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	<title>Komplexitätsreduzierung Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Vertane Chance</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2020 15:27:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[abnehmende Sensitivität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Blick auf die vergangene Handelswoche kann man sagen, dass der Euro eine gute Chance vergeben hat, sich aus der anhaltenden Seitwärtsentwicklung während der letzten Zeit zu befreien. Zwar können wir für die Gemeinschaftswährung den höchsten Wochengewinn seit gut einem Monat verzeichnen. Aber dieser Zugewinn beträgt nur noch die Hälfte des rund 1,1prozentigen Aufwärtsimpulses, den der Euro zwischenzeitlich erreicht hatte. Ein Impuls, der einige Kommentatoren immerhin dazu veranlasst hatte...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1300)</strong>             Mit Blick auf die vergangene Handelswoche kann man sagen, dass der Euro eine gute Chance vergeben hat, sich aus der anhaltenden Seitwärtsentwicklung während der letzten Zeit zu befreien. Zwar können wir für die Gemeinschaftswährung den höchsten Wochengewinn seit gut einem Monat verzeichnen. Aber dieser Zugewinn beträgt nur noch die Hälfte des rund 1,1prozentigen Aufwärtsimpulses, den der Euro zwischenzeitlich erreicht hatte. Ein Impuls, der einige Kommentatoren immerhin dazu veranlasst hatte (ich berichtete darüber am vergangenen Freitag <strong><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2020/07/10/ist-der-euro-wirklich-bullish/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HIER</a></span></strong>), über einen baldigen Aufwärtstrend nachzudenken.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-12258" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/07/13072020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/07/13072020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/07/13072020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Risikofreude – aber eher in den USA</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Ein bisschen Euro-Stärke hat in der vergangenen Woche auf der anderen Seite spiegelbildlich auch ein wenig Dollarschwäche bedeutet. Im gleichen Zuge waren naturgemäß auch die Stimmen derjenigen Kommentatoren zu vernehmen, die diese leichte Dollarschwäche mit einer gestiegenen Risikofreude und verstärkten Hoffnung auf die Entwicklung von Covid-19-Medikamenten begründeten. Das mag für die US-Aktienmärkte gelten, die die abgelaufene Handelswoche mit einem leichten Plus beendeten – genauso wie der hiesige DAX. Für die Aktien der Eurozone insgesamt, gemessen am EURO STOXX 50, gilt dies allerdings nicht. Der Index befand sich bei Handelsschluss in etwa auf dem Niveau wie zum selben Zeitpunkt in der Vorwoche.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Zunehmend immun gegen Infektionsrekorde</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Indes: Die vergangene Woche hat einmal mehr gezeigt, dass die Aktienmärkte immer weniger auf neue Covid-19-Infektionsrekorde in Arizona, Texas, Kalifornien oder anderen US-Bundesstaaten reagieren. Dabei lässt sich beobachten, dass sich die Teilnehmer an den Finanzmärkten umso unbeeindruckter von den in den Online-Medien teilweise hochgespielten Rekordzahlen zeigten, je weiter entfernt sie sich von den Infektionsherden entfernt befanden.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Zudem wird nicht nur von Finanzmarktanalysten auf Studien verwiesen, wonach der Anteil der tödlich endenden Covid-19-Infektionen im Vergleich zur ersten Corona-Welle deutlich gesunken ist. Allerdings mag diese optimistische Sichtweise zu simpel sein. Denn es gibt auf der Skala zwischen einer symptomlosen und einer tödlich verlaufenden Covid-19-Infektion viele Ausprägungsmöglichkeiten. Ganz zu schweigen von den Spätfolgen einer Corona-Erkrankung, über die noch nicht allzu viel bekannt ist.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Mittelfristig immer noch pessimistisch</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Zwar mag zur Zeit der Optimismus bei den Akteuren an den Finanzmärkten immer mal wieder kurz aufflammen, zusätzlich befeuert durch positive Überraschungen beim Bekanntwerden neuer ökonomischer Daten, so gibt es trotzdem, vor allem unter den hiesigen mittelfristigen orientierten Investoren, noch genügend Pessimisten. Dies vermittelt etwa die Umfrage der Börse Frankfurt vom vergangenen Mittwoch, die ich <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/58afca88-314e-42af-b304-3a0be5184348" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HIER</a></strong></span> kommentiert hatte. In den USA zeigte jedoch die Sentiment-Erhebung der AAII (American Association of Individual Investors) per 8. Juli<a href="#_ftn1" name="_ftnref1"><span style="color: #000000;">[1</span>]</a> einen reduzierten Pessimismus als Spiegel verringerter bearisher Engagements.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Unterdessen hat der Euro am Freitag seinen Stabilitätspunkt bei <strong>1,1250</strong> an der Unterseite getestet – dieses Niveau muss gehalten werden, damit die Gemeinschaftswährung ihre kurzfristige Stabilität innerhalb der Seitwärtsentwicklung beibehalten kann.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><a href="#_ftnref1" name="_ftn1"><span style="color: #000000;">[1]</span></a><span style="color: #000000;"> Vgl. <a style="color: #000000;" href="https://www.aaii.com/sentimentsurvey">https://www.aaii.com/sentimentsurvey</a></span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kurzgeschnittene Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2016 08:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Komplexitätsreduzierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9327 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier.jpg 695w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um Rezepte für Weihnachtsplätzchen oder wohin man das nächste Mal in den Urlaub fahren könnte. Stattdessen erfuhr ich beim Haareschneiden, dass mein Gegenüber politisch viel besser informiert war, als ich es je vermutet hätte.</p>
<p>Sicherlich hätte man den Mord an einer Freiburger Studentin, mit einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling als mutmaßlichem Täter, auch noch als typisches Skandalthema abtun können, wie es gerne zwischen Waschen, Schneiden, Föhnen erörtert wird. „Wissen Sie, wir werden permanent schlecht und falsch informiert – Spiegel, Focus, alles Lügenpresse“, brach es jedoch plötzlich aus der Friseurin hervor. Auch bei den Terroranschlägen des 11. September 2001 sei die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt worden, „das waren doch die Amerikaner selber [die den Anschlag verübten]“, bedeutete sie mir. Woher sie denn diese brisanten Informationen habe, fragte ich vorsichtig. Konkret konnte sie mir das natürlich nicht sagen, aber immerhin seien doch das Internet und die sozialen Medien voll davon, erfuhr ich. Wenn so viele das sagen, muss doch etwas dran sein, erläuterte sie mir. Damit war klar, dass sie offensichtlich alles, was in der Presse zu erfahren ist, für manipuliert und gelogen hielt und daraus die Schlussfolgerung gezogen hatte, dass diejenigen, die diese (vermeintlichen) Lügen aufdeckten, im Besitze der Wahrheit sein müssten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ja, aber</strong></p>
<p>Ich wollte keinen Streit anfangen, zumal die Friseurin schon begonnen hatte, während sie das alles mit erregter Stimme vorbrachte, aufgeregt mit dem Kamm die Luft zu durchfurchen. Doch fühlte ich mich verpflichtet, der jungen Frau zu erklären, dass diejenigen, die andere der Lügen- oder Lücken-Presse bezichtigten, nicht notwendigerweise ehrlich sein müssten. Beinahe glaubte ich, Erfolg gehabt und mein Gegenüber überzeugt zu haben, denn sie hielt beim Haareschneiden inne und schien für einen Moment sehr konzentriert nachzudenken. Aber spätestens, als sie die Schere mit dem berühmten „Ja, aber“ am Haaransatz oberhalb meines Ohres wieder ansetzte, hätte mir klar sein müssen, dass ich genauso gut gegen eine Wand hätte reden können.</p>
<p>„Haben Sie sich schon einmal die Rückseite Ihres Personalausweises genauer angesehen? – Da kann man bei genauem Hinsehen den Teufel erblicken!“ Und zum Beweis zeigte sie mir ihren Personalausweis (in der alten Ausführung). Ich drehte die Karte hin und her, aber wollte absolut keinen Teufel erkennen. „Mit etwas Fantasie kann ich ein Fruchtbarkeitssymbol, vielleicht so etwas wie eine abstrakte Gebärmutter und einen Phallus oder so etwas Ähnliches erkennen. Aber den Gehörnten?“ „Sie sehen doch nur, was Sie sehen wollen!“ erwiderte meine charmante Friseurin. „Und Sie?“ – Schweigen. Ich gab auf, denn ich wusste, sie würde auch beim Betrachten einer Aufnahme  von den Wolkenkratzern des 11. Septembers in New York in den auf dem Foto befindlichen Wolken womöglich die Fratze des Bösen erkennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kontrollbedürfnis sucht einfache Erklärungen</strong></p>
<p>Es ist wohl dem menschlichen Bedürfnis nach Kontrolle geschuldet, dass es für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben muss. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, den sie erleben, wenn sie bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben können, kaum aus. Und Erklärungen, die plausibel scheinen, weil sie auch noch ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten oder besonders gut ins eigene Weltbild passen, sind besonders beliebt.  Anders ausgedrückt: Wer solche Erklärungen anbieten kann, gilt automatisch als glaubwürdig und ehrlich, weil er im Besitz des Mittels gegen einen als bedrohlich empfundenen Kontrollverlust ist. Kein Wunder, wenn neben diesen Erklärungen auch alle anderen Informationen ungeprüft als Wahrheit akzeptiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…, die nicht richtig sein müssen </strong></p>
<p>Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man ohnehin, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige, auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen gegenüber anderen bevorzugt wahrgenommen werden. Am besten kommt eine Geschichte an, in der ein Ereignis oder eine Aktion geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben wird, die selbst nur im Verborgenen tätig sind, also mithin Verschwörungstheorien. Und wenn dann auch noch prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Möglicherweise werden somit Lügen zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>Nicht dass jene anerkannten Autoritäten, zu denen naturgemäß auch die Politiker zählen, in der Vergangenheit nie gelogen oder Geschichten erfunden hätten. Das dramatische Wesen der heutigen sogenannten Post-Fact-Welt liegt darin, dass – und gerade das Beispiel Donald Trump zeigt uns dies besonders gut – Lügen plötzlich egal und wenn auch nicht legal, so doch zumindest legitim zu sein scheinen. Und kommen sie aus der Politik, bleiben sie sogar ungeahndet. Im Gegenteil: Wer besonders dreist lügt, bekommt besonders viel Zuspruch. Eine Dreistigkeit, die nur deswegen möglich ist, weil sie eben auf einfach und schnell begreifbare Erklärungen rekurriert. Möglicherweise nicht einmal, weil die Menschen jemand gesucht haben, der ihnen eine bessere Zukunft verspricht. Es ist ausgerechnet die Transparenz des Internets, die zu einer solch horrend großen Menge an Information geführt hat, dass wir dieser aufgrund unserer begrenzten menschlichen Aufnahmekapazitäten nicht mehr Herr werden können.</p>
<p>Auf der Suche nach Transparenz und Wahrheit ist es zu einem Information-Overkill, einem Gemisch von Wahrheiten und Lüge und einem Kontrollverlust gekommen, der eben zu einer selektiven Wahrnehmung des Einfachen, leicht Erklärbaren führt. Verbunden mit dem Nachteil, dass diese Vereinfachungen und Komplexitätsreduzierungen dennoch nicht zur Wahrheit führen müssen. Informationen, mit denen meine Friseurin und ich demnächst wählen gehen. Gut möglich, dass wir uns beide so oder so für das Falsche entscheiden.</p>
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		<title>Manche mögen’s einfach</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jan 2013 08:55:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin fast schon ein bisschen erleichtert gewesen, dass sich gestern kein Fed-Mitglied zu Wort gemeldet hat, um den Marktteilnehmern mitzuteilen, wie tief die Arbeitslosenquote in den USA fallen müsse, um die quantitativen Lockerungsmaßnahmen zu stoppen. Tatsächlich sind die Meinungen darüber zuletzt deutlich auseinandergegangen. Ohne jetzt einen Unterschied zwischen stimmberechtigten und nicht stimmberechtigten Mitgliedern des [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin fast schon ein bisschen erleichtert gewesen, dass sich gestern kein Fed-Mitglied zu Wort gemeldet hat, um den Marktteilnehmern mitzuteilen, wie tief die Arbeitslosenquote in den USA fallen müsse, um die quantitativen Lockerungsmaßnahmen zu stoppen. <span id="more-5663"></span>Tatsächlich sind die Meinungen darüber zuletzt deutlich auseinandergegangen. Ohne jetzt einen Unterschied zwischen stimmberechtigten und nicht stimmberechtigten Mitgliedern des Offenmarktausschusses machen zu wollen, scheint sich eine Zielzone zwischen 7,25 und 6,5 Prozent etabliert zu haben. Dass eine QE-Entscheidung an einem einzigen ökonomischen Indikator festgemacht werden soll, habe ich an dieser Stelle schon häufiger kritisiert. Aber nicht wenige Finanzmarktteilnehmer mögen es eben einfach und sind womöglich sogar froh, dass man sich in Zukunft für die Markteinschätzung eigentlich nur noch einmal im Monat, bei der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts, richtig konzentrieren und darüber urteilen muss, ob die jeweils publizierte Arbeitslosenquote samt Nonfarm Payrolls für den Markt eine Überraschung darstellt oder nicht. Mein Mitstreiter Herman Brodie brachte es in diesem Zusammenhang unlängst auf den Punkt, es widerspräche seiner Intuition, dass sich die Akteure immer nur Gedanken darüber machten, wann geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank im Erfolgsfall beendet würden. Was geschähe denn, wenn die Arbeitslosenquote in den USA gar nicht erst auf 7,25 Prozent oder tiefer fallen würde? Setzt man dann ein offenbar wirkungsloses Lockerungsprogramm ad infinitum fort? Niemand bei der Fed würde sich (zumindest offiziell) Gedanken darüber machen, wann denn die quantitativen Lockerungsmaßnahmen im Falle ihrer Wirkungslosigkeit, eingestellt werden sollten. Ganz zu schweigen davon, dass für diesen Fall ein Alternativplan in der Schublade der Notenbanker liegen müsste.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Seltsame Studie</b></p>
<p>Aufhorchen lassen hat mich auch eine Studie von Morgan Stanley, die gestern in der Online-Ausgabe des britischen Telegraph zitiert wurde. In jener will man nämlich herausgefunden haben, dass der faire Wechselkurs des Euro in Deutschland bei 1,53 USD, in Holland bei 1,23, in Italien bei 1,19 und in Griechenland bei 1,06 USD läge. Leider bin ich immer noch auf der Suche nach dem Erkenntniswert dieser Studie – gibt es da etwa Arbitragemöglichkeiten, um die jeweiligen theoretischen Kursdifferenzen auszunutzen?</p>
<p>Wer sich mit all diesen Dingen nicht auseinandersetzen möchte, aber trotzdem mit Aktien zu tun hat, mag sich die jüngste DAX-Stimmungserhebung zu Gemüte führen, die ich <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+fallender+optimismus+ohne+verkaeufe+45795">für die Börse Frankfurt</a> hier erstellt habe. Um die Detailanalyse hat sich dieses Mal Gianni Hirschmüller (<a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+fallender+optimismus+ohne+verkaeufe+45795">siehe entsprechender Reiter</a> auf derselben Seite) gekümmert.</p>
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		<title>Abschalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 06:59:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts <span id="more-2751"></span>des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten möglichst einfach für den Endverbraucher portioniert und komplexitätsarm dargestellt.</p>
<p>Und da saßen sie nun, ein paar bekannte Politiker, von denen ich in solchen Talkrunden ohnehin nicht viel erwarte. Auf der anderen Seite aber waren die Experten, die offenbar versuchten, den komplexen Sachverhalt der Krise mit einfachen Worten zu erklären. Dass dergleichen mitunter ein schwieriges Unterfangen sein kann, haben bereits vor 40 Jahren Experimente zur Informations­verarbeitung gezeigt. Etwa zum Gebrauch von so genannten Heuristiken (Faustregeln), die den großen Vorteil bieten, Komplexität zu reduzieren und Zeit zu sparen. Allerdings zu Lasten der Genauigkeit bei den Ergebnissen.</p>
<p>Dieser Neigung zur Vereinfachung, damit das Volk auch wirklich den Ernst der Lage versteht, ist auch ein in der Show auftretender Finanzmarktexperte zum Opfer gefallen. Aber dieser musste natürlich am Ende auch seinem Namen voll und ganz gerecht werden und dem Zuschauer verraten, was man nun mit seinem Geld in den Zeiten der Krise anstellen solle. Und das, nachdem der Experte ausführlich über die Katastrophe und den Reset referiert hatte. Was blieb da noch an realen Sachwerten übrig? Gold? Na klar, aber das hat sowieso jeder. Vielleicht auch Silber? Oder gar Aktien? Da erhält man im Gegenzug etwas Reales, erfuhr ich. Nämlich einen Anteil an einem Unternehmen. Mit allem Drum und Dran. Und damit das Investment zum sicheren Erfolg führt, wird der interessierte Zuschauer belehrt, kann man sich gerade in unsicheren Zeiten gegen Kursrückschläge sogar absichern. Solche Instrumente, Optionen, die man auch als Versicherungen bezeichnen kann, kosten natürlich Geld. Prämien, die gerade bei der heutigen Volatilität möglicherweise Dividendenerträge und Kursgewinne mehr als aufzehren können. Aber viel mehr als das, trieb mich die Frage um, wer bei einem Untergang des Finanzsystems – das wäre doch der Worst Case – eine solche Versicherung noch bedienen könnte.</p>
<p>Aber der Finanzmarktexperte war nicht der einzige, der bei mir Fragen offen ließ. Etwa der Verbraucherschützer, der offensichtlich etwas gegen Aktien hatte. Der riet nämlich dem möglicherweise verschuldeten Konsumenten, zuerst seine Schulden schnell abzutragen. Das macht Sinn, wenn die Zinsen des Kredits tatsächlich hoch sind. Wenn dann noch Geld übrig bliebe, so der Experte, könne man an ein Sparbuch oder (angesichts der niedrigen Zinsen) an ein noch attraktiveres Festgeld denken. Da wurde mir sogleich die massive Differenz zwischen den derzeitigen Soll- und Habenzinsen vor Augen geführt. Aber über die regte sich zumindest in der Runde niemand auf. Ist ja auch keine Spekulation. Und wenn dann immer noch Geld übrig bliebe, solle man sich eine Immobilie zulegen, vernahm ich. Erst dann dürfe man an Aktien denken, womit mir mit einem Schlag klar wurde, warum Aktienengagements in Deutschland immer noch nur wenigen vorbehalten bleiben.</p>
<p>Fast hätte ich den Wirtschaftsprofessor aus Österreich vergessen. Der empörte sich nicht nur über den Zinseszins als Quelle allen Krisenübels. Nein, so lautete seine Forderung, man müsse Geld (das ohnehin alle 70-80 Jahre kaputt ginge) ganz abschaffen und zum Naturaltausch zurückkehren. Das sei doch nur fair. Und ich fragte mich, warum man sich vor mehr als 2000 Jahren überhaupt die Mühe gemacht hatte, Geld als fungibelstes aller Tauschmittel einzuführen. Vielleicht weil man offenbar nicht ohne weiteres sagen konnte, wie viele Äpfel eine Birne wert waren?</p>
<p>Am meisten regte mich aber auf, dass niemand in der ganzen Talkrunde imstande war, diesen teils haarsträubenden Geschichten argumentativ ein Ende zu machen. So blieb mir selbst nur mein eigenes endgültiges Argument übrig: Abschalten.</p>
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