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	<title>Wahrscheinlichkeiten Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Papertrades</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 May 2011 09:15:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir einen Androiden besorgt und bin mit diesem Handy rundum zufrieden. Obwohl ich Handyspiele eigentlich hasse, konnte ich es mir nicht verkneifen, ein so genanntes App herunterzuladen. Ja, ich gestehe es, es war eigentlich ein nervtötendes und unsinniges Spiel, welches ich mir, kostenlos versteht sich, besorgt hatte: Roulette. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir einen Androiden besorgt und bin mit diesem Handy rundum zufrieden. Obwohl ich Handyspiele eigentlich hasse, konnte ich es mir nicht verkneifen, ein so genanntes App herunterzuladen.<span id="more-1388"></span> Ja, ich gestehe es, es war eigentlich ein nervtötendes und unsinniges Spiel, welches ich mir, kostenlos versteht sich, besorgt hatte: Roulette. Roulette ohne Risiko sozusagen. Man fängt mit einem virtuellen Einsatz von 1000 Dollar Spielgeld an und mit der Zeit bemerkte ich, dass ich zumindest auf dem Display immer reicher wurde. Mittlerweile ist mein Kontostand bei knapp 40.000 Dollar angelangt. Und das bei einem Tischlimit von 250 Dollar pro Spielrunde. Wo es doch immer heißt, dass man langfristig selbst beim Roulettespiel mehr bezahlt als kassiert. Weil es ja die Null als 37. Zahl gibt, bei der die Bank gewinnt. Nachdem ich aus Neugier über viele Tage hinweg immer wieder einmal in einem ruhigen Moment den Roulette-Kessel in Bewegung gesetzt hatte, fiel mir auf, dass selbst nach über 400 Spielrunden die Kugel nicht ein einziges Mal auf der Null gelandet war. Eigentlich hätte ich theoretisch bis dahin zehn Mal die Null sehen müssen. Aber es soll ja auch Zufälle geben.</p>
<p>Das Ganze erinnerte mich an meine Anfangszeit als Eigenhändler, als ich mit so genannten Papertrades, also ohne reales Engagement, die eine oder andere Strategie ausprobierte. Das hat auch ganz gut geklappt, so dass ich alsbald mutig wurde und echtes Geld in die Hand nahm. Am Anfang, als die Einsätze noch niedrig waren, war ich gar nicht so schlecht. Dann wurde ich noch mutiger, aber seltsamerweise sank mit den steigenden Einsätzen meine Performance. Heute weiß ich, dass Papier geduldig ist und sich die Welt des Handelns bei größeren materiellen Einsätzen und damit steigendem Commitment ganz anders anfühlt.</p>
<p>Dieselbe Gefahr dürfte den vielen Menschen drohen, die unbedarft das nette Roulettespiel auf ihr Handy herunterladen. Da kann man ohne Commitment so richtig drauflos spielen und vor allem auch immer wieder neu anfangen, mit einem Startguthaben von 1000 Dollar und keinen Schulden aus den Vorrunden. Gefährlich wird es allerdings, wenn man – wie ich damals – zu glauben beginnt, die Gratis-Simulation, der Papertrade, lasse sich im richtigen Leben mit richtigem Geld ganz einfach wiederholen.</p>
<p>Da muss man ganz schön Glück haben.</p>
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		<title>Der Fluch des Gewinners</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 11:29:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gewichtung von Wahrscheinlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Overconfidence]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon wieder hat in unserer Nachbarschaft eine neue Spielhalle aufgemacht und ist jetzt 24 Stunden  am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet. Der Chef des Etablissements fährt nicht nur dann und wann mit einem tollen Schlitten vor, sondern ist auch – im Gegensatz zu seiner Kundschaft – sehr vornehm gekleidet. Sein Geschäfte laufen glänzend, so der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon wieder hat in unserer Nachbarschaft eine neue Spielhalle aufgemacht und ist jetzt 24 Stunden  am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet. Der Chef des Etablissements fährt nicht nur dann und wann mit einem tollen Schlitten vor, sondern ist auch – im Gegensatz zu seiner Kundschaft – sehr vornehm gekleidet. Sein Geschäfte laufen glänzend,<span id="more-693"></span> so der erste Eindruck. Wer will da noch behaupten, in Deutschland unternähme jemand etwas gegen die Spielsucht der Menschen. Plötzlich erinnere ich mich an alte Zeiten, als ich als Heranwachsender manchmal beim Bier in meiner Stammkneipe Leuten am Geldspielautomaten bewundernd zusah, die anscheinend in der Lage waren, mit der Stopptaste des Automaten die drei Walzen der Mechanik so genau zum Stehen zu bringen, dass die für den Gewinn erforderliche Kombination tatsächlich im Sichtfenster erschien. Häufiger jedenfalls. Heute weiß ich natürlich, dass viele dieser Automatenspieler ihre Fähigkeiten nicht nur systematisch überschätzt hatten (also overconfident waren), sondern auch der Illusion erlegen waren, sie könnten die Maschine tatsächlich beherrschen. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang gerne von Kontrollillusion. Damals habe ich mir übrigens nie die Frage gestellt, warum diese Spieler nie steinreich geworden sind.</p>
<p>Obgleich ich von Automatenspielen nur wenig Ahnung habe, ist mir klar, dass die Mechanik dieser Geräte von damals nicht mit der heutigen Elektronik vergleichbar ist. Trotzdem vertrauen noch viele Spieler auf ihr vermeintliches Geschick, wenn sie der akustischen Begleitmusik, diesem irreführenden „Da da tüta tüta da“ zur blinkenden Risikoleiter folgen, bei der es um &#8222;Doppelt oder Nichts&#8220; geht. Dabei sehen die Auszahlungspläne solcher Automaten nicht vor, dass die sie mit Hunderten von Münzen fütternden Spieler langfristig als Gewinner aus der Halle gehen. Was jedem rational denkenden Mensch eigentlich klar sein müsste, wenn er liest, dass die Auszahlungsquote von Spielautomaten zwischen 96 und 98 % liegt.</p>
<p>Was also lässt die Menschen (von denen es so viele gibt, dass eine Industrie mit Milliarden Umsätzen davon leben kann<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn1">1</a>) Stunden lang an Automaten verharren, nur um sich die Zeit mit systematischen Verlusten zu vertreiben? Automaten, für die man weder eine besondere Intelligenz noch Geschicklichkeit benötigt. Natürlich würden Profispieler sofort einwenden, dass man ja immerhin mit kleinem Geld (0,20 €) die Chance auf eine so genannte Superserie hat (so bezeichnet man das Ziel, auf das ein Automatenspieler hinarbeitet, weil dann für eine bestimmte Zahl von Spielen Höchstgewinne erzielbar sind), und dass man bei einer solchen Superserie mit etwas Glück einige hundert Euro gewinnen könne. Da diese Gewinne mit einer sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit auftreten, werden sie diese – wie dies bei kleinen Wahrscheinlichkeiten üblich ist – natürlich vergrößert wahrnehmen. Aber dies dürfte nicht der einzige Grund sein, warum Spieler an den Automaten festkleben. Zumal doch die verhaltensorientierten Ökonomen immer wieder darauf hinweisen, dass Verluste etwa zweieinhalb Mal so stark wahrgenommen werden wie Gewinne in gleicher Höhe.</p>
<p>Vielmehr ist es die Art und Weise, wie Gewinne und Verluste ausgezahlt bzw. belastet werden. Letztere bestehen in gleichbleibend hohen Einsätzen pro Spiel, an die man sich schnell gewöhnt, weil sie, solange man spielen möchte, regelmäßig und sicher sind. Ganz anders jedoch verhält es sich mit den Gewinnen. Sie sind unsicher und auch von unterschiedlicher Höhe, bleiben also unberechenbar.   Gerade deswegen sorgen sie länger für anhaltendes Wohlbefinden. Genauso wie man sich über ein unerwartetes Geschenk wesentlich länger und intensiver freuen kann als über eines, mit dem man schon lange fest gerechnet hatte<a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_edn2">2</a>. Und genau für diese kleine Euphorie sind viele Spieler anscheinend  bereit, eine Menge Geld zu bezahlen. So gesehen sind Gewinne ein Fluch</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref1">1</a> <a href="http://www.vdai.de/spielerschutz.pdf">Informationsblatt „Spielerschutz“</a>, Verband der Deutschen Automatenindustrie e.V. (VDAI)</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-admin/post-new.php#_ednref2">2</a> [i] Hsee, Christopher K., (2008): <em>Two Recommendations on the Pursuit of Happiness</em>, Journal of Legal Studies vol. 37</p>
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