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	<title>Kontrolldefizit Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren…</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2020 04:55:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mehr als 22 Millionen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in vier Wochen – das klingt dramatisch und ist vor allem schlimm für die Betroffenen. Und wenn Kommentatoren daraus auf eine Arbeitslosenquote von 17 Prozent in den USA schließen, mag einem das eine Vorstellung geben, wie beängstigend derzeit die ökonomische Lage ist. Aber tatsächlich scheint es kaum jemanden mehr zu interessieren, ob diese Daten jetzt besser oder schlechter als von...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0870)</strong>             Mehr als 22 Millionen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe in vier Wochen – das klingt dramatisch und ist vor allem schlimm für die Betroffenen. Und wenn Kommentatoren daraus auf eine Arbeitslosenquote von 17 Prozent in den USA schließen, mag einem das eine Vorstellung geben, wie beängstigend derzeit die ökonomische Lage ist. Aber tatsächlich scheint es kaum jemanden mehr zu interessieren, ob diese Daten jetzt besser oder schlechter als von den Ökonomen erwartet ausgefallen sind.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-11875" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/04/17042020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/04/17042020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/04/17042020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… der Schlüssel sind</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Im Grunde haben diese Prognosen genau genommen ohnehin nur den Wert eines psychologischen Ankers. Aber soll man allein auf der Basis dessen, ob Prognosebänder und Median-Schätzungen im Guten oder im Schlechten verfehlt wurden, Finanzmarktentscheidungen treffen und womöglich gestern oder vorgestern in großem Stil Aktien verkaufen? Als ob der wesentliche Unterschied bei einer Differenz zwischen 5 oder 6 Millionen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in einer Woche darin bestünde, ob dieses Datum besser oder schlechter als von Experten erwartet ausgefallen ist. Den Unterschied kennen allenfalls die Millionen Menschen, die es betrifft.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ein Kommentator brachte es gestern auf dem Punkt, indem er erklärte, es sei ebenso rational wie irrational, die schwachen ökonomischen Daten, die bereits publiziert sind oder uns noch kurzfristig erwarten, einfach links liegen zu lassen. Weil doch jeder – stark vereinfacht ausgedrückt – schon im Voraus wisse, dass die Arbeitslosigkeit global steigen und die Einzelhandelsumsätze deutlich fallen werden.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Eine Welt voller Kontrolldefizite</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass wir hinsichtlich ökonomischer Daten in einer Welt von Kontrolldefiziten leben müssen. Weil die ökonomischen Entwicklungen in erster Linie von der weiteren Entwicklung der COVID19-Pandemie abhängen werden, ist es zwar verständlich, wenn Ökonomen oder auch Kommentatoren diesbezüglich Prognoseversuche unternehmen. So mag in manchen Ökonomen auch gleichzeitig ein Virologe stecken. Obwohl die meisten Finanzmarktteilnehmer wissen, dass derartige Bemühungen ziemlich sinnlos sind, erwarten viele von ihnen, dass die Experten dennoch Prognosen stellen. Gar nicht einmal aus dem Motiv heraus, direkt Finanzmarktentscheidungen treffen zu wollen, sondern um das menschliche Kontrollbedürfnis, verursacht durch die derzeitige große Unsicherheit, mit Hilfe möglichst vieler Informationen zu befriedigen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… und ein Modell mit Grenzen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ob es die Modelle besser können? Ich habe mich in den vergangenen Wochen gar nicht mehr getraut, das in normalen Zeiten viel beachtete Prognosemodell der Fed von Atlanta, GDPNow, zu erwähnen. Dieses Modell macht ja eigentlich nichts anderes, als eine Prognose aus bereits publizierten Daten zu erstellen. Und in „normalen“ Zeiten ist das Modell darin gar nicht schlecht. Aber mit Recht weisen die Autoren auf ihrer Homepage in roten Lettern darauf hin, dass das Modell nur diese Daten verarbeiten kann. Aber natürlich keinesfalls die weiteren Einflüsse des COVID-19-Virus auf das Bruttoinlandsprodukt jenseits der bekannten Daten und bereits veröffentlichter ökonomischer Reports prognostizieren kann. </span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wie sehr dieses Modell der tatsächlichen Situation hinterherhinkt, zeigt sich an der Entwicklung der Wachstumsprognose: Noch am 20. März ist das Modell von einem annualisierten saisonbereinigten Wachstum von 3,3 Prozent für die USA ausgegangen. Bis gestern hat es hingegen – auch bedingt durch den Einfluss oben genannter Daten – seine Vorhersage deutlich nach unten revidiert und zeigt nun immerhin eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts für das erste Quartal von -0,3 Prozent an.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Weitgehend unabhängig von den ökonomischen Daten hat sich der Dollar auch gestern weiter befestigt und den Euro im gleichen Zuge nach unten geschoben. Auch wenn sich manch einer schwertun sollte, diese Entwicklung aufgrund der gestrigen Datenlage zu begründen, bleibt doch die wichtigste Information, dass sich die Gemeinschaftswährung im kurzfristigen Abwärtstrend befindet. Dieser reicht zunächst bis 1,0675 und bleibt intakt, solange <strong>1,1000/05</strong> nicht mehr überwunden wird.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Von Kontrollverlust und Panik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Mar 2020 05:52:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Fed]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es liegt in der Natur des Menschen und somit auch der Anleger und Investoren, die Zukunft, und sei es auch nur die materielle, irgendwie beherrschen zu wollen. Dieses sogenannte Kontrollbedürfnis ist bei den einen stärker, bei den anderen etwas schwächer ausgeprägt. In diesem Zusammenhang spielt unter verhaltensorientierten Gesichtspunkten unter anderem die Kompetenz des Akteurs eine große Rolle. Sie entscheidet darüber, wie groß das individuelle Bedürfnis nach Kontrolle ausfällt. Ein Anleger oder Investor, der seit einigen...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1125)</strong>             Obwohl die Kurse an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks mal 10 Prozent runter, mal 10 Prozent rauf gehen – und das innerhalb weniger Tage, glauben manche Marktteilnehmer immer noch, dass es sich um keine Panik gehandelt habe. Wohl dem, der angesichts dieser rasanten Achterbahnfahrt keine Schwindelanfälle bekommen hat. Kurzum: Die Märkte scheinen während der vergangenen Tage außer Kontrolle geraten zu sein. Und wir lernen gerade wieder einmal, dass es Situationen an der Börse wie auch im Leben gibt, die sich menschlicher Kontrolle entziehen. Gerade die jüngsten dramatischen Entwicklungen bei der Korona-Krise lehren uns, dass Sicherheit eine Illusion ist. Und wenn Menschen dies realisieren, reagieren sie oftmals geschockt.<img decoding="async" class="alignright wp-image-11740" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/16032020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/16032020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/16032020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Kompetenz bestimmt Kontrollbedürfnis</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es liegt in der Natur des Menschen und somit auch der Anleger und Investoren, die Zukunft, und sei es auch nur die materielle, irgendwie beherrschen zu wollen. Dieses sogenannte Kontrollbedürfnis ist bei den einen stärker, bei den anderen etwas schwächer ausgeprägt. In diesem Zusammenhang spielt unter verhaltensorientierten Gesichtspunkten unter anderem die Kompetenz des Akteurs eine große Rolle. Sie entscheidet darüber, wie groß das individuelle Bedürfnis nach Kontrolle ausfällt. Ein Anleger oder Investor, der seit einigen Jahrzehnten mit DAX-Werten handelt, wird sicherlich weniger nervös jeder neuen Information hinterherjagen als ein Anfänger. Er vertraut auf seine Erfahrung. Allerdings läuft er Gefahr, diese zu überschätzen. Und wenn sich bei ihm auch noch reihenweise profitable Erfolge einstellen, besteht nicht nur die Gefahr eines zu starken Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten (Overconfidence), sondern im Extremfall die Einbildung, alles sicher im Griff zu haben (Kontrollillusion).</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Von der Sorglosigkeit zum Kontrollverlust</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun kann die rund elf Jahre währende Börsenhausse, die wohl am 19. Februar ihren Höhepunkt erreicht hatte, fast schon als Spiegelbild einer erlernten Sorglosigkeit betrachtet werden. Eine Sorglosigkeit, aus der binnen drei Wochen eine gewisse Hilflosigkeit geworden ist. Spätestens als deutlich wurde, dass wir es an den Aktienmärkten mit mehr als einer gesunden Korrektur des Aufwärtstrends zu tun bekommen haben, meldete sich das Bedürfnis nach Kontrolle wieder. Weil die Bezugspunkte von tief und hoch verloren gegangen waren. Referenzpunkte, die wir uns von den Experten erhoffen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber die Prognosen selbst derjenigen, die schon immer alles gewusst und vorhergesehen hatten, haben nicht geholfen, dieses Kontrollbedürfnis zu stillen. Und gerade wenn Menschen zunächst meinen, eine Situation beeinflussen oder gar beherrschen zu können, später jedoch durch die Realität eines Besseren belehrt werden, sprechen die Psychologen von einem Kontrollverlust. Und spätestens, wenn dieser ansteckend ist, spricht man an den Finanzmärkten von einer Panik.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Nicht überall herrscht Panik</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Im Gegensatz zu den großen Börsenkrisen der Jahre 1929 und 2008, mit denen die Situation von heute gerne verglichen wird, ist der jetzige Kontrollverlust nicht primär an den Finanzmärkten selbst entstanden. Vielmehr stand am Anfang die Corona-Epidemie, die sich nunmehr zur Pandemie ausgeweitet hat. Interessanterweise gab es auch in der Bevölkerung sicherlich Kontrolldefizite und manchmal auch phasenweise Kontrollverluste. Aber bislang keine echte Panik.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Stattdessen herrscht immer noch relative Besonnenheit. Weil man versucht, etwaige Kontrolldefizite dadurch zu reduzieren, dass man sich Informationen besorgt oder sich an jemanden wendet, der zum Beispiel etwas von Viren versteht. Und dann werden auch staatlicherseits Maßnahmen ergriffen, die letztlich den Eindruck vermitteln sollen, dass man die Gefahr, die von Covid-19 ausgeht, irgendwie in den Griff bekommen oder zumindest in ihrer Wirkung verlangsamen wird. Selbst wenn dafür die Bewegungsfreiheit der Menschen und der Alltag massiv beschränkt werden müssen. </span></p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Schickt die Märkte in Urlaub!</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Gestern hörte ich irgendwo im Radio sinngemäß den Satz: „Wir schicken die Wirtschaft eine Zeit lang in Urlaub“. Könnte man dies nicht auch für die Aktienmärkte sagen, an denen gleich zweierlei Kontrolldefizite zu bewältigen sind? Zum einen die unsichere Zukunft für unsere Gesundheit und zum zweiten auch noch die ökonomische Zukunft der Anleger und Investoren. Auch wenn sich für manch einen eine solche Ruhepause fürchterlich anfühlen mag, weil man für gewisse Zeit womöglich nicht mehr aus seinen Engagements heraus kann. Aber die Vorteile einer Zwangspause wären nicht zu vernachlässigen. Vor allem wenn die führenden Nationen dieser Welt mitmachen. Abgesehen davon, dass wir durch unsere menschliche Fähigkeit, uns ziemlich schnell an neue Situationen anzupassen (Gewöhnung), Zeit gewännen, um unsere Bezugspunkte (was ist hoch – was ist tief?) neu zu kalibrieren, würden im gleichen Zuge Kontrolldefizite und -verluste von heute verringert werden können.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Fed-Bazooka gegen Kontrollverlust</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun hat die US-Notenbank gestern Abend erneut außerplanmäßig (zwei Tage vor dem Ende der regulären Sitzung am Mittwoch) den Zielkorridor für die Fed Funds gesenkt, und zwar auf 0 bis 0,25 Prozent, also drastisch um einen Prozentpunkt. Darüber hinaus wurde unter anderem ein Anleihekaufprogramm (QE) in Höhe von 700 Mrd. USD verkündet und die Mindestreservesätze auf Null gesenkt. Obgleich es sich um das größte Programm handelt, das jemals an einem Tag von der Fed verabschiedet wurde, reagierten die US-Aktien-Futures mit deutlichen Abschlägen. Der Euro bleibt unterdessen in seinem kurzfristigen Aufwärtstrend, solange er sich oberhalb von <strong>1,1050</strong> bewegt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong> </strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Von der Lüge zur Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2015 16:45:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollbedürfnis]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrolldefizit]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorien]]></category>
		<category><![CDATA[Webersches Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die Hilfesuchenden so lange, bis sie gefunden haben, was ihnen passt, aber nicht helfen muss.</p>
<p>Das gilt leider auch für kaum zu verstehende Ereignisse wie die Anschläge des 11. September 2001. Oder die Finanzkrise, die im Jahr 2008 implodierte und geldpolitische Programme der Zentralbanken zur Folge hatte, mit deren Konsequenzen sich die Forscher rund um den Globus immer noch auseinandersetzen müssen. Man braucht selbst in der Gegenwart nicht lange zu suchen, um etwa im Internet nach Erklärungen für das Verschwinden von Flugzeugen oder den Schuldigen für die für viele Menschen als bedrohlich, weil nicht kontrollierbar, empfundene Flüchtlingskrise zu finden. Und manchmal sind diese Erklärungen abenteuerlich.</p>
<p>Es ist aber auch kein Wunder, dass die Menschen in dieser enormen Vielfalt von Informationen nur diejenigen wahrnehmen, die sich vom allgemeinen Grundrauschen abheben. Und das Niveau dieses Grundrauschens wird vom sogenannten Mainstream der Tagespresse bestimmt: Informationen, die niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken und im schlimmsten Fall sogar als Lügenpresse tituliert werden.</p>
<p>Ob wir tatsächlich belogen werden?</p>
<p>Ich weiß es nicht, und darum geht es mir an dieser Stelle auch gar nicht. Aber wer wahrgenommen werden will, muss sich im Sinne des Weberschen Gesetzes vom Grundrauschen abheben<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Und das geschieht vor allem fast nur ex negativo. Informationen sind dann interessant, wenn sie ohnehin Schlimmes ins Extreme steigern. Und diese Tendenz hat sich während der vergangenen Jahre durch das Internet drastisch verstärkt. Eigentlich müssten die vermutlich über 300 Millionen Blogger-Auftritte durch den damit ausgelösten Informationswettbewerb für eine immer bessere Qualität an Informationen sorgen. Während dies für die traditionellen Medien gelten mag, scheint die Idee, durch Wettbewerb ein Mehr an Qualität zu bekommen, im Cyberspace nicht zu gelten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ausgezeichnetes Chance/Risiko-Verhältnis für Sensationen</strong></p>
<p>Das mag vermutlich damit zusammenhängen, dass etwa Blogbeiträge durch ihre geringen Kosten eine relativ niedrige Eintrittshürde in die Nachrichten-Welt überwinden müssen. Aber selbst der ernsthafteste Blogger wird nur dann bekannt, wenn er sich vom Rest der Mitbewerber abhebt. Und das Risiko, für eine überspitzt dargestellte Nachricht, bestraft zu werden, ist im Vergleich zur Belohnung, möglicherweise Guru-Status zu erlangen, gering. Eine Nachricht muss nicht in erster Linie akkurat dargestellt werden. Vielmehr generiert sie nur Follower und „Likes“ und vielleicht sogar ein wenig Geld, wenn sie sensationell aussieht. So stellten etwa Wissenschaftler der INSEAD Business School fest, dass Wettbewerb unter den Bloggern generell zu einem übertrieben negativen Unterton in den Beiträgen führten ohne dass sich dadurch die Qualität der Information – in der Studie ging es um Finanzanalysten – wesentlich verbessert hätte<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>.</p>
<p>Am Ende werden Nachrichten, vorzugsweise Negatives, Unglücksfälle, Betrügereien oder schwerwiegende Vergehen nur wahrgenommen, wenn sie das bisher Bekannte noch einmal toppen. Ein möglicher Verlust, der sich aus dem VW-Abgasskandal ergeben könnte, ist längst nicht mehr interessant, wenn er, wie kolportiert, nur Geldstrafen in Höhe von bis zu 18 Milliarden US-Dollar nach sich zieht, sondern das Unternehmen als Ganzes bedrohen könnte. Selbst 50 Milliarden sind zu wenig für eine Sensation, und schon rechnet womöglich jemand einen Verlust von 100 Milliarden Euro für VW aus. Das wird dann wahrgenommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von der Sensation zur Verschwörung</strong></p>
<p>Sie wollen etwas Interessantes erzählen? Dann muss es schon etwas Extremes sein. Am besten etwas, das bisher nicht gesagt werden durfte. Ein Tabubruch. Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige und auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.</p>
<p>Am besten <em>eine Story, in der ein Ereignis oder eine Tätigkeit geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben werden, die selbst nur im Verborgenen tätig sind</em>.</p>
<p>So definiert zumindest der Harvard Professor für Rechtswissenschaften Cass A. Sunstein eine Verschwörungstheorie<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>. Und es ist Sunstein, der eine US-Studie zitiert, wonach 36 Prozent der Befragten zustimmten, dass Staatsbedienstete entweder an den Angriffen des 11. September 2001 auf das World Trade Center teilnahmen oder nichts unternahmen, um sie zu stoppen. Dabei handelt sich keineswegs nur um irgendwelche Spinner, die besonders anfällig für Verschwörungstheorien wären. Nein, es sind erstaunlich viele Menschen, die diesen manchmal extremen Ansichten – obwohl die ihnen zugrunde liegenden Informationen oft jeglicher Relevanz entbehren – Glauben schenken. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass diejenigen, die solche Theorien vertreten, zum Teil ganz ernsthafte Absichten verfolgen. Aber manchmal möchten ihre Urheber einfach nur Geld verdienen oder eben Guru-Status erlangen. Das größte Problem ist jedoch, dass einige Verschwörungstheorien sogar der Wahrheit entsprechen. Und andere wiederum nicht.</p>
<p>Es ist wohl dem Kontrollbedürfnis der Menschen geschuldet, dass viele von ihnen einfach nicht glauben möchten, dass bedeutende Ereignisse manchmal auch nur einfach durch Glück oder Pech oder einen dummen Zufall ausgelöst worden sind. Mit anderen Worten: Es muss für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben zu können oder den Zufall als gegeben hinnehmen zu müssen, kaum aus. Und es ist genau dieser Kontrollverlust, der häufig als bedrohlich empfunden wird, der das Entstehen von Verschwörungstheorien begünstigt. Aber im Wesentlichen erscheinen sie vielen Menschen plausibel, weil sie ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten. Oder weil derartige Geschichten gut ins eigene Weltbild passen. Und wenn dann auch noch Prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Und möglicherweise wird so die Lüge zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> je höher ein Grundreiz ist, desto stärker muss ein zusätzlicher Reiz nach diesem Gesetz ausfallen, damit er wahrgenommen wird</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Dong, Yi; Massa, Massimo und Zhang Hong (2014): <em>Guru Dreams and Competition: An Anatomy of the Economics of Blogs,</em> Working Paper, INSEAD Faculty &amp; Research</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Sunstein, Cass R. (2014): Conspiracy Theories and Other Dangerous Ideas, New York</p>
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		<title>Von der Kontrollillusion zum Kontrollverlust</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2014 19:42:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrolldefizit]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollillusion]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollverlust]]></category>
		<category><![CDATA[Runde Marken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nein, von einer Kontrollillusion der Börsianer kann man derzeitig nicht sprechen, da die meisten von ihnen hierzulande derzeit ohnehin nicht das Gefühl haben, die Lage am Aktienmarkt zu durchschauen oder im Griff zu haben. Da steigt der DAX auf ein neues Allzeithoch, um danach gleich wieder in die Knie zu gehen, aber dennoch nicht so [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-kontrollillusion-zum-kontrollverlust/">Von der Kontrollillusion zum Kontrollverlust</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, von einer Kontrollillusion der Börsianer kann man derzeitig nicht sprechen, da die meisten von ihnen hierzulande derzeit ohnehin nicht das Gefühl haben, die Lage am Aktienmarkt zu durchschauen oder im Griff zu haben. Da steigt der DAX auf ein neues Allzeithoch, um danach gleich wieder in die Knie zu gehen, aber dennoch nicht so stark, dass sich darüber jemand aufregen würde. Interessant wird es allenfalls, falls es das Börsenbarometer tatsächlich schaffen sollte, die 10.000er Marke doch noch in Kürze zu überqueren, weil es dann der letzte Skeptiker schwarz auf weiß hätte: Die Börse geht wirklich nach oben. Auch wenn es sich bei der 10.000 nur um eine runde, aber völlig dennoch überbewertete Zahl handelt.</p>
<p>Aber auch diejenigen, die den DAX bis dahin immer noch in einer breit angelegten Seitwärtsbewegung gewähnt haben mögen, und im Vertrauen auf diese Konsolidierung zwischen grob 9.100 und knapp 9.700 Zählern seit Jahresanfang erfolgreich unten gekauft und oben verkauft haben, könnten angesichts dieser kleinen Erfolgsserie und des Gefühls, den Puls der Märkte in diesem Jahr bislang besonders gut gefühlt zu haben, dann plötzlich das Gefühl bekommen, dass Ihnen die Kontrolle über dieses sicher geglaubte Szenario verloren zu gehen droht.</p>
<p>Vielleicht mag deswegen mein zweiter Beitrag zum Kontrollbedürfnis der Anleger, den ich heute in <em>Goldbergs Thema des Monats </em>für die WGZ Bank <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://news.wgzbank.de/go/6/ZGBV05E-ZG860X4-Y2PEENI-1G18OB.html">hier</a></strong></span> erstellt habe, gerade zum richtigen Zeitpunkt kommen. Denn es geht dieses Mal darum, wie aus einer Kontrollillusion (oft sehr spät) mit einem Mal Defizite oder gar ein kompletter Kontrollverlust entstehen können und welche Symptome diesen Übergang kennzeichnen.</p>
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		<title>Wiederkäuer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2013 07:56:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
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		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
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		<category><![CDATA[Kontrolldefizit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist es also raus, das Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank. Und wenn man etwa einer Überschrift der heutigen Ausgabe der Börsenzeitung folgen möchte, hat die Fed die Hoffnungen enttäuscht. Nein, damit sind nicht etwa heimliche Erwartungen an eine Verschiebung oder gar Aufgabe des Tapering-Programms gemeint. Vielmehr handelt es sich um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist es also raus, das Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank. Und wenn man etwa einer Überschrift der heutigen Ausgabe der Börsenzeitung folgen möchte, hat die Fed die Hoffnungen enttäuscht. Nein, damit sind nicht etwa heimliche Erwartungen an eine Verschiebung oder gar Aufgabe des Tapering-Programms gemeint.<span id="more-6420"></span> Vielmehr handelt es sich um die aus meiner Sicht völlig überzogene Hoffnungen, aus einem alten Protokoll neue Hinweise zur Geldpolitik zu bekommen. Aber wären derartige Erkenntnisse, sofern es sie gegeben hätte, angesichts der neuen Politik der Transparenz der Fed ohnehin nicht schon längst an die Öffentlichkeit gelangt? Wäre nicht der vielerorts als Sprachrohr der Fed betrachtete Journalist des Wall Street Journal, Jon Hilsenrath, längst aktiv geworden und hätte uns aufgeklärt? Wenn ich heute manchen Kommentar lese, bekomme ich den Eindruck, dass man allen Ernstes gedacht hat, die Teilnehmer der FOMC-Sitzung hätten bereits vor drei Wochen (!) gewusst, wie sich die ökonomischen Daten und Märkte bis gestern entwickeln würden. Allein, sie wollten es uns damals nur nicht verraten. Etwa damit sich das Sitzungsprotokoll spannender lesen würde?</p>
<p>Am jüngsten Protokoll zeigt sich indes: Die Notenbank weiß nicht mehr als der Rest der ökonomischen Experten-Welt und sie ist sich unsicher über die konjunkturelle Situation. Aber wir unterhalten uns ohnehin über längst gelegte Eier, käuen alte Informationen wieder. Und wenn die Finanzmärkte dennoch so volatil wie gestern im Anschluss an die Veröffentlichung des Protokolls geschehen reagieren, könnte dies auch zu dem Schluss führen, dass diese Entwicklungen im Grunde eigentlich gar nichts mehr mit dem möglichen Auslaufenlassen der Anleihekäufe zu tun haben. Denn längst haben sich etwa bei der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen und an den Emerging Markets eigenständige Trends ausgebildet, die auch andere Ursachen haben können. Dabei haben die bei dieser Gelegenheit auftauchenden Nachrichten – egal wie sie ausfallen – nur eine Funktion: Sie befeuern letztlich aufgrund der selektive Wahrnehmung der Akteure die bereits bestehenden Trends, die damit ganz leicht außer Kontrolle geraten können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Unkontrollierbare Trends</b></p>
<p>Vielleicht ist der derzeitige Aufwärtstrend der Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen nicht nur wie oft behauptet Spiegel gestiegener Wachstumserwartungen, sondern reflektiert auch ein Misstrauen gegenüber der Notenbankpolitik. Nicht zwingenderweise, weil Letztere schlechte Entscheidungen getroffen haben könnte. Vielmehr scheint sich bei vielen Marktteilnehmern ein wachsendes Kontrolldefizit bereit zu machen. Sie spüren unterschwellig, dass die Nachfrageseite an den Bondmärkten nicht mehr stabil ist. In diesem Zusammenhang ist es nicht gerade vertrauensbildend, wenn Mitglieder des FOMC laut Protokoll in Betracht zogen, den numerischen Schlüssel für den frühesten Zeitpunkt einer Wende bei den kurzfristigen Zinsen, nämlich eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent oder darunter, bei Bedarf nach unten setzen zu wollen.</p>
<p>Für noch hirnrissiger halte ich jedoch den Schluss, den manche Kommentatoren aus dem Sitzungsprotokoll der Fed ziehen, dass am Ende die volatilen Nonfarm Payrolls des Monats August dafür ausschlaggebend sein sollen, ob die Notenbank nun mit dem Tapering tatsächlich im September beginnt. Vielleicht könnte man ja auch, so las ich, das Reduktionsvolumen der Anleihekäufe, sozusagen als Kompromiss, auf 10 Milliarden Dollar senken. Ein Betrag also, der einmal mehr unter den jüngsten Konsensus-Schätzungen der Analysten (Reuters) von 15 Milliarden liegt.</p>
<p>Unterdessen haben wir trotz all dieser Unsicherheiten anhand der von der Börse Frankfurt erhobenen DAX-Stimmung versucht, neue Erkenntnisse für den deutschen Aktienmarkt zu bekommen. Diese habe ich <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+dax+handelsbandbreite+in+gefahr+55671">hier</a></span> dargelegt. Mein Mitstreiter Gianni Hirschmüller hat sich <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+dax+handelsbandbreite+in+gefahr+55671#reiter=detailanalyse">(hier)</a></span> auch dieses Mal um die Analysedetails gekümmert.</p>
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		<title>Zweifelhafter Geschichtsunterricht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 06:28:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrolldefizit]]></category>
		<category><![CDATA[Repräsentativitätsirrtum]]></category>
		<category><![CDATA[Spekulationsblase]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den vergangenen Wochen bin ich immer wieder gefragt worden, ob denn die Situation an den Börsen, insbesondere die Entwicklung des DAX, mit den Ereignissen des Jahres 2008 verglichen werden könnte. Wahrscheinlich weil der jüngste Kursverfall für viele Akteure nicht mehr erklärbar ist. Denn außer den Theorien, Wurstfinger, Computerprogramme oder gar ein Jérôme-Kerviel-Double hätten wieder [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen Wochen bin ich immer wieder gefragt worden, ob denn die Situation an den Börsen, insbesondere die Entwicklung des DAX, mit den Ereignissen des Jahres 2008 verglichen werden könnte. Wahrscheinlich weil der jüngste Kursverfall für viele Akteure nicht mehr erklärbar ist.<span id="more-2346"></span> Denn außer den Theorien, Wurstfinger, Computerprogramme oder gar ein Jérôme-Kerviel-Double hätten wieder einmal für fallende Aktienkurse gesorgt, ist nicht allzu viel zu vernehmen. Und so – das mag ein Symptom für Kontrolldefizite bei den Händlern sein – verfällt man immer wieder in historische Vergleiche.</p>
<p>So forderte mich neulich ein Journalist auf, ich solle doch einmal alle wichtigen Börsen- und Finanzkrisen aufzählen und dann einen Vergleich mit der jetzigen Situation ziehen. Also ging ich in Gedanken rückwärts. Ich fing mit der Internetblase der Jahrtausendwende an, die sich fast wie Kleinkram anfühlt im Vergleich zur momentanen Krise. Die Krise und das Scheitern des Hedgefonds von LTCM im Jahre 1998? Fast schon banal. Der Börsencrash im Jahre 1987? Peanuts! Ich kam schließlich im Jahr 1929 an, und das könnte tatsächlich als Ankerpunkt für die Krise von 2008 gelten. Dann wären wir jetzt, 2011, im Jahre 1932 und am tiefsten Kurs der damaligen Aktienkursentwicklung angelangt. Das war zu Zeiten der Großen Depression. Dann fiel mir noch die eine oder andere Panik ein. Fast hätte ich darüber das Jahr 1873, welches das Ende des Gründerbooms einläutete, vergessen. Auch damals waren die Finanzmärkte weltweit eingebrochen. Und dann erinnerte ich mich an einen Zeitungsartikel des Historikers Scott Reynolds Nelson, für den schon die deutsche Reichsgründung 1871 der Beginn einer Spekulationsblase war. Und zwar wegen der französischen Reparationszahlungen. Damals war die Vergabe von Hypothekenkrediten von staatlicher Seite gefördert worden, so dass ein Bauboom losgetreten wurde, der von dramatisch ansteigenden Grundstückspreisen begleitet war. Seinerzeit spielten die USA die Rolle, die heute China innehat. Und was damals technologische Errungenschaften wie das Fließband und große Dampfschiffe waren, durch die die Amerikaner in die Lage versetzt wurden, Fleisch und Getreide zu Niedrigpreisen auf dem Weltmarkt anzubieten, das sind heute die chinesischen Billigexporte von Kleidern und Spielzeug.</p>
<p>Auf den Boom folgte der Zusammenbruch und in den USA eine Bankenkrise. Eisenbahngesellschaften, die für ihre Finanzierung komplexe Instrumente kreiert hatten, traf es zuerst. Auch vor rund 140 Jahren verstand kaum jemand, wie diese Kredite tatsächlich besichert worden waren. Am Ende konnten auch staatliche Regulierungen nicht verhindern, dass die Weltwirtschaft in einen Zustand geriet, der von den Historikern einmal mit dem Namen &#8222;Long Depression&#8220; bezeichnet werden sollte.</p>
<p>Trotz dieser verblüffenden Parallelen sind solche Vergleiche fragwürdig. Ich erinnerte mich, wie ich damals (noch als Charttechniker) die Kurven von 1929 und 1987 unmittelbar vor dem jeweiligen Crash übereinanderlegte, weil ich hoffte, die Zukunft aus der Vergangenheit ableiten zu können. Später wusste ich: Alles kam ganz anders. Heute weiß ich, dass ich ganz einfach dem Repräsentativitätsirrtum unterlegen war: Oft erkennen wir nur schemenhaft eine Ähnlichkeit mit historischen Ereignissen und glauben sofort, alles müsse genau wie damals ablaufen. Das mag in der Gegenwart für eine scheinbare Prognosesicherheit sorgen und Schwarzmaler in ihren Schreckensszenarien bestätigen. Dennoch: Eine Antwort auf die heutigen Probleme bietet die Geschichte der Finanzmärkte nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
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