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	<title>Todsünde Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Wed, 30 Oct 2013 05:00:10 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Fluch des ewigen Vergleichens (Positionsgüter Teil 5)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Oct 2013 05:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den vergangenen vier Beiträgen zu Positionsgütern dürfte bei manchem Leser der Eindruck entstanden sein, dass diesen Dingen eigentlich nicht allzu viel Positives abzugewinnen ist. Wozu der ganze Stress, mag mancher denken, wozu dieses ewige Wettrennen um den besseren gesellschaftlichen Status, dieses permanente  Vergleichen, diese dauernde Frustration, weil es immer andere geben wird, die mehr [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/fluch-des-ewigen-vergleichens-positionsgueter-teil-5/">Fluch des ewigen Vergleichens (Positionsgüter Teil 5)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen vier Beiträgen zu Positionsgütern dürfte bei manchem Leser der Eindruck entstanden sein, dass diesen Dingen eigentlich nicht allzu viel Positives abzugewinnen ist. Wozu der ganze Stress, mag mancher denken, wozu dieses ewige Wettrennen um den besseren gesellschaftlichen Status, dieses permanente  Vergleichen, diese dauernde Frustration, <span id="more-6663"></span>weil es immer andere geben wird, die mehr haben oder mehr können. Aber auch der teilweise hemmungslose Tausch von positionsunabhängigen Gütern wie Freizeit, Familienleben, Arbeitsplatzsicherheit, Schlaf etc. gegen das Positionsgut Geld hinterlässt bei vielen Menschen Spuren. Und glücklicher wird die Gesellschaft als Ganzes dadurch auch nicht: Nicht zufällig ist der Burnout die Modekrankheit unserer Epoche. Nicht umsonst befassen sich zwei der zehn biblischen Gebote mit dem Problem, dass sich zu allen Zeiten Menschen der Positionsgüter anderer bemächtigen oder mit deren Eigentümern mindestens gleichziehen wollen. „Du sollst nicht stehlen!“, heißt es im 2. Buch Mose, und weiter: „Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Hab und Gut sowie Deines Nächsten Weib“. Woraus auch abzulesen wäre, dass eine Ehefrau damals ebenfalls als Positionsgut angesehen wurde.</p>
<p>Allein schon die Tatsache, dass den Menschen schon vor Jahrtausenden solche Gebote gegeben wurden, um ihrem unentwegten Streben nach Mehr, ihrem Wachstumstrieb, ihrer Gier Einhalt zu gebieten, zeigt: Die Frage, welchen Rang bekleide ich innerhalb meiner sozialen Gruppe und wie kann ich ihn gegebenenfalls verbessern, treibt den Einzelnen seit Menschheitsgedenken um. Das zeigt sich auch indirekt darin, dass sich gleich drei der sieben Todsünden, auf die ich (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/markte/die-borse-und-das-bose-ii/">hier</a></span>) und<span style="text-decoration: underline;"> (</span><a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/die-borse-und-das-bose/">hier</a>) eingegangen bin, mit negativen Charaktereigenschaften beschäftigen, die allesamt im Zusammenhang mit der dauernden Konkurrenz um den höheren Status stehen.  Gemeint sind Gier, Neid und Stolz – alle gelten sie als schwere Verfehlungen, die der christlichen Lehre zufolge zur ewigen Verdammnis in der Hölle führen können.</p>
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<p><b>Wider den „bösen Trieb“</b></p>
<p>Warum also Positionsgüter nicht einfach abschaffen oder zumindest weniger attraktiv machen? Der Kommunismus hat genau das versucht, wenn auch ohne Erfolg. Es gibt nicht wenige, die am liebsten sogar Geld als fungibelstes aller Positionsgüter oder zumindest Zins und Zinseszins als Ursache gesellschaftlichen Übels abschaffen würden und sich dann paradoxerweise für Gold oder gar Bitcoins stark machen. Wo doch gerade seine relative Knappheit Gold zum Positionsgut par excellence gemacht hat.</p>
<p>Auch haben sich schon viele Menschen seit Jahrtausenden den Kopf darüber zerbrochen, wie man diesen „bösen Trieb“ des Menschen nach Mehr in den Griff bekommen könnte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Vor allem, wenn Menschen wegen sozialer Vergleiche Gesetze brechen oder Dinge tun, die sie normalerweise nie begehen würden, zu denen sie sich aber im Wettbewerb um den besten Rang in der Gesellschaft genötigt sehen. Oder sie geraten unter Zugzwang, weil alle anderen an einem Trend partizipieren. So könnte allein  aus Gründen der Sicherheit die Anschaffung eines Positionsgutes geradezu zwingend angezeigt sein. Wer sich beispielsweise als Einziger mit einem alten Austin Mini zwischen lauter gepanzerten SUVs im Straßenverkehr fortbewegt, droht zerquetscht zu werden. Schon weil sein niedriges Chassis vor ihrem mächtigen Kühlergrill verschwindet.</p>
<p>Bieten denn also Regeln und Reglementierungen die einzige Lösung des Problems? Soll man den „bösen Trieb“ per Gesetz unterdrücken? Das würde allerdings auch bedeuten, dass damit jedes  gesellschaftliche Wachstum, jede Weiterentwicklung genauso im Keim erstickt würde.</p>
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<p><b>Interne statt externe Bezugspunkte</b></p>
<p>Immerhin gelingt es vielen Menschen immer wieder, ihren Selbstwert nicht allein aus dem Vergleich mit anderen zu beziehen, sondern diesen vielmehr an internen Bezugspunkten festmachen. Vielleicht sollte man sich einfach viel häufiger fragen, ob man diese oder jene Anschaffung auch tätigen würde, wenn der Bekannte oder Freund nicht neulich damit voller Besitzerstolz bei einem aufgetaucht wäre, so dass unsere Begehrlichkeit geweckt wurde. In einer Straße, die nicht vollgeparkt mit den teuren Schlitten der Nachbarn wäre, würde man vielleicht auch eher aufs Fahrrad umsatteln.  </p>
<p>Aus gesellschaftlicher Sicht bestünde daher ein erster Schritt gegen Positionsgüter darin, diese weniger attraktiv erscheinen zu lassen. Möglicherweise durch eine (be)steuernde Gesetzgebung. Aber wer möchte das tatsächlich und wie effektiv wären entsprechende Maßnahmen, wenn sich die Führenden auf der Positionsleiter diese Güter trotz einer massiven Verteuerung immer noch leisten könnten?  Ein anderer Weg bestünde darin, die Wertschätzung von positionsunabhängigen Gütern zu erhöhen und diese zu schützen.</p>
<p>Der wichtigste Schritt, sich von der Fessel der Statussymbole und Positionsgüter zu befreien, muss aus der Gesellschaft selbst heraus gemacht werden, denn Gesetze können – wenn überhaupt – immer nur einen Entscheidungsrahmen bilden, und Sündenregister und Moralkeulen funktionieren nur als Drohung oder Appell. Vielmehr sollte man daher das Bewusstsein für die negativen Mechanismen des sozialen Vergleichs schärfen. Mehr aber noch ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Menschen tatsächlich wahrnehmen, bewerten und entscheiden. Dazu kann die Behavioral Economics einen wichtigen Beitrag leisten. Wer die Mechanismen des ewigen sozialen Vergleichens durchschaut und wer andererseits begreift, was Menschen langfristig wirklich glücklich macht, wird vielleicht eher zu dem Schluss kommen, nicht bei jedem Gerangel ums Sozialprestige mehr mitmachen zu müssen.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Stellvertretend seien hier die „Fabel des bösen Triebs“ aus dem Babylonischen Talmud („The Fable of the Evil Impulse“, zitiert aus Ohrenstein, Roman A. und Gordon, Barry L. J. (2009): <i>Economic Analysis in Talmudic Literature</i>, 3rd revised Ed., Brill NV, Leiden, pp. 48 ff.) oder die von mir häufig erwähnte <i>Bienenfabel </i>von Bernard Mandeville erwähnt. </p>
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		<title>Todsünde Trägheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 06:50:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewinn/Verlust-Asymmetrie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel Die Börse und das Böse Teil III geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/todsunde-tragheit/">Todsünde Trägheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/die-borse-und-das-bose-iii/" target="_blank"><i>Die Börse und das Böse Teil III</i> </a>geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielt, weshalb ich noch einmal gesondert darauf eingehen möchte.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a><span id="more-6297"></span></p>
<p>In der Behavioral Finance würde man in erster Linie von einer Trägheit bei Entscheidungen sprechen, und diese kann sich sowohl an den Finanzmärkten als auch im Privatleben fatal auswirken. So empfinden viele Menschen eine große Aversion dagegen, überhaupt Entscheidungen zu treffen – am liebsten würden sie sich ganz davor drücken, aber primär nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie davor zurückschrecken, Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidung zu übernehmen und überhaupt irgendein Commitment einzugehen. Wenn überhaupt, dann treffen sie bestenfalls Entscheidungen, mit denen sie ohnehin den gesellschaftlichen Normen und Moden entsprechen. Daraus ergibt sich auch eine gewisse konservative Haltung, die Neigung, alles so zu belassen, wie es ist. In der Behavioral Economics spricht man auch von der so genannten Status-quo-Bias.</p>
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<p><b>Entscheidungsträgheit bei hohen Einsätzen</b></p>
<p>Entscheidungsträgheit stellt sich vor allem dann ein, wenn es um hohe Einsätze, um ein hohes Commitment geht. Doch sollte man dabei generell zwischen Gewinn- und Verlustsituationen unterscheiden. Denn die meisten Menschen zeigen sich, wenn es um Gewinne geht, wesentlich entscheidungsfreudiger – schließlich winkt auf der anderen Seite auch eine greifbare Belohnung. Umgekehrt verhält es sich bei Verlusten, die per se nicht nur die Bindung, das so genannte Commitment einer Entscheidung erhöhen, sondern die man naturgemäß auch nicht gerne realisieren möchte. Da ist Entscheidungsträgheit durchaus verständlich, aber dennoch manchmal mit katastrophalen Konsequenzen verbunden.</p>
<p>Dramatisch wird Trägheit vor allen Dingen in extremen Situationen, wenn man so hohe Verluste aufgehäuft hat, dass man sie materiell oder moralisch kaum mehr rechtfertigen kann. Bis zur Kapitulation sind es im übertragenen Sinne nur noch wenige Meter. Trotzdem versuchen die meisten Menschen selbst hier, weitere Entscheidungen möglichst zu umgehen. Wenn man Anleger fragt, was sie lieber erleben möchten: Am Extrempunkt, am ungünstigsten Punkt einer Bewegung, einen Verlust zu realisieren oder nichts zu tun, werden sich die meisten für das Nichtstun entscheiden. Denn das Schlimmste, was einem passieren könnte, wäre, dass sich die Kapitulationsentscheidung auch noch als falsch herausstellt und die Kurse etwa nach dem Verkauf verlustbringender Aktien anschließend wieder nach oben gehen. Das würde man dann zusätzlich bedauern müssen.</p>
<p>Zur Entscheidungsträgheit gehört natürlich auch die so genannte Prokrastination, das Aufschieben von unangenehmen Entscheidungen. In der Gegenwart wird die Realisierung eines Verlustes vermieden oder auch ein Verzicht nicht geleistet, selbst wenn man weiß, dass Handeln langfristig profitabler oder gesünder wäre als Aussitzen. Zudem wird ein in der Zukunft liegender Gewinn oder Verlust von den Menschen mit abnehmender Sensitivität – und zwar wesentlich stärker, als man sich das vorstellen kann – wahrgenommen, sprich diskontiert. Klar, dass man heute als Raucher nicht gerne auf eine Zigarette verzichtet, obgleich dies langfristig gesünder ist; sich zu sagen: „Morgen höre ich auf!“ fällt dagegen viel leichter. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kalorienverbrauch für Übergewichtige oder aber auch mit dem Konsumverzicht in der Gegenwart zu Gunsten einer gesicherten Altersvorsorge in der Zukunft.</p>
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<p><b>Religion als Hilfestellung</b></p>
<p>Mit welcher Tugend könnte man der Todsünde der Trägheit begegnen? Den sieben Lastern wurde im Mittelalter immerhin ein Katalog himmlischer Tugenden (nach Aurelius Prudentius) gegenübergestellt. Gegen Faulheit soll demnach eine Portion Fleiß helfen. Heute sollte man vielleicht Fleiß durch Disziplin ersetzen. Und Disziplin erreicht man vor allen Dingen durch Pläne, aber, was noch wichtiger ist, vor allem auch durch deren Einhaltung. Mehr noch aber sollte man stets im Auge behalten, was einen langfristig glücklich machen könnte. Denn in mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich nicht zu entscheiden kurzfristig zwar als angenehmer empfunden wird, als eine Entscheidung zu treffen, langfristig sich aber derjenige glücklicher fühlt, der ein Problem angepackt hat, statt nichts zu tun.</p>
<p>Einen strukturierten Handlungsplan bietet übrigens auch die Religion, von der der Kanon der Todsünden ja ursprünglich stammt. Auch setzt die Religion andere Referenzpunkte, bietet einen Neubeginn an sowie, gerade in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, ein Gerüst der Traditionen und der immer wiederkehrenden Feiertage. Und gerade diese können für Entscheider in jedweder Hinsicht einen Freiraum eröffnen, um innehalten und mit den erlittenen Verlusten Frieden machen zu können.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dieses Thema war am 28. Juni 2013 Gegenstand des dritten Teils einer Trilogie für WGZ cognitrend WebTV</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/todsunde-tragheit/">Todsünde Trägheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Jenseits von Gut und Böse: Sündenpfuhl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 08:34:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Stolz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zunächst war ich überrascht, dann wurde ich neugierig, als ich vor einigen Tagen in meinem E-Mail-Postfach den Prospekt eines Fonds mit dem pompösen Titel „Peccata Global[i]“ vorfand. Denn wie der Name verrät, hat dieser Fonds, der ausgerechnet in der Fastenzeit (am 1. April 2011) an den Start gegangen ist, etwas mit dem Thema Sünde zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/jenseits-von-gut-und-bose-sundenpfuhl/">Jenseits von Gut und Böse: Sündenpfuhl</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zunächst war ich überrascht, dann wurde ich neugierig, als ich vor einigen Tagen in meinem E-Mail-Postfach den Prospekt eines Fonds mit dem pompösen Titel „Peccata Global<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>“ vorfand. <span id="more-1239"></span>Denn wie der Name verrät, hat dieser Fonds, der ausgerechnet in der Fastenzeit (am 1. April 2011) an den Start gegangen ist, etwas mit dem Thema Sünde zu tun. Ja, die Sünde ist sogar sein Programm. Denn in bewusster Absetzung zu jeder Form der „political correctness“ wird das Sondervermögen dieses Fonds sogar ganz gezielt in Aktien investiert, die mit den sieben Todsünden in Verbindung gebracht werden können. Nun kann man sich sicherlich vorstellen, dass nicht jede Fondsgesellschaft bereit ist, ein derartiges Produkt in ihr Portefeuille aufzunehmen. Selbst wenn es stimmt, dass die Performance richtig gut und lasterhafte Investments konjunkturunabhängig sein sollen. Für manchen Anleger mag es dennoch nicht ganz unproblematisch sein, wenn sein Geld Unternehmen aus den Branchen Luxusgüter, Billiganbieter, Investmentbanken, Rüstung, „Erwachsenenunterhaltung“, Alkohol, Tabak etc. finanziert. Zumindest vordergründig. Denn wo Sünde ist, da herrscht auch DoppeImoral, weshalb ich mir durchaus vorstellen könnte, dass mancher  in einem unbeobachteten Moment ein paar Euro für eine derartige Kapitalanlage abzweigt – aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen.</p>
<p>Problematisch wird es für mich jedoch, wenn ich entdecken muss, dass der Fondsmanager– ähnlich wie ich es auch schon bei anderen interessanten Fonds-Ideen feststellen konnte –  seiner pikanten Strategie gewissermaßen als Gütesiegel das Etikett „Behavioral Finance“ verpasst. Mit der Begründung, dass auch er das systematische Verhalten der Marktteilnehmer analysiere, und letztlich würden doch alle Menschen von niederen, eben „sündigen“ Motiven angetrieben.</p>
<p>Natürlich, es stimmt, man könnte einige typische und immer wieder an den Finanzmärkten zu beobachtenden Verhaltensmuster der Behavioral Finance mit den Augen eines katholischen Moraltheologen betrachten und einen Bezug zu den sieben Todsünden herstellen. Etwa beim Stolz, der sich nach einer erfolgreichen Entscheidung mit hohem Commitment zum materiellen Gewinn hinzugesellt und zu einer verfrühten Gewinnmitnahme verführen kann. Auch die Habsucht, man könnte sie ebenso als Gier bezeichnen, mag einen manchmal zu unvorsichtigem Handeln provozieren. Während der Neid beispielsweise auf das Problem der Referenzpunktabhängigkeit vieler Menschen hinweist. Denn sie sind nur zufrieden mit dem, was sie haben, wenn das mehr oder besser ist als das, was der Nachbar besitzt. Dessen Gewinn hingegen wird von ihnen sogar wie ein eigener Verlust erlebt. Auch die Trägheit lasse ich noch als Sünde im Sinne der Behavioral Finance gelten, etwa wenn jemand wichtige, aber unangenehme Entscheidungen vor sich herschiebt. Schwieriger wird es schon mit den Todsünden Zorn, Wollust und Völlerei. Selbst Verfechter der ökonomischen Standardtheorie dürften mir darin zustimmen, dass jede Form der Ausschweifung  und des Exzesses mit der Zeit schal wird, weil die Wonnen des Essens, Trinkens usw. mit einem abnehmenden Grenznutzen verbunden sind.</p>
<p>Die Frage aber bleibt, was nützt mir die Erkenntnis, dass auch die Finanzmärkte ein einziger Sündenpfuhl sind? Denn hier offenbart sich dann doch ein eklatanter Unterschied zwischen der Sündenlehre und der Behavioral Finance: Während erstere die menschlichen Lässlichkeiten moralisch abqualifiziert, versucht die andere, sie genau zu erfassen und zu quantifizieren. Und nur auf diesem Wege gelangt man zu Handelsentscheidungen, die auch profitabel sind. Jenseits von Gut und Böse.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Angeboten wird der Fonds von der BNY Mellon Service Kapitalanlage-Gesellschaft mbH, Fondsmanager ist die CONQUEST Investment Advisory AG</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/jenseits-von-gut-und-bose-sundenpfuhl/">Jenseits von Gut und Böse: Sündenpfuhl</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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