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	<title>Krise Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Geheimbund Goldman</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Sep 2012 09:06:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sah gestern den am 5.9. von ARTE erstmals ausgestrahlten Film &#8222;Goldman Sachs – eine Bank lenkt die  Welt&#8220; und war zunächst beeindruckt, wenn nicht gar schockiert über das mächtige Netzwerk, das diese Investmentbank angeblich aufgebaut haben soll. Da kann einem nur angst und bange werden, wenn man der Darstellung der Filmemacher Glauben schenken möchte. So [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sah gestern den am 5.9. von ARTE erstmals ausgestrahlten Film &#8222;<a href="http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt--6894428.html">Goldman Sachs – eine Bank lenkt die  Welt</a>&#8220; und war zunächst beeindruckt, wenn nicht gar schockiert über das mächtige Netzwerk, das diese Investmentbank angeblich aufgebaut haben soll. Da kann einem nur angst und bange werden, <span id="more-5076"></span>wenn man der Darstellung der Filmemacher Glauben schenken möchte. So wurde gezeigt, dass in vielen leitenden Positionen von Politik und Wirtschaft, aber eben auch bei den Kontrollinstanzen, den Regulatoren, ehemalige Mitarbeiter und Entscheider von Goldman Sachs sitzen. Natürlich mit allen dazugehörigen Interessenskonflikten. Am Ende des Filmes konnte man fast den Eindruck gewinnen, es handele sich bei Goldman um eine Organisation, die sich der ganzen Welt bemächtigen möchte. Aber dies könnte man genauso gut über andere Organisationen, etwa den 47.000 Mitglieder starken ominösen Council on Foreign Relations, ein Zusammenschluss vieler mächtiger Persönlichkeiten aus den USA,  behaupten. Überhaupt erweist sich vieles, was der Film behauptet, als spekulativ. So suggestiv die Aneinanderreihung  von Konterfeis der Mächtigen auf einem schönen Bild wirken mag, bewiesen ist damit noch nichts. Vielmehr sind solche Mutmaßungen Wasser auf die Mühlen von Verschwörungstheoretikern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Repräsentativitätsirrtum?</strong></p>
<p>Auch wenn die Dokumentation hier und da zur Überzeichnung neigt, indem man etwa OTC-Geschäfte als etwas Geheimnisvolles und Intransparentes darstellt oder auch zu bereitwillig unterschiedlichste Finanzinstrumente mit dem verdächtigen Begriff „Derivate“ belegt, sind bei mir doch einige Zitate ehemaliger Goldman-Mitarbeiter hängen geblieben, die mir zu denken geben. Nicht nur, weil sie in anderen großen Unternehmen genauso gut vorkommen können, sondern weil sie so sehr der Realität entsprechen, dass man den Rest der Dokumentation automatisch ebenfalls für wahr hält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Es geht nicht nur um Geld</strong></p>
<p>Man muss vielleicht nicht so weit gehen, dass man sich das Zitat eines Goldman-Händlers „Es reicht nicht, Erfolg zu haben, andere müssen scheitern&#8220; zur Handlungsmaxime macht. Anscheinend geht es im fairen Wettbewerb nicht mehr nur darum, der Beste zu sein, sondern durch das Ausschalten der Konkurrenten den Wettbewerb gleichsam abzuschaffen. Dabei geht es den Protagonisten dieser Philosophie anscheinend mehr um Macht als um Geld: Der eigene Erfolg wird dadurch erhöht, dass man den Verlust des Konkurrenten wie einen eigenen Gewinn wahrnimmt. So zumindest ließe sich dieser unbedingte Wille zum Sieg aus Sicht der Behavioral Economics erklären.</p>
<p>Wer jedoch versucht, die bösen Finanzmärkte mit Regulierungen zu überziehen und sie dabei womöglich so stranguliert, dass sie nicht mehr funktionieren, wird nicht diejenigen treffen, die für das ganze Desaster seit 2007 verantwortlich sind. Denn das Hauptproblem besteht eigentlich in der Wertewelt, wie sie von einer Investmentbank wie Goldman, aber auch von vielen anderen Instituten vertreten wird.</p>
<p>Mehr dazu <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/goldmans-gehorsam/" target="_blank">im zweiten Teil dieses Blogs</a>, der morgen erscheinen wird.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/geheimbund-goldman/">Geheimbund Goldman</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Himmlischer Mehrwert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 07:39:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Kürzlich hatte ich Gelegenheit, in einer Frankfurter Kirche einem Streitgespräch zwischen Professor Paul Kirchhof, dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter, und dem früheren Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Wolfgang Huber, zuhören zu dürfen. Es ging um das Ende der Institutionen und über die schleichende Zerstörung von Staat und Kirche. Und beinahe zwangsläufig wandte sich das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kürzlich hatte ich Gelegenheit, in einer Frankfurter Kirche einem Streitgespräch zwischen Professor Paul Kirchhof, dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter, und dem früheren Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Wolfgang Huber, zuhören zu dürfen. Es ging um das Ende der Institutionen und über die schleichende Zerstörung von Staat und Kirche.<span id="more-3151"></span> Und beinahe zwangsläufig wandte sich das Gespräch bald dem Thema &#8222;Krise&#8220; zu, der Leerformel für alle Probleme der Gegenwart.</p>
<p>Der Urheber der Krise war schnell ausfindig gemacht:  die „anonymen, verschleierten“ Finanzmärkte. Kein Wunder, dass die Gesprächsrunde sich auch mit den Spekulanten beschäftigen musste, unter denen es, so lernte ich an diesem Abend, gute und schlechte gibt. So steht auf der einen Seite der brave Unternehmer, der Gebrauchsgüter produziert und daher auch –  in einem gewissen Rahmen, versteht sich – einen Mehrwert erzielen darf. Aber auf der anderen Seite lauern die bösen Hedgefonds mit ihren obskuren Derivaten und Hebeln, von denen der einfache Anleger ohnehin nichts versteht. Und, ganz schlimm: die Lebensmittelspekulation einiger Fonds  – bei der Vorstellung des durch höchst spekulative Warentermingeschäfte verursachten Hungers machte sich Betroffenheit auf vielen Gesichtern unter den Zuhörern breit.</p>
<p>Was mir bei all diesen Diskussionen immer wieder negativ auffällt, ist die Unfähigkeit der Experten, dem durchaus wissbegierigen und – wie Paul Kirchhof betonte – keineswegs dummen Zuhörer „die Finanzmärkte&#8220; verständlich zu erklären. Dabei handelt es sich nämlich keineswegs um gefräßige Monster, wie auch Hedgefonds keine geldfressenden Heuschrecken sind, die irgendwo in den Nebeln von Avalon ihr Unwesen treiben. Einzig die Moderatorin des Gesprächs, Gundula Gause, warf in einem kurzen Nebensatz ein, dass wir alle selbst doch Teil der Finanzmärkte seien. Und da hat sie zweifellos Recht. Und dieses „Wir“, das können Menschen sein, die den Wert ihres Ersparten zumindest erhalten wollen. Oder andere, die Ausschau halten, wo sie für ihr Geld die besten Zinsen bekommen. Möglichst sogar ein bisschen mehr als die anderen. Und dieses Ausschau halten nach einer günstigen Gelegenheit  haben schon die Römer mit dem Wort speculari umschrieben.</p>
<p>Nein, wir sollten nicht so tun, als ob wir uns mit einer gewöhnlichen niedrigen Verzinsung zufrieden gäben, wenn es irgendwo anders mehr zu verdienen gibt. Außerdem gewöhnen wir uns recht schnell an dieses Mehr, so dass wir bald noch mehr haben möchten, ein Phänomen, das man landläufig als Gier bezeichnet. Und wenn sich diese Gier in Finanzmarktturbulenzen manifestiert, passt es uns womöglich sogar ganz gut in den Kram, wenn diese gierigen Finanzmärkte anonym, „verschleiert“ wirken, das ist nämlich auch eine Tarnung für uns.  Anders ausgedrückt: die Gier des Einzelnen geht auf in einem abstrakten Gebilde, „den Märkten“, deren Auswüchse wir dann mit Fug und Recht verurteilen dürfen.</p>
<p>Und dann landete die Diskussion beim Matthäus-Evangelium 7,12, wo geschrieben steht, jeder solle den anderen wie sich selbst behandeln. Klar, dass man erwartet, im Gegenzug fürs eigene soziale Verhalten etwas zurückzubekommen. In einer Welt jedoch, in der nur noch wenige Regeln für das ökonomische Zusammenleben zu gelten scheinen, liegt eher die Befürchtung nahe, man könne von anderen übervorteilt werden. Und hier genau kommt der christliche Glaube ins Spiel. So hat die Kirche in der Vergangenheit für ethisch korrektes und soziales Verhalten den Lohn Gottes in Aussicht gestellt. Und sei es, dass dieser erst im Jenseits vergolten wird. Vielleicht ist das ein Grund für den Mitgliederschwund bei beiden christlichen Konfessionen: Die Kirche kann den Mehrwert Gottes nicht mehr vermitteln.</p>
<p>Der Ökonom und Nobelpreisträger Thomas  Schelling hat einmal festgestellt, dass Regeln notwendig sind, um egoistisches Verhalten einzudämmen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Regeln, die uns durch die Deregulierung der Märkte während der vergangenen 30 Jahre womöglich tatsächlich abhandengekommen sind. Regeln, deren Grundlage eine Wertewelt ist, die derzeit weder von Staat noch von der Kirche ausreichend repräsentiert werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Schelling, Thomas C. <em>Micromotives and Macrobehavior</em>, New York: W. W. Norton, 1978</span></span></p>
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		<title>Lebenslänglich Sport</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 07:38:13 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als sich gestern in der Online-Ausgabe des Guardian lesen musste, dass mein geliebtes &#8222;Fitness First&#8220; mit seinen Gläubigern in Verhandlungen getreten sei, kam ich ins Grübeln. Augenscheinlich hat die Fitness-Kette – eine der größten der Welt – Probleme, ihren hohen Zinszahlungen nachzukommen; die Nettoverbindlichkeiten hatten im Oktober 2010 bereits 612 Millionen englische Pfund betragen. Und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als sich gestern in der Online-Ausgabe des Guardian lesen musste, dass mein geliebtes &#8222;Fitness First&#8220; mit seinen Gläubigern in Verhandlungen getreten sei, kam ich ins Grübeln. Augenscheinlich hat die Fitness-Kette – eine der größten der Welt – Probleme, <span id="more-3132"></span>ihren hohen Zinszahlungen nachzukommen; die Nettoverbindlichkeiten hatten im Oktober 2010 bereits 612 Millionen englische Pfund betragen. Und prompt kam mir auch wieder mein alter Bekannter in den Sinn, <a href="http://www.blognition.de/behavioral-livin/lebenslanglich" target="_blank">der Mitte 2008 eine lebenslange Mitgliedschaft </a>bei besagtem Sportstudio zum stolzen, aber durchaus attraktiven Preis von 4.000 € (weltweite Nutzung aller Fitness Firststudios eingeschlossen) erworben hatte. Bei einem Monatsbeitrag von ca. 70 € bis 80 € für treue Mitglieder, hätte er ohne Berücksichtigung von Zinsen nach etwa vier bis fünf Jahren seinen Break-Even erreicht – legt man einen Zinssatz von realistischen 7 Prozent p. a. zu Grunde, kann man noch etwa ein gutes Jahr dazu rechnen.</p>
<p>Ich hatte damals sicherlich gute Gründe gehabt, meinen Sportsfreund vor solch einem Engagement zu warnen, zumal auch ich ein ähnliches Angebot erhalten hatte, mich aber letztlich dagegen entschied. Immerhin befanden wir uns mitten in der Immobilienkrise und viele Menschen erfuhren zum ersten Male, dass es so etwas wie ein Kontrahenten-Risiko gibt. Und fast schon etwas ketzerisch begann ich damals darüber zu nachzudenken, ob das Sportstudio zum Zeitpunkt, an dem mein Bekannter seinen Break-Even erreichen würde, überhaupt noch existierte. Oder, wie mein Mitstreiter damals selbst zu bedenken gab, er überhaupt zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sei.</p>
<p>Damals wie heute wurde mir allerdings sehr schnell klar, dass das Leben nicht aus binären Ereignissen besteht. Es gibt nicht nur Tod oder Leben, sondern viele Schattierungen dazwischen, Unfälle und schwere Verletzungen eingeschlossen. Genauso wenig mache ich mir Sorgen, ob Fitness First überlebt, oder Pleite geht. Vielmehr sollten wir uns auf das konzentrieren, was zwischen diesen Extrema liegen könnte. Alleine die Tatsache, dass mein geliebtes Sportstudio – auch wenn es seinen Zinszahlung nachkommen kann – erhebliche Einsparungen vornehmen muss, bereitet mir Kopfzerbrechen. Zumal in Zeiten drohender Rezession vor allem aus Faulheit &#8222;ruhende&#8220; Mitgliedschaften in solchen Klubs als erstes gekündigt werden. Und weil sich eine lebenslange Mitgliedschaft nicht ein zweites Mal verkaufen lässt, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Cost-Cutter als erstes am Service und den Personalkosten sparen werden. Möglicherweise wird dann, wie oft in solchen Fällen, etwas weniger geputzt und die Toilette etwas seltener gereinigt. Macht doch nichts, wo man den dadurch entstehenden Verlust an Gesundheit und Wohlbefinden doch durch zwei Stunden extra Training in der Woche wieder ausgleichen kann. Sehen Sie es positiv! Und das lebenslänglich!</p>
<p><span style="font-family: Calibri; font-size: small;"> </span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/lebenslanglich-sport/">Lebenslänglich Sport</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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