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	<title>Sparen Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Der Fluch der Negativzinsen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Sep 2016 14:01:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein kaum vorstellbares Szenario, das der Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Finanzkrise aufzeigt: drastische Minuszinsen von -5 oder -6 Prozent und eine weitgehende Bargeldabschaffung. Maßnahmen, deren Erfolg nicht einmal gesichert ist. Und Maßnahmen, die die meisten Menschen nicht verstehen werden. Das hätte sicherlich auch für meine Schwiegermutter gegolten, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9129 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch-300x114.jpg" alt="schwarzes-loch" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/09/Schwarzes-Loch.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Es ist ein kaum vorstellbares Szenario, das der Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff für den Fall eines Ausbruchs einer neuen Finanzkrise aufzeigt: drastische Minuszinsen von -5 oder -6 Prozent und eine weitgehende Bargeldabschaffung. Maßnahmen, deren Erfolg nicht einmal gesichert ist. Und Maßnahmen, die die meisten Menschen nicht verstehen werden. Das hätte sicherlich auch für meine Schwiegermutter gegolten, wenn sie denn noch am Leben wäre. Und ich frage mich, was sie wohl dazu gesagt hätte.</p>
<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sie sich in ihren letzten Lebensjahren häufig bei mir darüber beklagt hatte, dass sie angesichts der immer niedrigeren Zinsen immer weniger Taschengeld zur Verfügung habe. Damals hatte sie immerhin noch Staatsanleihen mit einem Coupon von 4 Prozent p. a. in ihrem Wertpapierdepot und konnte sich so die eine oder andere Ausgabe leisten, die sie sich sonst nicht gestattet hätte. Ja, die alte Dame stand für mich stellvertretend für viele andere Sparer in Deutschland. Denn sie verfolgte eine weitverbreitete Strategie, bei der sie im Geiste unbewusst nicht nur für das gesamte Kapital, sondern auch für jede einzelne Zinszahlung ein eigenes Konto (bekannt unter dem Begriff „mentale Konten“) eröffnete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ausgegeben statt gespart</strong></p>
<p>Egal, wie gering diese Zinszahlungen waren – meine Schwiegermutter erlebte sie wie viele andere auch stets als einen Gewinn. Und sie hatte deswegen auch kein schlechtes Gewissen, diese Gewinne zu verbrauchen. Dass sich dabei klammheimlich der Wert des Kapitalkontos durch die Inflation verringerte, für deren Ausgleich die Zinsen unter anderem eigentlich gedacht waren, schien sie nicht zu bemerken. Denn wenn das Kapitalkonto ohnehin über viele Jahre hinweg oder gar nicht angerührt wird, kann man auch nicht bemerken, dass man für dasselbe Geld über die Jahre immer weniger hätte kaufen können. Dass dieser Wertverlust oft sogar höher ausfiel als die gezahlten Zinsen, wurde ihr somit nicht bewusst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Entkleideter negativer Realzins</strong></p>
<p>Erst als selbst die langfristigen Renditen unter 0 Prozent gefallen waren, begannen viele Menschen zu erkennen, dass so etwas wie eine negative Realverzinsung (Nominalzinsen minus Inflationsrate) eingetreten sein musste. Die hat es natürlich zu früheren Zeiten auch schon gegeben, aber sie wurde angesichts satter Zinserträge nicht wahrgenommen. Denn auch eine fünfprozentige Rendite hätte eine sechsprozentige Geldentwertung durch Inflation nicht wettgemacht. Aber bei null Prozent Zinsen und gleichzeitiger, wenn auch niedriger Inflation, hat der negative Realzins keine Kleider mehr an.</p>
<p>Ohne Kenneth Rogoff zu nahe treten zu wollen, der sich von hohen Negativzinsen verspricht, dass die Sparer endlich ihre Konten räumen – und für das Geld durch die weitgehende Bargeldabschaffung ein natürlicher Fluchtweg versperrt würde –, denke ich an die mentalen Konten meiner Schwiegermutter. Jene hätte sie, so sie denn noch lebte, nach wie vor beibehalten. Da wären nun die jeweiligen Zinskonten, angesichts der Strafverzinsung, jeweils im Soll. Bestrafungen, die meine Schwiegermutter wie viele andere Sparer stets als einen Verlust wahrnehmen würde. Verluste, die viele von uns wettzumachen versuchen. Strenggenommen, müsste man genauso wie bei einer außergewöhnlichen Neuanschaffung jedes Mal an sein Kapital herangehen, um die Minuszinsen auszugleichen. Aber das hätte meine Schwiegermutter so weit wie möglich vermieden und sehr wahrscheinlich, wie andere verzweifelte Sparer auch, zu einer anderen Strategie gegriffen:</p>
<p><strong>Sie hätte versucht, noch mehr zu sparen –</strong></p>
<p>um, so sehe ich das jedenfalls, die Verluste der negativen mentalen Zinskonten wieder wettzumachen. Vielleicht hätte sie unter diesem Druck sogar zu mehr Risikofreude geneigt. Aber von Aktien verstand sie genauso wenig wie von mentalen Konten. Wie es sich ihr auch nie erschloss, dass es überhaupt so etwas wie negative Zinsen geben könnte. Es wäre ihr Bauchgefühl gewesen, was ihr gesagt hätte, dass die Zeiten nur schlechter werden könnten. Und mit schlechten Zeiten kannte sie sich als Angehörige der Kriegsgeneration aus. Ihre Lehre aus der Geschichte: Die nächste Krise kommt bestimmt. Und für diesen Fall muss man schon jetzt beginnen, Geld zurückzulegen. Also noch mehr sparen.</p>
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		<title>Sparer aufgepasst!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jun 2014 16:16:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinkredit]]></category>
		<category><![CDATA[Sparen]]></category>
		<category><![CDATA[Zinssätze]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die jüngste Zinssenkung der EZB hat mir ganz deutlich vor Augen geführt, dass herkömmliches Sparen auf dem Sparbuch oder via Tagesgeld keinen Sinn ergibt. Eigentlich müsste man den EZB-Beschluss als ganz klare Aufforderung lesen, hemmungslos zu investieren oder Geld für Konsumzwecke auszugeben. Da ich aber dazu erzogen wurde, für später zu sparen, fällt mir eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die jüngste Zinssenkung der EZB hat mir ganz deutlich vor Augen geführt, dass herkömmliches Sparen auf dem Sparbuch oder via Tagesgeld keinen Sinn ergibt. Eigentlich müsste man den EZB-Beschluss als ganz klare Aufforderung lesen, hemmungslos zu investieren oder Geld für Konsumzwecke auszugeben. Da ich aber dazu erzogen wurde, für später zu sparen, fällt mir eine derartige Verhaltensweise ziemlich schwer – wie vermutlich vielen anderen Deutschen auch. Konto abräumen, auf die Altersvorsorge verzichten? Aber wer nichts macht, dem frisst die negative Realverzinsung das Geld von alleine weg. Bleibt also als Ausweg nur noch, in riskantere Anlageformen zu wechseln, wenn man sich mehr Rendite wünscht.</p>
<p>Es dürfte aber viele Menschen geben, die gar nicht so viel Geld auf dem Sparkonto haben, als dass sie sich über interessantere Anlageformen überhaupt Gedanken machen müssten. Und wer dann tatsächlich sein Sparbuch abräumt, um sich vielleicht endlich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen, lebt immer in der Angst, etwas Unvorhergesehenes könnte womöglich zu einer Überziehung auf dem Girokonto führen. Die gibt es natürlich nicht für ein oder zwei Prozent p. a., sondern oft nur zu zweistelligen Zinssätzen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn Zinssenkungen der EZB nicht mehr in der Realwirtschaft ankommen.</p>
<p>Richtig interessant wird es auf der Kreditseite jedoch, wenn man nach Großbritannien geht. Dort ist auch das Verhalten der Konsumenten ein anderes als hierzulande, wie mir ein britischer Freund unlängst erzählte. Schnell mal ein Kredit aufzunehmen ist dort durchaus nicht ehrenrührig, und wer kurzfristig dringend Bargeld braucht, kann sich dieses für eine kurze Zeitspanne von etwa zwei Wochen bis zu einem Monat rasch besorgen, sofern sich, so die Homepage eines britischen Kreditvermittlers, die Beträge zwischen 100 und 1500 englischen Pfund (etwa 124 bis 1.860 EUR) bewegen. So wird einem dann auch gleich ein repräsentatives Beispiel gezeigt. Das sieht recht einfach aus: Man borgt sich 100 Pfund für 30 Tage aus und zahlt „nur“ 125 Pfund zurück. Beträge, die überschaubar aussehen, aber laut Angabe des Anbieters einer Verzinsung von sage und schreibe 326 Prozent p.a. entsprechen. Da soll noch einer über zu hohe Dispo-Zinsen in Deutschland klagen!</p>
<p>Wer sein Geld indes am Aktienmarkt angelegt hat, konnte sich in den vergangenen Wochen aufrichtig freuen, aber ohne Hebel kommt er allerdings nicht auf solche Renditen. Überhaupt zeigt die jüngste Stimmungserhebung der Börse Frankfurt, die ich <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+geteilte+ansichten+jenseits+von+10+000+69098">hier</a></strong> kommentiert habe, dass deutsche Standardwerte hierzulande bei weitem nicht so begehrt waren, wie zuletzt angenommen wurde.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Lieber leben als zurücklegen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 May 2014 05:29:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung im Zeitablauf]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Sparen]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Theoretisch ist es den meisten Menschen klar, dass sie Geld für die Zukunft zurücklegen sollten. In der Praxis ist die Sache allerdings komplizierter, denn niemand weiß, wie sich aus heutiger Sicht Gewinne oder Verluste in der Zukunft tatsächlich anfühlen werden. Unter dem Thema „Lieber leben als zurücklegen – ist uns unsere Zukunft egal?“ wird im [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Theoretisch ist es den meisten Menschen klar, dass sie Geld für die Zukunft zurücklegen sollten. In der Praxis ist die Sache allerdings komplizierter, denn niemand weiß, wie sich aus heutiger Sicht Gewinne oder Verluste in der Zukunft tatsächlich anfühlen werden.</p>
<p>Unter dem Thema <strong>„Lieber leben als zurücklegen – ist uns unsere Zukunft egal?“</strong></p>
<p>wird im Rahmen der Verleihung des comdirect finanzblog award 2014 (<a href=".:%20http:/www.finanzblog-award.de/einladung/">Näheres <strong>hier</strong></a>) am 6. Mai 2014 um 15.30 Uhr auf der re:publica 14 in Berlin eine Podiumsdiskussion stattfinden, zu der auch ich als Teilnehmer eingeladen bin. Deswegen zur Einstimmung ein paar Gedanken zu meiner Position.</p>
<p>Man kennt es ja zu Genüge: Gerade hat man sich dazu durchgerungen, ein paar Winterpfunde loszuwerden und wollte deswegen gleich morgen mit einer Diät beginnen. Doch gleich am nächsten Tag gibt es die erste Hürde: Freunde haben einen zum Abendessen eingeladen, und nun möchte man ihre Gastfreundschaft nicht beleidigen, indem man ihr köstliches Mahl verschmäht und stattdessen die Dose mit dem Diätpulver auspackt. Anders ausgedrückt: Menschen unterschätzen, dass sich Gedanken, Erinnerungen, Sichtweisen, Vorlieben im Zeitablauf ändern können. In der klassischen Ökonomie kommen solche Präferenzverschiebungen und Gewöhnungsprozesse schlichtweg nicht vor, in der Realität aber schon.</p>
<p>Die Standardökonomie geht davon aus, dass Menschen etwas Angenehmes umso höher bewerten, je früher es eintritt. Ein Geldgeschenk in Höhe von 1000 Euro ist uns heute lieber, als wenn wir es erst in einem Monat bekämen. Unangenehmes wird dagegen hinausgeschoben. Im klassischen Fall nimmt der Nutzen eines Geldgeschenks an jedem Tag, den seine Überreichung weiter in die Zukunft geschoben wird, mit einer prozentualen, konstanten Rate ab, er wird diskontiert. Um einem Entscheider eine spätere Auszahlung schmackhaft zu machen, muss man ihm also in der Zukunft einen höheren Betrag in Aussicht stellen, als er heute erhalten würde. Und zwar vermehrt um einen persönlichen Diskontfaktor.</p>
<p>Gemäß diesem Modell spielt es für einen Entscheider also keine Rolle, ob er heute 1.000 Euro bekommt oder 1.100 Euro ein Jahr später, also 1.000 plus einen Betrag in Höhe seines persönlichen Diskontsatzes. Bei diesem klassischen Modell bleiben Diskontierungsrate wie Präferenzen stabil. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass weder die persönliche Diskontrate noch die Präferenzen stabil sind. Wer 1.100 Euro in 30 Wochen einem Geldbetrag von 1.000 Euro in 26 Wochen vorzieht, sollte sich genauso verhalten, wenn er vor die Wahl gestellt würde, 1.000 Euro heute oder 1.100 Euro in vier Wochen zu bekommen. Obwohl die zeitliche Distanz in beiden Fällen die gleiche ist, findet in der Praxis meist eine Präferenzumkehr statt: Mit einem Male entscheiden sich viele Menschen vorzugsweise für den niedrigeren, sofort ausgezahlten Geldbetrag und lassen dafür den 10 Prozent höheren Betrag, den sie erst vier Wochen später erhielten, dafür liegen.</p>
<p>In einer Welt, in der die Nominalzinsen hoch sind, mag Sparen für das Alter attraktiv erscheinen. Obwohl man weiß, dass die Geldentwertung via Inflation und Besteuerung einen großen Teil der Zinserträge wieder auffrisst, wird ein nominal hoher, künftiger Zinsertrag zumindest von den meisten Sparern als so genanntes „geistiges Konto“ parallel in ihrem Kopf mitgeführt, und das ist eine Strategie, die hilft, den „Schmerz“ über die in der Gegenwart aufzubringenden Sparraten zu mildern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reallohnverluste vermindern Sparleistung</strong></p>
<p>Fallen diese nominalen Erträge jedoch aufgrund des heutigen Niedrigzinsumfeldes extrem gering aus, ist es vielen Menschen nicht mehr zu vermitteln, warum man für einen Verzicht in der Gegenwart auf minimale Gewinne in der Zukunft sparen soll. Das mentale Zinskonto ist nicht mehr hoch genug. Mit anderen Worten fragt man sich: „Wofür soll ich eigentlich sparen, ich bekomme ja eh‘ nichts dafür? Oder soll ich gar eine risikoreichere Anlage wählen, um in der Zukunft abgesichert zu sein?“</p>
<p>Viele dieser risikoreicheren Anlagen kommen für die meisten Menschen allerdings nicht mehr in Betracht. Sei es, dass man bereits schlechte Erfahrungen an der Börse gemacht oder mit Produkten, die während der Finanzkrise noch mit Hochdruck verkauft wurden, am Ende Schiffbruch erlitten hat. Oder liegt es etwa daran, dass viele Sparer in gewissem Sinne in Sachen Geld immer noch ökonomische Analphabeten sind? Abgesehen davon, dass sie sich ihrer eigenen Verhaltensmuster ebenso wenig bewusst sind.</p>
<p>Daneben kommt aber noch ein anderer Faktor zum Tragen, der zurzeit in der gesellschaftlichen Diskussion in den USA eine wesentliche Rolle spielt und manchmal auch in Europa thematisiert wird. Gemeint ist die sich immer weiter verstärkende Ungleichverteilung der Vermögen und Einkommen zwischen Arm und Reich, vor allem durch die Finanzkrise und die späteren Rettungsmaßnahmen der Notenbanken. Während nur das oberste Prozent – vor allem aber das oberste Promille – der Bevölkerung sowohl bei Einkommen als auch Vermögen noch reale Zuwächse verzeichnen kann, kann dies von 95 Prozent der Haushaltseinkommen der US-Bevölkerung nicht mehr behauptet werden. Reallohnverluste in der Gegenwart müssen entweder durch Konsumverzicht oder durch eine geringere Sparleistung ausgeglichen werden – ein Trend, der sich auch hierzulande immer mehr abzeichnet. Gleichzeitig herrscht weiterhin ein gnadenloser Wettbewerb um den sozialen Status. Aus Angst vor dem Abrutschen auf eine niedrigere gesellschaftliche Position werden monetäre Mittel verstärkt benötigt, wodurch es immer schwerer wird, Rücklagen zu bilden.</p>
<p>Unsere Zukunft ist uns sicherlich nicht egal, aber die Gegenwart ist uns wichtiger. Nicht einmal um eines besseren Lebens willen, sondern vielfach nur um zu überleben.</p>
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		<title>32 Euro für eine halbe Stunde Anstehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 08:39:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Sparen]]></category>
		<category><![CDATA[Warteschlangen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Freund empfahl mir angesichts meines Warteschlangen-Erlebnisses bei Hollister, das nächste Mal doch einfach die Kleider für meine Tochter online zu bestellen. Gesagt, getan. Zugegeben: Ich fand einen eindrucksvollen Internet-Auftritt vor. Sogar auf Deutsch. Aber was dann folgte, war noch bemerkenswerter: Nachdem ich mich für eine weiße Jeans-Jacke entschieden hatte, sollte es ans Bezahlen gehen. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Freund empfahl mir angesichts meines Warteschlangen-Erlebnisses bei Hollister, das nächste Mal doch einfach die Kleider für meine Tochter online zu bestellen. Gesagt, getan. <span id="more-6624"></span>Zugegeben: Ich fand einen eindrucksvollen Internet-Auftritt vor. Sogar auf Deutsch. Aber was dann folgte, war noch bemerkenswerter: Nachdem ich mich für eine weiße Jeans-Jacke entschieden hatte, sollte es ans Bezahlen gehen. Ich traute meinen Augen nicht. 32 Euro Versandgebühren auf eine Bestellung von 90 Euro! (Ja, ja die Sachen kommen aus den USA…) Aber für diese 32 Euro könnte ich mich fast wieder breitschlagen lassen, doch lieber eine halbe Stunde anzustehen. So leicht kann man also Geld sparen. Geld, das ich zumindest mental schon auf dem Konto hatte. Was ich wohl erst sparen würde, wenn ich nie mehr zu Hollister ginge?</p>
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		<title>Windfall-Profit: Wie man den Konsum mit unverhofften Gewinnen ankurbelt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jun 2010 12:52:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Erbschaftssteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Sparen]]></category>
		<category><![CDATA[Windfall-Profit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch wenn Deutschland nicht so stark unter Druck steht wie andere Länder Europas, hat es sich selbst ein Sparpaket verordnet. Sehr zum Missfallen einiger US-Ökonomen, allen voran Paul Krugman, der diese Sparsamkeit als großen Fehler geißelt. Aber selbst wenn Deutschland diesem Zwischenruf folgen sollte, wären Steuersenkungen hierzulande zur Ankurbelung der Konjunktur zurzeit nicht nur schwer [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/windfall-profit-wie-man-den-konsum-mit-unverhofften-gewinnen-ankurbelt/">Windfall-Profit: Wie man den Konsum mit unverhofften Gewinnen ankurbelt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn Deutschland nicht so stark unter Druck steht wie andere Länder Europas, hat es sich selbst ein Sparpaket verordnet. Sehr zum Missfallen einiger US-Ökonomen, allen voran Paul Krugman, der diese Sparsamkeit als großen Fehler geißelt.<span id="more-795"></span> Aber selbst wenn Deutschland diesem Zwischenruf folgen sollte, wären Steuersenkungen hierzulande zur Ankurbelung der Konjunktur zurzeit nicht nur schwer durchsetzbar, sondern auch unsinnig. Denn die Deutschen würden dieses höhere verfügbare Einkommen ohnehin nicht verkonsumieren. Geld, von dem sie wüssten, dass sie es möglicherweise schon bald wieder zurückzahlen müssten.. Bleibt also die Frage, wie eine Regierung die Konsumenten anderweitig dazu bringen könnte, ihre Ersparnisse anzugreifen, ohne selbst dafür allzu viel Geld einsetzen zu müssen.</p>
<p>In der Standardökonomie ist ein Euro ein Euro, egal wo er herkommt und wofür er ausgegeben wird. Die psychologische Realität ist indes eine andere. Weil die Menschen diese Euros auf so genannten <em>mentalen Konten</em> verbuchen, streng sortiert nach Herkunft, Betrag und Zweck. Mit hart erarbeitetem Geld verfährt man naturgemäß umsichtiger, als mit einem überraschenden Lotteriegewinn. Und so fühlen sich die meisten Menschen verpflichtet, wenigstens einen kleinen Teil ihres monatlichen Einkommens zu sparen, während eine unerwartet höher ausgefallene Steuerrückzahlung, schnell einmal bei einem Abendessen auf den Kopf gehauen wird.</p>
<p>Mit Blick auf Deutschland lässt sich sagen, dass die jüngeren Menschen generell mehr zum Konsum tendieren, während der ältere, immer größer werdende Teil der Bevölkerung mit den Jahren immer weniger Geld ausgibt. Diesem Trend könnte man jedoch mit einer Erbschaftssteuer von 100 Prozent entgegentreten, während man Schenkungen zu Lebzeiten steuerfrei hält. Natürlich würden die so vielerorts vorzeitig begünstigten Deutschen der nächsten Generation nicht sinnlos das von den Eltern hart erarbeitete Erbe verprassen. Aber mit einem kleinen Teil dieses unverhofften Segens würde man sich vielleicht doch die eine oder andere Anschaffung leisten, die bislang nicht drin war. Weil man mit dem Geld eigentlich nicht rechnen konnte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/windfall-profit-wie-man-den-konsum-mit-unverhofften-gewinnen-ankurbelt/">Windfall-Profit: Wie man den Konsum mit unverhofften Gewinnen ankurbelt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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