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	<title>Survivorship bias Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Europa und der DAX nach den Bundestagswahlen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 11:53:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nachdem sich der erste Pulverdampf verzogen hat, möchten es auch ich mir nicht nehmen lassen, die jüngsten Bundestagswahlen – teilweise auch unter einem verhaltensorientierten Blickwinkel – zu kommentieren. Dabei geht es natürlich in erster Linie darum, welchen Einfluss eine neue Regierung in Deutschland auf den deutschen Aktienmarkt, aber auch auf die Politik in der Eurozone [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem sich der erste Pulverdampf verzogen hat, möchten es auch ich mir nicht nehmen lassen, die jüngsten Bundestagswahlen – teilweise auch unter einem verhaltensorientierten Blickwinkel – zu kommentieren. Dabei geht es natürlich in erster Linie darum, welchen Einfluss eine neue Regierung in Deutschland auf den deutschen Aktienmarkt, aber auch auf die Politik in der Eurozone haben wird.<span id="more-6557"></span></p>
<p>Bereits vor den Wahlen hat man sich ja von Analystenseite ausgiebig damit beschäftigt herauszufinden, wie sich dieses oder jenes politische Bündnis auf den DAX auswirken würde. Dabei orientierten sich die Experten jedoch vornehmlich an der Vergangenheit, was eigentlich nicht ganz unproblematisch ist, wenn man bedenkt, dass es bisher überhaupt nur 18 Bundestagswahlen gegeben hat. Zum zweiten wurde mangels Daten vor dem Jahr 1988 der DAX ganz einfach zurückgerechnet, ohne dabei zu berücksichtigen, ob sich zwischen 1949 und 1988 womöglich die Zusammensetzung des Index nachhaltig verändert haben könnte.</p>
<p>Aber immerhin bleibt festzuhalten – egal, ob Angela Merkel tatsächlich dafür verantwortlich ist oder nicht: Seit die Kanzlerin im November 2005 regiert, konnte der DAX mehr als 65 Prozent an Wert zulegen, verglichen mit einem 15-prozentigen Kursrückgang beim EuroStoxx50 während derselben Zeit. Man könnte diese ungleiche Kursentwicklung damit begründen, dass Deutschland während dieser Jahre, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Eurozone, einfach besser dagestanden war, aber auch stark vom Euro und dessen Krise profitiert hat. Seltsamerweise spricht kaum jemand von den massiven Kursschwankungen und Risiken, die im Aktienmarkt während dieses Zeitraums bestanden. Darum, und ob der DAX vom Ergebnis der jüngsten Bundestagswahlen profitieren kann, geht es unter anderem in meinem heutigen Special, das ich für <a href="http://news.wgzbank.de/go/16/TJ2SVE5-TJ0UTYI-PJ53OPI-HKB199V.html">WGZ Cognitrend TV</a> produziert habe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/europa-und-der-dax-nach-den-bundestagswahlen/">Europa und der DAX nach den Bundestagswahlen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Fragwürdiger Kulturwandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Sep 2013 06:14:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Investmentbanking]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Neutralisierungstechniken]]></category>
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		<category><![CDATA[Survivorship bias]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendein Institut aus der Finanzbranche ins Gerede kommt, in dem keine Fälle von Betrug, Manipulation oder Insiderhandel publik werden. Vor allem die Finanzkrise hat das erschreckende Ausmaß dieser Verfehlungen offenbart: Es müssen viele gewesen sein, die in irgendeiner Weise an vordergründig harmlos erscheinenden Geschäftsvorgängen beteiligt waren, ohne dass [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/fragwuerdiger-kulturwandel/">Fragwürdiger Kulturwandel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendein Institut aus der Finanzbranche ins Gerede kommt, in dem keine Fälle von Betrug, Manipulation oder Insiderhandel publik werden. Vor allem die Finanzkrise hat das erschreckende Ausmaß dieser Verfehlungen offenbart: Es müssen viele gewesen sein, die in irgendeiner Weise an vordergründig harmlos erscheinenden Geschäftsvorgängen beteiligt waren, <span id="more-6447"></span>ohne dass sie jemals ein Bewusstsein dafür entwickelt hätten, ethisch nicht korrekt zu handeln. </p>
<p>Nur selten scheint sich ihr Gewissen gemeldet zu haben, weder als sie etwa bekanntermaßen vor Jahren in den USA Immobilienkredite an Leute vergaben, die sich die Häuser, die sie damit kaufen wollten, niemals hätten leisten können. Noch als sie zusammen mit ihren cleveren Analysten strukturierte Produkte entwickelt und diese anschließend so kompliziert verpackt hatten, dass sie selbst deren Zusammensetzung und mögliche Wirkung nicht mehr überblicken konnten. Auch die Verkäufer dieser Derivate, die um deren explosive Mischung hätten wissen müssen, wurden offenbar in keinem Moment von irgendwelchen Skrupeln befallen, während sie diese hochgefährlichen Produkte mit großem Erfolg in Umlauf brachten. Und wenn die Missetäter dann doch einmal mit den Folgen ihres unethischen Verhaltens durch andere oder ihr eigenes Gewissen konfrontiert wurden, fingen sie sofort an, die eigene Beteiligung an diesen kriminellen Machenschaften herunterzuspielen, nach dem Motto: „Ich habe das Derivat doch nur konstruiert“, oder: „Wenn ich es nicht verkauft hätte, hätte das jemand anderes getan“ oder: „Der Kunde muss doch selbst wissen, was gut für ihn ist.“ In der Soziologie bezeichnet man diesen Vorgang als „Neutralisierungstechnik“, die dem einen Zweck dient, das Selbstkonzept, ein moralisch einwandfreier Mensch zu sein, möglichst intakt zu halten<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>.</p>
<p>Und sie alle ließen sich am Ende für ihr Handeln mit fürstlichen Boni belohnen.</p>
<p>Dabei hätten sie doch durchschauen müssen, dass, wenn nicht sie selbst, dann zumindest andere – zum Beispiel ihre Vorgesetzten – sich bei all diesen Geschäften keineswegs moralisch einwandfrei verhielten. Allein schon durch ihre Gewinn- und Zielvorgaben, bei denen jedem von vornherein klar gewesen sein muss, dass diese auf „anständige“ Weise niemals erreicht werden konnten. Wieso hat sich nie jemand darüber gewundert, dass die Gewinnziele jedes Jahr – unabhängig vom jeweiligen ökonomischen Umfeld und Wachstum – um rund 20 bis 30 Prozent erhöht wurden. Hat denn keiner gefragt, zu welchem Preis und auf wessen Kosten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Minderleister und Querulanten?</b></p>
<p>Aber, Augenblick mal! Vielleicht ist dieses Urteil zu hart. Denn das klingt, als ob es nur im Investmentbanking und dort ausschließlich unethische Menschen geben würde. Vielmehr sollte man nicht vergessen, was man im Aktienmarkt mit dem Begriff Survivorship Bias<a title="" href="#_ftn3">[3]</a> bezeichnet. Unter den vielen Mitarbeitern, die im Laufe der Jahre aus Banken und Unternehmen ausgeschieden sind, befinden sich sicherlich auch etliche, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben oder entlassen wurden, gerade weil sie die vorherrschenden Normen als unethisch empfanden und sich ihnen deshalb nicht unterwerfen wollten. Was oft genug für sie bedeutete, dass sie auf Beförderung, Gehaltserhöhung oder einen Bonus verzichten mussten. Häufig wurden sie regelrecht kaltgestellt und von den angepassteren Kollegen gemobbt;  von wichtigen Entscheidungsprozessen hielt man sie fern, mit der Begründung, sie seien Minderleister oder Querulanten. Am Ende bleiben in einem Unternehmen, in dem dieser Prozess eingesetzt hat, von allen Beschäftigen nur die skrupellosesten übrig.</p>
<p>In der Finanzbranche, so lautet das Ergebnis einer Umfrage der New Yorker Anwaltskanzlei Labaton Sucharow, „scheinen viele ihren moralischen Kompass verloren zu haben“<a title="" href="#_ftn4">[4]</a>. So hatte die Kanzlei 2013 eine Umfrage in Auftrag gegeben, bei der 250 Angestellte aus der Finanzbranche die Geschäftsmoral ihrer Wettbewerber beurteilen sollten. Mehr als die Hälfte der Befragten zeigte sich davon überzeugt davon, dass die Konkurrenz unethisch, wenn nicht illegal agiere. Und knapp ein Viertel der Interviewten ging sogar so weit zu behaupten, dass sich auch Kollegen im eigenen Unternehmen moralisch nicht besser verhielten.</p>
<p>Wenn also fast 30 Prozent der Befragten noch fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise glauben, dass es in der Finanzbranche krimineller Energie bedarf, um erfolgreich zu sein, muss man sich fragen, was es mit dem vielerorts propagierten Kulturwandel im Investmentbanking tatsächlich auf sich hat.</p>
<p>Und als etwa Paul Fisher, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England, kürzlich die Vermutung aussprach, es könnte bei den quantitativen Lockerungsprogrammen – also einer Maßnahme zur Bewältigung der Finanzkrise –  im Oktober 2011 zu Manipulationen zulasten der Steuerzahler gekommen sein<a title="" href="#_ftn5">[5]</a>, fiel die Reaktion auf diesen ungeheuerlichen Verdacht eher bescheiden aus. Man kann sich daher des Eindrucks nicht erwehren, dass alles, den skandalträchtigen Schlagzeilen zum Trotz, so weiter geht wie bisher. Zwar ist immer wieder von Ethik die Rede, aber fast immer bleibt es bei Lippenbekenntnissen. Probleme kann man nicht mit demselben Denken lösen, durch das sie erst entstanden sind, hat Albert Einstein einmal gesagt.</p>
<p>Aber auch nicht mit denselben Leuten.</p>
<p>Was aber könnte man tatsächlich tun? Darauf werde ich im nächsten Beitrag eingehen.  </p>
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<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dieser Beitrag ist Bestandteil eines in Kürze erscheinenden Aufsatzes „Behavioral Ethics“</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Sykes, G., and Matza , D.  (1957): <i>&#8218;Techniques of Neutralisation: A Theory of Delinquency&#8216;</i><i>,</i>American Sociological Review, Vol 22: 664 – 70</p>
<p>&nbsp;</p>
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<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Es handelt sich um eine Wahrnehmungsverzerrung, bei der man sich auf diejenigen Menschen oder Dinge zu stark konzentriert, die einen bestimmten Prozess „überlebt“ haben. Dabei werden naturgemäß all diejenigen übersehen, die im Laufe der Zeit ausgeschieden und deswegen nicht mehr sichtbar sein können. Beim Aktienmarkt sind dies etwa Aktien von Unternehmen, die aus einem Index ausgeschieden sind und durch andere Werte ersetzt wurden.</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> Vgl. deren Anwalt Jordan Thomas, FAZ vom 17. Juli 2013</p>
<p>&nbsp;</p>
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<div>
<p>[5] Vgl. The Telegraph online vom 16.7.2013: <i>„Bankers &#8218;tried to manipulate QE&#8216;, says BoE&#8217;s Paul Fisher</i>”</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/fragwuerdiger-kulturwandel/">Fragwürdiger Kulturwandel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 07:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Stuart Pigott]]></category>
		<category><![CDATA[Survivorship bias]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
		<category><![CDATA[Warren Buffett]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein, mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &#38; Co begründete. Auch in der TV-Sendung [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein,<span id="more-5488"></span> mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &amp; Co begründete. Auch in der TV-Sendung waren Billigweine ein Thema, und mit Schrecken musste ich, der keiner Flasche unter fünf Euro traut, erfahren, wie vorzüglich billige Weine sein können. Nicht dass ich jetzt einen besonderen Wert auf Individualität beim Weingenuss lege oder Wein als Statussymbol betrachte, aber Qualität ist mir doch wichtig. Und wenn man bedenkt, dass in besagten fünf Euro 19 Prozent Umsatzsteuer, der Preis fürs Flaschenglas, Handelsspannen etc. enthalten sind, dürfte für das, was ich genießen möchte, nicht mehr allzu viel übrig bleiben. Aber „Die Weinprobe“ vermittelte mir noch allerhand anderes Wissenswertes. So erfuhr ich, dass der Durchschnittspreis, den deutsche Weinliebhaber für eine Flasche Rebensaft bereit sind auszugeben, bei etwas mehr als 2,50 Euro liegt. Und eine Flasche Wein zum Preis von drei Euro wird häufig bereits als teuer eingestuft. Da liege ich ja voll daneben!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Günstige Weine im Blindversuch</strong></p>
<p>Interessant wurde es, als getestet wurde, ob man günstige Weine von Aldi, Lidl, Rewe &amp; Co auch am Geschmack erkennen könne. Und dazu lud man keinen geringeren als den britischen Weinkritiker Stuart Pigott ein, der im Blindversuch nur einen von vier günstigen Supermarkt-Weinen im Preis richtig einschätzte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, bei den anderen hingegen um bis zu mehr als dem Dreifachen nach oben abwich. „Da sieht man‘s mal wieder, alles nur Show“, hörte ich im Geiste meinen Freund K. ausrufen, der meinen Faible für Bordeaux-Weine schon immer verspottet hatte und den ich wiederum nicht nur in Sachen Wein für ein spaßfernes Sparbrötchen halte. Nun aber fragte ich mich, ob man den guten Stuart Pigott auch im Fernsehen gezeigt hätte, wenn er alle Weine richtig eingeordnet hätte? Wohl kaum, denn das hätte dem TV-Beitrag mit der Botschaft „Gutes muss nicht teuer sein“ einen großen Teil seiner Attraktivität geraubt. Ganz abgesehen von der Schadenfreude vieler Zuschauer, die es ja lieben, wenn einem Experten wieder einmal ein Schnippchen geschlagen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Interessant sind nur die Besten aller Talente</strong></p>
<p>Aber wir interessieren uns nun halt immer für das Spektakuläre. Und wenn es um Geld und Macht geht, für die Warren Buffetts und Bill Gates dieser Welt. Dabei wird gern vergessen, dass es unter all den Reichen und Steinreichen dieser Welt am rechten äußersten Rand der Glockenkurve zur statistischen Verteilung zwangsläufig den einen Ultrareichen geben muss. Und wenn er nicht Buffett heißt, dann ist es eben jemand anderes. Aber weil sich das öffentliche Interesse auf die Besten der Erfolgreichen konzentriert<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, unterschätzt man leicht, wie wenig wahrscheinlich solche Lebensläufe sind. Wir alle kennen die Legende von Bill Gates, der sich Monate lang in einer Garage eingeschlossen haben soll, bis er dann das Tor wieder öffnete und mit Microsoft ein Unternehmen von Weltruhm gründete. Was geschah mit all den Anderen Computerfreaks, die sich ebenfalls in einen Schuppen oder eine Garage zurückgezogen haben, später aber ausgehungert und unverrichteter Dinge wieder herauskamen und bis heute talentierte, aber arme Schlucker geblieben sind? Und wer interessiert sich für all die Tellerwäscher, die nicht zum Millionär wurden und, wenn sie nicht gestorben sind, noch immer in der Küche stehen und Geschirr spülen?</p>
<p>Niemand.  </p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der fünfte Wein, der einzige Winzerwein, zum Preis von 10,50 Euro kam bei der Blindverkostung bei Pigott übrigens nicht gut weg</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Tatsächlich handelt es sich um eine survivorship bias im weiteren Sinne  </p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-weinprobe-oder-am-rande-der-normalverteilung/">Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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