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	<title>Whistleblower Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Fri, 26 Aug 2016 17:40:34 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Ein Whistleblower lehnt ab</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Aug 2016 10:54:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8827 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/05/Fotolia-Mikro-Kopie-300x114.jpg" alt="Fotolia Mikro Kopie" width="300" height="114" />Es mag auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblower gegeben haben, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz, ihre persönlichen Kontakte zu riskieren, allein, um aus Gewissensgründen auf Missstände und Gesetzesverstöße in ihrem Unternehmen hinzuweisen. Einer von ihnen hat kürzlich von sich reden gemacht. Gemeint ist der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Eric Ben-Artzi. Er geriet in die Schlagzeilen, nicht nur, weil er als Kronzeuge Bilanzmanipulationen aufgedeckt, sondern vor allem, weil er anschließend – abhängig von der Strafzahlung der Bank – eine Belohnung in Höhe von 8,25 Millionen US-Dollar<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span>, die ihm die US-Wertpapieraufsicht SEC für diese Informationen zahlen wollte, abgelehnt hatte. Nach Angaben einer Zeitung begründete Ben-Artzi seine Weigerung, den ihm zustehenden Anteil an der Belohnung<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span> zu akzeptieren, damit, dass die Strafzahlung der Deutschen Bank die Falschen treffe. So müssten nicht die verantwortlichen Manager, sondern stattdessen Aktionäre und Angestellte der Bank, von denen derzeit etliche ihren Arbeitsplatz verlören, ihren Kopf hinhalten.</p>
<p>Mit Hilfe dieser hohen Belohnungen versucht man vor allen Dingen diejenigen auf den Plan zu rufen, die aus Angst vor Verlust ihrer materiellen Existenz bislang nicht bereit waren, gesetzwidriges Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten anzuzeigen. Denn ein Whistleblower verliert meist nicht nur seinen Job. Vielmehr läuft man Gefahr, auch danach als Verräter und Nestbeschmutzer gebrandmarkt zu werden, und so jemanden will auch kein anderes Unternehmen mehr einstellen. Besonders empfindlich reagiert die Finanzwelt auf derartige „Indiskretionen“. Das musste auch Eric Ben-Artzi erfahren. Mittlerweile ist er – immerhin – für ein israelisches Fintech Startup-Unternehmen tätig, wenn auch vermutlich zu einem Bruchteil seines früheren Gehalts. Auf jeden Fall hat sein selbstloses Verhalten für einiges Aufsehen gesorgt.</p>
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<p><strong>Andersdenkende Angestellte</strong></p>
<p>So hob etwa Michael Skapinker in einem Kommentar für die „Financial Times“ hervor, wie sehr Whistleblowing dem Ruf eines Unternehmens schaden könne. Und wenn es erst einmal so weit gekommen sei, dass sich ein Mitarbeiter an die Öffentlichkeit statt an seinen Vorgesetzten wende, sei dies als Anzeichen für eine chronisch dysfunktionale Unternehmenskultur zu werten. Denn gesunde Unternehmen würden sich den Bedenken besorgter Angestellter weit früher, bevor die Probleme an die Außenwelt gelangten, annehmen. Tatsächlich seien Mitarbeiter, die mit den Praktiken ihres Arbeitgebers nicht übereinstimmten, wichtig für das Unternehmen. In diesem Zusammenhang verweist Skapinker auch auf eine wissenschaftliche Studie<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></span>, die zu dem Ergebnis kommt, dass andersdenkende Angestellte zwar oft als nervig angesehen werden, sich aber gewissermaßen um das Unternehmen „kümmerten“. Solche Angestellten förderten und erhielten den guten Ruf ihres Arbeitgebers.</p>
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<p><strong>Soziale Normen entscheiden</strong></p>
<p>Ob Angestellte widersprechen, hängt jedoch davon ab, wie weit sie von Kollegen und Vorgesetzten dazu ermutigt oder für ihre Kritik bestraft werden. Und an dieser Stelle kommen die vorherrschenden sozialen Normen zum Tragen, also die Frage, wie diese selbst ihr Verhalten moralisch bewerten. Sicherlich wird jemand seine Handlungen kaum als unethisch einstufen, wenn er stets nur macht, was alle anderen tun. Ganz zu schweigen davon, dass Menschen nicht immer in der Lage sind, sobald sie mit einem ethischen Dilemma konfrontiert werden, dieses tatsächlich auch zu erkennen.</p>
<p>Kurzschulungen in ethischem Verhalten, Ethik-Hotlines oder ein Verhaltenskodex für Mitarbeiter, der diesen vorgibt, wie man bestimmte Grundwerte in der Praxis umsetzt, reichen jedoch nicht aus. Vielmehr müssen Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, ihre Bedenken mit Kollegen und Vorgesetzten ohne Furcht vor Repressalien besprechen zu können. Solange sich aber die sozialen Normen in den Unternehmen nicht ändern, vor allem weil Fehlverhalten der Verantwortlichen nicht sanktioniert wird, besteht für die Entscheider kein Anlass, umzudenken oder grundsätzlich etwas an ihrem Verhalten zu ändern.</p>
<p>Vorerst verursachen also geäußerte Bedenken eines besorgten Angestellten vor allem Dissonanz bei Kollegen und Vorgesetzten, die nicht einsehen, ihre bedenklichen moralischen Wertvorstellungen, die Grundlage der sozialen Normen sind, zu überdenken oder gar zu ändern. Und es ist jener Zustand der (kognitiven) Dissonanz, den Menschen nicht lange ertragen und dessen Ursache sie deshalb möglichst schnell beseitigen möchten.</p>
<p>Daran dürfte auch der Verzicht von Eric Ben-Artzi nicht viel ändern, mag er noch so vorbildlich sein.</p>
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<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> </span>Dieser Betrag errechnet sich aus den 55 Millionen US-Dollar Strafe, die die Deutsche Bank im vergangenen Jahr zahlen musste, wovon drei Whistleblowern – einer von ihnen war Ben-Artzi – 16,5 Millionen Dollar (30 Prozent der verhängten Geldbuße) als Belohnung zustanden</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a></span> Vgl. Internetausgabe der Financial Times vom 19. August 2016</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3"></a></p>
<p><span style="color: #008000;">[3]</span> International Journal of Business Communication: <a href="https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation">https://www.researchgate.net/publication/295877235_Learning_to_Contradict_and_Standing_Up_for_the_Company_An_Exploration_of_the_Relationship_Between_Organizational_Dissent_Organizational_Assimilation_and_Organizational_Reputation</a></p>
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		<title>Denen man nicht mehr vergibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 07:32:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Adaption]]></category>
		<category><![CDATA[Boni]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war im Januar 2011, als der Chef der Barclays Bank, Bob Diamond, forderte, mit der Kritik an den  Bankern müsse endlich Schluss sein. Und er fügte hinzu, die Zeit der Reue sei jetzt endgültig vorbei, als er vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen musste. Das war mitten in einer Zeit, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es war im Januar 2011, als der Chef der Barclays Bank, Bob Diamond, forderte, mit der Kritik an den  Bankern müsse endlich Schluss sein. Und er fügte hinzu, die Zeit der Reue sei jetzt endgültig vorbei, als er vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen musste. <span id="more-3254"></span>Das war mitten in einer Zeit, als sich die Investmentbanken wegen ihrer Bonuspolitik vor allem in Großbritannien, aber auch hierzulande heftige Kritik aus der Bevölkerung und anschließend auch von der Politik gefallen lassen mussten. Gut ein Jahr später wurde dem früheren Chef der Royal Bank of Scotland, Fred Goodwin, wegen seiner zweifelhaften Rolle während der Finanzkrise die ihm einst mit allen Ehren verliehene Ritterwürde wieder aberkannt. Eine  öffentliche Demütigung, wie sie sonst nur Schwerverbrechern zuteilwird – zuletzt (2008) war der Adelstitel Robert Mugabe, dem Despoten von Zimbabwe, entzogen worden.</p>
<p>Aber Stephen Hester, den derzeitigen Vorstandschef der zwangsweise verstaatlichten Royal Bank of Scotland, hat es ebenfalls erwischt. So musste er vor kurzem, nach tagelangem Druck der Öffentlichkeit und genötigt von Politikern, Gewerkschaftern und Medien, seinen umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro schweren Bonus in Aktien wieder zurückgeben.</p>
<p>Und auch der frühere Präsident der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, versuchte vergeblich,  <em>business as usual</em> zu mimen und einfach weiterzumachen, nachdem das unglückliche Timing der Währungsgeschäfte seiner Frau bekannt geworden war: Doch der öffentliche Zorn wollte einfach nicht schwinden.</p>
<p>Mitte Dezember 2011 geriet dann auch der am vergangenen Freitag zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff zum ersten Mal im Zusammenhang mit einem Hauskredit in die Schlagzeilen. Was daraufhin folgte, ist allseits bekannt. Teils unter kräftiger Mitwirkung der Medien gelangten fast schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit kleinere oder größere Geschichten aus seiner früheren Amtszeit als Ministerpräsident von Niedersachsen ans Licht der Öffentlichkeit, in denen dieser immer wieder der Vorteilsnahme und Unaufrichtigkeit verdächtigt und als kleinlicher Schnäppchenjäger beschrieben wurde. Ob er dabei tatsächlich im juristischen Sinne gefehlt hatte, diesen Beweis blieben die <em>whistleblower</em> allerdings oftmals schuldig. Selbst die nunmehr in der Causa Wulff ermittelnde Staatsanwaltschaft legt größten Wert auf die Unschuldsvermutung, die auch für den Ex-Präsidenten gelten müsse.</p>
<p>Was haben all diese Geschichten gemeinsam? Zunächst fällt auf, dass sich die Menschen offenbar weder an millionenschwere Banker-Boni gewöhnen wollen noch an die Gefälligkeiten, die der Bundespräsident willig entgegennahm. Verglichen mit der Berichterstattung zu diesen Themen sind  die Naturkatastrophen in Thailand, Haiti und Japan, die das Schicksal tausender und abertausender Menschen betroffen haben, wesentlich schneller aus den Schlagzeilen verschwunden. Natürlich könnte man gerade im Falle Wulffs einwenden, die Medien hätten mit ihrer scheibchenweise erfolgten Veröffentlichung von in ihrer Schwere ganz unterschiedlichen Vorwürfen ja quasi selbst dafür gesorgt, dass keine Abstumpfung bei der Bevölkerung eintreten konnte. Mit anderen Worten: Der Adaptionsprozess der öffentlichen Meinung wurde durch überraschende und immer wieder verschieden gravierende neue Erkenntnisse zu Wulffs Amtsführung empfindlich gestört<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1"><span style="color: #0000ff;">[1]</span></a>. Doch lässt sich dagegen sofort einwenden, dass die Medien mit Ausdauer eben nur darüber berichten, was vom interessierten Publikum auch nachgefragt wird.</p>
<p>Es muss sich also noch etwas geändert haben. Denn in früheren Zeiten hätte man sich wohl kaum jahrelang über die überzogene Bezahlung von Investmentbankern aufgeregt. So hatte noch der Banker Bob Diamond irrtümlicherweise angenommen, die Banken würden ihre Schuld wie in früheren Zeiten schon bald wieder abstreifen können. Auch Bagatellen wie Wulffs Hauskredit oder seine Probefahrt mit einem neuen Auto-Modell wären früher vermutlich schnell in Vergessenheit geraten. Ich kann mich an Verfehlungen und Skandale hochrangiger deutscher Persönlichkeiten und Ministerpräsidenten erinnern, die weitaus schwerer wogen; Politiker, die trotz alledem wieder zurückkamen und deren Altersversorgung nicht wie jetzt bei Wulff zur Disposition stand.</p>
<p>Offenbar hat die Gesellschaft ihr Verhalten insbesondere gegenüber denjenigen geändert, die dem obersten Ein-Prozent-Segment innerhalb der Einkommensverteilung angehören. Diese Gruppe scheint seit Entstehen der Occupy-Bewegung unter besonderer Beobachtung zu stehen. Unterstützt wird diese Wachsamkeit durch eine neue Form der Transparenz im Internet, Unterstützt wird diese Wachsamkeit durch eine neue Form der Transparenz im Internet, wo binnen kürzester Zeit Menschen im Extremfall geradezu „hingerichtet“ werden können. Und weil dieses „alleroberste Prozent“ nach allgemeinem Verständnis als das Resultat einer ungerechten Verteilung der Einkommen gilt, ist man offenbar nicht mehr bereit, auch noch die kleinsten Verfehlungen dieser Leute hinzunehmen. Sie sind es, denen man nicht mehr vergibt.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1"><span style="color: #0000ff;">[1]</span></a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Vgl. Im Zusammenhang mit unterbrochenen Gewöhnungsprozessen auch Hsee, Christopher K., (2008): <em>Two Recommendations on the Pursuit of </em></span></span><a href="http://www.blognition.de/tag/happiness"><em><span style="color: #0000ff; font-family: Calibri; font-size: x-small;">Happiness</span></em></a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;">, Journal of Legal Studies vol. 37</span></span></p>
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		<title>Whistleblower</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 12:53:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Belohnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern sinnierte ich noch darüber*, ob man bereit wäre, gegen Belohnung eine Sportskollegin beim Studiobetreiber anzuzeigen, weil sie ihr Gerät nicht gereinigt hatte. Das hatte seinen Grund, denn ich las kürzlich in der FT, dass eine gewisse Frau Kaiser zusammen mit ihrem Ehemann von der US-Börsenaufsicht SEC eine Belohung in Höhe von sage und schreibe [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern sinnierte ich noch darüber*, ob man bereit wäre, gegen Belohnung eine Sportskollegin beim Studiobetreiber anzuzeigen, weil sie ihr Gerät nicht gereinigt hatte. Das hatte seinen Grund, denn ich las kürzlich in der FT, dass eine gewisse Frau Kaiser zusammen mit ihrem Ehemann <span id="more-7468"></span>von der US-Börsenaufsicht SEC eine Belohung in Höhe von sage und schreibe einer Million Dollar erhalten hatte. Frau Kaiser hatte der Behörde Informationen über den Hedgefond ihres Ex-Manns geliefert, die zu einer Zahlung von 28 Millionen Dollar wegen Insider-Tradings geführt hatten – inklusive einer Geldbuße von zehn Millionen. Man kann davon ausgehen, dass die SEC als Folge der radikalen Reformen zu Regulierung der Finanzmärkte in Zukunft noch weitaus höhere Prämien aussetzen wird. Denn die Belohnung für Frau Kaiser war nur das absolute Minimum (10 Prozent) und hätte laut Gesetz (Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act) bis zu 30 Prozent der verhängten Geldbuße betragen können.</p>
<p>Natürlich  gab es auch schon in der Vergangenheit so genannte Whistleblowers**, die uneigennützig ihren Arbeitsplatz, ihre beruflichen und privaten Kontakte riskierten, um einzig aus Gewissensgründen auf Missstände und gesetzwidriges Verhalten hinzuweisen. Diese Menschen werden auch in Zukunft  nicht wegen finanzieller Anreize tätig werden.</p>
<p>Vielmehr werden solch hohe Belohnungen, diejenigen auf den Plan rufen, die bislang aufgrund materieller Hindernisse nicht bereit waren, gesetzwidriges Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten anzuzeigen. Nicht nur, weil man als Verräter und Nestbeschmutzer gebrandmarkter Arbeitnehmer ohnehin seinen Job verlieren und in der Finanzbranche vermutlich keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen würde. Oftmals sind solche Persönlichkeiten selbst in diese strafbaren Handlungen verwickelt und fühlen sich so einer „lokalen“ Gruppennorm (womöglich mit einem eigenen Belohnungssystem) verbunden. Um letztlich wieder zur gesellschaftlichen Norm „zurückzufinden“, bedarf es daher nicht nur eines monetären Anreizes, der den der lokalen Gruppennorm bei weitem übertrifft, sondern auch einer Kronzeugenregelung für Straftäter.</p>
<p>Bleiben noch jenseits der Normen die enttäuschten Ehefrauen und -männer, die von ihrem Partner in manch schwacher Stunde zu viel „Geschäftliches“ erfahren haben. Da Rache allein für manch einen ein niedriges Motiv ist, um dem/der Ex mit einer Anzeige eins auszuwischen, erleichtert die monetäre Versüßung den Weg zur Aufsicht.</p>
<p>Ein Problem stellt sich dennoch für Selbstanzeiger und Denunzianten: Die Höhe der Strafzahlung für den Schuldigen ist ungewiss und oft Gegenstand von langatmigen Vergleichen. Und so ist es fraglich, ob ein so verdientes Kopfgeld für den Rest eines zumindest materiell sorgenfreien Lebens ausreicht.</p>
<p>*Vgl. Beitrag über Frau Saubermann</p>
<p>**Das „whistleblowing“ kommt aus den USA und bedeutet so viel wie Alarm schlagen, um Fehlverhalten, Missstände, Delikte etc. an die Öffentlichkeit zu bringen. Der Whistleblower ist jedoch vom Petzer oder Denunzianten abzugrenzen – Begriffe, für die es im Angloamerikanischen keine Entsprechung gibt. Im Gegensatz zu letzteren, handelt der Whistleblower immer uneigennützig.  Eine detaillierte Beschreibung ist unter <a href="http://www.vdw-ev.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=17" target="_blank">http://www.vdw-ev.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=17 </a>zu finden.</p>
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