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	<title>Gewinn/Verlust-Asymmetrie Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Für wen die Glocke zweimal schlägt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Sep 2013 07:11:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt nicht wenige Menschen, die sich freuen, wenn Persönlichkeiten stürzen, denen eine besonders große moralische Integrität nachgesagt wird. Pikant wird es vor allem, sofern es sich dabei auch noch um Diener Gottes handelt, und noch pikanter, wenn sie in Gelddingen gefehlt haben. Eine solche Geschichte konnte man kürzlich in der online-Ausgabe der Neue Zürcher [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/fuer-wen-die-glocke-zweimal-schlaegt/">Für wen die Glocke zweimal schlägt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt nicht wenige Menschen, die sich freuen, wenn Persönlichkeiten stürzen, denen eine besonders große moralische Integrität nachgesagt wird. Pikant wird es vor allem, sofern es sich dabei auch noch um Diener Gottes handelt, und noch pikanter, wenn sie in Gelddingen gefehlt haben.</p>
<p>Eine solche Geschichte<span id="more-6515"></span> konnte man kürzlich in der online-Ausgabe der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) nachlesen. Unter der Überschrift „Wenn Priester sich verzocken“ wurde darin geschildert, wie sehr sich Sloweniens katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten wie ein Wirtschaftsimperium geriert, das, um der Rendite willen, mit viel Gottvertrauen gewagte Strategien erprobt habe und auch nicht vor riskanten Investments zurückgeschreckt sei. Aber nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, weil insbesondere die Erzdiözese Maribor bei diesen Investitionen kein allzu glückliches Händchen bewiesen haben soll. In dem Beitrag der NZZ, dem man eine gewisse Häme nicht absprechen kann, ist von „Ausflügen in spekulative Finanzgeschäfte“ die Rede, wobei die Diözese einen riesigen Schuldenberg angehäuft haben soll: Verbindlichkeiten von 800 Millionen Euro seien entstanden, schätzt man.</p>
<p>Dabei ging die Erzdiözese offenbar ganz klassisch vor wie viele andere Anleger auch und legte sich ein breit gestreutes, also sorgfältig diversifiziertes Portfolio an, zu dem Investments in Baukonzerne, Verlagshäuser, Brauereien, Finanzinstitute und Fluggesellschaften gehörten. Bei dieser großen Vielfalt war den geistlichen Shareholdern zunächst entgangen, dass ihre Kirche auch zum  Anteilseigner des Fernsehunternehmens T-2 geworden war, und dieser Sender weigerte sich hartnäckig und trotz mehrfacher Proteste, auf die Ausstrahlung pornografischer Sendungen zu verzichten. „Sex sells“, sagt man. Aber auch T2 gehörte zu den großen Verlustbringern im Portfolio der Diözese.</p>
<p>Organisiert wurden diese Investments laut  NZZ über eine Steuerungsgesellschaft „Gospodarstvo Rast“, zu Deutsch: „Wirtschaftswachstum“. Und diese Gesellschaft  wiederum kontrollierte zwei Finanzholdings mit dem ebenso wohlklingenden Namen “Zvon Ena“ („Glocke 1“) und „Zvon Dva“ („Glocke 2“). Dieser doppelte Glockenschlag soll zeitweise zu den größten Investmenthäusern des Landes gehört haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Die Mitra genommen</b></p>
<p>Kein Wunder also, dass sich der neue, weltweit geliebte Papst Franziskus unlängst von seiner harten Seite zeigte, da diese Finanzspekulationen der slowenischen Kirche nicht zu dem vom Kirchenoberhaupt hochgehaltenen Ideal der Bescheidenheit und Zurückhaltung passen: So mussten im August dieses Jahres die beiden Erzbischöfe des Landes ihre Mitra nehmen. Fast schon zwangsläufig wurden bei den „Aufräumarbeiten“ in Maribor auch noch etwaige illegale Machenschaften entdeckt, die ein Anlagestratege, der im Auftrag der Erzdiözese deren Finanzgeschäfte betrieben hatte, begangen haben soll. Er muss sich nun vor Gericht dafür verantworten.</p>
<p>Während der Umfrage einer Tageszeitung zufolge 74 Prozent der Slowenen die Entlassung der Erzbischöfe begrüßen, empfinden viele Kirchenvertreter den Rauswurf dieser beiden hohen Würdenträger als unverhältnismäßig. Schließlich hat die Erzdiözese Maribor doch nicht anders gehandelt als viele andere mehr oder weniger große Investoren, zu denen übrigens in ganz Europa etliche Kirchen und Bistümer zählen. Denn sie alle wollen doch lediglich den Wert der ihr zugeflossenen Vermögen erhalten und sei es durch eine einkömmliche Rendite. Dass man sich dabei professioneller Institutionen bedient, halte ich zunächst nicht für verwerflich – selbst ganze Staaten haben eigene Fondsgesellschaften, etwa zur Verwaltung ihrer Devisenreserven. Auch ist nirgendwo zu lesen, dass die Erzbischöfe die Erträge von Glocke 1 und Glocke 2 zur Aufbesserung ihres eigenen Lebensstils oder beispielsweise zum Bau eines prachtvollen Bischofsitzes genutzt hätten.</p>
<p>Kein Mensch hätte vermutlich ein böses Wort über diese Sache verloren, wären die Finanzinvestments der Kirche profitabel gewesen. Möglicherweise hätte man den hohen slowenischen Würdenträgern innerkirchlich sogar väterlich-wohlwollend auf die Schulter geklopft und sich ausgerechnet, wie viel Gutes man in der Diözese mit diesem Geld bewirken könne. Dann hätte vermutlich auch niemand etwas daran gefunden, dass man dem lieben Gott und dem schnöden Mammon (den auch die Kirche benötigt) zugleich gedient hat. Aber jetzt, da Verluste entstanden sind, ist natürlich nicht mehr von „guten“ und erfolgreichen Investments, sondern von „bösen“ spekulativen Finanzgeschäften und maßloser Renditegier die Rede. Als ob auch der liebe Gott – so wie wir Menschen – mit Verlusten anders als mit Gewinnen umgehen würde.  </p>
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		<title>Todsünde Trägheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 06:50:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel Die Börse und das Böse Teil III geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/todsunde-tragheit/">Todsünde Trägheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/die-borse-und-das-bose-iii/" target="_blank"><i>Die Börse und das Böse Teil III</i> </a>geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielt, weshalb ich noch einmal gesondert darauf eingehen möchte.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a><span id="more-6297"></span></p>
<p>In der Behavioral Finance würde man in erster Linie von einer Trägheit bei Entscheidungen sprechen, und diese kann sich sowohl an den Finanzmärkten als auch im Privatleben fatal auswirken. So empfinden viele Menschen eine große Aversion dagegen, überhaupt Entscheidungen zu treffen – am liebsten würden sie sich ganz davor drücken, aber primär nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie davor zurückschrecken, Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidung zu übernehmen und überhaupt irgendein Commitment einzugehen. Wenn überhaupt, dann treffen sie bestenfalls Entscheidungen, mit denen sie ohnehin den gesellschaftlichen Normen und Moden entsprechen. Daraus ergibt sich auch eine gewisse konservative Haltung, die Neigung, alles so zu belassen, wie es ist. In der Behavioral Economics spricht man auch von der so genannten Status-quo-Bias.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Entscheidungsträgheit bei hohen Einsätzen</b></p>
<p>Entscheidungsträgheit stellt sich vor allem dann ein, wenn es um hohe Einsätze, um ein hohes Commitment geht. Doch sollte man dabei generell zwischen Gewinn- und Verlustsituationen unterscheiden. Denn die meisten Menschen zeigen sich, wenn es um Gewinne geht, wesentlich entscheidungsfreudiger – schließlich winkt auf der anderen Seite auch eine greifbare Belohnung. Umgekehrt verhält es sich bei Verlusten, die per se nicht nur die Bindung, das so genannte Commitment einer Entscheidung erhöhen, sondern die man naturgemäß auch nicht gerne realisieren möchte. Da ist Entscheidungsträgheit durchaus verständlich, aber dennoch manchmal mit katastrophalen Konsequenzen verbunden.</p>
<p>Dramatisch wird Trägheit vor allen Dingen in extremen Situationen, wenn man so hohe Verluste aufgehäuft hat, dass man sie materiell oder moralisch kaum mehr rechtfertigen kann. Bis zur Kapitulation sind es im übertragenen Sinne nur noch wenige Meter. Trotzdem versuchen die meisten Menschen selbst hier, weitere Entscheidungen möglichst zu umgehen. Wenn man Anleger fragt, was sie lieber erleben möchten: Am Extrempunkt, am ungünstigsten Punkt einer Bewegung, einen Verlust zu realisieren oder nichts zu tun, werden sich die meisten für das Nichtstun entscheiden. Denn das Schlimmste, was einem passieren könnte, wäre, dass sich die Kapitulationsentscheidung auch noch als falsch herausstellt und die Kurse etwa nach dem Verkauf verlustbringender Aktien anschließend wieder nach oben gehen. Das würde man dann zusätzlich bedauern müssen.</p>
<p>Zur Entscheidungsträgheit gehört natürlich auch die so genannte Prokrastination, das Aufschieben von unangenehmen Entscheidungen. In der Gegenwart wird die Realisierung eines Verlustes vermieden oder auch ein Verzicht nicht geleistet, selbst wenn man weiß, dass Handeln langfristig profitabler oder gesünder wäre als Aussitzen. Zudem wird ein in der Zukunft liegender Gewinn oder Verlust von den Menschen mit abnehmender Sensitivität – und zwar wesentlich stärker, als man sich das vorstellen kann – wahrgenommen, sprich diskontiert. Klar, dass man heute als Raucher nicht gerne auf eine Zigarette verzichtet, obgleich dies langfristig gesünder ist; sich zu sagen: „Morgen höre ich auf!“ fällt dagegen viel leichter. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kalorienverbrauch für Übergewichtige oder aber auch mit dem Konsumverzicht in der Gegenwart zu Gunsten einer gesicherten Altersvorsorge in der Zukunft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Religion als Hilfestellung</b></p>
<p>Mit welcher Tugend könnte man der Todsünde der Trägheit begegnen? Den sieben Lastern wurde im Mittelalter immerhin ein Katalog himmlischer Tugenden (nach Aurelius Prudentius) gegenübergestellt. Gegen Faulheit soll demnach eine Portion Fleiß helfen. Heute sollte man vielleicht Fleiß durch Disziplin ersetzen. Und Disziplin erreicht man vor allen Dingen durch Pläne, aber, was noch wichtiger ist, vor allem auch durch deren Einhaltung. Mehr noch aber sollte man stets im Auge behalten, was einen langfristig glücklich machen könnte. Denn in mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich nicht zu entscheiden kurzfristig zwar als angenehmer empfunden wird, als eine Entscheidung zu treffen, langfristig sich aber derjenige glücklicher fühlt, der ein Problem angepackt hat, statt nichts zu tun.</p>
<p>Einen strukturierten Handlungsplan bietet übrigens auch die Religion, von der der Kanon der Todsünden ja ursprünglich stammt. Auch setzt die Religion andere Referenzpunkte, bietet einen Neubeginn an sowie, gerade in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, ein Gerüst der Traditionen und der immer wiederkehrenden Feiertage. Und gerade diese können für Entscheider in jedweder Hinsicht einen Freiraum eröffnen, um innehalten und mit den erlittenen Verlusten Frieden machen zu können.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dieses Thema war am 28. Juni 2013 Gegenstand des dritten Teils einer Trilogie für WGZ cognitrend WebTV</p>
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		<title>Späte Kontrolle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 May 2012 06:00:27 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kontrolle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Las unlängst in der FT einen Kommentar von Martin Taylor, ehemaliger CEO von Barclays, in dem er sich wundert, warum es so lange gedauert habe, bis sich die Aktionäre gegen die hohe Bezahlung der Banker aufgelehnt hätten. Natürlich kann man den Zeitgeist dafür verantwortlich machen, der erst jetzt die bis dahin weit verbreitete Haltung in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Las unlängst in der FT einen Kommentar von Martin Taylor, ehemaliger CEO von Barclays, in dem er sich wundert, warum es so lange gedauert habe, bis sich die Aktionäre gegen die hohe Bezahlung der Banker aufgelehnt hätten. Natürlich kann man den Zeitgeist <span id="more-3956"></span>dafür verantwortlich machen, der erst jetzt die bis dahin weit verbreitete Haltung in der Industrie in Frage stellt, wonach es sich bei der Entlohnung der Bankmanager um die gerechte Verteilung ehrlich und im fairen Wettbewerb erarbeiteter Gewinne handele. Oder man könnte argumentieren, es brauche ganz einfach Zeit, bis die kritische Masse aus Wutbürgern und aufmerksamen Aktionären erreicht sei, die dann darauf dringen, die teils exzessive und fehlgeleitete Entwicklung bei der Bezahlung von (Bank)-Führungskräften zu korrigieren.</p>
<p>Martin Taylor hat für die stark verzögerte Revolte der Aktionäre indes drei andere, für ihn entscheidende Gründe ausfindig gemacht. Einmal hätten sich die Halteperioden der Aktieninhaber mittlerweile so stark verkürzt, dass sich diese kaum mehr mit den Unternehmen identifizierten. Das ist nachvollziehbar. Das zweite Argument, dass ein Fondsmanager, der in einer Bankaktie untergewichtet sei, möglicherweise ein geringeres Interesse habe, gegen überhöhte Managergehälter einzuschreiten, als ein in derselben Aktiengesellschaft übergewichteter Marktteilnehmer, mag ich indes nicht so recht teilen. Denn selbst ein (möglicherweise nur temporär) untergewichteter Fondsmanager ist trotzdem noch Anteilseigner an der Aktiengesellschaft. Einleuchtender mag das dritte Motiv sein. Danach würden zumindest institutionelle Fondsmanager nichts an der hohen Gehaltsstruktur der Banker finden, weil sie selbst nach ähnlichen Regeln bezahlt würden. Nach dem Motto, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.</p>
<p>Die wichtigste Antwort für die späte Reaktion der Aktionäre auf die Banker-Boni dürfte dagegen aus der Psychologie kommen. Danach haben die Menschen bei Verlusten generell ein stärkeres Kontrollbedürfnis als bei Gewinnen. Ein Phänomen, das man auch in sehr vielen Unternehmen selbst finden kann. Sprudeln die Profite – wie auch einst im Investmentbanking – stellt kaum jemand kritische Fragen darüber, wie diese zustande gekommen sein mögen. Ja, es würde fast schon am Blasphemie grenzen, wenn jemand angesichts einer hervorragenden Bilanz die Frage aufwerfen würde, ob unter den gegebenen Umständen nicht noch mehr hätte verdient werden müssen – zusätzliche Gewinne, die möglicherweise in schlechten Zeiten fehlen.</p>
<p>Im Gegenzug wird Kritik immer dann laut, wenn Verluste entstanden oder Gewinnziele deutlich verfehlt (gleichbedeutend mit relativen Verlusten) worden sind. Und auch nach den Schuldigen beginnt man erst zu suchen, wenn mehrere oder im Extrem gar die Gesellschaft als Ganzes unter den Verlusten leidet. Dann ist Kontrolle etwas ganz Normales, und das Geschrei, dass womöglich Gewinne verteilt wurden, die gar nicht erwirtschaftet worden sind, darf dann besonders laut sein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/spate-kontrolle/">Späte Kontrolle</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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