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	<title>Lotterie Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Referenzpunkt-Roulette</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 06:26:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gewichtung von Wahrscheinlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass jemand Lotto spielt, um auf einen Schlag reich zu werden, kann ich noch irgendwo verstehen. Auch wenn der Erwartungswert dieses Spieles negativ ist und deshalb rational denkende Menschen vom Spielen abhalten sollte, kaufen sich Millionen von Bundesbürgern jedes Wochenende, manchmal auch mittwochs, ein Stück von diesem Traum. Ein Umstand, der vor allen Dingen der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass jemand Lotto spielt, um auf einen Schlag reich zu werden, kann ich noch irgendwo verstehen. Auch wenn der Erwartungswert dieses Spieles negativ ist und deshalb rational denkende Menschen vom Spielen abhalten sollte, kaufen sich Millionen von Bundesbürgern jedes Wochenende, manchmal auch mittwochs, ein Stück von diesem Traum.<span id="more-3716"></span> Ein Umstand, der vor allen Dingen der Tatsache geschuldet ist, dass die extrem geringe Gewinnchance auf die höchste Gewinnklasse (sechs Richtige plus Super-Zahl) vergrößert wahrgenommen wird.</p>
<p>Warum allerdings Menschen ins Spielcasino gehen, in der Hoffnung, den Roulettetisch am Abend als Sieger zu verlassen, ist mir indes immer ein Rätsel geblieben. Zwar sind die Gewinnchancen bei diesem Spiel deutlich besser als beim Zahlenlotto, weil der Hausvorteil der Casinos vergleichsweise gering ist. Dennoch ist der Erwartungswert beim Roulette ebenfalls negativ und das Risiko, bei langen Spielserien am Ende mit weniger Geld als zu Beginn dazustehen, relativ hoch. Vor allen Dingen wenn man viele solcher Besuche tätigt. Denn von den einzelnen Wahrnehmungsepisoden werden vor allem die erfolgreichen in der Erinnerung gespeichert. So gesehen erlangt der Satz „Neues Spiel, neues Glück“ eine zusätzliche Bedeutung.</p>
<p>Jetzt werden mir natürlich gleich all diejenigen heftig widersprechen, die möglicherweise ein System entwickelt haben, wie man beim Roulette langfristig Geld verdienen kann. Ich bin, offen gesagt, noch nicht dahinter gekommen, wie das geht. Und damit geht es mir vermutlich wie den meisten anderen Menschen. Was sie aber trotz ihrer Verlustaversion nicht davon abzuhalten scheint, dem Spielcasino immer wieder einen Besuch abzustatten.</p>
<p>Auch Wissenschaftler haben sich mit diesem seltsamen Verhalten beschäftigt.<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn1">[1]</a> Denn man wird am Roulettetisch nicht schlagartig mit einem riesengroßen Hebel reich, sondern selbst bei einer Wette auf eine einzige Zahl ist doch einiges Geld mitzubringen, wenn der 35-fache Einsatz im Gewinnfall zur Auszahlung kommt und richtig Spaß machen soll. Vielleicht mag es das Ambiente von Spielcasinos sein, das plötzlich zu erhöhten Einsätzen reizt, weil man mit zu den Spielern gehören möchte, die stapelweise Jetons auf dem Spieltisch platzieren. Oder zu den Reichen, die im Restaurant des Casinos gerade Champagner und Hummer genossen haben mögen.</p>
<p>Dennoch: Fakt ist, dass die meisten Menschen nicht gewillt sind, eine Wette zu akzeptieren, bei der man mit gleich hoher Chance entweder einen Geldbetrag gewinnen oder verlieren kann.<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn2">[2]</a> Trotzdem sieht man in den meisten Spielcasinos viele Spieler, die bereit sind, beim Roulette auf Rot oder Schwarz zu setzen. Und das auch noch mehrere Male hintereinander. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass die Verlustaversion für ganz kleine Beträge nicht gilt. Etwa für Einsätze, die unter einem Euro liegen. Weil ein solcher Betrag verglichen mit dem verfügbaren Einkommen gering zu sein <em>scheint.</em> Und genau auf diesen Kontext kommt es an. Und so wundert es nicht, dass in vielen Casinos die Spieltische mit hohen Einsatzlimits bestmöglich platziert sind. Denn im Verhältnis zu diesen hohen Beträgen kommt den Spielern der Mindesteinsatz am Tisch relativ niedrig vor, wodurch sich ihre Spielbereitschaft erhöht. Im Zweifel geht man sogar zum Nachbartisch, wo man mit noch kleineren Einsätzen zocken kann. Hat man dann erst einmal mit dem Spielen begonnen, sitzt man aber eigentlich schon in der Falle, vor allem wenn man nach einer Serie kleinerer Verluste diese unbedingt wieder wettmachen möchte. Etwa durch einen höheren Einsatz. Denn der Referenzpunkt ist dann längst nicht mehr das Tischlimit, sondern der eigene Geldbeutel.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Simmons, Joseph P., Novemsky, Nathan (2009): From Loss Aversion to Loss Acceptance: Context Effects on Loss Aversion in Risky Choice, Working Paper</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref2">[2]</a><span style="font-family: Calibri; font-size: x-small;"> zum Beispiel, eine 50-Prozent-Chance, zehn Euro zu gewinnen, verbunden mit einem 50-prozentigen Risiko, zehn Euro zu verlieren)</span></p>
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		<title>Laborversuch mit Lottoglück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 07:12:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen las ich in der New York Times eine Geschichte darüber, wie ein ganzes spanisches Dorf namens Sodeto, etwa drei Autostunden nordwestlich von Barcelona gelegen, bei der nationalen Weihnachtslotterie richtig abgeräumt hatte: Der Gewinn von mehr als 100 Millionen Euro verteilte sich auf 250 Einwohner, die meisten von ihnen Bauern oder arbeitslose [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen las ich in der New York Times eine Geschichte darüber, wie ein ganzes spanisches Dorf namens Sodeto, etwa drei Autostunden nordwestlich von Barcelona gelegen, bei der nationalen Weihnachtslotterie richtig abgeräumt hatte: Der Gewinn von mehr als 100 Millionen Euro <span id="more-3211"></span>verteilte sich auf 250 Einwohner, die meisten von ihnen Bauern oder arbeitslose Handwerker – 70 Haushalte, die bis dahin nicht nur unter der schlechten konjunkturellen Situation des Landes, sondern auch noch unter einer extremen Dürre gelitten hatten.</p>
<p>Nun ist es nicht so, dass alle Einwohner von Sodeto gleichviel von den 100 Millionen Euro abbekommen hätten, also 400.000 Euro für jeden von ihnen. Bis auf einen Griechen, den es aus Liebe zu einer Frau in dieses Nest verschlagen hatte und den die Losverkäuferin der Hausfrauenorganisation offenbar übergangen hatte, erhielt allerdings jeder Dorfbewohner mindestens 100.000 Euro, andere jedoch wiederum bekamen ein Vielfaches davon ausgezahlt. Und wenn man den Journalisten Glauben schenken darf, die sich sofort nach Bekanntwerden dieses Geldregens und -segens nach Sodeto begaben, hatte es bis dahin in der Dorfgemeinschaft weder Neid, Missgunst noch sinnlose Prasserei gegeben. Und das, obwohl bereits jede Menge Glücksritter und Autoverkäufer, angezogen vom Geld wie die Motten vom Licht, dieses gottverlassene Dorf aufgesucht hatten, für das sich normalerweise kein Mensch interessiert hätte.</p>
<p>Mag sein, dass es auch an den vielen alten Leuten unter den Dorfbewohnern lag, dass man sich bislang große Anschaffungen oder gar sinnlosen Konsum versagte. Vielleicht machte aber auch die Angst, das viele Geld könne die Menschen und die ganze Dorfgemeinschaft ins Unglück stürzen, die plötzlich zu Reichtum Gelangten vorsichtig und zurückhaltend. Denn bislang saß man im gleichen Boot, hielt zusammen und pflegte eine Fairness, die so weit ging, dass eine Losverkäuferin den Gewinn einer Freundin nicht für sich behielt, obgleich diese bis zur Ziehung des Hauptgewinns ihr Ticket noch nicht einmal bezahlt hatte.</p>
<p>Ich wünsche den Bürgern von Sodeto von Herzen, dass die Stimmung im Dorf so bleiben wird, bin aber trotzdem pessimistisch. Zum einen, weil sich mehrere Arme und Mittellose im Dorf nur ein Viertellos leisten konnten und somit natürlich auch nur einen relativ kleinen Gewinn bekamen. Geld, das nach der Bezahlung aller Kredite und der längst notwendig gewordenen Hausrenovierung schnell aufgebraucht sein könnte. Und wenn dann der Erste der Großgewinner nach Verstreichen einer gewissen Schamfrist doch einen nagelneuen Jaguar, einen Porsche oder Maserati vor seinem Haus parkt,  dürften die anderen Neureichen nicht lange zögern und nachziehen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Anders ausgedrückt: In diesem Augenblick beginnt das Wettrüsten um so genannte Positionsgüter<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn2">[2]</a>. Verbunden mit Neid und Missgunst derer, die nicht mithalten können. Da wird das neue Statussymbol des Nachbarn schnell wie ein eigener Verlust wahrgenommen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn3">[3]</a>. Am Ende besteht also die große Gefahr, dass sich Zufriedenheit und Harmonie im Dorf, trotz des Geldsegens, über den sich heute noch alle freuen mögen, dramatisch verringern werden.</p>
<p>Die neugierigen Journalisten dürften bis dahin längst schon wieder abgereist sein. Aber es wäre zu wünschen, dass sich vielleicht zumindest Psycholog(inn)en in regelmäßigen Abständen in dieses Dorf aufmachen, um die Bewohner nach ihrem Wohlergehen zu fragen. Die Glücksforschung ist doch momentan groß in Mode. In Sodeto kann man zurzeit fast so etwas wie perfekte Laborbedingungen vorfinden.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Um es  mit den Worten John Stuart Mills auszudrücken: “Men do not desire merely to be rich, but to be richer than other men“</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref2">[2]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Das sind messbare Güter, mithin Statussymbole, die den Zweck haben, gegenüber denjenigen mit denen man sich sozial vergleichen kann, eine bessere „Position“ zu erreichen.</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref3">[3]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> vgl. auch Luttmer, Erzo F. P. (2005): <em>Neighbors as Negatives: Relative Earnings and Well-Being, </em>The Quarterly Journal of Economics</span></span></p>
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		<title>Das Los der Armen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Mar 2011 10:54:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung kleiner Wahrscheinlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Lotterie]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlbefinden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die gestrige einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, dass Hartz-IV-Empfänger in Nordrhein-Westfalen ab sofort nicht mehr an öffentlichen Glücksspielen teilnehmen dürfen, mag mancherorts wie eine Bombe eingeschlagen und für große Empörung gesorgt haben. Von einer Stigmatisierung armer Menschen ist in vielen Internetforen die Rede. Andere wiederum sehen in diesem Verbot die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen massiv beschnitten. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/das-los-der-armen/">Das Los der Armen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die gestrige einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, dass Hartz-IV-Empfänger in Nordrhein-Westfalen ab sofort nicht mehr an öffentlichen Glücksspielen teilnehmen dürfen, mag mancherorts wie eine Bombe eingeschlagen und für große Empörung gesorgt haben. Von einer Stigmatisierung armer Menschen ist in vielen Internetforen die Rede. Andere wiederum sehen in diesem Verbot<span id="more-1054"></span> die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen massiv beschnitten. Ich möchte nicht darüber befinden, ob die Entscheidung, dass jemand, der soziale Leistungen bezieht, kein Geld für Glücksspiele verwenden darf, richtig ist oder nicht. Auch will ich nicht vor Spielsucht warnen. Die Risiken und Nebenwirkungen von Spielautomaten und Glückslotterien dürften hinlänglich bekannt sein. Schon gar nicht aber möchte ich mich dem homo oeconomicus anschließen, dieser vernunftgesteuerten Spaßbremse. Er, der notorische Besserwisser und Langeweiler, würde einem an dieser Stelle erklären, dass Glücksspiele kein sinnvolles Investment sind, weil sie eine negative Gewinnerwartung haben: Der Einsatz wird der winzigen Chance auf den Jackpot nicht annähernd gerecht. Sie beträgt lediglich 1 zu knapp 140 Millionen.</p>
<p>Allerdings haben die Verhaltensökonomen schon vor Jahren festgestellt, dass die meisten Menschen kleine Wahrscheinlichkeiten wesentlich höher einschätzen, als sie tatsächlich sind. Anders ausgedrückt: Von der Tatsache, dass an jedem Samstag jeder Lottospieler in der Republik glaubt, jetzt sei er aber mal dran, den Jackpot zu knacken, profitiert eine ganze Industrie.</p>
<p>Während die einen also schulmeisterlich erklären, dass Lottospielen irrational sei und deswegen den Geldbeutel der Ärmsten nur unnötig belaste, sollte man gleichzeitig bei aller kühlen Rechnerei nicht vergessen, dass mit dem Ausfüllen des Lottoscheins auch ein Traum gekauft wird. Ein Traum, der einem zumindest für ein paar Stunden in der Woche die Hoffnung vermittelt, vielleicht auf einen Schlag aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen. Genau um diese Sehnsucht mag es auch George Orwell gegangen sein, als er in seinem Roman „1984“ beschrieb, was die wöchentliche Lotterie mit ihren riesigen Gewinnen für die Armen bedeutet. Auch wenn die Hauptpreise stets an Personen gingen, die in Wahrheit gar nicht existierten, war die Lotterie der Haupt-, wenn nicht der einzige Grund der Bedürftigen, überhaupt weiterzumachen und nicht an ihrer Not zu verzweifeln.</p>
<p>Diejenigen, die den Ärmsten das Lottospielen verbieten wollen, sei es, um sie zur Sparsamkeit zu erziehen oder um die Kosten für das soziale Netz zu drücken, sollten daher nicht unterschätzen, welchen Sinn und Nutzen kollektiv erlebte Wunschträume und Hoffnungen für benachteiligte Menschen haben können. Auch wenn es nur für ein paar Stunden am Mittwoch und am Samstagabend ist. Und wohl fast immer eine schöne Illusion bleiben wird.</p>
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