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	<title>positionsunabhängige Güter Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Das große Rennen (Positionsgüter Teil 4)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Oct 2013 06:00:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zuletzt habe ich mich an dieser Stelle mit dem Unterschied zwischen Positionsgütern und ihrem Gegenteil, also mit jenen Gütern, deren Wert im sozialen Vergleich neutral und unverändert bleibt, beschäftigt. Daran anschließend muss noch ergänzt werden, dass häufig die Tendenz besteht, ein positionsunabhängiges Gut gegen ein Positionsgut zu tauschen. So wird zum Beispiel eine Ausgabe, die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zuletzt habe ich mich an dieser Stelle mit dem Unterschied zwischen Positionsgütern und ihrem Gegenteil, also mit jenen Gütern, deren Wert im sozialen Vergleich neutral und unverändert bleibt, beschäftigt. Daran anschließend muss noch ergänzt werden, dass häufig die Tendenz besteht, ein positionsunabhängiges Gut gegen ein Positionsgut zu tauschen.<span id="more-6662"></span> So wird zum Beispiel eine Ausgabe, die den gesellschaftlichen Rang nicht verändert, zugunsten der Anschaffung eines Positionsgutes aufgeschoben, wenn nicht ganz geopfert. Beispielsweise, wenn Freizeit oder Familienleben zugunsten von Überstunden aufgegeben werden. Das hat oft zur Folge, dass zwar vorübergehend gegenüber den Konkurrenten im sozialen Vergleich ein Vorteil erzielt wird, doch ist dieser in dem Moment wieder verloren, in dem andere Menschen in puncto Status gleichziehen oder gar überholen. Der eine kauft sich ein teures PS-starkes Auto, daraufhin legt sich sein Nachbar womöglich ein noch größeres imposanteres Vehikel zu. Obwohl beide jetzt, absolut gesehen, über einen hohen Auto-Standard verfügen mögen, fühlt sich derjenige mit dem kleineren Gefährt benachteiligt und unzufrieden.</p>
<p>In diesem Zusammenhang spielen auch gesellschaftliche Normen eine große Rolle. Denn ein Produkt,  das „in“ ist, wie zurzeit zum Beispiel das I-Phone oder I-Pad, wird in seiner Bedeutung als Positionsgut noch zusätzlich aufgewertet. Vor allem wenn es aufgrund von Lieferknappheit, also wegen unzureichender Verfügbarkeit oder auf Grund seines hohen Preises  nicht von jedermann erworben werden kann. Deswegen können manchmal auch unscheinbare Dinge, wenn sie plötzlich zur gesellschaftlichen Norm, zur Mode, zum &#8222;must have“ werden, zu Positionsgütern mutieren. Flauen diese Moden und Trends indes ab, weil sie mittlerweile vielen Menschen zugänglich geworden sind, verlieren sie schnell ihre Bedeutung als Positionsgut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Positionsgüter nicht nur für Reiche</b></p>
<p>Am Ende kann ein richtiggehender Wettlauf beim Konsum von Positionsgütern entstehen. So werden immer größere und schnellere Autos gekauft, weil jeder versucht, seine Position zu verbessern. Selbst wenn der Kauf eines solchen Autos völlig unsinnig erscheinen mag, wenn man allein bedenkt, dass auf den meisten Straßen Tempolimits herrschen, die einem jedes Fahrvergnügen verderben und es verhindern, den schnellen Sportwagen einmal richtig auszuprobieren. Aber der Kauf eines noch teureren, noch leistungsfähigeren Vehikels fängt bei den Spitzenverdienern an und verschiebt damit den Referenzpunkt für die darunter liegende Einkommens- bzw. Vermögensklasse nach oben. Wer nicht mithalten kann, fällt hinten runter. Ein Effekt, der sich bei weniger teuren Gütern auch bis in niedrigere Einkommensgruppen fortpflanzen kann. Womit der relative Anteil von Positionsgütern am gesamten Verbrauch eines Haushalts mit sinkenden Einkommen steigen wird. Mit der Konsequenz, dass Einkommensschwache vermehrt positionsunabhängige Güter, etwa eine Stunde Schlaf, aufgeben müssen, um sich den Wohlstand durch Mehrarbeit noch leisten zu können.</p>
<p>Den Wettbewerb um Positionsgüter kennt auch die Geschichte der Finanzmärkte. Etwa zu Zeiten der so genannten Dotcom-Blase am Aktienmarkt zur Jahrtausendwende, als plötzlich jeder über Nacht reich werden wollte und sogar als durch und durch rational geltende Wissenschaftler plötzlich beim „Rattenrennen“ mitten im Rudel mitrannten. Selbst Menschen mit niedrigem Einkommen, die normalerweise ihr Geld aufs Sparbuch trugen, wurden vom Rausch erfasst. Schon träumten sie davon, einen großen Satz auf der sozialen Leiter nach oben machen zu können. Alle geeint in der Hoffnung, das fungibelste aller Positionsgüter in großem Ausmaß und extrem schnell bekommen zu können. Und weil ringsum in der Nachbarschaft plötzlich Millionäre lebten, die tags zuvor noch zu den Durchschnittsverdienern zählten, haben viele am Aktienmarkt mitgemischt, die normalerweise dort nie etwas verloren hatten. Das Ende des Wettlaufs ist bekannt. Nur ganz wenige sind wirklich reich geworden, die meisten waren am Ende (viel) ärmer als zuvor. Aber zum Glück hatte es ja den Nachbarn bei dieser Gelegenheit gleich mit erwischt – die Abstände auf der sozialen Leiter waren tröstlicherweise wieder genauso groß wie vor der spekulativen Blase.</p>
<p>Stellt sich nun die Frage, ob es dem gesellschaftlichen Frieden nicht dienen würde, wenn man der Jagd nach Positionsgütern Einhalt gebieten würde. Doch ist das wirklich sinnvoll und überhaupt möglich? Darauf werde ich in meinem nächsten, abschließenden Blog in dieser Reihe eingehen.</p>
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		<title>Häuserkauf mit Ökonomen (Positionsgüter Teil 3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Oct 2013 04:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[absolute Bewertung]]></category>
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		<category><![CDATA[positionsunabhängige Güter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im vorangegangenen Blog-Beitrag zum Thema Positionsgüter hatte ich es bereits angedeutet: Nicht alle Güter sind gleichermaßen positionswirksam. Man muss nur einmal das Gut Einkommen mit dem Gut Freizeit vergleichen. Freizeit unterliegt nicht der gleichen Maßeinheit wie Einkommen (Geld) und ist auch nicht immer direkt messbar oder erkennbar. Im Zweifel ist das Positionsgut Geld leichter zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/haeuserkauf-mit-oekonomen-positionsgueter-teil-3/">Häuserkauf mit Ökonomen (Positionsgüter Teil 3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im vorangegangenen Blog-Beitrag zum Thema Positionsgüter hatte ich es bereits angedeutet: Nicht alle Güter sind gleichermaßen positionswirksam. Man muss nur einmal das Gut <i>Einkommen </i>mit dem Gut <i>Freizeit</i> vergleichen. Freizeit unterliegt nicht der gleichen Maßeinheit wie Einkommen (Geld) und ist auch nicht immer direkt messbar oder erkennbar. Im Zweifel <span id="more-6661"></span>ist das Positionsgut Geld leichter zu erkennen, vor allen Dingen, wenn für Geld andere Positionsgüter erworben werden. Tatsächlich ist es genau diese Sichtbarkeit, die eine notwendige, aber nicht die alleinige Bedingung für ein Positionsgut darstellt<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>Der Ökonom Robert H. Frank hebt hervor, dass die Sichtbarkeit beim Verbrauch eines Gutes von dessen Natur abhängt. So kann man sich ohne weiteres Autos oder Häuser kaufen, Güter, die also jeder sehen kann, um seine gesellschaftliche Position zu verbessern. Eine teure Versicherung indes verändert den Status nur dann, wenn sie fällig wird, weil sie nur dann möglicherweise von anderen wahrgenommen werden kann<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. </p>
<p>Anders ausgedrückt: Ein Gut, dass man nicht mit einem anderen vergleichen kann, weil es nicht sogleich messbar oder auch nur schwer oder überhaupt nicht erkennbar ist, eignet sich nicht zum Positionsgut. Deswegen bezeichnet man solche Güter als <i>positionsunabhängig</i>. Man nehme nur Beispiele wie Ruhezeiten, Urlaub, Gefahren am Arbeitsplatz, das tägliche Pendeln zur Arbeitsstätte, eine gesunde Umwelt oder gar Glück – positionsunabhängige Güter verändern demzufolge nicht die Rangfolge im sozialen Vergleich.</p>
<p>Und so kommt es immer wieder zu Situationen, bei denen Anhänger der Standard-Ökonomie im Sinne eines Adam Smith  den Kopf schütteln mögen. Aber vielleicht hat es selbst ein durch und durch rational argumentierender Wirtschaftswissenschaftler schon einmal am eigenen Leib erlebt, wenn er sich zwischen zwei Welten entscheiden musste. Vielleicht wird er wie die meisten Menschen nicht gerne in einem Umfeld wohnen, in dem er sich zwar stolzer Besitzer eines 1000 m² großen Anwesens nennen darf, alle anderen um ihn herum aber stattlichere Häuser mit 1200 m² großen Grundstücken besitzen. Vielleicht wird er stattdessen – wie übrigens die Mehrheit der Menschen – lieber in einer Straße leben, in der er selbst zwar ein Haus mit einem Grundstück von nur 800 m² bewohnt, die Nachbarn aber allesamt nur 600 m² große Grundstücke ihr Eigen nennen.</p>
<p>Nicht die absolute Größe des Grundstücks ist demnach entscheidend, sondern dessen Größe im Vergleich zu einem Bezugspunkt, also zu den Arealen in der Nachbarschaft. Dabei zieht sich so ein Hauskauf ja meistens in die Länge. Kaum einer greift bei der Haussuche sofort zu. Vielmehr wird wohl in den meisten Fällen lange hin und her überlegt, werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen angebotenen Immobilien sorgfältig abgewogen, bevor man den Notar aufsucht. Schließlich bedeutet der Erwerb eines Eigenheims häufig eine Entscheidung fürs ganze Leben, und das möchte man nicht zerfressen von Neid- und Minderwertigkeitsgefühlen als bescheidener Hausherr inmitten von Großgrundbesitzern verbringen.</p>
<p>Gegenbeispiel: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden am Tag durchschnittlich eine Stunde Fahrtzeit zwischen Wohnung und Arbeitsplatz benötigen, Ihre besten Freunde müssten sogar anderthalb Stunden täglich pendeln. Wäre Ihnen das lieber als eine andere Konstellation, bei der Ihr täglicher  Arbeitsweg 40 Minuten, der Ihrer Freunde aber nur 20 Minuten dauert? Vergleichbare Untersuchungen<a title="" href="#_ftn3">[3]</a> gezeigt, dass die meisten Testpersonen sich in diesem Fall für die zweite Variante entscheiden würden, obwohl sie eine doppelt so lange Fahrtzeit hätten wie ihr Freund. Offenbar spielt in diesem Fall der Vergleich mit anderen nur eine untergeordnete Rolle. Denn Pendeln ist ein positionsunabhängiges Gut, unter anderem schon weil es dafür keine Zuschauer gibt. Folglich wird hier der <b>absoluten </b>Bewertung  gegenüber einer relativen der Vorrang eingeräumt.</p>
<p>Mehr dazu im nächsten Beitrag.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Ich würde den Begriff der Sichtbarkeit auf „Wahrnehmung“ ausdehnen wollen. So erkennt man ein teures Parfum nicht notwendigerweise an seinem Flacon, wenn dieser herumgezeigt wird, sondern man kann dieses Positionsgut auch riechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Vgl. Frank, Robert (2011): <i>The Darwin Economy: Liberty, Competition, and the Common Good</i>, Princeton University Press, S. 71</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Vgl. ebenda S. 69</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/haeuserkauf-mit-oekonomen-positionsgueter-teil-3/">Häuserkauf mit Ökonomen (Positionsgüter Teil 3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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