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	<title>n-tv Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Mitflugzentrale</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Mar 2012 08:10:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin oft gefragt worden, ob man materiellen Reichtum – sofern man ihn besitzt – herumzeigen soll oder nicht. Offen gesagt, rate ich eher dazu, die Insignien des Wohlstands, also Statussymbole oder so genannte Positionsgüter, so weit wie möglich zu verbergen. Dabei geht es mir weniger darum, dass Neider einem möglicherweise diese Güter nicht gönnen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin oft gefragt worden, ob man materiellen Reichtum – sofern man ihn besitzt – herumzeigen soll oder nicht. Offen gesagt, rate ich eher dazu, die Insignien des Wohlstands, also Statussymbole oder so genannte Positionsgüter, so weit wie möglich zu verbergen. Dabei geht es mir weniger darum, dass Neider <span id="more-3457"></span>einem möglicherweise diese Güter nicht gönnen könnten. Vielmehr zeigen bestimmte Güter den eigenen sozialen Rang an, das heißt, es geht im Zweifel nicht um einen absoluten, sondern um einen relativen Vorsprung oder auch Nachteil gegenüber anderen. Und da nicht alle das schönste Haus, das schnellste Auto oder die höchste berufliche Position haben können, ist die so genannte Positions-Ökonomie ein Null-Summen-Spiel, bei dem die einen gewinnen und andere zwangsläufig verlieren müssen. Im Extremfall gewinnt sogar nur einer, und alle anderen verlieren. Dabei kommt es fast zwangsläufig zu manchmal sinnlosen Wettbewerben, bei denen die Verfolger versuchen, den Abstand zur Spitzenposition zu verringern oder diese gar zu überholen.</p>
<p>Aber nur sichtbare Positionsgüter heizen den Wettbewerb um Status und Sozialprestige an. Wer hingegen auf das Herumzeigen von Statussymbolen verzichtet, entzieht sich diesem Wettrüsten, weil die anderen dann nicht daran den eigenen Rang ablesen können und also nicht in Versuchung geraten, einen etwaigen Vorsprung aufholen zu wollen.</p>
<p>Trotzdem war ich erstaunt, als ich in der jüngsten Ausgabe von n-tv Deluxe (Sie wissen schon, „Hallo, liebe Milliardäre“, meine „Lieblingssendung“, auch wenn ich nicht zu deren Zielgruppe zähle) erfuhr, dass neuerdings – möglicherweise in Anlehnung an das in Deutschland mittlerweile beliebt gewordene Carsharing oder die studentischen Mitfahrzentralen – reiche Geschäftsleute nicht mehr alleine mit dem Privatjet durch die Weltgeschichte fliegen, sondern sich per Makler immer wieder neue Mitreisende suchen. Dabei lässt sich der Vermittler gleich einmal 30 Prozent Provision für jeden vermieteten Sitzplatz im Lear-Jet bezahlen. Dennoch gilt natürlich auch beim Jet-Sharing: Je mehr mitmachen, desto günstiger wird der Trip für den einzelnen, manchmal kostet der Flug dann nicht viel mehr als ein ordinäres Ticket in der Business Class. Da könnte man fast meinen, die Wohlhabenden dieser Welt müssten neuerdings auf den Euro achten. „Mitnichten&#8220;, werden Kapitalismuskritiker an dieser Stelle sicher einwenden. Denn man braucht nur einmal auf die Einkommensentwicklung in den USA im Jahr 2010 zu blicken, um sofort zu erkennen, dass das oberste Zehntausendstel der amerikanischen Gesellschaft von der konjunkturellen Erholung wieder einmal deutlich stärker profitiert hat als die restlichen 99,99 Prozent<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>Umso interessanter wäre es, wenn sich dieser neue Trend, auf das Positionsgut „Privatjet“ zu verzichten, durchsetzen würde. Sollten die Superreichen beim Pendeln zwischen den Hot-Spots, In-Locations und Nobelherbergen dieser Welt künftig soziale Fluggemeinschaften bilden, dann würde nicht nur die Umwelt davon profitieren. Vielmehr käme man sich über den Wolken bei einem Glas Champagner wohl auch menschlich etwas näher, was nicht nur neue Freundschaften, sondern auch weitere lukrative Geschäftsverbindungen befördern könnte.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"> Saez, Emmanuel 2012<em>: Striking it Richer: The Evolution of Top Incomes in the United States</em></span></p>
<p><em>(Updated with 2009 and 2010 estimates)</em> <em>http://elsa.berkeley.edu/~saez/saez-UStopincomes-2010.pdf</em></p>
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		<title>Eine Trilogie von Neid I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 11:41:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Milliardäre]]></category>
		<category><![CDATA[n-tv]]></category>
		<category><![CDATA[Neid]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nein, es war keine Absicht, vielmehr reiner Zufall, als ich im Sportstudio wieder einmal die Gelegenheit hatte, mir während meines Trainings &#8222;n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht&#8220; anzusehen. Da kann ich einfach nicht abschalten, wenn es wieder einmal heißt: „Hallo, liebe Milliardäre!“ Dieses Mal ging es „nur“ um eine russische Multimillionärin, also um eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, es war keine Absicht, vielmehr reiner Zufall, als ich im Sportstudio wieder einmal die Gelegenheit hatte, mir während meines Trainings &#8222;n-tv Deluxe – alles, was Spaß macht&#8220; anzusehen.<span id="more-1295"></span> Da kann ich einfach nicht abschalten, wenn es wieder einmal heißt: „Hallo, liebe Milliardäre!“ Dieses Mal ging es „nur“ um eine russische Multimillionärin, also um eine Geringverdienerin im Rahmen dieser Sendung, die sich gerade mit ihrem Privat-Jet nach Deutschland hatte einfliegen lassen. Nein, nicht was Sie schon wieder denken! Keine Taschen, Schuhe oder andere Accessoires, kein Flanieren über Berliner Prachtstraßen standen auf der Agenda dieser Dame. Sondern Gesundheitsvorsorge. Natürlich nicht auf Kassen-Rezept. Aber die paar tausend Euro für den umfangreichen Checkup nahmen sich gegenüber den Flugkosten in fünfstelliger Höhe fast schon bescheiden aus. Und nach zwei Minuten sah der Fernsehzuschauer eine Jet-Setterin,<strong> </strong>die offenbar sehr erleichtert darüber war, dass der Befund wieder einmal auf &#8222;alles in Ordnung&#8220; lautete. Anscheinend kommen immer mehr reiche Persönlichkeiten aus dem Ausland nach Deutschland, um sich hier medizinisch behandeln zu lassen. Unter anderem auch deshalb, weil beispielsweise in Russland jedes zehnte Medikament ohnehin gefälscht sein soll, wie ich erfuhr. Ob wohl dieselbe Quote auch für die kostbaren Bordeaux-Weine gilt, die russische Superreiche in ihren Kellern lagern?</p>
<p>Nach dem Arzttermin ging es mit dem Chauffeur zum Shopping durch Berlin und zu einer Stippvisite beim Innenausstatter. Der letzte Schrei: ein Sofa mit Cashmere-Bezug zum bescheidenen Preis von 60.000 Euro. Kaum hatte ich diesen Betrag gehört, merkte ich, dass nicht nur mein Puls, sondern auch mein Tempo auf dem Cross-Trainer sich enorm steigerte. Denken Sie, dass ich vor Neid platzte? Mitnichten. Diese Multimillionärin spielt einfach in einer anderen Liga, muss ich unumwunden zugeben. Und das Einzige, was die russische Schwerreiche mit mir gemeinsam hat, ist, dass wir beide jetzt einmal von n-tv interviewt worden sind, ich allerdings in einem anderen Format. Ansonsten lässt mich die schöne, teure Welt dieser Dame kalt, zumal ich ohnehin weiß, dass eine Grundvoraussetzung für Neid die soziale Vergleichbarkeit mit dem zu Beneidenden ist.</p>
<p>Richtig interessant wurde es für mich erst, als meine mittlerweile lieb gewonnene Bekannte aus der russischen Oberschicht nachmittags zum Zahnarzt ging. Man begrüßte sich mit Küsschen rechts und Küsschen links, und dann ging es auf den Behandlungssessel zum Super-Bleaching der Zähne (weißer geht&#8217;s nicht mehr). Die Behandlung wurde allerdings vom überaus beflissenen Zahnarzt nicht mit einem &#8222;Jetzt siehst Du wieder blendend aus!&#8220;, sondern mit dem Ausruf  &#8222;Ich beneide Dich um Deine weißen Zähne…&#8220; abgeschlossen. Da musste ich innerlich den Hut ziehen. Denn das gab der Millionärin nicht nur das Gefühl des Gewinns, jetzt wieder strahlend weiße Zähne zeigen zu können, sondern auch noch das gute Gefühl, jemand anderes würde sie genau darum beneiden. Und das fühlte sich für sie sicherlich an wie ein doppelter Gewinn. Und warum das so ist, das erfahren Sie Morgen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-trilogie-von-neid/">Eine Trilogie von Neid I</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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