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	<title>Locus of Control Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Kurzgeschnittene Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2016 08:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9327 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier.jpg 695w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um Rezepte für Weihnachtsplätzchen oder wohin man das nächste Mal in den Urlaub fahren könnte. Stattdessen erfuhr ich beim Haareschneiden, dass mein Gegenüber politisch viel besser informiert war, als ich es je vermutet hätte.</p>
<p>Sicherlich hätte man den Mord an einer Freiburger Studentin, mit einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling als mutmaßlichem Täter, auch noch als typisches Skandalthema abtun können, wie es gerne zwischen Waschen, Schneiden, Föhnen erörtert wird. „Wissen Sie, wir werden permanent schlecht und falsch informiert – Spiegel, Focus, alles Lügenpresse“, brach es jedoch plötzlich aus der Friseurin hervor. Auch bei den Terroranschlägen des 11. September 2001 sei die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt worden, „das waren doch die Amerikaner selber [die den Anschlag verübten]“, bedeutete sie mir. Woher sie denn diese brisanten Informationen habe, fragte ich vorsichtig. Konkret konnte sie mir das natürlich nicht sagen, aber immerhin seien doch das Internet und die sozialen Medien voll davon, erfuhr ich. Wenn so viele das sagen, muss doch etwas dran sein, erläuterte sie mir. Damit war klar, dass sie offensichtlich alles, was in der Presse zu erfahren ist, für manipuliert und gelogen hielt und daraus die Schlussfolgerung gezogen hatte, dass diejenigen, die diese (vermeintlichen) Lügen aufdeckten, im Besitze der Wahrheit sein müssten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ja, aber</strong></p>
<p>Ich wollte keinen Streit anfangen, zumal die Friseurin schon begonnen hatte, während sie das alles mit erregter Stimme vorbrachte, aufgeregt mit dem Kamm die Luft zu durchfurchen. Doch fühlte ich mich verpflichtet, der jungen Frau zu erklären, dass diejenigen, die andere der Lügen- oder Lücken-Presse bezichtigten, nicht notwendigerweise ehrlich sein müssten. Beinahe glaubte ich, Erfolg gehabt und mein Gegenüber überzeugt zu haben, denn sie hielt beim Haareschneiden inne und schien für einen Moment sehr konzentriert nachzudenken. Aber spätestens, als sie die Schere mit dem berühmten „Ja, aber“ am Haaransatz oberhalb meines Ohres wieder ansetzte, hätte mir klar sein müssen, dass ich genauso gut gegen eine Wand hätte reden können.</p>
<p>„Haben Sie sich schon einmal die Rückseite Ihres Personalausweises genauer angesehen? – Da kann man bei genauem Hinsehen den Teufel erblicken!“ Und zum Beweis zeigte sie mir ihren Personalausweis (in der alten Ausführung). Ich drehte die Karte hin und her, aber wollte absolut keinen Teufel erkennen. „Mit etwas Fantasie kann ich ein Fruchtbarkeitssymbol, vielleicht so etwas wie eine abstrakte Gebärmutter und einen Phallus oder so etwas Ähnliches erkennen. Aber den Gehörnten?“ „Sie sehen doch nur, was Sie sehen wollen!“ erwiderte meine charmante Friseurin. „Und Sie?“ – Schweigen. Ich gab auf, denn ich wusste, sie würde auch beim Betrachten einer Aufnahme  von den Wolkenkratzern des 11. Septembers in New York in den auf dem Foto befindlichen Wolken womöglich die Fratze des Bösen erkennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kontrollbedürfnis sucht einfache Erklärungen</strong></p>
<p>Es ist wohl dem menschlichen Bedürfnis nach Kontrolle geschuldet, dass es für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben muss. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, den sie erleben, wenn sie bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben können, kaum aus. Und Erklärungen, die plausibel scheinen, weil sie auch noch ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten oder besonders gut ins eigene Weltbild passen, sind besonders beliebt.  Anders ausgedrückt: Wer solche Erklärungen anbieten kann, gilt automatisch als glaubwürdig und ehrlich, weil er im Besitz des Mittels gegen einen als bedrohlich empfundenen Kontrollverlust ist. Kein Wunder, wenn neben diesen Erklärungen auch alle anderen Informationen ungeprüft als Wahrheit akzeptiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…, die nicht richtig sein müssen </strong></p>
<p>Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man ohnehin, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige, auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen gegenüber anderen bevorzugt wahrgenommen werden. Am besten kommt eine Geschichte an, in der ein Ereignis oder eine Aktion geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben wird, die selbst nur im Verborgenen tätig sind, also mithin Verschwörungstheorien. Und wenn dann auch noch prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Möglicherweise werden somit Lügen zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>Nicht dass jene anerkannten Autoritäten, zu denen naturgemäß auch die Politiker zählen, in der Vergangenheit nie gelogen oder Geschichten erfunden hätten. Das dramatische Wesen der heutigen sogenannten Post-Fact-Welt liegt darin, dass – und gerade das Beispiel Donald Trump zeigt uns dies besonders gut – Lügen plötzlich egal und wenn auch nicht legal, so doch zumindest legitim zu sein scheinen. Und kommen sie aus der Politik, bleiben sie sogar ungeahndet. Im Gegenteil: Wer besonders dreist lügt, bekommt besonders viel Zuspruch. Eine Dreistigkeit, die nur deswegen möglich ist, weil sie eben auf einfach und schnell begreifbare Erklärungen rekurriert. Möglicherweise nicht einmal, weil die Menschen jemand gesucht haben, der ihnen eine bessere Zukunft verspricht. Es ist ausgerechnet die Transparenz des Internets, die zu einer solch horrend großen Menge an Information geführt hat, dass wir dieser aufgrund unserer begrenzten menschlichen Aufnahmekapazitäten nicht mehr Herr werden können.</p>
<p>Auf der Suche nach Transparenz und Wahrheit ist es zu einem Information-Overkill, einem Gemisch von Wahrheiten und Lüge und einem Kontrollverlust gekommen, der eben zu einer selektiven Wahrnehmung des Einfachen, leicht Erklärbaren führt. Verbunden mit dem Nachteil, dass diese Vereinfachungen und Komplexitätsreduzierungen dennoch nicht zur Wahrheit führen müssen. Informationen, mit denen meine Friseurin und ich demnächst wählen gehen. Gut möglich, dass wir uns beide so oder so für das Falsche entscheiden.</p>
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		<title>Deutschsprachiges Schreckens-TV</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 May 2014 16:29:59 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein US-Blog wie zerohedge.com zum Thema Goldpreis-Manipulation einen TV-Beitrag des deutschsprachigen Senders 3sat einstellt. Schade nur, dass dieser Streifen dann für die englischsprachigen Leser nicht übersetzt worden ist. Ich jedenfalls habe mir diesen Bericht, der bereits am 9. Mai im Fernsehen lief, angesehen und war erstaunt, wie unbefangen dort Wahrheiten, Halbwissen und Unbewiesenes miteinander vermengt wurden. Da ist einerseits von Fixing-Manipulationen beim Goldpreis die Rede, bei denen ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sie tatsächlich vorgenommen wurden. Andererseits wird darüber spekuliert, ob die US-Notenbank den Goldpreis künstlich nach unten drückt oder auch vom Oligopol einiger weniger großer Bankenspieler, die angeblich ebenfalls die Kursentwicklung auf unlautere Weise beeinflussen. Wahn oder Wahrheit, saubere Recherche oder Verschwörungstheorie?</p>
<p>Wenn ich dann aber Äußerungen höre wie etwa: „Der Terminmarkt soll für berechenbare und stabile Preise in der Zukunft sorgen“ höre, ist das eigentlich zum Totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Dann wieder ist von großen Orders die Rede – natürlich nur in Form von Verkäufen und natürlich ausschließlich zum Zwecke der Manipulation.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Geheimnisvolle Machenschaften</strong></p>
<p>Solche Geschichten hat es in anderen Märkten schon vor Jahrzehnten gegeben. Über verdeckte und heimliche Interventionen, über Milliarden-Dollar-Orders im Devisenmarkt, über mächtige jüdische Spekulanten habe ich auch schon früher, als Händler, jede Woche neue Gerüchte gehört. Und zwar stets und vor allen Dingen von denen, die gerade wieder einmal mit ihren Positionen Geld verloren hatten. Klar, dass man einen Sündenbock brauchte (vgl. externer locus of control, über den ich unlängst <strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/zum-kontrollbeduerfnis-2/">hier</a></strong> geschrieben habe). Adressen, die, so sagte man mir damals hinter vorgehaltener Hand, nur eines im Sinn hätten: Die anderen Akteure zu zerstören, koste es, was es wolle. Große Marktteilnehmer, die angeblich bereit wären, kostspielige Risiken einzugehen und viel Geld dafür auszugeben, dass Andere ärmer würden.</p>
<p>Im 3sat-Beitrag ist also von einem abgekarteten Spiel die Rede, was allerdings, so die Stimme aus dem Off, nur schwer zu beweisen sei. Gold sei Spekulationsobjekt mit Symbolkraft, erfuhr ich. Und dann ging es konspirativ weiter mit einem Studiogast, der sich unter anderem auf den umstrittenen Paul Craig Roberts berief, der wiederum behauptet haben soll, die US-Notenbank lasse den Goldpreis nicht über 1.400 $ pro Unze steigen. Nicht ohne am Ende des Interviews dem Goldanleger den Kauf von Zertifikaten, also von „Papiergold“, zu empfehlen. Inklusive der Prognose einer von China in Gang gesetzten Gold-Hausse, die dieses Jahr allerdings noch nicht die 1.400 $ Marke überschreiten werde. Lässt die Fed da etwa im nächsten Jahr locker?</p>
<p>Ich bleibe dabei: Wer <em>physisches</em> Gold als langfristige Absicherung gegen Krisen ansieht, den werden auch temporär manipulierte Fixings und andere Markteingriffe großer Spieler nicht von dieser Überzeugung abbringen. Problematisch wird es allein für diejenigen, die versuchen, mit kurzfristigen Engagements schnell Geld zu verdienen.</p>
<p>Wer jedoch sich den 3sat-Beitrag <strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=TYjtLPcPEj4#t=12">hier</a></strong> ansieht, dürfte als unbefangener Zuschauer dennoch ganz schnell zum Schluss kommen, der Goldmarkt könnte Spielball allmächtiger Kräfte sein. Was ist die Konsequenz, die der Privatanleger aus diesem Beitrag zieht? Finger weg vom Gold, auch wenn es noch so prächtig glänzt. Auch langfristig.</p>
<p>Am Ende bin ich froh, dass es noch den Aktienmarkt gibt, für den ich zumindest die heutige Stimmungserhebung der Börse Frankfurt anhand harter Zahlen <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+noch+ein+erfolgserlebnis+68075">hier</a></strong> kommentieren durfte.</p>
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		<title>Ich weiß nichts, also bin ich – Experte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2014 06:28:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[DAX]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich traf kürzlich einen guten Bekannten, der gelegentlich Analysen zum Aktienmarkt erstellt. So auch zum DAX, wobei er sich darüber mokierte, dass so viele seiner Kollegen bearish in Hinblick auf deutsche Standardwerte eingestellt seien. Man könne die Crash-Angst im Aktienmarkt förmlich riechen, sagt er. Skepsis, wo immer man auch hinsehe. Und das, obwohl das Börsenbarometer [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich traf kürzlich einen guten Bekannten, der gelegentlich Analysen zum Aktienmarkt erstellt. So auch zum DAX, wobei er sich darüber mokierte, dass so viele seiner Kollegen bearish in Hinblick auf deutsche Standardwerte eingestellt seien. Man könne die Crash-Angst im Aktienmarkt förmlich riechen, sagt er. Skepsis, wo immer man auch hinsehe. Und das, obwohl das Börsenbarometer in der vergangenen Woche gar nicht einmal so weit weg von seinem Allzeithoch gewesen sei. Wie ich blickt auch mein Bekannter gerne auf Stimmungsindikatoren. Und diese zeugen derzeit nicht gerade von Optimismus unter den Anlegern. Ein Grund mehr also, deutsche Aktien vorsichtshalber nicht zu verteufeln. Ja, so fuhr mein Bekannter fort, man könne für den DAX zumindest neutral, höchstwahrscheinlich sogar bullish sein, wäre da nicht der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Wie das ausgehe, das könne ja momentan niemand vorhersagen, fügte er, der sich gerne als Politik-Experte bezeichnen lässt, mit sorgenvoller Miene hinzu. Wenn es da negative Überraschungen gäbe, könnte womöglich doch noch ein Crash kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Krise als Ausrede</strong></p>
<p>Mit anderen Worten: Normalerweise wäre mein Bekannter bullish, aber er ist einer von der vorsichtigen Sorte. Wie alle anderen Börsianer derzeit auch, die mittlerweile gelernt haben, dass man sich an den Finanzmärkten schnell an Krisengeschichten gewöhnt und neue Entwicklungen in der Ukraine daher nur dann Niederschlag in den Kursen finden, wenn sie sich deutlich von den vorherigen Nachrichten abheben. Aber ein gewisses Restrisiko bleibt zweifellos bestehen, weil niemand von uns in die Zukunft blicken kann. Eine beliebte Hilfskonstruktion ist daher der Blick zurück auf vergangene Krisen, Kriege und Konflikte. Aber die Geschichte kennt keine identischen Wiederholungen.</p>
<p>Und eigentlich sollten wir es doch auch gewohnt sein, an den Finanzmärkten Entscheidungen unter Unsicherheit treffen zu müssen. Egal, ob geopolitisches oder anderes Ungemach droht. Dennoch zeigen gerade im Fall der Ukraine viele Anleger und Analysten dafür Verständnis, wenn sich ein Experte oder Analyst momentan nicht festlegen möchte, weil sich die dortigen Ereignisse unserer Kontrolle entziehen. So wollen anscheinend die Meisten nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn ihre Börsenengagements und -empfehlungen aufgrund irgendwelcher bösen Überraschungen aus Kiew oder Moskau nicht so laufen, wie man es sich vorgestellt hatte. Genau genommen verschieben sie den <em>locus of control</em>, über den ich erst vor kurzem <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zum-kontrollbeduerfnis-2/">hier</a> geschrieben habe, auf externe Kräfte und Konstellationen, die man selber nicht beeinflussen kann. Und auf die sich im Zweifel auch persönliches Unvermögen schieben lässt.</p>
<p>Das Ganze erinnert mich an einen meiner früheren Chefs, der mir am Morgen eines Handelstages auf meine Frage, ob ich Dollars kaufen solle, entgegnete: „Ja, aber seien Sie vorsichtig!“ Um mir dann am Abend, nachdem mein Engagement schief gelaufen war, vorzuwerfen, er habe mir doch dringend angeraten, vorsichtig zu sein, und jetzt dieser Verlust. Warum ich denn, verdammt nochmal, nicht auf ihn gehört hätte.</p>
<p>Seit diesem Tag weiß ich, dass man an den Finanzmärkten immer vorsichtig sein muss.</p>
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		<title>Zum Kontrollbedürfnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2014 15:36:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Goldbergs Thema des Monats]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrolbedürfnis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Während der vergangenen Jahre und vor allem aber auch als Folge der Finanzkrise, konnte man immer deutlicher feststellen, auf welch unterschiedliche Art und Weise Anleger und Investoren versuchten, mit ihren Gewinnen und Verlusten umzugehen. Gerade im Verhältnis zu manchem Vermögensberater machte sich eine Tendenz breit, die für deutsche Verhältnisse neu war: Die Neigung vieler Anleger, [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Während der vergangenen Jahre und vor allem aber auch als Folge der Finanzkrise, konnte man immer deutlicher feststellen, auf welch unterschiedliche Art und Weise Anleger und Investoren versuchten, mit ihren Gewinnen und Verlusten umzugehen. Gerade im Verhältnis zu manchem Vermögensberater machte sich eine Tendenz breit, die für deutsche Verhältnisse neu war: Die Neigung vieler Anleger, Gewinne als eigene Leistung anzusehen, für Verluste hingegen andere moralisch und vielleicht auch noch pekuniär – oftmals auch mit Recht – in Haftung zu nehmen. Eine Haltung die sich in den Jahren ungewohnt massiver Kurseinbrüche an den Aktienmärkten, aber auch anderswo merklich verstärkte.</p>
<p>Die Wirtschaftspsychologie hat dafür eine sehr interessante Erklärung parat. Danach haben die Menschen bei Verlusten generell ein stärkeres Kontrollbedürfnis als bei Gewinnen. Ein Phänomen, das man auch in sehr vielen Unternehmen finden kann. Sprudeln die Profite stellt kaum jemand kritische Fragen, wie diese zustande gekommen sind. Aber bei Verlusten! Es ist dem US-Psychologen Julian Rotter zu verdanken, dass bereits vor einigen Jahrzehnten der Begriff des <em>Locus of control</em> bekannt wurde. Danach wird man ein positives Ereignis, etwa einen Gewinn an der Börse, als das Ergebnis eigener Aktivitäten interpretieren – ein Phänomen, das sich hervorragend bei erfolgreichen Marktakteuren beobachten lässt. Man spricht auch von interner Kontrolle. Unerwünschte Ereignisse und Verluste werden dagegen gerne auf externe Faktoren geschoben, man spricht auch von externer Kontrolle – man fühlt sich als Spielball fremder Mächte und glaubt, daran auch nicht viel ändern zu können.</p>
<p>Kontrolle auszuüben ist aus Sicht der Verhaltensökonomie gleichbedeutend mit der Notwendigkeit, sich zu informieren – wer sich nicht informiert, kann im Zweifel auch nicht kontrollieren. Mehr noch: Wer sich nicht informiert, macht sich irgendwie mitschuldig, wenn der Erfolg manches Investments ausbleibt. Ich halte das Thema für sehr wichtig und habe von der WGZ Bank dankenswerterweise die Möglichkeit erhalten, im heute erschienenen <strong><em><a href="http://news.wgzbank.de/go/14/YYWR164-YYSOR9D-Y2PEENI-16U3FUS.html">Goldbergs Thema des Monats </a></em></strong>zum Kontrollbedürfnis der Anleger einen Beitrag schreiben zu dürfen.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zum-kontrollbeduerfnis-2/">Zum Kontrollbedürfnis</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Zur falschen Zeit das Richtige tun</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Feb 2014 07:16:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[high beta rich]]></category>
		<category><![CDATA[Locus of Control]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Begründung für die jüngste deutliche Korrektur an den Aktienmärkten hat landläufig eine Erklärung herhalten müssen: Kapital floss aus Schwellenländern zurück in die USA und in andere so genannte „sichere Häfen“, raus aus Aktien, rein in Anleihen. Dabei haben sich in weniger als zwei Wochen nicht nur die Chancen für eine globale, sondern auch für [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zur-falschen-zeit-das-richtige-tun/">Zur falschen Zeit das Richtige tun</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Begründung für die jüngste deutliche Korrektur an den Aktienmärkten hat landläufig eine Erklärung herhalten müssen: Kapital floss aus Schwellenländern zurück in die USA und in andere so genannte „sichere Häfen“, raus aus Aktien, rein in Anleihen. Dabei haben sich in weniger als zwei Wochen nicht nur die Chancen für eine globale, sondern auch für eine  konjunkturelle Erholung in den USA offenbar dramatisch verschlechtert. <span id="more-6908"></span>Allerdings versuchen die meisten Akteure immer noch abzuwiegeln, indem sie als Begründung für schlechter als erwartet ausgefallene Wirtschaftsdaten die extremen Wetterbedingungen in den USA im Dezember verantwortlich machen. Damit verschieben sie die Kontrolle über ihre eigentlich als sicher geglaubten Aktienengagements auf externe Kräfte, gegen die sie nichts ausrichten können. Und auf diese Weise werden gleichermaßen schlechte Konjunkturdaten wegrationalisiert und etwaige kognitive Dissonanzen aufgrund erlittener Aktienverluste verringert.</p>
<p>Doch die derzeitige Börsenentwicklung ist noch weitaus problematischer, wie es mein Mitstreiter Herman Brodie unlängst (<a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/die-wahren-risiken-fuer-die-weltwirtschaft/">hier</a>) dargestellt hat. Die größte Gefahr für die konjunkturelle Erholung in den USA dürfte also nicht der starke Schneefall, sondern der Absturz des breitgefassten S&amp;P 500 Index darstellen – mit negativen Folgen für andere wichtige Börsenplätze. Denn große Teile der Vermögen der Superreichen, der so genannten „high beta rich“, sind sehr stark an das Schicksal der Aktienmärkte gebunden. Nicht umsonst hat der Journalist und Schriftsteller Robert Frank den S&amp;P 500 als das neue Bruttoinlandsprodukt bezeichnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Falling behind</b></p>
<p>Diese These hat in einer gerade erst kürzlich in der New York Times vorgestellten Studie neue Nahrung erhalten. Während der Zeitungsartikel in erster Linie die anhaltende Ausdünnung der Mittelklasse beklagt, kommt die Studie, in der die Entwicklung der Ungleichheit in den USA über die Jahre 1980 bis 2012 untersucht wurde, zu teils erschreckenden Erkenntnissen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Danach bestand die Hauptursache für die steigende Ungleichheit während dieser Periode darin, dass die Haushaltseinkommen der unteren 95 Prozent kaum gestiegen sind, während sich der Anteil der oberen fünf Prozent am Gesamteinkommen (vor Steuern und ohne Kapitalerträge) aller Haushalte seit Anfang der 1980erjahre von gut 20 auf zuletzt mehr als 35 Prozent erhöht hat.  Wenn es dabei den unteren 95 Prozent aus der Einkommensverteilung dennoch gelungen ist, ihren Konsum aufrechtzuerhalten, ist dies einer sinkenden Sparquote und einer größeren Verschuldung zuzuschreiben. Eine Strategie, die mit dem Beginn der Großen Rezession in den USA im Jahre 2008 ihr Ende finden sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>20 Prozent der Haushalte machen 90 Prozent der Konsumausgaben aus</b></p>
<p>Doch die Studie geht noch weiter. Mit Ende der Rezession im Jahre 2009 hat sich in der Folge der Konsum im oberen 20tel der Einkommensverteilung um inflationsbereinigt 17 Prozent erhöht, während die übrigen 95 Prozent der Haushalte ihre Konsumausgaben nur um ein Prozent erhöhen konnten. Allein im Jahre 2012 waren die oberen 5 Prozent der Spitzenverdiener für 38 Prozent des heimischen Verbrauchs verantwortlich. Weiter gefasst kann man davon ausgehen, dass 90 Prozent der inflationsbereinigten Konsumausgaben von den oberen 20 Prozent der am Einkommen gemessenen Haushalte getätigt wurden.</p>
<p>Tatsächlich konzentrieren sich in den USA viele große Geschäfte und Restaurants auf die wohlhabenden Kunden, indem sie ihnen hochwertige Güter und Dienstleistungen verkaufen. Während große Einzelhandelsketten Geschäfte schließen und Mitarbeiter entlassen müssen, sind High-end-Produkte gut nachgefragt. Und so wundert es auch nicht, dass im Jahr 2013 die Zimmer von 5-Sterne-Hotels wesentlich größere Erträge als die ihrer Mittelklasse-Rivalen abwarfen.</p>
<p>Man muss also nicht viel Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, was geschieht, wenn die oberen 5 Prozent auf der Einkommensskala aufgrund eines drastischen Einbruchs der Börsenkurse ihren Konsum deutlich zurückfahren müssen. Und so wundert es auch nicht, wenn die ersten kritischen Stimmen schon wieder vernehmbar sind, ob denn die US-Notenbank mit dem Zurückfahren ihrer Anleihekaufprogramme (Tapering) nicht vorschnell begonnen und damit den schönen Aufwärtstrend am Aktienmarkt und gleichermaßen eine sich selbst tragende ökonomische Erholung abgewürgt habe. „Schlechtes Timing“, hörte ich unlängst sogar einen Analysten sagen, „man wird es Janet Yellen [der neuen Fed-Chefin] in die Schuhe schieben“, fuhr er fort.</p>
<p>Mit dieser Einstellung hätte die Notenbank niemals mit dem Tapering beginnen können. Denn den richtigen Zeitpunkt, um eine fragwürdige Strategie zu beenden, wird es nie geben. </p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Cynamon, Barry Z. and Fazzari, Steven M. (Jan 23rd, 2014): <i>Inequality, the Great Recession, and Slow Recovery</i>, <a href="http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2205524">http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2205524</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Busfahrerin steigt zu früh aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 06:13:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Locus of Control]]></category>
		<category><![CDATA[Lotto]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein paar Tage her, da hatten zwölf Busfahrer aus der englischen Grafschaft Northamptonshire allen Grund zum Feiern. Denn sie hatten beim Mehrländer-Lotto &#8222;Euro Millions&#8220; – an diesem Spiel kann man übrigens seit vergangenem Freitag auch in Deutschland teilnehmen – den gut 38 Millionen englische Pfund (rund 45 Millionen Euro) schweren Jackpot geknackt. Eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein paar Tage her, da hatten zwölf Busfahrer aus der englischen Grafschaft Northamptonshire allen Grund zum Feiern. Denn sie hatten beim Mehrländer-Lotto &#8222;Euro Millions&#8220; – an diesem Spiel kann man übrigens seit vergangenem Freitag auch in Deutschland teilnehmen – den gut 38 Millionen englische Pfund (rund 45 Millionen Euro) schweren Jackpot geknackt. <span id="more-3547"></span>Eine Geschichte, die eigentlich hier, in diesem Blog, nicht erwähnenswert wäre, hätte nicht sechs Monate zuvor eine Kollegin und Mitspielerin diese Tippgemeinschaft verlassen, weil sie sich als allein erziehende Mutter den Spieleinsatz von zwei englischen Pfund (2,40 Euro) nicht mehr leisten konnte. Angeblich sei sie total pleite, war in der britischen Presse zu lesen. Nach Angaben der „Daily Mail“ verdient Hazel Loveday als Busfahrerin indes 17.000 Pfund im Jahr.</p>
<p>Unwillkürlich erinnerte ich mich an meinen <a href="Laborversuch%20mit%20Lottoglück" target="_blank">Blog-Beitrag über das Losglück</a>, das über die Bewohner des kleinen spanischen Dorfes Sodeto hereinbrach, allerdings nicht über alle, denn man hatte den zugewanderten griechischen Mitbürger beim Losverkauf versehentlich vergessen. Immerhin konnte sich dieser Unglücksrabe im Gegensatz zu Hazel Loveday damit trösten, dass er seinen entgangenen Gewinn einem anonymen, grausamen Schicksal zuschreiben konnte, das heißt, er konnte den so genannten Locus of Control aus seiner eigenen Verantwortung auslagern und auf eine externe, höhere Macht verschieben. Diese Entlastung wurde unserer armen Busfahrerin leider nicht zuteil, die einen Tag vor dem Riesengewinn ihrer Kollegen auch noch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Wie sehr muss sie bereut haben, dass sie Wochen zuvor den Ausstieg aus der Tippgemeinschaft beschlossen hatte. Denn es lag ganz allein in ihrer Entscheidung – auch wenn sie total überschuldet war –, ob sie weiterhin bei der Tippgemeinschaft für zwei Pfund in der Woche mitmachen wollte.</p>
<p>So scheinen Tippgemeinschaften tatsächlich etwas Fatales an sich zu haben. Denn die Bindung der einzelnen Mitglieder an solche Gruppen ist meist so stark, dass ein späterer Ausstieg für den einzelnen fast nicht mehr möglich scheint. Tatsächlich wird dieses Commitment sogar von Spiel zu Spiel immer größer und kann lediglich durch kleine Gewinne zwischendurch etwas gemindert werden.</p>
<p>Natürlich können Sie jetzt einwenden, dass es doch sowieso keinen Sinn mache, an einem Spiel mit einem negativen Erwartungswert teilzunehmen. Zumindest hätte so der homo oeconomicus argumentiert, dessen Auffassung sich offenbar auch Hazel Loveday zu eigen gemacht hatte, als sie beschloss, aus der Busfahrerlottotruppe auszusteigen, um die zwei Pfund Wetteinsatz zu sparen oder für etwas anderes auszugeben. Das schien der Sieg einer Rationalität zu sein, die keinen Platz lässt für Träume und schon gar nicht für jene irrige Hoffnung, sich auf einen Schlag aller finanziellen Sorgen entledigen zu können.</p>
<p>Jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob die ehemaligen Tippbrüder wohl bereit sein werden, der lieben Hazel einen kleinen Teil von ihren 38 Millionen Pfund abzugeben, um sie über den entgangenen Gewinn ein klein wenig hinweg zu trösten. Die frisch gebackenen Privatiers und (ehemaligen) Busfahrer wollten das unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten und regeln, war in der Daily Mail zu lesen. Die Zeitung hat übrigens online ihre Leser befragt, ob sie der Meinung seien, dass die Lottogewinner moralisch dazu verpflichtet seien, Frau Loveday an ihrem Reichtum zu beteiligen. Interessanterweise haben nur 34 Prozent der Leser darauf mit „Ja“ geantwortet.</p>
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		<title>BGH-Urteil: Sturz von der Leiter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 08:10:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[BGH]]></category>
		<category><![CDATA[Bonus]]></category>
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		<category><![CDATA[Moral Hazard]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun hat also der Bundesgerichtshof (BGH) sein Grundsatzurteil gefällt und festgestellt, dass Kreditinstitute bei komplizierten Finanzprodukten dazu verpflichtet sind, eingehend über deren Risiken aufzuklären. Im besagten Fall hatte der hessische Hygieneartikelhersteller Ille gegen die Deutsche Bank geklagt. Denn deren Derivatehändler hatten dem Unternehmen im Jahr 2005 so genannte Spread-Ladder-Swaps verkauft, die der Ille GmbH Verluste in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun hat also der Bundesgerichtshof (BGH) sein Grundsatzurteil gefällt und festgestellt, dass Kreditinstitute bei komplizierten Finanzprodukten dazu verpflichtet sind, eingehend über deren Risiken aufzuklären. Im besagten Fall hatte der hessische Hygieneartikelhersteller Ille gegen die Deutsche Bank geklagt.<span id="more-1122"></span> Denn deren Derivatehändler hatten dem Unternehmen im Jahr 2005 so genannte Spread-Ladder-Swaps verkauft, die der Ille GmbH Verluste in Höhe von 540.000 EUR Verlust beschert hatten. Auch wurde vom BGH bemängelt, dass die Klägerin bereits bei Abschluss des Geschäfts 80.000 EUR hinten gelegen habe. Jedenfalls stand dieser Betrag im Bericht der FTD einsam und alleine, einfach so da, ohne dass dabei fairerweise das Volumen des der Gebühr zu Grunde liegenden Geschäftes erwähnt wurde. Daher erweckt die Summe (80.000 EUR sind einfach viel Geld) in dieser Darstellung den Eindruck, sie könnte womöglich ungerechtfertigt von der Bank vereinnahmt worden sein. Tatsächlich ist es aber an den Finanzmärkten häufig der Fall, dass Akteure bei Abschluss einer Transaktion automatisch erst einmal in die Verlustzone rutschen. Man stelle sich beispielsweise nur einmal vor, dass bei einem Devisengeschäft die Spanne zwischen An-und Verkaufskurs etwa 0,05 Prozent des gehandelten Volumens<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn1">[i]</a>  beträgt, eine Differenz, wie sie bei einem größeren Devisengeschäft mit Leichtigkeit anfallen kann. Und alleine dieser Nachteil würde bei einem Volumen von 10 Mio. EUR im einfachen Kassa-Handel  bereits einen Betrag von 5.000 EUR ausmachen. Ganz zu schweigen von etwaigen Kommissionen – in anderen Anlageklassen wie etwa Aktien werden dafür schnell bis zu 1 Prozent der gehandelten Gesamtsumme in Rechnung gestellt.</p>
<p>Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber befinden, ob die Deutsche Bank in dem vor dem BGH verhandelten Fall oder andere Kreditinstitute in den weiteren anhängigen Verfahren ihre Kunden ausreichend aufgeklärt haben. Oder ob mancher Kunde – auch aufgrund mangelnder Sachkenntnis – überhaupt solche Transaktionen hätte tätigen dürfen. Verwundert hat mich allerdings, dass sowohl der BGH als auch die Kommentatoren in den Medien von einem Interessenskonflikt der Bank und ihrer Angestellten sprechen. Als ob es nicht längst – und beileibe nicht erst nach der Finanzkrise –  bekannt wäre, dass sich Bankberater aufgrund der gängigen Anreizsysteme  in einem permanenten Konflikt befinden, weil sie sich entscheiden müssen, ob sie nun zum Besten des Kunden oder im Sinne ihrer eigenen Performance bzw. ihrer Arbeitsplatzsicherheit beraten sollen. Ein Zwiespalt, der sich auch durch eigens geschaffene Beratungsgebühren für Vermögensberater nicht beseitigen, sondern bestenfalls abfedern lässt.</p>
<p>Mehr noch wird das BGH-Urteil zur Folge haben, dass sich die ohnehin vorhandene Neigung vieler  Bankkunden, Gewinne als eigene Leistung anzusehen, für Verluste hingegen andere moralisch und künftig vielleicht auch pekuniär in Haftung zu nehmen, noch verstärken wird<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn2">[ii]</a>. Auch wenn mit dem Urteil bezweckt werden sollte, dass künftig weniger intransparente, schwer durchschaubare und manchmal schlichtweg überflüssige Finanzprodukte auf dem Markt angeboten werden, fällt mir auf: Trotz Finanzkrise, trotz Lehman-Pleite, trotz Madoff-Skandal sind viele Anleger schon wieder ziemlich risikofreudig unterwegs. Vielleicht auch aufgrund eines Anlagenotstandes drängen sie ihre Vermögensberater förmlich dazu („Warum haben Sie nicht ein so tolles Produkt wie der Kollege von der Konkurrenz?), ihnen  Anlagemöglichkeiten mit einer Verzinsung weit über der der Bundesanleihen zu offerieren. Hat man also nichts gelernt? Vielleicht doch! Denn Marktrisiken lassen sich doch viel leichter ertragen, wenn man weiß, dass Verantwortung und Verluste im Zweifel auf die Schultern Anderer abgewälzt werden können.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref1">[i]</a> Das entspricht derzeit bei EUR/USD 0,0007 USD</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref2">[ii]</a> Vgl. Locus-of-Control-Prinzip, nachdem sich Menschen gerne als Urheber von Erfolgen sehen, während sie bei Verlusten versuchen, für die verloren gegangene Kontrolle Dritte verantwortlich zu machen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bgh-urteil-sturz-von-der-leiter/">BGH-Urteil: Sturz von der Leiter</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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