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	<title>Konformität Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Goldmans Gehorsam</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2012 08:39:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der gestrige Blog beschäftigte sich mit der Arte-Dokumentation &#8222;Goldman Sachs – eine Bank lenkt die  Welt&#8222;. Was der Film über das Netzwerk dieses Geldinstituts aussagte, könnte stellvertretend auch für viele andere Unternehmen, Organisationen und Verbände, von der Harvard-Universität bis zu den Freimaurern,  gelten. Aber ich mag keine Verschwörungstheorien. Interessanter fand ich daher die in dieser [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der gestrige Blog beschäftigte sich mit der Arte-Dokumentation &#8222;<a href="http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt--6894428.html">Goldman Sachs – eine Bank lenkt die  Welt</a>&#8222;. Was der Film über das Netzwerk dieses Geldinstituts aussagte, könnte stellvertretend auch für viele andere Unternehmen, Organisationen und Verbände, von der Harvard-Universität bis zu den Freimaurern,  gelten. <span id="more-5085"></span>Aber ich mag keine Verschwörungstheorien. Interessanter fand ich daher die in dieser Dokumentation beleuchtete Wertewelt, die sicher typisch für das Denken in vielen Investmentbanken sein dürfte. Wenn etwa eine ehemalige Angestellte von Goldman Sachs erklärt, es käme nicht darauf an, wie viel man <em>absolut</em> verdient, sondern wie viele Dollars man <em>mehr</em> als der Kollege bekommt – ausschlaggebend für den Erfolg sei demnach die relative Position in der Hierarchie – werde ich ganz stark an einen Positionsgüterwettbewerb erinnert, über den ich <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/die-grose-pleite/"><em>hier</em></a> und <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform/"><em>hier</em></a><em> </em>bereits geschrieben habe. Kein Wunder, wenn in dieser Konkurrenz ethische Grundsätze außer Acht gelassen werden und wenn nicht wenige dazu bereit sind, sämtliche Regeln der Fairness zu vernachlässigen, um sich einen vorderen Platz innerhalb der Rangordnung zu sichern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Warten auf Godot</strong></p>
<p>Dazu passt auch die im Film geschilderte Situation, als ein Seniorpartner die Mitarbeiter seiner Handelsabteilung vor dem langen Wochenende des Memorial Days und nach Handelsschluss zu einer Konferenz um 16 Uhr bittet und dann das Personal stundenlang warten lässt. Wer da irgendwann die Geduld  verliert und sich mit Recht fragt, was das Ganze soll, um dann gegen 20 Uhr schließlich nach Hause aufzubrechen, braucht sich nach Goldman-Logik  nicht zu wundern, wenn er am Dienstag keinen Job mehr hat. Das nennt man neudeutsch „total dedication“, den totalen Einsatz, die uneingeschränkte Hingabe, „Tugenden“, die vor allem Soldaten abverlangt werden, die blind gehorchen sollen. Zwar bezahlt die Finanzwelt  (im Gegensatz zum Militär) ihren Einsatztruppen einen hohen Sold, damit sie nicht zum Gegner, also zu einer anderen Bank, überlaufen. Aber das hat den Effekt, dass sich konformes Verhalten und gegenseitige Bestätigung nur noch verstärken. </p>
<p>Aufschlussreich fand ich auch die Bemerkung einer Ex-Goldman-Mitarbeiterin und heutigen Journalistin beim US-Magazin „Vanity Fair“, die im Interview mit den Filmemachern sagte, Korruption entstünde in ihren Augen schon dann, wenn alle das Gleiche dächten, weil alle den gleichen gemeinsamen Hintergrund hätten. Das mag zunächst nach einer neuen Verschwörungstheorie klingen. Doch Menschen, die nicht selbständig denken, sondern vor allem immer gehorchen, können gar nicht in einen Interessenskonflikt geraten, wie der Film dem Zuschauer nahelegen will. Denn sie haben nur ein Interesse. Sie sind davon überzeugt, dass das, was sie tun, richtig ist – und sei es noch so sinnlos oder gar unethisch. Aber solche Mitarbeiter findet man eben nicht nur bei Goldman, sie gibt es überall.  </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Total dedication</strong></p>
<p>Natürlich ist die Gefahr einer Gleichschaltung im Denken bei homogenen Gruppen größer. Und in vielen Unternehmen ist Homogenität des Personals bereits das Ergebnis des Einstellungsverfahrens. Dieses wirkt wie ein Filter, der nur die Bewerber durchkommen lässt, die zu den übrigen Mitarbeitern passen. Goldman scheint jedoch noch einen Schritt weiter zu gehen. Da werden sogar noch einige Zeit später erneut bei einem Meeting Angestellte aussortiert, die durch das erste Raster durchgerutscht sein müssen. Und so bleibt am Ende ein Stamm von Mitarbeitern übrig, die alle willens sind, sich für die Firma aufzuopfern, wie der Film es am Beispiel eines Mathe-Genies aus dem Goldman-Team bei seiner Vernehmung vor dem US-Kongress zeigt.</p>
<p>Im Grunde hätte man doch gerade diejenigen Mitarbeiter, die Rückgrat bewiesen und sich eben nicht gruppenkonform verhalten haben, indem sie irgendwann nach Hause gingen, statt auf Godot in Gestalt ihres Chefs zu warten, belohnen müssen. Aber das macht man eben nur dann, wenn man selbstständig denkende und handelnde Mitarbeiter haben möchte. Aber genau das ist nicht gewollt. Und so bekommt man stattdessen gefügiges Personal, das sich konform zur internen Wertewelt des einzelnen Unternehmens oder einer ganzen Branche verhält. Die Gefahr scheint mir nur, dass sich dieses Wertesystem mittlerweile von den grundsätzlichen ethischen Vorstellungen in unserer Gesellschaft gänzlich abgekoppelt hat. Und deshalb frage ich mich, ob ein „<em>Wir bereuen</em>“ ausreichen kann, um diese Diskrepanz wieder zu überbrücken.</p>
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		<title>Richtungswechsel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 09:53:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einer Woche wird das Moratorium, das die Kanzlerin angekündigt hatte, um die Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern in Deutschland zu überdenken, offiziell zu Ende gehen. Damals hatte ich mich gefragt, ob Angela Merkel angesichts der Ereignisse von Fukushima in ihrer bisherigen Atompolitik die Notbremse gezogen, wenn  nicht sogar kapituliert habe. Eine Frage, die ich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In einer Woche wird das Moratorium, das die Kanzlerin angekündigt hatte, um die Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern in Deutschland zu überdenken, offiziell zu Ende gehen. <a href="http://www.blognition.de/markte/1065" target="_blank">Damals hatte ich mich gefragt, <span id="more-1785"></span></a>ob Angela Merkel angesichts der Ereignisse von Fukushima in ihrer bisherigen Atompolitik die Notbremse gezogen, wenn  nicht sogar kapituliert habe. Eine Frage, die ich dann doch mit einem glatten Nein für mich beantwortet hatte. Trotzdem wundere ich mich jetzt, was während der vergangenen Wochen alles passiert ist. Denn unsere zuletzt nicht gerade zupackend und entschlossen auftretende Kanzlerin scheint geradezu eine Metamorphose in Sachen politischer Entscheidungsfähigkeit durchlaufen zu haben. So wurde die Entscheidung zur Zukunft der Atomkraft so zügig getroffen, dass einigen konservativen Parteimitgliedern und Liberalen ganz schwindlig dabei wurde. Ja, die Energiewende, die heute beschlossen werden soll, bringt die Kanzlerin entscheidungstechnisch geradewegs von &#8222;behind“ zu „ahead of the curve“, wie man in gepflegtem Neudeutsch sagen würde. So schnell und überzeugend agiert sie in dieser Sache, dass sich vor allem die grüne Opposition eines ihrer wichtigsten parteipolitischen Themen beraubt sehen muss. Doch wer glaubt, Frau Merkel fahre mit eben diesen Grünen neuerdings einen Kuschelkurs, um vielerorts womöglich schwarz-grüne Koalitionen Wirklichkeit werden zu lassen, muss damit nicht unbedingt richtig liegen. Auch ist unklar, ob die neuerdings entfachte Merkel‘sche Entscheidungsfreude tatsächlich den jüngsten Wahlschlappen ihrer Partei geschuldet ist und somit nur als hektische Überreaktion zu gelten hat.</p>
<p>Zweifellos hat die Kanzlerin in einer schwierigen parteipolitischen Phase mit den Ereignissen um Fukushima Pech und ein Quäntchen Glück zugleich gehabt. Pech, weil die ursprüngliche Entscheidung, die Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern, offenbar falsch war und somit modifiziert, wenn nicht gar rückgängig gemacht werden musste. Glück, weil sich bei der Mehrheit der Bundesbürger während der vergangenen beiden Monate die Normen hinsichtlich der Atomkraft massiv verschoben haben. Es ist genau diese Verschiebung, die den Richtungswechsel der Kanzlerin leicht gemacht hat. Denn Entscheidungen, die den (gesellschaftlichen) Normen entsprechen, bringen ein geringeres Commitment mit sich als solche, die gegen diese verstoßen. So gesehen ist der Richtungswechsel in Sachen Atomkraft gar nicht so mutig, wie er auf den ersten Blick aussehen mag. Denn die Konformität mit dem breiten Bürgerwillen macht zum einen den Rückzug von der alten Entscheidung leichter, zum anderen ist die neue Haltung zur Atomkraft zumindest aus dieser Perspektive mit einem geringeren Commitment verbunden. Vielleicht ist Frau Merkel also deshalb so schnell vorgeprescht, weil sie wusste, dass die Mehrheit der Wähler hinter der Kurve sich zumindest in der Energiepolitik treu an ihre Fersen heften würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
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