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	<title>Ungleichverteilung Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Fri, 02 May 2014 05:29:27 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Lieber leben als zurücklegen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 May 2014 05:29:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung im Zeitablauf]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Sparen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Theoretisch ist es den meisten Menschen klar, dass sie Geld für die Zukunft zurücklegen sollten. In der Praxis ist die Sache allerdings komplizierter, denn niemand weiß, wie sich aus heutiger Sicht Gewinne oder Verluste in der Zukunft tatsächlich anfühlen werden. Unter dem Thema „Lieber leben als zurücklegen – ist uns unsere Zukunft egal?“ wird im [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/lieber-leben-als-zuruecklegen/">Lieber leben als zurücklegen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Theoretisch ist es den meisten Menschen klar, dass sie Geld für die Zukunft zurücklegen sollten. In der Praxis ist die Sache allerdings komplizierter, denn niemand weiß, wie sich aus heutiger Sicht Gewinne oder Verluste in der Zukunft tatsächlich anfühlen werden.</p>
<p>Unter dem Thema <strong>„Lieber leben als zurücklegen – ist uns unsere Zukunft egal?“</strong></p>
<p>wird im Rahmen der Verleihung des comdirect finanzblog award 2014 (<a href=".:%20http:/www.finanzblog-award.de/einladung/">Näheres <strong>hier</strong></a>) am 6. Mai 2014 um 15.30 Uhr auf der re:publica 14 in Berlin eine Podiumsdiskussion stattfinden, zu der auch ich als Teilnehmer eingeladen bin. Deswegen zur Einstimmung ein paar Gedanken zu meiner Position.</p>
<p>Man kennt es ja zu Genüge: Gerade hat man sich dazu durchgerungen, ein paar Winterpfunde loszuwerden und wollte deswegen gleich morgen mit einer Diät beginnen. Doch gleich am nächsten Tag gibt es die erste Hürde: Freunde haben einen zum Abendessen eingeladen, und nun möchte man ihre Gastfreundschaft nicht beleidigen, indem man ihr köstliches Mahl verschmäht und stattdessen die Dose mit dem Diätpulver auspackt. Anders ausgedrückt: Menschen unterschätzen, dass sich Gedanken, Erinnerungen, Sichtweisen, Vorlieben im Zeitablauf ändern können. In der klassischen Ökonomie kommen solche Präferenzverschiebungen und Gewöhnungsprozesse schlichtweg nicht vor, in der Realität aber schon.</p>
<p>Die Standardökonomie geht davon aus, dass Menschen etwas Angenehmes umso höher bewerten, je früher es eintritt. Ein Geldgeschenk in Höhe von 1000 Euro ist uns heute lieber, als wenn wir es erst in einem Monat bekämen. Unangenehmes wird dagegen hinausgeschoben. Im klassischen Fall nimmt der Nutzen eines Geldgeschenks an jedem Tag, den seine Überreichung weiter in die Zukunft geschoben wird, mit einer prozentualen, konstanten Rate ab, er wird diskontiert. Um einem Entscheider eine spätere Auszahlung schmackhaft zu machen, muss man ihm also in der Zukunft einen höheren Betrag in Aussicht stellen, als er heute erhalten würde. Und zwar vermehrt um einen persönlichen Diskontfaktor.</p>
<p>Gemäß diesem Modell spielt es für einen Entscheider also keine Rolle, ob er heute 1.000 Euro bekommt oder 1.100 Euro ein Jahr später, also 1.000 plus einen Betrag in Höhe seines persönlichen Diskontsatzes. Bei diesem klassischen Modell bleiben Diskontierungsrate wie Präferenzen stabil. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass weder die persönliche Diskontrate noch die Präferenzen stabil sind. Wer 1.100 Euro in 30 Wochen einem Geldbetrag von 1.000 Euro in 26 Wochen vorzieht, sollte sich genauso verhalten, wenn er vor die Wahl gestellt würde, 1.000 Euro heute oder 1.100 Euro in vier Wochen zu bekommen. Obwohl die zeitliche Distanz in beiden Fällen die gleiche ist, findet in der Praxis meist eine Präferenzumkehr statt: Mit einem Male entscheiden sich viele Menschen vorzugsweise für den niedrigeren, sofort ausgezahlten Geldbetrag und lassen dafür den 10 Prozent höheren Betrag, den sie erst vier Wochen später erhielten, dafür liegen.</p>
<p>In einer Welt, in der die Nominalzinsen hoch sind, mag Sparen für das Alter attraktiv erscheinen. Obwohl man weiß, dass die Geldentwertung via Inflation und Besteuerung einen großen Teil der Zinserträge wieder auffrisst, wird ein nominal hoher, künftiger Zinsertrag zumindest von den meisten Sparern als so genanntes „geistiges Konto“ parallel in ihrem Kopf mitgeführt, und das ist eine Strategie, die hilft, den „Schmerz“ über die in der Gegenwart aufzubringenden Sparraten zu mildern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reallohnverluste vermindern Sparleistung</strong></p>
<p>Fallen diese nominalen Erträge jedoch aufgrund des heutigen Niedrigzinsumfeldes extrem gering aus, ist es vielen Menschen nicht mehr zu vermitteln, warum man für einen Verzicht in der Gegenwart auf minimale Gewinne in der Zukunft sparen soll. Das mentale Zinskonto ist nicht mehr hoch genug. Mit anderen Worten fragt man sich: „Wofür soll ich eigentlich sparen, ich bekomme ja eh‘ nichts dafür? Oder soll ich gar eine risikoreichere Anlage wählen, um in der Zukunft abgesichert zu sein?“</p>
<p>Viele dieser risikoreicheren Anlagen kommen für die meisten Menschen allerdings nicht mehr in Betracht. Sei es, dass man bereits schlechte Erfahrungen an der Börse gemacht oder mit Produkten, die während der Finanzkrise noch mit Hochdruck verkauft wurden, am Ende Schiffbruch erlitten hat. Oder liegt es etwa daran, dass viele Sparer in gewissem Sinne in Sachen Geld immer noch ökonomische Analphabeten sind? Abgesehen davon, dass sie sich ihrer eigenen Verhaltensmuster ebenso wenig bewusst sind.</p>
<p>Daneben kommt aber noch ein anderer Faktor zum Tragen, der zurzeit in der gesellschaftlichen Diskussion in den USA eine wesentliche Rolle spielt und manchmal auch in Europa thematisiert wird. Gemeint ist die sich immer weiter verstärkende Ungleichverteilung der Vermögen und Einkommen zwischen Arm und Reich, vor allem durch die Finanzkrise und die späteren Rettungsmaßnahmen der Notenbanken. Während nur das oberste Prozent – vor allem aber das oberste Promille – der Bevölkerung sowohl bei Einkommen als auch Vermögen noch reale Zuwächse verzeichnen kann, kann dies von 95 Prozent der Haushaltseinkommen der US-Bevölkerung nicht mehr behauptet werden. Reallohnverluste in der Gegenwart müssen entweder durch Konsumverzicht oder durch eine geringere Sparleistung ausgeglichen werden – ein Trend, der sich auch hierzulande immer mehr abzeichnet. Gleichzeitig herrscht weiterhin ein gnadenloser Wettbewerb um den sozialen Status. Aus Angst vor dem Abrutschen auf eine niedrigere gesellschaftliche Position werden monetäre Mittel verstärkt benötigt, wodurch es immer schwerer wird, Rücklagen zu bilden.</p>
<p>Unsere Zukunft ist uns sicherlich nicht egal, aber die Gegenwart ist uns wichtiger. Nicht einmal um eines besseren Lebens willen, sondern vielfach nur um zu überleben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/lieber-leben-als-zuruecklegen/">Lieber leben als zurücklegen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Die große Pleite</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 07:38:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Hauspreise]]></category>
		<category><![CDATA[Nicht-Positionsgüter]]></category>
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		<category><![CDATA[soziale Ungleichheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geahnt haben wir es wohl immer schon, wie die große Pleite des Mittelstandes in den USA zustande gekommen ist. Wirklich verstanden und mit nackten Zahlen und harten Fakten vor Augen geführt wurde mir das Ganze allerdings erst, als ich ein lesenswertes neues Buch mit vielen statistischen Materialien über soziale Ungleichheit durchlas[1]. In diesem Band wird [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-grose-pleite/">Die große Pleite</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Geahnt haben wir es wohl immer schon, wie die große Pleite des Mittelstandes in den USA zustande gekommen ist. Wirklich verstanden und mit nackten Zahlen und harten Fakten vor Augen geführt wurde mir das Ganze allerdings erst, <span id="more-3308"></span>als ich ein lesenswertes neues Buch mit vielen statistischen Materialien über soziale Ungleichheit durchlas<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. In diesem Band wird die Entwicklung des mittleren Familieneinkommens in den USA (vor Steuern) gezeigt, das sich während der vergangenen drei Dekaden seit 1971 inflationsbereinigt gerade einmal um 16 % erhöht hat – während der vergangenen zehn Jahre gab es sogar überhaupt keinen Einkommenszuwachs mehr. Wenn man bedenkt, dass während der gleichen Zeit (ebenfalls inflationsbereinigt) der Preis eines mittleren Einfamilienhauses von 129.000 auf 247.900 US-Dollar gestiegen ist, muss man sich schon fragen, wie sich die Leute einen solchen Wohlstand überhaupt leisten konnten.</p>
<p>Richtig schwindlig wurde mir, als ich in diesem Buch den Beitrag von Kevin T. Leicht las, aus dem hervorging, dass die Stundenlöhne der Beschäftigten (außerhalb der Landwirtschaft) zwischen 1988 und 2007 praktisch nicht gestiegen sind, wohl aber deren Produktivität. Natürlich kann man nicht erwarten, dass die Stundenlöhne mit der Produktivität zu 100 Prozent Schritt halten. Dann hätte sich der durchschnittliche Stundenlohn während dieses Zeitraums von 11,37 auf 16,51 USD erhöhen müssen. Aber selbst eine Beteiligung der Arbeitnehmer an einem Viertel ihrer Produktivität hätte immerhin zu einem Anstieg des realen mittleren Stundenlohns um 9 Prozent geführt.</p>
<p>Ich möchte an dieser Stelle gar nicht einmal der Frage nachgehen, wer sich dieses Geld in die eigene Tasche gesteckt hat. Die Antwort darauf ist hinlänglich bekannt und lässt sich besonders deutlich in den Statistiken zum oberen Promille der Einkommensverteilung der US-Bevölkerung<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn2">[2]</a> ablesen. Aber es gibt einem schon zu denken, wie es den USA gelingen konnte, sich zu einer Zeit, da die meisten Amerikaner real nicht mehr Geld in der Tasche hatten, so ausschließlich auf den privaten Verbrauch als Konjunkturmaschine zu verlassen.</p>
<p>Natürlich kann man einwenden, dass die Beschäftigten vielleicht einfach mehr gearbeitet haben, um die stagnierenden Reallöhne auszugleichen. Sei es, dass die Zahl der täglichen Arbeitsstunden erhöht wurde oder der Lebenspartner sich stärker am Broterwerb beteiligt hat<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn3">[3]</a>. Wenn man jedoch bedenkt, dass das Wettrüsten um Statussymbole, also Positionsgüter, während der vergangenen Jahrzehnte nicht nachgelassen, sondern sogar noch an Geschwindigkeit gewonnen hat, ist es nicht verwunderlich, wenn zur Finanzierung des Eigenheims neben allen anderen gestiegenen Kosten Ersparnisse angegriffen und Kredite aufgenommen werden mussten. Kredite, die bekanntlich vor allem auf hochgerechneten Immobilienwerten beruhten.</p>
<p>Viel schwerer wiegt jedoch der Verlust an Lebensqualität, der in Form von verlängerten Arbeitszeiten, unsicheren Arbeitsbedingungen und manchmal gar schlechter bezahlten Jobs hingenommen wurde, nur um ja nicht beim sozialen Vergleich hinten runter zu fallen. Anders ausgedrückt: Um den Lebensstandard zu halten, mussten Nicht-Positionsgüter wie Wohlbefinden, Erholung etc., deren Mangel man erst auf lange Sicht bemerkt, gegen Positionsgüter eingetauscht werden, an die man sich außerdem ja noch ziemlich schnell gewöhnt.</p>
<p>Was ist übrig geblieben? Durch die drastisch gesunkenen Hauspreise, die gestiegenen Pleiten, sind viele Menschen nicht nur ihrer Positionsgüter beraubt worden. Viel schwerer wiegt die verlorene Zeit, die man mit der Familie oder mit Freunden hätte verbringen können, die fehlende Erholung, um einem Burnout oder Herzinfarkt vorzubeugen, die im Alltagsstress zerrüttete Ehe, die zerbrochene Partnerschaft. All das kann einem niemand mehr zurückbringen. Nicht einmal dadurch, dass man denjenigen, die bei der ganzen Geschichte überproportional gewonnen haben, alles wieder abnehmen würde.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Porter, Katherine, Ed. (2012): <em>Broke &#8211; How Debt Bankrupts the Middle Class</em>, Stanford University Press</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref2">[2]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Bakiya Jon et al.:<a href="http://indiana.edu/~spea/faculty/pdf/heim_JobsIncomeGrowthTopEarners.pdf" target="_blank"> <em>Jobs and Income Growth of Top Earners and the Causes of Changing Income</em></a><em><a href="http://indiana.edu/~spea/faculty/pdf/heim_JobsIncomeGrowthTopEarners.pdf" target="_blank"> Inequality: Evidence from U.S. Tax Return Data</a>, </em>November 2010, p. 51    </span></span></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref3">[3]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Leicht, Kevin T. ebenda: <em>Borrowing to the Brink, Consumer Debt in America</em></span></span></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-grose-pleite/">Die große Pleite</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Zwei Welten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 08:06:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Boni]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Normalerweise äußere ich mich nicht zu Banker-Boni und schon gar nicht über deren Höhe. Wenn ich aber heute bei Spiegel online lese, dass sich die Investmentbanker in diesen Tagen bescheiden müssen, wenn es um die Boni für das Jahr 2011 geht, habe ich das Gefühl, dass man etwas vielleicht verstanden zu haben scheint. So fallen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/zwei-welten/">Zwei Welten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Normalerweise äußere ich mich nicht zu Banker-Boni und schon gar nicht über deren Höhe. Wenn ich aber heute bei Spiegel online lese, dass sich die Investmentbanker in diesen Tagen bescheiden müssen, wenn es um die Boni für das Jahr 2011 geht, <span id="more-3293"></span>habe ich das Gefühl, dass man etwas vielleicht verstanden zu haben scheint. So fallen bei der Schweizer UBS die Erfolgsprämien um 40 Prozent und bei der französischen BNP Paribas sogar um 50 Prozent niedriger als im Vorjahr aus. Daneben stehen Arbeitsplätze zur Disposition, auch groß angelegte Kostensenkungsprogramme sind längst angelaufen. All diese Maßnahmen werden von manchen Kommentatoren immer noch mit großer Häme begleitet, zwischen den Zeilen kann man manchmal sogar ein polemisches &#8222;recht so!&#8220; lesen –  ich möchte mich darüber ganz bewusst nicht auslassen.</p>
<p>In Großbritannien scheinen die Uhren allerdings anders zu ticken. Denn wenn ich heute Morgen gleichzeitig in der Financial Times lese, dass die Royal Bank of Scotland (RBS) für 2011 einen Verlust von knapp 2 Mrd. GBP verbuchen musste und dabei trotz allem 985 Mio. GBP an Boni für dieses Geschäftsjahr ausschütten wird, dann schwillt mir der Kamm. Denn man darf nicht vergessen, dass sich dieses Institut zu 83 Prozent in staatlicher Hand befindet und überdies seit der Rettung im Jahre 2008 vier Verlustjahre hintereinander hingelegt hat<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Hatte nicht RBS-Chef Stephen Hester unlängst unter dem Druck der Öffentlichkeit auf seinen im Vergleich zur insgesamt ausgeschütteten Summe geradezu mickrig aussehenden Bonus von einer Million Pfund verzichtet? Sieht das nicht lächerlich aus? Im Schach würde man von einem Damenopfer sprechen, um am Ende das Spiel zu gewinnen: Der Chef-Bonus wurde für den großen Topf geopfert.</p>
<p>Eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass Boni für gute Leistungen und nicht dafür gezahlt werden, um die eigene Arbeitskraft auf Betriebstemperatur zu bringen. Weil man Talent belohnen muss, wie man allenthalben immer wieder hört. Ich frage mich, worin die Leistung besteht, wenn man für Verluste bezahlt wird. Besteht das Talent etwa darin, dass diese Verluste andernfalls noch höher ausgefallen wären?</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> <a href="http://citywire.co.uk/money/rbs-tops-index-despite-losses-ftse-flat/a569152?ref" target="_blank">Citiwire Money</a></span></span></p>
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		<title>Denen man nicht mehr vergibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 07:32:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Adaption]]></category>
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		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es war im Januar 2011, als der Chef der Barclays Bank, Bob Diamond, forderte, mit der Kritik an den  Bankern müsse endlich Schluss sein. Und er fügte hinzu, die Zeit der Reue sei jetzt endgültig vorbei, als er vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen musste. Das war mitten in einer Zeit, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/denen-man-nicht-mehr-vergibt/">Denen man nicht mehr vergibt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es war im Januar 2011, als der Chef der Barclays Bank, Bob Diamond, forderte, mit der Kritik an den  Bankern müsse endlich Schluss sein. Und er fügte hinzu, die Zeit der Reue sei jetzt endgültig vorbei, als er vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen musste. <span id="more-3254"></span>Das war mitten in einer Zeit, als sich die Investmentbanken wegen ihrer Bonuspolitik vor allem in Großbritannien, aber auch hierzulande heftige Kritik aus der Bevölkerung und anschließend auch von der Politik gefallen lassen mussten. Gut ein Jahr später wurde dem früheren Chef der Royal Bank of Scotland, Fred Goodwin, wegen seiner zweifelhaften Rolle während der Finanzkrise die ihm einst mit allen Ehren verliehene Ritterwürde wieder aberkannt. Eine  öffentliche Demütigung, wie sie sonst nur Schwerverbrechern zuteilwird – zuletzt (2008) war der Adelstitel Robert Mugabe, dem Despoten von Zimbabwe, entzogen worden.</p>
<p>Aber Stephen Hester, den derzeitigen Vorstandschef der zwangsweise verstaatlichten Royal Bank of Scotland, hat es ebenfalls erwischt. So musste er vor kurzem, nach tagelangem Druck der Öffentlichkeit und genötigt von Politikern, Gewerkschaftern und Medien, seinen umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro schweren Bonus in Aktien wieder zurückgeben.</p>
<p>Und auch der frühere Präsident der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, versuchte vergeblich,  <em>business as usual</em> zu mimen und einfach weiterzumachen, nachdem das unglückliche Timing der Währungsgeschäfte seiner Frau bekannt geworden war: Doch der öffentliche Zorn wollte einfach nicht schwinden.</p>
<p>Mitte Dezember 2011 geriet dann auch der am vergangenen Freitag zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff zum ersten Mal im Zusammenhang mit einem Hauskredit in die Schlagzeilen. Was daraufhin folgte, ist allseits bekannt. Teils unter kräftiger Mitwirkung der Medien gelangten fast schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit kleinere oder größere Geschichten aus seiner früheren Amtszeit als Ministerpräsident von Niedersachsen ans Licht der Öffentlichkeit, in denen dieser immer wieder der Vorteilsnahme und Unaufrichtigkeit verdächtigt und als kleinlicher Schnäppchenjäger beschrieben wurde. Ob er dabei tatsächlich im juristischen Sinne gefehlt hatte, diesen Beweis blieben die <em>whistleblower</em> allerdings oftmals schuldig. Selbst die nunmehr in der Causa Wulff ermittelnde Staatsanwaltschaft legt größten Wert auf die Unschuldsvermutung, die auch für den Ex-Präsidenten gelten müsse.</p>
<p>Was haben all diese Geschichten gemeinsam? Zunächst fällt auf, dass sich die Menschen offenbar weder an millionenschwere Banker-Boni gewöhnen wollen noch an die Gefälligkeiten, die der Bundespräsident willig entgegennahm. Verglichen mit der Berichterstattung zu diesen Themen sind  die Naturkatastrophen in Thailand, Haiti und Japan, die das Schicksal tausender und abertausender Menschen betroffen haben, wesentlich schneller aus den Schlagzeilen verschwunden. Natürlich könnte man gerade im Falle Wulffs einwenden, die Medien hätten mit ihrer scheibchenweise erfolgten Veröffentlichung von in ihrer Schwere ganz unterschiedlichen Vorwürfen ja quasi selbst dafür gesorgt, dass keine Abstumpfung bei der Bevölkerung eintreten konnte. Mit anderen Worten: Der Adaptionsprozess der öffentlichen Meinung wurde durch überraschende und immer wieder verschieden gravierende neue Erkenntnisse zu Wulffs Amtsführung empfindlich gestört<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1"><span style="color: #0000ff;">[1]</span></a>. Doch lässt sich dagegen sofort einwenden, dass die Medien mit Ausdauer eben nur darüber berichten, was vom interessierten Publikum auch nachgefragt wird.</p>
<p>Es muss sich also noch etwas geändert haben. Denn in früheren Zeiten hätte man sich wohl kaum jahrelang über die überzogene Bezahlung von Investmentbankern aufgeregt. So hatte noch der Banker Bob Diamond irrtümlicherweise angenommen, die Banken würden ihre Schuld wie in früheren Zeiten schon bald wieder abstreifen können. Auch Bagatellen wie Wulffs Hauskredit oder seine Probefahrt mit einem neuen Auto-Modell wären früher vermutlich schnell in Vergessenheit geraten. Ich kann mich an Verfehlungen und Skandale hochrangiger deutscher Persönlichkeiten und Ministerpräsidenten erinnern, die weitaus schwerer wogen; Politiker, die trotz alledem wieder zurückkamen und deren Altersversorgung nicht wie jetzt bei Wulff zur Disposition stand.</p>
<p>Offenbar hat die Gesellschaft ihr Verhalten insbesondere gegenüber denjenigen geändert, die dem obersten Ein-Prozent-Segment innerhalb der Einkommensverteilung angehören. Diese Gruppe scheint seit Entstehen der Occupy-Bewegung unter besonderer Beobachtung zu stehen. Unterstützt wird diese Wachsamkeit durch eine neue Form der Transparenz im Internet, Unterstützt wird diese Wachsamkeit durch eine neue Form der Transparenz im Internet, wo binnen kürzester Zeit Menschen im Extremfall geradezu „hingerichtet“ werden können. Und weil dieses „alleroberste Prozent“ nach allgemeinem Verständnis als das Resultat einer ungerechten Verteilung der Einkommen gilt, ist man offenbar nicht mehr bereit, auch noch die kleinsten Verfehlungen dieser Leute hinzunehmen. Sie sind es, denen man nicht mehr vergibt.</p>
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<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1"><span style="color: #0000ff;">[1]</span></a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Vgl. Im Zusammenhang mit unterbrochenen Gewöhnungsprozessen auch Hsee, Christopher K., (2008): <em>Two Recommendations on the Pursuit of </em></span></span><a href="http://www.blognition.de/tag/happiness"><em><span style="color: #0000ff; font-family: Calibri; font-size: x-small;">Happiness</span></em></a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;">, Journal of Legal Studies vol. 37</span></span></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/denen-man-nicht-mehr-vergibt/">Denen man nicht mehr vergibt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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