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	<title>Reset Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 15:20:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9275 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg" alt="ankerhirn" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, sogar dazu geführt hat, dass viele Wähler bei Umfragen nicht aufrichtig geantwortet haben, aus Angst vor einer möglichen Isolation, wenn sie zu Kandidaten oder Parteien tendierten, die von den Medien und der offiziell vorherrschenden Meinung abwichen. Auch hierzulande galt es bis vor kurzem noch als schick, offiziell den designierten US-Präsidenten Donald Trump abzulehnen, weil er Standpunkte vertritt, die bislang gesellschaftlich als kaum akzeptabel galten.</p>
<p>Das hat sich nun geändert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reset der Normen</strong></p>
<p>Genauso wie die anonyme Masse der US-Amerikaner, die vorgeblich Trump abgelehnt hatte, plötzlich zu einer Mehrheit von Trump-Anhängern mutierte, scheinen dessen Ideen auch hierzulande bei immer mehr Menschen auf Gegenliebe zu stoßen. Und wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz jetzt fordert, dem designierten US-Präsidenten offen zu begegnen und praktisch von vorne anzufangen, indem beide Seiten „auf Null schalten“ und sich gegenseitig eine Chance geben, kann man dies einerseits natürlich als Zeichen des Respekts vor dem US-Wahlergebnis deuten. Zum anderen könnte sich in dieser Aufforderung zu einem Reset aber auch die unbewusste Änderung eines gesellschaftlichen Bezugspunkts dessen, was gemeinhin als akzeptabel gilt, andeuten. Gewissermaßen eine Verschiebung des Maßstabs für die Wahrnehmung dessen, was ethisch oder politisch korrekt ist, mithin eine klammheimliche Veränderung von gesellschaftlichen Normen und Referenzpunkten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von extremen Ankern…</strong></p>
<p>Donald Trump und möglicherweise auch seine Berater haben es aus verhaltensorientierter Sicht geradezu meisterlich verstanden, den Bezugspunkt für soziale Normen zu verschieben. Es ist natürlich nicht erwiesen, dass sich Trump tatsächlich bewusst der Methode des Verankerns (Anchoring) aus der Verhaltensökonomik bedient hat. Aber mit seinen extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, hat dies bei den Wählern zu genau einem solchen Effekt geführt. Ursprünglich wollte Trump 11 Millionen illegale Einwanderer ausweisen, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen, die Gesundheitsreform Obamacare abschaffen, Hillary Clinton ins Gefängnis stecken und alles, was nach Establishment aussieht, am liebsten aus der US-Gesellschaft verbannen. Mit der Diffamierung von Behinderten und Frauen, der Ausgrenzung von Hispanics, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, der Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern vertrat der designierte US-Präsident im Wahlkampf Extrempositionen, die weit jenseits des politisch Korrekten anzusiedeln sind. Schlechthin eine Absage an Gleichberechtigung, an eine multikulturelle Gesellschaft, an die Globalisierung, an alles Liberale und Intellektuelle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…zu neuen Bezugspunkten </strong></p>
<p>Mit diesen Extrempositionen wurden zunächst Anker, das heißt neue, für viele Menschen längst nicht mehr akzeptable Bezugspunkte, gesetzt. Und diese haben sie im Hinterkopf behalten, weshalb sie weiterhin eine ganz wichtige Rolle spielen, als Donald Trump nach seiner Wahl mit einem Male einige dieser Extrempositionen korrigierte. Plötzlich beabsichtigt er, „nur“ 3 Millionen Illegale auszuweisen, auch fordert er heute das Ende der Gewalt gegen Minderheiten, die nach Barack Obama benannte Gesundheitsreform wird teilweise beibehalten und selbst über eine strafrechtliche Verfolgung seiner Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre will er noch einmal nachdenken. Im Lichte der im Wahlkampf vertretenen Extrempositionen wirkt dieses Zurückrudern oder Relativieren wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich zuvor noch durch Donald Trumps Äußerungen verletzt und gekränkt fühlten. Mit anderen Worten: Für all diejenigen, die Trump nicht gewählt haben, ist diese Korrektur vormaliger Extrempositionen nichts anderes als ein relativer Gewinn gegenüber vorher Undenkbarem.</p>
<p>Und auch hierzulande sehen sich viele Menschen darin bestätigt, dass auch im Falle Trumps nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde. Mit anderen Worten: Trump und seine sicherlich wegen des Wahlkampfs überzogenen Ansichten seien gar nicht so schlimm und im Grunde habe er in manchen Punkten gar nicht mal Unrecht, räumen einige mittlerweile ein. „Geben wir ihm eine Chance“, fordern daher selbst gemäßigte Zeitgenossen. Immerhin sei er doch demokratisch gewählt, heißt es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie aus „unmoralisch“ relativ „moralisch“ wird</strong></p>
<p>Anhänger der Verhaltensökonomik, insbesondere der sogenannten Behavioral Ethics, wissen jedoch, dass einmal gesetzte Anker trotz besseren Wissens später nur unzureichend korrigiert werden. Aber es geht um mehr. Es ist nicht nur plötzlich legitim, Donald Trump gut zu finden, sondern auch den damit einhergehenden gesellschaftlichen Kulturwandel. Denn die Wahrnehmung dessen, was bislang als politisch oder ethisch korrekt angesehen wurde, hat sich wegen eben jener Verschiebung des Bezugspunktes zwischen Recht und Unrecht verändert. Genauso wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern relativ zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit den moralischen Werten eines „Gut“ und „Böse“. Denn tatsächlich geht es vor allem darum, besser oder schlechter im Vergleich zu anderen zu sein. Und genauso wie man sich an Gewinne und Verluste gewöhnt, kann sich auch die moralische Bewertung im Laufe der Zeit abschwächen. Vor allem auch, weil diese Trennlinie nach einer Weile infolge von Gewöhnungseffekten noch weiteren Veränderungen unterliegt. Und so werden unter diesen neuen Normen und Bedingungen Menschen Dinge tun, die sie selbst vor ein paar Wochen vielleicht nie für möglich gehalten hätten. Es ist die schleichende Veränderung der Normen und der Bezugspunkte, manchmal allein durch das Fortschreiten der Zeit, wodurch wir alle Gefahr laufen, korrumpiert zu werden und das, was wir vormals <strong>absolut</strong> verabscheut hatten, mit einem Male halbwegs, also <strong>relativ </strong>in Ordnung finden.</p>
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		<title>Von der Euro-Krise zur Währungsreform -Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 09:16:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Währungsreform[1] würde psychologisch nichts anderes als die Kapitulation der Politik vor dem in der Krise angehäuften, nicht mehr zu bewältigenden Schuldenberg bedeuten. Außerdem dürfte sie sich keineswegs darin erschöpfen, dass man von seinem bisherigen Geldvermögen einfach ein paar Nullen wegzustreichen hätte. Vielmehr führt die gegenseitige relative Bewertung der Menschen im sozialen Kontext dazu, dass [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform-teil-2/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform -Teil 2</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Währungsreform<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a> würde psychologisch nichts anderes als die Kapitulation der Politik vor dem in der Krise angehäuften, nicht mehr zu bewältigenden Schuldenberg bedeuten. Außerdem dürfte sie sich keineswegs darin erschöpfen, <span id="more-2947"></span>dass man von seinem bisherigen Geldvermögen einfach ein paar Nullen wegzustreichen hätte.</p>
<p>Vielmehr führt die gegenseitige relative Bewertung der Menschen im sozialen Kontext dazu, dass man ziemlich genau festlegen kann, was &#8222;relativ arm&#8220; und „relativ reich“ bedeutet, was also unten und was oben ist. Und wenn es einmal jemandem gelingt, diese Bandbreite, die durch die soziale Umgebung, in der man sich bewegt, festgelegt wird, zu verlassen, dann dauert es in der Regel nur ein paar Monate, bis er sich an sein neues Umfeld gewöhnt hat. Man denke nur an einen Lottogewinn, der einen möglicherweise aus dem „Reich der Armut“ in das „Reich des Reichtums“ gleich einem Paradigmenwechsel katapultiert. Dasselbe gibt es natürlich auch in Form eines plötzlichen, oft unverschuldeten Absturzes nach unten. Selbst an diesen kann man sich nach einer gewissen Zeit gewöhnen. Wobei die größte Angst darin bestehen dürfte, dass man diesen Weg nach unten möglicherweise alleine antreten muss und daher in ein komplett neues soziales Umfeld gerät. Die größte Angst ist also die vor der Veränderung.</p>
<p>Wer sich mit dem Thema Währungsreform beschäftigt, sollte sich diese Erkenntnis zu Nutze machen, insbesondere wenn im Extremfall Vermögen zusammengestrichen und Schulden erlassen werden müssen. Dabei sollten hohe Vermögen, die in erster Linie bei Menschen vorhanden sein dürften, die während der vergangenen Jahrzehnte überproportional von der Gesellschaft und den gesetzlichen Rahmenbedingungen (etwa der Liberalisierung der Märkte) profitiert haben, auch überproportional reduziert werden. Denn es ist gerade diese Oberschicht, vor allem in den USA, die ihr Vermögen und ihr Einkommen während der vergangenen Jahrzehnte vervielfacht hat. Im Gegensatz zum Gros der Bevölkerung, dessen Einkommen sich während der gleichen Zeit inflationsbereinigt verringert hat<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn2">[2]</a>. Und gerade diesem Ungleichgewicht – obwohl nie so präzise zum Ausdruck gebracht – zwischen dem oberen Prozent und den restlichen 99 Prozent der Bevölkerung hat sich die Occupy-Bewegung gewidmet. Nicht, dass die Demonstranten etwas gegen Reichtum oder dessen ungleiche Verteilung hätten. Solange für jeden dieselben Spielregeln gelten.</p>
<p>Die Hauptkritik bezieht sich indes im Wesentlichen darauf, dass einige gesellschaftliche Gruppen während der vergangenen Jahrzehnte unverhältnismäßig stark profitieren konnten, weil sie zu ihrem Vorteil Einfluss auf die Gesetzgebung (z. B. durch massive Lobbyarbeit) genommen hatten. Und je mehr Vermögen sich in den Händen Weniger konzentriert, desto leichter fällt es diesen, ihren bereits übergroßen Reichtum mit geringem Aufwand zu erhöhen. So gesehen, birgt ein Währungsschnitt zumindest in der Theorie die Chance einer Umverteilung von oben nach unten, in deren Folge sogar der einstige Mittelstand der Gesellschaft wiederhergestellt werden könnte.</p>
<p>Der so genannte Reset, ein Begriff, mit dem angesichts der dramatischen Lage in Europa immer noch erstaunlich leichtfertig umgegangen wird, sollte also nicht nur einen Neuanfang beinhalten, sondern gleichzeitig auch eine Wiederannäherung an den ursprünglichen Begriff der sozialen Marktwirtschaft sein. Dazu gehört ein stufenweise zu vollziehender Umtausch verbliebener Geldvermögen (das hieße allerdings, dass mit steigenden Vermögen die Umtauschkurse ungünstiger würden), gegebenenfalls außerdem ein Lastenausgleich, wie er in Deutschland schon einmal nach der Währungsreform von 1948 für den Besitz von Immobilien durchgeführt wurde. Zudem sollte noch eine realistische Altersvorsorge eingerichtet werden, die nicht wie heute im Übermaß auf das Konto junger Generationen geht.</p>
<p>Gleichzeitig wäre bei einer solchen Reform darauf zu achten, dass die Bürger in der Folge nicht in eine andere soziale Schicht (auch nicht nach oben, etwa durch Krisengewinne) wechseln müssen, sondern in ihrem Umfeld verbleiben. Damit wären zwar sicherlich erhebliche Einschnitte im Lebensstandard der Einzelnen verbunden. Einschnitte, die jedoch weniger wehtun, wenn man weiß, dass der Nachbar sie auch erdulden muss. Einschnitte, von denen Tolstoi annehmen würde, dass man sich an sie gewöhnen könnte.</p>
<p><span style="font-size: small;">Aber die Geschichte hat einen Haken. Welchen, das werden Sie morgen erfahren.</span></p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Eine Währungsreform als Ende und „worst case“ einer ungelösten europäischen Schuldenkrise ist das Thema meiner Blog-Trilogie, deren ersten Teil Sie hier nachlesen können</span></span></p>
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<div>
<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref2">[2]</a><a href="http://motherjones.com/files/averagehouseholdincome.pdf" target="_blank"><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> https://motherjones.com/files/averagehouseholdincome.pdf</span></span></a></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform-teil-2/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform -Teil 2</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Von der Euro-Krise zur Währungsreform</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 10:15:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In den vergangenen Wochen bin ich oft gefragt worden, wie denn der so genannte worst case am Ende einer ungelösten europäischen Schuldenkrise aussehen könnte. Zugegebenermaßen ist dies eine Frage, die ich nicht gerne beantworte. Zumal man aufgrund der vielen verschiedenen Faktoren, die eine Rolle spielen könnten, und der tausendfachen, nicht mehr zu überschauenden Lösungsmöglichkeiten aus [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen Wochen bin ich oft gefragt worden, wie denn der so genannte worst case am Ende einer ungelösten europäischen Schuldenkrise aussehen könnte. Zugegebenermaßen ist dies eine Frage, die ich nicht gerne beantworte. <span id="more-2939"></span>Zumal man aufgrund der vielen verschiedenen Faktoren, die eine Rolle spielen könnten, und der tausendfachen, nicht mehr zu überschauenden Lösungsmöglichkeiten aus heutiger Sicht kaum auch nur ein halbwegs seriöses Szenario mit einer halbwegs großen Eintrittswahrscheinlichkeit konstruieren kann. Seit kurzem fällt immer häufiger der Begriff &#8222;Reset&#8220;, was man wohl als Forderung nach einem Währungsschnitt oder einer Währungsreform verstehen kann. Eine Maßnahme, die ich in naher Zukunft für wenig wahrscheinlich, aber dennoch für diskutabel halte. Obgleich ein derartiger Schritt bei vielen Menschen Ängste auslöst, allein schon aufgrund der Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern, die davon häufig wie von einem erlittenen Trauma sprachen, taucht dieser Begriff dennoch plötzlich wieder allerorten und in den unterschiedlichsten Kreisen auf. Das Motiv, warum man sich mit derlei Untergangsszenarien beschäftigen möchte, liegt wohl vor allem in dem Bedürfnis begründet, die derzeitige unüberschaubare Lage in der Eurozone endlich mental unter Kontrolle bekommen zu wollen. Mit anderen Worten: Die Ungewissheit soll ein Ende haben. Außerdem sehen die Menschen nicht nur Negatives in einem Neuanfang. Denn bei meinen Gesprächen stelle ich immer wieder fest, dass viele mit einem Reset die Hoffnung auf mehr Fairness, die Wiederherstellung einer gewissen gesellschaftlichen Gerechtigkeit, verbinden.</p>
<p>Dann aber keimt auch wieder die Angst auf, es könne angesichts einer Währungsreform zu sozialen Unruhen kommen, es könnten Demagogen, wie in der Weimarer Zeit, die Verunsicherung zu ihrem Vorteil ausnutzen. Leo Tolstoi hat einmal gesagt – und diese Einsicht hat mich ermutigt – es gäbe keinerlei Lebensumstände, an die sich der Mensch nicht gewöhnen könnte, besonders wenn er sieht, dass alle in seiner Umgebung genauso leben. Mit anderen Worten: Tolstoi hat bereits im 19. Jahrhundert erkannt, dass Menschen sich mit anderen vergleichen und ihre eigene Situation relativ bewerten – eine Erkenntnis, mit der ein wichtiger Rahmen für eine Reform gesetzt werden könnte. Aber man findet immer noch Anhänger der Standardökonomie, die solches nicht glauben möchten. Stattdessen denken sie weiterhin in absoluten Beträgen, bei deren Bewertung das Vermögen der anderen keine Rolle spielt. Diese Vorgehensweise wird indes ständig durch die Realität widerlegt. Mehr noch: Wer das Phänomen des relativen Bewertens ignoriert, riskiert den sozialen Frieden.</p>
<p>Wenn man sich einmal theoretisch mit einem solchen reformatorischen Schritt auseinandersetzt, sollte man immer vor Augen haben, dass Menschen nichts so sehr fürchten wie eine Notlage, in der sie ihre Position gegenüber ihren sozialen Mitstreitern, also Verwandten, Freunden, Bekannten, Nachbarn etc.,  aufgeben oder nach unten korrigieren müssen. Gerade im Augenblick spielt der soziale Status eine enorme Rolle und viele Menschen scheinen geradezu Wettrennen zu veranstalten, nur um gegenüber denjenigen, mit denen sie sich vergleichen können, eine Verbesserung ihrer Position zu erreichen. Oft sind sie sogar dazu bereit, dafür auf nicht messbare Güter wie Glück, Gesundheit oder seelische Ausgeglichenheit zu verzichten, nur um eventuell im Konzert der Statussymbole – sie werden mithin als Positionsgüter bezeichnet – die erste Geige spielen zu können.</p>
<p>Und so kennen wir relatives Bewerten meist nur in einem Kontext eines Weges nach oben. Wie man auf jenen Umstand jedoch etwa im negativen Zusammenhang einer Währungsreform Rücksicht nehmen muss, erfahren Sie Morgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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