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	<title>Bordeaux-Weine Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Wed, 16 Nov 2016 15:22:42 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Die Woche nach Trumps Triumph</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Nov 2016 15:13:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern haben gleich zwei Schlagzeilen zu Sachwerten mein Interesse geweckt. Da las ich zum einen „Gold verliert fast ein Zehntel seines Wertes“[1] , unter anderem wegen der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Wo doch von Goldman Sachs (und anderen Adressen) zuvor zu hören war, wenn Trump die Wahl gewänne, gäbe es zunächst einmal eine Phase [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-woche-nach-trumps-triumph/">Die Woche nach Trumps Triumph</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9284 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Senti_16112016-Kopie-300x114.jpg" alt="senti_16112016-kopie" width="300" height="114" />Gestern haben gleich zwei Schlagzeilen zu Sachwerten mein Interesse geweckt. Da las ich zum einen „<em>Gold verliert fast ein Zehntel seines Wertes</em>“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> , unter anderem wegen der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Wo doch von Goldman Sachs (und anderen Adressen) zuvor zu hören war, wenn Trump die Wahl gewänne, gäbe es zunächst einmal eine Phase mit viel Unsicherheit und das mache Gold attraktiv und werde dessen Preis nach oben treiben.</p>
<p>Doch es kam anders. Der Goldpreis stürzte im Verhältnis zum US-Dollar tatsächlich während der vergangenen Tage ab und zwar wegen der deutlich gestiegenen Renditen in US-Staatsanleihen und wachsenden Inflationsängsten, wie ich lesen konnte. Dabei waren doch die Auslöser für eine solche Entwicklung im Falle eines Wahlsiegs Donald Trumps bereits vor dem Wahltermin bekannt: Der designierte Präsident versprach deutlich sinkende Steuern und ein massives Infrastrukturprogramm. Damals wie heute war dieses Programm bekannt, und die Unsicherheit, wie viel davon tatsächlich umgesetzt würde, scheint mir immer noch genauso hoch wie vor dem 8. November.</p>
<p>Tatsächlich hat Gold in Euro gemessen gegenüber der Vorwoche gerade einmal 1,5 Prozent seines Wertes verloren – weil der US-Dollar gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewann und so den temporären Goldverlust beinahe komplett wieder wettmachte. Neben dieser sehr kurzfristigen Betrachtungsweise eines eigentlich für viele Anleger langfristigen Engagements bleibt festzuhalten, dass das gelbe Metall im Einjahresvergleich und in Euro gemessen immer noch satte 13 Prozent vorne liegt!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Rotes Gold wieder im Aufwärtstrend</strong></p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9287 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Wein-300x114.jpg" alt="wein" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Wein-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Wein.jpg 695w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />„<em>Ein guter Bordeaux lohnt sich mehr als Aktien</em>“ <a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> erweckte ebenfalls mein Interesse, zumal ich als Weinliebhaber eigentlich nicht den Eindruck hatte, dass sich edle Bordeauxweine und andere große Gewächse derzeit in einem Aufwärtstrend befinden. In dem lesenswerten Interview der FAZ mit dem Chef des ältesten deutschen Weinhandels, Karl Johann Tesdorpf, geht es nämlich um Wein als Geldanlage. Und natürlich kann man für einzelne ausgewählte Premier Crus, etwa einen Chateau Lafite-Rothschild oder Chateau Petrus, tatsächlich massive Wertsteigerungen herauspicken. Auch weist Herr Tesdorpf darauf hin, dass der Wertzuwachs beim roten Gold im Gegensatz zu anderen Kapitalanlagen bislang noch nicht versteuert würde. Ein Argument, bei dem ich fast reflexartig entgegne, dass bei einer Kapitalanlage steuerliche Beweggründe niemals an erster Stelle stehen dürfen.</p>
<p>Und deswegen wollte ich es jetzt ganz genau wissen und zog die Entwicklung der Benchmark für noble Weine, den  Live-ex  Fine Wine 100 Index, zurate und konnte feststellen, dass die Preise für hochwertige Gewächse während der vergangenen 12 Monate um mehr als 22 Prozent angezogen hatten. Ob die Preise für rotes Gold womöglich schon bald wieder das Allzeithoch von Mitte April 2011 erreichen könnten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>In britischem Pfund gemessen</strong></p>
<p>Leider basiert die Berechnung des Index auf Weinpreisen in britischen Pfund, so dass bei genauem Hinsehen für einen Euroland-Investor aufgrund der drastischen Pfund-Abwertung infolge des Brexit-Votums von diesem schönen Indexgewinn nichts übrig bleibt. Das gilt leider auch für DAX-Anleger, die im Ein-Jahres-Vergleich mit Ach und Krach bei pari liegen. Auf 5-Jahressicht ist der DAX-Investor jedoch mit einem Plus von mehr als 80 Prozent deutlich besser als der Weinliebhaber bedient – im gleichen Zeitraum verlor rotes Gold knapp 10 Prozent.</p>
<p>Natürlich werden Kritiker einwenden, dass solche Punktvergleiche willkürlich und nicht fair seien, denn gerade das rote Gold hätte sich vor fünf Jahren (ähnlich wie das gelbe Gold, das seither in Euro gemessen ähnlich schlecht performed hat) am Allzeithoch, also einem extremen Referenzpunkt, befunden. Aber die ganze Geschichte wird bei wertvollen Weinen sowieso erst dann interessant, wenn die Investoren eines Tages ihre wertvollen Bouteillen veräußern möchten. Beim Realisieren kann sich jedoch, wie übrigens bei vielen anderen Engagements in wenig liquiden und oft intransparenten Märkten auch, das, was auf dem Papier als satter Buchgewinn daherkam, schnell in einen essigsauren Verlust verwandeln.</p>
<p>Auch wenn man sich an DAX-Aktien im Falle massiver Wertverluste nicht optional betrinken kann, dürften sie von vielen Anlegern zumindest gegenüber liquiden und illiquiden Sachwerten bevorzugt werden. Daher habe ich mich auf die heutige Stimmungserhebung der Börse Frankfurt gestürzt, deren Kommentar Sie <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Das-Risiko-deutlicher-Enttaeuschung-1652913" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span> lesen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Vgl. Internetausgabe der FAZ, Finanzen, vom 15. November 2016</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. Internetausgabe der FAZ, Finanzen, vom 15. November 2016.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-woche-nach-trumps-triumph/">Die Woche nach Trumps Triumph</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Geschmacksverwirrung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jul 2013 09:06:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[abenhmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Expertenurteile]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst las ich wieder einmal einen Artikel aus der Online-Ausgabe des britischen Guardian, durch dessen Überschrift, Weinverkostungen seien wissenschaftlich unbrauchbar, ich mich provoziert fühlte. Denn ich  bin ein ausgesprochener Weinliebhaber und beschäftige mich schon seit Jahren mit (Alt)-Weinen, vornehmlich aus Bordeaux. Dabei habe ich vermutlich wie jeder andere die Erfahrung gemacht: Was teuer ist, muss [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/geschmacksverwirrung/">Geschmacksverwirrung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst las ich wieder einmal einen Artikel aus der Online-Ausgabe des britischen Guardian, durch dessen Überschrift, Weinverkostungen seien wissenschaftlich unbrauchbar, ich mich provoziert fühlte. Denn ich  bin ein ausgesprochener Weinliebhaber und beschäftige mich schon seit Jahren mit (Alt)-Weinen, vornehmlich aus Bordeaux.<span id="more-6320"></span> Dabei habe ich vermutlich wie jeder andere die Erfahrung gemacht: Was teuer ist, muss nicht unbedingt gut sein, während sich Gewächse, die preisgünstig waren, im Nachhinein oftmals  als kostbare, köstliche Schätze herausstellen können. Nun aber stehen wieder einmal die Weinpäpste in der Kritik: Man wirft ihnen vor, dass sie gar nicht in der Lage seien, auch nur halbwegs objektiv zu urteilen. Dabei glaube ich kaum, dass sich jemals ein Weinkritiker als objektiv oder gar als Wissenschaftler bezeichnet hätte. Aber es ist schon erstaunlich, wie etwa der Weinliebhaber und Statistiker Robert Hodgson, Inhaber einer Kellerei in Kalifornien, eine Reihe von Weinverkostungen analysierte, weil er sich darüber gewundert hatte, wie bestimmte Weine (darunter auch sein eigenes Gut) einmal eine Goldmedaille gewinnen und ein anderes Mal bei den Juroren durchfallen konnten.</p>
<p>Seit Jahren zeigt Hodgson immer wieder, wie uneinheitlich die Experten manchen Wein bewerten. So präsentierte er etwa bei einer Blindverkostung im Juni dieses Jahres<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> innerhalb verschiedener Flights (Verkostungsserien) drei Mal einen Wein aus derselben Flasche.  Dabei handelte es sich bei den dort versammelten Testern keineswegs um Amateure. Dennoch variierten ihre Bewertungen innerhalb kurzer Zeit zwischen 86 und 94 Punkten für denselben Wein – auf einer 100-Punkte-Skala. Weil die meisten Weine in der Praxis irgendwo zwischen 75 und 95 Punkten landen<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, bedeutet dies immerhin einen Unterschied zwischen „akzeptabel“ und „vorzüglich“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Fehlurteile beeinflussen Kaufverhalten</b></p>
<p>Wenn man sich vorstellt, dass derartige Urteile über niedrige und hohe Preise und damit auch über die ökonomische Zukunft eines Weingutes entscheiden, kann man sich der vermeintlichen Willkür der Experten durchaus ausgeliefert fühlen. Hodgsons Studie steht stellvertretend für viele andere Tests, bei denen man zeigen wollte, wie leicht Weinverkoster doch zu beeinflussen sind. Die Sparbrötchen unter den Weintrinkern dürften sich beispielsweise gefreut haben, als sie von den Ergebnissen eines Experimentes lasen, das der Psychologe Richard Wiseman 2011 mit 578 Probanden veranstaltet hatte. Sie alle mussten mehrere Rot- und Weißweine probieren, wobei sich herausstellte, dass nur 53 Prozent der Teilnehmer zwischen Weißweinen unterscheiden konnten, deren Preis entweder unter fünf oder über zehn englischen Pfund lag. Bei Rotwein war dieser Prozentsatz sogar noch niedriger (47 Prozent) – man hätte also auch eine Münze werfen können.</p>
<p>Wie kann es zu solchen Fehlurteilen kommen? Nicht nur wenn es um Geschmack geht, bewerten die Menschen relativ. Ein mittelprächtiger Wein, der nach einem mäßigen Wein verkostet wird, steht natürlich viel besser da, als wenn derselbe Tropfen im Anschluss an eine Top Grand Cru getrunken wird. Jetzt stelle man sich nur einmal einen Verkoster vor, der innerhalb kürzester Zeit Dutzende Weine probieren muss, möglicherweise an diesem Tag mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden oder wohlgestimmt oder geradezu euphorisch ist.  Ich möchte den sehen, der nach 100 Mal Riechen, Schlürfen und Ausspucken noch einen durchschnittlichen Wein angemessen bewerten kann.</p>
<p>Auch mir als Liebhaber passiert es immer wieder, dass ich denselben Wein je nach Stimmung vollkommen unterschiedlich einschätze und nach dem dreißigsten Testschluck bei einer Verkostung aufgrund von abnehmender Sensitivität, Gewöhnung und leichter Trunkenheit kaum mehr differenzieren kann. Im Gegensatz zu einem erfahrenen Weinexperten, der manchmal nur anhand von Farbe, Geruch und Geschmack eines Bordeaux-Weines diesen (manchmal auf das Jahr genau!) dem produzierenden Weingut zuzuordnen vermag.</p>
<p>Die Konsequenz aus all diesen Erkenntnissen: Geschmack kann man nicht wissenschaftlich nachweisen, und ich möchte mir auch nicht die Freude nehmen lassen, selbst auf Geschmackserkundung zu gehen. Die Weinpäpste mögen dabei eine gewisse Hilfestellung sein, aber probieren muss man selbst. Und dann dauert es nicht lange, bis wir, wie in den Finanzmärkten selbst, forschen, ob wir für einen Bruchteil des Geldes einen Wein finden, der eine ähnliche Qualität haben könnte wie die teuren Statussymbole Petrus, Latour und Rothschild. Und da stört es mich auch nicht, wenn mir mein Geschmackssinn manchmal vorgaukelt, ein richtig gutes Schnäppchen gemacht zu haben. Vielleicht möchte ich das auch gar nicht so genau wissen. Eines weiß ich aber sicher: Ich möchte am nächsten Morgen keine Kopfschmerzen haben, weil ich zu knauserig war und einen Billigverschnitt aus dem Supermarkt-Regal gegriffen habe, bei dem das Flaschenglas der wertvollste  Bestandteil ist.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> vgl. Derbyshire, David: <i>Wine-tasting: it’s junk science, </i>Online Ausgabe des Observer vom 23. Juni 2013</p>
</div>
<div>
<p>[2] Die Mindestbewertung, die ein Wein auf der 100er Skala bekommen kann, beträgt 50 Punkte, was in Schulnoten ausgedrückt einer 6 entspräche.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
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		<title>Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 07:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Stuart Pigott]]></category>
		<category><![CDATA[Survivorship bias]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
		<category><![CDATA[Warren Buffett]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein, mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &#38; Co begründete. Auch in der TV-Sendung [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-weinprobe-oder-am-rande-der-normalverteilung/">Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein,<span id="more-5488"></span> mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &amp; Co begründete. Auch in der TV-Sendung waren Billigweine ein Thema, und mit Schrecken musste ich, der keiner Flasche unter fünf Euro traut, erfahren, wie vorzüglich billige Weine sein können. Nicht dass ich jetzt einen besonderen Wert auf Individualität beim Weingenuss lege oder Wein als Statussymbol betrachte, aber Qualität ist mir doch wichtig. Und wenn man bedenkt, dass in besagten fünf Euro 19 Prozent Umsatzsteuer, der Preis fürs Flaschenglas, Handelsspannen etc. enthalten sind, dürfte für das, was ich genießen möchte, nicht mehr allzu viel übrig bleiben. Aber „Die Weinprobe“ vermittelte mir noch allerhand anderes Wissenswertes. So erfuhr ich, dass der Durchschnittspreis, den deutsche Weinliebhaber für eine Flasche Rebensaft bereit sind auszugeben, bei etwas mehr als 2,50 Euro liegt. Und eine Flasche Wein zum Preis von drei Euro wird häufig bereits als teuer eingestuft. Da liege ich ja voll daneben!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Günstige Weine im Blindversuch</strong></p>
<p>Interessant wurde es, als getestet wurde, ob man günstige Weine von Aldi, Lidl, Rewe &amp; Co auch am Geschmack erkennen könne. Und dazu lud man keinen geringeren als den britischen Weinkritiker Stuart Pigott ein, der im Blindversuch nur einen von vier günstigen Supermarkt-Weinen im Preis richtig einschätzte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, bei den anderen hingegen um bis zu mehr als dem Dreifachen nach oben abwich. „Da sieht man‘s mal wieder, alles nur Show“, hörte ich im Geiste meinen Freund K. ausrufen, der meinen Faible für Bordeaux-Weine schon immer verspottet hatte und den ich wiederum nicht nur in Sachen Wein für ein spaßfernes Sparbrötchen halte. Nun aber fragte ich mich, ob man den guten Stuart Pigott auch im Fernsehen gezeigt hätte, wenn er alle Weine richtig eingeordnet hätte? Wohl kaum, denn das hätte dem TV-Beitrag mit der Botschaft „Gutes muss nicht teuer sein“ einen großen Teil seiner Attraktivität geraubt. Ganz abgesehen von der Schadenfreude vieler Zuschauer, die es ja lieben, wenn einem Experten wieder einmal ein Schnippchen geschlagen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Interessant sind nur die Besten aller Talente</strong></p>
<p>Aber wir interessieren uns nun halt immer für das Spektakuläre. Und wenn es um Geld und Macht geht, für die Warren Buffetts und Bill Gates dieser Welt. Dabei wird gern vergessen, dass es unter all den Reichen und Steinreichen dieser Welt am rechten äußersten Rand der Glockenkurve zur statistischen Verteilung zwangsläufig den einen Ultrareichen geben muss. Und wenn er nicht Buffett heißt, dann ist es eben jemand anderes. Aber weil sich das öffentliche Interesse auf die Besten der Erfolgreichen konzentriert<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, unterschätzt man leicht, wie wenig wahrscheinlich solche Lebensläufe sind. Wir alle kennen die Legende von Bill Gates, der sich Monate lang in einer Garage eingeschlossen haben soll, bis er dann das Tor wieder öffnete und mit Microsoft ein Unternehmen von Weltruhm gründete. Was geschah mit all den Anderen Computerfreaks, die sich ebenfalls in einen Schuppen oder eine Garage zurückgezogen haben, später aber ausgehungert und unverrichteter Dinge wieder herauskamen und bis heute talentierte, aber arme Schlucker geblieben sind? Und wer interessiert sich für all die Tellerwäscher, die nicht zum Millionär wurden und, wenn sie nicht gestorben sind, noch immer in der Küche stehen und Geschirr spülen?</p>
<p>Niemand.  </p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der fünfte Wein, der einzige Winzerwein, zum Preis von 10,50 Euro kam bei der Blindverkostung bei Pigott übrigens nicht gut weg</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Tatsächlich handelt es sich um eine survivorship bias im weiteren Sinne  </p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-weinprobe-oder-am-rande-der-normalverteilung/">Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Kein Markowitz-Depot</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Sep 2012 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Diversifikation]]></category>
		<category><![CDATA[Intransparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Live-Ex Fine Wine 100 Index]]></category>
		<category><![CDATA[Markowitz]]></category>
		<category><![CDATA[Sachwerte]]></category>
		<category><![CDATA[Transaktionskosten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Großes Erstaunen bei der Lektüre der FTD. Das Markowitz‘sche Gesetz der Diversifikation, so musste ich dort lesen, soll wieder funktionieren, wo doch gerade dieses Konzept während der Finanzkrise in die Kritik geraten war. Denn wer damals sein Portfolio im Sinne des Nobelpreisträgers aufgebaut und seine Risiken gestreut hatte, konnte mitunter erleben, was passiert, wenn die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kein-markowitz-depot/">Kein Markowitz-Depot</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Großes Erstaunen bei der Lektüre der FTD. Das Markowitz‘sche Gesetz der Diversifikation, so musste ich dort lesen, soll wieder funktionieren, wo doch gerade dieses Konzept während der Finanzkrise in die Kritik geraten war. Denn wer damals sein Portfolio im Sinne des Nobelpreisträgers aufgebaut <span id="more-5022"></span>und seine Risiken gestreut hatte, konnte mitunter erleben, was passiert, wenn die Mehrheit der Finanz-Profis weltweit nach demselben Schema handelt. Und wer gemäß der Theorie von Markowitz eine Streuung seines Vermögens in verschiedene Anlageklassen vorgenommen hatte, die möglichst wenig miteinander korrelierten, um Verluste besser abfedern zu können, durfte zeitweise mitansehen, wie eine gut gemeinte Idee ad absurdum geführt wurde. Denn wenn viele Menschen dieselbe Theorie benutzen, bewegen sie sich ungewollt in Herden. Mit der Folge, dass Anlageklassen, die vormals nur wenig miteinander zu tun hatten, mit einem Male eng korreliert waren. Und als dann 2008 im Zuge der Immobilienkrise und des Lehman-Crashs viele Akteure gleichzeitig ihr Geld zurückhaben wollten, verwandelte sich eine vielversprechende, aber bis heute alternativlose Idee zur Risikostreuung, wie übrigens viele andere Goldene Regeln auch, in einen Fluch. Weil man nicht der einzige blieb, der sie anzuwenden versuchte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Problematische Sachwerte</strong></p>
<p>Jetzt, Jahre später, nachdem die großen Kursstürze von damals Historie sind, scheint manch einer erneut auf den guten, alten Markowitz setzen zu wollen. Doch wie soll man sein Portfolio absichern? Kein Wunder, dass man gerade in Zeiten der Unsicherheit schnell auf Sachwerte schielt, zumal Anleihen derzeit kaum Rendite bringen und auch Aktien zumindest hierzulande nicht wirklich gefragt sind. Doch mit den Sachwerten ist das so eine Sache. Wer Gold und Silber bereits hat – und das trifft bestimmt auf ziemlich viele zu –, muss sich auf weniger Bewegliches beschränken. Denn abgesehen  von Wohnimmobilien bleibt da nicht allzu viel übrig. Oldtimer? Kunst? Oder edle Bordeaux-Weine? Ein Privatbanker brachte es auf den Punkt: Wer ein bestimmtes Faible habe und sich zum Beispiel bei Weinen auskenne, für den könne so etwas durchaus ein gutes Investment sein, konnte man in der gestrigen Ausgabe der FTD erfahren. Aber Herzblut müsse schon darin stecken, so das caveat des Geschäftsführers der Private-Banking-Sparte einer deutschen Bank. Eigentlich sind das Eigenschaften, die auch auf mich zutreffen, dachte ich mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„Langfristig“ und „Geduld“ klingt nicht nach Gewinn</strong></p>
<p>Aber immer wenn ich das Wort „langfristig“ in Zusammenhang mit dem Begriff „Geduld“ lese, beschleicht mich ein seltsames Gefühl. Denn diese Kombination klingt in meinen Ohren verdächtig nach Engagements, die zumindest in der Gegenwart nicht ohne Verluste glattgestellt werden können. Gerade dies gilt derzeit für den Bordeaux-Wein-Markt, dessen Preise sich – gemessen am Live-Ex Fine Wine 100 Index<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> –über fünf Jahre hinweg bis Mitte 2011 immerhin mehr als verdreifacht hatten. Ja, ich kann mich noch erinnern, wie bei einer Versteigerung von Sotheby&#8217;s in Hongkong eine Flasche Chateau Lafitte-Rothschild aus dem Jahre 1869 alle Rekorde brach und für 233.000 USD den Besitzer wechselte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Intransparenter Markt</strong></p>
<p>Seither ist es allerdings mit den Preisen für die besten Gewächse der Welt stetig nach unten gegangen, so dass die führende Benchmark von der Spitze gut 27 Prozent an Wert verloren hat und nur noch auf dem Hoch vom Jahr 2008 notiert, also bevor die Immobilienkrise so richtig begann. Ganz zu schweigen, dass man als Laie im Falle eines Notverkaufs auch noch eine saftige Händlerspanne von locker 20 bis 30 Prozent in Kauf nehmen müsste, weswegen aus der einst so hochpreisigen Anlage aufgrund mangelnder Markttransparenz nur noch ein kleines Vermögen übrig bleiben dürfte. Ein Umstand, der bei vielen Sachinvestitionen übersehen wird.</p>
<p>Zum Glück bin ich ein echter Wein-Fan, liebe den Rebensaft nicht um der Rendite oder der Risikostreuung willen, sondern genieße das rote Gold aus Spaß und Leidenschaft. Nein, das Wertpapierdepot wird nicht mit Wein aufgefüllt, auch wenn Markowitz wieder in Mode sein sollte.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> *Es handelt sich dabei um die führende Benchmark der Weinindustrie – Bordeaux ist mit gut 90 Prozent im Index am stärksten vertreten</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/kein-markowitz-depot/">Kein Markowitz-Depot</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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