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	<title>Schemata Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Preis der Freiheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jun 2012 06:09:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Deindividuation]]></category>
		<category><![CDATA[Gelernte Sorglosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schemata]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst wurde ich Zeuge eines waghalsigen Manövers, als auf einem Zebrastreifen ein Fahrradfahrer zwischen zwei kleinen Kindern hindurchpreschte – ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht auszudenken, wenn eines dieser Kinder auch nur einen einzigen, winzigen Ausfallschritt zur Seite gemacht hätte. Diese und viele andere Verkehrsverstöße durch Radfahrer lassen sich in Frankfurt am Main, vermutlich aber auch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst wurde ich Zeuge eines waghalsigen Manövers, als auf einem Zebrastreifen ein Fahrradfahrer zwischen zwei kleinen Kindern hindurchpreschte – ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht auszudenken, <span id="more-4367"></span>wenn eines dieser Kinder auch nur einen einzigen, winzigen Ausfallschritt zur Seite gemacht hätte. Diese und viele andere Verkehrsverstöße durch Radfahrer lassen sich in Frankfurt am Main, vermutlich aber auch in vielen anderen Städten, zu jeder Zeit und an jedem Ort beobachten.</p>
<p>Ich selbst bewege mich ebenfalls (bei schönem Wetter) als Fahrradfahrer durch die Stadt. Vielleicht weil einem das Radeln in der Großstadt ein Gefühl von Flexibilität und Unabhängigkeit vermittelt. Und weil es zudem noch als gesund und umweltfreundlich gilt, hat man sich in einigen deutschen Städten etwas Besonderes einfallen lassen, um den Umstieg von vier auf zwei Räder noch zu befördern. So auch in Frankfurt, wo in den vergangenen Jahren nicht nur viele neue Radwege ausgewiesen wurden, sondern sich Fußgänger und Radfahrer auf vielen Wegen sogar miteinander arrangieren müssen. Nicht selten unter Einsatz ihrer körperlichen Unversehrtheit. Zwar weist eine unterschiedliche Färbung des Pflasters darauf hin, wem welche Spur auf dem Trottoir gehört. Aber die meisten Radfahrer scheinen farbenblind zu sein. Vielerorts darf man in Frankfurt auch gegen die Verkehrsrichtung in zum Teil sehr engen Einbahnstraßen radeln. Aber eben nicht immer. Da hat man aber offenbar die Rechnung nicht mit dem Menschen gemacht, der sich gerade im Straßenverkehr, wo oft blitzschnelle Entscheidungen erforderlich sind, bestimmter Schemata bedient, um auch komplexe Sachverhalte sofort überblicken zu können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gelernte Sorglosigkeit</strong></p>
<p>Andererseits braucht man sich bei all diesen Sonderrechten nicht zu wundern, wenn sich Radfahrer als besonders schutzwürdige Spezies nicht an die Verkehrsregeln halten und zumindest in Frankfurt an einem erheblichen Anteil aller Unfälle im Stadtgebiet beteiligt sind. Allein für das Jahr 2011 weist die Statistik 1.060 Unfälle mit Fahrradfahrern aus; und interessanterweise waren gut ein Viertel der Verunglückten auf dem Fahrradweg in der falschen Richtung unterwegs<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. In Berlin ist im vergangenen Jahr die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern sogar um mehr als 19 Prozent gestiegen<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. Dafür kann man wohl nicht nur eine gelernte Sorglosigkeit bei dieser Gruppe von Verkehrsteilnehmern verantwortlich machen. Vielmehr fühlen sich Radfahrer offenbar auch besonders sicher. Vielleicht weil sie overconfident sind oder aber weil die Gefahr, erwischt zu werden, ohnehin ziemlich gering zu sein scheint. Denn wer nicht identifiziert werden kann, braucht bei Regelverstößen auch keine Strafverfolgung zu befürchten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vorschlag aus Tokio</strong></p>
<p>Dieser Tendenz, sich im Extremfall bei Unfällen möglichst unerkannt aus dem Staub zu machen und  alte, zerbeulte und verbogene Vehikel einfach an der nächstbesten Straßenecke liegen zu lassen, will die Stadt Tokio jetzt offenbar ein Ende machen: Eine Arbeitsgruppe schlug nicht nur vor, strengere Verhaltensregeln für Radfahrer zu erlassen, sondern auch die Räder mit Nummernschildern auszustatten. Vorrangiges Ziel war dabei, die Zahl der Unfälle mit Fußgängern zu verringern, grundsätzlich aber wollte man vor allem an das Verantwortungsgefühl dieser Verkehrsteilnehmer appellieren<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>. Denn auch hier scheint zu gelten, was wohl für alle Bereiche der Gesellschaft gilt: Ohne Regeln geht es nicht.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Frankfurter Rundschau online vom 4.4.2012, <em>Am Ratsweg kracht&#8217;s besonders häufig</em>, <a href="http://www.fr-online.de/frankfurt/unfallstatistik-frankfurt-2011-am-ratsweg-kracht-s-besonders-haeufig,1472798,14675096.html">http://www.fr-online.de/frankfurt/unfallstatistik-frankfurt-2011-am-ratsweg-kracht-s-besonders-haeufig,1472798,14675096.html</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Berliner Morgenpost online vom 16.4.2012, <em>Radfahrer leben dienstags in Mitte besonders gefährlich,</em> <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article106189518/Radfahrer-leben-dienstags-in-Mitte-besonders-gefaehrlich.html">http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article106189518/Radfahrer-leben-dienstags-in-Mitte-besonders-gefaehrlich.html</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Hierzu gibt es auch eine nette Halloween Studie: Diener, Edward et al. <em>Effects of Deindividuation Variables on Stealing Among Halloween Trick-or-Treaters</em>, Journal of Personality and Social Psychology, 1976, Vol. 33, No. 2</p>
</div>
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		<title>Händler, sei wachsam!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 10:26:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Schemata]]></category>
		<category><![CDATA[strongly vigilant]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralbank]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit vergangenem Donnerstag scheint die europäische Zinswelt sich verändert zu haben: Denn die Wortwahl des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet nach der turnusmäßigen Sitzung der Währungshüter fiel mit einem Mal viel schärfer aus als erwartet. „Strong vigilance“, sagte er und meinte das Zauberwort für eine wahrscheinlich unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung. Und wie schon bei früheren Gelegenheiten werteten Akteure, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit vergangenem Donnerstag scheint die europäische Zinswelt sich verändert zu haben: Denn die Wortwahl des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet nach der turnusmäßigen Sitzung der Währungshüter fiel mit einem Mal viel schärfer aus als erwartet. „Strong vigilance“, sagte er und meinte das Zauberwort für eine wahrscheinlich unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung.<span id="more-1020"></span> Und wie schon bei früheren Gelegenheiten werteten Akteure, Analysten und Kommentatoren jedes einzelne seiner Worte akribisch aus. Denn der EZB-Präsident entschied sich auch dieses Mal für die Form der verklausulierten Kommunikation: Das hat den Vorteil, dass die Beobachter lediglich früher einmal gespeicherte Schemata aus ihrem Gedächtnis abrufen und vergleichen müssen, welche Entscheidungen in der Vergangenheit einer bestimmten Wortwahl folgten.</p>
<p>Leider hat dieser überstarke Gebrauch von Schemata nicht nur den Vorteil, schnell zu einem Schluss zu kommen, sondern auch den Nachteil – wie alle Faustregeln – nicht genügend Aspekte bei der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen. „Strongly vigilant“ das ist das Schlüsselwort, auf das alle achten. Und damit können sich die Akteure jetzt gar nichts anderes mehr als eine Zinserhöhung im April vorstellen – alles andere wäre eine brutale Überraschung, eine „unvorstellbar gemeine Falle“ der EZB, kann man vielerorts derzeit zu hören bekommen.</p>
<p>Ich möchte an dieser Stelle gar nicht darüber spekulieren, ob Zinserhöhungen in einem Umfeld steigender Energie- und Lebensmittelpreise überhaupt Sinn machen. Oder ob ein Zinsschritt von einem Viertelprozent der ohnehin schon schwachen EU-Konjunktur gleich den Garaus machen würde. Wichtig für mich ist nur, dass die Zentralbank am Ende zwischen diesen beiden Polen steht: Wachstum oder Inflation. Wofür sie sich letztlich entscheidet, können Beobachter nur erahnen, oder heraushören, aus einem „strongly vigilant“.</p>
<p>Wie ungleich klarer wären da englische Verhältnisse: Auch die Bank von England steht angesichts ihres seit vielen Monaten häufig überschrittenen Inflationsziels bei gleichzeitig schwacher Konjunktur und einschneidenden Sparplänen der Regierung immer wieder vor der Entscheidung, ob sie die Zinsen erhöhen soll oder nicht. Doch sie kann zumindest offener mit ihrem Dilemma umgehen: Im offiziellen Protokoll der jeweiligen Sitzung wird festgehalten, wie viele Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses für und wie viele gegen eine Zinserhöhung gestimmt haben.</p>
<p>Bis Mitte Januar war dort nur ein einziger Falke, Andrew Sentance, zu finden. Mittlerweile ist der Befürworter steigender Zinsen nicht mehr alleine. So gaben zwei frühere Mitglieder des MPC, DeAnne Julius und Tim Besley, an, hätten sie noch etwas zu sagen, hätten sie aus Angst vor steigender Inflation für eine Zinserhöhung gestimmt. Aber beide hätten ihr Votum nur abgeben wollen, wenn ihre Stimme nicht das Zünglein an der Waage für einen Beschluss gewesen wäre.</p>
<p>Eine solche Vorgehensweise hat den Charme, dass man nicht mit einer Zinserhöhung das Wachstum abwürgt, trotzdem aber signalisiert, dass man die Inflation im Blick hat. Nachteil für die Akteure an den Märkten: Die Anzahl der Befürworter einer Zinserhöhung, also die Anzahl der Falken, sagt nichts über die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Zinsschrittes aus. Aber damit kennen sich die Marktteilnehmer im Vereinten Königreich sicherlich aus.</p>
<p>Leider hat Jean-Claude Trichet mangels offiziellem Sitzungsprotokoll diese Option nicht. Aber er hat statt einer Zinsentscheidung die Möglichkeit, bei der nächsten Sitzung wieder nur &#8222;strongly vigilant“ zu sein. Vielleicht auch ein drittes oder viertes Mal. Damit würde er sowohl Wachstumswächter als auch Inflationshüter zufriedenstellen. Froh macht das die Märkte indes nicht, haben doch die Händler längst eine mögliche Zinserhöhung eingepreist. Und wehe, sie kommt dann nicht, dann wird es richtig teuer. Da bliebe eigentlich nur eins: immer hübsch wachsam sein,­ eben „strongly vigilant“.</p>
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