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	<title>Investmentbanking Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Keine Spur von Kulturwandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2015 05:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich in der vergangenen Woche in einem Vorbericht zum G7-Treffen im Handelsblatt las[1], dass ein neuartiger Verhaltenskodex für Banker diskutiert würde, der die Finanzmärkte krisensicherer machen soll, musste ich innerlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es klar, dass gegenseitiges Vertrauen und ein „integres Verhalten“ der Marktteilnehmer die Grundlage für ein funktionierendes Finanzsystem bilden. Aber [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich in der vergangenen Woche in einem Vorbericht zum G7-Treffen im Handelsblatt las<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, dass ein neuartiger Verhaltenskodex für Banker diskutiert würde, der die Finanzmärkte krisensicherer machen soll, musste ich innerlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es klar, dass gegenseitiges Vertrauen und ein „integres Verhalten“ der Marktteilnehmer die Grundlage für ein funktionierendes Finanzsystem bilden. Aber ich bin sicherlich nicht der Einzige, der Zweifel hegt, was die Integrität der Akteure an den Finanzmärkten betrifft. Insbesondere seit ständig der so genannte Kulturwandel in der Finanzbranche proklamiert wird. Ich habe mich vor zwei Jahren schon einmal zu diesem Thema <strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/fragwuerdiger-kulturwandel/">HIER</a></u></strong> geäußert. Damals weckte die New Yorker Anwaltskanzlei Labaton Sucharow meine Aufmerksamkeit, die eine Umfrage in Auftrag gegeben hatte, bei der 250 Angestellte aus der Finanzbranche die Geschäftsmoral ihrer Wettbewerber beurteilen sollten. Das war fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise.</p>
<p>Zufall oder Fügung, dass ausgerechnet an demselben Tag, als ich den Bericht über den Verhaltenskodex las, mir ein Freund eine brandneue Studie<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> als E-Mail zusandte, an der ausgerechnet wieder Labaton Sucharow beteiligt war? Im Vergleich zu 2012 wurden dieses Mal sogar 1200 Berufstätige aus der Finanzindustrie der USA und Großbritannien befragt. Mich interessierte natürlich vor allem die Frage, ob sich nach all den Diskussionen und Bemühungen um eine ethisch verbesserte Investment-Bankenwelt etwas zum Positiven verändert hatte. Zumal seitdem wichtige Reformen eingeleitet und milliardenschwere Strafen verhängt worden sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie würden es wieder tun</strong></p>
<p>Die Ergebnisse sind schockierend. Trotz diverser Ethikseminare, die manches Kreditinstitut vor einigen Jahren seinen Angestellten verordnet hatte, um die schlimmsten Auswüchse der Gier zu bekämpfen. Demnach hält es immer noch rund die Hälfte der Befragten für wahrscheinlich, dass ihre Mitbewerber unethisch oder illegal handeln würden, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Mehr als ein Drittel derjenigen, die 500.000 US-Dollar oder mehr im Jahr verdienten, wurden nach dieser Umfrage Zeuge von Fehlverhalten am Arbeitsplatz oder hatten solches Wissen darüber aus erster Hand. 23 Prozent der Befragten – das sind fast doppelt so viele wie im Jahre 2012 – glauben, dass Kollegen im eigenen Unternehmen in unrechtmäßige oder unethische Aktivitäten verwickelt gewesen seien, um sich einen Vorteil zu verschaffen.</p>
<p>Auch waren 25 Prozent der Befragten bereit, für einen Betrag von 10 Millionen Dollar Insiderinformationen auszunutzen – vorausgesetzt, ihnen drohte im Falle einer Strafverfolgung keine Gefängnisstrafe. Im Gegensatz zu den Befragten aus den USA lag der vergleichbare Anteil der Kollegen aus Großbritannien sogar bei 32 Prozent der Interviewten.</p>
<p>Noch mehr gefällig?</p>
<p>27 Prozent der Bankmitarbeiter bestritten, dass die Finanzdienstleister im besten Interesse ihrer Kunden handeln würden. Dieser Prozentsatz steigt sogar auf 38 Prozent für diejenigen Banker, die 500.000 Dollar und mehr im Jahr verdienen. Anders ausgedrückt: Die Daten zeigen, dass zwischen dem Einkommensniveau und der Wahrscheinlichkeit, Zeuge von Fehlverhalten zu werden, ein Zusammenhang besteht.</p>
<p>Aber es kommt noch dicker. Einer von zehn Teilnehmern hat sogar (oder wurde dazu angehalten) eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben müssen, die ihm untersagt, unrechtmäßiges oder unethische Aktivitäten den Behörden zu melden. Bei einem Jahreseinkommen von 500.000 $ oder mehr steigt der Prozentsatz derjenigen, die nach eigenen Angaben ebenfalls den Maulkorberlass unterzeichnet haben, sogar auf 25 Prozent.</p>
<p>Wie hoch wäre der Prozentsatz derjenigen, die an die Wirksamkeit eines freiwilligen Verhaltenskodex glauben?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> online Ausgabe des Handelsblatts zum G7-Treffen: <em>Neuer Verhaltenskodex für Banker soll Märkte sicherer machen</em>, gelesen am 28.5.2015</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Tenbrunsel, A &amp; Thomas, J. (Mai 2015): <em>The Street, The Bull and The Crisis: A Survey of the US &amp; UK Financial Services Industry</em>, presented by The University of Notre Dame and Labaton Sucharow LLP</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/keine-spur-von-kulturwandel/">Keine Spur von Kulturwandel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Gullivers Reichtum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2014 07:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Offenbar geht es der Finanzbranche prächtig. So musste ich gestern lesen, dass die Londoner Großbank HSBC anscheinend schon dabei ist, die von der EU verordnete Begrenzung der Boni für Spitzenverdiener zu umgehen. Wie jetzt bekannt wurde, soll der Konzern für seine Topleute – zu denen das Bankhaus sage und schreibe mehr als 600 Angestellte zählt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Offenbar geht es der Finanzbranche prächtig. So musste ich gestern lesen, dass die Londoner Großbank HSBC anscheinend schon dabei ist, die von der EU verordnete Begrenzung der Boni für Spitzenverdiener zu umgehen. Wie jetzt bekannt wurde, soll der Konzern für seine Topleute – zu denen das Bankhaus sage und schreibe<span id="more-6958"></span> mehr als 600 Angestellte zählt – eine so genannte „fixe Zulage“ bezahlen. Diese wird von der Bankenaufsicht als festes Basisgehalt anerkannt, so dass sie nicht unter den Bonusdeckel fällt, der bei höchstens 200 Prozent des Jahresgehalts liegt. Immerhin wird die fixe Zulage wie der Bonus jährlich überprüft und gegebenenfalls verändert. Für die drei Spitzenkräfte von HSBC sollen nach Angaben der Financial Times die fixen Zulagen in diesem Jahr 130 Prozent der Grundgehälter ausmachen. Danach würde allein HSBC-Chef Stuart Gulliver zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 1,25 Millionen noch eine Zulage von 1,7 Millionen englischen Pfund erhalten. Beide Beträge zusammen bilden schließlich die Grundlage für die Bonuszahlung, so dass Gullivers gesamtes Paket ähnlich hoch sein dürfte wie jenes, das er bereits im Jahr 2013 bekommen hat – damals waren das immerhin mehr als acht Millionen Pfund. Wenn dann auch noch Mister Gulliver mit der Aussage zitiert wird, er fände die Änderungen [in der Bezahlung] ausgesprochen bedauerlich, aber man sei nun mal dazu gezwungen worden, dann rührt mich das Mitleid mit ihm und seinen mehr als 600 Spitzenkräften fast zu Tränen.</p>
<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Mitte der 1990er Jahre das Investmentbanking in Deutschland Einzug hielt und damals eine große Euphorie durch die Bankenlandschaft ging: Endlich würde nach Leistung bezahlt und Grundgehälter und Tantiemen nicht mehr im Gießkannenverfahren für Topleute und Minderleister gleichermaßen ausgegossen, hieß es damals vollmundig. Damit, so eine wichtige Begründung der Top-Manager von damals, würden die Personalkosten nicht ins Uferlose wachsen, ausgeschüttet würde nur, wenn die Performance stimmt. Dann aber richtig!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Gezahlt wird immer</b></p>
<p>Das scheint sich jetzt geändert zu haben. Ausgeschüttet wird offenbar nun auch, wenn die Performance nicht stimmt. Denn selbst wenn die fixen Zulagen jährlich überprüft werden sollen, sind sie angeblich nicht direkt an die Performance des Unternehmens gekoppelt und unterliegen damit einem gewissen Automatismus. Mehr noch: Im Gegensatz zu den Boni kann die Bank die Zulagen im Falle nachträglich auftauchender Verluste nicht zurückfordern. Darüber täuscht auch nicht hinweg, dass von den 665 „top risk takers“ die 111 Spitzenverdiener ihren Zuschlag zum Grundgehalt in Aktien und somit mit einer Verzögerung von mehreren Jahren ausgezahlt bekommen sollen.</p>
<p>Auch mache ich mir keine Illusionen darüber, Boni seien in der Vergangenheit immer leistungsabhängig ausbezahlt worden. Allein die Tatsache, dass es im Investmentbanking viele Jahre lang den eigentlich in sich widersprüchlichen Begriff des „garantierten Bonus“ gab, mit dem Handgelder und fixe Sonderzahlungen der ersten Dienstjahre eines Investmentbankers umschrieben wurden, ist ein Indiz dafür.</p>
<p>Die Erhöhung fixer Bezahlungsanteile offenbart dreierlei. Erstens, dass die gut gemeinte, aber letztlich lebensferne Bonusdeckelung in der Praxis eine paradoxe Wirkung entfaltet. Natürlich kann das zur Folge haben, dass etliche Banker weniger Risiken als früher eingehen werden – bei weiterhin ähnlich hoher Bezahlung in Spitzenpositionen. Zum zweiten sorgt die (vermeintlich) gelöste Finanzkrise und der damit fehlende Druck, diese lösen zu müssen dafür, dass sich letztlich nicht viel im Investmentbanking geändert hat. Und drittens: Was macht die Ethik? Natürlich ist es nicht illegal, Vorschriften wörtlich auszulegen, und sogar menschlich, sie zu umgehen zu versuchen. Trotzdem wirkt es in ethischer Hinsicht wenig überzeugend, wenn Regeln bewusst nicht in dem Geiste ausgelegt werden, wie sie eigentlich gemeint waren. Sich daran zu halten hätte dem so oft beschworenen Kulturwandel zu mehr Glaubwürdigkeit verholfen. So bleibt dieser wahrscheinlich nicht mehr als ein Wort, weil diejenigen, die ihn einleiten sollten, meist genau diejenigen sind, die ihn erst erforderlich gemacht haben.</p>
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		<title>Fragwürdiger Kulturwandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Sep 2013 06:14:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Investmentbanking]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Neutralisierungstechniken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendein Institut aus der Finanzbranche ins Gerede kommt, in dem keine Fälle von Betrug, Manipulation oder Insiderhandel publik werden. Vor allem die Finanzkrise hat das erschreckende Ausmaß dieser Verfehlungen offenbart: Es müssen viele gewesen sein, die in irgendeiner Weise an vordergründig harmlos erscheinenden Geschäftsvorgängen beteiligt waren, ohne dass [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendein Institut aus der Finanzbranche ins Gerede kommt, in dem keine Fälle von Betrug, Manipulation oder Insiderhandel publik werden. Vor allem die Finanzkrise hat das erschreckende Ausmaß dieser Verfehlungen offenbart: Es müssen viele gewesen sein, die in irgendeiner Weise an vordergründig harmlos erscheinenden Geschäftsvorgängen beteiligt waren, <span id="more-6447"></span>ohne dass sie jemals ein Bewusstsein dafür entwickelt hätten, ethisch nicht korrekt zu handeln. </p>
<p>Nur selten scheint sich ihr Gewissen gemeldet zu haben, weder als sie etwa bekanntermaßen vor Jahren in den USA Immobilienkredite an Leute vergaben, die sich die Häuser, die sie damit kaufen wollten, niemals hätten leisten können. Noch als sie zusammen mit ihren cleveren Analysten strukturierte Produkte entwickelt und diese anschließend so kompliziert verpackt hatten, dass sie selbst deren Zusammensetzung und mögliche Wirkung nicht mehr überblicken konnten. Auch die Verkäufer dieser Derivate, die um deren explosive Mischung hätten wissen müssen, wurden offenbar in keinem Moment von irgendwelchen Skrupeln befallen, während sie diese hochgefährlichen Produkte mit großem Erfolg in Umlauf brachten. Und wenn die Missetäter dann doch einmal mit den Folgen ihres unethischen Verhaltens durch andere oder ihr eigenes Gewissen konfrontiert wurden, fingen sie sofort an, die eigene Beteiligung an diesen kriminellen Machenschaften herunterzuspielen, nach dem Motto: „Ich habe das Derivat doch nur konstruiert“, oder: „Wenn ich es nicht verkauft hätte, hätte das jemand anderes getan“ oder: „Der Kunde muss doch selbst wissen, was gut für ihn ist.“ In der Soziologie bezeichnet man diesen Vorgang als „Neutralisierungstechnik“, die dem einen Zweck dient, das Selbstkonzept, ein moralisch einwandfreier Mensch zu sein, möglichst intakt zu halten<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>.</p>
<p>Und sie alle ließen sich am Ende für ihr Handeln mit fürstlichen Boni belohnen.</p>
<p>Dabei hätten sie doch durchschauen müssen, dass, wenn nicht sie selbst, dann zumindest andere – zum Beispiel ihre Vorgesetzten – sich bei all diesen Geschäften keineswegs moralisch einwandfrei verhielten. Allein schon durch ihre Gewinn- und Zielvorgaben, bei denen jedem von vornherein klar gewesen sein muss, dass diese auf „anständige“ Weise niemals erreicht werden konnten. Wieso hat sich nie jemand darüber gewundert, dass die Gewinnziele jedes Jahr – unabhängig vom jeweiligen ökonomischen Umfeld und Wachstum – um rund 20 bis 30 Prozent erhöht wurden. Hat denn keiner gefragt, zu welchem Preis und auf wessen Kosten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Minderleister und Querulanten?</b></p>
<p>Aber, Augenblick mal! Vielleicht ist dieses Urteil zu hart. Denn das klingt, als ob es nur im Investmentbanking und dort ausschließlich unethische Menschen geben würde. Vielmehr sollte man nicht vergessen, was man im Aktienmarkt mit dem Begriff Survivorship Bias<a title="" href="#_ftn3">[3]</a> bezeichnet. Unter den vielen Mitarbeitern, die im Laufe der Jahre aus Banken und Unternehmen ausgeschieden sind, befinden sich sicherlich auch etliche, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben oder entlassen wurden, gerade weil sie die vorherrschenden Normen als unethisch empfanden und sich ihnen deshalb nicht unterwerfen wollten. Was oft genug für sie bedeutete, dass sie auf Beförderung, Gehaltserhöhung oder einen Bonus verzichten mussten. Häufig wurden sie regelrecht kaltgestellt und von den angepassteren Kollegen gemobbt;  von wichtigen Entscheidungsprozessen hielt man sie fern, mit der Begründung, sie seien Minderleister oder Querulanten. Am Ende bleiben in einem Unternehmen, in dem dieser Prozess eingesetzt hat, von allen Beschäftigen nur die skrupellosesten übrig.</p>
<p>In der Finanzbranche, so lautet das Ergebnis einer Umfrage der New Yorker Anwaltskanzlei Labaton Sucharow, „scheinen viele ihren moralischen Kompass verloren zu haben“<a title="" href="#_ftn4">[4]</a>. So hatte die Kanzlei 2013 eine Umfrage in Auftrag gegeben, bei der 250 Angestellte aus der Finanzbranche die Geschäftsmoral ihrer Wettbewerber beurteilen sollten. Mehr als die Hälfte der Befragten zeigte sich davon überzeugt davon, dass die Konkurrenz unethisch, wenn nicht illegal agiere. Und knapp ein Viertel der Interviewten ging sogar so weit zu behaupten, dass sich auch Kollegen im eigenen Unternehmen moralisch nicht besser verhielten.</p>
<p>Wenn also fast 30 Prozent der Befragten noch fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise glauben, dass es in der Finanzbranche krimineller Energie bedarf, um erfolgreich zu sein, muss man sich fragen, was es mit dem vielerorts propagierten Kulturwandel im Investmentbanking tatsächlich auf sich hat.</p>
<p>Und als etwa Paul Fisher, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England, kürzlich die Vermutung aussprach, es könnte bei den quantitativen Lockerungsprogrammen – also einer Maßnahme zur Bewältigung der Finanzkrise –  im Oktober 2011 zu Manipulationen zulasten der Steuerzahler gekommen sein<a title="" href="#_ftn5">[5]</a>, fiel die Reaktion auf diesen ungeheuerlichen Verdacht eher bescheiden aus. Man kann sich daher des Eindrucks nicht erwehren, dass alles, den skandalträchtigen Schlagzeilen zum Trotz, so weiter geht wie bisher. Zwar ist immer wieder von Ethik die Rede, aber fast immer bleibt es bei Lippenbekenntnissen. Probleme kann man nicht mit demselben Denken lösen, durch das sie erst entstanden sind, hat Albert Einstein einmal gesagt.</p>
<p>Aber auch nicht mit denselben Leuten.</p>
<p>Was aber könnte man tatsächlich tun? Darauf werde ich im nächsten Beitrag eingehen.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dieser Beitrag ist Bestandteil eines in Kürze erscheinenden Aufsatzes „Behavioral Ethics“</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Sykes, G., and Matza , D.  (1957): <i>&#8218;Techniques of Neutralisation: A Theory of Delinquency&#8216;</i><i>,</i>American Sociological Review, Vol 22: 664 – 70</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Es handelt sich um eine Wahrnehmungsverzerrung, bei der man sich auf diejenigen Menschen oder Dinge zu stark konzentriert, die einen bestimmten Prozess „überlebt“ haben. Dabei werden naturgemäß all diejenigen übersehen, die im Laufe der Zeit ausgeschieden und deswegen nicht mehr sichtbar sein können. Beim Aktienmarkt sind dies etwa Aktien von Unternehmen, die aus einem Index ausgeschieden sind und durch andere Werte ersetzt wurden.</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> Vgl. deren Anwalt Jordan Thomas, FAZ vom 17. Juli 2013</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p>[5] Vgl. The Telegraph online vom 16.7.2013: <i>„Bankers &#8218;tried to manipulate QE&#8216;, says BoE&#8217;s Paul Fisher</i>”</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
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		<title>Neue Kultur mit alten Köpfen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Dec 2012 09:09:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Kulturwandel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Keine Woche vergeht derzeit ohne negative Schlagzeilen über das Investmentbanking. Teils sind es alte Geschichten, teils auch neuere Skandale, die die Finanzwelt erschüttern. Subprime-Krise, Steuerbetrug, Libor-Manipulation, Geldwäsche, Frontrunning, dazu Ladder-Swaps und andere undurchschaubare Derivate, die etlichen Anlegern, darunter auch viele Kommunen, Millionen-Verluste beschert haben, all‘ das offenbart sich mehr und mehr als die zum Teil [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Keine Woche vergeht derzeit ohne negative Schlagzeilen über das Investmentbanking. Teils sind es alte Geschichten, teils auch neuere Skandale, die die Finanzwelt erschüttern.<span id="more-5552"></span> Subprime-Krise, Steuerbetrug, Libor-Manipulation, Geldwäsche, Frontrunning, dazu Ladder-Swaps und andere undurchschaubare Derivate, die etlichen Anlegern, darunter auch viele Kommunen, Millionen-Verluste beschert haben, all‘ das offenbart sich mehr und mehr als die zum Teil kriminelle Realität, die sich hinter der vermeintlichen Erfolgsgeschichte des Investmentbankings verbirgt. Und mehr scheint, zumindest in der Wahrnehmung vieler Außenstehender, von diesem vielversprechenden Geschäftsmodell nicht übrig geblieben zu sein. Und als ob man nur einen Schalter umzulegen bräuchte, wird jetzt mancherorts ein Kulturwandel im Bankgeschäft gefordert, damit das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Einst mit Lorbeer behängt</strong></p>
<p>Doch die Dinge gestalten sich nicht so einfach, weil die Skandale der vergangenen Monate nicht nur Auswüchse eines fragwürdigen Geschäftsmodells darstellen, sondern vielmehr ein klassisches Beispiel dafür sind, wie sich im Lauf der Zeit Normen schleichend verschieben können. Diese Normen wieder auf ein ethisch akzeptables Niveau zu bringen scheint mir eine wahre Herkulesarbeit zu sein. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die ersten Investmentbanker Mitte der 1990er Jahre in Deutschland eintrafen. Über und über mit Vorschusslorbeeren behängt, zogen sie ein wie Heilsbringer in eine damals altmodische, möglicherweise verkrustete Bankenwelt. &#8222;Wir fliegen zum Mars!&#8220;,  hieß das euphorische Motto der Apologeten eines neuen, schier unbegrenzt scheinenden Wachstums. Und die Devise &#8222;Ab jetzt wird [Geld] geschüttet“ machte nicht nur klar, dass beamtenhafte Anstellungsverhältnisse mit sicheren Einkommen bis zur Rente und auch für die Zeit danach von leistungsabhängiger Bezahlung auf einer nach oben scheinbar grenzenlos offenen Bonusskala abgelöst werden sollte. Es war die Aussicht auf einen möglichen Jackpot, den Superbonus, die es den damals Verantwortlichen so leicht machte, ihren Followern die Erfolgsformeln als neue Normen zu verkaufen und die alten Grundsätze recht schnell ablösen zu können. Denn es ging ja um die Belohnung für harte Arbeit, deren Messlatte ganz nebenbei bemerkt und manchmal abseits jeder Realität mit jedem Jahr um einen willkürlich gewählten Prozentsatz höher gelegt wurde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kulturwandel trotz schwerer Commitment-Bürde</strong></p>
<p>Diejenigen, die jetzt den Kulturwandel propagieren und durchsetzen möchten, müssen also von Normen Abschied nehmen, die die übrige Gesellschaft nicht mehr akzeptieren will. Aber die neuen Normen sind wesentlich schwerer zu verkaufen, denn an ihnen haftet ein Verlust. Damit meine ich nicht nur Kostensenkungen, Gehaltseinbußen und Entlassungen, die den Angestellten der betroffenen Banken drohen. Für die Verantwortlichen heißt das auch wirklich loslassen, von bisher gültigen Leitsätzen, die sich mittlerweile als ethisch zweifelhaft oder gar falsch erwiesen haben. Aber aus der Entscheidungspsychologie wissen wir, dass diejenigen, die für eine letztlich fragwürdige Norm eingestanden haben, von dieser nicht Abschied nehmen können. Dies fällt ihnen paradoxerweise noch schwerer, wenn sie damit Schiffbruch zu erleiden drohen und vielleicht sogar Verluste hinnehmen müssen. Denn Menschen machen nun einmal neue Entscheidungen vom Erfolg oder Misserfolg früherer Entscheidungen abhängig. Zu beweisen, dass ihr Geschäftsmodell, ihr System oder ihre Ideologie am Ende doch überlegen war, wird zur Lebensaufgabe. Und in diesem Fall, beim Investmentbanking, ist die Verführung besonders groß: Wer will schon statt zum Mars zu fliegen mit der Deutschen Bahn im Nahverkehr verreisen? Nicht immer wandelt sich verschwenderischer Saulus in einen bescheidenen Paulus. Albert Einstein hat einmal gesagt, man könne Probleme niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Will sagen: Wenn man wirklich schnell neue Normen und einen Strukturwandel durchsetzen möchte, wären hierfür neue Entscheider, unbelastet von den alten Erfolgs-Commitments, vonnöten.</p>
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		<title>Zwei Welten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 08:06:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Normalerweise äußere ich mich nicht zu Banker-Boni und schon gar nicht über deren Höhe. Wenn ich aber heute bei Spiegel online lese, dass sich die Investmentbanker in diesen Tagen bescheiden müssen, wenn es um die Boni für das Jahr 2011 geht, habe ich das Gefühl, dass man etwas vielleicht verstanden zu haben scheint. So fallen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zwei-welten/">Zwei Welten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Normalerweise äußere ich mich nicht zu Banker-Boni und schon gar nicht über deren Höhe. Wenn ich aber heute bei Spiegel online lese, dass sich die Investmentbanker in diesen Tagen bescheiden müssen, wenn es um die Boni für das Jahr 2011 geht, <span id="more-3293"></span>habe ich das Gefühl, dass man etwas vielleicht verstanden zu haben scheint. So fallen bei der Schweizer UBS die Erfolgsprämien um 40 Prozent und bei der französischen BNP Paribas sogar um 50 Prozent niedriger als im Vorjahr aus. Daneben stehen Arbeitsplätze zur Disposition, auch groß angelegte Kostensenkungsprogramme sind längst angelaufen. All diese Maßnahmen werden von manchen Kommentatoren immer noch mit großer Häme begleitet, zwischen den Zeilen kann man manchmal sogar ein polemisches &#8222;recht so!&#8220; lesen –  ich möchte mich darüber ganz bewusst nicht auslassen.</p>
<p>In Großbritannien scheinen die Uhren allerdings anders zu ticken. Denn wenn ich heute Morgen gleichzeitig in der Financial Times lese, dass die Royal Bank of Scotland (RBS) für 2011 einen Verlust von knapp 2 Mrd. GBP verbuchen musste und dabei trotz allem 985 Mio. GBP an Boni für dieses Geschäftsjahr ausschütten wird, dann schwillt mir der Kamm. Denn man darf nicht vergessen, dass sich dieses Institut zu 83 Prozent in staatlicher Hand befindet und überdies seit der Rettung im Jahre 2008 vier Verlustjahre hintereinander hingelegt hat<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Hatte nicht RBS-Chef Stephen Hester unlängst unter dem Druck der Öffentlichkeit auf seinen im Vergleich zur insgesamt ausgeschütteten Summe geradezu mickrig aussehenden Bonus von einer Million Pfund verzichtet? Sieht das nicht lächerlich aus? Im Schach würde man von einem Damenopfer sprechen, um am Ende das Spiel zu gewinnen: Der Chef-Bonus wurde für den großen Topf geopfert.</p>
<p>Eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass Boni für gute Leistungen und nicht dafür gezahlt werden, um die eigene Arbeitskraft auf Betriebstemperatur zu bringen. Weil man Talent belohnen muss, wie man allenthalben immer wieder hört. Ich frage mich, worin die Leistung besteht, wenn man für Verluste bezahlt wird. Besteht das Talent etwa darin, dass diese Verluste andernfalls noch höher ausgefallen wären?</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> <a href="http://citywire.co.uk/money/rbs-tops-index-despite-losses-ftse-flat/a569152?ref" target="_blank">Citiwire Money</a></span></span></p>
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