Weininvestment ja schon längst abgeschrieben, die Rechnung war ja bereits vor Jahren von mir bezahlt worden.</p>
<p>Mindestens so lange bezahlt war auch eine Flasche Bordeaux, die mir kürzlich aus dem Klimaschrank rutschte und auf dem Kellerboden zerschellte. Aber das war offensichtlich etwas anderes: „Das ausgerechnet mir das passieren muss!“, fluchte ich und ärgerte mich noch Stunden später über das Malheur, obwohl ich noch Glück im Unglück hatte: Es hatte sich um eine ausgesprochen günstige Flasche gehandelt. Dass ich in diesem Moment offenbar ein neues mentales Konto eröffnen musste, um den Verlust zu ersetzen, wurde mir erst am nächsten Tag bewusst, als ich im Internet genau zu diesem Thema ein ausgesprochen interessantes und lesenswertes Paper von Eldar Shafir und Richard Thaler<a title="" href="#_edn1">[i]</a> fand.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ednref1">[i]</a> Shafir, Eldar &amp; Thaler, Richard H. (2006): <i>Invest now, drink later, spend never: on the mental accounting of delayed consumption</i>, Journal of Economic Psychology 27, pp. 694-712</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/verflussigte-rendite/">Verflüssigte Rendite</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Mit Freund K. durch die Krise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Sep 2012 05:40:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich im Magazin Börse online über meinen Freund K. ausgelassen  und ihn als vorausschauenden Menschen bezeichnet. Denn er bereitet sich schon seit Jahren auf das Auseinanderbrechen der Eurozone vor, indem er in seinem Tresor Goldbarren und verschiedene ausländische Valuten mit Schwergewicht auf Schweizer Franken hortet. Ja, selbst gegen eine mögliche Lebensmittelknappheit, die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/mit-freund-k-durch-die-krise/">Mit Freund K. durch die Krise</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich im <a href="http://www.boerse-online.de/maerkte/meinung/goldberg/:Perspektiven--Die-Krise-verlangt-viele-Opfer/641206.html"><span style="text-decoration: underline;">Magazin Börse online</span></a> über meinen Freund K. ausgelassen  und ihn als vorausschauenden Menschen bezeichnet. Denn er bereitet sich schon seit Jahren auf das Auseinanderbrechen der Eurozone vor, indem er in seinem Tresor Goldbarren und verschiedene ausländische Valuten mit Schwergewicht auf Schweizer Franken hortet.<span id="more-5049"></span> Ja, selbst gegen eine mögliche Lebensmittelknappheit, die aufgrund von Versorgungsengpässen bei einem plötzlichen Zerbrechen des Euros drohen könnte, ist K. gewappnet. Nun wartet mein Freund schon seit Jahren auf dem großen Zusammenbruch, weswegen es bei unserem jüngsten Treffen Rindsrouladen aus der Dose gab, die wegen des herannahenden Verfallsdatums gegessen werden mussten.</p>
<p>Als ich einem Kollegen besagte Kolumne zeigte, befand jener, dass meine Geschichte nicht eines gewissen schadenfreudigen Untertons entbehren würde. Wo doch mein Freund K. mit seinem Gold und seinen Schweizer-Franken-Beständen sicherlich zu den erfolgreichen Finanzmarktteilnehmern gehören würde. Gold notiere doch gegenüber dem Euro am Allzeithoch und auch der Franken wäre ohne die Interventionen der Nationalbank eigentlich noch viel fester als er es ohnehin schon ist  – da gibt es keine Fragen mehr. Nein, K. wäre gar nicht darauf angewiesen gewesen, seine vom Verderb bedrohten Lebensmittel schnellstens zu verbrauchen.</p>
<p>Wo er doch nur ein paar Fränkli gegen Euro hätte tauschen müssen, um sich mit dem Kursgewinn ein prächtiges Fünf Gang-Menü in einem schönen Drei-Sterne-Restaurant leisten zu können. Womöglich hätte er mich sogar zu diesem Festmahl eingeladen. Aber das hätte mein Freund nie gemacht. Nicht weil er geizig oder gar ein Freund von Entsagung ist. Sondern weil seine Gold- und Devisenreserven für den Notfall gedacht sind. „Und die rührt man nicht an“, versicherte mir K. erst kürzlich, egal wie stark sie im Kurs gestiegen seien.</p>
<p><strong>Zwischen Gewinn und Verzicht</strong></p>
<p>&#8222;Ja, aber wann wirst du denn dein Gold und deine Franken verkaufen, um die Gewinne zu realisieren?&#8220; fragte ich meinem Freund, genauso wie ich viele andere risikobewusste Bundesbürger hätte fragen können, die sich in ähnlicher Weise gegen den so genannten <em>worst case</em>, den schlimmsten anzunehmenden Unfall in der Eurozone seit Langem, abgesichert haben. &#8222;Nur, wenn die Euro-Krise mit Sicherheit ausgestanden ist&#8220; entgegnete K. Ich traute mich nicht zu fragen, woran man dies denn konkret festmachen könne. Zumal in einem solchen Fall der Goldpreis aber auch der Schweizer Franken womöglich schon längst und vielleicht sogar massiv an Wert verloren haben könnten. Denn in einer scheinbar sicheren Welt braucht man keine Versicherung mehr in Form von Gold und ausländischen Valuten. Und so bleibt für K. ein Dilemma: Gewinne in der Krise (am besten am Höhepunkt) realisieren oder darauf verzichten.</p>
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